Ausgabe 
13.11.1895 Erstes Blatt
 
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m. 267

Der

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ErftcZ Blatt. Mittwoch den 13. November 18»»

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Amtliche» Theil.

Statut

betreffend die Vertretung der Gemarkung Schiffenberg als OrrSarmenverband.

In Gemäßheit des Art. 3 des Gesetzes vom 14. Juli 1871, bie Ausführung des Reichsgesetzes über den UnterstützungS- wohnfitz betreffend, und des Art. 48 V pos. 4 der Kreis- unb Provinzial-Ordnung wird hiermit nach Anhörung der Betheiligten und mit Genehmigung Großherzogltchen Mi­nisteriums des Innern und der Justiz vom 5. November 1895 zu Nr. M. I. 30 600 unter Zustimmung deS KreiSauSschusseS bestimmt, daß die in der Gemarkung Schtffenberg erwachsenden Kosten der öffentlichen Armenpflege von den Einwohnern und den Grundbesitzern dieser Gemarkung nach Maßgabe ihres ber BeitragSpflicht zu den Gemeindeumlageu zu Grunde liegenden SteuercapitalS zu tragen find.

Die Vertretung der Gemarkung Schtffenberg als OrtS- «rmenverband geschieht durch die Großh. Oberförsteret Schtffenberg und werden die Kosten, vorbehaltlich des Ersatzes durch die hierzu Verpflichteten, von dem Großh. Rentamt Gießen verrechnet.

Die Beitreibung der Kosten erfolgt auf Grund der für bie Einbringung der Umlagen maßgebenden Gesetze, Ver­ordnungen und Instructionen durch das Großh. Rentamt Gießen.

Gießen, den 9. November 1895.

Großherzogltches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

WolffS telegraphisches Correspondmz-Bureau.

Berlin, 11. November. Bei den heurigen Stadt- Verordnetenwahlen der ersten Abteilung siegten die liberalen Candtdaten in sämmtlichen Bezirken. In einem Bezirke findet Stichwahl mit Candidaten der Bürger- Partei statt.

Köln, 11. November. Wie dieKölnische Volkszeitung" meldet, wurden heute in der GrubeSchwabach" an der Saar zwei Bergleute durch fallendes Gestein erschlagen.

Metz, 11. November. Das Kaiserpaar stiftete an- läßlich deS ersten gemeinschaftlichen Besuches der Lothringer Besitzungen in der Gemeinde Kürzel 60,000 Mk. für ein Asyl zur Aufnahme Hochbetagter beiderlei Geschlechts ohne Unterschied der Confesfion. Ein weiteres Geschenk für die Einrichtung ist Vorbehalten.

Wien, 11. November. Meldungen aus Konstantinopel zufolge dauern die Kämpfe in Kleinasien fort. Die von den Consuln etngegangeneu Berichte stimmen mit Nach­richten auS zuverlässiger Privatquelle darin überein, daß sich die Anzahl der armenischen Opfer auf mehrere Tausend beziffert. Neuerdings wird bestätigt, daß in einzelnen Fällen die Provocatton von türkischer Seite ausgegangen wäre, waS daraus yervorgehe, daß die Behörden und Truppen sich passiv verhielten und mitunter an den Ausschreitungen theil- genommen haben sollen. Es scheine übrigens, daß die Aus­schreitungen sich auch gegen andere Christen zu richten beginnen.

Madrid, 11. November. In Sabadell explodtrte im Speisesaale des KnabenpenfionatS St. Jose eine Bombe. Zwei Zöglinge wurden schwer verletzt. Im Nonnenkloster Zordejuela bet Bilbao platzten drei Dynamit- Petarden, ohne jedoch einen Verlust an Menschenleben zu verursachen. Die Urheber deS Attentats sind verhaftet. In demselben Kloster hat letzthin schon eine Dynamit-Explosion stattgefunden.

Depesche» bei Bureau .Herold".

Berlin, 11. November. In der Deutschen Tageszeitung war im August in einem Artikel über unser Offizier- CorpS u. A. gesagt worden, daß, wenn der Commandeur eines Regiments anderer Ansicht sei als die höhere Instanz, so müsse er nach dem herrschenden Brauch seine Entlassung nehmen, auch dann, wenn seine Meinung mit der allgemeinen übereinfttmmt. Vor einigen Jahren hätten in einem nicht- preußischen Armeecorps ein General und ein Oberst auS diesem Grunde ihren Abschied nehmen müssen. Dem gegenüber theilt derRetchSanzeiger" mit, daß die Ermittelungen nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür ergeben haben, daß der angedeutete Fall vorgekommen fein könne.

Berlin, 11. November. Die Verhandlungen über die Beleuchtung der Ausstellungshalle derBerliuer

Gewerbe-Ausstellung für 1896 kamen in der heutigen Berathung zwischen dem Ausschuß der Ausstellung und dem elektrotechnischen Syndikat zum Abschluß. Die Installation übernimmt daS Syndikat. Die Gebrüder Naglo sind zurück­getreten.

