Ausgabe 
12.2.1895 Erstes Blatt
 
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1893

Dienstag den 12. Februar

Erstes Blatt

Sir. 36

Vierteljähriger

Amts- und Anzeigeblatt für den Avers Gieren

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

heute 10 Grad.

München, 9. Februar. Die große Kälte hält immer noch an. In Oberbaiern erfroren vier, in der Oberpfalz drei Personen. Im bayrischen Walde find mehrere Dörfer ganz eingeschneit und vom Verkehr ganz abgeschnitten.

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reiche Unterschriften.

Berlin, 9. Februar. Das preußische Abgeord- «etenhaus beschäftigt sich augenblicklich mit der Special- berathung des Eisenbahnetats. Im Verlaufe der FreitagS- debatte hob der CentrumSabgeordnete Pleß die Nothwendigkeit einer endlichen Reform der Personen- uud Gütertarife im Sinne einer Verbilligung der bestehenden Tarife hervor. In wiederholten Erklärungen sprach sich indesien Finanzminister vr. Miquel unter Hinweis auf die mißliche Finanzlage des Staates gegen die angeregte Reform aus, es wird also mit derselben noch gute Wege haben.

Berlin, 9. Februar. DaSBerl. Tagebl." meldet aus Rom, die kürzlich der deutschen Preffe übermittelte Nachricht von dem Einsturz der Domkirche in Marsala, wobei 45 Personen getödtet und 35 verwundet worden seien, sei von Anfang bis zu Ende erfunden.

Berlin, 9. Februar. In der Justiz-Co mmts sto n des Reichstages wurde heute die in der Novelle zum GerichtS- verfaffungSgefetz von der Regierung beantragte Verweisung des Verbrechens des Meineides zur Competenz der Straf- kammern mit 14 gegen 8 Stimmen angenommen.

Berlin, 9. Februar. DerVorwärts" theilt mit, daß die Cadettenschüler, die am 2. Februar nach bestandener Prüfung nach ihrer Heimath beurlaubt wurden, um als Fähnriche eingestellt zu werden, schon am folgenden Tage Nom Kaiser telegraphisch hierher zurückberufen worden, weil

Psg. sind zu habe» Neuen-Näue, Fritz nbenplafc, Wahl, in der CiMen- Me 1 Ml.

ichaselbst. An der 1203

Bringrrloh«. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Sßffr

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schulsiraße Ar.7.

Fernsprecher 51.

Anstand.

Wien, 9. Februar. Der bekannte Finanzier Baron Hermann Springer ist gestorben.

Budapest, 9. Februar. Die Arbeitslosen veran- stalteten hier wieder mehrere heftige Straßendemonstrationen.

Fiume, 9. Februar. Hier herrscht fortdauernd sürchter- licheS Sch nee wetter. Bei Novi zerstörte eine Schnee­lawine ein Wohnhaus, wobei eine ganze Familie unter den Trümmern begraben wurde. Drei Leichen wurden hervor­gezogen - die übrigen Jnsaffen konnten gerettet werden.

Antwerpen, 9. Februar. Die Schifffahrt ist der Eisverhältnisie wegen nach wie vor sehr gefährlich. Den großen Dampfern werden Lootsen nur auf Gefahr und Ver­antwortlichkeit der Capitäne mitgegeben. Seit gestern find hier zwei große eiserne Dampfschiffe eingelaufen.

Amsterdam, 9. Februar. Trotz der außerordentlichen Kälte ist der Nordsee-Canal noch immer schiffbar. In Folge desien ist der Hafen von Amsterdam noch zu­gänglich.

Paris, 9. Februar. General Jamont, Commandant des 6. Armeecorps, ist an Stelle GallifetS zum Armee­inspector, General Herde, Commandant deS 19. CorpS, zum Commandanten des 6. Corps, General Larchey, Com­mandant des 18., zum Commandanten des 19. Corps uud General BaraigueS, Commandant der Bogesendivision, zum Commandanten des 18. CorpS ernannt worden.

