Donnerstag dm 15. August
189»
Erstes Blatt
Nr. 190
Gießener Anzeig er
Kenerat-Mnzeiger.
2lmts< und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren
Hratisöeitage: Hießener Kamitienblätter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den /Gießener Anzeiger" entgegen.
Redaction, ExpeditioO und Druderet:
StSnkKrahe Kr.7.
Fernsprecher 51.
vierteljähriger LSoanementspreirr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn.
Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Die Gießener
D.mtkienvcätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Amtlicher Theil.
Gießen, den 12. August 1895. Betr.. Den Abverdienst uneinbringlicher Feldstrafen vom Jahre 1894/95.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche noch mit der Vollstreckung des Abverdienstcs aus der I. bis IV. Feldrügegerichtsperiode 1894/95 im Rückstände sind, werden hiermit an die Er. ledigung binnen acht Tagen erinnert.
I. V.: Dr. Melior.
Bekanntmachung,
betreffend Vorträge über Obstbau.
Herr Obstbautechniker Metz des Oberhessischen Obst- bauvereinS beabsichtigt nachstehend angeführte Orte des Kreises Gießen zu besuchen und zwar:
Donnerstag, 15. August Ltch,
Sonntag, 18. August Leihgestern, Montag, 19. August Watzenborn-Steinberg. Dienstag, 20. August Gröningen, Mittwoch, 21. August Dorf-Gill, Donnerstag, 22. August Großen-Buseck, Freitag, 23. August Beuern, Samstag, 24. August Bersrod, Sonntag, 25. August Reiskirchen, Montag, 26. August Hattenrod, Dienstag, 27. August Harbach, Mittwoch, 28. August Ettingshausen, Donnerstag, 29. August Queckborn, Freitag, 30. August Stangenrod, Samstag, 31. August Beltershain, Sonntag, 1. September Grünberg, um daselbst Vorträge über Obstbau, verbunden mit praktischen Unterweisungen abzuhalten, zu welchen die Mitglieder des Vereins, sowie alle Interventen eingeladen werden.
Sonntags finden die Versammlungen Nachmittags 3 Uhr, an Wochentagen Abends 8 Uhr, die praktischen Unterweisungen am nächstfolgenden Tage Vormittags statt.
Die Großherzoglichen Bürgermeister werden ersucht, entsprechende Bekanntmachung in der Gemeinde zu erlassen, nach Maßgabe der besonderen Benachrichtigung.
Gießen, den 8. August 1895.
Der Vorsitzende des Vereins-Bezirks Gießen des Oberhessischen Obftbauvereins.
Dr. Wallau.
Bekanntmachung.
Freitag, den 30. August 1895, Nachmittags -3 Uhr wird auf Lony's Felseukeller (Westanlage) zu Gießen eine General-Versammlung des landwirthschaftlichen BezirtSveretns Gießen abgehalten werden.
Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins und der Ortsvereine, sowie alle Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch freundlichst ein- geladen.
Die Herren Bürgermeister werden ergebenst ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.
Tagesordnung:
1) Dortrag des Herrn Professors Dr. Pflug von Gießen über die Impfung mit Tubercultn.
2) Die Landesausstellung zu Gießen. Bewilligung von Wegvergütungen für nicht prämiirtes und nicht verkauftes Vieh von Ausstellern aus dem Kreise Gießen. Bewilligung von Preisen für Aussteller aus dem Kreise Gießen.
3) Vorlage der Rechnung des landwirthschaftlichen Be- ztrksveretns pro 1894/95.
4) Vorlage des Voranschlags des landwirthschaftlichen BeztrksvereinS pro 1895/96.
5) Neuwahl des Ausschusses.
6) Nachträgliche Bewilligung einer Subvention für einen Schüler des Obstbau-Cursus und ähnliche Anträge.
Gießen, den 10. August 1895.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Carl Jost, Regierungsrath i. P.
Deutsche- Reich.
Berlin, 13. August. Kaiser Wilhelm steht am Ende seines diesjährigen sommerlichen Besuches auf englischem Boden. Nach Beendigung seines Aufenthaltes auf der Insel Wight hat sich der Monarch nach Weftmoreland begeben, einer Jagdeinladung des Lord Lonsdale auf Lowther Castle Folge leistend. Am Montag unternahm er von Lowther Castle aus einen größeren JagdauSflug nach Wemmergde anläßlich der Eröffnung der Grouse-Jagd, von welchem die Rückkehr nach Lowther Castle erst am Abend erfolgte.
— Das Befinden der Kai s er in hat sich in letzter Zeit wesentlich gehoben, doch bedarf die hohe Frau noch immer der Schonung. Ihre angekündigte Theilnahme an der Grundsteinlegung zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Berlin dürfte daher wohl auch noch nicht als ganz feststehend zu betrachten sein.
