Ausgabe 
11.6.1895 Erstes Blatt
 
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Schutzherrn der Landwirthschaft und der producirenden Stände. Nach Beendigung der Rede wurden dem Fürsten von einigen der anwesenden Damen Blumenspenden überreicht. Nach dem Frühstück, zu welchem eine große Zahl der Erschienenen ge­laden war, wurde um halb 5 Uhr mittels Sonderzugs die Rückfahrt angetreten.

Frtedrichsroh, 9. Juni. Gestern Nachmittag traf der preußische Kriegsminister Bronsart von Schellendorff zum Besuche des Fürsten Bismarck ein, übernachtete Hier­selbst und reiste heute Vormittag 91/* Uhr nach Berlin zurück. Am Dienstag Mittag wird der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin zum Besuche eintreffen und um 2 Uhr wieder nach Stettin zurückreisen. Die Deputation der badischen Bürgermeister, die dem Fürsten den Ehrenbürgerbrief überbringen, wtrd^Mittwoch^Mittag em­pfangen werden.

Depeschen des Surciu »Herold".

Wie», 9. Juni. Heute Vormittag haben sich trotz des Polizeilichen Verbots', im Prater und an anderen Orten Arbeitermeetings abzuhalten, Tausende von Arbeitern im Prater eingefunden. Die zahlreich aufgebotenen Polizei- mannschaften forderten die Arbeiter zum Auseinandergehen auf, welchem Befehle jedoch nicht nachgekommen wurde. Bei emer abermaligen Aufforderung wurde die Polizei mit Stein- würfeu und Stockhieben rractirt, und erst, als die Mann­schaften mit aller Energie vorgingen, gelang es, die Arbeiter zu zerstreuen. Im Innern der Stadt fanden jedoch neue Ansammlungen statt, so daß es daselbst ebenfalls zu einem Rencontre zwischen den Demonstranten und der Polizei kam. Eine besonders zahlreiche Ansammlung fand vor dem Hause des MioisterpräfidiumS statt, der Polizei aber ist es ge­lungen, die daselbst beabsichtigte Demonstration im Keime zu ersticken. Die Stadt befindet sich in nicht geringer Aufregung wegen der heute eventuell noch zu erwartenden Vorgänge. Um jede Demonstration zu verhindern, streifen starke Cavallerte- Patrouillen und Schutzleute zu Fuß und zu Pferde durch die Straßen der Stadt.

Brun», 9. Juni. Den Offizieren und Mannschaften der Brünner Garnison ist der Besuch desczechtschenVeretnS- h aus es verboten worden. Der diesbezügliche Corpsbefehl ist gestern in allen hiesigen Kasernen verlesen worden.

Budapest, 9. Juni. Der Ausstand der Post- bediensteten nimmt weitere Ausdehnung an. Gestern fanden wiederholt Unruhen statt.

TemeSvar, 9. Juni. Ein heftiger Wolkenbruch hat gestern auch die hiesige Umgegend hermgesucht. Während eines zugleich niedergegangenen Gewitters fuhr der Blitz in eine bet einem Bahnbau beschäftigte Arbeiter-Colonie, wobei ein Bauparlter getödret wurde. Drei Ingenieure, welche sich in der unmittelbaren Nähe der Unglücklichen befanden, find unverletzt geblieben. '

Brussel, 9. Juni. Die Polizei hat gestern Abend bet dem Hauptschuldigen einer vor Kurzem in Brüffel entdeckten Falschmünzerbande, Namens Marius Chaudron, eine Haussuchung abgehalten. Als die Polizei in die Wohnung eindrang, trank Chaudron ein Fläschchen mit Gift aus. Der Tod trat sofort ein. In der Wohnung wurde eine voll­ständig eingerichtete Falschmünzerwerkstatt entdeckt und viel falsches Geld gefunden.

Paris, 8. Juni. In der Wohnung eines Anarchisten, welcher verdächtig ist, einen Raubmord begangen zu haben, wurde eine Dynamitbombe gefunden. Der Anarchist hat emgestanden, daß er die Bombe im Theater während einer Vorstellung unter das Publikum werfen wollte.

Schwurgericht.

Gieße», den 10. Juni 1895.

