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Der
Steuer Auzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener
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Erstes Blatt. Mittwoch den 14. August
Gießener Anzeiger " Kenerat-Mnzeiger.
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Wir waren überzeugt, Preußen fertig. Wir glaubten die Organi- unseres Gegners zu kennen, wir alles, was bet uns passirte, wir
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.
es als sicher, daß der Fürst heute in Sofia seinen Einzug I halten und am Mittwoch die Sobranje feierlich eröffnen werde.
Breslau. 12. August. Das Eisenbahn-Unglück bei Raudten hat noch ein Opfer gefordert. Die verletzte Frau Steinert ist nun gestorben.
Karlsruhe, 12. August. Der Großherzog von Baden trifft am 17. August in Berlin zur Theilnahme an der Feierlichkeit der Grundsteinlegung zum Kaiser-Wilhelm- Denkmal ein.
Wien, 12. August. Erzherzog Josef August ist bei dem gestrigen Pferderennen des 6. Dragoner-Regiments in Göding zu Fall gekommen, hat sich aber nur leicht im Gesicht verletzt.
Wien, 12. August. Das „Neue Wiener Tageblatt" meldet aus Spa, daß der Schnellzug Ostende-Wien beim Bahnhofe Brügge eine Schaar Kinder überfahren hat. Drei sind tobt, mehrere schwer verletzt.
Budapest, 12. August. Fürst Ferdinand hat während seines Aufenthaltes in Dobsina ein umfangreiches, für seine | Familie bestimmtes Memorandum über die Situation in ' Bulgarien ausgearbeitet.
Budapest, 12. August. Bei der in der letzten Nacht erfolgten Durchreise deS Fürsten Ferdinand nach Sofia waren überall die größten polizeilichen Vorsichtsmaßregeln getroffen, da verlautete, daß gegen den Fürsten eine Demonstration geplant sei. Der Hofzug mit dem Fürsten berührte auch thatsächltch Budapest nicht, sondern wurde auf einem für Personeuzüge sonst nicht benutzten Bahngeleise in weitem Bogen um Budapest herumgeführt und erst bei Steinbruch auf die nach Süden führende Linie der Staatsbahn gebracht.
Budapest, 12. August. Die Bäckergehilfen beschlossen, vom 15. August ab abermals in den Strike einzutreten.
Budapest, 12. August. Anläßlich der Einführung der Civilehe hat der Erzbischof Samasso einen Hirtenbrief erlassen, in welchem er den Gläubigen die Erlaubntß ertheilt, sich vor dem Standesbeamten civiliter trauen zu lassen - jedoch müsse die kirchliche Trauung darauf folgen.
Madrid, 12. August. In Matuzo brach unter den für Cuba bestimmten Reservisten eine Meuterei aus. Die Polizei mußte einschreiten. Mehrere Reservisten wurden verwundet.
Petersburg, 12. August. Im Feuerwerkerschuppen deS 12. Weltkoluzktschen Regiments zu Tula hat eine Explosion von Feuerwerksmaterial stattgefunden, wobei ein Lieutenant, ein Feuerwerker und zwei Soldaten so schwer verletzt wurden, daß sie bald darauf starben.
Sofia, 12. August. Jurkow, der frühere Poltzeichef des fünften städtischen Bezirks, ist verhaftet worden, weil er verdächtig ist, einer der Mitschuldigen an dem Morde StambulowS zu sein. Ebenfalls verhaftet wurde ein 15jähriges Mädchen, weil eS dem geflüchteten Mörder Halu Unterkunft gewährt hat.
besten Generale geschlagen, zwei CorpS in Auflösung, m Paris fast Revolution, statt früherer stolzer Tiraden ein kläglicher Appell an die Nation und an Europa. Schlau wie immer ist LoutS Napoleon einem solchen Beschluß der Nation zuvorgekommen und hat dem Marschall Bazaine daS Obercommando über die vor Metz vereinigten Truppen übergeben. Alles scheint sich für eine Entscheidungsschlacht vorzubereiten. Sie wird der letzte Trumpf des zweiten Kaiserreichs sein.
14. August.
Der Thron des gegenwärtigen französischen Gewaltherrschers zittert in allen Fugen. In geschlossener Macht stehen die Orleanisten den Bonapartisten gegenüber. Der Orleanist Eftancelin trat kürzlich auf die Tribüne, um eine Lobrede auf jene erlauchte Familie zu halten, in der „alle Frauen keusch und alle Männer tapfer" seien. Heute befindet sich die ganze Familie Orleans in nächster Nähe der französischen Grenze, bereit, nicht als bürgerliche, sondern als herrschende Familie den Boden Frankreichs zu betreten, sobald Napoleons Thron unter den Kolbenschlägen der deutschen Nation zusammengebrochen sein wird. Kriegsztg.
Berliner Blätter halten nicht mehr hinter dem Berg, sie neunen die Heimführung von Elsaß und Lothringen als Preis sür den schweren Kampf. Deutschland müsse nur, wie im Krieg, so im FriedenSschluß energisch auftreten, dann werde das neidische Ausland sich fügen.
