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Samstag dm 10. August

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Aints- und Anzeigeblatt für den Aveis Gielzen

Hratisbeitage: Hießener Kamitienbsätter.

also erhebl die Herren. Unsere Rettung hängt von unS ab. Sind wir das Volk von 1815 oder das Volk^von 1792? Wir haben die Wahl!" (Siede.)

Das einzige, was uns noch retten kann, ist der Luft­ballon!" rüst derFrancis" aus, derArtilleristische Luftballon". Nichts ist leichter: Man nimmt Luftballons, setzt aeronautes artilleurs hinein, thut Monstre Bomben dazu, die Monstre-Bornben werden hinuntergeworfen, schlagen die Feinde tobt und reiten nicht nur daS Vaterland, sondern die Leser müssen nicht glauben, daß wir unS auf Kosten der Franzoien lustig machen, eS steht wirklich imFrantzaiS" wenn Frankreich mit diesen Luftballons fertig ist, ist auch die Eroberung Deutschlands fertig!

Der Correspondent deSSoir" macht die köstliche Ent- deckung, daß die preußischen Soldaten sich fast ebenso vor ihren eigenen Waffen fürchten, als vor den Mitrailleusen. Das Zündnadelgewehr beschreibt dieser Correspondent folgendermaßen:Es kann nur fünfmal abgefeuert werden und dann borstet eS, seine Schußweite beträgt kaum ein Drittel von der der Chaffepots. Die Kugel, die es ab» schießt, ist so klein, daß, wenn sie einen Menschen trifft, diesen nur ausnahmsweise tödtet/

Bringcrlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mart 50 Psg.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstraße Ar.1.

Fernsprecher 51.

»nnahmr von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgmden Tag erscheinenden Nummer bi» Dorm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Burcaux de» In» und AuSlandc» nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

ist der 25. Jahrestag der Schlacht bei Wörth, weshalb ich es für angezeigt gehalten habe, dem nach dieser Schlacht be­nannten Schiffe einen Besuch abzustatten und einige Worte an die Mannschaft zu richten. Hoffentlich werden die Thaten, die Eure Landsleute bet jenem Anlaß vollbrachten, eine Auf­munterung bilden für Euch. Wenn jemals Gelegenheit für ähnliche Dienste entstehen sollte und Ihr zum Kampf gerufen werdet, so beschwöre ich Euch, mit Herz und Muth für Kaiser und Vaterland zu kämpfen.

Breslau, 8. August. Der Kaiser telegraphirte dem hier wohnhaften Major Köhler am 6. d. M., dem Jahres­tage der Schlacht bei Wörth: Es gereicht mir zur Freude, Ihnen, dem verdienstvollen Führer des Feld Artillerie-Regi­ments Nr. 5 in der Schlacht bei Wörth, am heutigen Er­innerungstage den Character als General-Lieutenant zu verleihen.

Kattowitz, O.-Schl., 8. August. Auf der Kohlengrube in Zagorze strtken 700 Bergleute. Zur Unterdrückung etwaiger Unruhen wurde Militär requirirt.

Wien, 8. August. Gestern Abend wurde in Triest und Bozen, sowie in deren Umgebung ein heftiges Erdbeben verspürt, welche- sich in der Richtung von Ost nach West bewegte und von einem orkanartigen Sturm begleitet war.

Rom, 8. August. Wie gerüchtweise verlautet, hat der Papst an den deutschen Kaiser ein Schreiben gerichtet, worin er denselben ersucht,1 den katholischen Missionen in China seinen Schutz angedeihen zu lassen.

Rom, 8. August. Die katholischen Blätter behaupten in ihren Besprechungen der Feier des 2 0. September, daß diese Feier durchaus keine vollständige sein werde. Die Bevölkerung Roms und des ganzen Landes werde nicht zu Gunsten der Einnahme Roms manifestiren, durch welche sie so elend gemacht worden sei. Der Papst wird übrigens gegen diese Feier protestiren. Ferner sollen Unterhandlungen zwischen Rom und München gepflogen werden, in welchen der Papst den Wunsch aussprechen wird, daß bei der am 25. August zusammentretenden Katholiken-Versammlung die Ueberzeugung der Katholiken der Feier des 20. September gegenüber energisch zum Ausdruck kommen möge.