Paris, 9. Februar.Figaro" veröffentlicht ein Tele­gramm aus Rom, wonach Big er seine Unterredung mit

sich herauSstellte, daß die Cadetten trotz strengster Clausur die Arbeiten in unerlaubter Weise hatten abschretben uno allerlei Hilfsmittel benutzen können. Der Kaiser war außer­ordentlich entrüstet über die Vorkommniffe und soll auch die strengsten Maßregeln angeordnet haben gegen die Offiziere, welche die Aufsicht hatten. .

Hamburg, 9. Februar. Fürst Bismarck hat sich bereit erklärt, einen ihm zu Ehren vom Reichstagswahlverein von 1884 geplanten Fackelzug am 1. April "nzunehmen.

Wiesbaden, 9. Februar. Der Chefredacteur desWles- badener General-AnzeigerS" hatte eine Unterredung mit dem Admiral Werner über den Untergang derElbe . Werner hat hiernach gesagt: Die alleinige Schuld an dem Unglück trägt zweifellos der englische DampserCrathie . Der Steuermann desselben habe ausgesagt, er wäre am.Ruder

I gewesen, waS doch allen seemännischen Vorschriften wider­spreche. Wäre der Steuermann auf seinem Platze gewesen, so hätte das Unglück nie passtren können.' Wenn englische Blätter behaupten, die Mannschaft derElbe" sei nicht aus dem Posten gewesen, so ist daS lächerlich. DieElbe hatte dieCrathie" gesehen und sich durch Raketenfeuer bemerkbar gemacht. Der Steuermann derCrathie" hat aber nichts gesehen, weil er eben nicht auf seinem Posten stand. Daß dieCrathie" noch zwei Stunden nach dem Zusammenstoß gewartet habe, sei eine kühne Lüge. Es wäre Pflicht des Capitäns gewesen, sich von dem Zustande derElbe zu überzeugen. Der Fall sei ganz ähnlich wie beim Untergange desGroßen Kurfürsten"- dieser versank auch schon nach 15 Minuten, aber der schwer beschädigteKönig Wilhelm

I rettete doch noch 200 Personen das Leben. Die Frage, weshalb dieElbe" so schnell sank, könne nur dahin beant- wortet werden, daß von den sieben Lufträumen, den Schotten, zwei gleichzeitig durch den Stoß beschädigt wurden. Ein Hauptfehler läge in der Gesetzgebung, welche bet Nebel nur eine ermäßigte Geschwindigkeit verlange, aber keinerlei nähere

I Vorschriften gäbe. Werner verlangt hierfür die Festsetzung auf fünf Knoten, wie sie bei den Kriegsschiffen vorgeschrteben

I sei und ferner, daß auch die Rheder mit zur Haftpflicht I herangezogen werden können. Den Schiffen desNord­deutschen Lloyd" stellt er ein glänzendes Zeugniß aus.

Köln, 9. Februar. DieKöln. Ztg." meldet aus MörS: Die heutige '.Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Mörs-ReeS hat bisher folgendes Ergebntß: Landrath Haniel erhielt 9750, AmtSgerichtsrath Fritzen (Centrum) 12 458 Stimmen. Elf Landbezirke von ReeS, welche über­wiegend für Fritzen stimmen, stehen noch aus. Fritzen wird voraussichtlich mit 3000 Stimmen Mehrheit gewählt.

Swtnemunde, 9. Februar. Die Schifffahrt zwischen Stettin und Swinemünde ist geschlossen. DaS Eis in der Bucht ist undurchdringlich. Gestern betrug die Kälte 20,

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wurden 19 gerettet. .

Loudon, 9. Februar. Die Kaiserin Friedrich bat das in Portsmouth weilende Fräulein Anna Böcker eingeladen, sie am Montag in Osborne zu be- suchen, um ihr die G-Ichicht- ihrer LebenSretiung bet dem Untergang derElbe" zu erzählen.

Loudon, 9. Februar. In den westindischen DockS brach ein großes Feuer auS- mehrere große WaarendepotS und einige in Reparatur liegende Schiffe geriethen in Brand. Der DampferGermania" wurde stark beschädigt.

London', 9. Februar.Standard" veröffentlicht ein Telegramm, dem zufolge die Chinesen in Chefoo die Europäer angegriffen haben, trotzdem sich im Hafen von Chefoo europäische Kriegsschiffe befinden.

