Ausgabe 
14.8.1895 Erstes Blatt
 
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links die Tribüne für die in diesen Tagen schwer gep'agten Vertreter der Pcesse die Aufmerksamkeit auf sich lenken, bis hinüber zur weit entfernten Bühne und schaut man aus daS fröhliche bunte Treiben der Taufenden hinab, die schon von den ersten Nachmittagsftunden in der Halle promentren, oder auch schon die Tische besetzt halten, um ja am Abend eine- Plätzchen- zur Aufführung der lebenden Bilder gewiß zu fein, so erhält man einen malerischen, unvergleichlich an­ziehenden Anblick. Draußen auf dem Festplatz geht- indeffen auch lustig her. Dort ist Doppelconcert, auf dem Juxplatz giebts die erlesensten Sehenswürdigkeiten und ringS säumt eine Unmenge von Bier- und Weinrestaurant- den riesigen Feftplatz, der heute Dank de- in der Nacht gefallenen Regen-, der sich auch Abend- wieder einstellte, ganz staubfrei ist.

Eine wahre Völkerwanderung zieht unausgesetzt au- der Stadt dem Festplatz zu uud durch die im Festung-stiel auf­geführten Eingang-portale strömt fortwährend neuer Zuzug herbei. Bald heißt e», nun auch einen Platz im Innern der Halle gewinnen, denn dort entsteht bald ein Gedränge und Geschiebe, da- manchmal beängstigend wirkt. Indeffen die Haltung de- Publikum- ist im Ganzen vortrefflich, und so­weit Ihrem Eorrespondenten bis jetzt bekannt geworden, ist auch kein störender Zwischenfall zu verzeichnen gewesen. Um 7 Uhr beginnt in der natürlich jetzt gepropst vollen Halle da- Eoneert der Capelle Hilge, dann folgt ein GesangS- vortrag eine- der gefeiertsten Opernmitglieder der Hosbühne, deS Herrn Wtlh. Riech mann, der jubelnd ausgenommen wird, aber weit von der Bühne weg nicht verständlich ist. Auch von der Festrede de- Herrn Pros. Friedrich verstehen nur die an den zunächstltegenden Tischen Sitzenden etwa-, doch mächtig durchbrauft dann da- dreifache Hoch und der Nationalgesang zum Preis deS deutschen Vaterlandes die weile Halle und weckt draußen, wo Hunderte die EingangS- thüren belagern, ohne Einlaß zur Halle finden zu können, ttn laute- Echo. Dann beginnt nach einer Pause die Auf­führung der von Prof. Hermann Müller entworfenen und gestellten lebenden Bilder. Sie beziehen sich fämmtlich auf die ruhmreichen Kriegsereignisse deS Jahre- 1870, die einleitende Unterredung Kaiser Wilhelm- mit Benedetti in EmS, der Abschied der Krieger, dann die blutigen Kämpfe, vor allem der ruhmwürdige Sturm aus Schloß Chambord u. s. w. find verwerthet. und jede-mal läßt lauter Jubel den Vorhang sich stets von Neuem öffnen, bi- die prachtvolle Apotheose am Schluß eine ergreifende patriotische Huldigung der ganzen Festversammlung veranlaßt. Absichtlich sei die genaue Be­schreibung diese- TheileS des Programm- noch aufgeschoben, um den Gießener Veteranen, die ja am nächsten Sonntag zahlreich zur Wiederholung der Aufführung kommen werden, die Freude an der Ueberraschung nicht zu beeinträchtigen. Die Darsteller wie der kunstfertige Anordner der Bilder und alle die technischen Helfershelfer hinter den Coulissen haben den lauten Beifall, den man ihnen zollte, reichlich verdient. Und so sehen wir denn nach diesem glanzvoll verlaufenen Eröffnungstage dem Hauptfeste am künftigen Sonntag freudig entgegen. Die Halle wird an diesem Tage hauptsächlich den auswärtigen Festgästen eingeräumt sein, so hat das Comitö angeordnet, um namentlich die lebenden Bilder diesen fämmh lich vorführen zu können. Darmstadt rüstet sich einstweilen zu würdigem Empfang seiner zahlreich angekündigten Besucher, und daß es versteht, Feste zu geben, das hat eS nun in den letzten Jahren oft genug bewiesen, da wird auch diesmal das Gelingen nicht auSbleiben.

