Ausgabe 
14.11.1895 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

5 Mark 6

»

Stoffen

Strttrrtt

B|*anche,

hrung nach a von xhlet Weise aus- Ist des von erfundenen irates

rschluss

24

eh vor Miss- eise alle Ab- iroderNach- 'erlange den Apparat s Erfinders; ian darauf, Namenszug! iten ist eine I es Systems I tisnng bei-1

n-Naroau N MW t a.

47.

chen.

; W. Hosch; chmldt. In iedberg shwab. Io ierg bei:

Wwe. In

Inge? -a«»bürs»tzt*

kndtt-ttkratzt SV. MW Mi der Nnm jucht.

Wcheu- Hausarbeit bei W j Weihnachten gew- allthorstraßeSS.

a»lh

der

9078

ASS S$SS re«»e N ni**

Nr. 268

Der

#ie|e*tr Anzeiger erscheint täglich, Ausnahme deS Montag».

Dir Gießener M«mtkiendtälter «erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

tsei

Erstes Blatt. Donnerstag den 14 November

Gießener Anzeiger

kierteltähriger Abonm:mc»lsprelSr 2 iDhrl 20 Pjg. mit Bringerlohm Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Kedaction, Txpeditit» und Druckerei:

Kenerat-Mnzeiger.

SchnlstraßeVr.l«

Fernsprecher 51.

Zlnrts- unb Anzeigeblcrtt für den Ttreis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borin. 10 Uhr.

Hraiisöeikage: Gießener Jamitienökätter.

-----

Alle Annoncen-Lureaux de» In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

2lmtlid?er Theil.

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche m Londorf.

Nachdem in einem Gehöfte zu Londorf die Maul- unb Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das verseuchte Gehöft unter Sperre gestellt ist.

Gießen, den 13. November 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gicßen.

v. Gagern.

Deutsche» Reich.

Berlin, 12. November. Der Kaiser gedenkt am Freitag und SamStag größere Hofjagden in den Forsten von Letzlingen abzuhalten. An denselben werden, soweit bekannt, von fürstlichen Jagdgästen Prinz Heinrich von Preußen und Großfürst Wladimir von Rußland theilnehmen, welche den Kaiser am Donnerstag Nachmittag von der Wildparkstation bei Potsdam aus nach Letzlingen begleiten.

Die Commission zur Revision unserer socialpolitischen Gesetze ist am vergangenen Samstag nach gerade einwöchigem Zusammensein zunächst wieder auSeinandergegangen. In der Hauptsache haben die Ver­handlungen der Commission der geplanten Novelle zum Invalidität«- und AltersverficherungSgesetze gegolten, wobei eine Reihe von 1 eschlüssen gefaßt wurden, welche die in der gedachten Novelle niedergelegten Regierungsvorschläge zur Reform des JnvaliditätsversichcrungswesenS in verschiedenen Punkten umgestalten. In ihrer Schlußsitzung hat sich dann die Commission noch mit dem Plane des Reichsversicherungs- amtS-Präsidenten Dr. Bödiker auf Vereinigung der Unfall Versicherungsorganisation mit der Organisation für das Jnvaltditäts- und AlterSverficherungswesen beschäftigt. Es gaben sich bei Erörterung dieses Proj-ctes zwei entgegen» gesetzte Strömungen im Schooße der Commission zu erkennen, von denen die eine mit der geplanten Verschmelzung der staatlichen Rentenversicherungen sympathisirte, während die andere den Plan bekämpfte. Bestimmte Beschlüsse nach dieser Richtung hin wurden noch nicht gefaßt, wie denn überhaupt die ganze aufgerollte Frage der Revision unserer ArbeiterverficherungSgesetze wegen der entgegenstehenden Schwierigkeiten offenbar auch noch fernerhin der Klärnng bedarf.

Der neugewählte sächsische Landtag ist am

Dienstag formell zusammengetreter. Die zweite Kammer hielt an diesem Tag wie auch am Mittwoch, Präliminar­sitzungen ab. Die feierliche Eröffnung des Landtages m.ttelst Thronrede des Königs findet dagegen am Donnerstag Mittag 12 Uhr im Dresdener Residenzschloffe statt.