Brüssel, 8. August. Die Kammer nahm mit zahl­reichen Verbesserungsanträgen die sämmtlichen 13 Artikel der Schulgesetzvorlage an. Die Abstimmung über daS ganze Gesetz erfolgt erst, wenn daS Gesetz mit allen ange­nommenen Verbesserungsanträgen den Abgeordneten gedruckt vorliegen wird.

Paris, 8. August. Die rumänische Gesandtschaft erläßt ein officielles Kommunique, in welchem die Nachricht, Rumänien suche Rußland auf jede Art zu verletzen, energisch dementirt wird. Ebenso sei es falsch, daß 150 Ruffen aus Rumänien auSgewiesen worden seien.

Loudon, 8. August. Die KaiseryachtH ohen zollern' wurde mit dem Postamt telephonisch verbunden, damit die kaiserlichen Telegramme schneller befördert werden.

Bonbon, 8. August. Meldungen aus Peking zufolge verlautet, daß die Regierung Hsy-yung.yi, welcher Mitglied des hohen Raches und der Regierung war, gestern seines Amtes enthoben habe.

Belgrad, 8. August. Zwischen der serbischen Re­gierung und der Pforte haben Verhandlungen über den Abschluß einer Militärconvention stattgefunden. Serbien erklärte sich bereit, eventuell 60000 Mann zu stellen.

Der Krieg von 1870|71,

geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit. (Nachdruck verboten.)

9. August.

Paris ist bereits in Belagerungszustand erklärt worden, eine Maßregel, welche deutlicher als alles andere kundthut, wie furchtbar die Stimmung der Bevölkerung sich gegen den Kaiser und seine Regierung ausspricht.

Aus französischen Zeitungen:

Keine Illusionen! Die Dummheiten und Prahlereien der vierzehn Tage, die hinter unS liegen, haben uns nur zu viel schon gekostet. Der Feind steht in Frankreich, das Vaterland ist in Gefahr- um es zu retten, bedarf es der kalten, energischen, gewiffenhaften und einsichtigen Entschloffen- heit. Vaterlandsverräther wäre Derjenige, der jetzt noch die Wahrheit verhehlen wollte, die traurige, aber schreiende Wahrheit! Blicken wir den Thatsachen ins Gesicht! . . . Das ist die Lage- sie ist schwer, entsetzlich, aber noch nicht verzweifelt. Was unseren heroischen Soldaten fehlt, sieht und weiß Jeder. Wem fällt die Verantwortlichkeit zu, daß unsere Truppen, ein CorpS nach dem anderen, vernichtet werden? ES ist überflüssig, eS zu sagen, es ist klar! Jetzt

Der -irtzrner Anzeiger erschnnt täglich, mit Ausnahme de» Montag».

Die Gießener -«miltenvtätter werden dem Anzeiger vtchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er ~

Aenerat-Mnzeiger.

Hypnotismus und Hexenwesen.

Vortrag

Atholten von Dr. Karl Gerster, Kurarzt in Braunfels a. d. Lahn, tn der Sitzung der Oberheff. Gesellschaft sür Natur- und Heilkunde am 21. Jalt d. I.

Wenn man die Geschichte deS Hypnotismus durchblättere, begann Redner, müsse man des Goethe'schen AuSspruchS gedenken: Der Mensch ist nicht geboren, die Probleme der Welt, zu lösen, wohl aber zu suchen, wo das Problem angeht und sich an die Grenze des Begreiflichen führen läßt. Der Hypnotismus sei in seinen Erscheinungen der Menschheit seit Urzeiten bekannt: die alten Egypter bedienten sich seiner (wie auS Gemälden und dem PapyruS Ebers hervorgeht) zum Zweck der Krankenbehandlung, die altindischen Fakire benützten ihn zu religiösen Zwecken und die vorhippokratischen Priester­ärzte in Griechenland machten vom (hypnotischen) Tempel­schlaf ausgiebigen therapeutischen Gebrauch. Im Mittelalter waren es die Hexenprocesie, die Erscheinungen zu Tage brachten, die wir heute als hypnotische kennen. Ende des 18. Jahrhunderts lenkt- der Wiener Arzt Dr. MeSmer die Aufmerksamkeit der Welt auf daS, was erMagnetismus" nannte, 1841 ebnete Braid dem heutigen wiffenschaftlichen Hypnotismus den Boden und 1880 brachte der dänische Hypnotiseur Hansen durch seine öffentlichen Schaustellungen Gebildeten und Ungebildeten den Hypnotismus zur Kenntniß.