W. Heute Vormittag um 9 Uhr eröffnete als Vor­sitzender Herr Laudgerichtsrath Hellwig die erste Sitzung der diesjährigen Schwurgerichts-Session für die Provinz Oberheffen. Nach AuSloosung der Geschworenen und nach

nahm mir den Befehl ab mit den Worten:Einen Gruß an General Lyncker!" Gegen 3 bis 4 Uhr wüthete der Kampf am fürchterlichsten. Mehrere Granaten schlugen in unserer Nähe ein; Adjutant Möller und Oberst Zwenger erhielten schwere Verwundungen. Aus St. Privat la Montagne und Verneville stiegen dicke Rauchwolken auf, die uns große Feuers­brünste verkündeten.

Um 4 Uhr versuchte die französische Garde den Bahn­damm, den unser 2. Jägerbataillon gegen die große Ueber- macht heldenmüthig vertheidigte, im Sturm zu nehmen. Da wurde mir meine schwierigste Aufgabe im Kriege zu Theil. Ich erhielt nämlich von meinem Chef den Auftrag, dem commandirenden Major des Jägerbataillons, Herrn Winter, mitten im Kampfesgewühl den Befehl zu überbringen:Die Stellungen sind unter allen Umständen zu behaupten!" Mein Chef entließ mich mit 'den Worten:Reiten Sie in Gottes Namen!" Auf Anweisung des commandirenden Artilleriechefs, Herrn Oberstlieutenant Stumpf, sprengte ich vor der Feuer­linie unserer Artillerie dem Jägerbataillon zu. Obwohl die Geschoffe von beiden Seiten über und neben mir vorbeisausten und auch in unmittelbarer Nähe einschlugen, erreichte ich doch glücklich die Stellung der Jäger, die von den Franzosen mit einem mörderischen Gewehrfeuer bestrichen wurde. Freund­lichst empfing mich inmitten seiner Soldaten Major Winter mit den Worten:Nun, was bringt denn unsere Ordonnanz?" Ich machte ihm die angegebene Meldung, und er entließ mich mit dem Rath:Reiten Sie nicht, führen Sie das Pferd zurück!" Außerdem gab er mir den Befehl:Sagen Sie dem Herrn General, so lange ich noch einen Mann im Ba­taillon hätte, käme ich nicht zurück!" Die Braven standen mauerfest. Dem Ansturm der französischen Infanterie gebot hauptsächlich unsere Artillerie Einhalt. Auf dem Rückwege er­hielt mein Pferd, das ich, wie mir Herr Major Winter ge- rathen, am Zügel führte, einen Schuß, der es schwer ver­

