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btt Frage der Gehaltsaufbesserung einzelner Beamtenkategorieu entstand eine lebhafte Debatte. Zum Schluffe wurde der Retz der ordentlichen Ausgaben bewilligt.

Berlin, 11. Februar. Bet dem StaatSsecretär deS Reichsjustizamts, Dr. Nteberding, findet am 16. d. MtS. ein Diner statt, zu welchem die Minister, Mitglieder deS VundeSrakhS und deS Reichstags und die Cowmtffare, welche ie der Umsturzvorlage-Lowmtifion thä'ig sind, Entladungen erhalten haben. Auf dem Postamte in der PotSdamerftraße «Spandau ist ein mit Geld gefülltes Kistchen, welches für die Garnison Spandau bestimmt war, spurlos ver­schwunden. Der Inhalt betrug Mk. 10,720.79. Die Nordd. Allg. Ztg." sagt zu einem vomMatin" veröffent- lichten Artikel, welcher angebliche Aeußerungen des Deutschen Kaiser» über die französische PräsidentschaftSkrisiS »ieeergibt, derselbe beruhe seinem ganzen Inhalte nach aus Erfindung. Die9?orbb. Allgem. Ztg." warnt, in den optimistischen Schlüffen, welche auS der loyalen und wohl­wollenden Haltung der Regierung zu dem Antrag Kanitz gezogen werden, zu weit zu gehen. Bet allen Sympathien für die Bestrrbungen zur Hebung deS GetretdepreifeS ließen fich vielmehr Zweifel an der Möglichkeit einer practischen Ausführung der Kanitz schen Vorschläge schon jetzt nicht nbweisen.

Berlin, 11. Februar. DieNationalzeitung" erfährt, von der Post deS DampfersElbe" seien bisher im Ganzen fünf Postsäcke an die Küste gespült und der deutschen Reichspost übergeben worden. Darunter befindet sich ein erheblicher Theil Werthsendungen.

Wien. 11. Februar. Wie auf der hiesigen Börse heute verlautet, soll der Abschluß einer Anleihe von fünfzig Millionen Gulden vierprocentiger österreichischer Gold- rente zum Paricurse mtt einer Vergütung für die Kosten der Goldbeschaffung nahe bevorstehen. Die Anleihe soll von der Roihschildgruppe übernommen werden.

Paris, 11. Februar. Der Abgeordnete Denis ver­langte in der heutigen Kammersitzung eine Interpellation an die Regierung über die Rolle, welche die Juden in der fran­zösischen Verwaltung spielen. Auf Ersuchen RibotS wurde die Interpellation um einen Monat vertagt.

Madrid, 11. Februar. An der spanischen Nordküste ivüthen fortwährend heftige Stürme. Im Golf von Biacaya sind zahlreiche Schifferboote und kleine Segler zer­schellt. Eine große Anzahl Schiffer sind ertrunken.

Nom, 11. Februar. Mit großer Bestimmtheit tritt das Gerücht auf, Kaiser Wilhelm und die Kaiserin hätten dem König Humbert bestimmt mitgerheilt, daß sie im Früh­jahre die Reise nach Rom antreten werden. Im Quirinal werden bereits alle Vorbereitungen zum Empfange getroffen.

Mailand, 11. Februar. Mehrere jocialiftische Abgeord­nete in Modena haben beschloffen, eine Versammlung sämmtlicher Socialisten einzuberusen, um über die gegenwärtige Lage zu berathen.

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Gießen, den 12. Februar 1895.

** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 14. Februar 1895, Nachmittags 4 Uhr: 1. Chausfirung der Feldwege im Neu­städterfeld. 2. Herstellung erhöhter Trottoirs in der Garten- tzraße, Löwengaffe und Brandgaffe. 3. Herstellungen in den öffentlichen Anlagen. 4. Ausbau der Hammstraße. 5. Gesuch des G. Birkenstock um Erlaubniß zur Errichtung eines An­baues an einem Arbeitsschuppen. 6. DeSgl. des Ph. Schwan,I. zur Erbauung einer Scheuer im Neustädterfeld. 7. Die Anschaffung einer Straßenwalze für Pferdebetrieb. 8. Er­bauung eines Schlachthauses- hier: Anbau an den Großvieh- tzall und Verbesserung der Gasbeleuchtung. 9. Errichtung einer Waschküche im Hofe deS Thurmhauses am Bland. 10. Errichtung einer Fernsprechlinie GießenButzbachBad- NauheimFriedbergFrankfurt. 11. Decretur von Kosten­rechnungen.