Berlin, 11. November. In dem Entwurf der M i l i t ä r - ftrafproceßordnuug soll, wie verlautet, die Oeffentlich- kett deS Verfahrens von der Natur der Delikte abhängig gemacht werden, sodaß also die Oeffentlichkeit thetlS zugelaffen, theilS ausgeschlossen wird.

Berlin, 11. November. Verschiedene Blätter hatten berichtet, daß der Katser-Wilhelm-Canal bis auf Weiteres nur von Schiffen bis 7,5 Meter Tiefgang befahren werden könne, was mit der Auffindung eines großen Steines bei Kilometer 38 in Verbindung gebracht wurde. Wie die Nordd. Allg. Ztg." mittheilt, ist diese Nachricht nach den Erklärungen des kaiserlichen CanalamtS irrthümlich.

Berlin, 11. November. Der Kaiser, Prinz Heinrich und Großfürst Wladimir von Rußland begeben sich am Donnerstag zur Jagd nach Letzlingen.

Berlin, 11. November. Wie von zuständiger Seite mit- getheilt wird, wurde am SamStag bei dem hiesigen Corre- spondenten des Newyork-Herald Haussuchung gehalten, angeblich wegen Verdacht» der Majestätsbeleidigung.

Berlin, 11. November. Nach einer hiesigen Correspondenz bewerben sich um baß Landtagsmandat im vierten Berliner Wahlkreise, daS durch die MandatSniederlegung deS bisherigen Abgeordneten Hugo Hermes frei geworden ist, neben dem zweiten Vicepräfidenten des Reichstages, Fabrik­besitzer Reinhold Schmidt, der Stadtverordnete Kreitling, Chefredakteur Vollrath, Redakteur Perls und die beiden Schulrectoren Patzke und Kopsch. Außerdem soll Seitens der Freisinnigen Bereinigung der LehreS TewS vorgeschlagen werden.

Stettin, 11. November. Gegen den verantwortlichen Nedacteur deS hiesigen socialdemokratischen VolkSblatteS ist Anklage wegen Majestätsbeleidigung erhoben worden, weil derselbe den Artikel des Vorwärts:Sedan und kein Ende" zum Abdruck gebracht hat.

Venedig, 11. November. Die Regierung hat Befehl ertheilt, die Ausrüstung für daS nach der Levante bestimmte Geschwader zu beschleunigen.

Pari», I I. November. Auch mehrere Directoren hiesiger Zeitungen fielen der seit SamStag etngetretenen Börsen- krisiS zum Opfer, darunter die Directoren deSJournal", deSSotr" und vomGil BlaS". Diese verloren 800 000 bezw. 500000 bezw. 400000 Frcs. und wurden an der Börse execurirt, da die betreffenden Summen nicht gezahlt werden konnten.

Part«, 11. November. Heute Vormittag wurde Hier­selbst, 23 Rue Ballu, unter Anwesenheit zahlreicher Aerzte und Vertreter der Behörden ein Inhalatorium nach dem System Schm eifer, wie solche bereits in Wiesbaden, Badenweiler und Brüffel bestehen, eröffnet. Das Etabliffe- ment steht unter der ärztlichen Leitung des Dr. Thomas, welcher bei der Eröffnung einen Vortrag über die Methode und die seitherigen Erfolge des Verfahrens hielt.

Marseille, 11. November. Der Kreuzer Courbeu erhielt Befehl, fich zur Abfahrt nach der Levante fertig zu machen.

London, 11. November. Zwischen hier und Aberdeen stieß ein Expreßzug mit einem Güterzug zu­sammen. Fast sämmtliche Reisende wurden verletzt. Bier derselben find bereits ihren Wunden erlegen.

Sofia, 11. November. Zwei armenische Mitglieder deS ExecutionS Comitäs find hier angelangt, um mit dem mace- donischen Comtts behufs gemeinsamer Action gegen die Türkei zu verhandeln.

Athen, 11. November. Der armenische Patriarch in Konstantinopel äußerte sich einem Mitarbeiter derAkropolis" gegenüber bezüglich der Reformfragen sehr skeptisch. Er glaube nicht, daß letztere in der Türket durchgeführt werden. Seiner Meinung nach dürfte das Drama noch lange nicht beendet sein.

Konstantinopel, 11. November. Unter der muselmännischen Bevölkerung herrscht große Aufregung infolge eines Gerüchts, wonach die Großmächte die Absetzung des SultanS beschlossen hätten.

H, Darmstadt, 12. November. Auf directe Peters­burger Nachrichten bezeichnet dieDarmstädter Zeitung" die ungünstigen Gerüchte über den Zustand der Kaiserin von Rußland für erfunden.

Der Krieg von 1870|71,

geschildert durch Aulschnitte aus Zettungl- Nummern jener Zeit.

(Nachdruck verboten.)

13. November.

Die Regierung zu Tours hat die Taubenpost ein­gerichtet und dieselbe auch zur Benutzung deS Publikum» retgegeben. Jeder französische Bürger hat da» Recht, auf >cm Wege der Taubenpost Nachrichten in die belagerte Stadt gelangen zu lassen. Ein Brief kostet 50 Centime», muß in französischer, klarer und lesbarer Sprache abgefaßt sein, ohne Zeichen und Chiffre und darf nur private Mittheilungen enthalten, mit Ausschluß politischer oder Kriegsnachrichten.

