1895
Drittes Blatt
N«. 139
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren
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chratisöeitage: chießener Aamilienbtätter
kanatsconferenz auf Montag den 24. Juni hat verlegt wer
den muffen.
Wahl.
Sonntag den 16. Juni
Lnnahmc von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.
Sitzung der Stadtverordneten
am 14. Juni 1895.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Brück, Emmeltus, Faber, Flett, Dr. Gut- fleisch, Heyligenstaedt, Helfrich, Hornberger, Jughardt, Keller, Löber, Orbig, Dr. Ploch, Petri, Scheel, Schmoll, Dr. Thaer und Vogt. , ,r -
Herr H. Schaumberger hat um Erlaubniß zur Her- tellung einer Ueberfahrt nach seinem in den Rodtgärten ge- legenen Grundstücke nachgesucht. Das Gesuch wird unter Festsetzung der üblichen AnerkennungSgebühr aus Widerruf genehmigt.
Herrn Joh. Fischer wird gestattet, eine Wafser- abführung in einen städtischen Fluthgraben am Schiffenberger- weg in der von der Baudeputatton näher beschriebenen Ausführung anzulegen.
Das Gesuch des Braunsteinbergwerks um Et- laubniß zum Bauen einer Schmiede aus Fachwerk soll, da eS sich um ein außerhalb des Bebauungsplanes zu stehen kommendes Bauwesen handelt, ausnahmsweise befürwortet werden. „ , , 1£L
Dem Gesuche des Herrn Th. Brück um Erlaubniß zur Errichtung einer Veranda an der Ecke der Schloßgaffe und des Canzleibergs wird unter dem Vorbehalt zugestimmt, daß diese Veranda innerhalb der Fluchtlinie beider Eckhäuser ^^Bei^dem'Baugesuch deS Herrn Carl Berg für die Waagengaffe handelt es sich um Dispensation von den Be- stimmungen der Bauordnung, welche vorschreiben das Frei- lassen eines Fünftels des Bauterratns und einer zwei Meter breiten Einfahrt. Die Versammlung beschloß, dem Anträge der Baudeputation beizutreten, welcher dahin geht, daß der geplante Lichthof als unüberbaut in Rechnung gestellt und von der Einfahrt abgesehen werden möge, dagegen soll zur Bedingung die Anlage eines Hydranten im Hose gemacht und als Baufluchtlinie die Ecken der beiden Nachbarhäuser angenommen werden. Q . , m ,,
Nachdem vor ungefähr Jahresfrist Seitens deS Großh. Polizeiamts empfohlen worden, den Freibade platz den Rücksichten auf die Anwohner und Passanten entsprechend herzurichten, hat der „Verein für volksthümliche Wahlen" vor einiger Zeit um die Errichtung einer Halle und ständige Ueberwachung behufs Verhütung von Unglücksfällen nachgesucht. Die auf Grund der polizeilichen Anregung errichtete Halle hat einen Kostenaufwand von 180 Mk. ver-
Deutsche» Reich.
Darmstadt, 14. Juni. Aus London wird der „Darmst. Ztg." gemeldet, daß Ihre König!. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin am Montag den 10. b. 9Rt8. daS Coventgarten-Theater, am folgenden Abend Dailys Theater und am Mittwoch den 12. dS. ein von. der Marchioneß of Londonderry veranstaltetes Ballfest besuchten. Für heute ist der Besuch einer Abendgesellschaft mit Concert in Buckingham Palace in Aussicht genommen. v
Berlin, 15. Juni. Es ist sehr bemerkt worden, daß sich der Kaiser bei der Besichtigung deS Garde-Kürassier-Regi- mentS auffallend lauge mit dem französischen Militär- Atta chv unterhalten hat. Man bringt diese Auszeichnung mit der Zustimmung der französischen Deputirtenkammer zur Haltung des Ministeriums Ribot in der Kieler Angelegenheit und in der ostasiatischen Frage in Verbindung.
— Die von bimetallistischer Seite angeregte internationale Währungsconferenz in Berlin scheint in ihrem Urzustände, dem eines bloßen Projektes, bleiben zu sollen. Wenigstens lauten die Erwiderungen, welche bislang von der Mehrzahl der Bundesregierungen auf die Seitens des Reichskanzlers gehaltene Umfrage in der Conferenz- angelegenheit etngegangen find, im Allgemeinen dem Zustandekommen der geplanten Münzconferenz keineswegs günstig. Wie die „Rat.-Ztg." erfahren haben will, verhält sich ein Theil der Bundesregierungen zwar nicht gerade ablehnend gegenüber dem Conferenzprojecte, aber man erwartet aus dieser Seite kein positives Ergebniß von emer solchen Eon- ferenz. Andere Bundesregierungen aber sollen sich mit Entschiedenheit gegen die angeregte internationale Währungs- conferenz unter Deutschlands Vortritt ausgesprochen haben, und von weiteren Regierungen, unter ihnen solche größerer Bundesstaaten, von denen eine Antwort noch nicht vorltegt, ist bekannt, daß sie ebenfalls mit Nachdruck widersprechen. Die oben genannte Zeitung zieht aus dieser Sachlage den Schluß, daß Reichskanzler Fürst Hohenlohe, wenn er trotzdem die Einladung zu einer internationalen Münzconferenz in Berlin ergehen lassen sollte, hierbei nicht auf die Zustimmung der Mehrzahl der einzelstaatlichen Regierungen rechnen könnte und somit das deutsche Reich nur einer empfindlichen Niederlage aussetzen würde.
