Ausgabe 
12.7.1895
 
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Nr. 161

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Glehener Anzeiger cricheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Dir Gießener AnmilienStälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Freitag den 12. Juli

Gießener Anzeig er

General-Anzeiger.

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Deutsche» Reich.

Berlin, 10. Juli. Die Meldung, daß die Grund­steinlegung zum Denkmal Kaiser Wilhelms I. durch den Kaiser in Gegenwart der deutschen Bundes­fürsten am 18. August erfolgen soll, wird von denBerl. Reuest. Rachr." richtig gestellt. Danach ist der Bundesrath zur Feier eingeladen mit dem Hinzufügen, daß die stimm- führenden Mitglieder die üblichen drei Hammerschläge voll­ziehen sollen. Eine Anwesenheit der Fürsten selbst ist also nach dem Programm bet dieser Feier nicht geplant.

Die stille Jahreszeit in der inneren deutschen Politik ist nun vollständig eingetreten, denn die Minister gehen demnächst auf Urlaub,, der Bundes­rath tritt wahrscheinlich Ende der Woche seine Ferien an. Der Reichstag ist glücklicher Weise schon längst geschloffen, und der Schluß deS preußischen Landtags, welcher von allen deutschen Landtagen allein noch Sitzungen abhielt, ist am Mittwoch Nachmittag 2 Uhr durch königliche Botschaft erfolgt.

Eine für die künftige Parteibildung fCJ?r interessante Auseinandersetzung findet gegen­wärtig zwischen dem Bunde der Landwirthe und der conser- vativen Parteileitung statt. DieDeutsche Tagesztg.", das Organ deS Bundes der Landwirthe, hatte sich in einem langen Artikel über das Bedürfntß einesumfassenden Eartells nationaler Parteien oder Parteibruchstücke auf wirthschaftlicher Basis" ausgesprochen. In derConservat. Corresp." erwiderte nunmehr die conservative Parteileitung Folgendes darauf: Die Conservattven wollen mit Cartell- bildungen irgend welcher Art nichts zu thun haben- der Schwerpunkt unserer Partei liegt in ihrer Selbstständigkeit, und gerade in den heutigen Verhältniffen kann nicht eifer­süchtig genug die Selbstständigkeit einer politischen Partei bewacht und bewahrt werden. Zudem können wir die Roth- wendigkeit eines wirthschastlichen Eartells nicht einsehen, und wiederholt haben wir erklärt, Gegner von wirthschastlichen Parteibildungen zu sein.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 10. Juli. DerRetchSanzeiger" meldet die Abberufung deS Grafen Rantzau auf eigenen Antrag von dem Gesandtenposten im Haag und die Versetzung Rantzaus in den einstweiligen Ruhestand.

Berlin, 10. Juli. DieBerliner Correspondenz" schreibt: In der Angelegenheit deS Schutzes der Bau­handwerker wegen Ausbeutung durch gewissenlose Bau­unternehmer hat der Reichskanzler die Bundesregierungen im Anschluffe an die im März startgehabten Berathungen im Reichsamte deS Innern um entsprechende Mittheilungen mit

gutachtlicher Aeußerung ersucht, wie die Berücksichtigung der Wünsche der Bauhandwerker angängig sei.

Landau (Pfalz), 10.Juli. Der nächste Verbandstag der süddeutschen Gastwirthe wird in Wiesbaden abgehalten.

Arboga, 10. Juli. Kaiser Wilhelm trat heute früh 8 Uhr in bestem Wohlsein die Reise nach Stora Sundby zum Besuche des Grafen und der Gräfin Carl v. Wedell an und traf daselbst gegen 1 Uhr Mittags ein. Es herrscht schönes Wetter.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 10. Juli. Zu den verschiedenen ZeitungS- meldungen, daß der Kaiser Mitte August in Elsaß Lothringen Festlichkeiten anläßlich der 25jährigen Wiederkehr der dort errungenen Siege beiwohnen würde, schreibt dieNordd. Allgem. Ztg.", daß diese Artikel der Begründung entbehren. Der Kaiser gedenkt am 17. August von England im Neuen Palais wieder einzutreffen und am 18. August die feierliche Grundsteinlegung für daS Kaiser Wilhelm-Denkmal zu voll­ziehen, so daß von einer Anwesenheit des Kaisers in Elsaß- Lothringen um diese Zeit nicht die Rede sein könne.

Berlin, 10. Juli. Nach einer Meldung derPost" find die Arbeiten der Telephonlinie Kopenhagen- Hamburg so weit gefördert, daß die Linie noch im Juli, voraussichtlich am 20., eröffnet werden kann. Wenn sich diese Linie bewährt, soll sie bis Berlin ausgedehnt werden.

Berlin, 10. Juli. Der Chef der Reichskanzlei, Frei­herr von Wilmowski, hat heute einen längeren Urlaub angetreten.

