Einzelbild herunterladen

Donnerstag den 14. Februar

1895

Nr. 38

Amts- und Anzeigeblntt für den Tireis Giefzen

Gratisbeilage: Hießener Aamilienb kälter.

Anittichev Theil

j. med

1881

nähme bei der unvergeßlichen

«nnahmr von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgmbtn Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

;er hier

sei

uar

1294 and Kinder».

Gegensätze sich nunmehr auch im Reichsparlamente feindlich kreuzen werden. Die Jnftallirung deS neuen ungarischen Cabinets Banffy hat jetzt auch Personalveränderungen in

88.« 1021

T8Jj

»4

einigen anderen hohen Posten Ungarns nach sich gezogen. Es wurden ernannt zum Judex curiae (obersten Richter) der Oberstkämmerer Baron Bela v. Orczh, Graf Aladar Andrasiy zum Oberstkämmerer und Graf Thassilo FesteticS zum Obersttruchseß. Der greise Erzherzog Albrecht, welcher schon im vorigen Jahre an einer Lungenentzündung erkrankte, ist jetzt abermals von dieser Krankheit befallen worden. Doch versichern die amtlichen Bulletins, daß daS Befinden des hohen Kranken zu keinen Besorgnisien An­laß gebe.

Aus Constautiuopel kommt die allarmirende Nach­richt von der befohlenen Einberufung einer beträcht­lichen Anzahl türkischer Reservisten. Ueber die Gründe dieser auffallenden Maßnahme der Pforte werde« verschiedene Versionen laut, vielleicht, daß sie mit den be­kannten Vorsällen in Armenien zusammenhängt.

Vierteljähriger Avounemkutsprei» l 2 Mart 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Rebaction, Expedition und Druckerei:

Kchulfiraße Kr.7.

Fernsprecher 51.

.!? NoreH, letten. ,<

i

oi.

Ausland.

Wie«. 12. Februar. Der österreichische Reichs­rat h tritt am 19. Februar zu einem neuen Abschnitt seiner Thätigkeit zusammen. Derselbe dürfte sich vielfach recht be­wegt gestalten, denn es steht zu vermuthen, daß die in einer ganzen Reihe von Einzellandtagen neuerdings wieder in die

Alle Annonckn-Bureaux deS In- und AuSlanbeS nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

r 784 r djittft,

c 1895. Hilberratte Diente m

*

* Obi-

Betr.: Die Ausführung des Gesetzes vom 1. Juli 1893 über die polizeiliche Beaufsichtigung der Mieth- Wohnungen und Schlafstellen.

Bekanntmachung.

In den letzten Wochen sind behufs Ausführung rubr. Gesetzes an eine Anzahl von Hausbesitzer und Vermiether von Schlafstellen Polizeibefehle erlassen, welche denselben aufgeben, seither benutzte Wohn, und Schlafräume entweder gar nickt mehr oder nur in beschränktem Maße und nur nach entsprechender Herstellung zu verwenden.

Da sich nun herausgestellt hat, daß in vielen Fällen die dermaligen Verhältnisse andere geworden sind, als zu» Zeit der im April v. I. erfolgten Besichtigung der Woh^ nungen, auf Grund derer die Polizeibefehle erlassen wurden, so wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß vorerst die Polizeibefehle, selbst soweit sie rechtskräftig sind, nicht zur Vollstreckung gebracht werden, daß hingegen auf Verlangen der Interessenten eine nochmalige Revision der Räumlichkeiten stattfinden wird.

Die Vermiether von Wohnungen und Schlafstellen, sowie die Hausbesitzer, welche glauben, daß der ihnen zu­gegangene Polizeibefehl als mit den dermaligen Verhältnissen nicht im Einklang stehend zu Unrecht erlassen sei, wollen deshalb bei uns alsbald schriftlich oder zu Protocoll die Nachrevision beantragen.

Gießen, den 12. Februar 1895.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Wolff, Regierungs-Assessor.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspovdenz-Bureau.

Berlin, 12. Februar. Wie die Morgenblätter melden, soll das zum Besten der Hinterbliebenen der auf der Elbe" Verunglückten, sowie zum Gedäcktniß der Unter- gegangenen in der Wandelhalle des ReichstagbgebäudeS beab­sichtigte Concert am 23. Februar, um 8 Uhr Abends, unter Mitwirkung der königlichen Capelle stattfinden. Der Kaiser übersandte dem Comtö für die Hinterbliebene« derElbe" 3000 Mk., in Hamburg find bis jetzt 53,178 Mk., in Bremen 77,367 Mk. eingegangen.

