Samstag den 16. März
1893
Erstes Blatt
Nr. 64
Bitrttfjdfjrigft
wiaren.
Amts- und Anzeigeblutt ftw den Tireis Gieren.
Hralisöeitage: Hießener Jamitienbtätter
heel,
Mc Annonrrn-Burcaux deS In- und Auslandes nehine» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
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Deutscher Reichstag.
60. Sitzung. Donnerstag, den 14. März 1895.
Fortsetzung der Berathung des Antrages Heyl.
Abz. Möller (ntl.) tritt entschieden dem Anträge entgegen, dessen eventu.ll- Annahme einen Zollkrieg nach sich führen wurde. Dieser brächte der Industrie und den Rhedereien große Schaden. Die Regierung lhäte besser, einen Tarifvertrag mit Argentinien zu ^"^Staatssecretär v.Marschall stellt die Folgender argentinischen Ausfuhr nicht in Abrede, steht jedoch in der Kündtaung des Vertage» nicht die geringste Hülfe für die Landwtrlhschaft Redner stndet, daß der Antrag eine große Aehnlichkett mit den bekannten amerikanischen Strömungen habe, welche auf den Ausschluß aller europäischen Vroducte gerichlet sind, kommt spectell auf den argentinischen Wetzen zu sprechen und schließt, daß die Annahme des Antrages Tausenden von deutschen A beitem die Existenz nehmen wurde.
Abg. Schumacher (Soc.) bekämpft den Antrag sowie das Verlangen nach einem Quedrachozoll.
Abg. Werner (Antts.) tritt vom Standpunkte deS deutschen Bauern für den Antrag ein. (Der Redner, welcher die Handelsverträge im Verlauf seiner Ausiührungen alS miserabel bezeichnet, wird hierfür zur Ordnung gerufen.)
Abg. v. Frege (conf.) pfl ch'ct dem Vorredner bei.
Abg. Barth (frs. Vp.) erklärt sich gegen eine CommisstonS- Berathung.^^af Ariola (ntl.) verspricht sich von der Annahme deS Antrages Vortheile für die LandDiitbichaft und den Bauernstand.
Nachdem Abg. Ehni (südd. Vv.) sich gegen, die Abgq. Hilpert jbayer. Bauernd.) und Graf Arnim (Rp.) sich für den Antrag ausgesprochen Haden, wird, nach einer kurzen Replik des Slaats- lecret&ii die Debatte geschlossen. , ..
In feinem Schlußwort bezeichnet der Abg. Heyl die Nicht- kündtauna des Vertrages als eine politische Schwäche.
Sodann wi.d der Antrag auf Commtssionsberathung mit 146 gegen 78 Stimmen angenommen.
Nächste Sitzung: morgen 1 Uhr. Rechtsposttionen; Extra- »rdinarium; Milltäretat; Postetat.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 14. März. Der ^ReichSanzeiger" meldet : Die Verhandlungen deS StaatSratbS über den ersten Gegen- stand der Tagesordnung, die Maßregeln zur Hebung der Getreidepreise, wurden am gestrigen und vorgestrigen Lage fortgesetzt. ES wurde beschlosien, die Aöstimmung über Lie Vorschläge der Referenten bis zum Schluffe der Verhandlungen auSzusktzen, um durch besondere Commissionen all- fettig zu berücksichtigende Vorschläge vorbereiten zu können. — Betreffs deS zweiten Gegenstandes der Tagesordnung: Maßregeln zur Hebung der Zuckerpreise, wurden die Anträge der Reserenten angenommen, welche dahin lauten: 1) Der außerordentlich niedrige Stand der Zuckerpreise ist eine Folge der übermäßigen Erzeugung, welche veranlaßt ist durch große Ernten und Erweiterung deS Betriebes. Die Bekämpfung des Zuckerpreises auf internationalem Gebiete ist aussichtloS. Eine Hebung des Weltmarktpreises sei erst durch kleine Ernten oder eine Verminderung der Production zu erwarten. 2) Die Hebung der Zuckerpreise Deutschlands ist, abgesehen von der Besserung der Weltmarktpreise, nur durch Erhöhung der Ausfuhrvergütung möglich, welche theils durch Erhöhung der Verbrauchssteuer, tbeilS vielleicht durch eine für größere Betriebe steigende BetrtebSabgabe zu erreichen ist. Die Erhöhung der AuSfuhrvcrgütung erfordert unumgänglich, die Production einigermaßen einzuschränken. — Betreffend die Maßregeln zur Hebung der SpirituS- preise wurden solgende Anträge deS Berichterstatters angenommen: Die Grundzüge der zwar noch nicht im Wortlaute veröffentlichten Novelle zum Branntweinsteuergesetz, nämlich die Einführung einer fünfjährigen ContingentirungS- Periode, die Aufhebung deS Zwanges, das Conttngent jährlich abzubrennen, eine von fünf zu fünf Jahren eintretende Reduktion des Höchstcontingents um x/25 bis zu 15,000 Liter Maximum- die Beschränkung neuer Conttugente auf 80,000 Liter Maximum, die Abwehr der Gefahr einer gesteigerten Melaffe- und Spiritusproduction für landwirthschaftliche Brennereien - die Einführung einer besonderen, mit Freilassung der kleineren
chWckch.