Erledigung der gesetzlichen Formalitäten wird in die Ver­handlung gegen den Bäckergehilfen Joseph Filz von Affenhetm wegen des Verbrechens der versuchten Brand­stiftung, § 306 pos. 2 u. 3 d. R. - Str. - G., eingetreten. Die Großherzogl. Staatsbehörde wird vom Ersten Staats- Anwalt Herrn Dr. Güngertch vertreten. Die Verthei- digung führt Herr Rechtsanwalt Dr. Gutfletsch. Einige 20 Zeugen sind zur Stelle. Der am 2. August 1868 zu Assenheim geborene Angeklagte ist vorbestraft und .zwar ein Mal wegen Bedrohung und mehrere Male wegen Be­leidigung, derselbe macht auf der Anklagebank sitzend Men recht simpelen Eindruck. Ihm wird zur Last gelegt, daß er im Januar oder Februar 1893 oder um diese Zett die Hofraithe des Eberhard Walther zu Affenhetm, worauf ein zum Wohnen von Menschen bestimmtes Gebäude sich befindet, vorsätzlich in Brand zu setzen versucht habe. Auf der Walther'schen Hofraithe befindet sich ein Schwetnestall, welcher dicht an ein bewohntes Gebäude grenzt. Ueber der Stall- thür befindet sich eine größere Oeffnung zur Lüftung des Raumes, welche im Winter zum Schutz gegen die Kälte mit Stroh ausgefüllt wird. Dieses Stroh soll der Angeklagte um die betreffende Zeit in Brand gesetzt haben, indem er ein Lichtstumpfen brennend, eingeklemmt in einer Schweden­schachtel, in demselben niedergesetzt hat. Filz bestreitet ganz entschieden, die That begangen zu haben und erklärt, daß es die Träger der Namen Schmidt und Bopp von Affen­heim seien, welche sich unter den heute zu vernehmenden Zeugen befinden, die ihn durch Machenschaften ins Unglück bringen wollen. Der Angeklagte erklärt auf Befragen des Bertheidigers, nicht in die Schule gegangen zu sein, auch nicht lesen und schreiben zu können, außer seinen Namen. Erster Staatsanwalt, Herr Dr. G ü n g e r i ch, bemerkt, daß es scheine, als wenn die Vertheidigung die Absicht habe, die GetsteSgesund- heit des Angeklagten anzuzwetfeln. Er habe während der Voruntersuchung keinerlei Anzeichen dafür gefunden, daß dem so fei, sonst hätte er den Filz durch einen Arzt untersuchen lassen. Die Anklagebehörde beantragt, diejenigen Zeugen, welche über den Geisteszustand und das Vorleben des An­geklagten gehört werden sollen und die von der Vertheidigung geladen seien, zuerst zu vernehmen, um einen medicinischen Sachverständigen nachziehen zu können. Herr Rechtsanwalt Dr. Gutfletsch legt die Umstände dar, weshalb er früher nach dieser Richtung keine Anträge habe stellen können, hat aber gegen den Antrag der Staatsanwaltschaft nichts einzuwenden.

Nach weiteren Zeugenvernehmungen, aus welchen hervor­gehl, daß der Angeklagte nicht als geistig normaler Mensch betrachtet werden kann, beantragt der Erste Staatsanwalt, Herr Dr. Güngerich,' die Vertagung der Verhandlung, um den Angeklagten von einem dazu berufenen Sachverstän­digen untersuchen und beobachten laffen zu können. Der Vertheidiger, Herr Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch, schließt sich diesem Anträge an, worauf der Gerichtshof demgemäß beschließt.

CocaUs unb prooittsielics.

Gieße», den 10. Juni 1895.

** Ehrung. Die philosophische Facultät der Landes- Universität hat heute ihrem Ehrendoctor, dem Geheimerath Dr. O. v. Boehtlingk, Professor der Kaiserlichen Akademie in St. Petersburg, z. Zt. in Leipzig wohnhaft, anläßlich seines 80jährigen Geburtstages eine Glückwunsch- adreffe überreichen laffen. Der Gelehrtengreis ist eine an­erkannte Autorität auf dem Gebiete der Orientalischen Wissenschaft.

** Stiftungsfeier Adelphia. (Unlieb verspätet). Vom dritten bis sechsten Juni feierte die hiesige studentische ReformverbindungAdelphia" das Fest ihres 25 jährigen Bestehens, zu dem sich natürlich fast alle alten Herren ge- nannter Verbindung, deren Zahl im Verhältniß zu der Zeit des Bestehens nicht unbedeutend ist, von weit und breit eingefunden hatten. Eingeleitet wurde das Fest am zweiten !

wundete. Bald darauf überschritten die Jäger mit ihrem Major an der Spitze den Bahndamm und gingen in der Richtung nach Verdun vor.

Gegen 5 Uhr wurde bte feindliche Artillerie ruhig, und wir vernahmen alsbald auf unserer linken Seite Musik, daß wir uns ängstlich fragten:Sollten die Franzosen doch durch­gebrochen sein?" Große Freude herrschte jedoch, als Herr Rittmeister v. Hehl herangeeilt kam und die Einnahme von St. Marie aux Chenes durch die preußische Garde und Sachsen meldete. Dieser Sieg war für uns von großer Be­deutung, da der Feind in unserer linken Flanke saß. Neuer Muth ging durch unsere Reihen. Die Säbel schwingend, rückten alle Commandeure, General v. Wittich an der Spitze, mit unseren Hessen gegen Amanweiler vor. Es mochte etwa 7 Uhr sein, als wir den Feind aus allen seinen Stellungen vertrieben hatten. Ein Generalstabsoffizier erstattete bald darauf die Meldung, daß die Franzosen auf der ganzen Linie geschlagen seien mit Ausnahme auf der Höhe von Gravelotte, bezw. St. Privat, welche bald darauf von den tapferen Pommern unter ihrem heldenmüthigen Anführer, General von Fransecky, erstürmt wurde.

