Ausgabe 
16.5.1895 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 16. Mai

Nr. 114

Erstes Blatt

189$

Amts- und Anzeigeblutt fiiv den Tkveis Gieren.

chratisöeikage: Hießener Jamikienßtälter.

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v. Gagern.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

Redaktion, Erpeditta» und Druckerei:

-«Lukstraßc ^r.7.

Fernsprecher öl.

vierteljähriger llvonnemeulspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post or;oge» 2 Mark 50 Pfg.

Sie wollen in Ihren Berichten genau nach vorstehendem Schema mit Anführung der Lrduuugsnummern -verfahren.

Die Gießener A«mikieu vtäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigrlegt.

den Geldbetrag der Schulstrafen und deren Ver­wendung in den drei Jahren;

die Durchschnittszahl der Schulversäumniffe aus den letzten drei Jahren und zwar

1. der Volksschule,

2. der Fortbildungsschule,

a. unerlaubte Versäumnisse,

b. erlaubte,

c. wegen Krankheit.

Die Zahlen sind in Prozenten auszudrücken und zwar für jede Schulklasse besonders. Bei der Berechnung der Prozenten ist genau nach unserem Amtsblatt Nr. 2. vom 7. Mai 1879 zu verfahren. Die Berechnungen sind mit einzusenden; das Resultat ist nicht in gewöhnlichen, sondern in zweistelligen Dezimalbrüchen auszudrücken;

eingetretene Veränderungen in den drei Jahren durch Abgang, bezw. Versetzung und Neuanftellung von Lehrern, Schulverwaltern oder Gehülfen, ebenso durch Errichtung neuer Schulklasien;

Kosten, welche in den drei Jahren für Schulhaus­bauten (Neubauten und Umbauten) aufgewendet wurden. Kosten für kleinere Reparaturen sind nicht aufzuführen. e

Gießen, den 15. Mai 1895.

Betr.: Darstellung über den Zustand der Volksschulen Kreis Gießen in den Schuljahren 1892/94.

Die

Der chtetzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

ehrlos, unwütdtg, feig vor dem Feinde benommen haben. Die Be- fürchtung ist unberechtigt, daß solche Jnvaltdenpensionen aus politischen Rücksichten versagt werden könnten; diese Befürchtung widerspricht ja auch schon der bisherigm Handhabung des Jnvaltdensonbsgesetzes. Das Wortunwürdige Lebensführung" soll nur bedeuten: Personen, welche sich eineS unordentlichen Lebenswandels befleißigen.

Abg. Bachem (Ctr.) glaubt, daß hierdurch die Bedenken des Abg. Singer wohl erledigt sein könnten. Aber auch die Forderung Singers nach Pensionen von 360 Mk. könne er nicht unterstützen, weil erstens durch Annahme eines solchen Antrages das Zustande­kommen dieses Gesetzes sicher aufgehalten werden würde, und weil sich alsdann auch andere Personen finden würden, welche ähnlich hohe Ansprüche erheben würden. Seine Freunde sttmmlerr der Vorlage zu.

Abg. Lenzmann (frs. Vg.): Unter den gegenwättigen finanziellen Verhältnissen, wo wir eben erst eine Tabaksteuervoilage haben ab­lehnen müssen, hat die Woblthätigkeit des Herrn Singer, der die vorgeschlagenen Pensionen gleich verdreifachen will, für mich denselben Werth wie etwa die Wohlthätigkeit des Herrn Schädler mit seinem warmen Abendbrod. Ob man nicht eine geringe Erhöhung über 120 Mk. hinaus bei der zweiten Lesung beanttagen solle, wäre freilich noch zu überlegen. Gegen das Wortehrenvoll" können wir wohl nach der gegebenen authentischen Auslegung alle Bedenken fallen lqssen. Die unwürdige Lebensführung ließe sich vielleicht besser durch Lebenswandel" ersetzen, und zwar durch unsittlichen oder lüderltchen oder anstößigen Lebenswandel.

Generallieutenant v Spitz erklärt. mit dem Ausdruckan­stößiger Lebenswandel" würden die Regierungen vielleicht einverstanden sein, nicht jedoch mit einer Erhöhung der Pensionen über 120 Mk. hinaus. Er bitte Alle, die am Zustandekommen der Vorlage ein Interessen hätten, an der Höbe der Summe nichts in ändern-

Abg. v. Leipziger äußert sich Namens der Conservativen zu Gunsten der unveränderten Vorlage und aus financiellen Gründen gegen Singers Wunsch betr. Erhöhung auf 360 Mk.

