Ausgabe 
10.11.1895 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 10. November

189«

Erstes Blatt

M. 265

Gießener Anzeiger

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Der

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Anrts- und Anzeigeblatt für den Aveis Gieren.

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Amtlichem Theil.

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche.

Nachdem in je einem Gehöfte zu Gießen und der Gemarkung Schiffenderg, sowie in zwei Gehöften zu Ruttershausen die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffent­lichen Kenntniß gebracht, daß die verseuchten Hofratthen unter Sperre gestellt find.

Gießen, den 9. November 1895.

Großherzogltches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Maul« und Klauenseuche.

Bet einer Kuh des Salomon Stern zu Rodheim vor der Höhe ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden. Gehöftsperre ist angeordnct.

Gießen, den 9. November 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Betr.: Die Volkszählung im Jahre 1895.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntniß, daß Grobherzogliches KreiSamt Gießen den Unterzeichneten zum Vorsitzenden und die Stadtverordneten Adami, Keller, Bogt, Brück, Habenicht, Schmoll, Jughard und W a l l e n f el S zu Mitgliedern der hiesigen ZählungScommisfion ernannt hat.

Gießen, den 8. November 1895.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. E.

v. Bechtold, Regierungs-Affeffor.

Gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Broche, 1 Plüschkragen, 1 Mantel-Rad, 1 Mhklffen, 3 Regenschirme, 1 Ktnderkragen, 1 Taschentuch, 1 Buck, 1 Metermaß, 1 Kette und 1 Stelscheid.

Gießen, den 9. November 1895.

Grobherzogliches Polizetamt Gießen.

I. E.

v. Bechtold, RegierungS-Asiessor.

UeucHc Nachrichten.

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 8. November. Bei der heutigen Wahl von 14 Stadtverordneten der dritten Abtheilung wurden gewählt: 6 Liberale, 3 Candidaten der Arbeiterpartei/ 3 Stichwahlen sind erforderlich und 2 Wahlen stehen noch aus.

Ellifchau, 8. November. Nach unruhiger, schlafloser Nacht ist das Allgemeinbefinden des Grasen Taaffe heute weniger befriedigend.

Eonstantinopl, 8. November. Das in der Caserne von Zettun von 3800 Armeniern cernirte türkische Bataillon soll von Mustapha Pascha mit 10 Bataillonen entsetzt worden sein. Hierbei wären 28OO Henry Martinigewehre, 12OO Revolver und Munition in die Hände der Türken gefallen.

Depeschen deS Bureau .Herold"

Berlin, 8. November. Der Kaiser ist gestern Abend in PieSdorf eingetroffen, brach dort heute früh zur Jagd auf und gedenkt heute Abend die Rückreise anzutreten. Der Kaiser hat zugesagt, der EtnwethungSfeier des Kyff- HSuser-DenkmalS beizuwohnen.

Berlin, 8. November. DerReichsanzeiger" publicirt die Ernennung des Oberstaatsanwalts, Geheimen Ober- JustizrathS Rassiga in Colmar zum Unterftaatssecretär von Lothringen und zum Vorstand der Abtheilung für Justiz und CultuS im Ministerium für Elsaß Lothringen.

Berlin, 8. November. DaS Organ der Anarchisten, Der Soctalist", ist heute Morgen, noch bevor ein Exemplar verausgabt werden konnte, durch die politische Polizei in der hiesigen ZeitungScemrale wegen eines aufreizenden Artikels beschlagnahmt worden.

Berlin, 8. November. Nach demBerl. Tageblatt" äußerte sich der Cultusminifter Dr Bosse bezüglich der von ihm verfolgten Schulpolitik in einer Unterredung, daß er hoffe, in diesem Winter dem Landtage daS Lehrer Besol­

dungsgesetz vorlegen zu können. Der Entwurf sei bereits ziemlich fertiggestellt und werde demnächst dem StaatS- ministerium zugehen. Auch dieses Gesetz werde zwar durch­aus nicht alle Wünsche befriedigen. Er müffe aber schon ganz zufrieden sein, wenn ihm der Ftnanzminister dafür 21/2 Millionen auswerfe.

Berlin, 8. November. Nach demBerliner Tageblatt" fand am Mittwoch Abend in Konstantinopel im Palais des Sultans ein großer Minifterrath statt, welcher so lange dauerte, daß sämmtliche Minister im Palais übernachten mußten.

Berlin, 8. November. Gegen den Redacteur des antisemitischen WitzblattesDer deutsche Michel" ist auf Grund des ArtikelsEin Monarchen Diner bei Cohn und Rosenberg" Anklage wegen Beleidigung der Kaiserin Fried­rich erhoben worden. Die Verhandlung wurde auf den 14. d. M. vor dec Brausewetter-Kammer anberaumt.

