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Zweites Blatt. Mittwoch den 11° December
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chratisöeitage: chießener Kamitienßkatter.
Vietze», beti 10. December 1896.
♦* Kuvstvereill für das Grossherzogthum Hessen Bei der
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Lande darstellend.
Der Präsident der Akademie, Profestor Ende, laS nun .die von der Königlichen Akademie gewidmete Adresse vor
Die Menzel-Feier
in dem Uhrsaal der Königlichen Akademie der Künste. Berlin, 8. December 1895.
CY auf Wunsch des Professors Ende eine kleine Pause» während welcher er seine Gäste an einem kalten Buffet be- wirthen liest. Nach der Frühstückspause wurde eine Photo, graphische Aufnahme von Menzel inmitten der „Friedericianischen R esenaa de" gemacht. Dann erschienen noch der Geheim- Rach Profeffor CurtiuS und Reinhold Begas zur per- sönlichen Gratulation. Es schloffen sich daran die Vertreter der Srudirenden der obengenannten Hochschulen an; den Schluss der Gratulation bot der Borstand des Breslauer Kunstvereins, dem sich noch einige persönliche Bekannte deS Jubilars anschloffen.
Um 1 Uhr schloss die erhebende Feier, ohne dass man dem greisen Meister eine Ermüdung anmerEte.
Vaterstadt deS grossen Meisters, zur Beglückwünschung etn- tLommanoeur ut» . gefunden. Die „Societa Italiana di Lsriino" übergab eine । Kessel begrühte italienische Adresse, die Menzel gletchsalls zum Ehrenmitglied . Kess et vegr b | folflten dann der Vorstand deS Akademtschen
Instituts sür Kirchenmusik, Pioseffor Ra decke, der Verein Berliner Künstler mit Proseffor Körner an der Spitze und die Beamten der Akademie. Der Verein der Berliner Presse war durch Sudermann vertreten, welcher in seiner Rede ausführte, dass er sich gewissermassen auch als Schüler Menzels fühlte. Auch der St. Petersburger aquarellistische Verein war erschienen, um dem gefeierten Meister die Ehren- mitgliedschast zu verkünden. Bon Budapest kam der Vorstand des Ungarischen Kunstvereins, für Stuttgarts künstlerische Kreise gratutirte Professor Jgler. Dem Vorstand des Photographischen Vereins, Professor Frobel, erwiderte Txcellenz Menzel in längerer Rede, in welcher er den Zu- sammenhang der Maleret und Photographie nachwies.
In Vertretung Seiner Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Leopold war der Hosmarschall v. Nickisch- Rosenegk erschienen; ihm folgte der Oberbürgermeister von Berlin, Zelle, welcher Menzel die Ehrenbürgerschaft verkündete. Im Namen der Gemeindevertretung sprach Stadtverordneten-Vorsteher LangerhanvS seine Glück wünsche auS. Da Txcellenz Menzel während der ganzen Zeit gestanden und jedem Einzelnen der Gratulanten freund- : Uchft gedankt und sich mit ihnen unterhalten hatte, so machte
»«nahm. Don Anzeigen zu der Nachmittag» für b« foloenden Lag erscheinenben Nummer bi» Vorm. 10 Uhr.
am Samstag Nachmittag staltg-hadt-n V-rl°°sung de, Kunst»-rein» für da- Grotzherzogthmn H-ff-n ftnb ««»• virzeichnete 42 Gewinne gezogen und von den dabei de- merkeen B-r-insmi.gliedern g-«°nn-n worden: 1) Oel- gemälde und Aquarelle: R. Lhierboch, München, „Landschaft", G-win°er: Pfarrer Schimpff WUtwe in Darw- nabt. A. Eggersdöifer, München, „Landschaft , Gew.. Rentner Georg Poffel in Darmstadt, gelb. Snob, Milden, „Romifcher Opferaltar", Gew.: Oderm-dieiaalrath vr. Neid Hardt in Darmstadt. Heinz H.tm st, D°rwstadt, „Zwei Mädchen, Brautschleier nähend", Gew.: Bahnbezirksingenieur Amend in Darmstadt. Max Pitzner, München, ,/Vor feind- Uchem Gebiete", Gew.: Frau Kaufmann Manck Wittwe in Darmstadt. Karl Schaupert, Nürnberg, „Der Rattenstieg in der Lorenzktrche in Nürnberg", Gew.: Bankier R Bam- beraer tn Mainz. Pedro Muth, Worms, „Versunkene Pracht", Gew.: Malermeister H. I. Schneider in Darmstadt. Heinrich Deuchert, München, „Landschaft mit Hühner , Gew.: Kaufmann Eugen Trier in Darmstadt. Kari Stuhlmüller, München,„DorfwirthShaus",Gew : Stadt Giessen. Rich. Hoelscher, Darmstadt, „Lesender Junge', G:w.: Justtz- rarh Karl Schenck tn Darmstadt. Adols v Meckel f, //Weg am Tobten Meer" (Aquarell), Gew.: Postsecre'.är O. Pabst in Darmstadt. Lila Gaede, Hamburg, „Knsch.'n , Gew.. Maler H. Schlegel in Darmstadt. E. Weiß, Königsberg i. Pr., „Ein Erholungsstündchen", Gew.: Ingenieur M v Jungen- seid in Mainz. Marie Gräfin Beroldingen, Ratzrnrtev,
uub überreichte gleichzeitig d.e von BegaS modellirte Menzel- Medaille. Die Professoren v. Werner und Joachim brachten hieraus ihre Glückwünsche im Namen der Akademischen Hochschulen sür die bildenden Künste und die Musik. Im
Seine Waj stat der «aifer hatte fchou °m^Morgen durch I Xe.iÄÄtXÄl chen 6»ef de» Geheimen Cwstcabmet« v. Lucanus f a,arbeiteten Adresse: ihm folgte der R-eior der Technischen
wünsche und die Beförderung^zum Wirklichen Gehet tzachschule Profeffor Müller-BeeSlau. Der General.