Dresden, 12. Februar. Ftnanzmtntster Thümmel ist gestorben. ,,

Lübeck, 12. Februar. Die Schifffahrt ist geschloffen. Die See bedeckt, soweit sichtbar, festes Eis. Kälte 19 Grad.

Rendsburg, 12. Februar. Dem hiesigen Magistrat wurde mitgelheilt, daß der Kaiser zur Eröffnung des Nordostsee- CanalS hier Ende Juni eintreffen würde. Zur Abhaltung einer größeren Parade würde die 35. Jnfanteriebrigade zu- gezogen werden.

Rom, 12. Februar. Die Unruhen unter den Studenten der Universität dauerten auch heute noch fort. Die Studenten versammelten sich im Colosseum, wurden aber von der Polizei zerstreut, drei wurden verhaftet, später aber freigelaffen. Baccelli empfing eine Commission der Neapeler Studirenden und erklärte, er werde die Universität, wenn an allen Universitäten Ruhe herrsche, unter nachfolgenden Be- dingungen eröffnen: Alle Studenten machen sich zur Auf- rechthaltung der Ordnung anhe'sckig; die Sommer Prüfungen seien sür alle verloren- die für die Prüfungen bestimmte Zeit wird auf Vorlesungen, als Ersatz sür die während deS Schlusses der Universität ausgefallenen, verwandt.

Mailand, 12. Februar. Bei den Municipal- wählen wurden 58 gemäßigte Clericale und 22 Demokraten gewählt.

Paris, 12. Februar. Der Präsident Felix Faure hat nach Empfang der Nachricht von der Ankunft des Kaisers von Oesterreich auf französischem Gebiete folgendes Telegramm an denselben gerichtet:Ich beeile mich, Ew. Majestät bet der Ankunft auf französischem Gebiet willkommen zu heißen und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß der neue Aufenthalt in Cap Martin Ew. Majestät an­genehm sein wird. Ich lege Ihrer Majestät der Kaiserin meine ehrerbietige Huldigung zu Füßen und bitte Ew. Majestät von meinen freundschaftlichen und aufrichtigen Ge­fühlen überzeugt zu sein."

Cettinje, 12. Februar. Die Mutter deS Fürsten ist heute Nacht in Venedig gestorben.

Newyork, 12. Februar. Ueber die Fahrt derGaS- cogne" wird noch Folgendes berichtet: Am 29. Januar, als dieGascogne" Havre seit drei Tagen verlassen hatte, stand plötzlich die Maschine still. Die Passagiere wurden benachrichtigt, daß ein Cylinderkolben gebrochen wäre. Die gelammte Maschinenmannschast begann darauf die Ausbesserung. Nach 18stündiger Arbeit war es gelungen, ein Messingband um den Bruch zu legen. DieGascogne" machte noch neun Meilen in der Stunde. Am 2. Februar brach die Kolben­stange zum zweiten Male. Das Schiff mußte in Folge dessen behufs Ausbesserung 41 Stunden still ^gen- W^rend der folgenden Stürme wurde dieGaScogne" Meilen vom Curse abgetrieben und furchtbar von den Wellen hin- und hergeworfen, so daß die Passagiere unruhrg wurden. Am 7. und 9. Februar folgten wiederholte Kolbenbrüche und

Bekanntmachung.

Nach § 118, 3 der Wehrordnung vom 22. November 1888 können Reservisten, Landwehrleute und Ersatz- Reservisten wegen dringender häuslicher und gewerblicher Verhältnisse eine Zurückstellung hinter die letzte Jahres­klasse der Reserve, der Landwehr, bezw. der Ersatz-Reserve in Anspruch nehmen.

Es werden daher Diejenigen, welche eine solche Zurück­stellung zu beanspruchen beabsichtigen, aufgefordert, ihre Ge­suche bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes alsbald ein» mreichen.

Die fraglichen Gesuche unterliegen der Entscheidung der verstärkten Ersatz-Commission. Die Entscheidungen behalten ihre Gültigkeit bis zum nächsten Zurückstellungstermine und sind alsdann im Falle des Bedürfnisses die früheren An- träge zu erneuern.

Außerterminlich können Gesuche um Zurückstellung durch schriftliches Uebereinkommen der ständigen Mitglieder der Ersatz-Commission nach § 124, 2 der Wehrordnung nur dann berücksichtigt werden, wenn nach dem allgemeinen Ent» lassungstermin der Reserven dringende Verhältnisse die sofortige Zurückstellung einzelner der entlassenen Mann­schaften gerechtfertigt erscheinen lassen.

Gießen, den 13. Februar 1895.

Der Civilvorsitzende der Ersatz-Commission Gießen.