1879
Schneiden
Brennereien progressiv aussteigenden Betriebssteuer, deren । Ertrag lediglich im Interesse der Spiritus-Industrie zur Hebung des Exports zu verwenden ist, die Steuererhöhung der Sommerbetrirbe, erscheinen geeignet, durch die Ein- | schränkung der Production und Hebung der Ausfuhr die Lage deS Brennereigewerbes zu verbeffern. Wegen der Gefahr > eines demnächstigen enormen Steigens der Melaffe- und ; Spiritusproduction ist das Inkrafttreten des zu erwartenden , Gesetzes womöglich zum 1. Juli dss. IS. erwünscht. Der Verkehr mit denaturirtem Spiritus ist möglichst freizugeben.
Berlin, 14. März. Die Wahlprüfungs- Commission. des Reichstags beantragte, die Wahl des Abgeordneten Meyer-Danzig (2. Danzig) für giltig zu erklären und die preußische Staatsregierung zu ersuchen, die
in Aussicht steht.
Venedig, 14. März. Durch den stürmischen Nordostwmd entstand gestern eine heftige Sturmflut h. Das Waffer der Lagunen überfluthtte die ganze Stadt, sowie sämmtliche Keller und Kaufläden. Die Theaterbesucher fanden die Straßen unpassirbar. DaS Meer ist stürmisch bewegt und die Ausfahrt auS dem Hafen gefährlich.
Paris, 14. März. Ein Freund des Herzogs von Orleans bat diesen in Stow House interv iewt. Der Herzog äußerte sich, daß er nur allein Frankreich die Freiheit wiedergeben könne und daß der Papst ihm, wenn er auch die Republik anerkannt habe, seinen Segen nicht verweigern würde.
Pari?, 14 März. Der Generalausstand ist von allen Zündholzfabriken Frankreichs beschlosien worden.
Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 3 Mark 50 Pfg.
TtAection, Expedition und Druckerei:
KchulstraßeAr.7.
F«nspr<cher 51.
Der chietzeuer feiger erscheint täglich, »il Ausnahme deS Montag«.
Die Gießener AiamikieuSräller »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.
Industrie 4X , Giessen. A
Asiml/ K 84. »draulis^r (Grau-, aema-leu.
vorgelommenen Unregelmäßigkeiten zu rügen. Ferner beschloß die Commission, die Entscheidung über die Giltigkeit der Wahl des Abgeordneten Hüpeden (2. Kassel) auS- zusetzen und den Reichskanzler um Erhebungen zu ersuchen.
Newyork. 14. März. Der „Newyork Herald" meldet auS Shanghai: Ein japanisches Geschwader, auS 16 Kriegsschiffen, darunter einige Kreuzer, bestehend, sei jen- seitS der Nordspitze von Formosa bemerkt worden. Das Geschwader kreuze in der Nähe von Kelung und Tamsui, welche Punkte augenscheinlich zuerst angegriffen werden sollen. Die Garnison daselbst belaufe sich auf 30,000 Mann.
WB. Berlin, 15. März. Die „Voss. Ztg." meldet: Der jüngste kaiserliche Prinz Joachim ist ernstlich erkrankt, dem Vernehmen nach an Blinddarmentzündung.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 14. März. Im preußischen Landtage wurde heute der Etat berathen. Bei dem LandwirthschastS- Etat wurde ein Antrag, welcher die Einstellung weiterer Mittel bezweckt, der Budgetcommission überwiesen.
