Nr. 60 Erstes Blatt.
Dienstag den 12. März
1895
Der Hkhener Anzeiger . äirint täglich, un. Ausnahme deS Montags.
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Meßmer Anzeiger
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Deutschlands die Entschädigung der Gemeinde und der fremden Staatsangehörigen zu. Ein orthodoxer Priester wurde suSpendirt.
Köln, 9. März. Wie die „Köln. Volksztg." meldet, wurde gestern Abend kurz nach 10 Uhr fast in der ganzen Rheinprovinz eine Erderschütterung verspürt, die von Südost nach Nordwest ging.
Hannover, 9. März. In der heutigen Verhandlung des Meineidprocesses gegen Frau Dr. Schnutz und den wegen Meineids bereits zu Zuchthausstrafe verurtheilten Leuß erhielt der Letztere eine Zusatzstrafe von 4 Monaten wegen Verleitung zum Meineid und Frau Schnutz 9 Monate Ge- sängniß wegen Meineids.
Dresden, 9. März. Oberbürgermeister Dr. Stübel, der zu Anfang dieses Jahres aus Gesundheitsrücksichten seine Pensionirung nachsuchte, ist heute Nachmittag gestorben.
Neueste Nachrichten»
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Leipzig, 10. März. Der Ausschuß der deutschen Turnerschaft beschloß, dem Fürsten Bismarck anläßlich deffen 80. Geburtstages ein Ehrengeschenk in Form eines silbernen Eichenkranzes zu überreichen. Der Kranz ruht auf einer eichenen Platte, die mit dem Lebensspruche des Turnvaters Jahn und einer Widmung der deutschen Turnerschaft versehen ist.
Aachen, 10. März. Die alle sieben Jahre stattfindende Aachener HeiligthumSfahrt ist durch Beschluß deS Stiftscapitels auf die Zeit vom 10. bis 24. Juli festgesetzt worden. ___________
Deutscher Reichstag.
66. Sitzung. SamStag, den 9. März 1895.
Sinmalige Ausgaben des Militär-Etats.
Abg. Gröber (Eentr.) motivirt als Referent die von der Kommission beantragte Streichung von 10'/» Millionen Mark.
BtS aus diese Summe ist der ordentliche Etat bereits erledigt, daS HauS erkennt demgemäß. f
Nach anstandsloser Bewilligung der ersten neun Titel folgt Titel 10 (erste Rate für einen Magazin-Neubau in Langfahr), welcher nach Wunsch der Commission gestrichen wird. Nach einer Reihe weiterer Streichungen resp Abstrichen an den geforderten Summen stimmt daS Haus debatteloS zu. .
Ferner werden dann, nach dem Anträge der Commission, 150 000 Mt. für einen Neubau und die Ausstattung einer Kaserne tn Halberstadt als geforderte erste Rate, sowie 150 000 Mk. für eine Kavallerie Kaserne tn Torgau gestrichen, 660000 Mk., welche für den Grunderwerb und als erste Baurate für eine Infanterie-Kaserne in Worms gefordert werden, empfiehlt die Commission zu streichen
Auf Antrag Hammacher (ntl.) wird dieser Titel behufs nochmaliger Prüfung an die Commission zurückverwtesen.
Für Vergrößerung des Feld - Artillerie - Schießplatzes Lockstedt zu einem Corps-Uebungsvlatz find 1 221000 Mk. gefordert, ledoch von der Commission gestrichen worden. Auch dieser Titel wird an die Commission zurückverwiesen.
Bei der von der Commission genehmigten Forderung für Arbeiter-Wohnungen bet den Milttär-Werkstätten in Spandau wirft Abg Schall (cons.) den Socialdemokraten vor, daß sie tn der Commission diese Forderung trotz ihres für die Arbeiter wohlthältgen Zweckes bekämpft haben. _ _ . „
Abg. Singer (Soc.) legt demgegenüber feine Gründe klar, indem er ausführt, daß diese Wohnungen ja doch nur den Ordnungsarbeitern zu Gute kämen. .