DaS feste Nancy ist von den Franzosen geräumt - । deutsche Reiter haben nördlich von der Stadt die Eisenbahn
Deutsche» Reich.
Berlin, 12. August. Der Kaiser hat seinen Aus- rnthalt auf der Insel Wight beendigt und weilt seit Sonntag als Jagdgast des Lord Lonsdale auf dessen prächtiger Be- fitzung Lowther Castle in der Grafschaft Westmoreland. Der Kaiser war am genannten Tage Vormittags 8*/, Uhr mittels Sonderzuges, von Southampton kommend, in der Station Clifton and Lowther eingetroffen, wo eine große Volksmenge aus der Umgegend den Monarchen lebhaft begrüßte. Auf dem Bahnhofe hatte eine Ehrenabtheilung Jäger in scharlach- rothen Röcken Aufstellung genommen. Lord Lonsdale empfing seinen hohen Gast und geleitete ihn zu Wagen nach Lowther Castle, wo Seine Majestät zunächst daS Frühstück etnnahm, um dann einige zum Schlöffe gehörigen Gebäude zu besichtigen.
— Die in Aussicht stehende Ersatzwahl im ersten Anhaltischen Wahlkreise wird vielleicht unterbleiben. DaS nationalliberale Wahlcomitä in Dessau hat dem bisherigen Reichstagsvertreter des genannten Wahlkreises, Röficke, ein ausdrückliches Vertrauensvotum durch eine Reso- lution ertheilt und ihn hierbei zugleich ersucht, sein Mandat nicht niederzulegen, welchem Ersuchen Herr Rösicke möglicher Weise auch entsprechen wird. Da genannter Herr sein Reichs« tagSmandat in Rücksicht darauf niederlegen wollte, daß er mit der Haltung der nationalliberalen Partei in vielen Fragen nicht übereinstimmt, so würde der erwähnte Schritt des Dessauer nationalliberalen Wahlcomitss eigentlich mehr eine Kundgebung desselben gegen die Parteileitung bedeuten.
Lanze in der Faust hat. glaubten eS aber zu sein, sei nicht fertig, und es war sation und die Hilfsquellen irrten uns. — Er wußte
zerstört.
Aus französischen Zeitungen:
„Wir haben den Krieg als wahre Narren, als Ritter des Mittelalters erklärt, in der Meinung, der Franzose sei unüberwindlich, wenn er den Fuß im Steigbügel und die Wir waren nicht fertig, wir
Der Krieg von 1870|71,
geschildert durch Ausschnitte aus Zeitungs-Nummern jener Zeit.
(Nachdruck verboten.)
18. August.
Die Vogesen find gänzlich von den Franzosen geräumt. Die Festung Lichtenberg hat capitulirt, Lützelstein ist vom Feinde verlassen. Straßburg ist umschlossen. Selbst im Sundgau sind deutsche Truppen eiugerückt.
Herr Cousin - Montauban, Graf Palikao, ist Ministerpräsident des „civilifirtesteu Staates der Welt" geworden! Wer ist Montabaun? Bis vor Kurzem hieß er in ganz Frankreich bei Civil und Militär nicht anders alö: le premier coquin de la France, vber erste Schuft Frankreichs", und daß er parlamentarischer Premierminister des kaiserlichen Frankreichs werden würde, das hätte er sich gewiß nicht träumen lassen, obwohl er ehrgeizig genug ist. Den Titel „Graf Palikao" erhielt er nach dem chinesischen Sommerpalaste gleichen Namens, den er 1860 plünderte.
Es stellt sich überhaupt mit ziemlicher Sicherheit heraus, daß das französische Heer durch die Gefechte des 4. und 6. August derart erschüttert ist, daß es eine möglichst feste Stellung zur Wiedererlangung deS moralischen Halts suchen, also hinter die Mosel zurückgehen wird. Die deutschen Heere sind in fortgesetztem Vormarsch begriffen; unsere Patrouillen streifen bis zwei Meilen vor Metz. Welches andere Bild auf französischer Seite! Vor noch vierzehn Tagen war dort Prahlerei, Unverschämtheit, Provocation; bei uns Ruhe, Vertrauen auf Gott, unsere gute Sache und unser gutes Schwert. Heute welch kläglicher Anblick! Die
Netteste Hadert d^iern
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Coburg, 12. August. Die 41. Versammlung der deutsch en g eologischen Gesellschaft wurde heute Lurch den Landesgeologen Dr. Loreh Berlin eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Professor v. Koenen-Göttingen gewählt. Vorträge hielten Professor Tula-Wien über seine Reise an der kleinasiatischen Küste des Marmara-Meeres; Dr. Papst- Gotha über die Platten des Gothaer Museums mit fossilen Thierfährten im Rothliegenden; Professor Blankenhorn- Erlangen über pseudoglaciale Erscheinungen und Professor Klemm-Darmstadt über die crystallinen Grundgebirge des Spessart. Anwesend sind u. A. die Professoren Benecke- und Bücking-Straßburg, Kaiser-Marburg, Baltzer-Bern, der Anglo- Indier Joung von der G-eological Survey of East-India, Wichmann-Utrecht, Moolengraf-Amsterdam. Nachmittags findet die Besichtigung de» naturhistorischen Sammlungen auf der Feste statt.
