Ausgabe 
11.8.1895 Erstes Blatt
 
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Ur. 187 Erstes Blatt. Sonntag den 11. August

1898

Der

Hlezener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montag».

Die Gießener

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TKeil.

Bekanntmachung, betreffend den Ausbruch des Rothlaufs bei Schweinen zu Bad-Nauheim.

Zu Bad-Nauheim, Kreis Friedberg, ist die Rothlauf- seuche amtlich festgestellt worden.

Gießen, am 9. August 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Bekanntmachung,

betreffend Rothlauffeuche in der Gemeinde Nauborn.

In der Gemeinde Nauborn, Kreis Wetzlar, ist die Rothlauffeuche amtlich festgestellt worden.

Gießen, den 9. August 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche zu Grebenhain.

Die zu Grebenhain, Kreis Lauterbach, ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen und die Gemarkung-, sperre aufgehoben worden.

Gießen, den 9. August 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Gießen, den 9. August 1895.

Betr.: Die Aufstellung der Voranschläge der evangelischen Kirchenfonds für 1896/97.

DaS Sroßherzogliche Kreisamt Sießeu

au die evang. Kirch envorstäude des Kreises.

Unter Hinweis auf § 4 der Instruction zur Fertigung der Voranschläge über die Vermögensverwaltung der evange­lischen Kirchen vom 31. August 1885 beauftragen wir Sie, die rubricirten Voranschläge nach Anhörung des Ktrchen- rechners so zeitig aufzustellen, daß die Berathung derselben im Gesammt-Kirchenoorstand und in der Kirchengemeinde­vertretung im Monat September stattftnden und die Vorlage an das betreffende Großh. Decanat bis spätestens Mitte Oktober erfolgen kann.

Insofern ein Beitrag der Civilgemeinde zur Deckang des kirchlichen Desicits in Anspruch genommen werden muß, ist nach § 24 Ord.-Nr. 10 der Kirchenvoranschlags-Jnstruction alsbald nach der Berathung des Voranschlags im Kirchen- Vorstände und Gemeindevertretung der Bürgermeisterei, unter Mittheilung eines Auszugs aus dem Voranschläge, von der Höhe des nothwendigen Zuschußes Nachricht zu geben, damit der erforderliche Credit im Gemeindevoranschlage ordnungs- mäßig gewahrt werden kann.

Mit Bezug auf das Ministerialausfchreiben vom 16. Juni 1893 abgedruckt in Nr. 8 des Verordnungsblattes von 1893 wird bemerkt, daß vollständige Verzeichnisse der Activ-Capitalien (vergl. pos. V. 2.) diesmal nicht beizu­legen, sondern nur die seit Aufstellung des vorhergehenden Voranschlags eingetretenen Aeuderuugeu aufzuführen sind. Es empfiehlt sich, hierbei die letztgestellte Rechnung zur Hand zu nehmen.

Wir verweisen noch auf das Ausschreiben Gr, Ober- consistoriums vom 12. October v. Js. (Verordnungsblatt Rr. 14) und empfehlen Ihnen zur Vermeidung von Revisions- bemerkungen genaue Befolgung dieser Vorschrift.

Die Revisionsverhandlungen zu den vorhergehenden Vor­anschlägen sind bei Aufstellung des neuen Voranschlags zu beachten.

Von der Ablieferung der Voranschläge an die Großh. Decanate wollen Sie uns demnächst und jedenfalls bis Mitte October Anzeige erstatten.

I. V.: Dr. Melior.

Gießen, den 9. August 1895.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Deeauate Gießen, Grünberg, Hungen und Nidda.

Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben an die evang. Kirchenvorstände vom heutigen Anzeiger Nr. 187 ersuchen wir Sie ergebenst, gefälligst dafür Sorge tragen zu wollen, daß uns die Voranschläge der zum diesseitigen Kreise gehörigen Kirchenfonds Ihres Dekanats, wenn nicht früher

angängig, so doch bestimmt zu dem vorgeschriebenen Termin (Mitte November) zugehen werden.

Jedenfalls bitten wir, die von Ihnen revidirten Vor­anschläge nicht in größeren Parthien, sondern möglichst nach Revision der einzelnen Exemplare uns gefl. übersenden zu wollen, damit das Revisionsgeschäft unsererseits erleich­tert wird.

I. V.: Dr. Melior.

Gefunden: 1 goldener und 1 silberner Ring, 1 Arm­band, 1 Manschettenknopf, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Spazierstock, 1 Visitenkartentäschchen, 1 Paar gelbe Glace­handschuhe, 1 Schürze, 1 Peitsche und 1 Wagenkapsel.

