Ausgabe 
15.9.1895 Erstes Blatt
 
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M. 217 Erstes Blatt. Sonntag den 15. September 189»

Der tfcftener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener JamtrtenVkälter Derben dem Anzeiger Wöchentlich dreimal drigrlrgt.

Gießener Anzeig er

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Anitr- und Anzeigeblatt süv den Areis (ßwfjcn.

lolaenben Iqq erlckieinenden sNummer bis Porm 10 Nhr. Hratisöeikage: Gießener Kamitienötätter. Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen, folgenden Lag erscheinenden Nummer biS Bonn. 10 Uhr. |______ö v ___!z____________________________________________

Aintlicher Theil

Bekanntmachung.

Wegen allzugroßen Andranges und zur Verhütung von Beschädigungen der angefahrenen Ausstellungsgegenstände durch Kinder wird der Oswaldsgarten sowie die angrenzenden Straßentheile (Nordanlage von der Knabenschule ab, Kirch­straße vom Schulhofe ab) auf die Dauer von acht Tagen für jeglichen Verkehr gesperrt.

Gießen, den 14. September 1895.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Gefunden: 1 goldene Kette mit Medaillon, 1 Uhr mit Kette, 1 Armband, 1 Taschenmesser, 1 Paar Handschuhe, 1 Spazierftock, 1 Medaillon, 1 Petschaft, 1 Notizbuch, 1 Faß, 1 Stück Schürzenzeug und 1 Schwanzriemen.

Zugeflogeu: 1 Kanarienvogel.

Gießen, den 14. September 1895. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correfpondenz-Bureau.

Hamburg, 13. September. Der 6. deutsche Mechantker- tag ist heute hier durch Dr. KrÜhs-Hawburg eröffnet worden. Professor Dr. Hagen -Berlin sprach über die Arbeiten der physikalisch technischen Reichsanstalt, Commerzienrath Drossel über die Berliner Gewerbeausstellung/ AdmiralitätSrath Kolde- we h über die Prüfung von neuen Instrumenten.

Wien, 13^ September. Der Kaiser hat anläßlich der Manöver bei Stettin an den Kaiser Wilhelm nachstehendes Handschreiben, vom 11. dss. MtS. datirt, gerichtet: Ew. k. k. Majestät haben mir durch die Einladung zu den Manövern Ihrer Armee eine große Freude bereitet. Sie war mir vor Allem willkommen als wiederholter Beweis der mir und meinem Heere so werthvollen freundschaftlichen Gesinnungen Ew. k. k. Majestät Als besondere Auszeich. uuug habe ich es empfunden, neuerdings in der Mitte Ew. k. k. Majestät ruhmreicher Armee weilen zu können. Mit aufrichtiger Genugthuung erfüllt es mich hierbei, durch die hohe Würde, welche Ew. k. k. Majestät mir zu verleihen geruht haben, Ew. k. k. Majestät Heere nur noch näher ge­treten zu sein. Beseelt von dem Wunsche, die herzlichen Beziehungen unserer Armeen noch enger zu gestalten, gereicht es mir zu besonderer Freude, Ew. k. k. Majestät zu bitten, als oberster Inhaber zweier Regimenter auch die Uniform eines Generals der Cavallerie meiner Armee tragen zu wollen. Diese würde hierin eine besonders hohe Auszeich­nung und ein neues Band der Waffenbrüderschaft erblicken."

Budapest, 13. September. DerPefter Lloyd" schreibt: Die Stettiner Manöver sind in diesem Jahre ein Ab­schluß der Jubiläumsfeierlichkeiten, mit denen Deutschland den 25jährigen Bestand seiner nationalen Einheit gefeiert hat. E'n charakteristischer Abschluß- denn diese Armee, mit deren Vollkommenheit auch die österreichisch-ungarische Armee wetteifert, hat keine andere Bestimmung, als die Erhaltung des Friedens zu sichern. Deutschland ist ein Reich des Friedens, wie auch Oefterreich-Ungarn und Italien. Es ist jene unzerstörbare Harmonie, welche den Dreibund fefttgt, jene unzerstörbare Harmonie, welche es bewirkt, daß man bei uns für die unserem Herrscher sinnverwandten Friedens- fürsten dieselbe Verehrung hegt, welche man dem Kaiser und König Franz Josef in Deutschland dargebracht hat.

