Ausgabe 
15.12.1895 Drittes Blatt
 
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Sonntag den 15. December

Amts- nnd Anreigeblatt für bett Ttreis Giesze»

Hrattsöeilage: chießener Aamilieniilatter

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Amtlicher Theil

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von Belfort ist heftiger als je.

Das Bombardement

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Durch bte Pofi b<u9<n 2 Mark 60 Pfg.

ttcbaction, (Erpfbitioe und Druckerei:

KLststratze Nr.H«

Fernsprecher 6L

Rvnahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nunimer bi« Borm. 10 UKr.

1200 Mann, die Mehrzahl Bayern. Am Freitag kamen wieder etwa 300 Mann an, die meisten krank. Nirgends war eine Anstalt zu ihrem Empfang getroffen, man pfropfte ie in den Zellen und Gängen des Gefängnisses auf höchstens einem Strohbündel auf einander. Leute, am Typhus und Durchfall sterbend, Verwundete, deren Wunden nicht ver- Kunden waren, alles durcheinander. Die Leute waren vier

Vergangene Nacht dauerte die Kanonade ununterbrochen fort. Die Stadt brennt.

Sollten irgendwelche Einstüffe obwalten, die das Bom' bardement von Paris verhindern, so birgt uns jedenfalls die Thatsache für deren Beseitigung, daß Graf Bismarck in einer an maßgebender Stelle ntedergelegten Denkschrift sehr ent» schieden für die Ansicht eingetreteu ist, daß Parts endlich voller Ernst gezeigt werden müffe. Die bewußten Einstüffe sollen von weiblicher Seite herrühren. So flüstert man und schielt dabet nach London.

Die meisten deutschen Gefangenen von Orleans sind »ach Pa» in Südfrankretch gebracht, es sind ihrer 900 bis

Zollkrieg oder Handelsvertrag zwischen Deutschland und den Bereinigten Staaten von Nordamerika.

Die Klagen und Drohungen, welche in haudelspolitischer Hinsicht der Präsident der Vereinigten Staaten, Herr Eleve- land, in seiner jüngsten Botschaft gegen Deutschland, welches angeblich die amerikanischen Waaren ungerecht behandeln, und ferner die Erklärung des amerikanischen Senators DavteS, daß der Präsident der Vereinigten Staaten ohne Weiteres da« Recht habe, die wettere Einfuhr deutscher Waaren nach Amerika zu verbieten, zeigen deutlich, daß daS handelspolitische Verhältniß zwischen dem Deutschen Reiche nnd den Bereinigten Staaten ganz unhaltbar geworden ist, und daß wir entweder mit Amerika tu einen scharfen Zoll­krieg gerathen werden, oder gegenseitig ein Handelsvertrag angebahnt werden muß. Zunächst rst es eine Thatsache, daß die amerikanische Regierung im Widerspruche mit der für die Zuckereiufuhr vereinbarten Meistbegünstigungsklausel eine Octroi Steuer auf den deutschen Zucker gelegt hat, also von Seiten Amerika« Differenz- oder Kawpfzölle wiederum etn- geführt worden sind. Und dieser Thatsache gegenüber wagt es die amerikanische Regierung, Deutschland Ungerechtigkeiten in der Behandlung der amerikanischen Waare und der amert> kantschen LebenSverstcherungsgesellschaften vorzuwerfen?! Die deutsche R gierung hat nur deshalb die Einfuhr amerikani- scheu Rindvieh« zeitweilig verboten, weil sich in einem Trans- Porte amerikanischer Rinder daS gesährltche Texasfieber ge- zeigt hat. Und in Preußen ist den amerikanischen Versiche­rungsgesellschaften deshalb die Concession entzogen worden, weil sie sich den in Preußen geltenden Anforderungen in Bezug auf die jährliche Bilanctrung ihrer Geschäfte nicht fügen wollen. Wie kann ein Staat wie Preußen, oder gar daS ganze Deutsche Reich die Gesetze von den Amerikanern umgehen lasten, die selbst in ihrer Zollwuth die deutsche Waare so oft von dem amcrikanichcn Markte zu verdrängen gesucht haben? Und klingt durch die jüngsten amerikanischen Kundgebungen nicht abermals der Uebermuth derMonroe- DocUtn* auch für den Handel durch? Amerika für die Amerikaner! Nun gut, dann wird es auch in Deutschland heißen: Deutschland für die Deutschen, und kein Pfund amerikanische Waare darf mehr über die deutsche Grenze, wenn Amerika daS Verbot der Einfuhr deutscher Waare auS spricht. Wohl würden dadurch auch der deutschen Industrie schwere Wunden geschlagen werden, aber die Amerikaner sollen dann auch fühlen, daß im Zollkriege Deutschland dem amerikanischen Handel Wunden schlagen kann, die wahrschein­lich noch schlimmer find. Statt Zollkrieg mit gegenseitiger Schädigung wird dann wohl auch von Amerika ein Handels­vertrag mit Deutschland mit gegenseitigem Nutzen vorgezogeu werden.