Zugestogen: 1 Kanarienvogel.

Gießen, den 10. August 1895.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Neueste NichrLchten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Burgdithmarscheu, 9. August. Heute Abend erglänzte zum ersten Male der Kaiser Wilhelm-Canal von der Elbe bis Rendsburg in electrischer Beleuchtung. Die Apparate functioniren gut.

Alliuge auf Bornholm, 9. August. DerKaiseradler" liegt seit gestern in der Bucht von Allinge. An Bord be­finden sich die Prinzen Adalbert und August Wilhelm. Dieselben landeten heute, fuhren nach Dindalen, besichtigten die Klippen von Helligommen und kehrten sodann an Bord desKaiseradlers" zurück. Derselbe bleibt voraussichtlich noch morgen hier. Das Wetter ist stürmisch und regnerisch.

Stuttgart, 9. August. DerStaatsanzeiger für Würt­temberg" macht amtlich die Erwerbung eines großen Ge­fechts-Schießplatz es für das 13. Armeecorps auf dem Muensinger Haardt (Rauhe Alb) bekannt, sowie die Ermäch­tigung zur Zwangseuteignung.

Budapest, 9. August. Die ungarische Regierung hat die Abhaltung des Nationalitäten'Congresses genehmigt, unter der Bedingung, daß derselbe im Sinne des Gesetzes als eine Volksversammlung mit öffentlichem Character be­trachtet werde.

Triest, 9. August. Heute erfolgte ein schwacher Erd­stoß, der drei Secunden andauerte.

Paris, 9. August. DerTemp S" sagt in einer Be­sprechung der Niedermetzelungen in China, es sei unmöglich, daß Europa bei derartigen Vorgängen gleichgiltig bleibe. Die Initiative zu Maßnahmen, um Genugthuung zu erlangen, gezieme der Macht, deren Angehörige am meisten betroffen worden find. DerTemps" hofft, die moralische Gemeinsamkeit Europas werde zu diesem Zwecke hergestellt werden und China rasche Genugthuung geben.

Ryde, 9. August. Der Kaiser nahm Abends an dem Bankett Theil, das von den Mitgliedern des Royal Yacht Squadron Clubs, welche in SHel gewesen waren, gegeben wurde. Der Kaiser war begleitet von dem Admiral von Senden - Bibran und Capitän von Arnim. DieHohen- zollern" und die anderen Schiffe hatten illuminirt.

Depeschen deS Bureau .Herold'.

Berlin, 9. August. Wie aus Cowes gemeldet wird, begibt fich der Kaiser den neuesten Anordnungen zufolge am Sonntag Morgen nach Southampton und tritt von dort die Reise nach Schloß Lowther an.

Berlin, 9. August. Das Programm der Feierlichkeiten bei der Grundsteinlegung für das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelm I. in Berlin am 18. August wird heute auch imReichsanzeiger" bekannt gegeben.

Berlin, 9. August. Aus Anlaß des am 19. dss. Mts. auf dem Tempelhofer Felde stattfindenden Appells der Kriegervereine find die Staatsinstitute angewiesen worden, ihren Arbeitern, sofern sie Combattanten sind, den Tag frei zu geben ohne Kürzung deS Lohnes. Am 2. September, dem Gedenktage von Sedan, sollen die Bureaus sämmtlicher StaatS- und städtischen Behörden, sowie Institute zur Feier des TageS geschlossen bleiben.

Berlin, 9. August. DieStaatsbürger-Zeitung" meldet aus Hannover: Die wegen Meineids am 9. März zu 9 Monaten Gesängniß verurtheilte Frau Sch nutz (Fall Leuß) ist heute begnadigt worden.

Budapest, 9. August. Die Polizei verhaftete den Besitzer des hiesigen HotelsZum goldenen Adler", Michael Sombar, dessen Frau und Schwager, welche dringend ver­dächtig find, im Jahre 1884 auf dem hiesigen Poftamte 284,000 Gulden gestohlen zu haben.