•“ Hm TÄ begleitet vom Ehren- bt^'or der Königlichen Mufeen, Geh. Ober-R-g.-Rath
...«■<.;.*-Dr-“... >,» 3.«..
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Senat, die Mitglieder der Akademie und Stufen 4 Düsseldorfer Künstler Verein verlieh Menzel
Hochschulen für Kunst und Musik in vollem Wich ! Earenmttuliedfchafr, während der Düsseldorfer Malkasten stellung genommen. Am Eingang Uhrsaal, s ^ild überreichte. Der Verein der Berliner Künstlerinnen,
Gaale selbst waren auf Befehl Seiner Mas st I , «rnfeffor Wichmann aus Weimar waren die
Mnb Rüstigkeit zeigte, präsentirte die Ehrenwache nach altem Reglement. Der Flügeladjutant und Commandeur deS !
1. Garde Regiments zu Fuß Oberst ti. ~ '
Excellenz Menzel im Namen Seiner Majestät. Der Meister war üoer diese Aufmerkiamkeit tief gerührt. Als er sich tanu in den Nebensaal begab, begrühte ihn ein a capella- Gesang der Königlichen Hochschule für Musik. Nach Beendigung deffelben übergab der Chef der Schatullen Verwaltung, Geh. Reg.. Rath Miessner, eine Büste Seiner Majestät deö Kaisers von Schott in Bconce, in Lebensgröße modelltrt.
ES wurde dann mit einer Ansprache des Professors Ende das von Professor Koner gemalte Porträt MenzelS, welches herrlich mit Blumen geschmückt war, mit der Bestimmung übergeben, daß eS zum Andenken an die heutige Feier für immer in dem Sitzungsfaale der Akademie verbleiben sollte. Dann wurde Menzel in das kleine, völlig irrt seinen Werken geschmückte Zimmer geführt, welches zugleich mit Möbeln aus der Zeit Friedrichs des Großen aus dem Königlichen Sckloß ausgestattet war. Hier begrüßte ihn im Namen der Regierung der Cultusminister Dr. Bosse, welcher in Menzel daS Vorbild einer auSgereiften, fünft irischen Persönlichkeit erblickte. Er überreichte ihm eine Radirung deS Proseffor Giler, Friedrich den Großen auf dem
Feuilleton.
Weihnachtsbilder.
Plaudereien für dm „Gießener Anzeiger".
(Nachdruck verboten.)
I.
Die Weihnachtsvorbereituugen.
Der erste Schnee ist über Nacht gefallen. Ein weiss-r, Lichter Vorhang hat sich vor die Welt gesenkt, die noch vor wenigen Tagen die bunten Farbevreste des Spälherdsteö trug. Durch die dünne Schneeschicht bohrt sich aber sieghaft daS immerwährende Grün der Nadelhölzer, als wollte es verende«: nun ist meine Zeit gekommen, mich vertreibt kein Elskönig!
Die Natur hat das weihnachtliche Feierkletd ungezogen, den« unwillkürlich leihen wir ihr die Stimmungen, die und erfüllen.
Wit leuchtenden Augen schauen die Kleinen auf dem Arme der Mutter nach den frisch candirten Tannenbäumen und fragen: Kommt jetzt bald der Weihnachtsmann? Oder sie deuten in der Dämmerstunde, wenn sie in heißer Spannung dem so und so ost gehörten Märchen lauschen, mit den kleinen Fingern nach den Sternen, die in den kalten Wiuternächten um f» Heller funkeln, und sagen: Das find wohl die Weihnachtslichter; wie lange dauert es denn noch, bis sie auch Lei uns angesteckt werben? und die Größeren in der Schule Lerne, da« schöne Liedchen: „Alle Jahre wieder kommt das LhristuSktnd auf die Erde nieder, wo wir Menschen find, ist auch mir zur Seite still und unerkannt, daß es treu mich leite an der lieben Hand."