Dr. Rüdt, der durch den Beschluß deS Breslauer Socialistentages aus der Partei hinausbeförderte Führer der dissentirenden badischen Socialdemokraten, will eine ganz neue Partei begründen. Dieselbe soll den Charakter einer freien socialisttschen Vereinigung erhalten und fordern die Mannheimer Anhänger Dr. RüdtS in einem Aufruf die deutschen Socialisten auf, sich der geplanten Ver- einigung anzuschließen. Viel wird indessen für die Rüdtianer bei dieser Absplitterung von der socia'demokratischen Gesammt- Partei schwerlich herauSkommen, die große Mehrzahl der Genoffen" folgt eben noch den alten Führern.

Für die Reichstagsersatzwahl in Metz an Stelle deS Dr. Haas ist von der clerical - protestlerischen Partei der Weinhändler Lanique als Candidat proclamirt worden. Es wäre Wünschenswerth, wenn die Metzer Deutschen diesem Französling etwas anders ist auch Herr Lanique nicht wentgftkns einen Zählcandidaten entgegenstellten.

Die eingetretene Panik an den europäischen Börsenplätzen, welche einen allgemeinen Coursfturz der Börsenpapiere zur Folge hatte, ist in ihren eigentlichen Ur­sachen noch immer nicht genügend aufgeklärt. Die politische Unsicherheit in der Türkei kann aber schwerlich diese Panik hervorgerufen haben, eher berechtigt erscheint da die Ver- muthung, daß eS sich um ein Manöver der Hochfinanz ge handelt hat, der allerdings die Wirren im Orient hierbei zu Statten kommen. Das Eine kann jedoch cu§ feststehend betrachtet werden, daß der allgemeine Börsenkrach auf Vor­gänge an der Wiener Börse zurückzuführen ist, wo durch ein großes MaffenverkaufSangebot selbst der besten Papiere dieDeroute" eröffnet wurde. Inzwischen ist man an den maßgebenden Plätzen eifrig bemüht, wieder eine Befferung der Lage herbeizuführen, was anscheinend auck gelingen dürfte.

Neueste

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 12. November. Durch Cabinetsordre vom 11. November ist dem Director deS Marinedepartements des Reichsmarineamts, Karcher, ein sechsmonatlicher Urlaub zur Wiederherstellung seiner Gesundheit ertheilt. Capitän Büch sel ist zum Director deS Marinedepartements ernannt, ferner der Capitänlieutenant Heinrich XXVI. Prinz Reuß zum Corvettencapitän. Der Hauptmann Karnptz

ist zuc Vertretung des CommandeurS der Schutztruppe für Kamerun commandirt.

Straßburg, 12. November. Der Kaiser hat dem UnterstaotSsecretär im Ministerium für Elsaß-Lothringen, Dr. Hoseus, auS Anlaß seines Uebertritts in den einst­weiligen Ruhestand den Stern zum Rothen Adlerorden zweiter Klaffe mit Eichenlaub verliehen. Ferner verlieh der Kaiser aus Anlaß der Enthüllungsfeier des Kaiser Friedrich- Denkmals bei Wörth dem Rittmeister d. R. Grasen Eck- brecht v. Dürkheim-Montmartin auf Schloß Frösch­weiler bei Wörth den königlichen Kronenorden dritter Klasse.

Wien, 12. November. Nach hier gelangten Gon* ftantinopeler Berichten erhalten sich die Gerüchte von einem neuerlich bevorstehenden Wechsel im Großvezierate. Als Nachfolger Halil Risaat Paschas wird Mahmud Djellaleddin Pascha genannt, welcher angeblich von der Palastpartei begünstigt werde. Andererseits werde Kutschuk Said Pascha als die geeignetste Persönlichkeit für den Groß- vezierposten bezeichnet. Die Gerüchte von einer neuerlich in Constantinopel bevorstehenden armenischen Demon­stration veranlaßten den russischen Botschafter Nelidow, Schritte beim armenischen Patriarchen zu unternehmen. Die beruhigenden Versicherungen, welche ihm zu Theil wurden, haben auch in türkischen Kreisen einen günstigen Eindruck gemacht.