Es wäre verfehlt, den Hypnotismus gesondert betrachten und studiren zu wollen. Er ist nur ein Capitel deS SuggestioniSmuS, der Lehre von der Suggestion und kann nur im Zusammenhang mit dieser Lehre richtig auf­gefaßt und gewürdigt werden. Die Erscheinungen in der Hypnose, dem künstlich erzeugten, durch den sog. Rapport zwischen Schläfer und Hypnotiseur ausgezeichneten Schlaf, muthen unS so eigenartig an und sind so vielfach von Schwindlern und Charlatanen mißbräuchlich angewendet und von betrügerischen Versuchspersonen ausgebeutet worden, daß ihr genaues Studium Keinem erspart werden kann, der darüber ein brauchbares Urtheil erreichen oder abgeben will.

Suggestion heißt Eingebung, Suggeriren eingeben. Im weitesten Sinn kann man Alles Suggestion nennen, was auf uns bestimmenden Eindruck macht, komme dieser von Objecten oder Personen. Im engeren Sinn ist Suggestion die zu irgend einem bestimmten Zweck tn bestimmter Absicht gemachte Einwirkung, z. B. die ärztliche Psychotherapie.

Die von außen kommende (Fremd- oder Allo-)Suggestion wird nur wirksam, wenn sie sich in der Psyche des zu Sugge- rirenden als Autosuggestion festsetzt. Die Bedingungen zum Zustandekommen der Suggestion find: bestehende und steigerungsfähige psychische Empfänglichkeit, Suggesti­bilität, Wahrnehmungsfähigkeit und ideoplastische Kraft der Phantasie, und suggestive Stimmung. Suggerirbar und infolge dessen meist auch hypnotisirbar sind die meisten normalen Menschen, schwer bezw. nicht suggerirbar sind einseitige Ver­standesmenschen, Idioten, Geisteskranke und Solche, die mehr autosuggestibel als allosuggestibel veranlagt sind. Die Willenskraft hat auf die Suggerierbarkeit nur beschränkten Einfluß. r . .

Hypnotismus ist die Lehre von der Hypnose, die etn Specialfall der Suggestion ist, indem der künstliche (hypnotische) Schlaf durch Suggestion erzielt wird.

Redner schildert die Erscheinungen in der Hypnose, die Art ihrer Herbeiführung und Aufhebung und zieht Parallelen mit dem Geisteszustand der Hypnottsirten und der Hysterischen.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Kassel, 8. August. Die 26. Jahresversammlung ter deutschen anthropologischen Gesellschaft wurde hier heute von Profeffor Waideyer Berlin eröffnet. Der Oberpräsioent Magdeburg begrüßte die Versammlung giamenß der StaatSregierung, Oberbürgermeister Westerburg Samens der Stadt Kassel. Profeffor Ranke-München er- fiartete den Geschäftsbericht. Daran schloß sich eine Reihe wissenschaftlicher Vorträge, deren Fortsetzung auf morgen fest- «setzt ist.

Bad Reuudors, 8. August. Für den 5. Stolze'schen Si enographentag zu Hannover gingen nach Schluß bn Verhandlungen noch mehrere Telegramme von Aller- höchften und Höchsten Personen ein. Großherzog Friedrich bon Baden dankte herzlich für die ihm dargebrachte Huldigung. Beine König!. Hoheit der Prinzregent Albrecht von Braun­schweig ließ durch seinen Hofmarschall Grafen Schulenburg btti wissenschaftlichen Bestrebungen besten Erfolg wünschen. Siamenß des Hamburger Senats wünschte der Präsident Dr. Lehmann der Stenographie weitere Fortentwickelung und Ausbreitung.