Abg. Pachnicke (frs. Vg.) spricht sich für die Vorlage und gegen alle wettergehenden Wünsche aus, da hier jeder Schritt Hundert­tausende kosten könne.

Abg. Förster erklärt, daß die AnlisemitUt der Vorlage zu­stimmen.

Es erfolgt sofort die zweite Lesung.

Abg. Richter (frs. Vg.): Bei der nächsten Etattzberathung werde er beantragen, einen höheren Betrag als 400000 Mark aus dem allgemeinenPensionssonbs auf den Jnvaltdenfonds zu übernehmen. Ferner empfehle eS sich, zur Unterstützung der Invaliden auch die Gemeinden heranzuztehen.

Abg. o. Kardorff pflichtet diesen Gedanken bei.

Eine kurze Debatte entsptnnt sich dann noch über den inzwischen etngebrachten Antrag Singer, im S 1 das Wortehrenvoll" zu streichen

Minister v. Bro ns art bittet um Aufrechterhaltung dieses Wortes. Ausgeschlossen von dem Bezüge von Pensionen müsse beispielsweise sein, wer etwa geplündert habe oder Marodeur ge­wesen sei.

Abg. Singer (Soc) zieht schließlich seinen Antrag zurück und S 1 wird genehmigt.

Der Antrag Singer, die Beihilfe von 120 auf 360 Mark zu erhöhen, wird adgelehnt, nachdem der Antragsteller denselben be­fürwortet und Abg. v Karboifi denselben bekämpft hatte.

Ebenfalls adgelehnt wird ein Antrag Lenz mann zum S 3, statt unwürdiger Lebensführung zu sagenanstößiger Lebenswandel".

Ohne bemerkendwerthe Debatte wird der Rest der Vorlage an­genommen.

Es folgt die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Fürsorge für Militär- und Marine-Reltclen

Ein Antrag Harm will die Bestimmungen stretchen, wonach 1) nur eheliche Kinder zu berücksichtigen sind, und wonach 2) die Fürsorge nur eintreten soll, wenn die den Tod herbetführende Be­schädigung im Diensteohne eigenes Verschulden" erlitten worden ist.

Abgg. Bachem und Hammacher erklären sich gegen diesen Antrag in seinem ersten Theil, als insoweit derselbe auch für die unehelichen Kinder gesorgt wissen will, dagegen für Streichung der Worteohne eigenes Verschulden".

Nachdem auch Schatzfecretär Graf Pofadowsky kurz bemerkt, wie er glaube, würdm die Regierungen gegen die Streichung dieser letzten Worte wohl keinen Einwand erheben, wird der Antrag Harm in seinem zweiten Theil angenommen, in seinem ersten da­gegen ab gelehnt.

Ein fernerer socialdemokrattscher Antrag Stadthagen (Soc), die in der Vorlage aufgeworfenen Reliclenbezüge zu erhöhen, wird nach Bekämpfung desselben durch Generallieutenant v. Spitz und die Abgg. Bachem, Förster (Antis ), welche letzteren auf die Gesahr eines Scheiterns der Vorlage Hinweisen, abgelehnt und sodann der Rest der Vorlage debattelos unverändert angenommen.

Zur dritten Berathung steht die Vorlage betr. Ausführung des Zollcartells mit Oesterreich. Die definitive Annahme erfolgt debattelos.

Zur zweiten Berathung steht der Gesetzentwurf über den wechselseitigen Beistand der Bundesstaaten bei Einziehung von Ab­gaben und Vollstreckung von Vermögensstrafen. Nach einer un­erheblichen Debatte wird die Vor'age mit einer geringen Aenderung angenommen.

Es folgen Wablprüfungen. Die Wahlen der Abgg. Graf Limburg-Stiruw, Rimpan, Hammacher, Bohm, v. Malhan werden debattelos für gütig erklärt.

Den Beschluß bildet die Berathung von Petitionen.

Morgen: Antrag Rickert, betr. Abänderung des Reichswahlgesetzes; Antrag, betr. Heimstättengesetz und Centrumsantrag, betr. Abänderung der Concursordnung.

Netteste

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 14. Mai. Für die Pfingstserien des Ab­geordnetenhauses ist die Zeit vom 29. Mai bis 7. Juni oder 11. Juni in Aussicht genommen.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 14. Mai. Im Abgeordnetenhause wurden heute die Interpellation Ring, betreffend Maßregeln gegen die Einschleppung der Klauenseuche, und hierauf Petitionen erledigt. Nächste Sitzung Samstag. Tagesordnung: An­trag Heeremann, betreffend Wiederherstellung der §§ 1518 der Verfassung, und Petitionen.