Loudon, 12. November. Die Blätter melden, im nächsten Cabinetsrathe werde beschloffen werden, den Aschan­tis den Krieg zu erklären. In Woolwich sei der Befehl eingetroffen, Kriegsmaterial nach Accra zu schaffen.

London, 12. November. Von officieller Seite wird ein Dementi der jüngst verbreiteten Nachricht über die Ver­stärkung deS englischen Mittelmeer-GeschwaderS veröffentlicht. Dieses Geschwader werde nur auf die nor­male Stärke gebracht werden.

Athen, 12. November. Gestern fand hier im Saale der Universität eine Versammlung von Studenten statt, unter welche sich auch mehrere Eingeborene der griechischen Pro­vinzen gemischt halten. Nachdem eine Resolution gefaßt war, durch welche die Rechte der Hellenen bekräftigt werden, be­gaben sich die Studenten nach dem Schlöffe, wo sie patrio­tische Lieder sangen und den Kronprinzen zu sehen verlangten. Da dieser sich nicht zeigte, begaben sich die Studenten nach dem Hause von Delyannih.

Dsyescherr M Bureau »Herold*.

Berlin, 12. November. Wie dieNordd. Allgem. Ztg." meldet, wird der Kaiser am Donnerstag einer Einladung

Feuilleton.

Frankfurter Thesterbries.

(Originalbericht für denGießener Anzeiger*.)

(Nachdruck verboten.)

Moliöre-Abeude. Der Evangelimann.

Dr. M. Die Gesellschaft, die sich einst an der Satire deS Jean Baptist Pouguelin ergötzte, ist sammt ihrer ganzen Geschmacksrichtung vom Erdboden verschwunden, und wir, die von total verschiedenen Jntereffen bewegt werden, können doch noch immer Stellung zu dem Manne gewinnen, der die Schule der Frauen" und denTartüffe" geschrieben hat! Wäre Moliöre nur der Hofcomödiant Ludwigs XIV. ge­wesen, nicht auch der große Menschenkenner, der die inneren Triebfedern aller Handlungen aufzudecken wußte, schwer­lich wäre ihm nach mehr al« hundert Jahren in dem Dichter deSTalisman" ein Uebersetzer erstanden, der für uns Deutsche die Comödienwelt MoliereS wieder erweckt und ihr zu neuen Bühnenfiegen verhilft.

Die Schule der Frauen" hat thatsächlich durch FuldaS Uebersetzungskunft beim modernen Theaterpublikum gewonnen.

DiePrScieuses ridicules8 (Die Gespreizten"), eine Sittenschilderung, die allerdings zum größten Theile cmS der Zeit deS ComödiendichterS begriffen werden will, fiel in der Fifchbach'scheu Uebertragung bei Weitem nicht so glücklich auS.

Beide Stücke aber können uns zur Genüge darüber be­lehren, daß Ludwig Fulda frisch von der LectÜre MoliSreS gekommen sein muß, als er sich anschickte, seineKameraden" zu schreiben.

Im Frühling drang zuerst die Kunde zu uns, daß ein neues Mufikdrama,Der Evangelimann", mit einem zu Grunde gelegten christlich-socialen Text componirt und im Berliner Opernhause aufgeführt worden sei. Nun hat das