deutschen Volksliedern aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert für gemischten Chor, op. 35", geschenkt hat, sind die Blüthen zu den reifen Früchten, die fein Weihnachtsoratorium uns bietet. Hiermit hängt eS auch zusammen, daß die Einzel­nummern durchweg von großer Knappheit sind- nirgend« ein unnöthiger Aufenthalt oder eine ermüdende Länge. So hat gerade der Anschluß an die Alten dem Werke eine Form gegeben, die für die Gegenwart, welche diegöttlichen Längen" von Klassikern wie Händel und I. S. Bach nicht immer ganz ohne Murren erträgt, besonders geeignet ist. Aber auch in harmonischer Beziehung ist Herzogenberg nicht« weniger als archaistisch, und doch besitzt er daS sichere Ge- sühl für daS, was an Klagen der Neuzeit im Bereiche des Gottesdienstes gehört werden kann und was über den kirch­lichen Ton hinausgeht. DaS Werk ist ausgesprochen modern und doch ausgesprochen kirchlich stilvoll. Dieser Doppel- character zeigt sich auch in der Verwendung der begleitenden Instrumente. Hier ist zunächst Rücksicht genommen auf die praciischen Derhältniste bet unseren Ktrchenchören und deß- halb Sorge getragen, daß das Werk unter Umständen auch bloß mit Begleitung von Harmonium, bezw. Orgel auf- geführt werden kann. Reicher wird natürlich der Ausdruck, wenn ein kleines Streichorchester htnzugenommen wird, wie es schließlich auch an kleineren Orten unschwer zu beschaffen ist. Größere technische Schwierigkeiten werden den Spielern nicht zugetraut, aber freilich verlangt die wunderbare Fein­heit der vom Orchester gezeichneten Linien große Sorgfalt und Hingebung. Dann aber wird cS auch offenbar werdcn, daß hier ein Meister gewaltet hat, der im modernen Oichester

Der Krieg von 1870|71, geschildert durch Ausschnitte suS ZettungS-Nummern jener Zeit (Nachdruck verboten.) 15. December.

Alle Annoncen-Bureaur deS In- und Auslands« uchmca Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegn

16. December.

Den Luxemburgern geht es

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Rr. 295 Drittes Blatt

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß sie nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlags von Fünf vom Hundert pro Monat November 1895 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg betragen: Hafer Mk. 13,80, Heu Mk. 5,50, Stroh Mk. 4,50.

Gießen, den 10. December 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Dft chtrßeaer Anj-iger erfdjnnl täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener DamittenStälter werben dem Anzeiger xvSchentlich dreimal deigelegt.

