K. L"« 39-62».»3 A ^a«$fhfc ift L" tot.
öibare an/u ^Qäe -' 1,72 £*’*. ‘*"*Äh*‘
* iW il«, !*'* h mit 14 Ö" b«
8„s*1H.)' lt"*» 9,»'‘» L®1*«» m,k 1"$l,f" ift
™l“ «t
L $",a'W Wo ,erle auf der Schub
'«irthschast.
’™ ■* mt,
'S/'« A 16,00, .00, Kartoffeln x 5,76,
t Laden des Hch
tr. I
m;
v«n
'f K
lfie 12-
Nr. 85
Tft
Gletzener A«»eiser tridfrint täglich, mit Ausnahme bei
Montags.
Dir Vießrnec W»«ilteu-lä1tee exrbtn dem Anzeiger »Schentlich dreimal deigeiegt.
Erstes Blatt. Mittwoch den !0. April
Gießener Anzeig er
Kenerat-Wnzeiger.
189$
--—9
ViertrlfShriger A-onnementAprel» t 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerloha.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, EHrrditu,» und Druckerei:
Schutstratzc Rr.7» Fernsprecher 51.
Zlints- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieszen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bii Bonn. 10 Uhr.
«11 ■ " ■ """
Gratisbeilage: Gießener Aamikienbkätter.
Alle Annoncen-Bureaux dei In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Deutsche» Reich.
— Das auf Dienstentlassung lautende Urtheil, welches der Kaiserliche DiSciplinarhos zu Leipzig in dem Revisionsproceffe gegen den Kanzler Leist von Kamerun gefällt hat, dürste den Empfindungen der weitesten Kreise des deutschen Volkes in dieser scandalösen Angelegenheit entsprechen. Der genannte hohe Reichsbeamte hat ganz zweifellos Dinge auf seinem afrikanischen Colonialposten begangen, die sich mit der Würde und dem Ansehen dieser Stellung durchaus nicht vereinbaren und welche zugleich geeignet find, den guten Klang des deutschen NamenS im AuS- lande bedenklich zu diScreditiren. Herr Leist hat sich nach Kräften bemüht, feine mehr als anstößigen Handlungen, sowohl in dem ersten Proceß wider ihn, als auch in der jetzt stattgefundenen zweitinstanzlichen Verhandlung zu beschönigen. Wenn es ihm hierdurch gelang, bei der Potsdamer Dtsctplinarkammer ein verhältnißmäßig recht mildes Urtheil zu erzielen, so ist ihm dasür Seitens des Kaiserlichen DiSciplinargerichtShoseS in Leipzig die wohlverdiente Strafe geworden, und es wird schwerlich Jemand geben, der mit dem nunmehrigen Ex-Kanzler von Kamerun besonders Mitleid empfände. Hoffentlich werden aber die verantwortlichen Leiter unserer Colontalpolitik aus dem „Falle Leist" die Lehren ziehen, die derselbe so offenkundig predigt.
— Die Regentschaftsfrage im Fürstenthume Lippe-Detmold beschäftigt gegenwärtig den Detmolder Landtag. Derselbe hat am vergangenen Sonnabend seine Verhandlungen hierüber eröffnet und zunächst das Acten- material über den Geisteszustand des jetzigen Fürsten Alexander an eine Commission verwiesen. Die Prüfung der betreffenden Documente trägt aber wohl nur den Character einer Formalität, denn nach der vor GerichtSstelle abgegebenen Erklärung der den geisteskranken Fürsten behandelnden Aerzte ift an eine Uebernahme der Legierung durch denselben nicht zn denken. Die alsdann begonnene und schließlich abgebrochene Debatte über die Einsetzung der Regentschaft unter dem Prinzen Adolf von Schaumburg - Lippe hat schon hinlänglich erkennen laffen, daß zwischen dem Ministerium und der Mehrheit deS Landtages ernste Meinungsverschiedenheiten über die Berechtigung des Prinzen Adolf zur Führung der Regentschaft bestehen. Wie der Conflict zum AuStrage gelangen wird, läßt sich darum noch nicht mit Sicherheit be- nrtheilen, vermuthlich wird er aber noch auf alle Fälle auch de» Bundesrath beschäftigen.
Eisenach, 8. April. Der Stichwahltermin ist auf oen 19. April anberaumt.