Berlin, 8. November. In der Conferenz zur Re­vision deS Alters- und JnvaliditätSgesetzeS dürfte die Einzelberathung der Vorlage heute zu Ende gehen. Morgen wird unter dieser Voraussetzung die Berathung der Frage nach Verschmelzung der Arbeiter-Dersicherungsgesetz' gebung auf Grund des vom Präsidenten Dr. Bödiker aus« gearbeiteten Entwurfes, der am Dienstag unterbrochen worden ist, wieder ausgenommen werden. In diesem Entwürfe find folgende Punkte auSgeführt: Rentenversicherung, Angliederung der Krankenversicherung, Beseitigung der Beitragsmarken, Verminderung der CapitalSansammlung, Concentration der Verwaltung, Abrechnung unter den Versicherungsanstalten, Minderung der Zahl der Vorstände, Schiedsgerichte und Vertrauensmänner, Vereinfachung des Verfahrens, Ermäßigung der Kosten.

Wie«, 8. November. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wird von antisemitischer und cleri- caler Sette der Dringlichkeits-Antrag etngebracht werden, die Regierung aufzufordern, die Gründe der Ent­scheidung in der Frage der Bürgermeisterwahl bekannt zu geben.

Wien, 8. November. Im Abgeordnetenhause kam heute anläßlich der Beantwortung der Interpellationen, betreffend die Lueger-Frage, zu stürmischen ©eenen, da den Deutsch Nationalen, Antisemiten, Jungtschechen und Cleri- calen die Antwort des Grafen Badeni, daß die Regierung Lueger deßwegen nicht zur Bestätigung vorgeschlagen habe, weil fie einen Mann wie Lueger für den Bürgermeisterposten nicht für geeignet halte, nicht convenirte. Außerdem sei die Regierung, sagte Graf Badeni, Niemand anders für ihre Schritte verantwortlich, als dem Kaiser. Sämmtliche Redner, darunter Dr. Pattay, Prinz Liechtenstein und Dr. Lueger, griffen in längeren Reden die Regierung an und richteten heftige Anklage gegen da» Ministerium. Prinz Liechtenstein besonders schloß seine Rede mit einer Drohung und sagte, daß die treue Bevölkerung Wiens durch das Vorgehen der Regierung arg geschädigt würde. Die Gallerte, welche fort­während applaudirte, mußte schließlich geräumt werden. Der Dringlichkeitsantrag wurde mit großer Majorität ab­gelehnt.

Paris, 8. November. In dem Keller eines Backerei- geschäftö fand eine Explosion statt, durch welche zwölf Personen schwer verletzt wurden.

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Gieß?«, den 9. November 1 ?S5.

Schwurgericht. Die vierte Tagung des Schwur­gerichts für die Provinz Oberhessen beginnt mit dem 3. December d. I. Der Vorsitz ist dem Landgerichtsrath Dr. Schäfer übertragen.

** Kirchliche Dieustuachrichten. lieber den Besitz der zur Uebernahme eines Kirchenamtes nothwendigen Eigen­schaften ist der Nachweis erbracht worden bezüglich der Candidaten der evangelischen Theologie: Olto Ausfeld aus Schlitz, Ludwig Freitag auß Heuchelheim, Daniel Greiner aus Worms und Wilh. Köhler aus Steinbach.

* Erledigte Lehrerstellen. Erledigt find: Die zweite Lehrerstclle an der evangel. Schule zu Dielbrunn, Kreis Erbach, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-W-rtheim Rosenberg uno dem Herrn Grafen zu Erbach Schönberg steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einer evangel. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Roß­dorf, Kreiß Darmstadt, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000 bis 1150 Mk. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle

an der Gemeindeschule zu Dietersheim, Kreis Bingen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk.

Jubiläum. Heute feiert der UniversitätS-Forftgärt- ner Karl Dörmer im Forstgarten baß 25jährige Jubiläum im Dienste unserer Landes-Universität. Die ehemaligen und jetzigen Forftacademtker haben dem Jubilar auß diesem Anlaß einen werthvollen Schreibsecretär mit Seffel geschenkt. Herr Geheimrath Prof. Dr. Heß übersandte dem verdienten Beamten sein extra zu diesem Zweck aufgenommenes Bild, und begab sich heute Nachmittag in Begleitung seiner Schüler nach dem Forstgarten, um dem Jubilar zu gratuliren.