Loudon, 13. September. DerTimes wird aus Odessa gemeldet, daß die asiatische Cholera sich in den südwestlichen Provinzen Rußlands derart aus­breite, daß die Regierung die Errichtung neuer Cholera- Baracken bet mehreren Bahnhöfen angeordnet, auch Aerzte und Pflegerinnen dahin entsandt habe. Die Truppen in den von der Seuche am stärksten betroffenen Gegenden seien nach Shitomir Übergeführt worden.

Depeschen de« Bureau .Herold*.

Berlin, 13 September. Zu der Ansprache, welche Kaiser gestern vor der Parade an den österreichi- tchen Kaiser hielt, meldet noch dieKreuzzeitung": Der Kaiser berührte die schmerzlichen Schicksalsschläge, die daS f)ou6 Habsburg bis in die neueste Z it betroffen habe, die aber die Freundschaft nur hätte befestigen können, und brachte darauf dem verbündeten Freunde und Monarchen ein Hurrah aus. Kaiser Franz Josef, sichtlich bewegt durch dieses Herz, ljche Willkommen, daS ihm der Kriegsherr an der Spitze

seines deutschen Heeres darbot, dankte dem Kaiser für die gewinnenden und freundlich berührenden Worte und bat die anwesenden deutschen Offiziere, als deren treuer Verbündeter er sich betrachte, dem Repräsentanten der deutschen Armee, Kaiser Wilhelm, ein Hoch auszubrtngen, waS in begeisterter Weise geschah.

Berlin, 13.September. Der Kaiser hat an die Ober­präsidenten der Provinzen Pommern und Brandenburg einen Erlaß gerichtet, in welchem er für den herzlichen Empfang anläßlich der Kaiser-Manöver seinen Dank auSspricht. Ein ähnliches Schreiben hat der Kaiser an den Oberbürgermeister von Stettin gerichtet.

Berlin, 13. September. Die letzte Nummer des Socialift" ist wegen des Leitartikels:Eines Anarchisten Antwort auf die Rede des Kaisers" confiscirt worden. In dem Artikel wird Majestätsbeleidigung gefunden.

Berlin, 13. September. Der Mechaniker Jager aus Lemberg in Galizien wurde wegen anarchistischer Umtriebe auSgewiesen.

Berlin, 13. September. DerLocalanzeiger" meldet aus Kopenhagen: König Christian ist wieder er­krankt. Derselbe ist zwar nicht bettlägerig, jedoch leidend und sein Zustand unbefriedigend.

München, 13. September. Im Orpheum fand gestern eine socialistische Partei-Versammlung statt, welche sich mit der Agrarfrage beschäftigte. Nach längeren Aus­führungen deS Journalisten Adolf Müller, die darin gipfelten, daß das Agrar Programm in der Form abzulehnen und nur als schätzbares Material zu verwenden sei, wurde eine Reso­lution angenommen, welche daS Agrar-Programm verwarf und die Agrar-Commission beauftragt, ihr Hauptaugenmerk auf die Agitation zu richten und die bei Ausarbeitung deS Programms gewonnenen Gesichtspunkte nach Möglichkeit zu verwerthen.

Lyck (Ostpr.), 13. September. Bei den gegenwärtigen Manövern im südlichen Theile Ostpreußens find mehrere schwere Unglücksfälle vorgekommen. Vom Infanterie, regiment Nr. 43 wurden infolge der Hitze 100 Mann schlaff- dieselben mußten unterwegs liegen bleiben, zwei Mann starben am Hitzschlag. Ein Dragoner stürzte mit dem Pferde und war sofort tobt, zwei andere Soldaten, die gleichfalls stürzten, zogen sich Rippenbrüche zu.

