Ausgabe 
12.12.1895 Erstes Blatt
 
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Reichstage bis zur nächster, Session einen Gesetzentwurf vor­zulegen, durch welchen a. die Errichtung von Gewerbegerichten obligatorisch gemacht, b. die Theilnahme an den Wahlen und die Berufung zu Mitgliedern eines Gewerbegerichts auf weibliche Personen ausgedehnt wird, c. das Wahlrecht und die Wählbarkeit auf das 20. Lebensjahr herabgesetzt wird - 4. der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regie­rungen zu ersuchen, dem Reichstage bis zur nächsten Session klnen Gesetzentwurf vorzulegen, wodurch die Arbeitszeit auf täglich 8 Stunden festgesetzt wird,- 5. der Reich-tag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen um Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu eriuchen, wodurch sämmtliche landesgesetz- ltche Sonderbestimmungen über die RechtSverhältnisie der land- und sorstwirthschaftlichen Arbeiter und deren Verhältntß zu ihren Arbeitgebern, bezw. Dienstherrschaften, aufgehoben werden und an deren Stelle die Bestimmungen der Reichs- g werbe-Ordnung treten- 6. Aufhebung des Dictatur-Para« graphen in Elsaß Lothringen- 7. Aufhebung des PreßgesetzeS in Elsaß-Lothringen- 8. Einführung der Gewerbe Ordnung für Elsaß Lothringen- 9. einen Gesetzentwurf, betreffend die Volksvertretung in den Bundesstaaten und Elsaß Lothringen- 10. einen Gesetzentwurf, betreffend Abänderung des Art. 31 dec deutschen ReichSverfaffung, dahin lautend: Auf Verlangen dcS Reichstage- muß jedes Strafverfahren gegen ein Mit- glted desselben und jede Untersuchung--, Straf- oder Civil- hoft für die Dauer der Sitzungsperiode aufgehoben werden- 11. der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regie­rungen zu ersuchen, dem Reichstage den Entwurf eines Reichs- Berggesetzes vorzulegen.

Berlin, 10. December. DieNordd. Allgem. Ztg." betont gegenüber der Blättermeldung, daß der Kaiserliche Hof am 8. Januar vom Neuen Palais nach dem Berliner Schlöffe übersiedeln werde, an maßgebender Stelle habe der Termin der Uebersiedelung des Hofes nach hier bisher noch mit keiner Silbe Erwähnung gefunden.

Berlin, 10. December. DerRetchSanzetger" veröffent­licht eine Reihe von Ordensverleihungen an russische Marineoffiziere.

Berlin, 10. December. DiePolit. Eorresp." meldet auS Konstantinopel: Der Großvezier hoffe den Sultan zur Bewilligung der zweiten StationSschiffe zu bewegen. Derselbe erklärt, daß dadurch die Ruhe und Ordnung nicht gestört würde.

Berlin, 10. December. Wie aus Dresden gemeldet w:rd, ist der König von Sachsen verhindert, der am FlUtag im Grünewald stattfindenden Hofjagd betzuwohnen und wird daher nicht, wie früher gemeldet wurde, am Donnerstag hier eintreffen.

Berlin, 10. December. Dem Reichstage ist die Ueber­ficht über die Ergebnisse dvs HeereS-ErgänzungS- g e i ch ä f t S zugegangen.

Berlin, 10. December. Wie wir erfahren, stellte sich der neu ernannte Minister des Innern, Freiherr v. d. Recke, noch gestern Abend seinem AmtSvorgänger vor und übernahm heute Vormittag bereits die Geschäfte des Ministeriums des Innern.

Berlin, 10. December. Der StaatSminister a. D. v. Köller wird In einigen Tagen die Dienstwohnung im Ministerium des Innern räumen und sich zu dauerndem Aufenthalt nach seinem bet Kammtn in Pommern belegenen Gare begeben.

Frankfurt a. M., 10. December. Bet der heutigen Wahl zur Handelskammer wurden die Herren Philipp Bd Bonn, Albert Götz Rigand, Eommerzienrath Haurand wiedergewählt, die Herren Friedrich Jacob Horkheimer und Bankdirector Friedrich Thorwart neugewählt.

Rom, 10. December. Zur Fortsetzung der Opera­tionen in Afrika wird CriSpi eine größere Summe in der Kammer verlangen.