* * Die Sitzung des Provinzial-AnöschnffeS der Oberheffe» Provinz am S. Februar wurde von dem Großh. Provinzialdirector Herr» Freiherrn v. G a g e r n als Vorsitzender geleitet. Den ersten Gegenstand in der öffentlichen Verhandlung bildete daS Gesuch der Karl Spam er Eheleute zu Ruppertsburg um Erlaubniß zum Betriebe einer Gastwirthschaft. Der Gesuchstrller war bei Großh. KreiSamt Scholten um Genehmigung zum ge­nannten Gewerbebetrieb eingekommen, wurde von dem Kreis- ausschuß daselbst jedoch abgewiesen, weil ein Bedürfniß zur Errichtung einer weiteren Wlrthfchast in Ruppertsburg nicht vorliege. Gegen dieses abweisende Erkenntnih ergriff Spamer RecurS an den Provinzialausschuß und ließ sich bei deffen Verhandlung durch RechtSanwalt Labroiffe vertreten. Dieser führte insbesondere aus, daß Spamer eine Metzgerei betreibe, und daß die Errichtung einer Gastwirtschast neben dem Mctzgergeschäst ein Bedürfniß nicht nur für die Einwohner, fvndern speciell auch für die in Ruppertsburg verkehrenden Fremden sei, da von den übrigen bestehenden Wirthschaften nur zwei in Betracht kommen könnten. Obgleich diese An­nahme durch eine mit 66 Unterschristen versehene Eingabe, worauf sogar diejenige eine» Kaufmannes auS München zu finden war, bekräftigt wurde, konnte der ProvinzialauSschuß das Bedürfniß zur Errichtung der gedachten Gastwirthschaft dach nicht anerkennen, und wieS den Reeur» deS Antrag­stellers kostenfällig ab. Der zweite und letzte Gegenstand betrifft die Wildschadensklage deS Großh. Rentamtmanns Schäfer zu Bingenheim gegen Jagdpächter Nie» zu Frankfurt a. M. Schäfer entdeckte im Juli 1894 auf »einem mit Dickwurz-, Blumenkohl-, Wirsing-, Weiß- und Rothkraut-Pflanzen bestellten Acker einen ziemlich beträchtlichen, durch Hasen verursachten Wildschaden. Er bat Herrn Lahm, welcher neben feinem Grundftückeinen Acker besitzt, sich denSchaden einmal anzusehen und dieser constatirte, daß ttroa 168 Ge­müsepflanzen mehr oder weniger stark beschädigt seien, nnb schätzte den Schaden auf 1520 Mk Hierauf meldete Schäfer

