gesandt, wo eS die Schlachten von Ocana, Badajoz, Albuera, sowie verschiedene kleinere Äffairen witmachte.
Bei allen diesen Gelegenheiten zeichnete sich Eapitän Graf Moncafi durch verwegene Tapferkeit wie durch große Umsicht tu der Führung der ihm untergeordneten Truppen« abtheilung dergestalt auS, daß er vom Marschall Soult selbst zunächst zum Bataillooscommandeur und dann zum Oberst« lieutenant im Stabe des berühmten Heerführers ernannt wurde. Unter den Augen der Marschalls kämpfte dann Graf Moncafi die blutige Schlacht von Toulouse (10. April 1814) mit und ein Jahr später schlug er fich aus dem Schlacht« selbe von Waterloo noch bis zuletzt an der Spitze einer zu« sammengeraffteu Schaar von Linientruppen und Gardisten mit den Preußen herum.
Die Wiederherstellung der legitimen Monarchie in Frankreich hatte auf die militärische Lausbahn des kecken Abenteurers, der doch soeben noch sür den ersten Napoleon murhig gefochten, nicht den geringsten Einfluß. Im Gegentheil, er wurde auf Verwendung deS Herzogs von Derry, deS am 13. Februar 1820 ermordeten zweiten SohneS König Carls X., zum Obersten ernannt und außerdem mit dem LudwigSkreuz geschmückt. Schon gedachte der ehemalige Galeerensträfling
von Rochefort, fich »eine scheinbar so glänzende Stellung auf den Höhen des Lebens durch die Vermählung wir einer reichen uud altadeligen Dame deS Landes dauernd zu sichern, da ereilte ihn, fast am Vorabend seiner Hochzeit, daS unerbittliche Geschick. Eines Tages hielt der tapfere Oberst, die Brust mit Ehrenzeichen geschmückt, an der Spitze serneS Regiment- auf dem Bendomeplatze zu Paris, um der peinlichen Ceremonie einer militärischen Degradation beizuwohnev. Plötzlich rief eine rauhe Stimme an seiner Seile leise, aber doch sehr deutlich: „Marbeau!" Graf Moncafi verlor die ihn sonst so auSzeichnende Geistesgegenwart und drehte fich nach Demjenigen uw, der leinen eigentlichen Namen genannt hatte. Er blickte in ein bleiches Gesicht, daS durch Pockennarben verunziert war und aus welchem zwei kleine graugrüne Augen den Obersten mit dem Ausdrucke boshafter Genugthuung emgegenfunkeltev. Im Nu erkannte der Oberst den Träger dieses Gesichts wieder: er war mit dem Manne während seiner SträflingSzeit in Rochefort beim Arbeiten zusammengeschlosien gewesen.
Graf Moncafi that nun freilich, als ob ihm der Kerl furchtbar gleichgiltig sei, aber derselbe denuocirte mit laut schallender Stimme den Grafen alS entflohenen Galeeren
sträfling, ihn bei seinem richtigen Namen pennend, und die entsetzliche Blässe, die auf dem sonst dunkelgebräunten Antlitz des Beschuldigten lagerte, sprach nur zu sehr für die Wahrheit der gegen ihn erhobenen Anklage. Die Anwesenden waren natürlich über den peinlichen Vorfall ausS Aeutzerste betreten, nur General Despino.S, der directe Vorgesetzte deS Grafen Moncafi, behielt seine Fasiung. Er befahl demselben, seinen Degen abzugeben und ließ ihn dann durch Gen-darmerie nach dem militärischen UotersnchuugSgefäagniß absühreo, roe der entlarvte Verbrecher einen noch rechtzeitig vereitelten Selbstmordversuch machte. AlSdann gestand er ein, der vor Jahren im Bagno von Rochefort ausgebrochene Sträfling za sein und mußte im weiteren Verhör seine ferneren Vergehen bekennen, wodurch sein.ganzes abenteuerliches Leben an- Licht kam. Der ehemalige Graf und RegimeutScomman- deur ward, nachdem er zuvor feierlichst zum Gemeinen degradirt und nachher als auS der Armee auSgeftoßen erklärt worden war, zu zehnjähriger Galerrenstrafe in Toulon verurtbeilt- hier starb er aber schon ein halbes Jahr nach seiner Einlieferung.
Bekarmtmachrrns.