Wien, 13. September. Aus Canea auf Greta be­richtet dieNeue Fr. Pr.", daß der AuSbruch eines Auf standes auf der Insel infolge der mangelhaften Sicher- heil und schlechten Verwaltung zu befürchten sei. Der Haß zwischen den Christen und Mohamedanern steigert sich täglich. Zahlreiche Mordthaten kommen dortselbst vor.

Triest, 13. September. Wie verlautet, verbot die Regierung alle Vergnügungszüge nach Italien am 20. September.

Mailand, 13. September. Der hiesige Cardinal-Erz­bischof erließ einen Hirtenbrief, worin er der ihm unter­stellten Geistlichkeit anempfiehlt, in den Tagen vom 20. dis 22. September in sämmtlichen Kirchen Bittgottesdienste ab­zuhalten für die Befreiung des Papstes und die Wieder- Herstellung der weltlichen Macht desselben.

Paris, 13. September. Die Untersuchung gegen den Urheber deS Attentats auf das Rothfchild'sche Bank­haus ist beendet. Man glaubt, derselbe werde einfach dem Zuchtpolizeigericht überliefert werden. Hier circultrt das Gerücht, daß gestern ein hoher Polizeibeamter sich bei der Regierung für den Attentäter verwendet habe.

Marseille, 13. September. Das TransportschiffComo- rin" ist gestern in Brand gerathen. An Bord befanden sich 50 Tonnen Kriegsmaterial, 500 Tonnen Kohlen rc. Die an Bord befindliche Mannschaft konnte sich rechtzeitig retten. Nur ein Theil der Ladung konnte gerettet werden.

Petersburg, 13. September. Zwischen den Stationen Chukowka und Nikolskaja der Riga-Oreler Bahn ist ein Arbeiterzug mit einem Güterzuge zusammengestoßen. 19 Wagen deS ersteren, acht des anderen Zuges find total zertrümmert. Der Oberschaffaer deS GüterzugeS und 25 Ar­beiter wurden getödtet. Als Ursache der Katastrophe gilt, daß ein Assistent den Güterzug von der Station abgetanen hatte, bevor der Arbeiterzug eingelaufen war.

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Gieße», den 14. September 1896.

Hoher militärischer Besuch. Nach beendigtem Manöver der 21. Division trafen gestern Abend Excellenz General- Lieutenant v. Wittich, Commandeur des 11. Armee-CorpS, sowie Excellenz General v. Goßler, Commandeur der

25. Division, nebst Adjutanten hier ein und nahmen im Hotel Kühne" Absteigequartier.

* 0 Zur landwirthfchaftlicheu Ausstellung in Gießen (19.22. September l. I.). Wohl noch nie vorher hat Oberhessen eine so umfangreiche landwirthschaftliche Aus­stellung gesehen, wie sie in den nächsten Tagen in Gießen stattfinden wird. 457 Rinder, 90 Pferde, 55 Schweine, 40 Schafe, 130 Ziegen, 136 Stämme Geflügel, 63 lebende Bienenvölker sind angemeldet. Ganz besonders »mag noch aufmerksam gemacht werden auf die umfangreiche Producten« und Obstausstellung. Erstere findet Platz in der Stadt- knobeMchule, letztere in der Turnhalle deS Gießener Turn­vereins - ferner wird die große Maschinenausstellung mit 411 Nummern eine Fülle deS Interessanten bieten, so wird u. A. geplant, mehrere Maschinen mit electrischer Kraft­übertragung in Betrieb zu setzen. Die Aliceschule birgt die Bienenausstellung (im Garten die lebenden Völker), ferner die Forstabtheilung und die Ausstellung deS Thierschutz- vereinS. Die wissenschaftliche Abheilung in der Stadt- knabenschule findet eine mannigfache Beschickung. Schließlich möge die Aufmerksamkeit deS Publikums noch auf die schöne Fischereiabtheilung hingelenkt werden. Sie befindet sich im Souterrain der Stadtknabenschule. Sie wird sehr vielseitig beschickt werden. Es ist geplant, die zwölf großen BasstnS bel eintretender Dunkelheit mit electrischen Glühlampen zu beleuchten. Schon jetzt haben verschiedene Aussteller ihre Sachen angebracht und herrscht bereits eine rege Thätigkeit auf Oswalds Garten.