Dr. Melior.

Der Hiehever -«»elger crf(f)rint täglich, mit Ausnahme be4 Montags.

Die Gießener I>a«itienstLiter »erben bnn Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

ftW'k Jlt. M lOSsJ

Gießener Anzeig er

Kenerak-Mnzeiger.

Deutscher Reichstag.

36. Sitzung. Dienstag, den 12. Februar 1895.

Auf der Tagesordnung steht der Etat deS Reichsamts des Innern.

Bei den Ausgabetitel: Gehalt des StaatSsecretärs bemerkt

Abg.H i he(Centr.),er halte die organische Verbindung von Fabrik- ausstcht und Kessetrevision an sich für richtig, aber wegen dieser Ver­bindung müsse die Zahl der Gewerbeinspecloren noch mehr vermehrt werden. Sehr anflrengenb und zeitraubend sei die Kesselreoision unleugbar. Redner flieht ferner auch die Anstellung weiblicher Jn- spectoren sowie die Veranstaltung von Conferenzen der Jnspectoren anheim, sowie auch die Errichtung einer collegialen Cenlralbehörde.

Abg. Pachnicke (frelf. Vfl.) wünscht die Trennung von Fabrik- inspectorat und Kesselrevision; die Verbindung dieser beiden so ver­schiedenen Aufgaben, die gar nicht zusammengehören, sei ein Rück­schritt gewesen. DaS Fabrikinspcciorat ist ein socialpolitisches, ein Wohlfahrts - Amt, die Kesselrevtfion dagegen ein technisches, ein Sicherheits-Amt. Man sollte auch Arbeiter in das Fabriktnspectorat einrücken lassen und sich von dem Vorm theil freimachen, als seien nur Examina geeignet, die Befähigung zu solchem Amte nachzuweisen. Ein alter erfahrener Arbeiter kann gerade auf diesem Gebiete oft mehr leisten, als ein studtrter Gewerderath.

Staatsstcretär v. Bötticher: Es ist Landessache, ob den Fabrtktnfpictoren die Keffelrevtston übertragen werden oder bleiben soll, oder nicht. Ich kann daher nichts thun, als höchstens die Regierung in Preußen auf die von einander sehr abweichenden Aus- | sührungen beider Herren aufmerksam zu machen. (Heiterkeit).

Abg. Fischer-Berlin (Soc.): Welcher Geist der Furcht vor Erscheinung getretenen scharfen politischen und nationale» der Socialdemokratie bei der Reichsregierung herrscht, zeigt ein Erlaß an die Fabrikinspectoren vom 16. December 1893 betr. der Ver­öffentlichung der Jahresberichte. Es heißt da: es sollen nur Thal- fachen berichtet werden und etwaige kritische Bemerkungen sollen einen rein sachlichen Character tragen. Das soll doch wohl nur heißen:kritische Bemerkungen sollen überhaupt aussallen! Auch wenn die FabrikinspectorenVorschläge" machen wollen, so sollen sie sich dabeinur an das praktische Bedürsniß" halten. DaS kann auf die Fabrikinspectoren nur als kalte Douche wirken. In Folge davon sind ja auch die Berichte der Jnsp ctoren mit der Tendenz, zu beschönigen, zusammengestellt. Man steht das an der Art, wie über die Lebenshaltung der Arbeiter berichtet wird. Die Verbindung des Fabrikinspectorals mit der K-sselreviston hindert die Jnspectoren an ihrer eigentlichen socialpolittichen Ausgabe, um so mehr» als der Jnspector sich wegen der Krsselreviston stets vorher anmelden mutz. Wie mild bisher die ganze Gewerbeaufflcht gehandhabt worden, erhellt daraus, daß heute noch, nach 16 Jahren des Bestehens der Fabrikausstcht, es Unternehmer gebe, welche den Zutritt des JnspectorS zu ihrer Fabrik von ihrerErlaubniß" abhängig machen. Bezeichnend ist auch, daß der Gewerbeinipector Jäger in Cöln, weil er den Arbeitern zu weit entgegengekommen, versetzt worden ist. Aus den Berichten der Gewerberäthe geht hervor, wie bedeutungslos für die Arbeiter das Institut der Arbeiter-Ausschüsse ist, und wie wenig Grund man hat, von denWohlfahrts Einrichtungen" Aufheben zu machen. Man braucht blos zu lesen, was daselbst über die Arbeiter­wohnungen bei den Ziegeleien gesagt sei. Redner fordert schließlich Ausdehnung der Gewerbeausstcht auch auf die Hausindustrie.