Tage von Orleans nach Pau unterwegs gewesen, waren am Freitag nach Pau gekommen und hatten bis am Sonntag Nachts nichts als trockenes Brod und Waffer gehabt. Eine barmherzige Frau, Madame Krüger, bereitete sofort in großen Kesteln Kaffee und eilte io daS Gefängniß, ihn zu venhetlen. Sie äußerte, daß sie in ihrem Leben keine ähnliche Scene von Schmutz und Elend gesehen habe, als diese. Alle diese TyphuS- und Dysenterie-Kranken, theilweife mit furchtbaren Wunden bedeckt, krochen ihr entgegen, nur um etwas Warmes zu trinken zu bekommen. Einer dieser Aermsten, zu schwach, zu ihr hinzukriechen, streckte ihr die Arme entgegen. Sie ging zu ihm und setzte ihm die Tasse an die Lippen aber sein Kopf fiel zurück und er murmelte:ES geht nicht. Er vermochte das Dargebotene nicht mehr zu schlucken. Eine englische Dame, Mistreß G., miethete auf eigene Kosten ein HauS, wo sie vierzehn Mann umerbrachie. Auch Madame Krüger, welche Engländerin ist, handelt unermüdlich aufopfernd, da fie täglich zweimal mit Lebensmitteln zum Gefängniß ging und die Wunden dieser armen Leute verband. Auch ermüdete fie nicht, mit Bitten bei dem Präfecten und einigen franzöfischen Damen, daß fie in das Gefängniß gingen und fich selbst vom Stand der Dinge T.......- . .

überzeugten, und seitdem bessert fich die Lage allmälig. Jetzt zu Hause ist und mit geringen Mitteln Großes zu erreichen

haben alle Beiten- barmherzige Schwestern pflegen die weiß. Auch die Chöre find nicht schwer, wohl aber verlangen

Kranken, welche jetzt auch von den Verwundeten getrennt fie, um den gewollten Ausdruck zu ergeben, liebendes Sich'

liegen. Einige haben die Blattern, die überhaupt hier zur versenken. Durchweg find sie vierstimmig- nur der letzte

(Kempt. Ztg.) thetlt fich zum Doppelchor. Aber gerade dieses Stück, das auf den ersten Blick schwierig erscheint, singt fich wie von selbst. Auch den Solisten wird nichts wirklich Schwierige« an den Kragen. Bet ^getraut. Wer den Schütz'schen Evangelisten fingt, wird auch wurde ihnen von den | ben Herzogenberg'schen bewältigen.

Diese Mitthetlungen beanspruchen nicht, ein annähernde« Bild zu geben von der wunderbaren Schönheit und hold­seligen Innigkeit, die dieses Meisterwerk auSzetchnet. Wer fich davon eine vorläufige Vorstellung verschaffen will, lese den begeisterten Aufsatz, den ein thätiger Theilnehmer an der Aufführung vom 16. December (Professor Budde) derChrist­lichen Welt" eingesandt hat.

großen KrtegSgeschre- von 1867

Großmächten Neutralität verbürgt, sie haben aber diese Neutralität selber gebrochen. Bismarck behauptet daS in einer im Haag übergebenen Note und erklärt, für Deutsch­land gebe es kein neutrale« Luxemburg mehr. Er wirft den Luxemburgern vor, sie hätten auf alle Fälle für Frankreich Partei genommen, Transporte von Lebensrnitteln in die französische Festung Thionville geschafft, kurz auf allerlei Weise mit dem Feuer gespielt, und die Abrechnung heraus- i ' begeisterte Schilderung des in Kirchengesangveretns- gefordert. I f reif en und auch dahier hochgeschätzten Professors Spitta

' '' 11,11 hat auch unseren evangelischen Kirchengesangverein gelockt, sich

Die Geburt Christi", an dem Werke zu versuchen. Soweit fich nach den bisherig»

Kirchenoraiorium von Heinrich von Heizogenberg. I Proben beurtheilen läßt, hat Professor Spitta wirklich nicht z~rfllr x zu viel darüber gesagt. Da der Ktrchengesangverein da«

Voojiubj Werk mit begeisterter Hingabe einttbt, da ferner tüchtige

Diese Skizze des Herzogenberg'schen Weihnachtsoratoriums Solisten von auswärts, sowie geschätzte Kräfte von hier für zeigt zunächst, daß sich dabet um kein Concertstück handelt, @oU unb Streichquartett gewonnen find, darf wohl erwartet sondern um evangelische Kirchenmusik im vollen Sinne des ^den, daß daß herrliche Werk auch durch die bevorstehende Wortes. Die nächstliegenden Parallelerscheinungen sind die Aufführung zu seiner Geltung kommen und so sein Theil

von Friedrich Zimmer im Verlage von Brettkopf u. Härtel b tragen wird, die fromme festliche Weihuachtßsttwmung

herausgegebenenKirchen Oratorien und -Cantaten" von |n $ wecken.

