Ausgabe 
13.12.1895 Erstes Blatt
 
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Kurden verübten Metzeleien zu entgehen, und irren ohne Obdach und Nahrung umher. Ja Konstantinopel wurden neuerdings Plakate angeschlagen, in welchen das gegenwärtige Regime scharf verurtheilt wird und alle Einwohner ohne Unterschied der Religion aufgefordert werden, einmüthig ®e* rechrigkeit, Freiheit und Reformen zu fordern.

Depesche» M Barre»Herold*.

Berlin, 11. December. Dem Reichstage ging vom Abgeordneten Graf Holstein und Genossen ein Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung deS Gesetzes über die Beschlag- nähme deS Arbeit-- oder Dienstlohnes, vom 21. Juni 1869, und die Abänderung der Ctvilproceßordnung vom 30. Januar 1877, zu, ferner vom Abgeordneten BloS und Genoffen ein Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung des Impfzwanges vom 8. April 1874.

Berlin, 11. December. Der Stellvertreter des Reichs­kanzler- hat dem Reichstage die vom Bundesrathe ge­troffene Bestimmung über Abänderung der Bekanntmachung vom 5. Februar 1895, betreffend Ausnahme von dem Ver­bote der SonntagSarbeit im Gewerbebetriebe, zur Kenntntß- nähme vorgelegt, sowie eine Ueberficht der vom BundeSrathe gefaßten Entschließungen auf Beschlüsse deS Reichstages aus der dritten Session der 9. Legislaturperiode zur Kenutuiß des Reichstages gebracht.

Berlin, 11. December. Vom Abgeordneten Bachem ist mit Unterstützung von Mitgliedern verschiedener Parteien dem Reichstage ein Antrag zugegangen, die Regierung aufzufordern, dem Reichstage den Entwurf eines Heim­stättengesetzes vorzulegen.

Berlin, 11. December. AuS dem Schooße der con- servativen ReichStagSfraction sind die in der vocigen Tagung eingebrachten Anträge Kropatscheck, Jacobs- kälter zur Handwerkerfrage und Graf Holstein zur Gesinde- ordnung wiederum neu etngegangen.

Berlin, 11. December. DemVorwärts" wird auS Dresden telegraphirt: Im Landtage wurde gestern der soctaldemokraiifche WahlrechtSautrag berathen. Die Redner der Cartell-Parteien sprachen sich in der Debatte für ein indirecteS Klassev-Wahlshftem aus. Der Minister des Innern versprach, noch in dieser Session deS Landtages einen Gesetz­entwurf nach dem Wunsche der Cartellredner etnzubrtngen.

Berlin, 11. December. Von den zwölf socialdemo- kratischen Protest-Versammlungen, welche gestern hier stattgesunden haben, wurde die im 5. Wahlkreise, von 5000 Personen besuchte Versammlung von dem Polizei- lieutenant aufgelöst, als sie zur Wahl eines Vertrauens­mannes schreiten wollte. Die Versammlung verlief bis auf diesen Zwischenfall ruhig.

Berlin, 11. December. DemLocal-Anzeiger" wird aus London telegraphirt: Fünfhundert Grubenarbeiter sind seit gestern in der Hardwtckgrube infolge HerabstürzenS einen mit Kohlen beladenen Förderstuhles eingeschloffen. Man arbeitet rastlos an ihrer Befreiung, welche man nach Räumung des Einganges zu bewerkstelligen hofft.

Berlin, 11. December. Zu der Veröffentlichung einer angeblichen Unterredung eines Correspondenten der Saale Ztg." mit dem StaatSminister v. Köller schreibt derRetchsanz.": Wir sind ermächtigt zu erklären: 1) daß die im Bericht enthaltenen Angaben über die Ursachen deS Rücktritts des Herrn StaatSminister v. Köller ihrem ganzen Inhalte nach unzutreffend sind, 2) daß dem StaatSministe- rtum von persönlichen Angriffen, die von Herrn Staats­minister v. Köller ausgegangen sein sollen, nichts bekannt ist, 3) daß die Behauptung: zwischen dem Minister v. Köller und den Ministern v. Böttichern und Freiherr v. Marschall hätlen auS politischen Meinungsverschiedenheiten herrührende Reibungen bestanden, jeder Begründung entbehrt, daß viel­mehr 4) in der Beurteilung der Vorgänge, welche den Rücktritt deS Staatsministers v. Köller herbeigeführt haben, unter allen Mimstern volle Uebereinstimmung bestanden hat.