Berlin, 14. Mai. DieNordd. Allg. Zrg." schreibt: Die Nachrichten verschiedener Blätter, daß der Reichstag schon am SamStag geschloffen werden soll, beruhen auf Er­findung. Dagegen ist ein Schluß der Session vor Pfingsten wahrscheinlich. Der Schluß der Landtagssession ist nach der Geschäftslage nicht vor dem 1. Juli zu erwarten.

Berlin, 14. Mai. Der Minister des Innern, v. Köller, ist, wie diePost" erfährt, nach Straßburg abgeretft und gedenkt acht Tage der Erholung auf seinem Gute in den Vogesen zu verbringen, wohin ihm alle wichtige Sachen nach- gesandt werden.

Berlin, 14. Mai. Gestern ist, wie diePoft" erfährt, zwischen Vertretern der verschiedenen in Betracht kommenden Reichsämter und preußischen Ministerien die Betriebs­ordnung für den Nord-Ostsee-Canal festgestellt worden. Daffelbe Blatt hört aus BundeSrathskreisen, daß angenommen werde, daS Plenum des BundeSrathS werde sich in dieser Woche u. a. auch mit dem Börsenreformgesetz beschäftigen.

Berlin, 14. Mai Ein Kabel-Telegramm meldet dem Berl. Tagebl." auS Madagaskar: Die französischen Truppen auf Madagaskar erbeuteten in Marovoay sämmt- liche Geschütze der HovaS und massenhaften Proviant. I« Kampfe ist ein Offizier und vier Soldaten der französischen Colontaltruppe gefallen. Die Hovas find in wilder Flucht geflohen. Sechs Indier wurden dabei gefangen genommen.

Berlin, 14. Mai. In der heutigen Sitzung der Justiz- Commission des Reichstages erklärte der Vorsitzende Abg. Rtntelen, der Reichskanzler habe rhm gestern in einer Unterredung mitgetheilt, daß der BundeSrath über den Schluß der Session sich noch nicht entschieden habe. Unter diesen Umständen einigte man sich in der Commission dahin, bis auf Weiteres dreimal wöchentlich Sitzungen abzuhalten. .

Berlin, 14. Mai. In der Angelegenheit der verhafteten Anarchisten Krebs und Töbs haben bereits wiederholt vor dem Untersuchungsrichter lange Verhöre stattgefunden. Auch der Tanzmeister S., zu welchem die Kellnerin Paula Flügel

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

schule aus den drei letzten Schuljahren und zwar nicht von den einzelnen Klaffen *er Abheilungen getrennt, sondern von der ganzen Schule zu-

Srotzh Kreis-Schulcommisfion Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Wir sehen Ihren Berichten innerhalb 8 Tagen

entgegen über:

die Durchschnittszahl der Schulkinder der Volks-

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Detttscher Reichstag

92. Sitzung. Dienstag, den 14. Mai 1895.

Eingegangen: Zuckersteuer - No thgesetz und zweiter Nach­tragsetat.

ZurBerathung steht zunächst die Novelle zum Invaliden- fondsgesetz.

Schatzfecretär Graf Posadowtzky: Der Zweck der Gesetzes ist aus diesem selbst ersichtlich Die Zinsen de4 Jnva'idenfonds sollen für Kriegsteilnehmer verwendbar gemacht werden, und zwar auch für solche, welche eine dirrcle Schädigung, eine körperliche, durch den Krieg nicht nachweisen können. Allerdings soll das Gesetz nur denen zu Gute kommen, welche dessen bedürftig sind und sonst der öffentlichen Wohlthätigkeit anheimfallen würden. Man ist bei diesem Gesetz auch infofern von einem neuen Princip ausgegangen, als hier eine Decentralisation statt finden soll. Die einzelnen Bundesstaaten «erden selber am besten in der Lage sein, über die Bedürftigkeit zu entscheiden.