Wiev, 8. August. Der Minister deS Auswärtigen, Graf Golucho wski, ist auS Ischl hier eingetroffen.

Rom, 8. August. Gestern Abend 9 Uhr fanden auf bet Insel Elba und in Pisa leichte Erdstöße statt.

CoweS, 8. August. Bei dem gestrigen Diner in OSborne brachte die Königin auf das Wohl deS Kaisers unb der Kaiser aufs Wohl der Königin einen Toast auS. Außer den hier anwesenden Mitgliedern der englischen Königs­som ilie nahmen der Prinz Heinrich, die Kronprinzessin Stefanie doo Oesterreich und der Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklen­burg an dem Diner Thril.

Cowes, 8. August. Der Kaiser besuchte heute früh beti Platz, an welchem daS königliche Yachtgeschwader liegt, null unternahm sodann mit dem Lord Lonsdale eine Segel» sahnt. Der Kaiser gibt Nachmittags eine Theegesellschaft an Bond deS hier gebliebenen KreuzersGefion" und dinirt Abends mit Lord Lonsdale. Das Weiter ist prachtvoll.

Ryde, 8. August. Heute Abend gab der Prinz von W-leS zu Ehren des Kaisers an Bord der YachtOsbotne" ein Festmahl, an dem zahlreiche Gäste, Mitglieder deS königlichen Hauses und der Hofgesellschaft theilnehmen.

Kopenhagen, 8. August. Das letzte zu Schloß Bernstorff abgegebene Bulletin meldet: Das Allgemeinbefinden des Königs hat sich erkennbar qebeffert. Derselbe brachte den größten Theil des gestrigen Tages außerhalb deS Bettes zu. Die Nacht war gut. Eine Entzündung besteht nicht.

Depeschen deS Bureau .Herold".

Berlin, 8. August. DerReichsanzeiger" meldet: Die Einnahmen an Canal-Abgaben und Schleppgebühren auf lern Kaiser-Wilhelm-Canal betrugen im Juli zusammen 63181 Mk.- während sie in der ersten Juli-Woche sich auf II 766 Mk. beliefen, Haden sie sich in der Woche vom 28. Juli bis 3. August auf 21027 Mk. gestellt.

Berlin, 8. August. DieNordd. Allg. Ztg." veröffent­licht daS ausführliche Programm für die feierliche Grund­steinlegung zum Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. Unter den Geladenen befinden sich die Kaiserin Friedrich, der Großherzog und die Großherzogin von Baden mib Fürst Bismarck.

Berlin, 8. Aygust. DaS Gesetz betreffend die Er» richtung einer Centralanstalt zur Förderung genossen» ichaftlichen Personal-CreditS wird heute amtlich mblicht.

Berlin, 8. August. Am 6. d. Mts., dem Gedenk- tage der Schlacht bei Wörth, hat der Chef deS Militär- üadinets, General Hahnke, im Auftrage des Kaisers am Grabe Kaiser Friedrichs irn Potsdamer Mausoleum einen Kranz rieÖC©erlin, 8. August. In einer gestern Abend statt» lebabten Anarchisten-Versammlung, welche stark !-sucht war, theilte Anarchist Weiß mit, daß am 17. August 6,r Socialist" wieder erscheinen würde. Während einer aufreizenden Rede des Mechanikers Wiesenthal wurde die Versammlung polizeilich aufgelöst.

Berlin, 8. August. Die A n s p r a ch e, welche der K a t s e r om Jahrestage deS Schlacht bei Wörth an die Mannschaft ,-bes Panzerschiffes Wörth auf der Rhede von CoweS «halten hat, hatte nach derVoff. Ztg." ungefähr folgenden Wortlaut:Erinnert Euch, daß Ihr die Mannschaft emeS Schiffes bildet, das nach einer Schlacht benannt ist, in der Sure Landsleute fich höchst wacker benommen haben. Heute