Nachrichten aus Lille zufolge hat fich Gambetta nach Orleans begeben und daselbst eine Proclamation an die Loire-Armee gerichtet, der wir folgendes entnehmen:Die Einnahme von Orleans mit dem Ungestüm alter Truppen zeigt, daß Frankreich, weit entfernt, von einem in der Ge­schichte unerhörten Unglücke niedergebeugt zu sein, e» versteht, demselben durch eine allgemeine kräftige Offensive zu ant­worten. Vorkämpfer des Landes, Ihr seid auf dem Wege nach Paris, vergessen wir nicht, daß Paris uns erwartet. Erkennet jetzt, daß die Feinde ihre Ueberlegenheit der Zahl ihrer Geschütze verdankten, als Soldaten kommen sie Euch weder an Muth noch an Hingebung gleich. Findet die franzöfische Kriegswuth wieder, welche daS Vaterland retten muß. Mit Soldaten, tote Ihr seid, wird die Republk siegreich auS dem Kampfe hervorgehen."

Wenn alle die guten Phrasensprecher daS Leben führen sollten, daS unsere Pariser Soldaten seit der Belagerung aushalten müssen, sie würden vielleicht das Ende herber­wünschen- ein Tag Wachtdienst, den andern Arbeit in den Lausgräben, und dabet Lagerstätte auf schlammigem Boden, so lebt man unter den Mauern von Paris. Parts kann sich nicht selbst befreien, davon ist Jedermann überzeugt. Es hilft nicht, wenn man unö sagt, daß unsere Besatzung den Belagerern an Zahl gewachsen sei. Stellen wir auf diese Sette hundert Zwölfpsünder, auf jene hundert Krupp'fche Kanonen, so stehen auf beiden Seiten hundert Geschütze, unb doch sind bie Kräfte nicht gleich. Wir können ber preußischen Armee mit Erfolg entgegentreten, aber wir können nicht hoffen, baß wir sie zur Aufhebung ber Belagerung zwingen. Selbst bie Lintentruppen und bie Mobilgarden, so sehr sie auch den Nationalgarben überlegen finb, können sich boch hinfichtlich ber festen Maffe unb ber DiSciplin mit ben brutschen Soldaten nicht meffen. Setzen wir selbst ben Fall, baß wir bie Etnschließungs-Linte burchbrächen, wissen wir nicht, baß das Land auf fünfzehn Meilen im Umkreis verheert ist unb baß wir baher burch biese» blutige Opfer uns auch noch nicht für einen Tag bie Verproviantirung verschaffen könnten, bereu Paris bedarf? Die ganze Frage beruht also darauf, ob eine Hilfs Armee besteht, auf die wir unS verlassen können. Ohne eine solche find alle unsere Anstrengungen unnütz." Figaro.

tzieß«, den 12. November IWb

** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag, den 14. November 1895, Nachmittags 4 Uhr: 1. Veranstaltung einer landwirth- schaftlichcn Ausstellung im Jahr 1895 zu Gießen, hier Frst- setzung deS Preises für verabfolgtes Holz. 2. Vergebung der Waldculturlöhne. 3. Verwerthung deS Eichenstawmholz s im Stadtwald pro 1896/97. 4. Reparatur des Wehrs bei den Obermühlen; hier Decretur einer Kostenrechnung. 5. Die Rechnung der Vorschule des Gymnasiums pro 1894/95. 6. Prüfung der Rechnung der Armenkasse pro 1894/95. 7. Voranschlag der Armenkasse pro 1895/96. 8. Grund- eigenthum des städtischen Hospitals und des Plockischen StiftS; hier einheitliche Bezeichnung der Eigenthümer. 9. DieCommerzienrath Heichelheim-Stiftung". 10. Errichtung eines BedürfnißhäuschenS bei der Johanneskirche. 11. Wahl der Beigeordneten. 12. Gesuch des Philipp Bob zu Gießen um Erlaubniß zum WirthschastSbetrieb auf der Hardt. 13. DeSgl. der Karoline Hoß um Ausschank von Brannt­wein über bie Straße im Hause Steinstraße 78.

* Spruchliste für bie am 3. December 1895 beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts: 1. Johannes Klein, Wohnbach. 2. Johannes Diefenbach X., Berstadt. 3. Ludwig Hanner, Bübingen. 4. Ludwig Klinkel IV., Ruttershausen. 5. Karl Friebr. Wilh. Keller, Offenheim. 6. Gernanb Wtlh. Küchel, Butzbach. 7. Heinrich Sehrt I., Bernsfeld. 8. Konrad Hammerschmidt, Bindsachsen. 9. Karl Grünewald II., Alsfeld. 10. August Theoder Krämer, Alten-Buseck. 11. Heinrich Rau III., Wieseck. 12. Heinrich Bender V., Dors-Gill.