CaeaUt ttir- prsoktBsSer.

Meßen, den 13. August 1896

Bon der Uoiverfität. Der außerordentliche Profeffor Dr. Strahl in Marburg ist derK. Z." zufolge als or- dentl. Profeffor der Medizin und Director der anatomischen Institute nach hier berufen worden.

* * Fahueuschleiseu. In den Erkern der Kunststickereien von Walter am Lindenplatz und Schulze am SelterSweg find die von der Stadt dem Deteranenverein und dem Krieger­verein gestifteten prachtvollen Fahnenschleisen au-gelegt.

* * Landwirthschastliche Ausstellung. Der Provinzial- au-schuß von Rheinhessen wird die beim Landwirthschastlichen Fest zu Gießen in Schoppen zu verzapfenden Weine beson­ders bestimmen. Ebenso wird derselbe betreffs der Flaschen­weine eine Auswahl treffen. Wir können uns auf einen ganz famosen Tropfen gefaßt machen. Außerdem werden auch Weine hiefiger Weinhändler in der Festhalle in Flaschen verkauft werden.

* Soiree Kickermaun. Wie aus dem Jnseratentheile erfichtlich, treten Herr und Frau Eickermann, vom Hoftheater zu Meiningen, am Freitag Abend einmal hier im Gießener Festsaal auf. Die Leistungen deS KünftlerpaareS erfreuten sich in allen großen Städten Deutschlands allgemeiner Aner­kennung. So schreibt z. B. dieMannheimer Zeitung" vom 1. August d. I. wörtlich:Herr Eickermann ist ein ganz hervorragender Character-Darsteller, welcher den Geist der durch ihn zum Dortrag kommenden humoristischen Dichtungen zu ersaffen und den einzelnen Gestalten Leben einzuflößen weiß. Wie prächtig war die Wiedergabe der Fritz Reuter- scheu DialectdichtuugHanne NüteS Afscheid",Entspector BräsigS Waterkur" undDu dröggst der Panne weg!" DaS waren keine Vorlesungen, sondern wirkliche Darstellungen, wie sie nur ein Meister aus diesem Gebiet zu schaffen ver­mag. HeiterkeitSstürme erregten drei Burlesken von Harry Seidel, und zwar:DeS Schwei".Krttscher Römpegel in t Kunzert" und die SiSmeertragödieDie letzte Robbe". Immer und immer wieder wurde der vortreffliche Künstler gerufen. Frau Louise Eickermann zeigte sich als eine vortreffliche Interpretin Baumbach scher Abenteuer und Schwänke und wußte auch sie in hohem Grade zu feffeln. Den Schluß des hochintereffanten Abends bildeten zwei unübertreffliche Cha- racter-Darstellungen deS Herrn Eickermann, und zwar:DaS Lachen" undGate Nacht".

* * Der Beteraneoverein hat gestern Abend beschlossen, am SarnStag Mittag gegen z'/,2 Uhr vom Cafe Leib aus mit klingendem Spiele sich zum Bahnhofe zu begeben, um von dort mit dem Zuge 2 Uhr 15 Min. die Fahrt zur 25jährigen Gedächtnißseier nach Darmstadt anzutreten.

Ter Schnheuverei» ist auf den 8. und 9. September zum Herbft-Hauptfchießen vom Schützenverein Laubach nach dorthin eingeladen,' unsere Schützen werden sich in großer Anzahl mit Sommerwagen dorthin begeben.