Warschau, 10. December. Die Revision des PassagtergepäckS findet im Jntereffe der Erleichterung des Reisens nicht mehr an der Grenzstation, sondern in Warschau statt.

Belgrad, 10. December. DaS Amtsblatt von Eettinje dementirt die Meldung von einem blutigen Zusammen­stoß zwischen Mohamcdanerv und Christen in Lcutart und einer revolutionären Bewegung unter den Mcrlditen, da an der montenegrinischen Grenze vollständige Ruhe herrsche.

CocaU» unfr ^provinzielles.

Gießen, 11 December 1895.

* Personalbestand der Großh. LudwigS-Univerfitat. Nach dem soeben erschienenen Berzeichniß nehmen an den im Wintersemester 1895/96 an hiesiger Universität zu haltenden Vorlesungen Theil 576 Hörer (einschließlich 18 nicht imma- triculirte), gegen 598 im Sommersemester. ES widmen sich: der Theologie 61, der Rechtswissenschaft 166, der Medicln 114, der Thierheilkunde 27, der Zahnheilkunde 1, der Phi­losophie 7, der Mathematik 14, den Naturwissenschaften 11, der Chemie 36, der Pharmacle 12, der Cameralwlffenschaft 32, der Forstwisienschaft 15, der Geschichte 8, der klassischen Philologie 23, der neuen Philologie 32. Unter den Stu- dterenden sind 422 Hessen, 95 Preußen, 7 Bayern, 6 Württem­berger, 5 Sachsen, je 3 Badenser, Sachsen Weimaraner, Elsaß - Lothringer, Oesterrelcher, je 2 Russen, Niederländer, Nordamerikaner, je 1 Oldenburger, Coburger, Meininger, Braunschweiger, Hamburger. 434 Studirende besitzen daS Reifezeugniß eines Gymnasiums, 78 das eines Realgymna­siums, 46 das Reifezeugniß für daS betreffende Fach.

Bon der Universität. Herr Profeffor Dr. Paul JvrS hat einen Ruf an die Universität ® re 6 lau an­genommen.

Profeffor Dr. Weiffenbach f. Gestern Nachmittag /<5 Uhr verstarb hierselbst der Gymnafialtehrer Profeffor vr. Ferd. Weissen da ch. Der Verstorbene war Ehren­mitglied und Verbandsvorsitzender des A. H. v. der Gießener

BurschenschaftAlemannia" und entstammt einer alten hessi­schen Gelehrtenfamilie.

* Postpersonalnnchrichten. Versetzt find: der Ober Poft- directionSsecretar Schmidt von Darmstadt nach Köln (Rhein) behufs Uebernahme einer Postkassirerftelle bei dem Postamte 2 daselbst und der Postsecretär Gruhn von Crefeld nach Darmstadt behufs Uebernahme einer Büreaubeamtenstelle erster Klaffe bei der Kaiserlich-n Ober-Poftdirection Darmstadt. Zum Telegraphen-Secretär ernannt ist der Ober-Tele­graphenassistent Wittenbecher in Darmstadt. Angestellt find: al- Postseccetäre die Postpractikanten Sckeich aus Heidelberg in Worms und Seelig aus Hamm (Westsalen) tn Mainz - als Postassistenten die Postasststenten Erbe in Mainz und Kabey in Darmstadt. Gestorben ist der Postrath Winkelmann in Darmstadt.

* * Strafkammerfitzung. Gestern verhandelte die Straf­kammer in zwei Fällen wegen Majestätsbeleidigung. Ein Mann aas Herbstein hatte den Kaiser beleidigt und wurde zur niedrigst zulässigen Strafe von zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. Eine Frau auS Gießen wurde für schuldig befunden, ihren Lande-Herrn, den Großherzog, be­leidigt zu haben. Der Gerichtshof belegte dieselbe mit einer Strafe von drei Monaten Gefängniß.