Mailand, 9. August. DerSecolo" veröffentlicht folgende Sensationsmeldung: Stambulow hat fich mittelst colossaler Geldsummen, welche er an die größten europäischen Blätter zahlte, seinen Ruf erkauft. Es wäre unmöglich, alle bulgarischen Blätter aufzuzählen, welche von Stambulow subventionirt worden seien. Die officiöseSwoboda" allein habe während einiger Jahre die Summe von 480,000 Franken erhalten; ferner erhielten zwei andere bulgarischen Blätter 42,000 und 12,000 Franken. Diese Zahlen sind durch Quittungen, welche die Directoren der betreffenden Zeitungen unterzeichneten, nachgewiesen. Die Quittungen liegen im Staatsarchiv zu Sofia. Von ausländischen Zeitungen hat Stambulow folgende subventionirt: DieNeue Freie Presse" sechs Jahre lang mit je 12,000 Francs, dieRevue d'Orient" mit jährlich 12,000 Francs,Revue diplomatique" 6000 Fr., Agence Balcanique" 60,000 Frcs. jährlich. Nicht periodische Subventionen erhielten: DerPester Lloyd" 28,000 Frcs., dasWiener Tageblatt" 8000 FrcS., dieKölnische Zeitung" 32,000 Frcs. und viele andere Blätter kleinere Beträge. Stambulow war in Sofia während einer gewissen Zeit von einer ganzen Armee auswärtiger Berichterstatter umgeben, welche ihren Blättern tnspirirte Artikel sandten, auch solche, die Stambulow selbst geschrieben hatte.

Lüttich, 9. August.La Gazette de ßidgq" theilt mit, daß in der Umgegend von Lüttich mehrere choleraähnliche Erkrankungen vorgekommen sind und fordert die Be­völkerung auf, alle Maßregeln zu ergreifen, welche in dieser Lage geboten erscheinen.

Petersburg, 9. August. In sechs Gouvernements herrscht die sibirische Pest und richtet unter den Viehbeständen große Verheerungen an.

Sofia^ 9. August. Das Organ Zankows ist wegen Auf­stellung der Candtdatur eines neuen Fürsten von Bulgarien, des Prinzen Georg von Griechenland, unter Anklage gestellt worden.

Sofia, 9. August. In Regierungskreisen circulirt jetzt mit Bestimmtheit das Gerücht, Fürst Ferdinand werde zur Bekämpfung der inneren Schwierigkeiten die Unabhängig­keit Bulgariens proclamtren und sich von der Sobranje zum König auSrufen lassen.

Rewyork, 9. August. Gestern Abend stürzte ein Neubau ein und begrub eine große Anzahl Arbeiter unter seinen Trümmern. 32 Leichen sind bereits hervorgezogen worden.

Der Krieg von 1870171, geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit (Nachdruck öerboten.)

10. August.

Wie stolz heben die Deutschen das Haupt, wo sie auch wohnen in der Welt. In England flaggten alle deutschen Schiffe zu Ehren der erfochtenen Siege und auch auf der Newa (Rußland) prangten alle Schiffe im vollen Farben­schmuck.

König Georg (von Hannover) ist wegen seines Ver­haltens Preußen gegenüber als Chef des Brandenburger Husarenregiments aus der Rangliste gestrichen worden.

Dem todeSmuthtgen Jägerbataillon, daS auf dem Geisberge die erste französische Kanone erobert hat, fallen große, von Privaten ausgesetzte Belohnungen zu. In Preußen werden vom Staate für Eroberung eines Geschützes in offener Feldschlacht 60 Ducaten, für eine feindliche Fahne 40 Ducaten gezahlt.

Bor den Bayern haben die Franzosen gewaltigen Re­spekt bekommen. Ein gefangener Offizier erklärte: Die Bayern find keine Soldaten, das find Metzger. Sie schlugen unsere Soldaten mit den Flintenkolben nieder, wie die Metzger die Ochsen mit dem Beile. Der alte Napoleon hat die Bayern auch Fleischhacker genannt.

Die zweite Armee (Prinz Friedrich Carl) und die erste Armee (General von Steinmetz) schließen fich in engstem Zusammenhänge zum Vormarsch nach Lothringen an­einander. Die kleine Festung Bitsch, wo das Corps des Marschalls Mac Mahon auf der Flucht sich sammeln zu wollen schien, ist damit schon in der Flanke umgangen. Die kronprinzliche Armee wird auf dem linken Flügel ihre Be­wegung ungesäumt fortsetzen und aus dem stark coupirten Terrain des nördlichen Elsaß ebenfalls bald in die oberen Landschaften Lothringens gelangen.

11. August.

Leboeuf, der Kriegsminister und Generalstabschef, schwärmte für den militärischen Spaziergang nach Berlin. In der für den Krieg entscheidenden geheimen Sitzung fragte ihn der Abgeordnete Kvratry:Marschall, find wir bereit?