Feuilleton.
Der dkstrsste Butterdied.
Humoreske von Robert Börner.
(Nachdruck verboten.)
Der Schäukwirth Krabbelmann in dem irgendwo in Mitteldeutschland gelegenen Dorfe Rübeowalde war ein Schalk durch und durch, der sich wegen seiner Späßchen und Schelmenstreiche in der ganzen Umgegend eines besov« deren Rufes erfreute. Wenn die Gelegenheit nur Halbwegs dies erlaubte, so setzte der joviale Wirth seine „Ulkereien" sofort in Scene und führte sie dann mit unerschütterlicher Eonsequeuz durch, und regelmäßig hatte er hierbei die Lacher auf seiner Seite. Keines seiner schlechtesten Stückchen ist wohl jenes, welches ich dem geneigten Leser in den nachfolgenden Zeilen wiedererzählen will:
In der Dämmerstunde eines bitterkalten Winterabends saß Krabbelmann allein in der geräumigen Gaststube seines Loeals und schaute nach neuen Gästen aus, denn der letzte Besucher, der Landbriefträger PeterS, hatte schon vor einer Stunde das Zimmer wieder verlassen. Da ging die Thüre auf und es trat ein Dorfbewohner ein, der den landesüblichen Gruß brummte und dann einen Schnaps verlangte. Der Wirth erhob sich, zündete ein Licht au und brachte seinem Gaste das verlangte „Nordlicht", worauf er einen Augenblick die Gaststube verließ, um aus dem Schuppen draußen 'm Hose einen Arm voll Holz zum Nachlegen in dem großen Kachelofen zu holen. Wie Krabbelmann eben wieder aus dem schuppen herauStrat, bemerkte er von außen durch die nur halb abgethauten Fensterscheiben des Gastzimmers hindurch, daß der drinnen anwesende Gast sich ein Stück frischer Butter, welches mit noch einer Anzahl anderer Stücken Butter auf einem an der Wand befestigten Brertfimse lag, herunterlangte und es rasch unter seinem großen schäbigen Hute versteckte, den er auf dem struppigen Kopfe trug.
^,AH, warte, Freund Muppke," murmelte der Wirth vor sich hin, indem er in beschleunigtem Tempo nach dem Gastzimmer zurückkehrte, „den Stretch will ich Dir doch einsalzen. Du bist allerdings ein armer Teufel, aber deß- bald brauchtest Du die Butter nicht zu stehlen, Strafe muß also sein. Schade nur, daß gerade jetzt sonst Niemand weiter da ist."
Beim Wiedereintreten in die Stube stieß Krabbelmann mit seinem Gaste fast zusammen, welcher, den Hut merkwürdig fest auf das edle Haupt gestülpt, bestrebt war, rasch den AuSgang zu gewinnen. Zugleich deutete er rückwärts nach dem Tische und sagte:
„Dort liegt das Geld für den Nordhäuser, ich habe keine Zeit mehr, ich muß noch Holz spalten drunten beim Del* müllrr, also adjeS derweilen!"
Mit einer berechneten Schwenkung wollte Muppke um den weit dickeren Wirth herumlaviren, derselbe ergriff jedoch mit der freien Rechten ohne Umstände den Butterdieb bei der Achsel und drängte ihn inS Zimmer zurück, in scherzhaftem Tone erwidernd:
„Der Oelmüller wird wohl noch ein Biertelstündchen mit dem Holzspalten warten, zur Noth kann die kleine Arbeit ja auch einer seiner Leute besorgen. Bleib drum nur noch ein bischen da, wir wollen den neuen Rum probiren, den ich vom Kaufmann auS der Stadt bekommen habe, oder viel* «ehr, wir brauen uns rasch einen Grog davon, der wird bet der Mordskälte draußen recht gut thun."
Der schuldbewußte Muppke fühlte sich gar nicht sehr behaglich, indessen, er war ein Freund von „geistigen Au* regungen", gavz gleich, ob dieselben von einem Kümmel, Nordhäuser oder sonst einem dieser edlen Getränke stammten. Er acceprirre also das freundliche Aoerbieteu deS Schänk- wirtheS, zumal ja so ein Grog durchaus nicht zu verachten war, und wollte sich an seinem alteo Platze niederlassen, was jedoch dem hinterlistigen Krabbelmann nicht in den Plan paßte. Er warf das mltgebrachte Holz vor dem Dseu nieder, ergriff den Liebhaber fremder Butter wiederum und drückte ihn auf einen Stuhl dicht neben dem Dsen hin, worauf der Wirth noch seinen schwersten Tisch vor Muppke htuschob, der nunmehr nicht so rasch aus seiner Stellung den Rückzug nach der Thür hätte antreten können.