* Generolversawwlnng der Spar- und Leihkaffe Gießen. Gestern Nachmittag fand in dem Saale der höheren Mädchen­schule (Schillerftraße) die diesjährige ordentliche General­versammlung der Spar- und Lethkaffe Gießen statt. Die Vorlage der vorgeprüften Rechnung für 1894, welche in Einnahme 1,757,559.50 Mk. und in Ausgabe 1,694,281.91 Mk. bet einem Reingewinn von 27,958 Mk. und 97 Psg. ergab, wurde gutgeheißen. Ebenso fand die Versammlung bei der Erstattung des Rechenschaftsberichts, der ein sehr günstiges Bild ergab, sowie bei der Mittheilung über das Ecgebniß der stattgehabten Kaffenrevision nichts zu erinnern. An Unterstützungen wurden bewilligt a) für Krankenanstalten Krankenpflege rc.: Allgemeiner Verein für Armen- und Krankenpflege 1200 Mk., Verein für Krankenpflege 300 Mk., Elisabethenstifl in Darmstadt 200 Mk., Anstalt in Bethel bei Bielefeld (Pastor von Bodelfchwingh) 200 Mk., Unter- stützungskaffe für bedürftige Pfleglinge der Irrenanstalt zu Heppenheim und des Hospitals Hofheim 250 Mk., Kinder- hofpital in Bad Nauheim 400 Mk., Unterstützung fcrophu- löfer Kinder im Sparkaffebezirk zum Gebrauch einer Badekur 600 Mk., der DecanatSkrankenpflege (Decanatskaffe Gießen) 600 Mk., kranke und blinde Luise Zinßer hierselbst 70 Mk., deSgl. Katharina Deibel in Trohe, Charlotte Dehaie und Christine Reuter, beide hierselbst, je 50 Mk. b) Für Kleinkinder­schulen: Gießen 1100 Mk, Burkhardsfelden und Großen Linden je 300 Mk., Langgöns, Leihgestern und Kindergärt­nerin Klara Rothe hierselbst je 200 Mk. c. Für RettungS- Häuser rc.: RrttungshauS in Arnsburg 100 Mk., Erzieh ungS- und Besserungsanstalt Gräsenhausen 100 Mk, Arbeiter- colonie Neu-Ulrichstein 200 Mk., RauheS HauS in Horn bei Hamburg 100 Mk./ Herberge zur Heimath hierselbst 400 Mk., Verein gegen Bettelei, Thierschutzverein je 100 Mk., Feier­abend sür Lehrlinge hierselbst 200 Mk. d. Lehranstalten rc.: Handwerkerschule hierselbst 1000 Mk., Aliceverein für Frauen bildung hierselbst 400 Mk., Gabelsberger Stenographen­verein hierselbst 50 Mk., Landwirthschaftlicher Bezirksverein hierselbst 700 Mk., Leseverein in Großen -Buieck 20 Mk., Industrieschulen deS Sparkaffebezirks 750 Mk., Kochschule hierselbst 100 Mk., Kaufmännischer Verein (LehrlingSheim) 600 Mk. (gegen 400 des Vorjahres), Volks- und Jugend- b'bliotheken a. in Burkhardsfelden, b. Allendorf (Lahn), c. Reiskirchen, d. Großen Linden, e Klem-Linden je 50 Mk., bei c. d. und e. jedoch nur insoweit die betreffenden Ge­meinden den gleichen Betrag für diesen Zweck hergeben, e. Sonstige Vereine: Ludwig- und Alicestistung tn Darmstadt, Mathildenstiftung für Oberhtffen und Luther- ftiftung hierselbst je 200 Mk, Kaiser Wilhelm-Stiftung in Darmstadt und Jnvalidenverein daselbst je 100 Mk., Bienen­züchterverein hierselbst 25 Mk., zur Prämiirung von Dienst­boten 1200 Wit. Im Ganzen wurden für diese Unter­stützungen 13,465 Mk. bewilligt. DaS Gesuch der Bureau- Gehilfen um Anstellung mit Pensionsberechtigung wird pro­visorisch genehmigt. Auf Antrag deS Herrn Provinzialdirectors Frhrn. v. Gagern und deS Herrn Oberbürgermeisters Gnauth sprach die Versammlung dem Director Herrn Grüneberg für feine treue Pflichterfüllung, ebenso Herrn Director Wiener für feine Bereitwilligkeit, den Dtrector- posten bis zur Neuwahl zu versehen, den wärmsten Dank auS.

* Synagogenbau. Die israelitische ReligionSgesellschast hat mit Herrn Malermeister Gottfried Nauheimer einen Vertrag abgeschloffen, demzufolge der geplante neue Syna­gogenbau am unteren Ende der noch auszubauenden Lony- straße, in der Nahe der Bleichstraße, im nächsten Jahre zur Ausführung kommt. Für den Bau sollen 30,000 Mark vorgesehen sein.