Neueste Nachrichten»
Wolff» telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 8. April. Der geschäftSführende Vorsitzende der Berliner Abtheilung der Deutschen Colonlal-Gesell- schäft, Graf Schweinitz, theilt der „Nordd. Allgem. Ztg." mit, Prinz Arenberg habe die Absicht, den Vorsitz bet der Abtheilung in Berlin ntederzulegen - die eingeleiteten Verhandlungen würden denselben aber voraussichtlich veranlaffen, den Vorsitz weiter zu übernehmen.
FriedrichSrnh, 8. April. In zwei Extrazügen trafen Mittags 1 Uhr etwa 400 Lehrer der höheren Lehranstalten Preußens hier ein. Schon über Hamburg waren viele Lehrer eingetroffen. Viele hatten ihre Damen mitgebracht, so daß etwa 700 Personen versammelt waren. Wegen des schlechten Wetters war die große Empfang-Halle von dem Fürsten Bismarck für die Begrüßung in Aussicht genommen und schnell ein Podium für den Fürsten errichtet worden. DaS Wetter klärte sich aber auf und als die Halle bereit- von Menschen gefüllt war, traf die Botschaft ein, der Fürst erwarte seine Gäste im Park vor dem Balcon. Unter den Klängen eines Musikcorps traf der Zug gegen F/z Uh* dort ein. Fürst Bismarck erschien auf dem Balcon in einem langen schwarzen, am Halse geschloffenen Mantel und trug einen großen schwarzen Schlapphut. Nachdem die stürmische Begrüßung vorüber war, forderte der Fürst die Menge auf, die Hüte aufzusetzen. Hierauf überreichte Pro- feffor Jäger-Köln nach einer Ansprache eine Adreffe und eine prachtvolle, künstlerisch auSgeführte Votivtafel. Die Mitte derselben nimmt eine in Emailmaleret auSgeführte Germania ein. DaS Mittrlbild umschließt ein reich ciselirter silberner Rahmen in schwerer Vergoldung. In dem oberen Thetle ift eine Gemme, das Porträt Kaiser Wilhelm I., eingelassen. In dem unteren Theile ift folgende Widmung angebracht: ,Dem Fürsten Bismarck in tiefster Verehrung und Dank- sarkeit die Lehrer der höheren Schulen Preußens." Unter der Widmung ist das Wappen deS Fürsten Bismarck, von
einem Lorbeerkranz umgeben, angebracht. Nachdem die Adresse überreicht war, trat der Fürst an die Brüstung des BalconS und forderte die Menge nochmals auf, sich zu bedecken. Er wtffe aus Erfahrung, was es bedeute, bet so kühler, feuchter Witterung barhaupt zu sein. Darauf hielt er folgende Ansprache: Die Ehre, die Vertreter der preußi- chen Lehrerschaft hier vor sich zu sehen, bilde ein weiteres Glied in der Reihe der Auszeichnungen, die ihm zu Theil geworden sei. Er beziehe diese Auszeichnung aber nicht nur auf sich, sondern auch auf seine Mitarbeiter, mit denen er gewiffermaßen in einem Tantieme - Verhältniß stehe. Er habe nichts weiter, als seine Schuldigkeit im Dienste gethan. Aber Gottes Segen habe es gedeihen laffen zu dem, was man als Erfolg bezeichne. In der ihm überreichten Adreffe fei die Rede von dem Dank, den auch die Lehrerschaft ihm schulde. Dieses Gefühl der Dankbarkeit fei ein gegenseitiges,- denn ohne die Vorarbeit der Lehrer durch Heranbildung einer tüchtigen Jugend sei nichts zu erreichen. Durch die Lehrer werde in die Herzen der Jugend der Keim gelegt zur Vaterlandsliebe und zum späteren Verständniß der politischen Situation. Auch deS Einflusses der jetzigen Frauen auf die nationale Entwickelung gedachte Fürst BtSmarck und bezeichnete ihn als einen bedeutenden Fortschritt. Vor 50 Jahren habe keine Frau daran gedacht, in diesem Sinne zu wirken, jetzt aber pflege auch die Mutter bei ihren Kindern schon in jungen Jahren den nationalen Gedanken. Die Hauptzierde des deutschen Volkes sei von jeher die