Abz Graf Oriola (ntl.): Meine Freunde stehen dem Ent- wurf mit Wohlwollen gegenüber und halten ihn für so einfach, daß wir eine commrssarische Berathung nicht für nöthig erachten. Wenn in 8 3 vonehrenvoller" Theilnahme am Kriege gesprochen werde, so letzen wir voraus, daß damit nicht etwa gemeint sei, daß nur der Besitz von KriegS-Ehrenzeichen zu Bezügen aus Grund dieses Gesetze« berechtige. Allen berechtigten Forderungen wird mit dieser Vorlage sreilich nicht genügt. So beobachte man in Elsaß - Lothringen, daß frort wohnhafte Wittwen von französischen Müitärs höhere Bezüge genössen, als Wittwen von Personen, die unter deutschen Fahnen gefallen seien.

Abg. Singer (Soc.) erklärt ebenfalls die Zustimmung seiner Partei zu der Vorlage und tritt auch ben wettergehend,n Wünschen des Vorredners bei, so betreffs Belaffung der vollen Jnoalrdenpenfion an die in Staats- oder Reichsdienft befindlichen Invaliden. Was dieser Gesetzentwurf biete, ser unzureichend. In zweiter Berathung »erde er beantragen, daß bei dauernder ErwerbSvnfäbig'eit und UnterstützungSbedürstigkeit die Beihilfe 360 Mk., statt 120 Mk., be­tragen solle. Auch müsse in 8 2 die Bestimmung gestrichen werden, wonach die Gewährung der Beihüfe abhängig sein solle von einer WürdigenLebensführung". Denn dadurch gebe man es den Be­hörden in die Hand, etwaige politische Erwägungen in die Sache hineinzurragen und aus politischen Gründen die Beihilfe zu verweigern.

Schatzfecretär Graf Pofadowsky stellt aus Rücksichten auf frie Hohe der Müitär- und Cioilpensionen die Möglichkeit in Abrede, frie Jnvaltdenpensionen in der Weise zu erhöhen, wie der Vorredner <s wünsche. Es würde dann ein zu großes Mißverhältniß entstehen.

Generallieutenant v. Spitz: Das Wortehrenvoll" in 8 3 soll nur besagen, daß diejenigen ausgeschlossen fein sollen, die sich

Berlin, 14. Mai. Heute Abend fand zu Ehren deS Gouverneurs Wißmann ein von der deutschen Colonial- Gesellschaft, Abthcilung Berlin veranstaltetes Festessen statt unter Bethetligung von über 150 Colonialfreunden. Prinz Arenberg brachte ein Hoch auf den Kaiser auS. Nach einer vom Grafen Schweidnitz auf Wißmann auS- gebrachten Ansprache, die von lebhaften Hochrufen begrüßt wurde, dankte Wißmann mit bewegten Worten, indem er versprach, der friedlichen (Kulturarbeit deS deutschen CapjtalS und den deutschen Missionen Schutz angedeihen zu lasten. Er werde die Arbeit fortsetzen, die seine beiden Vorgänger in dieser Hinsicht mit Erfolg begonnen haben. Die Rede wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

Ulm, 14. Mai- Bei der heute erfolgten Reichstags- Ersatz-Stichwahl erhielt Haehnle (Deutsche Volks- Partei) 9626 Stimmen. Der nationalliberal-agrarische Candidat Eh mann erhielt 7626 Stimmen.

Nürnberg. 14. Mai. Die Wanderversammlung bäuerischer Landwirthe nahm eine Resolution an, betr. die Förderung landwirthschaftlicher Genossenschaften, besonders zur Erleichterung des Absatzes; ferner eine Resolution, welche eine Staatsbeihilfe bei der ersten Errichtung kleinerer Lager­häuser befürwortet. Die nächste Versammlung findet im Jahre 1897 in der Oberpfalz statt.

Pola, 14, Mai. Gestern Nacht wurde hier ein 5 Secundcn dauernder wellenförmiger Erdstoß in der Richtung Sttdoft- Nordwest verspürt.

NimeS, 14. Mai. In der heutigen Sitzung deS lavdwirthschaftlichen CongresseS hieß der Präsident Rostand den deutschen Delegirten Hanlschke willkommen und lud ihn ein, am Vorstandstisch Platz zu nehmen. Hantschke hielt eine Rede in deutscher Sprache, in der er die Schultze-Delitzsch'schen HÜlfSkassen lobend hervorhob. Der Congreß sprach Hantschke seinen Dank aus und sandte an den Verband der deutschen Genossenschaften die Versicherung seiner Werthschätzung, sowie den Ausdruck der Bewunderung über die außerordentliche Entwickelung und das in den ver­schiedenen Zweigen der Organisation der landwirthschaftlichen Genossenschaften bethätigte Zusammenwirken.

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