Friedrichsruh, 10. Juli. Trotz aller gegentheiligen Meldungen befindet sich Fürst Bismarck recht wohl. Namentlich ist er geistig wieder sehr frisch. Von Schwermuth kann überhaupt keine Rede sein. Körperlich ist er allerdings oft durch nervöse GefichtSschmerzen angegriffen.

Wien, 10. Juli. Die Landesbehörde entdeckte hier viele Türkenloose mit falschem Stempel, die sich im Verkehr befinden. Es wurde deßhalb eine strenge Unter­suchung eingeleitet.

Paris, 10. Juli. In der vergangenen Nacht verhaftete die Polizei den russischen Advocaten Nazareff. Wegen anarchistischer Gesinnungen war gegen denselben ein Aus- weisungsdecret erlassen worden. Nazareff wollte sich in den nächsten Tagen nach der Schweiz begeben.

Florenz, 10. Juli. Der hiesigen Annunciara« Kirche wurden von einem Unbekannten zwei Altarkerzen ge­spendet, welche, wie durch Zufall rechtzeitig entdeckt wurde, mit Dynamit gefüllt waren.

Athen, 10. Juli. In Mittel ° Griechenland wurden während des gestrigen Tages starke Erdschwankungen verspürt.

Der Krieg von 1870(71,

geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit.

(Nachdruck verboten.)

12. Juli.

Rasch, wie daS Gewitter gekommen, hat es sich ver­zogen. Prinz Leopold von Hohenzollern hat auf den spanischen Thron verzichtet.

BiSmarck wird alsbald nach Varzin zurückkehren. Europa hat Frieden, Europa hat Ruh.

Das 22. Mittelrheinische Kreisturnfest.

An der gestern (Mittwoch) Vormittag nach dem Gleiberg unternommenen Turn fahrt beteiligten sich ca. 100 Gäste, die theils zu Fuß, per Rad, in der Mehrzahl aber in drei Wagen der Gießener Omnibus-Gesellschaft dort ankamen. Den Theilnehmern an der Partie wurde von der Burg aus eine Begrüßung durch Böllerschüsse zu Thrtl, während Namens des Gleibergvereins Herr Dr. Ebel die Gäste begrüßte und den Willkommentrunk darbot. Hierauf hielt Herr vr. Ebel einen halbstündigen Vortrag über die Geschichte von Gleiberg, dem unter seiner Führung eine Besichtigung der Burg folgte. Die Stimmung, welche während des darauffolgenden Früh­stücks herrschte, war eine sehr gehobene, es wechselten Reden mit Musik- und Liedervorträgen. Um 12 Uhr wurde die Rückfahrt nach Gießen angetreten. Dem für Nachmittag vorgesehenen Volksfest auf dem Festplatze ging ein Festzug der Schüler der hiesigen Lehranstalten voraus. In drei Abtheilungen mit je einem Mufikcorps an der Spitze marschirten Stadtschüler, Real- und Realgymnafialschüler und Gymnasiasten von der Südanlage aus über die Neuenbäue, Schulstraße und Neu­stadt nach dem Festplatze. Die Stimmung dieser Zukunfts­turner war eine recht gehobene, sie gaben ihr durch kräftige Gut Heil"-Rufe und Schwenken ihrer mit Fähnchen ver­zierten Hüte lebhaften Ausdruck. Nachdem der Zug, welcher wohl über 1200Mann" zählte, auf dem Feftplatz ein­getroffen, begannen unter Leitung der Herren Lehrer die Spiele und Hebungen. Zu den letzteren war ein besonderes Kampfgericht eingesetzt, 'welches seines verant- wortungsreichen Amtes mit solcher Umsicht waltete, daß bald nach Beendigung des turnerischen Theiles die Prcisoertheilung stattfinden konnte. Die Sieger erhielten Diplome und Medaillen- aber auch die Uebrigen sollten nicht leer ausgehen, denn mehrere Rtesenkörbe mit Bretzeln wurden nach dem Festplatze gebracht und dort vertheilt. Das Schülerfest hatte wieder eine große Zuschauerzahl auf dem Festplatze versammelt. Man bemerkte unter derselben sehr viele Land­leute, die sich die Gelegenheit, gegen ein niedriges Eintritts­geld den noch in vollem Schmuck prangenden Festplatz und die Festhalle in Augenschein nehmen zu können, nicht entgehen lasien wollten- fie füllten noch am Abend die Wirthschaften,

Feuilleton.

Frankfurter Thesterdries.

(Originalbericht für dmGießener Anzeiger".)

Aickblick auf die verfioffene Spielzeit. Novitäten. Gäste.

vr. M. Eine kleine Ruhepause ist in dem theatralischen Leben und Treiben van Frankfurt eingetreten. Die Mit­glieder der vereinigten Stadltheater erfreuen sich der wohl- verdienten Erholung, die allerdings, verglichen mit der splendiden Vacanz, welche ein Hoftheater wie Darmstadt seinen Künstlern und Beamten gewährt, ziemlich karg be- «essen ist. Nur wenige Wochen und die.Arbeit beginnt von Neuem! Für die Frankfurter Kräfte ist sie eine lohnende in jeder Hinsicht, aber anch eine sehr strenge.