London, 9. Februar. Wie aus Shanghai gemeldet wird, hält die japanische Cavallerie alle Wege und Straßen in der Nähe von Chefoo besetzt. Die Fremden sind bereits von dem bevorstehenden Angriff der Japaner auf die Stadt in Kenntniß gesetzt worden.

London, 9. Februar. DenTimes" wird durch eine Meldung aus Yokohama bestätigt, daß die japanisch- chinesischen Friedensunterhandlungen im März wieder ausgenommen werden sollen.

Odessa, 9. Februar. Wegen Absendung von Droh- briefen an den Czaren wurden hier und an anderen Orten mehrere Personen verhaftet.

Belgrad, 9. Februar. In Folge der großen Schnee­fälle ist der Bahnverkehr bis Constantinopel unterbrochen.

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Gießener Anzeiger

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Deutscher Reichstag.

38. Sitzung. Samstag, den 9. Februar 1895.

Einaeaanaen ist ein Gesetzentwurf betr.das Verbot desSclaven- handelS und Sclaoenraubs, Interpellation Stumm- Manteuffel ersuch die verbündeten Regierungen, MaßregeNl zu ersreisen, E den durch den Untergang von Seesch.sten verursachten Verlust an Menschenleben mehr als wie bisher gelungen ist, zu oerbüten.

Abg. v. Stumm (Rp.) begründet die Interpellation, kommt auf die Katastrophe derElbe" zu sprechen und macht ganz besonders daraus aufmerksam, daß bei diesem Unglücksfall zwei Schotten eine Rolle spielten. Hieraus zieht Redner den Schluß, daß in der Her­stellung derselben eine Reform ergriffen werden muß.

Kürst Hohenlohe erklärt, die verbündeten Regierungen feien «ach drei Richtungen hin thätig gewesen, Sicherstellung der See­tüchtigkeit der Schiffe, Regelung des internationalen See-Straßen- Recht«, verbesserte Ausrüstung der Seeschiffe mit RettunflSapparaten «nd -Booten. Der Reichskanzler hofft, daß im nächsten Winter alle Schifffahrt treibenden Optionen gemeinsame Vorschriften über das See-Straßen Recht treffen werden, welche größere Sicherheit gegen Schiffsunfälle gewähren werden; was die Ausrüstung mit RettungS- avparaten und -Booten anlangt, verweist der Kanzler auf die See- I BerusSgenossenschast. Die Vorwürfe, welche in der ausländi^en Preffe gegen die Besatzung derElbe" gemacht worden find, weist I ^°^Äg. JeÄen (na?I ist der Ansicht, daß das SchiffSwesen einer veausstchiigung von Reichswegen nicht bedarf und glaubt, daß durch Vorschriften sich Unglücksfälle, wie sie sich bei derElbe zugetragen, schwer vermeiden lassen. ,

Abg. Singer (Soc.) tritt den Ausführungen Stumms bei, inbem er für eine staatliche Beaufsichtigung platdirt.

Staatssecretär v. Bötticher erklärt, die Regierung erkannte ein Bedürfniß für die Reichscontrolle noch nicht an. Die BerusS- genossenschast will sich mit dem Germanischen Lloyd in Verbindung setzen, hoffentlich werde dieser Weg zu einer ausreichenden Controlle führen. Sollten sich jedoch wider Erwarten dennoch Mängel zeigen, so kann die Regierung immer noch eingreifeu.

Abg. Lieber (Cmtr.) giebt sich mit der Erklärung des Reichs­kanzlers zufrieden, will den Verkehr auf den Seestraßen international geregelt wissen und drückt sein Bedauern aus über das Schicksal der

Staatssekretär v. Bötticher erklärt, daß internationale Ab­machungen übet den Verkehr auf See bestehen. Redner meint, wenn sich der Kapitän derElbe" im umgekehlten Falle, wie der der Crathie" benommen hätte, so wäre ihm sicher daS Schistspatent entzogen worden. Nach weiteren Ausführungen der Adgg. Man­teuffel (cons.), Möller (natQ, Rickert (Fr. Vg.), Bebel (Soz.) Stumm (Rp.) und Habn (Wild) wird die Debatte geschloffen. Die Vorlage betr. die Confulatsgebührm wird in erster und zweiter Lefuna debattelo« angenommen.

Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr. Dritte Lesung dieser Vorlage, ^weste^

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Februar. DerLocalanzeiger" meldet: Zu seinem gestrigen Vortrag in der Kriegsakademie über das Zusammenwirken von Heer und Flotte mit Berück­sichtigung des chinesisch-japanischen Krieges war der Kaiser mit dem Prinzen Heinrich fast zwei Stunden vor der fest­gesetzten Zeit erschienen und ordnete das Kartenmaterial. Der Vortrag, bet dem der Kaiser in freier Rede daS auf­gestellte Material erläuterte und die Bedeutung der Marine, insbesondere der Panzerschiffe, darlegte, dauerte 2 Stunden. Etwa 500 Offiziere waren anwesend.

Berlin, 9. Februar. Der Compromißantrag Roereu (Centr.), betreffend die Aenderung der Geschäftsordnung, erhielt von den Fractionen dxr Conservativen, der Reichs­partei, der Nationalliberalen und der Centrumspartei zahl-

dem Papste eigenmächtig erweitert habe. In Wirklichkeit habe Viger dem Papste nur beiläufig eine Frage über die Socialdemokratie vorgelegt- der Papst habe hierauf m einigen Worten auf di- Gefahr g-wifl-r Doctrinen und

die Nothwendigkeit betont, in Frankreich die soctaltsttschen und atheistischen Theorien zu bekämpfen.

Paris, 9. Februar. Gestern Nachmittag ging über der Stadt Paris ein Schneesturm von solcher Gewalt nieder, daß der Pferdebahn- und Omnibusverkehr vollständig eingestellt toCrb8ati8?9. Februar. Der Agent der transatlantischen Gesellschaft in St. Jean, Neufundland, telegraphrrte hierher, daß in der Nähe von Halifax während des Sturmes ein Viermastergesehen worden ist, der wahrscheinfich die Gascogne" war. Trotz dieser beruhigenden Nachricht Hal sich die Panik hier und in Havre nicht gelegt.

Loudon, 9. Februar. DerStandard" veröffentlicht Telegramme, wonach die Chinesen in Chefoo Euro­päer angegriffen hätten, trotz der Anwesenheit europäischer Panzerschiffe vor Chefoo.

Loudon, 9. Fcbruar. Der DampferFastadeta , von Java nach Lissabon unterwegs, ist 100 Meilen vor Durban untergegangen. Von den 28 Personen der Besatzung

Nerrefte Nachrichten»

Wolffs telegraphisches Correspondmz-Bureau.

Berlin, 10. Februar. Nach amtlicher Bekanntmachung ist der Verkehr auf den Strecken Slargard-Ltppehne und Glasow Berlinchen der Stargard-Cüstriner Eisenbahn wegen Schneeverwehungen auf unbestimmte Zeit gesperrt.

Berlin, 10. Februar. Wie diePost" von gut unter­richteter Seite hört, ist der Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des Branntweinsteuergesetzes vom 24. Juni 1887, nunmehr fertiggestellt. Der Bundesrath dürfte sich in der nächsten Sitzung damit beschäftigen. *5* einer Anarchisten - Versammlung wurde gestern der Tischler Schlächter verhaftet und sofort abgeführt, als er sagte: Friedlich oder durch List werde die Umgestaltung schwerlich gehen, daher werde man den Kampf aufnehmen "^«iantenfee, 10. F-bruar. Amtlich wird Mannt g-- macht, daß wegen Schneeverwehungen der Betrieb auf der Sir ecke Blankensee-Woldegk-StraSburg der Mecklenburgische« Friedrich-Franz Bahn von heute bis auf Weiteres ein­gestellt ist. Die Dauer der Betriebsstörung ist un- bestimm , io Februar. Der am Donnerstag Abend aus Hanggö nach Siockholm abgegangene Paffagierdampfer Erpreß" ist bis jetzt nicht an seinem Bestimmungsorte angelangt. Man befürchtet, daß der Dampfer im Eise stecken

I geblieben ist. , . , ,

Lissabon, 10. Februar. Achthundert Arbeiter haben in den Werkstätten der königlich portugiesischen Eisenbahn Gesell­schaft die Arbeit eingestellt. Die Polizei hat -sicher- heitsmaßregeln getroffen.