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1893
Mittwoch den 13. Februar
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vierteljähriger
Zl>nts- und Zlnzeigsblatt für den Ureis Gieße»
Amtlicher Theil
Unnahmc von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.
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Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Ausland«» nehmni Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Bekanntmachung.
66 wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf« schlags von Fünf vom Hundert pro Monat Januar 1895 für den LieserungSverband Gießen pro 100 Kg betragen: Hafer Mk. 13,40, Heu Mk. 5,78, Stroh Mk. 4,46.
Gießen, den 11. Februar 1895.
GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Läufe und Verschlüsse der Handfeuerwaffen.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß der Interessenten, daß die Reichsdruckerei in Berlin eme Darstellung derjenigen ausländischen PrüfungSzetchm für Handfeuerwaffen veranstaltet hat, welche vom Bundesrath als den inländischen gleichwerthig anerkannt worden sind. Die Herstellung der bezüglichen Tafeln wird in nächster Zett beendet und die Direction der Reichsdruckerei alsdann in der Lage sein, Bestellungen auf diese Tafeln auszuführen. Der Preis stellt sich auf 50 Pfennig für das Exemplar etnschl. der Verpackungskosten. Porto oder sonstige Beförderungskosten fallen den Bestellern zur Last.
Gießen, den 11. Februar 1895.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Der Hteßever -«Zeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener P.mikienvrLIter werden dem Anzeiger wächentlich dreimal beigelegt.
Abg. ». M-nteujs-l (conf.) th-UI mit, d°tz H-" Pl°ch in ber letzten Woche In ber W-Ichtoiiette einen »rief d-s Herrn °°n Woeben-Arnst.in liegen Ht6, welcher turj baraui In ber foclallftlfdten Leipziger „Volkkztg." abg^druckt wurde. Redner balt einen Dieb, stahl für vorliegend und bittet den Abgeordneten Dr. Schönlank um StuftEunft. @(j)5nIanf (Soc.) erklärt, daß der Redaction während seiner Abwesenheit eine Abschrift dieses Briefes anonym zuging; weder der R-dactton noch ihm sei der Schreiber bekannt.
Nach weiteren Wünschen der Abgg. M-yer-Halle (Fr- Vp.) und Werner (Antis.) betr. Abhilfe von Uebelständen, wird da» Capitel bewilligt. Berathung der Resolution Ancker u. Gen.
Abg. Richter (Vp.) befürwortet die Annahme unter anderem auch, well hierdurch der wiederholten Beschlußunsähigkeit vorgebeugt
Holleuser (cons) erklärt sich ebenfalls für Gewährung
In gleichem Sinne sprechen sich die Abgg. Kroeber (südd. Vp.), Lieber (Eentr.) und Förster (Antis.) aus. m
Nachdem Graf Limburg - Stirum (cons.) seine Bedenken geäußert hat, erfolgt die Annahme der Resolution Ancker gegen die Stimmen der beiden confervatioen Parteien und eines Thetles der Nationalliberalen. Die übrigen Titel werden bewilligt. Es folgt der Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei. _ H Abg. Siegle (ntl.) verlangt von der Regierung Auskunft über die Grundeigenthums - Verhältnisse der deutschen Kolonisten tn ^Äaatssecretär v. Marschall schildert die türkischen^Grund- eigenthums- Verhältnisse und erklärt, daß die Regierung alles thun werde, um den deutschen Eolonisten zu ihrem Rechte zu ""helfen.
Abg. Molkenbuhr (Soc.) will wissen, rote es mit den Arbeiten der Commission für die Ärbeiterstatistik stehe
Staatssecretär v. Bötticher antwortet, daß die Commisston nicht unthäiig war, inzw'schen vielmehr die Arbeiten fordert habe und daß der Gesetzentwurf sich gegenwärtig in der Ausarbeitung bt^n^libfl. Richter (frs. Vp.) macht einige Bemerkungen über die garantirte Gegenzeichnung des Reichskanzlers bei kaiserlichen Erlassen und kommt auf die Erlasse von 1890 (Arbeiterschutz) und den Fall ^^°Fürst^Ho^enlohe erklärt', zur Zeit noch nicht Reichskanzler gewesen zu sein und bemerkt zu dem Fall Natzmer, daß eine Anstellung nicht erfolgt sei. Da sich der Abg. Richter mit die er Aus- tunft nicht einverstanden erklärt, entsteht zwischen ihm und dem Staatssecretär v. Bötticher eine längere Auseinandersrtzung, in deren Verfolg Richter das Fehlen der Gegenzeichnung als einen Verfastungs- btUd) an £t?erfeiben Debatte betheiligien sich noch Stumm und ° ^AbmÄafs'el (ntl.) bringt einen Vorfall in San-Salvador zur Sprache, bei welchem ein Deutscher nicht genügenden Schutz flCfUn6to?t°8bfC/cret6r v. Marschall erklärt, die b-tr. Persönlichkeit habe sich politische Umtriebe zu Schulden kommen lassen.