Bei der in der gestrigen Sitzung der Stadtoerordneten-Versammlung vorgenommenen planmäßigen Verloofung der Ende dieses Jahres zur Rückzahlung kommenden Z^procentigen Obligationen der Anlehen der Stadt Gießen von den Jahren 1893 und 1894 find folgende Stücke gezogen worden:
a) vom 1893er Anlehen:
Lit. L die Nr. 22, 80, 190, 260, 267, 285 ä 2000 Mk.
„ M die Nr. 5, 132, 144, 148, 174, 260, 301 und 355 ä 1000 Mk.
„ N die Nr. 9, 11, 51, 62, 68, 130, 169, 273, 303, 332, 456, 473, 481, 507, 611 und 743 ä 500 Mk.
„ 0 die Nr. 193, 243, 244, 252, 264 und 294 ä 200 Mk.
„ P die Nr. 21, 29, 174, 220, 224, 261, 318 und 357 ä 100 Mk.
b) vom 1894er Anlehen:
„ L die Nr. 322 und 393 ä, 2000 Mk.
„ M die Nr. 449 und 454 ä 1000 Mk.
„ N die Nr. 924, 925, 951, 1052, 1098 und 1099 ä 500 Mk.
„ 0 die Nr. 368, 437 und 438 ä 200 Mk.
„ P die Nr. 403, 423, 473 und 536 ä 100 Mk.
Es wird dies mit dem Anfügen zur Kenntniß der Besitzer der vorbemerkten Schuldverschreibungen gebracht, daß die Einlösung derselben
bet der Stadtkaffe Gietzeu,
bei dem Bankhaufe Aron Heichelheim in Gießen und
bei der Mitteldeutschen Kreditbank in Frankfurt a. M erfolgen kann und die Verzinsung mit dem 1. Januar 1896 aufhört.
Gleichzeitig wird bemerkt, daß die im vorigen Jahre zur Rückzahlung ausgeloosten Obligationen des 1893er städtischen Anlehens:
Lit N Nr. 181 500 Mk. und
„ P Nr. 43 100 Mk.
bis jetzt zur Rückzahlung noch nicht präsentirt worden sind.
Gießen, den 7. September 1895.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
7550 Gnauth.
Erweiterte Handweckerschule zu Nidda.
Beginn des Winterhalbjahres 1895/96 am 4. Nov. d. I., Bormittags 8V2 Uhr, Schluß Mitte Mär;. Das Schulgeld beträgt 16 Mk.
Anmeldungen sind bis spätestens 15. October an d-m unterzeichneten Hauptlehrer zu richten, an welchen man sich auch wegen Bezug von Schulprogrammen und etwaiger Auskunftsertheilung wenden wolle.
Der AufsichtSrath. Die Anstaltsleitung.
C. Ringshausen, F. Meyer,
7474 Vorsitzender. Großh. Hauptlehrer.
Ausstellung
Obkthels. Industrie- und Gewerbe - Erzeugnisse vom 25. August bis 15. September 1895 in Alsfeld.
Zum Besuche der Ausstellung werden folgende Eintrittskarten ausgegeben : 1 für die Dauer der Ausstellung ») für eine ganze Familie (Eltern und Kinder, Söhne über
18 Jahre ausgeschlossen)..... ju 6 JL
b) für eine einzelne Person............. 3 ,
irr einen Tag ä, Person
a) für Sonntags................. 1 „
b) „ bi« Wochentage....... 50
0) „ einen vorher zu bestimmenden Wochentag . . . . „ 20 , d) „ Schulkinder in Begleitung ihrer Lehrer an Wochentagen ,10 „ Wer nach Schluß der Ausstellung nur dieConcerle besuchen will, hat bei Militärconcerten ^0 H und bei Concerten an den Wochentagen 20 H zu bezahlen. Die Dauerkarten werden auf Namen ausgestellt, berechtigen auch zu freiem Zutritt zu den Concerten und können schon jetzt bei den Herren Georg Bücking VIII , Georg Den«, Rudolf Döring, Carl Hölscher, Louis Raav, Heinrich Ramspeck, Louis chchottheiS, Adolf Spier und Eberhard Wollrab in Empfang genommen werdm
Die Gr. Direktion der vberhefstfcheu Eisenbahnen hat den Besucher« her Ausstellung freie Rückfahrt auf eine einfache Fahrkarte am Tage der Lösung gewährt, wen« die «arte« i« der Ausstellung abgestempelt worden stnd.
