Ausgabe 
14.6.1895
 
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Freitag den 14. Juni

M. *37

Nerreste TUrcherchLett.

Schwurgericht.

W. Gießen, den 12. Juni 1895. (Fortsetzung.)

Der Ehemann der Angeklagten Laug macht von dem Rechte der Zeugnißverweigerung Grbrauck. Landgerichts-

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DemtscheS Reich.

_ Als erstes der fremden Geschwader, welche an der Eröffnungsfeier deö N ord ost fee-C anal e s theilnehmen, ist das vom Erzherzog Karl Stephan com- mandirte österreichisch-ungarische Geschwader am Dienstag Vormittag in Kiel eingerroffen und daselbst aus- zetchnend begrüßt worden. Der commandirende Admiral Knorr hat die Hasenordnung für die Canal sei er er­lassen. Sie bestimmt u. A., daß am ersten Tage nur die dänischen, englischen, norwegischen und schwedischen Kriegs­schiffe ihre Mannschaften beurlauben dürfen. Für den zweiten Tag haben diese Erlaubniß die holländischen, italienischen, russischen und portugiesischen Schiffe, für den dritten Tag die österreichischen, amerikanischen, französischen, rumani chen und spanischen Schiffe. Den Mannschaften des französischen Geschwaders ist es tndeffen vom Geschwadercommandavten Admiral Menard überhaupt verboten worden, in Kiel ans Land zu gehen.

Gießener Anzeiger Keneral-Mnzeiger.

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WolffS telegraphisches Correfpondmz-Bureau. |

Berlin, 12. Juni. In der gestrigen Sitzung des CotonialraiheS theilie Coifful Bohlen mit: v°T°g°- (Somitee erhielt soeben die Drohtme düng aus Mtsahüh-, wonach vr Gruner mit vr. Göring dort -mg-kommen ist und den Vertrag mit dem Sultan von Gando am Niger f miibrachte. Die genannten Herren hatten sich nach er- folntet Trennung von Herrn 6. Earnap, der mit den Kranken i den Niger hinuntersuhr, von Giris zunächst Togo e^ geben, und dort mit dem Sultan Omaro -inen Schutzvertrag abgeschiossen. Di- WLreise nach Wisahöhe war von Dr. ©tunet über Jloquande, Mangu, Kratht beabsichtigt. 1

Braunschweig. 12. Juni. Zu der 31. Ve r ° mm tu ng bei deutschen Tonkünstler sind bereits zahlreiche Corh- phäen der Musik aus ganz Deutschland hier eingetroffen. Gestern war zu Ehren der Gäste eine Festvorstellung tm K tbeater, wobei dieLoreley", Musik von Hans Sommer, ?n Szene ging. Die großen musikalischen BeranstMungen werlen heute Abend mit einer Aufführung von Berliozs ÄEqU«ÄnEni2. Juni. Der Lexikograph Proseffor Villatte ist heute im 80. Jahre gestorben.

Brest, 12. Juni. Der türkische AvisoFuad ist auf der Fahrt nach Kiel heute früh hier eingelaufen, um Vor- i räthe einzunehmen.

W. B. Berlin, 12. Juni. DerBerliner Correspondenz^ I zufolge wurde durch den CulluSminister die Schließung der Krankenanstalt des Alextanerklofters Marraverg an­geordnet. ____________

°"^Wien, 12. Juni. Die innerpolitische Lage wixd in parlamentarischen Kreisen als ernst bezeichnet. Mawchalt eine Krise sür unausbleiblich. Wenn der Budgetposten für das szenische Gymnasium in Cilli auch tmPlenum de, Abgeordnetenhauses angenommen wird, dann dürste der Rücktritt der vereinigten Linken au, der Coalition sosort "'"'Budapest. 12. Juni. In einer Ortschaft de, Arader Bezirks flüchteten gestern sieben Feldarbeiter bet einem Ge­witter unter eine Linde, in welche der Blitz einschlug und sämmtliche sieben Personen tödtete.

Baris, 12. Juni. Die Blätter bringen heute sehr shm- vathische Besprechungen über die seitens des deutschen PanzerschiffesKaiser" dem französischen Transport- dchiff'°C°m°rin" geleistete Hilse. DerKaiser" begegnete auf seiner Reise nach Ostasien zwischen Suez und Aden dem französischen SchiffeComorin", welches sich in manoverir, unfähigem Zustande befand. Das letztere wurde vomKaffer ins Schlepptau genommen so lange, bis die Maschine, an welcher die Hochdruck Kolbenstange gebrochen war , wieder reparirt war und der Dampfer seinen Weg wieder allein fOTt'C|ttti8,°ni2.' Juni. In einem Leitartikel desPetit Parisien" wird gesagt, die Franzosen könnten mit Stolz nach Kiel gehen, weil selbst die Deutschen nach dem Kriege von 1870/71 die Tapferkeit und den Heldenmuth der französischen Marinetruppen anerkannt hätten.