Vorläufig dachte aber Muppke mehr an den Grog als an den Rückzug- er frug, wann denn das verheißene Getränk erscheinen werde, was der Wirth, seine liebenswürdigste Miene aussteckeud, mit den Worten beantwortete:
„Gleich soll der Grog fertig sein, ich will nur zuerst noch etwas nachlegen, eine warme Stube kann heute jeder brauchen."
Er schob von den mitgebrachten großen Holzkloben so viele in den Feuerraum des Dfens, als nur hineingehen wollten, und machte sich nun daran, den Grog zu bereiten. Er führte dies wichtige Geschäft aber mit merkwürdiger Bedächtigkeit und Gründlichkeit durch, so daß Muppke, welcher fühlte, daß sich die Butter unter seinem Hute allmältg fester auf daS Haar anklebte, emporspraug und auSrtef.:
„Nee, nee, Krabbelmann, ich dank' Dir sehr für Deinen guten Willen, aber ich muß jetzt wirklich fort, meinen Freigrog kann ich ja auch ein ander Mal bei Dir trinken."
„Ach, alter Junge," entgegnete der Wirth, mit sanfter Gewalt Freund Muppke wieder auf seinen Sitz uiederdrückend, „Du kannst schon noch ein btSchen verziehen, der Oelmüller nimmt DtrS sicher nicht Übel, wenn er hört, daß Du bei dieser Hundekälte erst einen Grog bei mir genehmigt haft. Na, und hier ist er auch, da, nimm dieses Glas."
Krabbelmann schob seinem Gaste einen förmlichen Humpen voll Grog hin, sich selber mit einem weit kleineren Glase begnügend. Muppke nahm einen herzhaften Schluck von dem heißen Gebräu, pustete und schüttelte sich aber im nächsten Momente, daß der Hut beinahe herabgefallen wäre, und brachte dann heraus:
„Donnerwetter, war daö aber heiß, ich glaub fast, ich hab mir den ganzen Gaumen verbrannt, aber gut hatS doch geschmeckt. Doch jetzt laß mich gehen, Krabbelmann, 's ist mir unmöglich, jetzt das ganze große GlaS auSzutrinken, und so lange, bis das Zeug sich ein bischen abgekühlt hat, kann ich wahrhaftig nicht warten."
„I wo," meinte indessen der Wtrrh, seinen Stuhl dicht an denjenigen Muppkes heranzieheud, „das Gläschen wirst Du schon auökriegen, komm nur, komm — prost mein Söhnchen!"
Mit übermütigem Lachen hielt Krabbelmann seinem Gast das Glas entgegen und wohl oder übel mußte der unglückliche Muppke mit anstoßen und von Neuem von dem dampfenden Gebräu schlürfen. Dabei wurde es ihm jedoch mit jedem Augenblick wärmer und wärmer, der brave Kachelofen, neben welchem er saß, strömte eine wahrhaft infernalische Hitze aus und auch der heiße Grog begann seine Wirkungen zu äußern. DaS Stückchen Butter auf dem Haupte Muppkes zerfloß mehr und mehr und jetzt . . .
begann die gelbliche Flüssigkeit schon über Stirn und Antlitz des armen Sünder- heradzutropfen, sodaß Muppke mit de« Sacktuche fortwährend die verrärhertscheu Tropfen abwische» mußte.
Rrabbelmann warf seinem Opfer einen lächelnden 81t# zu, that aber, als ob er die immer ungemüthltcher werdende Situation Muppkes gar nicht bemerke. Vielmehr erhob sich der Wtrth und wandte sich dem Ofen zu, mit der sehr harmlo- klingenden Aeußerung zu feinem Gefährten:
,/Jch denk, wir legen wieder nach, die Fenster wolle« gar nicht abthanen, wenn nicht lüchtig nachgefeuert wird, d» hält bet dieser nichtswürdigen Kälte selbst ein so guter Kachelofen nur kurze Zeit auS.
Er wollte die noch übrigen Holzscheite in den Osc« schieben, Muppke legte indessen gegen dieses Vorhaben ent. schieden Protest ein, denn wiederum sprang er von seine» Sitz auf und lief beinahe erschrocken auS:
„WaS, noch mehr willst Du einheizen, Du bist wohl nicht recht gescheit, der Ofen verbreitet schon jetzt eine Hitze, daß man ersticken möchte! Nee, und jetzt muß ich auch wahrhaftig fort, „S'ist die höchste Zeit, daß ich zu« Oelmüller komme, und dann habe ich auch noch zu Hause zu thun!"