alsbald bei dem AmtStoxator, Bürgermeister Lind zu Geiß- Nidda, einen Schaden von nur 1214 Mk. an. Die» war angeblich am 10. Juli v. I. Da Schäfer bi» etwa Mitte August noch nichts von einer Abschätzung wahrgenommen hatte, schrieb er nochmals an den Taxator Lind, worauf dieser 'mit der Eommisfion am 20. August den Schaden besichtigen wollte, einen solchen jedoch nicht mehr vorsinden konnte, da von be­schädigten Pflanzen nichts mehr zu sehen war. Bei dieser Eiklärung der Commission beruhigte sich Schäfer nicht, sondern reichte förmliche Klage gegen den Jagdpächter NieS der dem KreiSauSschusse zu Büdingen ein und erwirkte daielbst einen Beschluß, wonach der Jagdpächter in einen Schadenersatz von 12 Mk. und in sämmiliche Kosten verunheilr wurde. Gegen dieses Elkenntniß deS SreiSauSschuffes zu Büdingen richtet sich nun der RecurS deS Beklagten Adolf NieS zu Frankfurt a. M. an den ProvinzialauSschuß. NieS ist bei der Verhandlung durch Rechtsanwalt Freund auS Offenbach a. M. und Schäfer durch RechtSanwalt Dr. Gutfleisch zu Gießen vertreten. Frau Sargk sagte auS, sie habe da» ca. 4 Morgen große Grundstück zum Hacken übernommen. Sie befand sich bei dieser Arbeit etwa Mitte Juli auf dem Acker und habe daS ganze Grundstück, auch den mit Gemüse bepflanzten Theil desselben, durchgehackt. Von Gemüsepflanzen will sie nichts mehr gesehen haben, als höchstens Stumpfe, sonst habe sie nur Unkraut vorgesunden. Durch den Zeugen Ad ol f Lahm wurde festgestellt, daß derselbe zu Anfang Juli, einem Er­suchen deS Schäfer entsprechend, dessen Acker besichtigt, Spuren von Hasen vorgefunden, und fast sämmrliche Gemüse­pflanzen, er zählte 168 Stück, angesnssen sah. Er schätzte den Schaden viel höher, als solcher von Schäser angenommen war. Zeuge Forst wart Lohsink, welcher die Wild­schadensangelegenheit des Jagdpächters NieS regulirt und auch deffen Sohn haben in der zweiten Hälfte des Juli den Acker ebenfalls einer Besichtigung unterzogen, wollen aber nur gute, nicht angefressene Gemüsepflanzen, etwa 90 Stück, ge­sehen haben. Einige Lücken waren auf dem Acker vorhanden, Spuren von Hasen nahmen sie nicht wahr. Rentamtmann Schäfer erklärte diesen Widerspruch mit den bestimmten Aus­sage» des Adolf Lahm und der Frau Sargk dahin, daß der Acker inzwischen durch Frau Sargk von den abgefressenen Pflanzen gereinigt worden sei. Der Sachverständige Ober­förster Hallwachs-Nidda erklärte, daß die Besichtigung seitens der Commission Mitte August stattgefunden habe. In Folge des nassen Wetters waren Losungen von Hasen nicht zu bemerken. Gemüsepflanzen waren auf dem Grund­stück nicht vorhanden, sondern nur Dickwurzpflanzen. Hasen gingen zuerst an die jungen Gemüsepflanzen, während sie Dickwurzpflsnzen erst dann anfressen würden, wenn dieselben sich mehr entwickelt hätten. Nachdem die Vertreter der Parteien ihre Anträge gestellt, und dieselben in längeren Ausführungen begründet hatten, wurde von dem Provinzial­auSschuß der RecurS deS JagdpächterS Nies als unbegründet zurückgewiesen, unter Verurtheilung deS Recurrenten in die Kosten auch dieser Instanz und zur Zahlung eines Aversional- betragS von 30 Mk. in die Provinzialkasse.

* Von der Universität. DaS VorlesungS-Verzeichniß für daS Sommer-Semester 1895 ist erschienen und zum Preise von 10 Pfg. in sämmtlichen Buchhandlungen und bei Herrn C. v. Münch ow zu haben.

* W. Sitzung de8 Landwirthschaftlichen LoralvereinS Gießen. Am Freitag Nachmittag hielt der Landwirthschast- liche Localverein unter Vorsitz des Gutsbesitzers Schl en ke in Lovys Bierkeller eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung bemerkte der Vorsitzende, daß ihm Offerten in neuen Grünfutterarten zu­gegangen seien, nämlich eine Waldplatterbse, welche in Pflänz­lingen daS Mille zu 9 Mk. zu beziehen ist und sich sehr gut zur Ausnutzung und zum Anbau auf leichten Boden eigne, auch sei für nassen und sumpfigen Boden Salachin-Knöierich angeboten, derselbe soll für diese Bodenart leicht anbaufähig fein. Ferner bemerkte der Vorsitzende, daß ihm einige Nummern der ZeitungDer Soctaldemokrat" übersandt feien, in welchem ein Artikel von Dr. David enthalten fei. Man ersehe aus diesem Artikel, wie es gemacht werden solle, um die Männer deS kleinen Bauernstandes für die Social­demokratie einzufangen. Davids Artikel feien schon um des­willen lehrreich, um danach die Abwehr gegen diese Agitation einrichten zu können. Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten und zunächst beschlossen, durch den Localverein in Norddeutschland gezogene Kartoffeln, Frührosen, für die VereinSmitglieder zu beziehen. Von gemeinsamer Bestellung von Saat-Hafer wird wegen ungenügender Betheiligung ab­gesehen. Bevor der Vorsitzende dem Referenten zum zweiten Punkt der Tagesordnung, Versicherung gegen die gesetzliche Haftpflicht, daS Wort ertheilt, bemerkt der­selbe, daß in der letzten Sitzung ein Vertreter der Gesell­schaftWilhelma"-Magdeburg die Prämiensätze und Beding­ungen dieser Versicherungsgesellschaft den damals Anwesenden auSeinan)ergesetzt habe. Zwar berechne dieWilhelms" die Prämien für die Uebernahme des RisicoS gegen Haftpflicht- schaden nur nach der Größe deS Areals der Versicherungs­nehmer, ohne an und für sich einen Zuschlag für Pferde in Ansatz zu bringen, jedoch weife dieWilhelma" in ihren Be­dingungen eS ausdrücklich von der Hand, Ersatz für Haft- pflichtfälle zu leisten, welche durch Pferde außerhalb des landwirthschaftlichen Betriebes entstehen, wenn der Versiche­rungsnehmer nicht hierfür eine besondere Bonification pro Gespann Pserde, die im Nebengewerbe oder gegen Lohn be­nutzt werden sollen, zahlt. Dieser Vorbehalt könne leicht die Klippe werden, auS der fich eventuell Differenzen her­leiten lassen. Hierauf nimmt Generalagent Schneider- Mainz daS Wort, um darauf hinzuweisen, daß er schon im vergangenen Jahre über die Nolhwendigkeit der Versicherung gegen Haftpflichtschäden auch im landwirthschaftlichen Betriebe im Localverein einen Vortrag gehalten habe und dessen Mit­glieder die Nothwendigkeit, solche Versicherung abzuschließen, wohl einsehen. Die von ihm vertretene GeielljchaftAlliances- Berlin Übernehme diese Affecuranz gegen jeden Haftpflicht­