Schütz, Albert Becker, Brrnecker, Franke, Schwalm, Succo. ______________ __

Allen diesen Werken ist etgenthümltch, daß die Gemeinde

bet der Ausführung activ betheiligt ist. Bet Herzogenberg D<rmifC^tS»

handelt sich aber dabet nicht bloß um ein paar Choräle,

die auch wegfallen können, vielmehr find mehrere derselben * Wer braut daß meiste Bier? Nach der Brauer- und durch glänzende Orgelstücke eng mit dem Ganzen verwoben, Hopfen-ZeitungGambrinuß" wurden 1894 in 44,531 Braue- ja, eine der effectvollsten Stellen ist die, wo das die Strophe reten der Welt nicht weniger al« 207,361,258 Hectoliter er- -Allein Gott tu der Höh' set Ehr" ctnlchenbe Jnterludium zeugt gegen 204,600,390 Hectoliter im Jahre 1893. Da ür unmittelbar in daßEhre sei Gott in der Höhe" deß Chores wußte die hübsche Summe von 616 178,165 Mk. Malz- etngreift. Nach einer anderen Sette hin zeigt da« Herzogen- aufschlag, bezw. Biersteuer bezahlt werden. An Malz wurde berg'sche Stück den oben genannten Werken gegenüber (zu verbraucht 64,471,058 Kilo, an Hopfen 2,220^510 Kilo, denen ich als specielle Parallelen, wa« den Stoff anlangt, Coloff-l ist die Biererzeugung tu Bayern: 6622 Brauereien noch die WeihnachtScaotaten von Lyra und MeiuarduS, sowie mit 15,019,297 Hectoliter Bier. Von öst^^tchtfchen Braue- dte Weihnachtßoraiorten von Schütz, I. S. Bach und Carl reten steht Böhmen mit 723 Brauereien und 7,605,855 Hecto- Steiu htnzufüge), eine ganz andere Physiognomie. An Stelle litern Bier obenan. Dann Ntederöfterrrtch mit 72 Braue- der herkömmlichen Formen der Arien, Duette rc., von denen reien und 3,484,181 Hectolitern. Anton Dreher fleht in erster fich bet Herzogenberg nichts findet, ist das alte Volkslied Reihe. In Schwechat wurden im^Jahre 1894 699,640 H'cto und K-rchenlied zu vollkommener Herrschaft gekommen. In liter erzeugt, in St. Marx 476 820, in Liesing 338,400, nicht weniger als 19 Nummern finden fich Bearbeitungen iu Ottakring 196,140 Hectoliter usw. Die jüngste Bravere jener trauten Weisen, und die Mauutgfaltigkett, mit der daß nächst Wien, die in Groß-JedlerSdorf, hat es bereits auf ausgeführt ist, zeigt die Größe der Me.sterschaft, der dieses 140,130 Hectoliter gebrocht. Daß Bürgerliche BraubauS in Werk sein Dasein verdankt. Man begegnet einem Grifte, Pilsen weist auS 582,140 Hectoliter, die Pilsener: A - her nicht zum ersten Male bei dieser G-l-g-nh-it au, dem Gelellichast 250,300 und P>lsen°tz 72 075 H-cE'r^Jn Born der alten Volks,hümUchen Äaioctät und Frömmigkeit SleiubruchnSchstBudapest erzeugt«°t°»Dr.her 410,238Hecto geschöpst hat. Die reizenden «rdeiten, di- uns H-rzog-nberg liter. Die BrauereiZurr> Schulthetß in Berlin weist -ine mit denßroMf deutschen geistlichen Bolksltedern fät vier. Productionsziffervon 433,435 H-ct°ltt-rn aus. In Ungarnbe stimmigen gemischten lihor, op. 28«, und den «ZwSls I st-h-n S» Brauereien, die 1,585,044 Hectoliter prodncirtc».