Die Intendanz sorgt schon dafür, daß kein Künstler krach liegt, aber ebenso wenig läßt fie das Virtuosenthum auf Kosten des SpielplaneS in Blüthe kommen. DaS Repertoire steht ihr, wie sich das ja auch für eine Bühne schickt, die Fühlung mit den vorwärts schreitenden Mächten ter Literatur behalten will, in erster Linie.

Man muß es dem Frankfurter Theater wieder und immer wieder als Lob nachsagen, daß eS fich in so und Io viel Fällen auch nicht gescheut hat, die EntdeckungSkoften rines TalentS zu tragen. Wo kämen wohl unsere Autoren hm, wenn fich nicht Bühnenleiter fänden, die cs ab und zu mit einem Stück riSkirren, von deffen Verfaffer das Publikum bis jetzt noch wenig oder gar nichts vernommen hat'?!

Eiu gute-Novitätenjahr ist die Saison 1894/95 keines­falls gewesen.

Weder SudermannsSchmetterlingsschlacht",

FuldaSKameraden" haben so eingeschlagen, wie man ge­hofft hatte. Es ist dies eigentlich kein Wunder. Wie sollen sich diese Stücke durchringen, so lange man im deutschen Lustspiel nur jene Art von Komik genehmigt, die aus plumpen Situationsscherzen und öden Verwechselunasspielen besteht. Das Verständniß für jene feine .Comödiensatire, die aus den Characteren selbst schöpft, muß erst allmählich herangebildet werden. Sudermann und Fulda stehen in ihren letzten Arbeiten gewiß nicht auf der Höhe ihres früheren oder ihres künstlerischen Könnens überhaupt, aber immerhin noch haushoch über den gewöhnlichen Lustspielfabrikanten, und Männer, die eineHeimath" und einenTalisman" geschrieben, dürften wenigstens beanspruchen, daß sich nicht jeder obfcure Kritikaster an ihnen vergreift.

Die Frankfurter sind in der glücklichen Lage, eint Presse zu besitzen, die ihre Stellung den litterarischen Erscheinungen der Gegenwart gegenüber begreift und ihre Leser nicht mit abgedroschenen Reporterphrasen regaliert. Leider sind die diesjährigen Novitäten des Schauspiels über mittelgut wenig hinauSg-.kommen, die verschiedenen Versuche junger Drarnenschriftsteller, ein sociales oder psychologisches Problem in die Rampenbeleuchtung zu stellen, konnten nur ein Augen­blicksinteresse wecken.

Volle ästhetische Theilnahme riefen hingegen die ver­schiedenen Cyclen klassischer Meisterwerke, vor allem der Möllere- und Shakespeare-Cyclus hervor.

In der Oper waren einige Neuerwerbungen, soDer Barbier von Bagdad" von Cornelius undDalibor" von Smetana, von durchgreifendem Erfolge begleitet.

Daß jedoch MaffenetsWerther", aus welchem uns eine so ungemein zarte, tiefe und individuell empfundene Ton-

noch spräche entgegentönt, keinen tieferen Eindruck hinterlassen

tollte, gehört für uns zu den vielen Räthseln der Theater­chronik.

DaS neue Schauspiel Emil ClaarS,Königsleid", welches in diesem Blatte schon eingehend von uns gewürdigt worden ist, traf wenigstens auf ein etwas verständnißvolleres Ent­gegenkommen.

An Gästen, großen und kleinen, ist in dieser Spielzeit an den Frankfurter Bühnen kein Mangel gewesen. Eleonore Düse, Sonnthal, Fumagalli, Nordica rc. rc. sind einander hart auf dem Fuße gefolgt und haben dem Publi­kum viel Anregung geboten und ihm auch über alte, wohl­bekannte Themata neue Gesichtspunkte eröffnet.

Dem Ensemble sind neue Kräfte eingefügt worden. Fräulein v. Legrenzi hat fich verabschiedet. Dafür ist ein Ersatz an Fräulein Widmann vom Darmstädter Hof- theater gewonnen worden. Für das Fach des jugendlichen Characterspielers hat man in Herrn Bauer von Prag eine geeignete Persönlichkeit erworben. Es läßt fich schon jetzt Voraussagen, daß die kommende Spielzeit viel Neues und Gutes bringen wird.

Unsere Schri ftfteller sind inzwischen nicht müßig gewesen. Das Hauptaugenmerk der meisten richtet sich auf einen Theatererfolg, und Frankfurt bietet ihnen unter Befür­wortung Emil Claars eine verheißungsvolle Arena. Im Großen und Ganzen besitzt das Frankfurter Publikum Respect vor der freien Künstlerpersönlichkeit, eS läßt sich von dieser etwas sagen, sobald solche aus eigenen Mitteln etwas Origi­nelles zu bieten vermag, und darin eben liegt eine Gewähr, daß fich die langweilige Schablone hier weniger als anderswo zu einseitiger Geltung bringen kann.