Liebe zur Wahrheit gewesen. Diese Liebe sei auch von den Lehrern den Schülern gegenüber zu pflegen. Er habe, als er in Versailles in Quartier lag, einmal die Schulhefte der Kinder seines Quartierwirthes durchgesehen und sei ganz erstaunt gewesen über die ungeheuere hetzerische Lüge, die, wie aus diesen Heften ersichtlich, im französifchen Schulwesen cultivirt wird und durch die jener Hochmuth von vornherein in die Jugend gepflanzt würde, der, wie baß Sprichwort sagt, vor dem Fall komme. Der Fürst wieS noch auf die mancherlei Erfolge hin, welche nur durch die aufreibende Thätigkeit der Lehrer an den höheren Lehranstalten erzielt werden konnten. Er gedachte auch der schwierigen pecuniären Lage, in der sich mancher Jugendbildner zur Zeit befinde, und sprach die Hoffnung aus, daß auch hierin eine günstige Aenderung eintreten werde. Er stehe am Ende seiner Tage und sehe mit Ruhe die Sonne, welche ihm untergehe, scheiden. Sie zeige ihm aber ein schönes Abendroth. Er als Landmann betrachte das Abend- roth als Vorläufer eines schönen Tages, und so hoffe er, daß auch das Abendroth, daß er an seinem Lebensabend schaue, auf gute Tage für die Lehrer und Heranwachsende Jugend hindeute. Der Fürst schloß mit einem Hoch auf die deutsche Lehrerschaft, welches jubelnd ausgenommen wurde. Nachdem der Jubel sich gelegt hatte, erklärte der Fürst, daß er noch Manches auf dem Herzen habe, daS er gerne aussprechen möchte; er sei aber schon zu alt, um noch lange stehen zu können. — Die Versammelten stimmten darauf das Lied „Deutschland, Deutschland über Alles" an. Nach nochmaligem Hoch auf Bismarck zog dieser sich in das Schloß zurück. Die Delegirten der Lehrerschaft begaben sich später gleichsalls ins Schloß. Vom Himmel letzte ein Regenschauer ein, welcher die Festtheiluehmer zum großen Theil nach dem Bahnhof zurücktrieb. Der Fürst sah heute ausgezeichnet wohl au» und schien sehr gut gestimmt zu sein. Die Hamburger Lehrerschaft hält heute im Restaurant „Zum goldenen Löwen" am Jungferustieg einen Festcommers ab, zu dem die auswärtigen Collegen eingeladeu find.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Setliu, 8. April. Dem commaudireuden General des 9. Armeecorps, Grafen Waldersee, welcher heute seinen Geburtstag hat, hat der Kaiser durch einen Specialabgesandten, welcher auch ein werthvolleS Geburtstagsgeschenk mitgenommen hat, seine Glückwünsche übermittelt.
Berlin, 8. April. Der BundeSrath hat heute eine Plenarsitzung abgehalten.
Berlin, 8. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." beftättgt, daß der Kaiser Franz Josef den diesjährigen bei Stettin abzuhaltenden Kaisermanövern beiwohnen werde. Der Zeitpunkt deS Eintreffens und die Dauer der Anwesenheit in Stettin sei noch nicht festgestellt.
Berlin, 8. April. Die Provinz Schleswig- Holstein hatte, wie die „Post" hört, um die Ehre nachgesucht, dem Kaiser während seines Aufenthalts in der Provinz bei Gelegenheit der Eröffnung des Nord-Ostsee-CanalS ein Fest geben zu dürfen. Das ist jedoch ebenso wie kurz zuvor daS Gesuch der Stadt Kiel dankend abschlägig beschieden
worden, weil es wahrend der Feier an Zeit fehlt, eine derartige Festlichkeit noch einzuschieben.
Berlin, 8. April. Der „Post" zufolge ist die Frage »er Placirung der fremdländischen Geschwader und einzelner Kriegsschiffe im Hafen von Kiel bereit- erledigt. Die Schiffe werden in zwei Reihen placirt, sodaß zwischen hnen der BootSverkehr vermittelt werden kann. Auch die Frage der Verprovianttrung der heimischen Schiffe ift soweit geregelt.