Nach weiterer unwesentticher Debatte wird der Rest des Capitels „Reichskanzlei" genehmigt und die Weiterberathung auf morgen 1 Uhr ""^Außerdem: Etat der Post- und Telegraphenverwaltung.
Meßmer Anzeiger chmeral-Anzeiger.
Deutscher Reichstag.
34. Sitzung. Montag, den 11. Februar 1895.
In dritter Berathung wird zunächst der Gesetzentwurf betr. die Gebühren bei den Konsulaten des Reiches unverändert angenommen. Zweite Berathung des Etats. Dieselbe beginnt mit dem Aal des Rerchtztages. Hierzu liegt eine Resolution Ancker u. G en. (Fr. Vp.) vor, wonach die Abgeordneten künftig Diäten und Reisekosten erhalten sollen. , m
Referent Abg. v. Burl (Gentr.) erstattet einen kurzen Bericht.
Abg. Richter (Fr. Vp.) hält die Bezeichnung »Reichstagsgebäude" für allein nchtig, schon deswegen, um falsche Eindrücke zu vermeiden. Redner glaubt, daß die weitere Ausschmückung des Hauses unter die Competmz des Reichstags fällt, rügt die mangelhaften Verhältnisse auf der Journalistentribüne und wünscht hier Lbhülfe.
Staatssecretär v. Bötticher will die Ausstattungsfragen von der Reichstagsbau-Commission erledigt wissen und hält nach Ablauf diefer Session eine Untersuchung auf vorhandene Mängel für noihig.
Abg. Rickert (Fr. Vp.) ist der Meinung, daß Anordnungen über Neuerungen der Präsident zu heften hat. Den Journalisten gibt Redner den Rath, sich mit ihren Wünschen vertrauensvoll an den Präsidenten zu wenden.
Abg. Singer (Soz.) wünscht ausreichende Räume für die Portiers des HauseS, Anstellung von mehr Beamten mit höheren Gehältern sowie die Honorirung der Kellner in den Restaurationsräumen.
Abg. Pachnicke (Fr. Vp.) verlangt ein ©eneralregifter Iber He Verhandlungen der Baucommisston.
Berlin, 11. Februar. Der „Nat.-Ztg." zufolge bestimmte der Kaiser für die an dem im Bau besindlichen Göttinger Bismarck-Thurm anzubringende Gedächtnißtaf el die Worte: „Dem großen Kanzler, Kaiser Wilhelm II. 1895."
Berlin, 11. Februar. Die halbamtliche „Berl. Corr, schreibt: DaS „Leipziger Tageblatt" vom 9. d. M. enthalt die Nachricht, Frhr. v. Berlepsch sei mit dem Vorschläge, den Berufsvereinen Corporationsrechte zu ver- leihen, durchgedrungen, und eine diesbezügliche Gesetzesvorlage werde in der Staatsministerialfitzung am SamStag erörtert werden. Die Nachricht ist unrichtig- eine Gesetzesvorlage der vorbezeichneten Art ist weder im Princip noch überhaupt verhandelt worden.
Müucheo, 11. Februar. Nach den „N. N." bringt der Sommerfahrplan unter Anderem Zugsvermehrungen, um die internationale Schnellzugsverbindung durch den Ostende-Wiener Expreßzug durch Anschlüsse auf den bayerischen Haltestationen für den internen Verkehr nutzbar zu machen. — Die „Fliegenden Blätter" sind in der Türkei wieder ^gelStettin, 11. Februar. ES ist gelungen, durch Eis« brech er die Fahrt zwischen Stettin und Swiuemünde offen zu halten. Die Eisbrecher sind auch angewiesen, Schiffe ans Verlangen nach und auS See zu bringen.
Lübeck, 11. Februar. Der seit acht Tagen überfällige Dampfer „Sr raß bürg", Capitän Hintze, ist »ach Il/.wöchiger Reise heute Nachmittag 3 Uhr auf der Rhede von Reval angekommen. In der Ostsee ist viel Eis, vor Travemünde sestes Eis mit einer Fahrrinne. Im Trave- revier steht daS Eis sest.
Messina, 11. Februar. In der vergangenen Nacht wurde ein heftiger Erdstoß verspürt, welcher vier Secunden dauerte. t r
Amsterdam, 11. Februar. Den Schleppdampfern rst er gelungen, die Durchfahrt bei Anstcuwee für den Augenblick frei zu machen. Die meisten der vom Eise eingeschloffea gewesenen Dampfer haben absegeln oder in den hiesigen Hafen einlausen können.
London, 11. Februar. Der Poftdampfer von Ostende, der um Va3 Uhr in Dover fällig war, ist zur Stunde noch nicht angelangt.
Halifax, 11. Februar. Der amerikanische Schuner „Friend" ist in der Nähe deS Hafens von Liverpool durch Schneesturm auf den Strand getrieben worden. Die gesammte, aus 16 Personen bestehende Mannschaft ist ertrunken.
Harwich, 11. Februar. Heute sand die Besichtigung der Leiche eines von der Smack „Lady Montefiore" nordöstlich des GalloPer-SandeS aufgefundenen Mannes statt, welcher mit einem „Elbe" gezeichneten Rettungsgürtel versehen war. Man glaubt, daß es die Leiche des Schiffsarztes ist, da alle Kleider mit H. G. gezeichnet sind.