schaden in und außerhalb de» Betriebes deS Unternehmers, soweit der Versicherte dafür haftbar zu machen ist. Ob der Unfall im landwirthschaftlichen Betriebe oder etwa in einem Nebenerwerb bei ArbeilSauSführungen gegen Lohn paffirt, bleibt sich gleich. Redner sühn die» an einig n Beispielen näher auS. Nach einer sehr lebhaften Debatte und nachdem Schneider vom Oberverwalter Erb-Ltch interpellirt wurde, stellte der Vorsitzende durch Umfrage fest, daß von den Anwefenden eventuell 1000Hcctar versichert werden würden. ES wurde eine Commission von fünf Mitgliedern gewählt, welche die Bedingungen, Prämiensätze, Garantien rc. der ver- verschiedenen in Frage stehenden Gesellschaften prüfen soll und welche eventuell berechtigt fein soll, dabei einen Juristen zu Rathe zu ziehen. Nunmehr referirt Gutsverwalter Schuch Hardt-Neuhof über die Frageob der Zucker­rübenbau bei den heutigen Preisen der Ruben und de» Zucker» noch rentabel zu gestalten ist" und bejahte derselbe diese Frage voll und ganz. Die Preise für Oetreibe und Futter feien augenblicklich 33*/,pCt. gesunken, die Preise für Zucker seien aber nur 25pCt. heruntergegangen. ES fei Aussicht vorhanden, daß in diesem Jahre im Allgemeine» weniger Rüben gebaut würden al» seither, auch würde die Fabrikation eingeichrankt werden, sodaß mit der Zeit der Preis des Zucker» und der Zuckerrübe wieder in die Höhe gehen wird. ES empfiehlt sich durchaus nicht, ben ßörnerba» im Lanbe zu forciren ober Kartoffeln statt Rüben zu bauen. Oberverwalter Erd - Lich^ theilt ganz die Meinung de» Referenten, schon in Rücksicht auf daS benöthigte Biehfutter sollten Rüden gebaut werden, nur achte man darauf, aus­schließlich gute Rübensorten anzubauen, bann sei deren Eultur auch einträglich und lohnend. Der Vorsitzende stimmt dem zu und theilt seine Erfahrungen und Beobachtungen, die er bei der Rübencultur gemacht hat, den Verfammelten mit. Auch Oeconom Sitz theilt manches Interessante hierüber mit. Er wünscht, daß die Fabriken die Rüden einfach pro Gentner für einen bestimmten festen Preis übernehmen und nicht noch der Zuckergehalt zur Werthberechnung herangezogen werde. Oberverwalter Erb-Ltch tritt dieser Ansicht ent­schieden entgegen, denn sonst brauche man ja nur Kohlrübe» zu bauen, wenn eS nicht gerade bei der Werthschätzung der Rübe auf die Procente deS Zuckergehaltes ankomme. Auch Professor Dr. Thaer nimmt zu dieser Frage da» Wort und setzt auseinander, wie eS nicht immer die starke Zuckerproeente haltenden Rüden find, die bei der Fabrikation den größte» Werth Haden, es kommt darauf an, daß die Rüde auch möglichst wenig sogenannten Nichtzucker enthalte. In Belgien habe man die» längst erkannt und habe dort auch dement­sprechend einen dahingehenden BewerthungSmoduS für Rüben Seiten» der Zuckerfabriken eingeführt. Der Referent Schuch Hardt bemerkt noch, um nicht mißverstanden zn fein, daß er den Rübenbau hauptsächlich um beßwille» empfehle, um dadurch ben Acker zu demjenigen Culturzustand zu bringen, um^nachher Körnerbau darauf treiben zu könne». Damit ist die Tagesordnung erschöpft.