Werk Wilhelm Kienzl'S auch in Frankfurt seinen Einzug gehalten und und die Ueberzeugung gebracht, daß eS sich hier allerdings um etwas Neues handelt, wenns auch just nichts Christlich-Sociales ist. Denn es liegt kein Grund vor, daßDer Evangelimann" nicht ebenso gut vor zwanzig oder fünfzig Jahren hätte entstehen können, lange vor der Gründung der Naumann'schenHilfe" und deS Stöcker'schen Volk". Nicht um sociale Fragen, um innere Gemürhs- vorgänge handelt es sich, und sogar die Confesfion spielt keine Rolle dabei. Der Evangelimann ist ein ehemaliger AmtSschreiber im Kloster St. Athrnar in Nieder-Oesterreich. Als lebensfrischer, die Seele von tausend freundlichen Hoff­nungen erfüllter junger Mensch tritt er im ersten Aufzuge vor unS hin. Sein Herz gehört der lieblichen Martha, der Nichte des Justiziär Engel. Johannes Freudhofer, Schul­lehrer zu St. Athrnar, ein niedriger Streber und Schleicher, vernichtet aus Eifersucht das Glück deS Bruders, indem er die heimlich Verlobten beim gestrengen Oheim denuucirt. Darauf heftige Auseinandersetzung und ergreifender Abschied der Liebenden (Wir halten unS umwunden im Monden- silberschein"). Johannes stört das innige Zwiegespräch durch ein Bubenstück. Er zündet die Tenne an und der Verdacht der Brandstiftung fällt sofort auf Matthias, den man in der Nähe entdeckt hat.

Als der Vorhang wieder aufgeht, sind dreißig Jahre inS Land gegangen, von denen Matthias zwanzig im Zucht­hause zugebracht hat. Für denVerbrecher auS verlorener Ehre" wäre jetzt der Grund gelegt. Aber der Held hat einen Rettungsanker in jenem Glauben gefunden, dec von alterSher der Trostquell für die Armen und Elenden gewesen ist. AlsEvangelimann" durchzieht Matthias die Straßen Wiens und lehrt die Kernsprüche der B'bel alle Diejenigen, welche sich um ihn versammeln.Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmel­reich." DaS ist textlich und musikalisch das Leitmotiv deS zweiten ActeS, der seinen Höhepunkt erreicht, als Matthias

dem von GewiffenSbiffen und Krankheit gemarterten Bruder Johannes die Worte der Verzeihung ans Sterbelager trägt.

Alles ist schlicht, volksthümlich gehalten, kein Zug künst­licher Askese oder tendenziöser Frömmigkeit entfernt daS Werk von der Empfindungsweise einfacher Menschen. Kienzl hat seinen Text einer wahren Begebenheit entlehnt, den Auf­zeichnungen eines PolizeicommiffärS, aber darauf kommt im Grunde wenig an. Nicht die äußere Thatsächlichkeit, die innere Wahrscheinlichkeit ist in jedem Drama die Hauptsache.

Wir wollen nicht verkennen, daß die Stimmung im Publikum für solche einfache WirklichkeitSvorgänge, die sich allem romantischen Opernpomps enthalten, durch die jung- italienische Schule vorbereitet worden ist. In den Werken von Mascagni, Leoncavallo, Coronaro, Spinelli rc. muß das südländische Colorit daS Gepränge des früheren Ritter- und HeldendrawaS ersetzen. Für unS bleiben diese Opern, welche die Farbengluth der neapolitanischen Landschaft und daS bunte Gewirr südlicher Volkstrachten umfängt, in gewissem Sinne doch nochCostümopern".

Der Kienzl'scheEvangelimann" geht nun entschieden einen großen Schritt weiter, indem er allem, was den Sinnen schmeichelt, Valet sagt und sich ganz auf die innere Gefühls­welt beschränkt.

Innerlichkeit ist denn auch daS Erste, waS wir von den Sängern dieses deutschen Mufikdramas verlangen müffen, und wir trafen sie denn auch an in der Auffaffung, die der Frankfurter Heldentenor, Herr von BandrowSki, dem Matthias lieh, in der seelenvollen Art, in welcher Frau Jäger die Braut Martha sang, die nach dem ersten Acte aus dem Drama scheidet, und sie kam auch zum Ausdruck in dem Liede, in welchem die Freundin Magdalena (Frl. Weber) sich, im Eingänge des zweiten Actes, der schönen, dahingeschwundenen Jugendzeit erinnert.