** Prämiirnng auf bet laudwirthschaftlicheu Ausstellung. Zur Prämiirung auf der landwirthschastlichen Ausstellung find vorgesehen goldene, silberne und broncene Medaillen, sowie Diplome in schwarzem und farbigem Kunstdruck. Die Aversseite der Medaillen zeigt das Großherzogliche Paar. Aus der Reversseite befindet sich die Inschrift:Landwirth­schaftliche Ausstellung Gießen 1895", von einem Lorbeerkranz umrahmt.

♦♦ Die Prämiirung der Aussteller auf der Gewerbe- Ausstellung in Alsfeld wird heute Samstag Abend dort öffentlich verkündet werden.

* Schöffengericht. Gestern verhandelte das Schöffen­gericht gegen einen Arbeiter, welcher angeblich auf dem Bahnhof gelesene Kohlen an zwei Frauen veikauft hat. Der erstere wurde wegen Diebstahls mit 3 Tagen, die Frauen wegen Hehlerei mit je 8 Tagen Gesängniß bestraft. Die Hehler hatten in zwei Fällen den Gentner Kohlen mit 55 Psg. bezahlt und waren durch den Vorsitzenden Richter sehr schwer zu bedeuten, daß, selbst wenn der Arbeiter die Kohlen aufge- lesen gehabt hätte, dies immerhin gestohlenes Gut sei. In dem zur Verhandlung stehenden Fall wurde aber nachge­wiesen, daß die zwei Säcke Kohlen von einem Kohlenlager­platz gestohlen waren.

** Kaufmännischer Verein. An Stelle deö Herrn Oberrnayer, welcher im Kaufmännischen Verein sein Amt als erster Schriftführer niederlegte, wurde Herr O. Mayer, der derzeitige zweite Schriftführer, gewählt. Als zweiten Schriftführer wählte die Generalversammlung Herrn Gatl Frick.

** Plakatgebühr in Wirlhschafteu. Der hiesige Gast- wirtheverein hat in seiner gestrigen Generalversammlung die definitive Einführung einer Plakatgebühr beschlossen, wie solche schon in allen größeren Städten vorhanden. Als Einführungstermin ist der 1. October d. I. bestimmt. Der Gebühr unterliegen siimmtliche in den WirthschaftSlocalitäten auSgehängten Plakate mit Ausnahme der von Veran­staltungen zu wohlthätigen Zwecken und geistlichen Goncerten. Der Ertrag der Plakatgebühr fließt minde­stens zur Hälfte wo hlthätigen Zwecken zu. Die Interessenten werden noch fpeciell von der Einführung in Kenntniß gefetzt. Wie wir hören, haben sich auch die wenigen Wirthe, welche noch nicht Mitglieder deS Vereins sind, diesem angeschlossen, sodaß die Plakatgebührerhebung eine einheitliche ist.

* Auf unseren Bahnhöfen herrschte gestern vom frühen Morgen an ein Leben wie vor AuSbruch eines Krieges. Bon Frankfurt her rollte immer ein Militärzug nach dem andern in die P-rsonenhalle der Main-Weserbahn, um als­bald auf die Oberhessischen Bahnen überführt zu werden. Die Regimenter 115, 116, 117, die Marburger Jäger, 2 Gom- pagnien der 11. Pioniere, Husaren und Dragoner gingen nach Oberhessen ins Manöver und das 118. Regiment ging nach Marburg. Biele der Leute wurden von ihren An­gehörigen hier am Bahnhof erwartet und manches Wurst- packet wurde den MarSsöhnen ins Manöver witgegeben. Unser 4. Bataillon, welches bis gestern die Garnison hier am Platze bildete und durch Reserven verstärkt war, verließ