Hannover, 11. December. DerHannov. Courier" meint im Gegensatz zu derNationall. Corresp.", daß im Interesse deS festeren Zusammenhalten- der Partei eine sehr bestimmte Stellungnahme zum Anträge Kanitz unerläßlich sei, selbst wenn eS nicht ohne Verlust eine- oder deS anderen Wahlkreise- sollte geschehen können.

Rom, 11. December. General Baratieri hat laut osfictellem Nachweis in A big rat 1000 Mann italienischer Jäger, 6500 Mann afrikanischer Infanterie, 1500 Mann Mobtlmiltz, 2000 Mann Genietruppen, Artillerie und Reiterei zusammengestellt. ES sei nicht zu befürchten, daß die Verbindung mit Makalle gestört werde. Die zersprengten Theile der (Kolonne Toselli werden nicht verfolgt. Die Schoaner lagern unterhalb Makalle- und warten dort da- Eintreffen des HauptheereS ab, um nach Adtgrat vor­zurücken.

Loudon, 11. December.Daily Chrontcle" meldet aus Rom, daß die Niederlage der Italiener in Afrika große Ausgaben verursachen dürfte, welche da- Gleichgewicht deS HauShalt-etat- zerstörten.

Konstantinopel, I I. December. Wie gerüchtweise verlautet, ist eine MtntsterkrisiS in Aussicht.

Der Krieg von 1870|71, geschildert durch Ausschnitte aus Zeitung- - Stummem jener Zett (Nachdruck verboten.) 14. December.

Spricht man mit jedem einzelnen Franzosen, so beklagt er fast immer den Krieg, verwünscht Gambetta und die ganze Republik in die Hölle und wünscht den Frieden um jeden Preis herbeigeführt zu sehen, und stehen dann wieder ein Dutzend zusammen und irgend ein lügenhafter Siegesbericht ihrer provisorischen Regierung ist erschienen, deffen gänzliche Unmöglichkeit Jeder, der nur eine Spur von Kenntnissen besitzt, sogleich einsehen wüßte, so find fie-alsbald in Feuer »nd Flamme, belügen und berauschen fich gegenseitig durch **'* -nögltchcu Phrasen und glauben, daß La France auch

jetzt noch das mächtigste Land der Welt sei und daß wir barbares pruasiens ganz unmöglich Sieger sein und bleiben dürften. Alle unsere Erfolge bei Wörth, Sedan, Gravelotte, Metz, Straßburg usw. haben wir nur durch Derrath und Bestechung erreicht, und Mac Mahon, Bazaine, Canrobert, Uhrich, jetzt Bourbaki, weil er sich bet Amten-, und AurelleS de Paladine, weil er fich bet Orleans schlagen ließ, find Verräther und preußische- Geld, nicht aber preußische Waffen haben bisher allein nur diese französischen Niederlagen herbei­geführt. Der einzelne Franzose ist gewöhnlich liebenswürdig, höflich, jeder ihm klar vorgetragenen Ansicht leicht zugänglich, und auch jetzt mitten im erbitterten Kriege und in Feindes­land verkehre ich persönlich tu der Regel lieber mit den Franzosen als mit sehr vielen deutschen Cigarrenreiienden, Pferdehändlern, Schlachtenbummlern, auf Civilanftellung hoffenden Abenteurern, kurz, mit der leider nur zu großen Anzahl von Deutschen, die unter der MaSke de- Patriotismus nur stets ihren persönlichen Vortheil auf oft recht widerliche Weise zu erhaschen suchen, mit denen Deutschland un- jetzt hier nur allzu reichlich überschwemmt hat- aber find ein Dutzend Franzosen zusammen, führen fie politische Gespräche und berauschen sich in SiegeSnachrichten, so kann man sie wirklich nur al- Wahnsinnige betrachten. Köln. Ztg.