P A. 25jährige 6nanetnng8feiet an 1870, zugleich Ber- baudSfest der Kriegerkameradschaft Maffia" zu Darmstadt. Das Präsidium der Hassia ladet auch diejenigen Frauen und Jungfrauen, welche sich während deSFeldzuges 1870/71 dem Samariterdienste widmeten, zum Besuche deS Er- i nnerungSfeste- am 18. August ein. Als Appellplatz ist der Platz vor der Weinhalle bestimmt, wo sich eine Fahne mit dem Genfer Kreuz befindet. Frei - Feftkarten für die Damen deS Samariterdienstes find gegen Vorzeigung der bez. Legitimation, der ihnen verliehenen Decoration oder dergl. bei Herrn Kanzlei-Jnfpector Meyer, HauptstaatSkaffe, Neckarftraße 13, Zimmer Nr. 1, zu haben. Bei dem Fest­essen der Veteranen am 18. August wird nur den- jenigen Veteranen der Eintritt in die Festhalle gestattet sein, welches eine-Karte haben- auch ein größerer Theil deS Festplatzes wird während dieser Zeit abgesperrt sein. Der Empfangs-Ausschuß hat an dieHassia" - Vereine fol­gendes Ausschreiben gerichtet: Berechtigt zur Be­nutzung deS MilitärsahrscheinS zur 3. Wagen­klasse sind die sämmtlichen Mitglieder der Hassia-Vereine, unter Ausweis an den Bahnhofschaltern durch Militärpaß in Ermangelung dessen: Beglaubigung durch die Land­wehr - Bezirks - CommandoS und durch das Besitzzeugniß der Feldzugsmedaille in Ermangelung desselben: Be­glaubigung durch die Ortspolizeibehörde. Gegen gleichzeitige Erlegung deS Rückfahrgeldes an den Einfteige-, bezw. Ueber- gangSstationen geben doppelte Fahrscheine auß, von denen der eine durch Abstempelung, alS zur Rückfahrt gültig, ge­kennzeichnet ist, die Stationen der Main-Neckar Bahn, der Hessischen LudwigSbahn, der Oberhessischen Bahn und der Hessischen Nebenbahnen im Privatbetrieb. FürJnv a l iden, welche den Zug nicht mitmachen können, wird ein Platz auf dem Paradeplatz reservirt, für welchen Einlaß­karten auSgegeben werden.

** Heegzeit für Feldhühner. Mit Rücksicht auf den Stand der Ernte und der Weinberge hat das Großherzog- liche Ministerium des Innern und der Justiz bestimmt, daß die Heegzeit für Feldhühner undWachteln in dem Großherzogthum mit Ausnahme der Kreise AlSfeld, Lauterbach und Schotten im laufenden Jahre bereits mit dem 18. d. M. endigt. Mit dem 19. I. M. ist daher die Jagd auf Rebhühner und Wachteln im ganzen Großherzog' rhum mit Ausnahme der Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten, in welchen die Heegzeit mit dem 31. d. M. endigt, wieder eröffnet.

Hi Ruppertenrod, 12. August. DaS dreijährige Söhnchen eines hiesigen, in Frankfurt bediensteten Mädchens war heute Mittag in einem unbewachten Augenblick in das bei dem Hause der Großeltern befindliche Gärtchen gegangen, um Blumen zu pflücken. Hierbei kam das Kind an den im Garten befindlichen Brunnen, der nothdürftig durch eine jedenfalls befecte Thür geschlossen gewesen. Das Kind stürzte in den Brunnen und ertrank.

n. Friedberg, 11. August. Im Saalbau hier tagte heute die Generalversammlung der Obstverwerthungs- Genossenschaft Wetterau. Aus der Tagesordnung standen folgende Punkte: 1) Beschlußfassung über die vom Vorstand beantragte und von dem AussichtSrath gutgeheißene Errichtung einer Obstkelterei und Brennerei; 2) Beschickung der Ausstellung in Gießen. Die Beschaffung einer Kelterei erachiet man darum für nöthig, damit alles Obst der Genossen, sowohl Tafel- als auch Mostobst, besten- verwerthet werden kann. Ohne diese Einrichtung ist daS nicht möglich, weil in reichen Obstjahren der Preis deS Obstes sinkt, während der Obstwein den Werth hält oder wenigstens nicht den großen Werthschwankungen auSgesetzt ist wie jenes. Auch ist die Ge­nossenschaft nur dann in der Lage, die auS dem gelieferten Tafelobst audgelefenen minderwerthigen Früchte geeignet zu verwerthen. Nach kurzer Debatte wurden folgende drei Be­schlüsse gefaßt: 1) Dem Vorstand werden zur Errichtung einer Kelterei 2000 Mk. zur Verfügung gestellt- 2) ebenso die gleiche Summe zur Herrichtung einer Brennerei; 3) der Termin zum Beginn beider Unternehmungen bleibt dem Vor- stand überlassen. Man war allgemein der Ansicht, daß der Berkaus deS frischen Obstes, wenn die Preise wie diese- Jahr hohe find, der Berwerthung in der Kelterei und Brennerei vorzuziehen sei Der Vorstand wird nach diesen Gesichts­punkten seine Thätigkeit einrichten. Hinsichtlich der Obst- auSstellung in Gießen wurde beschlossen, daß die Genossen­schaft eine ColleciivauSstellung veranstalte von dem ihr von den Genossen zum Verkauf eingelieferten Obst bezw. den ein» gesandten Proben.