Abg. Röstcke (bei keiner Fraction): Manches ist ja noch an Uebelflänben in unseren Fabriken vorhanden, aber Vieles daran ist auch schon, gerade unter Mitwirkung der Fabrikinspectoren, beseitigt worden. Die Partei des Vorredners freilich steht in den Unter­nehmern allesammt nur die reinen Teufel, und in den Arbeitern die reinen Engel. Redner wendet sich gegen gesetzgeberische Maßnahmen gegen den Boycott. Strafgesetzliche Bestimmungen würden gegen den Boycott gar nichts helfen, denn an die Stelle des öffentlichen würd- alsdann der geheime Boycott treten, und die kleinsten Betriebe würden gerade darunter am meisten leiden. Wirksam ist gegen den Boycott nur die Selbsthilfe, das Zusammenhalten der Unternehmer gegen die Boycottirender. In der conservattven Preffe hat man den endlichen Abschluß des Bierkrieges als Folge von Sonder- interessen einzelner Unternehmer dargestellt. Redner gibt zur W der- leguna dieses Vorwurfs noch einmal eine Schilderung von Entstehen und Verlauf des Berliner Bierboycotts. (Piästdent von Levetzow unterbricht den Redner schließlich mit dem Bemerken, derselbe habe ,noch fein Wort zum G.halt des StaaiSsecretärS gesprochen." Große Heiterkeit) Redner führt dann noch kurz aus, der Zwick deS BoycottS, den A'beitsnachweis ganz in ihre Hände zu bekommen, sei den

Socialdemokraten jedenfalls nicht gelungen.

Abg. Wurm verlangt, daß die Fabrikinfpectoren aus den Reihen der Arbeiter gewonnen werden, denn die Fabrikinspectoren müssen das Vertrauen der Arbeiter besitzen, während die Jnspectoren gegenwärtig mehr darauf bedacht sind, das Vertrauen der Arbeit­geber nicht einzubüßen. Redner verlangt ferner E> Weiterung der Eompetenz der Gewerberäthe auch auf die Hausindustrie, weibliche Jnspectoren rc. t ,r ,

Abg v. Frege stellt fest, daß geabe von den konservativen stets aus gewisse Uebelfiänbe in der Industrie hingewiesen, zugleich aber vor einem zuviel an Schematisiren, Schablonisiren in den Fabrikordnungen usw. gewarnt worden ist. Auch die Folgen davon im Sinne eines Ueberwucherns der Hausindustrie seien von den Conservattven vorausgesagt worden. Zu nicht geringem Theile seien diese Mißstände mitverschuldet durch die Freizügigkeit. Die Aus­beutung der jugendlichen Arbeitskräste werde auch von den Eonser- vativen bedauert, aber man möge doch die Einwanderung so vieler jüdischer Agenten, Zwischenhändler verhindern, bann würben biete nicht mehr so an bem Lohn der Arbeiter zchren. Auch solle man die jugendlichen Arbeiter nicht mehr in die focialdemokratischen Versammlungen gehen und dort ihren V rdienft verzehren lassen. Redner nimmt sodann das Wirken der Fabrikinspectoren gegen die Bemängelungen der focialdemokratischen Redner in Schutz. Die Jn- spectoren leisteten überall das Menschenmögliche. Eine Erhöhung der Löhne werde erst möglich fein, wenn die landwirthfchastliche Krise ein Ende habe. Einstweilen aber sollten sich die Arbeiter vor nichts mehr hüten, als vor den socialdemokratischen Agitatoren. (Lebhafter Beifall rechts.)

Das Gehalt des StaatSsecretärs wird genehmigt.

Morgen: Elsaß-lothringischer Dictatur-Paragraph, Anträge Pachnicke, Ancker, Auer, betreffend Volksvertretung in den Einzelstaaten.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Februar. Kaiser hielt am Montag und Diensrag Pirschjagden auf Hirsche bei Schloß Hubertus- stock ab.

Oberst v. Scheele, der Gouverneur von Deutsch- Ostafrika, soll um seine Entlassung eingekommen sein. Vorläufig wird jedoch diese Nachricht von offiziöser Berliner Seite nock bestrltten.

Der neue württembergische Landtag, zu dem an diesem Donnerstag und Freitag die Stichwahlen vollzogen werden, ist auf den 20. Februar einberufen worden.

m9

-Uhr,

ttU XII betreffend.

1895 hatten mr fit i: 000 900 1600 0100 700 0700

1, M zu entsprechender j>r würden, iempelt und mit lätt 1895 wieder * gten Pf-ndb^ >84 werden N Kmlösuug ttW m tziulösungstar u FraMrt a. t jsungchllen.

w°utbS heller,

I.

hi ..

1051