Loudon. 12. Juni. Aus der Fahrt von Legue nach Jersey ist aus dem englischen KutterMhynot" ein Brand ! ausgebrochen. Das einzige Rettungsboot wurde von dem Copstän Wilkensen und der Mannschaft benutzt, wahrend die aus dem Schiffe befindlichen Passagiere ihrem Schicksale über- taffen wurden. Bewohnern von Erqueh gelang es, die in Gesahr befindlichen Personen zu retten. Gegen den Capitan ist die Untersuchung eingeleiter worden.

U London. 12. Juni. Aus Konstantinopel geht dem Daily Chroniele" eine Nachricht zu, "°n°ch die Fremden ü, de?Türkei eine sanatische Erhebung besürchkeu. Sie erwarten sehnltchst das Eintreffen des europäischen Geschwaders h01 12. Juni. Aus Chengton wird gemeldet,

daß sämmtliche Missionen von den Chinesen zerstört worden seien. Die Missionare sind mit dem Leben davon- gekommen.___

Depeschen des BureauHerold".

Berli«, 12. Juni. Der Kaiser hat, wie der //Reichs- anzeiger" meldet, anläßlich der Einweihung des hiesigen Lutherdenkmals dem Vorsitzenden des Comttvs für Errichtung dieses Denkmals, Kammergerichtsrath Schröder, den Rothen Adlerorden dritter Klaffe mit der Schleffe verliehen. Schröder ist Reichstagsabgeordneter und gehört der Frei- finvige^Bei-inigungn°n. bestätigt daß

durch Verfü^ug des Ministers des Innern und des CulluS- Ministers bestimmt worden ist, die Privat-Krankenanstalt der Alertaner im Kloster Mariaberg von LandeSpolizet wegen z u schließen. Die zur Ausführung dieser Maßregel erfor­derlichen Anordnungen werden durch den Regierungspräsidenten in Aachen unverzüglich getroffen werden.

Berlin 12. Juni. Wie die Abendblätter melden, hat der Berliner Magistrat infolge eines kürzlich veröffentlichten Artikels in derKölnischen Volkszeitung , in welchem^unter Bezugnahme auf die Vorgänge im Alexianerklosteriu Aachen behauptet war, in Dalldorf wäre es auch nicht anders, beschloffen, gegen dieKölnische Volkszeitung Straf antrag wegen Verleumdung und Beleidigung zu stellen.

Berlin, 12. Juni. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Berathung des Stempelsteuergesetzes fort und ver­tagte sodann die Sitzung auf morgen.

Berlin, 12. Juni. In dem Verfahren gegen den Baron von Reischach und den Fretherrn von Kotze wegen deö Duells hat, wie derLocalanzetger" meldet, heute vor dem Militärgericht der Haupttermin stattgefunden. Ueber den Urtheilsspruch verlautet bei der absoluten Geheimhaltung de Verfahrens nichts. m

Berlin, 12. Juni. Heute Vormittag wurde aus dem Tempelhvser Felde ein junger Mann von einem erepiiten G-schotz schwer verwundet. Derselbe ging bei den Schiebständen vorbei, als ein Geschoß über den Sicherherts- wall ging und den jungen Mann traf.

Berlin, 12. Juni. DerLocalanzeiger meldet aus Rom: Während eines in der letzten Nacht niedergegangenen Gewitters schlug der Blitz in die Kuppel der Kirche Maria del Pianto und setzte dieselbe in Brand. E4 gelang, das Feuer, begünstigt von dem wolkenbruchartigen Regen, zu löschen. Die Kuppel droht einzustürzen.

Friedrichsruh, 12. Juni. Neun badische Ober bürgermeister der Städte Baden - Baden, Bruchsal, Heidelberg. Freiburg, Karlsruhe, Eonstanz, Lahr, Mannheim und Pforzheim überreichten heute dem Fürsten Bismarck den gemeinsamen Ehrenbürg er brtefi Aus= Me

' d-S Oberbürgermeisters von Karlsruhe, S^netzler, erwiderte ! der Fürst dankend: Er gehöre zu den Leuten, die Werth ; auf ewe gute Grabschrift legen und auf ein gutes Zeugniß i ihrer Mitbürger, und besonders sei ihm werthvoll, zu totflen, daß sich das deutsche Volk im entferntesten Süden und Süd­

osten wohl fühle und an der Haltbarkeit des Baues des Deutschen Reiches, so wie es ist, glaubt. DaS Grobherzo^ thum Baden habe durch seinen Landesherrn und durch feine Bewohner einen wesentlichen Anrheil an der nationalen Be- weaung genommen, manchmal unbequem, manchmal ftrderlich und wir haben in der Berliner Politik abwarten müssen, biS die Verhältnisse in Europa, und namentlich in Deutschland, soweit reif waren, daß wir die Grenzen fallen las^ko-M«^ Baden allein konnte es nicht machen, wir mußten den ganzen süddeutschen Block, den Bayern und Württemberg bilden, doch nothwendig gleich mit herein haben und so lange-warten, der Fall war. Weiter führte der Fürst aus. Ich

b!n etwa» krank und matt, ich bin augenblicklich ein B°r°. meier geworden, jeder Witterungswechsel macht sich °° Körper fühlbar und ich habe deßhalb das Bedürft,-.mich mit den Herren Hinzujetzen und zur Stärkung ein @la6 2Bein "u trinken. Der Fürst schloß mit einem Hoch auf den Graß- Herzog von Baden, seinen Gönner. ~

Breslau, 12. Juni. Wie derBreslauer General- Anzeiger" auf Grund amtlicher Feststellungen mittheilen kann beträgt' der G es a mmtverlust an Menschen­leben bei dem Grubenunglück inAntonienhütte zwei Steiger, drei Häuer, vierzehn Grubenarbeiter und ein Fuhr

| mann. Am Donnerstag, also morgen, findet die Mafien 6 beerdiaung der Verunglückten statt.