Krtegsminister v. Bronsart will die politische Freiheit der Arbeiter nicht antasten, erklärt jedoch, er würde pflichtvergessen handeln, wollte er Socialdemokraten anstellen.
Abg. Pachnicke (frf. Vp.) bedauert das soeben kundgegebene Verfahren des Kriegsmintsters.
Nach einer Schlußbemerkung deS Abg. Singer wird die Position bewilligt.^ lißn E000 Mk., erste Rate für eine Kaserne in Straßburg, wird auf Antrag Richter an die Commission zurück- Derrolej5"‘ Rest des Etats wird nach dem Anträge der Commission
Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr. Resolution Podbielski und Schädler zum Milttäretat. Postctot.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. März. Im preußischen Landtage wurde heute der Etat der Bauverwaltung, sowie das Gesetz betr. die von der Umgestaltung der Kaffen im Bereiche der direkten Steuern betroffenen Beamten erledigt.
Berlin, 9. März. Die Nachricht mehrerer Blätter, daß der Ches deS Militär-Cabinets, General-Adjutant General der Infanterie v. Hahnke, demnächst von seinem Posten zurücktreten werde, entbehrt, nach zuverlässigster Information, jeglicher Begründung.
— Die verstärkte Justizcommisston beendigte die zweite Lesung deS Gerichtskostengesetzes mit einigen Abänderungen, ferner die zweite Lesung der Gebührenordnung für Notare wesentlich nach den Beschlüffen der ersten Lesung.
— Die CentrumSfraction brachte heute im Abgeordnetenhause eine Interpellation ein, ob die Staatsregierung geneigt sei, die 1875 aufgehobenen Artikel 15, 16 und 18 der preußischen Verfassung über das Verhältnis der Kirche zum Staat wiederherzustellen.
Berlin, 9. März. Am heutigen Sterbetage des Kaisers Wilhelm I. war das Mausoleum in Charlotten- bürg mit einem herrlichen Blumenflor decorirt. DaS Kaiserpaar hat heute Vormittag einen kostbaren Kranz am Sarkophag niedergelegt. Unter den weiteren Blumenspenden fanden sich Kränze des Großherzogs und der Großherzogin von Baden, sowie der erbgroßherzoglichen Herrschaften mit Schleifen in den badischen Farben.
Berlin, 9. März. Der Verband der Schneider Deutschlands kündigt eine in diesem Jahre in großem Maßstabe vorzunehmende Lohnbewegung an. Es soll Verkürzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Löhne und Beschränkung der Hausindustrie gefordert werden. Die Lohnbewegung soll am 6. Mat beginnen. Der 1. Mai soll noch besonderen Anlaß geben, unter den Collegen zu agitiren. An einem bestimmten Tage sollen in ganz Deutschland Versammlungen abgehalten werden, in welchen Beschlüffe gefaßt werden sollen.
Berlin, 9. März. Der Antrag Lenz mann, in die zweite Lesung der Umsturzvorlage nicht einzutreten, sondern dieselbe en bloc abzulehnen, wird dem „Berl. Tgbl." zufolge am Schluß der ersten Lesung eingebracht werden.