W. Aus der Wetterau, 10. August. Nicht bloS die Landwirthe, auch die Stadtherren tuteressiren sich dafür, welche Resultate eine Ernte zu bringen pflegt. Wir haben eine Reihe von Proben gemacht und theileu Folgendes darüber mit: Roggen liefert da, wo eine rechtzeitige Herbst­bestellung stattfinden und eine gute Bestockung erfolgen konnte, auch der Acker in gutem Bau war, eine recht befriedigende Ernte. Wir banden auf solchen Grundstücken 2 Fuder ä 60 Garben 120 Garben und noch etwas darüber. DaS Fuder ergab 5l/t bis 53/4 Gentner, der Morgen also nahezu 12 Gentner Roggen. Diese Lagen sind nicht häufig, denn die Herbstbestellung hatte mit großen SchwierlgkÄten (unaufhörlicher Nasse) zu kämpfen. Die Erträge finken da­her aus mageren, schlecht bestockten Grundstücken nahezu biß zur Halste herab. Der Roggenkern ist schön entwickelt, hat Gewicht und wird recht backsählgeS Mehl liefern. Der

Halm siebt allgemein gut auS. Aebnlich ist beim Weizen, welcher auf gut gebauten Grundstücken recht befriedigende Erträge brachte und biß jetzt gut geerntet werden konnte. Hoffentlich hält die Witterung Stand, damit die schöne Qualität der Früchte nicht durch Nässe verdorben wird: der obtrhesfische Bauer läßt sich nun einmal nicht von seiner leidigen Gewohnheit: die Früchte wochenlang draußen sitzen zu lassen, abbringen. Die scharse Winterkälte von Anfang Januar biß Mitte März schadete dem Halmgetreide gar nicht, weil ftetß durch eine genügend starke Schneedecke geschützt war. Zu den Sommerfrüchten übergehend, wird be­merkt, daß hier viel größere Unterschiede vorhanden sind, alß bei bin Winterfrüchten. Dies kommt daher, weil für diese Frnchtgattungen allgemein etwa- zu trocken war; zeigt sich Brand und ein Dünnftehen der Halme aus Lagen, die trocken, nicht tiefgrflnbig genug find und bei denen die Bodenkraft nicht ganz au-reichte. Wo günstigere Bedingungen vorliegen, bringt die Gerste zwei Fuder pro Morgen und jedeß Fuder liefert 6 Gentner Körner von schöner AuS» bildung, klarer Farbe und entsprechend mehlreich. Diese Erträge find aber nicht die Regel, vielmehr wird man 25 biß 30 pGt. herabgehen müssen, um den Durchschnitts- ertrag zu erhalten. Daß Gerftenstroh ist ebenfallß gut aus­gefallen und wird alß werthvoller Ersatz für den mißlungenen zweiten Kleeschnitt und den geringen Grummetertrag herbei­gezogen werden müssen. Ueber Hafer haben wir noch keine Bindeproben gemacht, wurden nur Schätzungen vor» genommen, die ber Wirklichkeit ziemlich nahe kommen. Dar­nach ist ber Hafer weniger gut außgefaQen alß bie übrigen Getreidearten, boch kann man mit dem Ertrage zufrieden sein.

§ Gnnzenau, 10. August. Bei der heute hier statt- gefundenen ordentlichen Ergänzungßwahl der Mitglieder deS Gemeinberathß wurden folgende Mitglieder wieder­gewählt: Heinrich Bloß, Johanne- Hansel und Johanne- Schwarz. Neugewählt wurde Heinrich Greb HI. Die Wahl war eine sehr bewegte. Eigenthümlich ist, daß ber öorigeß Jahr wegen Vergehenß im Amte u. s. w. bestrafte ehemalige Bürgermeister 4 Stimmen erhielt.

§§ ReichloS, 10. August. Zu der auf gestern hier an­beraumten Ergänzungßwahl der Gerne in berat HS» Mit» gl leb er fanben sich keine Wahlberechtigten ein. Nur die Wahl-Commisfionhat die altenGerneinderathS-Mitglieder ein­stimmig wiedergewählt.