Metz, 12. August. Die französische Regierung hat den Mitarbeiter deS hiesigen „Messin", Fasset auS Pagny, welches er täglich zu besuchen pflegte, auS unbekannten Gründen ausgewiesen. Fasset, welcher auS Noveant stammt, fungirte in dem Hanns'schen Hochverrats - Prozesse als Zeuge.
CoweS, 12. August. Die kaiserliche Yacht „Hohen- zol lern", begleitet vom Kreuzer „Gefion", ging gestern Vormittag nach Leith. Das englische Kriegsschiff „Australia", sowie das deutsche Panzerschiff „Kaiserin Augusta", welches wenige Stunden vorher von Vigo angekommen war, gaben , den Salut. Als die „Hohenzollern" Osborne pasfirte, salutirte sie die britische Flagge.
Depeschen des Bureau .Herold*.
Darmstadt. 12. August. Die Prinzessin von Rumänien ist nach Sigmaringen abgereift. Prinz Heinrich und die Prinzessin Beatrice von Battenberg werden nach einem dreiwöchigen Besuch auf Schloß Heiligen- berg heute nach Osborne zurückkehren.
Berlin, 12. August. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz, betreffend den weiteren Erwerb von Eisenbahnen für den preußischen Staat.
Berlin, 12. August. Sämmtliche an dem Bau des Hauptgebäudes der Berliner Gewerbe-Ausstellung für 1896 beschäftigten Zimmerleute, 95 an der Zahl, haben heute früh die Arbeit eingestellt. Sie verlangen Lohnerhöhung um 5 Pfg. pro Stunde.
Köln, 12. August. Die „Köln. Ztg." meldet ausSofia: RegierungLkreise legen der Ableugnung der russischen Mit- theilung durch die „Agence Russe" hohen Werth bei und halten einen Erlaß der UnabhangigkeitSerklarung für völlig ausgeschlossen. - Wie es heißt, ist der russische Hofpriester Ianitschew bereits nach Sofia unterwegs, um den Ucbertritt des Prinzen Boris zu vollziehen. - Weiter wird der Kitt« Ztg." gemeldet: Wiener diplomatische Kreise bezeichnen
wußten nichts von dem, was bet ihm geschah; weit entfernt ihm vor zu sein, war er unS vor. Kurz, wir zweifelten nicht, daß wir stets leicht über feine Bewegungen unterrichtet fein würden, so wie er nur vorging, statt dessen waren wir über seine Märsche, über seine Truppenaufstellungen stets im Zweifel, wir hatten keine Ahnung von seinen Absichten, während er durch seine Spione alle unsere Thaten und Be- roegungen kannte, trotz aller Vorsicht, sie ihm zu verheirn- ljchen. Wir müssen in Zukunft klüger sein und keine Fremden bei uns im Lande lassen. Entweder den Krieg ernstlich führen ober gar nicht." $atrte.
Fünfundzwanzigjährige Erinnerungsfeier an 1870 in Darmstadt.
(Originalbericht des „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 11. August.
Nach monatelangen, mühseligen Vorarbeiten der verschiedenen Ausschüsse für die im größten Maßstabe projec- tirte Erinnerungsfeier an die glorreichen KriegSthaten deS Jahres 1870 konnte heute der riesige Festplatz vor dem Rheinthor zu einer großartigen Vorfeier eröffnet werden. Gleich zu Anfang unseres Berichtes sei feftgeftellt, daß die ganze festliche Veranstaltung wahrhaft glänzend und unter Betheiligung von vielen Tausenden verlaufen ist. Man hatte die bei den vorjährigen Festen gemachten Erfahrungen be* herzigt, und so war denn heute auf dem Festplatze Dank der rastlosen Thätigkeit der einzelnen Ausschüsse alles in bester Ordnung. Die Festhalle vor allem präsentierte sich am Nach« Mittage bereits in vollem Schmucke und waS hier an wirkungsvoller DecorierungSkunst geleistet worden ist, daS übertrifft thatsächlich alles, was seither hier geboten wurde. In kurzen Zügen haben wir schon neulich an dieser Stelle die Decoration dieses Riesenbaues besprochen, doch inzwischen find noch Hunderte von fleißigen Händen thätig gewesen, fie zu vollenden und zu verschönern. Einen geradezu grandiosen Eindruck macht — um alles andere zu übergehen — die von Herrn Hoftheatermaler Schwedler geschaffene Gruppe des Niederwald-Denkmals an der Ostwand der Halle. Die plastische Wirkung des künstlerisch vollendet gemalten Colvssal- bildes ist ganz eminent und die Illusion, man stände vor einem wirklichen Denkmal auS Stein und Erz wird durch den plastisch hergeftellten Vorbau vor dem Ganzen thatsächlich vollkommen. Blickt man von dem Podium vor dem Denkmal an den überreich geschmückten Wänden der Halle entlang, wo recht» die geschmackvoll decorierten Hoflogen,