Berlin, 14. März. In der Budget-Commission des Reichstags wurde heute der Etat sür Ostafrika mit wenigen unwesentlichen Abstrichen genehmigt.
Berlin, 14. März. Die Soctaliften veranstalten am 18. März zwölf Volksversammlungen in Berlin.
Berlin, 14. März. Der Kaiser wird, wie bem „Loc.- Anz." aus Friedrtchsruh gemeldet wird, in den letzten Tagen des März zum Besuch des Fürsten Bismarck daselbst erwartet. Täglich treffen in Friedrichsruh auS verschiedenen Theilen deS Reiches Herren ein, um die Einzelheiten des Empfanges der Deputirten zu verabreden.
Berlin, 14. März. Zum zweiten Viceprasidenten deS Herrenhauses ist nach einer parlamentarischen Correspondenz der Oberbürgermeister Becker-Köln in Aussicht genommen.
Berlin, 14. März. Die Ernennung des Grafen Wilhelm Bismarck zum Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen wird heute im Reichsanzeiger publicirt.
— Graf Wilhelm Bismarck erschien gestern im Reichstage, um die Glückwünsche seiner Freunde zur Ernennung zum Oberpräsidenten entgegenzunehmen. Nachmittag, nach der Sitzung des StaatsrathS, hat sich Graf Bismarck beim Kaiser gemeldet.
— Die WahlprÄsungS. Commission des Reichstages hat beschlosien, dem Plenum die Ungültigkeitserktärung der Wahl deS Abg. Dr. Böttcher (natl.) zu empfehlen, welcher bekanntlich der Vorsitzende der Umsturz-Commission ist.
— Heute Abend findet im Reichstage eine Sitzung des Senioren-Convents statt. Den Gegenstand der Be- rathung wird die Betheiligung an der Bismarck feier bilden.
— Der Kriegsminister machte gestern in der Armee- Commission die Mittheilung, daß die Regierung je einen Gesetzentwurf über LandeSverrath und Spionage ausarbeiten werde. Der LandeSverrath soll Mit dem Tode bestraft werden. yi „
— In einem heute im „Vorwärts" veröffentlichten Aufruf fordert der focialistische Parteivorstand die Arbeiterschaft auf, für eine imposante Feier deS 1. Mai Sorge zu tragen.
Berlin, 14. März. Daß die Mitglieder des StaatS- rathes über die Verhandlungen Stillschweigen beobachten, ist der „Nat.'Ztg." zufolge auf directen Wunsch des Kaisers zurückzuführen. _ ....
Berlin, 14. März. Das Programm zur Erösf- nungsfeier deS Nord-Ostsee-CanalS ist in den Grundzügen ausgearbeitet und unterliegt gegenwärtig der Entscheidung deS Kaisers. Es heißt, daß für den eigentlichen Bauleiter, Staatssecretär v. Bötticher, eine besondere Ehrung
Meßmer Anzeiger"
Keneral-Anzeiger.
totales nnd provinzielles.
Gießen, den 15. März 1895.
♦* Dom Gymnasium. Die gestern beendigte Abiturienten. Prüfung hat im Allgemeinen zu einem befriedigenden Ergebniß geführt. Es wurde, nachdem 8 Abiturienten nach de« Ausfall der schriftlichen Arbeiten von der mündlichen Prüfung entbunden, folgenden Oberprimanern das Zeugnih der Reife ertheilt: Carl Kullmann, Gießen, Robert Dauern- heim, Gießen, Wilh. Feller, Lollar, Otto Friedberger, Gießen, August Heß, Gießen, Otto Horst, Gießen, Albert Klein, Gießen, Carl Krombach, Gießen, Wilhelm Lenz, Gießen, Max Löh lein, Gießen, Th. Metz, Homberg a. d. Ohm, Fr. Wilh. MöbiuS, Gießen, Emtl Raufch, Gießen, Heinrich Schlosser, Gießen, Reinh. Schober, Gießen, Carl Vogt, Lich, PH.Wahl, Frischborn, JohS. Weber, Heuchelheim. Die Abiturienten roi men sich bis auf 4, welche zum Militär gehen, dem Untversitätsstudium.