* Concerl Buff-Gießen am Sonntag den 17. Feb­ruar 1895. DemWiesbadener Tageblatt" entnehme» wir nachstehende Kritik, die jedenfalls unseren Musik­freunden von Interesse fein wird:Der Großherzoglich Sächsische Kammersänger Herr Buff Gießen, feit Kurze« Mitglied unserer Hofbühne, veranstaltete am Samstag unter Mitwirkung des Hof-CaPellmeisterS Eduard Lassen au» Weimar einen Lieder-Abend, der ihm allgemeinen und ehren­vollen Beifall eintrug. Nicht weniger alS zwanzig Lieder von Herrn Lassen mit bewundernSwerther Frische und Regsamkeit begleitet brachte der Goncertgeber zu Gehör. Herr Buff-Gießen ist schon von feinen Bühnenleistungen her als ein stimmbegabter und kunstgebildeter Sänger wohl be­kannt, der besonders durch fein individualisirenden Vortrag daS Interesse an feinen Darbietungen wirkfam zu steigern weiß: ein Vorzug, der im Gonc:rtfaal naturgemäß in er­höhtem Maße zur Geltung kam. Die zuerst gesungenen Lieder von Schumann und Sommer ließen zwar noch etwa» kühl- erst mit dem sehr ergreifend vorgetragenen Schubert- fchenNachistück" gewann der Sänger die rechte Fühlung mit seinen Zuhörern, die er nun mehr und mehr für sich z» erwärmen wußte. Die Lieder von LiSzt und Jensen waren voll der wirkungsreichsten Nüancirungen im Vortrag - ebenso zwei Lieder deS hier lebenden Tonküustler» Alb. Fuchs, btt von nobler Erfindung, wenn auch nicht ganz ungesuchter Empfindung zeugen und großen Beifall fanden. Die mehr im älteren Stil gehaltenen Lieder von Eduard Lassen brachte Herr Buff Gießen mit sichtlicher Begeisterung zur Wieder- gäbe, gewiß aufs Freudigste angeregt durch die Gegenwart des berühmten Componisten. Dieser würdige und allbeliehte Tonmeister, der durch seine melodiösen Lhebergaben die Herzen von so viel Tausenden und Abertausenden gewonnen hat, war auch bei dieser Gelegenbeit Gegenstand besonderer Hul­digungen Seiten» der froh bewegten Zuhörermenge. E» sei noch erwähnt, daß Herr Buff-Gießen auch die Bedeutung der verschiedenen Liedertexie überall tief erkannt und voll in sich aufgenommen hatte, ohne durch absichtliche Künsteleien die Wärme und Natürlichkeit feine» Vortrag« zu stören.-

Wohlthätigkeil» Aufführung am 28. Februar in Stein» Saal. E» liegt im Zuge der Zett, daß die Frau bestrebt ist, es dem Manne gleich zu thun. Wollten wir hier ein Capitel über die Frauenbewegung schreiben, dürfte e» nicht uninteressant sein, dieser Frage näher zu treten- wir wolle» unß aber nur der Wohlthätigkeit dienstbar machen und in tiefem Falle gestehen wir ohne weitere Beweisführung da» Uebergewicht der Frau zu. Unter Wohlthun versteht man nun nicht allein, einen armen Menschen vor Hunger z» schützen und ihm da» Noihwendigste zu schaffen, fast edler ist da» Wohlthun, wenn man einem Schwächeren gleichzeitig lehrt, seine geringe Kraft nicht zu unterschätzen, selbst daz» beizutragen, durch weise Sparsamkeit, durch Achtung de» geringsten Werthe» sein sociale» Loo» zu verbeffern. Eine Vereinigung, die sich diesem Liebeswerke gewidmet hat, nennt fichNähabende für Unbemittelte." Geleitet wird