Krabbelmann blickte seinen Gast wieder schalkhaft lächelnd an, um dann mit anscheinendem Erstaunen zu bemerken:
„Freilich, Dir muß doch wohl recht warm geworden sein, Du bist ganz rolh im Gesicht und der Schweiß fließt Dir ordentlich herunter, das wird indessen gleich besser werden, wenn Du nur >iFt Deinen Hut abgenommen haben wirst. Warum hast Du ihn aber auch so lange aufbehalten? Komm, ich will ihn Dir abnehmen —"
„Nee, nee," unterbrach da Muppke seinen Peiniger, den bedrohten Hut mit beiden Händen krampfhaft fest- haltend, „laß mich gch'n, laß mich geh'o, mir wird aonr schlecht, oh!" 1
Ein förmlicher Butterstrom ergoß sich bei den letzt,» Worten MuppkeS über das Antlitz des Butterdiebes, durchweichte seine Kleider und rieselte an seinem Leibe hinab bis in die Stiefel, sodaß der Mann buchstäblich in Butler gebadet war. Mit einem wahren ealto mortale, der einem Kunstreiter alle Ehre gemacht haben würde, schnellte fich jetzt der Miffethäter von seinem Platze hin zur Thüre, stieß sie auf und verschwand lautlos, während ihm Krabbelmann lachend nachrief:
„Na, so geh', wenn Du Dich nun einmal nicht länger halten lassen willst, wenn Du vielleicht nächsten» wieder d.« Bedürfniß nach Freigrog und Butterpomade haben solltest, so komme nur getrost wieder — ha, ha, ha! Auch grüß mir den Oelmüller schönstens!" —
Wir brauchen wohl kaum besonder» zu versichern, daß sich Muppke lange Zeit nicht wieder in der Krabbelmann- scheu Schänkwirthschaft sehen ließ,- wo der arme Teufel aber auch sonst in der Oeffentlichkeit aufkauchen mochte, überall begrüßte ihn der Ruf: „Butter-Muppke!" Denn der Streich KrabbelmannS war doch bald ruchbar geworden und rasch hatte Muppke Seitens de» Rübenwalder VolkSwitzeS dem erwähnten Spottnamen erhalten, den er al» Extrastrafe für sein Vergehen noch lange mit sich Herumschleppen mußte.
* Starker Beweis. A.: „Ihr Sohn ist Musiker? Jll er denn auch musikalisch?" — B.: „O, sehr, der schließt sogar mit dem Violinschlüssel die HauSrhüre ans."
ChrWescheerung
der KleinkinderBewahranstalt.
Am Sonntag, den 22 December d. I. soll die Christ - bescheeruug für die Kinder unserer Anstalt stattfinden.
Wir haben für 215 Kinder den Christbaum zu schmücken und den Tisch mit Gaben zu decken.
Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn u. bergt, besonders aber auch an Geld, das uns die gleichmäßigste Bescheeruug für unsere Kleinen ermöglicht, zuwenden zu wollen.
Eine Lifte zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgegeben. Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen: Frl. Amalie Bansa (Nordanlage 41), Frau vr. Brüel (Neuenbäuen 41), Frau Amtsgerichts- rath Gebhardt (Gartcnstraße 15), Frau Rechnungsrath Kalbfleisch (Luowigstraße 7), Frl. Emilie Langermann (Südanlage 21), Frau Pfarrer Naumann (Südanlage 8), Frau Louise Ottens (Bismarck- firaße 11), Frau Auguste Schwan (Seltersweg 64), Frl. Louise Wort- mann (Asterweg 16). Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen.
Gießen, den 13. November 1895.
Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt. vr. Naumann, Pfarrer.
ßorinthen.
Sultaninen.
Hrangeat.
ßitronat.
Mandeln, süße.
Wandeln, bittere.
Pottasche.
Aanissinzucker. ßeylon-Zimmt. Kasetnülse, ausgekernt. Kaselnüffe, gerieben, ^rima Zuckersyrup. Aackoblaten Backpulver.
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Alumenmehl, feinstes zum Backen, sowie alle übrigen Specerei- und Colonialwaaren in nur bester Qualität. io2<6
geriebene Wandeln mit Aosenwaffer. Aeinste Auder-Aafstnade. Aanisse, prima fett. Aostnen, neue.
Heinrich Arnold I I., Marktstr. 28.
Spar- und Leihkasse Gießen.
Bei der unterzeichneten Kasse werden im Monat December an jedem Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag Zahltage abgehallen.
Die Einleger werden ersucht, an den oben bezeichneten Tagen bei der Kasse zu erscheinen, ihre Bücher vorzulegen und die Zinsen in Empfang zu nehmen, oder beischreiben zu lassen. Zinsen, welche bis zum 1. Januar d. I. nicht erhoben, oder beigeschrieben sind, werden den Einlegern ohne Weiteres in den Büchern der Kasse zugeschrieben, und vom 1. Januar an verzinst. Es brauchen hiernach alle diejenigen Einleger bei der Kasse nicht zu erscheinen, welche nur Zinsen beischreiben lassen wollen, dieses kann vielmehr ganz gelegentlich im Laufe des nächsten Jahres erfolgen.
Gießen, 29. November 1895.
Spar- und Lechkasse Gießen.
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