I Wien, 12. Juni. Die gestern stattgefundene Dersamm- | runa der Ziegelarbeiter in der Angelegenheit des i Wahlrechts ist ziemlich ruhig verlaufen, da von der socialistischen Parteileitung die Parole ausgegeben war, jede Ausschreitung zu vermeiden, um den maßgebenden Stellen jede Möglichkeit zur Verhängung des ^nah«e-«standeS nehmen. Nur in Meidlingen mußte wegen heftiger Reden gegen die Regierung die Versammlung polizeilich aufgelöst

Unnahmc von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer biS Vorm. 10 Uhr.

Aus den Verhandlungen der Zweiten | Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt, 11. Juni 1895. (

Die Kammer setzte heute Nachmittag um 5 Uhr ihre , Berathungen fort. Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt , der Präsident dem Hause Kenntniß von einem Antrag I . Aba. Vogt u. Gen. betr., die Fahrpreis-Ermaßlgu g auf den hessischen Strecken für die Veteranen aus dem Feldzug 1870, welche sich an der Landesfeier am 18. August zu Darmstadt zu betheiligen gedenken. Ferner fragt der Abg. Metz- Darmstadt bet der Regierung an, ob die Rückverlegung der General-Agenturen, deren Sitz gesetzmäßig in Darmstadt sein soll, dem gefaßten Be schluß gemäß zur Ausführung gelangt ist.

Hierauf tritt die Kammer in die Berathung der Ruck-k Äußerung Erster Kammer, betr. den Gesetz-Entwurf wegen Abänderung des Einkommensteuer' Gesetzes. Bekanntlich scheiterte das ganze Gesetz zum zweitenmal an dem Widerstand der Ersten Ständekammer hinsichtlich der Progresstonsscalen und es tft der Großherzogl. I Staatsregierung gewiß nur dankbar anzuerkennen, wenn sie I mit eiserner Zähigkeit an ihrem Steuer-Resormanfang fest- gehalten hat und heute der Zweiten Ständekommer zum drittenmal den Gesetz Entwurf zur Berathung vorge egt hat. Der Finanzausschuß ist daher auch von dem dringenden l Wunsch geleitet worden, zu einer Verständigung die Hand zu I bieten, damit das neue Gesetz, weiches nicht nure ne wesentliche Verbefierung unserer Etnkommensteuer-Verhaltntfie I bezweckt, sondern als Grundlage für die weitere Reform unseres directen und CommunalsteuerwesenS dienen soll, I nicht abermals scheitere. , , I

Staatsminister Finger erklärt, die Reginung Habel die Michel'schen Anträge der Ersten Kammer zur Regierungs- | Vorlage gemacht und glaube damit den richtigen Weg ge­funden zu haben und auch die Zustimmung Erster Kammer I werde erfolgen. Er bittet das Haus tm Interesse der ge­planten Steuerreform, die Hand zu einer endlichen Verftan- I ^"^Abg'g?Hechler und Osann glauben an di- Bereit­willigkeit der Ersten Kammer nicht, nachdem dieselbe wieder­holt das Gegentheil gezeigt habe. Sie werden daher auf ben früheren Befchlüffen sieben bleiben.

Finanzminister Weber glaubt, nachbem in Erster Sammer die Anträge der Zweiten Kammer foroie der Wichet fche I Antrag mit nur einer Stimme Majorität gefallen feien, es doch je«, gelingen werde, das Gesetz in der Ersten Kammer durch, zubringen. Von der Nobteffe derselben erwarte er, daß diese auch der Regierung jetzt beitrete. .

Der Abg. Schröder erklärt, für ihn handele es sich lediglich um das Zustandekommen des Gesetzes und darum habe er seinen früheren Standpunkt aufgegeben. Er werde für die Regierungsvorlage stimmen.

Die Abgg. Ullrich und Wolfskehl als Bericht- erstatter empfehlen ebenfalls Annahme.

Abg. HaaS-Offenbach will auf oem früheren Beschluß

Die nunmehr erfolgte Abstimmung ergibt, daß die Re­gierungs-Vorlage mit 26 gegen 19 Stimmen zur Annahme gelangt ist. Die übrigen Disense werden nach dem Aus­schuß-Antrag erledigt. Hierauf wird der ganze Gesetz-Ent- wurf gegen 4 Stimmen angenommen. Die Abänderung des Capitalrentenfteuer. Gesetzes findet einstimmig Annahme.

Schluß l/,8 Uhr. Morgen Früh 9 Uhr S'tzung.