Straßburg, 12. December. Pfalzburg, heute auf Gnade und Ungnade ergeben, wird morgen früh 10 Uhr besetzt.

Versailles, 12. December. Der Königin Augusta in Berlin. Nach den viertägigen Gefechten um Bcaugency herum, die jedesmal siegreich für uns endigten, wenn auch bet der Uebermacht des Feindes kein bedeutende- Terrain gewonnen wurde, ist der Feind heute unerwartet gegen Blois und Tours abgezogen, wahrscheinlich infolge der bedeutenden Verluste, die er erlitten, während die unserigen gering waren. Sehr viel Ueberläufer melden fich dort und ebenso bet Rouen. Dte Mobilgardeu warfen vielfach Waffen und AuSrüftungS- gegenstände fort und gehen nach Haufe, aber es bleiben immer noch genug übrig. Heute völliges Thauwetter.

Wilhelm.

An der Loire wird eS wohl nicht sobald wieder zu Gefechten kommen- General Chanzh hat Blois ohne Schwert­streich geräumt und eS ist kaum zu vermuthen, daß er vor TourS noch einmal Stellung nehmen wird, wenn sein Rückzug überhaupt auf TourS geht und nicht nach Le ManS gelenkt wird.

Die Geburt Christi",

Kirchenoratortum von Heinrich von Herzogenberg.

DaS Ktrchenoratorium:Dte Geburt Jesu Christi" von Heinrich von Herzogenberg, das der evange­lische Kirchkngesangveretn nächsten Mittwoch zur Aufführung bringen wird, ist am 16. December v. I. zum ersten Male zu Straßburg t. E. aufgeführt und erst tn diesem Jahre veröffentlicht worden. Profeffor Friedrich Spttta urthellt imCorrespondenzblatt deS evangelischen KtrchengesangveretnS für Deutschland" darüber, daß eS nach der Ueberzeugung aller Derjenigen, die eS genauer kennen gelernt haben, ge­radezu als eine epochemachende Erscheinung auf dem Gebiete der evangelischen Kirchenmusik in der Gegenwart beurtheilt werden wüffe. Wir glauben, den Sängern, wie den Hörern einen Dienst zu thun, wenn wir in Nachfolgendem eine kurze Skizze des Werke- au- dem erwähnten Blatte zum Abdruck bringen:

Der Stoff gliedert sich in drei Theile: die Verheißung, dte Erfüllung, die Anbetung, von denen ein jeder in einen Choral der Gemeinde etnmündet. Zur Einleitung de- Ganzen spielt dte Orgel ein kurze-, freudig bewegtes Prä­ludium über die WeihnachtSmelodie:Vom Himmel hoch", nach der dann die Gemeinde den EtogangSchoral:Die- ist der Tag, den Gott gewacht",Die Völker haben dein ge­harrt" anstimmt. Zur Begleitung des nun beginnenden KunstgesaugeS find von Herzogenberg in Berücksichtigung deS besonderen Zweckes diese- Werke- die einfachsten instru­mentalen Mittel verwendet: eine kleine Orgel, bezw Har­monium, Streichorchester und im dritten Thetle zur Eharac- terisirung der Kinder- und Htrtenscenen noch eine Hoboe. Der erste Thetl vergegenwärtigt unS das sehnsüchtig nach seinem MesfiaS ausschauende Israel. Nachdem der Chor unter leiser, immer wieder abbrechender Begleitung der Streichinstrumente gesungen:Ich harre deS Herrn, meine Seele wartet auf den Herrn von einer Morgenwache bis zur andern", treten vier Männer auf man mag fie für glauben-treue, schnftgelehrte Israeliten halten, die dem Volke verkündigen, fie würden ihm die alten Weissagungen auf den MesfiaS inS Gedächtniß rufen. DaS Volk ant­wortet, aus seiner trüben Stimmung auffahrend, mit dem GebetSrufe:Erhalte mich durch dein Wort, daß ich lebe." Nun beginnen die Weissagungen: Der zweite Baß recltirt das Wort von dem WeibeSsamen, der der Schlange den Kops zertreten soll- der erste Baß daS von dem Stern auS Jacob - der zweite Tenor das van der Rute auS dem Stamm Jsai, und der erste Tenor das von dem wunderbaren Kinde aus dem Königsstamm, worauf alle vier Stimmen dessen Namen verkündigen. Auf jedes der Soli antwortet der Chor mit einem entsprechenden Choral. Die drei ersten Male ist eine Strophe ausO Heiland, reiß die Himmel auf," daS letzte Mal auSKommst du, kommst du, Licht der Heiden". Dle Melodie liegt jede-mal in einer anderen der vier Stimmen. Die Soli, wie die dazu gehörigen Chöre zeigen eine große Schärfe der Charactertstik und eine wunderbare Steigerung der Stimmung: Grauen vor dembitteren Tode", sehn­süchtiges Ausschauen nach dem fern ausgehenden Sterne, hoff­nungsvollen Jubelruf, daß die Erde den Heiland entsprossen lassen werde, stolze Verkündigung der Namen und Tugenden deS Kommenden und schließlich die von geheimmßvollem Schauer durchbebte Bitte:Jesu, meine» Herzen- Thür steht dir offen, komm zu mir", über die fich wie eine auf und ab schwebende Taube die Solovioline erhebt, um fich bei den Schlußaccorden niederzusenken. Den Text diese-Chore- hat