— Der vielfach erwartete „kalte Wasserstrahl" von Berliner officio fer Seite nach London anläßlich der unqualifictrbaren Auslassungen großer Londoner Blätter über den Besuch des Kaisers in England und über das deutsch-englische Verhältniß ist jetzt endlich erfolgt. Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht eine augenscheinlich hoch- officiöse Kundgebung speciell gegenüber dem vielbesprochenen „BegrüßungSartikel" des „Standard", sowie dem ebenfalls viel erörterten zweiten Artikel desselben Blattes über die deutschenglischen Beziehungen. In der erwähnten Kundgebung der „N. A. Z." wird dem „Standard" wegen seiner anmaßenden und dünkelhaften Haltung gegenüber Deutschland derb der Text gelesen und ~ hierbei deutlich auf die zweifelhafte Stellungnahme Englands zu Deutschland namentlich in colonialpolitischen Fragen hingewiesen. Besonders hält die AuSlaffung in der „N. A. 3 " dem englischen Blatte auch die Unziemlichkeit vor Augen, gerade den Besuch deS Kaisers in England als Gelegenheit zur Herausforderung einer solchen Zeitungsfehde zu benutzen, wie denn in der Antwort des Berliner Regierungsblattes auch gleich zu Anfang betont wird, daß letzteres während der Dauer des Besuches des Kaiser- am englischen Gestade bei Cowes davon Abstand genommen habe, auf die Ergüsse des „Standard" etwas zu erwidern. Hoffentlich wirkt diese dem „Standard" und hiermit zugleich allen anderen englischen Blättern, welche sich an Deutschland reiben möchten, von Berlin aus ertheilte Lection nach.
— Die B erl in er Stadtverordneten - Versammlung genehmigte, den Anträgen des Magistrats Folge gebend, 50 000 Mk. zur Feier der 25jährigen Wiederkehr der Tage von 18 7 0/71, und 6000 Mk. zur Feier des Sedantages in den Berliner Schulen, ein Beschluß, der keineswegs für so sicher gegolten hatte. Außerdem wurden 10000 Mk. für die Brandcalawitosen von Brotterode bewilligt.
— General der Infanterie z. D. v. Stosch, der verdiente frühere Chef unserer Marineverwaltung, feierte am 12. August sein sechzigjähriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anlaß wurde der in Wiesbaden wohnende Jubilar vom Kaiser durch ein sehr huldvolles Glückwunsch- Telegramm ausgezeichnet.
— Die bisherigen Blättermeldungen über die jüngst in Berlin abgehaltene JnnungSconferenz werden vom „Reichsanzeiger" als wesentliche Unrichtigkeiten enthaltend, bezeichnet. Ein glaubwürdiger Bericht über die Conferenzverhandlungen ist, dem osficiellen Organe zufolge, nächstens zu erwarten.
Neueste Had^rid^en»
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 13. August. Gegenüber den abfälligen Beur- theilungen der Blätter, daß die Ergebnisse der am 14. Juni erfolgten Zählung der Arbeitslosen in Verbindung mit den Ergebnissen bei der Volkszählung am 2. December in einer zu wiederholenden Erhebung zu veröffentlichen find, weist die osficiöse „Berliner Correspondenz" darauf hin, daß bei den umfangreichen Erhebungen der Berufs- und Gewerbezählung im Juni das Ergebniß selbst hinsichtlich einzelner Fragen fich nicht schon nach wenigen Wochen übersehen lassen kann. Schon auf der sechs Wochen vor der Junizählung in Heidelberg abgehaltenen vorbereitenden Conferenz der Vertreter der Statistik 'des Reiches war man nicht im Zweifel, daß im besten Falle die Junierhebung nur ein Augenblicks- bild der Arbeitslosigkeit darbiete, das Ergänzung finden müsse. Den geltend gemachten Gründen kamen die verbündeten Regierungen auf daS Bereitwilligste nach und sind entschlossen, daher mit dem Ergebniß der Junizählung zu warten, bis die Ergebnisse der Decemberzählung vorliegen.
Coburg, 13. August. Die heutige zweite Sitzung des Geologen-Congresses leitete Professor Baltzer-Bern. ES sprachen Professor Kayser-Marburg über das Borkommerr von tertiären Fossilien im Hessischen, Professor Beyschlag» Berlin über den Thüringer Wald, Dr. Dathe Berlin behandelte das Erdbeben in Schlesien vom 11. Juni cr., Dr. Gürich daS Paläozoicum des polnischen Mittelgebirge-, Professor Potonie-München wies die Autochthonie der polnischen Flötze nach. AlS nächstjähriger Versammlungsort wurde Stuttgart, zum Geschäftsführer Professor FraaS- Stuttgart gewählt.