UebetfoDett wurde vorgestern Nachmittag eine Frau auö Annerod auf der Landstraße zwischen Gießen und Annerod (Strecke zwischen dem Bahnwärterhäuschen und der sogenannten Ochsenwiese). Der Strolch sprang auS dem Walde, faßte die 50jährige Frau am Halse und drohte ihr, fall» sie nicht ruhig wäre, sie zu erstechen. Einem hinzu- gekommenen Manne, welcher nach Gießen wollte, hat die Frau zu verdanken, daß sie lediglich mit dem Schrecken davon gekommen.

* Krauleaverficheruugsweseu in Hessen. Die General­versammlung der fnkn Vereinigung der hessischen Kranken- kaffen hat vor einiger Zeit auf Anregung des Herrn Re- gierungSrath Fey in Darmstadt defchloffen, eine übersichtliche Darstellung der alljährlichen Ergebniffe des Krankenversiche- rungSwefenS im Großherzogthum Hessen, welche mögltchst rasch nach Schluß des Rechnungsjahres erscheinen und ins­besondere alsbald erkennen laffen soll, ob gegen daS Vorjahr ein Fortschritt oder Rückgang der einzelnen Kaffen stattgefunden hat, in die Wege zu leiten. Der Ausschuß der genannten Vereinigung hat nunmehr durch seinen Vorsitzenden, Herrn

Buchdruckereibesitzer Theyer in Mainz, ein ent'p'echende- Gesuch an Großh. Ministerium deS Innern und der Justiz gelangen laffen, in welchem Vorschläge zur Fertigstellung einer derartigen Ueberficht für die einzelnen ttieife und bai ganze Großherzogthum gemacht sind. Man hofft, daß dem Ansuchen Seiten- Großh. Ministeriums Folge gegeben und die Ueberficht bereit- im nächsten Jahre erscheinen wird. Für die gedeihliche Entwickelung unsere- hessischen Kranken- kaffenweiene kann eine solche Darstellung, welche, durch den Vergleich mit den Vorjahren, eingetretene Mängel rasch erkennen läßt, nur von Vortheil sein. Darmst. Tgl. Auz.

Packetporto für Butterfenbnngen. ES gibt sehr viele Familien, welche besonderes Gewicht daraus legen, die Butter immer frisch und paranttrt rein zu erhalten. Sie sehen daher von einem Bezug durch Händler ab und wenden sich an die Producenten selbst. So findet von zahlreichen Molkereien, die sich besonder- für den Butterversandt in Poftpacketen ein­gerichtet haben, ein erheblicher Absatz auf diese Art statt. Mit Rücksicht auf die Höhe de- Porto- ist der Coniument gezwungen, eine größere Menge, mindestens 8 Pfund, zu beziehen, fodaß die Butter, besonder- im Sommer, nicht frisch bleibt. Der Allgemeine Verband der deutschen landwirthschaftlichen Genossenschaften zu Offen­bach a. M. Hal sich daher in einer Petition an den Reichstag gewandt, daß sür den Buttcrversandt per Post in zweiter und weiteren Zonen statt 10 Psund-Packete für 50 Psg. 5 Pfund - Packete für 25 Psg. gestattet werden. Dieser Antrag ist besonder- zu Gunsten der Covsumenten, welche denselben gewiß freudig begrüßen und auch kräftig unterstützen werden.

Ruppertenrod, 10. December. Gestern ereignete sich hier ein bedauerlicher Unfall. Ein junger Mann von Ober-Ohmen, der Sohn deS früheren Bürgermeisters, hatte einem Milchfuhrwerk, das zur Molkerei in Grünberg die Milch liefert, mit zwei Pferden vorgespannt. In dem Augen- blick, als er den Haken einhängen wollte, der die Vorspanne mit dem Gefährt verbinden sollte, zogen die Pferde an und zerrissen ihm drei Finger von einer Hand. Die Nägel der Finger waren buchstäblich abgerissen, die Finger zerquetscht.

Holzheim, 10. December. Die Volkszählung am 2. December ergab für den hiesigen Ort 537 männliche und 535 weibliche Personen.