Herzogenberg schon vor Jahren zu einer seiner herrlichste a c^psUa-Schöpfungen benutzt (Sechs Gesänge für gemischte? Chor, op. 57, Nr. 6), damals ohne Benutzung der Original- melodie, die er jetzt in den Baß gelegt bat- bet einem ver­gleiche beider Stücke wird man staunen über dte Verschieden­heit der Form bei aller Berwcmdtschast tn der Stimmung. Welchem Stücke der Vorzug gebühre, dürste schwer zu sage« fein. Noch ein anderer Vergleich drängt fich auf: DaS Lied O Heiland, reiß die Himmel auf", dem Herzogenberg drei Strophen entnommen hat, ist auch von Brahms benutze zu einer vierstimmigen Motette, op. 74, Nr. 2, und -war nach Text wie Originalmelodie. Bei aller Verwandtschaft, die diese beiden Meister miteinander haben, tritt hier ihre große Verschiedenhett besonder- greifbar zu Tage. Brahm- kühn, von gedankenmäßiger Größe und Herbigkeit, die ganze (Som- Position ein rücksichtsloser Ausdruck seiner schroffen, nord­deutschen Natur- Herzogenberg nicht minder formvollendet und alle- andere eher als weich, aber in seiner gewüthS- tiefen Innigkeit dem Zuhörer viel mehr entgegenkommend und insofern dem Ideal eines Kirchencompouiften näherstehend, dem auch der spätere BrahmS wohl nie nachgestrebt hat. Mit zwei Strophen deS AdventliedesWie soll ich dich em­pfangen," schließt der erste Theil.

_______________________(Fortsetzung folgt.)________________________

CocaUs rrnd provinzielles.

Gießen, 12 December 1895.

Rückkehr de- GroßherzogS. Wie Darmstädter Blätter melden, wird die Rückreise Ihrer Kgl. Hoheiten deS Groß- Herzogs und der Großherzogin von ZarSkoje Selo nach Darmstadt voraussichtlich am 18. December erfolgen. In Moskau werden die Allerhöchsten Herrschaften bis Sams­tag verbleiben.

♦nn. Parlamentarisches aus Hessen. Gestern ist der Finanzausschuß und der GesetzgebuugS-AuSschuß Zwetter Kammer zusammengetreten, um über verschiedene neuere Vor­lagen und Anträge zu berathen. Zunächst handelt eS fich um den vor einiger Zeit von einer Anzahl von Abgeordneten eingebrachten Antrag wegen Neuorganisation deS StaatsministeriumS. Ferner steht zur Berathung eine Regierungsvorlage wegen Herabsetzung deS Zinsfußes bet Darlehen auS der LandeScreditkaffe und eine Vorstellung von Landwirthen der Gemeinde BibltS um weitere Befristung von Darlehen aus dem NothstandSjahr 1893, sowie ein Antrag deS Abg. Schröder und Genoffen wegen Verbesserung des öffentlichen VergebungSwefenS im Staate. DaS Plenum der Kammer wird vorauSfichtlich vor Januar nicht mehr zusammen­treten.