Bremen, 13. August. In der Kasse der Bremer Filiale der Deutschen Bank wurde heute einManco von etwa 40,000 Mk. entdeckt. Der Kassirer Ernst Kramer wird vermißt und ist angeblich geflüchtet.
Lübeck, 13. August. Heute findet hier die feierliche Eröffnung des neuen Reichsbankgebäudes statt. Zu derselben ist Reichsbankpräsident Dr. Koch hier eingetroffen. Nachmittags wird vom Senat ein Festessen veranstaltet.
Metz, 13. August. Der Großherzog und die Groß- Herzogin von Hessen sind gestern Abend zu zweitägtgem Besuche der Stadt und Umgegend hier eingetroffen.
Paris, 13. August. Der Minister deS Auswärtigen richtete an den russischen Botschafter Baron Mohrenheim, der gegenwärtig in Cauterets weilt, ein Glückwunsch Telegramm gelegentlich des 25jährigen Dienstjubiläums deS Botschafters. Der Minister fügte hinzu, Frankreich hatte seinen Antheil an der langen Arbeit eines so ausgesüllten Lebens, ich bin sicher, einstimmigen Gefühlen Ausdruck zu geben dadurch, daß ich heute unsere Wünsche für Ihr und der Ihren Wohl Ihnen übermittelte.
Paris, 13. August. Der Professor an der Universität in Genua, Maragliano, machte ift der gestrigen Sitzung des medicinischen Congreffes zu Bordeaux eine Mittheilung über eine neue Behandlung der Tuberkulose durch Serum.
London, 13. August. Lord Lonsdale nahm die Einladung deS Kaisers zur Parade deS Gardecorps in Berlin am 2. September und zu den Kaisermanövern bei Stettin vom 6. bis 12. September an.
London, 13. August. Die Yacht „Hohenzollern" ist mit der „Gefion" heute Vormittag auf der Rhede von Leith eingetroffen.
Brussel, 13. August. Ein der Kammer vorgelegter Gesetzentwurf erhöht die Einfuhrzölle auf Tabak. Cigarren und Cigarretten sollen 500 FrcS. per 100 Kilo, andere Tabake 120, nicht verarbeitete ohne Rippen 120, mit Rippen 50 FrcS. Zoll zahlen. Der Gesetzentwurf stellt noch eine Reihe fiscalischer Maßregeln für den Anbau und die Verarbeitung einheimischer Tabake auf.
Depeschen deS Buremr „Herold".
Berlin, 13. August. Nach einer den „Berliner Neuesten Nachrichten" aus Kürzel i. L. zugehenden Meldung wird der Kaiser am 15. October bereits dort eintreffen und im Schlöffe Urville Aufenthalt nehmen. Am 18. October reift der Kaiser zur Denkmalseinweihung nach Wörth/ auch ein Besuch in Metz ift in Aussicht genommen.
Berlin, 13. August. Der Kaiser wird nach den bisher getroffenen Bestimmungen sich am 15. d. M. in Leith wieder an Bord der „Hohenzollern" einschiffen, um über Brunsbüttel die Rückreise anzutreten. — Die Kaiserin dürfte, tote ans Kassel gemeldet wird, mit den beiden ältesten Prinzen am 16. d. Mts. Abends Wühelmshöhe verlassen und am 17. August früh im Neuen Palais wieder eintreffen. Die Kaiserin Friedrich wird am Freitag auf Schloß WilhelmS- höhe zum Besuche der Kaiserin Augusta Victoria erwartet.
Berlin, 13. August. Nach hierher gelangten Privat- brtefen befindet sich Cultu sminister Dr. Bosse, der in Schruns in Vorarlberg weilt, recht wohl. Der Minister gedenkt Ende August nach Berlin zurückzukehren und am 1. September der Einweihung der Kaiser-Wilhelms-Gedächtniß- kirche beizuwohnen.
Berlin, 13. August. Fürst Bismarck hat die Mittheilung hierher gelangen lassen, daß er durch seinen Gesundheitszustand zu seinem Bedauern verhindert sei, an der Feier der Grundsteinlegung zum Kaiser- Wilhelm- Denkmal theilzunehmen. Vom Abgeordnetenhause werden außer dem Präsidenten von Köller und den Geschäftssührern noch 59 Mitglieder der Feier beiwohnen. Die beiden Bice- präsidenten sind durch ihre Gesundheitsverhältnisse gezwungen, der Feier fern zu bleiben. Vom Herrenhause haben 48 Mitglieder ihre Theilnahme an der Feier mitgetheilt. Präsident Fürst Stolberg wird am Samstag zur Theilnahme an den Feierlichkeiten eintreffen; ebenso wird Freiherr v. Manteuffel in seiner Eigenschaft als erster Vicepräsident an der Feier