§ Ans dem Ohmlhal, 10. December. Nachdem daS Sturmwetter der vorigen Woche mit feinen Regengüssen wiederum große Wasfermafsen gebracht, die aber beim liebergang der Regengüsse in einen starken Sckmeesall rasch sich verliefen, ist jetzt abermals durch daS Schmelzcn der Schneemassen Hochwasser emgetrettn. Die Ohm hat da» Thal überschwemmt, in den Mühlgräben drangen sich so starke Waffermaffen, daß ihre Ableitung durch errichtete Wehre geboten erschien. In der betfloffenen Nacht tobte der Sturm wieder in ähnlicher Heftigkeit wie in der vorigen Woche. Von der Gewalt der Stürme zeugen tm Walde entwurzelte starke Tannen und Fichten, umgejagte Obst- bäume in den Gärten, sowie umherliegende abgerissene Aeste derselben. GichlbiÜchige Schornsteine und was sonst nicht nied- und nagelfest war, wurde gleichfalls von der Wucht der Stürme zertrümmert.

VW. Vom westlichen Vogelsberg, 10. December. Die Voraussage imGießener Anzeiger" (Nr. 267, erste» Blatt vom 13. November l. Js.), daß wir einen milden Herbst und D orwinter erhalten würden, hat sich thatsächlich er­füllt. Seit jener Nachricht ist ein Monat verfloffen, und e- ist mit ganz wenigen Ausnahmen stets feucht und regnerisch geblieben. Da das Jahr 1895 sehr genau dem Ja r- gange 1868 auch hinsichtlich des ausgezeichneten Wein-« gleicht, möchten wir auf eine WitterungSregel aufmerksam machen, die sich seitdem fast immer bewährt hat, nämlich: Wenn der Spätherbst biS zum 12. December milde und ohne Frost vorübergeht, wie e» diese- Jahr der Fall zu sein scheint, bann tritt leicht vom 12 December an Kälte ein. G-Ht aber auch die Woche vom 12. December ohne Kälte vorbei, so bringt der 28. December, oder die Zeit von da an erst Schnee und Kälte. Wollen sehen, ob sich die Regel bewähtt. Die Arbeiten in unseren Wäldern gehen sehr floti von statten. Gegenwärtig entwickelt sich ein schwunghafter Handel mit Christ bäumen nach Frankfurt. Hochauf- gelhürmte Leiterwagen sind mit 400 bis 500 Fichtendäum- wen beladen, und fahren das Niddathal hinab durch die Wetterau nach Frankfurt. In Reichelsheim pflegen die Pferde gefüttert und zwei Stunden Rast gemacht zu werden, bann geht es die ganze Nacht hindurch weiter nach der Main- stadt. Die Hinfahrt nimmt mindestens 20 Stunden in An­spruch. Obgleich die Bahn benutzt werden könnte, fahren die Leute doch mit eigenem Fuhrwerk, weil die Chnstbaumchea zu leicht sind und sich zu sehr sperren, so daß keine 200 Ctr. pro Waggon geladen werden können, aber bezahlt werden müßten. In Frankfurt sind Christbaumhändler, welche tau­send und aber tausend Stück Bäumchen beziehen. Die Vogelsberger Bauern verdienen in der stillen Winterzeit einen annehmbaren Groschen Gelb mit diesem Haudel- mancher besitzt etwa- Wald, welcher mit jungen Fichten be­stockt ist und dadurch eine gute Rente liefert. E- ist nicht- seltene-, daß 5 bi- 6 hochaufgethürmte Wagen mit Christ- bäumdjen hinter einander drein fahren, und einen harzigen, kräftigen Geruch von Weitem schon verbreiten, sodaß man selbst in der Dunkelheit zu beurteilen vermag: e- müssen Christbaumwagen herankommen, wie e- Schreiber dieser Zeilen gestern Abend wieder gesunden hat.

Darmstadt, 10. December. Nach der vorliegenden Zu­sammenstellung deS Resultat- der Volkszählung am 2. December 1895 beträgt die Einwohnerzahl der hiesigen Stadt 31,767 männliche, 32,171 weibliche, zusammen 68,938 Per­sonen. Am 1. December 1890 betrug die Einwohnerzahl 27,493 männliche, 29,010 weibliche, zusammen 56,441 Per­sonen. Hiernach ergibt sich innerhalb fünf Jahren ein Zuwach- von 4234 männl, und 3161 weibl., zusammen 7495 Per-