H. Alsfeld, 12. August. Ihre Kgl. Hobelten der Großherzog und die Großherzogin haben aller- gnäbigst geruht, Ihren Besuch ber GewerbeauSstellung in Aussicht zu stellen. Der AuSstellungSplatz bietet baß Bllb eifrigster Thätigkeit. Die nunmehr vollenbete Fontaine wird ihren Strahl biß zu einer Höhe von fünf Metern ent- senben. Der gesammte für bie Aussteller vorgesehene Platz in ben Ausstellungshallen und im Realschulgebäude ist nunmehr vergeben. Noch erfolgende Anmeldungen können deshalb aus einen Platz in diesen Räumen keinen Anspruch mehr machen. Es müssen sich daher Nachzügler wegen anderweitiger Unterbringung von AuSstellungS - Gegenständen mit dem Vorsitzenden des Gomlteß inß Benehmen setzen.

Kastel, 12. August. Auf dem Kriegerfestplatze wollte heute Nachmittag ein etwa 9jähriger Knabe, Namens Rein­hardt entflohene Luftballons von einem Baume herabholen. Er stürzte dabei herab und brach daS Genick, was den sofortigen Tod zur Folge hatte.

Treysa, 11. August. Der zu Ehren der Theilnehrner an dem Anthropologen-Gongresse hier veranstaltete Festaufzug der Schwälmer hatte in unser Städtchen Tausende von Besuchern von nah und fern gelockt ber Verkehr auf den Bahnhöfen war ein ganz enormer; von Marburg hatten sich zum wenigsten 800 Besucher etngefunben. Der Festzug, besten Arrangement dem Herrn Maler Zimmer­mann (Willingshausen) alle Ehre wachte, setzte sich gegen 3Vi Uhr In Bewegung und zog durch die Stadt nach dem Festplatze. Voran ritten einige Burschen in schmucken Ge­wändern ; waren ausgesuchte stattliche Gestalten, die sich zu Pferde ganz vortrefflich auSnahmen. ES folgten bann Mäbchen unb Burschen, bie ersteren mit Blumen. Die mehr absonberliche, als schöne Tracht ber Schwälmerinnen zog die Aufmerksamkeit der Besucher in hervorragendem Maße auf sich; die hochgebauschten, kaum bis an daS Knie reichenden Röcke, deren Zahl sich in einigen Fällen biß auf 16 oder gar 18 belaufen mochte, und unter denen die Mädchen mit harmloser Unbefangenheit das weiße Hemd vorfehen lasten die eigenartige Haartracht, die rothen, fein gestickten Käppchen baß Meß gab für bie Herren Anthropologen eine hübsche Augenweibe. Der Hochzeitswagen zeigte unß einige Mädchen in höchstem Staate, bei dem an Stickerei unb Goldflittern nicht fehlte. Der Kammerwagen erregte berechtigtes Auf­sehen der Aufbau des HauSratheß war mit Geschmack gemacht. Zu unterft liegt roher Flachs, darüber geprägter; Laden, Kleider-, Küchen- unb Glaßschrank, Sopha, vergoldete und bemalte Waschkörbe, Eimer, Töpfe, 4 vollständige Betten, 4 Spinnräder, Küchengeschirr und Stühle, auf denen In voller Gala einige Freundinnen der Braut fitzen das Alle- ist, wie gesagt, sehr malerisch auf dem von 4 Pferden gezogenen Wagen aufgeftapelt. Warum übrigens die sonst nie fehlende Wiege in diesem Falle keinen Platz gefunden hatte, wiffen wir nicht. Erntewagen, Schnitter und Schnitte­rinnen, Schulkinder, Reservisten, Kirmeßgäste, baß Alle» zog in bunter Abwechselung an dem Auge vorüber. Unter den alten Schwälmern fiel eine prächtige Figur ein alter Herr mit großem Schaufelhut und lang wallenden grauen Locken, der an den von B. Bautier so vollendet ge­zeichneten Schulzen vom Oberhof erinnerte, besonders auf. Sehr characteristlsche Gestalten bot der Zug der Holzfäller auch hier war Alles echt und originell. Von ihren SeladonS begleitete Mädchen mit Spinnrädern und bedächtig