Wohl unS, wenn wir auch tu späteren Jahren nicht verlernen, auf daS Flügelrauschen des Weihnachtsengels zu achten, wenn wir auch noch im Alter mit jugendliche« Ge« müthe an dem Feste der Jugend theiluehmen und mit froher Geschäftigkeit unsere Vorbereitungen zu ihm treffen können!
Ja, diese Vorbereitungen! Wie viel Freude gewähren sie nicht und zu welch endlosen Klagen bieten sie gleichzeitig Anlaß?! Letztere darf man nur nie ernst nehmen. „In vier Wochen ist Weihnachten und ich habe noch rein gar nichts besorgt!" DaS ist so die stehende Redensart unserer Mütter und Schwestern. Und gerade die tüchtigsten Hausfrauen, welchen jeder Tag ein wohl abgemessenes Stück Arbeit überweift, find eS, die so reden. Kommt dann aber die Stunde der Bescheerung, dann biegt sich der Tisch förmlich unter der Last der Gaben, die nicht nur so in zwölfter Stunde zusammengerafft, sondern mit liebevoller Umsicht und verständtger Berücksichtigung der Bedürfnisse jedes Einzelnen ausgesucht worden find.
Zu einer normalen Weihnachtsvorfreude scheint die Angst deS Nichtfertigwerdens nun einmal zu gehören. Die Haus fiau verwendet auf ihre Commissionsgänge jetzt die doppelte Zeit, und immer ist die „Hauptsache" noch vergessen oder ntcht nach Wunsch gesunden! Die Haustöchter sticheln in vorgerückter Abendstunde an ihren Handarbeiten herum, während schon die Lampe mit dem letzten Oeltropsen wuchert. Der ungleich größere Petroleumverbrauch muß in den Haushaltungen auch auf daS WeihnachtSconto geschlagen werden.
Heute, wo der Beschäftigungskreis unserer Mädchen fich so bedeutend erweitert hat, ist auch die Klasse der Weihnachtsgeschenke, die aus zarter Hand hervorgehen, um hübsche Neuheiten bereichert worden. Die Vorliebe, welche unsere Damenwelt in den letzten Jahren für die Malerei und ins- besondere für das kunstgewerbliche Malen und Zeichnen erfaßt hat, liefert die Grundlage für die Anfertigung allerliebster Sachen, wie bemalte Wand» und Ofenschirme, Photographierahmen, Papier- und Flickkörbe, Schatullen, Kästchen rc. rc., die auf dem Gabentisch ungemein zierlich und farbenfroh wirken.
Die malenden Damen sind jedoch bei den Weihnachts Vorbereitungen diel ungünstiger daran als ihre Schwestern mit der Nadel. Während diese in den stillen Abendstunden,
ja bei nachtschlafender Z it, rüst'g thr Wetk fördern können, sehen sie sich angewiesen auf das kurze Tageslicht, das schon um 4 Uhr Nachmittags Abschied nimmt. Da müssen die Hellen Stunden mit doppeltem Eifer auögenützt werden.
Aber gerade tn dieser fliegenden Eile, in diesem athem- losen Schaffen steckt ein Hauptreiz. Die Poesie der Weihnachtsvorbereitungen hört erst auf und räum: der Prosa den Platz, wenn wir aus dem schützenden Bezi k des Hause« hinaustreten auf den Markt des Lebens, hinein in das laute, geräuschvolle Geschäftsgetriebe. Die Zeit vor Weihnachten ist für unsere GeschäflSleute eine aufreibende, ungeheuere Kräite von Intelligenz und physischer Arbeit absorbirende Zeit. Von Genuß ist bei diesen WeihnachtSvorbereitungen wenig zu spüren. Wenn der WeihnachtSmarkt flau auSsallt, so ist daS für die meisten Gcschäste eine große Calamirät. Mit allen Mitteln einer geschickten Reclame müssen daher die Käufer herbeigelockt werden. Um in der Concurrcnz bestehen zu können, wird auf die Herstellung der Anpreisung eine besondere Sorgfalt verwendet. Eine ganze Technik hat fich hierfür schon herausgebildet. Vorbei, lange vorbei find die gemüthlichln Zeiten, da der Inhaber einer Firma in Ge- wüthöruhe hinter seinem Ladentische abwarten durfte, bi« das kaufende Publikum ihn aufsuchte und sich das seinen Wünschen Entsprechende vorlegen ließ. Nicht nur, daß die Schaufenster und Erker eine ungeahnte Ausdehnung erfahren haben, — der sichtbaren Ladenausstellung zur Seite wandelt auch die gedruckte Reclame, häufig in Gestalt eines splendid ausgeftattetkn WeihnachtS-CatalogS, der gleich den neuen Kalendern womöglich auch noch Bilder und Geschichten mit fich sühn und den Leuten gratis ins HauS kommt. Ein hübsches Sümmchen muß der Kausmann bereits im Voraus, in Erwartung deS eintreffenden Verdienstes für derartige Reclame opfern. DaS ist nun einmal nicht anders und infolge des fieberhaften Wettbewerbs spitzt sich daS von Jahr zu Jahr noch zu.
(Fortsetzung folgt.)