Nach Beendigung der Schlacht ließ Prinz Ludwig die Commandeure beordern, die Ordonnanzen auszuschicken, um alle Offiziere zu sich zu berufen. Der hohe Kriegsherr hielt eine die Bedeutung des Tages würdige Ansprache, in welcher er vorzugsweise der gefallenen Brüder gedachte., Hieraus spielte die Musik den Choral: Nun danket alle Gott! Kein Auge blieb thränenleer.

Es war schon dunkel, als wir am Rande des Schlacht­feldes Biwak bezogen. Mit großer Sorge gedachte ich meines Bruders G. Einen kurzen Urlaub benutzte ich zur Nachforschung nach demselben. Auf die erste Anfrage bei seiner Compagnie bekam ich den trostlosen Bescheid, er sei unter den Todten. Bei einer zweiten Nachfrage erhielt ich die

Pfingstfeiertag durch die Begrüßung der angekommenen Fest- theilnehmer auf der Kneipe. Am folgenden Abend fand ein zahlreich besuchter Commers in dem prächtig geschmückten Stein'schen Saalbau statt, bei dem ein reicher Damevflor Zuschauer bildete. Die von Begeisterung getragene Festrede, die ein Gründer der Verbindung übernommen hatte, fand unter den Versammelten stürmischen Beifall und verfehlte nicht, in den Anwesenden die begeisterte Feststimmung hervorzn- rusen. Den Glanzpunkt des Abends bildete die Ueberreichung einer prachtvoll gearbeiteten Fahne, die die Damen als Zeichen ihrer Theilnahme an den FreudenAdelphiaS" der activen Verbindung gestiftet hatten und die beredtes Zeugniß giebt von dem Interesse, das auch die Damen einer Verbindung mit so gesunden, veraltete, unzeitgemäße studentische Tradi­tionen über Bord werfenden Principien, wie sie die Reform­verbindungAdelphia" nun feit einem Vierteljahrhundert vertritt, entgegenbringen. Der folgende Morgen vereinte alle Festtheilnehmer nach der Aufnahme eines Gruppenbildes in dem schattigen Garten vor der Kneipe zu einem solennen Frühschoppen mit Musik, an den sich das offene Festmahl im Cas6 Ebel anschloß. Das Gartenfest am Nachmittag in SteinS Garten, bei dem die gesammte hiesige Regiments- capelle ein dem Festtag entsprechend gewähltes Programm zur Ausführung brachte, verlief nur zu rasch, um am Abend auch die Kunst Terpsischores zu ihrem Rechte kommen zu laffen. Den Schluß des Festes bildete am Donnerstag ein überaus stark besuchter Ausflug nach dem herrlich gelegenen Schlöffe Braunfels. Wenn auch die Verbindung als Reformverbindung weniger auf äußere Prachtentfaltung Werth gelegt hatte, so verlief die Stiftungsfeier doch in schöner und erhebender Weise und zeigte den vielen anwesenden alten Herren, daß, wie in allen anderen Punkten, die jetzigeAdelphia" auch hierin von dem Geiste, der die Gründer beseelte, völlig durch­drungen ist. Möge die Theilnahme an diesem Feste jedem Erschienenen ein angenehmer Gegenstand der Erinnerung fein.

** Eine» festliche» Umzug veranstalteten gestern Nach­mittag die hiesigen Metzgergesellen zur Feier des 10. Stiftungsfestes ihrer Vereinigung. An dem Umzüge nahmen Collegen von Frankfurt, Wetzlar u. f. w., sowie der hiesige Athletenclub Theil. D:m Umzug folgte eine all­gemeine Belustigung in derPulvermühle".