Greenock, 11. Februar. Der überfällige Dampfer „Grecian" ist aus Newyork eingetroffen. Derselbe hatte eine sehr stürmische Uebersahrt und verlor während derselben 19 Pferde und 46 Schafe.
WB. Newyork, 12. Februar. Der französische Dampfer „Gascogne" ist wohlbehalten bei Fire Island, in der Nähe von Newyork, eingetroffen- er figualifirte: Steuerapparat in Unordnung. _____
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 11. Februar. Zu dem Vortrag, den der Kaiser am letzten Freitag im Saale der Kriegsakademie hielt, wird der „Post" noch mitgetheilt, daß er nicht vor der militärischen Gesellschaft gehalten wurde, sondern vor einem Kreise besonders dazu commandirter Offiziere, unter denen sich die gesammte Generalität, die Stabsosfiziere der hier garnisonirenden Regimenter befanden, auch waren etwa 15 Marineoffiziere zugegen. Der Kaiser begann den Vortrag mit Bezugnahme aus den Krieg in Korea, worüber der Redner ebenfalls außerordentlich gut unterrichtet war. Im Lause deS Vortrags berührte der Monarch auch das kürzlich im Reichstage besprochene Thema: Der Schutz der Deutschen im Auslande, der bei der gegenwärtigen Stärke der Kriegsmarine gar nicht in dem Maße wahrgenommen werden könnte, wie dies im Interesse des Reiches wünschenswerth erscheine. Der Kaiser sagte noch, daß infolge der bedeutenden Vermehrung der deutschen Handelsmarine die Stärke der Kriegsmarine in gar keinem Verhältnisse zu unserer Kauffahrtei« schtffsahrt stehe und auch aus diesem Grunde eine Vermehrung ' sehr wÜnfchenSwerth erscheine.
Berlin, 11. Februar. Im preußischen Landtage wurde heute der Rest des Eisenbahnetats angenommen. Bei
Gratisbeilage: Hießener Kamilienbtätter
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Februar. Die Rede, welche Professor Psslei derer, der Rector der Berliner Universität, kürzlich bei' dem „Wagner-Schmoller"-Commers gehalten hat, ist auch in weiteren Kreisen sehr bemerkt worden. Dies namentlich deshalb, weil Prof. Pfleiderer in seiner Rede eine andere Auffassung von der „Umsturz Vorlage" bekundete, als die gegen letztere gerichtete Erklärung einer Anzahl Gelehrter. Pros. Pfleiderer besürchtet keineswegs eine Beeinträchtigung der Freiheit der Wissenschaft von der geplanten neuen Gesetzgebung, wohl aber von der unwissenschaftliche Behandlung wissenschaftlicher Fragen Seitens der Dilettanten, und diesen Dilettantismus bezeichnete der Berliner Rector als eine ernste Gefahr für die Gesellschaft. Auch die gefeierten Pro- fessoren Wagner und Schmoller hielten bei der erwähnten Gelegenheit bemerkenswerthe Ansprachen, sie galten der Ber- theidigung der Freiheit der Wissenschaft und des sogenannten KathedersocialiSmus.
— Beider Nachwahl im Reichstagswahlkreise Rees-Mörs ist der Eentrumscandidat Fritzen mit 12787 Stimmen gegen 10432 Stimmen, die der frei- conservative Landrath Hantel erhielt, zum Abgeordneten gewählt worden. Hiermit hat das Centrum diesen bei den Wahlen von 1893 verlorenen rheinischen Wahlkreis wieder- gewonnen.
Neueste
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 11. Februar. Die osficiöse „Berliner Corresp." meldet: Die durch die Zeitungen verbreitete Nachricht, daß der Kaiser das Protocoll über die Berathungen der sogenannten Umsturzvorlage, sowie ein Gutachten über die von der Commission beschlossene Erweiterung deS Re- gierungsentwurfes sich habe vorlegen lassen, beruht ans Erfindung.
Bekanntmachung, betreffend Ertheilung der Erlaubniß zum Betrieb einer Ber- sicherungsanstalt im Großherzogthum Hessen.
Durch Verfügung des Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 30. v. M. ist der Direction des Nordischen Lloyd, Allgemeinen Versicherungsgesellschaft m Hamburg, die Concession zum Geschäftsbetrieb im Groß« Herzogtum Hessen für die Unfalloersicherungsbranche auf Widerruf ertheilt worden.
Gießen, den 11. Februar 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Rro. 4 des ReichS-GefetzblattS, ausgegeben den 7. d. MtS. enthält:
(Nro. 2210). Verordnung, betreffend das völlige Inkrafttreten der auf die Sonntagsruhe bezüglichen Bestimmungen der Gewerbeorduungsnovelle vom 1. Juni 1891. Vom 4. Februar 1895‘.
(Nro. 2211). Bekanntmachung, betreffend Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit im Gewerbebetrieb. Vom 5. Februar 1895.
Gießen, am 11. Februar 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.