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darf man auf eine sehr starke Beschickung von auswärts | rechnen und so dürfte ein gutes Resultat schon jetzt mit Sicherheit anzunehmen sein.
Außerordentlich rege und eifrig werden auch die Vorbereitungen der großen Jubelfeier der Jahre 1870/ betrieben. Die einzelnen Ausschüsse sind in großer Thatigkeit und fast täglich wird daS reichhaltige Programm noch durch Zufügungen ergänzt. Ein großer Festzug, voraussichtlich am 18. August, soll der Jetztzeit die Entwickelung der hessischen Armee seit dem 15. Jahrhundert in mehreren costümirten Gruppen veranschaulichen. Aus ganz Hessen sind die Veteranen der glorreichen Kämpfe geladen und man rechnet auf einen Andrang von vielen Tausenden. Dann ist noch die Feier der Grundsteinlegung für das Denkmal Ludwigs ^-geplant, doch verlautet über den Termin noch nichts ganz Bestimmtes. Auch soll auf dem Exercierplatz ein großes Volksfest stattfinden, das Jung und Alt Gelegenheit zu einer geselligen Feier in größtem Stile geben soll. Nähere Einzelheiten zu melden, fei uns für später überlassen, nur sei noch bemerkt, daß bereits Einzeichnungslisten für Beiträge zur Kostendeckung
Für Sonntag den 7. Juli plant eme Anzahl von sportS- freundlichen Herren eine eigenartige Veranstaltung in.größtem Stile. Auf der Rennbahn bei Kranichstetu, wo auch der hesfische Reiterveretn seine Sportskämpfe auSficht, soll an dem Igenannten Tage ein großes Wettrennen abgehalten werden, mit dem nach dem vorläufig entworfenen Programm ein großes Volksfest ^verbunden werden soll. Nach einer Meldung der „Neuen Hessischen VolkSblStter" sollen für mehrere Tausend Personen Sitzplätze geschaffen werden, auch soll für Unterhaltung verschiedener Art gesorgt werden. Eine große Anzahl bekannter Herrenreiter soll ihre BethetUgung an dem Rennen zugesagt haben. Auch sind bereits Ehrenpreise beschafft, darunter ein „Darmstädter Bürgerpte S im Werthe von 1200 Mk., den einige Herren, die sich für die dauernde Einbürgerung deS RennsporteS in Darmstadt in-
terefsiren, gezeichnet haben. Man bezweckt mit diesem Unternehmen offenbar, den Darmstädtern, die an Renntagen zu Hunderten nach Frankfurt pilgern, den Besuch von Rennen in Darmstadt häufiger zu ermöglichen, als dies seither übl ch war. Der Erfolg wird lehren, ob damit einem wirklich volksthümlichen Bedürfnisse gedient wird.
Das Sommertheater sieht auch in der abgelaufenen Woche auf hübsche Erfolge zurück. Vor Allem erwiesen sich Zellers „Obersteiger" und die neu aufgeführte Operette Zumpes, „Farinelli", als Zug- und Kaffenstücke, und ebenso war die Aufführung der „Ehre" von Sudermann, die seiner Zeit schon daS Ensemble deS Herrn Reiners bargestellt hatte, ein großer Erfolg in jeber Hinsicht. Für ben heutigen Freitag ist Suppes „Bocaccio" und für morgen Max Halbes Liebesbrama „Jugenb" angekünbigt. Die Mitglieder des Ensembles finb burchweg tüchtige Kräfte unb so wirb wohl bie Sommersaison im Saalbau recht günstig ablaufen.
Auch baö Orpheum im Skating-Ring erzielt hübsche Erfolge Vielleicht ist eS den beiben Unternehmungen zuzuschreiben, baß bis jetzt bie Zahl bet wöchentlich stattfinbenben Gartenconcerte keine große ist. Nur bie seit Jahren beliebten unb stets gut besuchten Sa al b au c on certe an den Donnerstag-Abenben haben bisher stattgefuuben unb natürlich ben üblichen Erfolg errungen.