* Nachträgliche« vom Laudwirlhschaftlicheu Fest. Für weitere Kreise dürfte eS intereffant sein, waS bei dem Braten des ganzen Ochsen beim Landwirthschaftlichen Fest her- auSgekommrn ist. Der Ochse selber wurde für Mk. 350 gekauft, die Einrichtung des BratapparatS incl. Gasverbrauch kostete Mk. 190; zusammen also betrug der Selbstkosten­preis des RiesenbratenS Mk. 540. An Eintrittsgeld wurden eingenommen Mk. 275. Für verkaufte Portionen betrug der Erlös Mk. 305, fünfzig Pfd. Fleisch wurden in un­gebetenem Zustand dem Festwirth in die Küche geliefert, und find diese mit Mk. 30 nicht zu hoch veranschlagt. Da die Eintrittskarten bei dem starken Andrang des Publikums in die allerdings hier selten zu sehende Küche bald ver­griffen waren, so läßt sich mit Sicherheit nicht angeken, wieviel Personen sonst noch die Küche gegen Bezahlung be­sucht haben, doch schätzt man deren Zahl auf mindestens 500, so daß zu obigen Beträgen noch Mk. 50 hinzukommen, es ist also an diesem Braten ein Reingewinn von Mk. 120 erzielt worden.

♦♦ Eine recht praktische Reklame macht die Actien- Brauerei Gießen, indem fie seit heute in den Wirth- schaften, wo ihr Bräu verzapft wird, Biergläser-Untersatze, aus Papierstoff hergestellt, benutzen läßt. Der Untersatz stellt eine Filz-Imitation dar und befindet sich auf demselben in farbigem Prägedruck eine Empfehlung des Stoffes der Brauerei.

Anerkennung. Der Rath der Stadt Leipzig hat, wie derDarmst. Ztg." geschrieben wird, an den kaiserlichen Baurath Hoffmann,* den Erbauer des Reichsgerichts- gebäudeS, folgendes Schreiben gerichtet:Nachdem Ihr Werk vollendet ist und Leipzig durch Ihren erhabenen Prachtbau eine einzig dastehende Zierde erhalten hat, um welche ganz Deutschland unS beneidet, drängt es unS, Ihnen von ganzem Herzen dafür zu danken. Sie haben sich in Leipzig einen unvergänglichen Denkstein gesetzt und mit der Heimstätte des obersten deutschen Gerichtshofes wird der Name seines genialen Erbauers bis in die sernsten Zeiten unzertrennlich verbunden bleiben." Jedenfalls darf Darmstadt und Heffen stolz sein auf seinen so viel und so hoch gefeierten Sohn.

* Der 25. WintercursuS an der Sroßh. Obstbanfchnle und landwirthschaftlichen Winterschule Friedberg wurde am Montag eröffnet, der erste seit Verstaatlichung der Anstalt. Es hatte sich eine große Schülerzahl (40 waren fest an­gemeldet) zum Theil mit ihren Vätern ober Vormünbern in bem geräumigen Lehrsaal cingefunben, wo ber Leiter bet Anstalt, Dr. v. Peter, bie Versammelten begrüßte, der Großh. Regierung für die Verstaatlichung der Schule und die Anstellungen der verschiedenen Lehrer bankte und ber Hoffnung Ausbruck verlieh, baß bie Schule unter ben neuen Verhältnissen in bisheriger Weise sich weiter entwickeln möge. Der starke Besuch ber Schule, ber stärkste seit 25 Jahren, beule baraus hin, baß bie Schule in Aufschwung sei, aber auch bie Gießener Ausstellung habe jebenfallß den Land- wirthen klar gemacht, daß die heutige Landwirthschaft mit anderen Mitteln und Kenntnissen betrieben werden müsse als früher; diese Anregung werde sicher auch für ben ge» summten Betrieb von segensreichster Wirkung sein. Nach einem längeren Rückblick und Vergleich zwischen ber Lage deS Gewerbestandes. ber sich in seinen Handwerker- und Industrieschulen besser vorzubereiten suche und der sich ia Vereinen und Innungen zusammenschließe, und derjenigen der Landwirthschaft, welche von genossenschaftlichem Zusammen­schluß noch lange nicht genug Gebrauch mache und Vortheil ziehe, ermahnte der Redner die jungen Schüler, die Ehre ter Anstalt hoch zu halten, sich musterhaft zu benehmen und mit Fleiß ihren Aufgaben gerecht zu werden.

Eine Warnung für den nahenden Winter, die sich auf ärztliche Rathschläge gründet, sei hier allen Menschen­kindern ans Herz gelegt. Die Warnung lautet:Mund zu? Athmet durch die Nase?" Die Natur hat Alles weise eingerichtet- wir haben Schutzmittel gegen vielerlei Gefahren, freilich ohne daß wir fie oder ihre Bedeutung oft selbst kennen. Solch ein Schutzmittel ist auch die Nase, die keineswegs dazu da ist, daß wir allerlei schöne Gerüche mit ihr ein»