* Aufführung bei Schauspiels:Die Räuber" von Fr. Schiller. Laut Anschlag am schwarzen Brett im UniversitätSgebäude beabsichtigt der Theater-Verein mit Schluß dks Winter- SemestersDie Räuber" zur Aufführung zu bringen. Mitglieder deö Frankfurter Stadttheaters werden die Haupt­rollen vertreten, alle übrigen Rollen beabsichtigt man durch Studirende der Hochschule zu besetzen. Herr Director Elaar hat es übernommen, die Vorbereitung und Einstudirung des Schauspiels zu leiten.

* * Landwirthfchaftliche Ausstellung. Gestern Nachmittag fand im KreiSamtSgebäude eine Sitzung deS ComtlvS für daS landwirthschaftliche Fest statt. Herr Provinzialdirector Frhr. v. (Sägern theilte mit, daß die Ausstellung bis jetzt einen Ueberschuß von Mk. 7600 ergeben habe, von welchem Betrage jedoch noch von der Verfammlung zu be­willigende Ausgaben zu decken seien, so daß etwa 5000 biß 6000 Mk. alS Reingewinn dem landwirthschaftlichen Provinzial- verein für Oberheffen zu überweisen sein dürften. Die noch zu bewilligenden Ausgaben bestehen zunächst in Deckung von DeficitS, welche bei der Ausstellung deS Thierschutz-, Bienen­züchter- und Obstbauvereins sich ergeben haben, ferner in Remunerationen für diverse Beamte der Ausstellung, Feuer­wehr, Gendarmerie und Schutzmannschaft re., was durchgängig bewilligt wurde.

* Mittelrheinisches Turnfest. Dienstag Abend tagt der Bau - Ausschuß des Mittelrheinischen Turnfestes, nm Schlußabrechnung zu halten. ES soll nun gleich nach Weih- nachten eine Schlußsitzung deS GesammtauSschnffeS einbernfen werden, in welcher daS finanzielle Resultat des Festes bekannt gegeben wird.

* *nn. Ausstellung deutscher Fachschulerarbeiten. Im nächsten Jahre wird bekanntlich die Generalversammlung deS Landes- gewerbvereins in Darmstadt abgehaltev werden. Außer einer Ausstellung von Schülerarbeiten der Großh. Landes- baugewerkschule und der Handwerkerschulen der Provinz Starkenburg soll dabei noch eine ganz eigenartige Ausstellung veranstaltet werden. Wenn die betreffenden Directionen ihre Genehmigung dazu geben, soll eine Ausstellung von Schülerarbeiten aus deutschen Fachschulen mit Lehrwerkstätten stattfinden, um den die Ausstellung Besuchenden, insbesondere aber den Gewerbetreibenden Ge- legenheit zu geben, einen Einblick in die Thätigkeit und die Leistungen dieser Lehrwerkstätten zu gewinnen. Im Interesse deS hessischen Gewerbestandes wäre daher sicher mit Freude zu begrüßen, wenn diese Außstellung zu Stande käme. Eine Commisfiön, für diesen Zweck gewählt, hat bereits die nöthigen Schritte zur Durchführung dieser Idee unternommen.

* Bor 25 Zähre». Am 12. December 1870 stiftete Großherzog Ludwig III., um der hessischen Division für ihre auch in diesem Kriege bewiesene Tapferkeit und Aus­dauer dte Allerhöchste Anerkennung zu betätigen, einen neuen Orden, welcher auß einer Klasse besteht und den Name» Militär-Derdienstkreuz führt. Dieser Orden war für die­jenigen Militärpersonen bestimmt, welche fich vor dem Feinde durch besondere Einficht, Tapferkeit und Geistesgegenwart ausgezeichnet haben. Schon früher hatte der Großherzog das Militär-SanitätS-Kreuz gestiftet, welches an Personen, jeden Alters und Geschlechts verliehen wurde, welche fich bei der Pflege und dem Transport verwundeter und kranker Soldaten auSgezeichntt haben.