Kol», 9. März. Die „Köln. Ztg." meldet aus Sofia: Wegen des Angriffs auf die protestantische Kirche in Lornpa- lanka sagte die Regierung den Vertretern Englands und
treten nur gefestigt hat. Wenn Herr Spengel auch nicht zu den phänomenalen Virtuosenerscheinungen wie etwa d'Albert und Rosenthal gehört, so hat seine Technik doch einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht. Was aber sein Spiel besonders auszeichnet, ist ein fein ausgearbeiteter Vortrag, der die feinsten Nuancen mit großem Geschick hervorhebt und allen diesbezüglichen Anforderungen der Campo- nisten gerecht wird. Dies zeigte sich sowohl in dem hier seit langer Zeit nicht gehörten C-molhGonccrt v. Beethoven als auch in Schumanns „Carneval", mit deren Vortrag er reichlichen wohl verdienten Beifall erntete. Erwähnt sei noch, daß in dem Clavierconcert der Orchesterpart unter Herrn Mufikdirector Felchners Leitung in Bezug auf Prä- cifion der Einsätze und Decenz der Begleitung vorzüglich durchgeführr wurde, und kaum etwas zu wünschen übrig ließ. Den Schluß deS Concertes bildete eine „Wanderung" betitelte Orchestersuite von Bernh. Scholz, dem verdienstvollen Leiter des Hoch'schen ConservatoriumS zu Frankfurt, die besonders dadurch interessant wurde, daß der Componift selbst erschienen war, um sein Werk dem Gießener Publikum persönlich vorzuführen. Wir hatten somit den Doppelgenuß, Herrn Scholz als Componiften und Dirigenten zugleich kennen und schätzen zu lernen. In Bezug auf das Werk selbst sei kurz erwähnt, daß gleich der erste Satz mit seinen markigen Rythmen einen gewaltigen Eindruck machte. Seltsam contrastiert zu ihm der zweite, der im JnftrumentationS- colorit seines ersten Thetles vielleicht an Mendelssohns Ouver- ture zum „Sommernachtstraum" erinnert, in der Erfindung aber durchaus originell ist. Der dritte Satz ist im elegischen Stil gehalten und bietet namentlich den Holzbläsern, speciell den Clariuetten und dem englischen Horn, schöne Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Der vierte Satz zeigt unS die aus- gelaffenen Freuden des Tanzes, und im fünften wird dem Hörer die feierliche Stille des Abendfriedens und mitten tn demselben die fröhliche Heimkehr der Dorfbewohner vorge- führt. Unter des Componiften belebender Leitung spielte das Orchester ganz ausgezeichnet und brachte das formen- und klangschöne Werk äußerst wirkungsvoll zu Gehör. Dar Publikum kargte nicht mit seinem Beifall und applaudtrte nach jedem Satze, namentlich aber nach dem zweiten und am Schluß des Werkes, auf das Lebhafteste. So hat die Winter-Saison 1894/95 mit dem fünften Concert einen t cdigeu Abschluß gefunden. Möge es dem Concertverein t-rgönnt sein, in Zukunft noch viele ähnliche Erfolge den bereits vorhandenen hinzuzufügen.
H.** Neues Theater. Gestern Abend verabschiedeten sich die Herren Hartmann mit der dritten Aufführung der „Kinder des Capitän Grant" vom hiesigen Publikum. Die Darstellung war im Vergleich mit der ersten Aufführung um vieles flotter. Frau G e r l a ch s und Herrn N i e m e i e r 8 Leistungen haben wir letzthin schon erwähnt. Heute möchten wir noch besonders die Herren Otto, der überall, wo man ihn hinstellr, seinen Posten ausfüllt, Heyne (Burck) und Häcker (Bob) hervorheben. Auch die Herren Hartmann (Grant), Geisel (Ayrton) und Walther (Thalcave) erwarben sich Verdienste um das Stück. Von den Damen verdienen Frl. Nerges als JameS und Frl. Patutschka als Robert Lob. Das Spiel der ersteren im Verein mit demjenigen Herrn Heynes wirkte im letzten Bilde ergreifend. Frl. Küsel war ein frischer Schiffsjunge, schade, daß wir nicht Gelegenheit hatten, diese Dame in ähnlichen und etwas größeren Rollen zu sehen. — Das Fulda'sche Stück „Die wilde Jagd", tn dem morgen Abend Frl. Nuscha Butze auf- tritt, geißelt im liebenswürdigen Gewand des Lustspiels das überhasttge Treiben unserer modernen Gesellschaft. Cs gehört zum Besten, was Fulda geschrieben hat, so daß unS ein genußreicher Abend gesichert ist.