** Specialitäten-Circus W. Zmmaus. In dem Riesen- Pracht-CircuS aus dem Brandplatze findet Dienstag den 11. Juni, Abends 8 Uhr, die große Gala-EröffnungS-Vor- stellung statt. Dem nicht weniger als 60 Mitglieder besitzenden Circus Jmmans geht ein bedeutender Ruf voran, so daß dem hiesigen Publikum eine Reche ebenso interessanter wie genußreicher Abende bevorsteht. Insbesondere dürfte die Premiere eine Fülle von Überraschungen und Kunstge­nüssen bringen. Ein Kranz bildhübscher, junger Künstlerinnen verschiedenster Nationalitäten werden mit durchwegs ganz neuen Glanzleistungen bebutlren; besonders interessant wird sich das Auftreten der sechs anrnuthigen Italienerinnen, Ge­schwister Picchiani, gestalten, welche in prächtigen Balltoiletten als Parterre- und Luft-Akrobatinnen geradezu Unglaubliches leisten sollen, ferner die reizende Drahtseilkünstlerin Miß Dora, die Tochter des Directors, vor Allem aber die Dar­bietungen des Directors Jmmans selbst, dessen wunderbar dresfirte Hundemeute überall Furore machte, insbesondere der SaltomortalhundFlock", der als Wunderthier zu bezeichnen ist, und Alles auf dem Gebiete der Hundedressur bisher Ge­leistete weit übertreffen soll. Mittwoch den 12. Juni giebt es zwei große Pracht-Vorstellungen und zwar Nachmittags eine Extra-Familien- und Kinder-Vor­stellung, deren Programm ebenso glänzend fein soll als jenes der Abends 8 Uhr stattfindenden Großen Gala- Vorstellung.

** Todt aufgefunde». Heute Morgen sand man den 73 Jahre alten Schreinermeister W. in feiner Wohnung in den Neuen Säuen tobt im Bette vor. Derselbe befand sich, da feine Frau feit einiger Zeit krank in der Klinik liegt, allein in der Wohnung und batte vorigen Samstag bereits

Antwort, daß er noch lebe. Ja, der Soldat versicherte mich, er habe ihn auf dem Kampfplatze unter den Todten und Ver­wundeten liegen sehen. Er wollte sogar wissen, daß er einen Schuß in den Hals habe und heftig blute. Da mir die Stellung des ersten Jägerbataillons, in dessen Reihen mein Bruder kämpfte, noch im Gedächtniß war, eilte ich sofort in der Dunkelheit dahin zurück. Mein Weg führte über mehrere Grundstücke, auf welchen Hafergarben saßen. Verwundete schleppten sich nach denselben, um wenigstens nicht auf dem nackten Erdboden übernachten zu müssen. Aus den inständigen Bitten ersah ich, daß sie meinten, ich sei gekommen, ihnen-die Garben für andere Zwecke wegzunehmen. Alle Fragen nach meinem Bruder blieben erfolglos. Zuletzt rief ich laut feinen Namen in die Nacht hinein, doch umsonst- keine Antwort ver- nahrn ich, nur das Aechzen und Stöhnen der Verwundeten drang aij mein Ohr. Traurigen Herzens kehrte ich in das Biwak zurück. Arn nächsten Morgen überreichte mir einer der Unteroffiziere einen Zettel, auf dem die Worte standen:Lieber Bruder, ich bin an der Brust verwundet, ich lag die Nacht über auf dem Schlachtfelde, wo ich Deine Stimme vernahm und meinen Namen rufen hörte. Du warst unweit von mir, ich konnte Dir aber keine Antwort geben. Gegen Morgen holte mich die preußische Sanitätsmannschaft und verbrachte mich auf ihren Verbandsplatz. Soeben wurde ich durch unsere Sanitätsmannschaft auf unseren Verbandsplatz gebracht. Gruß G." Sofort erbat ich mir nochmals einen kurzen Ur­laub in der Hoffnung, meinen Bruder aufsuchen zu können. Leider gelang mir dies nicht. Auf dem Platze waren die Schwerverwundeten mit Mänteln bedeckt, auch wies mich die Sanitätswache zurück. Am Nachmittag überritten wir mit dem Prinzen Ludwig das Schlachtfeld. Die ©eenen, die sich hierbei zutrugen, werden mir stets unvergeßlich bleiben.

Griesheim.

H. im Darmst. Tgbl.