Kola, 8. April. Der Petersburger Correspondent der „Köln. Ztg." versichert, die Thatsache, daß der Czar bei dem AbschiedSeffen für den General v. Werder einen Trink- pruch auf Kaiser Wilhelm ausbrachte und die Unter« Haltung durchweg in deutscher Sprache geführt wurde, ferner daß Kaiser N-kolauS und alle Großfürsten in kleiner preußischer Uniform erschienen waren, fei allerorts sehr bemerkt worden. Hierdurch würden auf daS Deutlichste die immer wieder auftauchenden Behauptungen widerlegt, wonach neuerdings sich die Beziehungen zwischen Berlin und Petersburg geändert hätten und wonach Fürst Radolin nicht genehm gewesen sei. Beides sei durchaus falsch. General v. Werder reift am 16. April von Petersburg ab und begibt sich direct nach Berlin. Fürst Radolin wird erst in einigen Wochen in Petersburg erwartet.
Aschaffenburg, 8. April. DaS Cenrrum stellt für dadurch den Tod deS Abgeordneten Haus erloschene ReichS- und Landtagsmandat den 1864 geborenen Pfarrer Gerstenberger in Laufach auf.
Wien, 8. April. Die hier alljährlich von der socialtsti- scheu Parteileitung herausgegebene Festschrift zum 1. Mal ist bereits fertiggestellt, verfiel aber wegen mehrerer in derselben enthaltenen Stellen der ConfiScation. ES wird deshalb eine zweite Auflage veranstaltet werden.
Budapest, 8. April. Im Auftrage des JustizministerS begaben sich dieser Tage zwei Sectionsräthe behufs Studium- der obligatorischen Civilehe nach Preußen und zwar in erster Linie nach Berlin und Breslau.
Rom, 8. April. In vaticanischen Kreisen werden die von der liberalen Preffe ausgestreuten Gerüchte über Streitigkeiten zwischen dem Cardinal Rampolla und dem Papst energtsch dementirt. Der Aufenthalt der beiden Cardinäle Schönborn und Vaugran in Rom habe blF Beziehungen beß StaatSsecretärS zum Papst nicht geänbert.
Pari», 8. April. Im Senate wurde dem Expräsi- benten Casimir Perier das Recht abgestritten, da- Großkreuz zur Ehrenlegion weiter zu tragen. DaS Ministerin« weigert sich, zu dieser belichten Angelegenheit Stellung zn nehmen.
Havre, 8. April. Anläßlich deS Besuchs beß Prä- sibenten der Republik in Havre wird die englische Admiralität ein Kreuzerschiff nach hier entsenden, um bett Präsidenten zu begrüßen. Das Schiff wird während der ganzen Dauer der Anwesenheit des Präsidenten im hiesigen Hafen verweilen.
Madrid, 8. April. Zwei Anarchisten, welche Droh- Briefe an mehrere Mitglieder der französischen Colonie gerichtet haben, sind verhaftet worden.
London, 8. April. Wie auS Shanghai gemeldet wirb, haben die chinesischen Generäle, welche in der Mandschurei operiren, immer noch nicht die Meldung von dem Waffenstillstand erhalten und führen dort den Feldzug gegen bte Japaner fort.
Petersburg, 8. April. Wie aus guter Quelle gemeldet wird, ist von Auslandreisen deS jungen CzarenpaareS in diesem Sommer keine Rede; eß ist sogar noch unbestimmt, ob dasselbe einen kurzen Ausflug nach Finnland unternimmt.
toctlts un6 ptoofmUXUs»
Sieben, ben 8. April 1895.
** Nachwirkung bet NothstaubSjahre. Die Regierung richtet an die Stände daß Ansinnen, die Zustimmung dazu zu ertheilen, daß eine allgemeine Befristung der der Staatskaffe für Lieferung landwlrthschaftlicher Bedarfsgegenstände geschuldeten Beträge bis zum 1. Juli 1895 zinsfrei und von da ab bis zum 1. December 1895 gegen 2 pCt. Verzinsung bewilligt werde.
Mittelrheinisches Turnfest. Die zum Bau der Fest- Halle und des HaupteingangS gefertigten fünf Entwürfe, darunter die drei preisgekrönten, sind Mittwoch und Donnerstag, 10. und 11. April, von Nachmittags 2—6 Uhr zu Jedermanns Ansicht in der Turnhalle deS Turnvereins auSgesteßlt. t (S. Inserat.)