** Dankgebet. Nachdem am 11. d. M. die glückliche Niederkunft Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Groß- Herzogin mir einer Prinzessin ersolgt ist, haben Seine Königliche Hoheit der Großherzog bestimmt, daß an Stelle der bisherigen Fürbitte ein öffentliches Dankgebet in den Kirchen des Großherzogthums abgehalten werde und zwar am nächsten Sonntag.
♦♦ Die hessische Staatölotterie im Ausschuß der Ersten Kammer. Berichterstatter Graf Solms-Laubach fü;rt in Darlegung deS ablehnenden Standpunktes des AuSschusieS auS, daß zuversichtlich erwartet werde, daß die Regierung auch ferner ihren ablehnenden Standpunkt Wünschen gegenüber festhalte, die im Munde von Privatinteresienten begreiflich erscheinen. Dies geschehe hoffentlich so lange, bis in Deutschland alle Staatslotterien den Spielbanken gefolgt seien. In allen Fällen bedeuten die Staatslotterien eine Ausbeutung. Auch den Tag würde er froh begrüßen, au welchem die Welt von der Oual mildthätiger Lotterien, bet welchen Gewinne nur Verlegenheiten bedeuten ober von der Belästigung durch Pferdemarkt-, Dom- und ähnliche Lotterien befreit würde. Hoffentlich werde man sich in H sien nicht durch naheliegende Beispiele verleiten lasien, öffentlichen, wenn auch noch so bedeutsamen Bauten durch Lotterien Geld zuzuführen. Jnteresiant dürfte sein, daß in dieser rein bürgerlichen Frage auch der in den Synodeverhandlungen hervorgetretene evangelische Pfarrverein eine Eingabe gegen die Lotterie an die Erste Kammer gerichtet hat.
♦* Parlamentarisches. Auf der Tagesordnung der zehnten Sitzung, welche bie Erste Kammer Mittwoch, 20. März, Vormittags 9 Uhr abhält, sieden u. A. neue Eingaben über: Vorstellung des Stadtvorstandes zu Grünberg, die Errichtung von Nebenbahnen im Großherzogthum Hessen betr.- den Antrag des Abgeordneten Schönfeld in gleichem Betreff- Gesuch der Ortsvorstände von Freienseen, Altenhain, Boben- hamen, Ermenrod, Flensungen, Groß-Eichen, Groß Felda, Ilsdorf, Höckersdorf, Kestrich, Kirschgarten, Klein Elchen, Lardenbach, Laubach,Merlau, Ober-Ohmen, Ober-Seibertenrod, Obernseenerdof, Ruppertenrod, Sellnrod, Solms Ilsdorf, Stockhäuser Höfe, Stumpertenrod, Ulrichstein, Unter-Setberten- rod, Welckartshain, Wettsaasen, Wohnfeld, Zeilbach um Er-
h Giessen bei
.1* Hofconditor Lind and io den durch Pla- Mefe erkenntlichen Ver- kaufe« teilen. 1336
Die Arbeiter aller Fabriken sind benachrichtigt worden und werden in Kürze die Arbeit einftellen. Die Regierung, welche die Fabrikation der Zündhölzer selbst betreibt, wird genöthigt, in Belgien Bestellungen zu machen, um den nöthige« Bedarf zu decken.
London. 14. März. Die »Times- meldet: Die Japaner bereiten sich für die Einnahme der Pesca- doreS-Jnseln vor, um dieselben zur OperationSbasiS gegen die Formosainsel und Südchina zu machen.
London. 14. März. Wie der „Standard^ meldet, ist der Minister deS Aeuhern gesonnen, alle von China an Japan zu machenden Gebietsabtretungen unter der Bedingung zu billigen, daß Frankreich und Rußland dieselben ebenfalls gutheißen und selbst keine chinesischen Gebiete bean- pruchen.
Petersburg. 14. März. Der Justizminister hat gegen die Urheber der bekannten Adresse an den Czaren auS dem Gouvernement Twer, die zu der principiellen Erklärung des Kaisers beim Empfang der Deputationen Anlaß gab, ein gerichtliches Verfahren angeordnet.
Newyork. 14. März. In New-Orlca.nS hat eine große Versammlung stattgefunden, in welcher gegen die von be* Weißen gegen bie Neger auSgeführten Grausamkeiten protestirt würbe. Der Gouverneur würbe ersucht, bie Angriffe auf bie Schwarzen zu verhinbern.
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