AlSfeld, den 1. August 1895.
E. Wollrab,
6556 Vorsitzender deS Finanz-ComiieS.
Akters- u. Kinderversorgung
gewähren Leibrente« uad Sapltal-Berstcherungen bei der
Preußischen Renten-Bersicherungs-Anstalt in Berlin W. 41.
Die seit 1838 unter besonderer LtaatSaufstchi bcstehende Anstalt zahlt z. B. 50Jädrigcn 6* 4%, 60 Jährigen 9®/0, 70Jä-riacn 13*/S“ ; Rente.
Dimimitirnb.ndjlignng. ikrniögcH 89 MüilMkli Mark.
Prospekte und nähere Auskunft bei Herrn Heinrich Hochreuther in Gießen, 5496) Löberstraße 2.
Submission.
Die Lieferung von Weißzeug, Bett- zeug und Krankenkleidern für die neuen Kliniken in Gießen soll auf demSubmissionSwegevergeben werden.
Die Lieferungsbedingungen und Mustersiücke find auf dem Ver- waltungsbüreau genannter Anstalt an den Wochentagen, Nachmittags von 3 bis 5 Uhr einzusehen.
Offerten mit der Aufschrift „Lieferung von Weißzeug" sind verschloffen bis zum Areitag den 20. September 1895, Mittags 12 Uhr, unter Beifügung von Stoffmustern an die Verwaltung der neuen Kliniken einzureichen.
Zuschlagsfrist bis zum 28. September 1895.
Gießen, am 3. September 1895. Großh. Verwaltungs - Direction der 7335 neuen Kliniken.
Submission.
Die Lieferung von Maschinenöl, Putzwolle und Bürsteuwaaren für die Gr. neuen Kliniken in Gießen soll auf dem Submissionswege vergeben werden.
Die Lieferungsbedingungen und Musterstückesind aufdem Verwaltungs Büreau genannter Anstalt an den Wochentagen, Nachmittags von 3 bis 5 Uhr, einzusehen.
Offerten, mit entsprechender Aufschrift versehen, sind verschloffen bis zum
Mittwoch den 25. September, Mittags 12 Uhr,
unter Beifügung von Proben und Mustern an die Gr. Verwaltung der neuen Kliniken dahier einzureichen.
Zuschlagsfrist bis zum 30. September 1895.
Gießen, den 10. September 1895. Großh. Verwaltungs - Direction der 7566 neuen Kliniken.
Berdiuguug.
Für die Erweiterung des Bahnhöfe? Gießen sollen 17000 cbm Packlagesteine zusammen oder getheilt vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen find von uns gegen post- und gebührenfreie Einsendung von 0,50 Mk. zu beziehen bezw. in unserem Amtsgebäude, Voftstraße 6, Zimmer 26, einzusehen. Dit Eröffnung der geschloffenen, gebührenfrei, mit der Aufschrift -Au gebot auf Lieferung von Packlage- steine«* einzureichende Angebote erfolgt in dem auf Morttag, de« 28. Sept, d. IS., Vormittags V'/, Uhr, anberaumten Termin in Gegenwart etwa erschienener Bieter. 7527
Frankfurt a. M-, den 7. Sept. 1895. König!. Eisenbahn-BetriebS-Jnspection 2.
Obstversteigerung.
Dienstag den 17. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, soll da» hiesige Gemeindeobst, bestehend in vielen Birnen, meistens Glocken - oder Pastorenbirnen, Acpfeln und 500 bis 600 Bäumen sehr vollhängender Zwetschen versteigert werden. Die Zusammenkunft ist im Ort.
Grüningen, den 10. Septbr. 1895. Großh. Bürgermeisterei Grüningen.
Gilbert. 7556
(Forderungen u. Zahlungen IV an die verst. Frau Brummer ” wolle man binnen 8 Tagen bet dem Unterzeichneten einreichen. 7590 L. Roloff, Wallthorstr. 58.
Versteigerung
Meine in der Hauptstraße gelegene und zu jedem Geschäftsbetrieb geeignete Hofraithe lasse ich nächsten Montag, den 16. September, Mittags 1 Uhr, auf hiesigem Rathhau» versteigern.
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