Am nächsten Sonntag finbet nun auch das große Sommer fest deS Männerchors „Huma nitas" statt, zu dem die größten Vorbereitungen getroffen find. Die Feier, Über deren Programm wir schon neulich berichteten, mußte seither der ungünstigen Witterung wegen verschoben werden.
Die Ohly-Denkmal-Enthüllung ist nun definitiv auf 23. Juni anberaumt, die Ausstellung deS von unserem rasch bekannt gewordenen Landsmanne Ludwig Habich geschaffenen Monumentalbrunnens hat bereits in Neunkirchen begonnen. Die Betheiligung aus Darmstadt und dem Odenwalde wird jedenfalls colofsal.
Aiutlicher Theil.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht un Freden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf- schlage von Fünf vom Hundert pro Monat Mai 1895 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg betragen:
Hafer Mk. 15,23, Heu Mk. 5,50, Stroh Mk. 3,94.
Gießen, den 13. Juni 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Alle Annoncen-Burcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Gießener Anzeiger
Kmerat-Wnzeiger.
Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener MamIkienStitter »erden dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt.
Feuilleton.
Wochrndrirse aus der Residen,. (Originalbertcht deS „Gießener Anzeiger".)
Z. Darmstadt, 12. Juni.
Jubiläum de» SartenbauvereiuS. SrimrerungSfeier für 1870. WeMeuueu und Volksfest. Allerlei.
Ueber die für die Zeit vom 27. Juni bis 2. Juli in Aussicht stehende R of en aus ftellun g, die der hiesige Gattenbauverein miß Anlaß feines Jubiläums plant, haben wir unfern Lesern schon neulich berichtet. Heute können wir nun daS Berzeichniß bet bem Verein zur Verfügung stehenben Ehrenpreife bringen, bas einen recht stattlichen Umfang angenommen hat. Der Großherzog, bet bem Verein fett Jahren ein hulbvollet Ptotectot ist, hat eine mächtige silberne Vase in reicher cifeürter Arbeit, bie Großherzogin einen silbervergolbeten Pokal gestiftet. Prinz Wilhelm sandte eine große kostbare Broncevase, bie verwittwete Frau Prinzessin Battenberg einen reichverzietten Pokal, bie Gräflich Erb ach - Schönberg'schen Herrschaften stifteten zwei prachtvolle spanische Basen. Die Damen befl Vereins haben sieben kostbare Ehren- preise beigesteuert, bie meist werthvolle Gebrauchs- unb Luxus- -eaenstänbe darstellen. Der Verein selbst lieferte einen großen Silberpokal, bet Wormser Verein bei Rosenfreunde ein Silberbesteck, dazu kommen Ehrengaben des Stuttgarter, Mainzer GartenbauvereinS ufw., sowie die zahlreichen Gaben von einzelnen Freunden deS Vereins und seiner edlen Zwecke. Auch die landwirthschaftlichen Vereine erscheinen mehrfach unter den Gebern, sodaß man wohl behaupten kann, daß die Zahl der zur Vertheilung gelangenden Preise eine ganz außergewöhnlich große ist. Ein Theil der aufgezählten Prachtstücke ist zur Zeit in dem Laden der altbekannten hiesigen Firma Vietor ausgestellt und erregt bei allen Besuchern große Bewunderung. Ueber die Ausstellung selbst werden wir seiner Zeit an dieser Stelle ausführlicher berichten, jedenfalls
Bekamttmachmlg, betreffend ben am 17. unb 18. I. Mts. zu Herchenhain abzuhaltenden Viehmarkt.
Da die Maul- und Klauenseuche in Hartmannshain, Kreis Schotten, in größerer Ausdehnung herrscht, so hat das vroßherzoal. Kreisamt Scholten den auf Montag den 17. «nd Dienstag den 18. l. Mts. für Herchenhain bestimmt gewesenen Viehmarkt verboten. Gleichzeitig ist über bie verseuchten Gehöfte Gehöftsperte und über die Gemarkungen Harimannshain unb Herchenhain Gemarkungssperre »erhängt worden.
Gießen, den 14. Juni 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.___________
Gefunden: 1 Uhrkette, 1 Corallenkette, 1 Cigarrenspitze, 1 Regenschirm, 1 Rohrstuhl, 2 Metermaße, 1 Kinderschuh, 2 einzelne Handschuhe, 1 Kamm und 1 Gummiball.
Gießen, den 15. Juni 1895.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Wolff, Regierungs-Assessor.__
Hausen, den 14. Juni 1895.
Betreffend: Dekanatsconferenzen.
Das
Großh. evangelische Dekanat Gießen
an die Herren Geistlichen des Dekanats.
Ich theile Ihnen mit, daß wegen des Jahresfestes des Diakoniffenhaufes die auf den 19. ds. Mts. angesetzte De-