Neues Theater. Wir wollen nicht unterlaffen, nochmals auf das morgen Dienstag stattfindende Gastspiel deS Fräulein Nuscha Butze aufmerksam zu machen. Die berühmte Künstlerin, welche soeben ein sehr erfolgreiches Gast- spiel am Hoftheater in München absolvtrt hat, ist berestS von Mittwoch den 13. d. M. ab an das Hoftheater in Mannheim verpflichtet. ES findet also nur dies eine Gast- 'piC" »*QltQUt Tabaksteuerfrage. Gestern fand im PalaiS- Restaurant zu Frankfurt a. M. eine Versammlung der Tabakinteressenten statt, die außerordentlich start besucht war und nahm dieselbe einen von vollster Einmüthtg- keit getragenen Verlauf. Herr Ludwig Georgi (^ßtt>)/ der die Versammlung Namens des Vorstandes der Av- theilung III deS deutschen TabakoereinS einleitete, wurde zum Vorsitzenden gewählt. Nach einem Vortrage deS Herrn
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Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 10. März. Heute Vormittag tagte in Kellers Festsälev eine Versammlung der in der Lederindustrie beschäftigten Arbeiter, die von etwa 2000 Personen besucht war. Nach dem Referat deS RetchStagsabgeordneten Wurm wurde eine Resolution angenommen, worin die in der Lederindustrie beschäftigten Arbeiter gegen die geplante Einführung eines QuebrachazolleS protestiren, weil hierdurch die deutsche Lederindustrie und die mit ihr zusammenhängenden Berufe außerordentlich geschädigt und somit ganze Industriezweige vernichtet würden.
Berlin, 10. März. Die Parteileitung der freift n n t g e n Bolkspartei hatte auf heute Vormittag nach dem Wintergarten eine Versammlung gegen dieUmsturz- vorlage einberufen, zu der sich ungefähr 2000 Personen eingefunden hatten. Zunächst sprach in längerer Rede Abgeordneter Träger, der die Umsturzvorlage als Attentat auf die Freiheit des deutschen Volkes bezeichnet. Alsdann erhielt Abgeordneter Langerhans daS Wort, nach deffen Ansicht die Umsturzvorlage mit der Verfaffung in directem Widerspruch steht. Redner kommt noch auf die Vorgänge im Reichstage bei der Judendebaite zu sprechen, wobei er bedauert, daß der Abgeordnete Ahlwardt derartige Angriffe gegen deutsche Bürger, ohne vom Präsidenten zur Ordnung gerufen zu werden, auSftoßen durfte. Zum Schluß gelangt eine Resolution zur Annahme, in welcher sich die Versammlung mit aller Entschiedenheit gegen die Umsturzvorlage ausspricht und erwartet, daß der Reichstag dieselbe ablehnen werde.
Venedig, 10. März. Wie ein hiesiges Blatt berichtet, wird hier im Laufe deS Sommers eine Zusammenkunft des deutschen Reichskanzlers mit Crispi statt- finden. _________
totale» un» Provinzieller.
Gieße», den 11. März 1895.
Pr Soncertverei». Mit dem gestrigen fünften Concert des Concertvereins, zu dem die Leitung wieder ein sehr interessantes Programm zusammengestellt hatte, fand die Winter-Saison 1894/95 ihren Abschluß. Der Besuch war, wie wir gleich voraus bemerken, ein guter, und der Clubsaal war, wenn auch nicht ausverkauft, so doch gut besetzt. Das Concert wurde eröffnet mit Mozarts lieblicher Ouvertüre zur „Zauberflöte", welche, von Herrn Mufikdirector Felchner sorgfältig einstudiert, durch die hiesige Regimentscapelle unter Mitwirkung einer Reihe namhafter hiesiger und auswärtiger Künstler eine ausgezeichnete Wiedergabe erfuhr. Als Solist war diesmal Herr Mufikdirector Julius Spengel aus Hamburg gewonnen worden, der sich hier bereits im vorigen Jahre durch ein eigenes Concert den Ruf eines gediegenen Künstlers erworben und denselben durch sein gestriges Auf


