Festlichkeiten- energisch protestirt. Ja der tonangebenden fbrcfie wirb diese- Verhalten D^roul^deß al- ein chauvinisti- scheS und zweckloses bezeichnet.
totales und provinzielles.
Gieße», den 8. März 1895.
** 6i|u»g der Vroßh. Handelskammer vom 5. Marz 1895. Anwesend: die Herren Loch, Scheel, Heichelheim, Homb«rger, Latz, Lraotz, Wortmann. Eine Eingabe der Handelskammer Frankfurt a. M. an den deutschen Reich-langer erstrebt die Errichtung eine- Reich-zolltarifamrS. Die Kammer besch ieht die Unterstützung dieser Eingabe, da die Errichtung einer obersten Reichsbehörde, die nicht nur aus BerwaltungS- »nd Flnon^beamten, sondern auch aus unabhängigen Laufleuten und Technikern besteht, und welche über die zahlreichen Differenzen zwischen den Steuerpflichtigen und den die Steuer festsetzenden Einfuhrzollämtern einheitlich und rechtSverb ndlich zu entscheiden bar, etn unabweisbares Bedürfmß geworden ist. — In gleicher Weise wird die Unterstützung einer Eingabe des Königl. Commerz Collegiums zu Altona an den deutschen Reichstag beschloffeu, in welcher gegen jede weitere gesetzliche Beschränkung der Margarinefabrikation Stellu"g genommen wird. Die Lämmer hat bereit- früher tu fraglicher Angelegenheit den Standpunkt vertreten, daß durch die Margarine der Naturbutter durchaus keine Eon- currenz entstanden ist, und daß die Berechtigung der Margarinefabrikatton anerkannt werden muß, da sie ein billiges Volksnahrungsmittel schafft. — Bezüglich des Antrages Sanitz beschließt die Kammer, in energischer Weise gegen denselben Stellung zu nehmen, an ihrem stet- vertretenen Standpunkt fefthaltend, daß jede Monopolisirung de- Handel-, in welcher Form sie auch auftreten möge, zu den verderblichsten Conseqvenzen führen muß. — Da- Grobherzogliche Ministerium de- Innern und der Justiz theilt der Kammer die von der rumänischen Regierung in Ausführung de- Art. 3 Abs. 4 des deutsch-rumänischen Handelsvertrages er- laffenen Bestimmungen über den Verkehr der Hand- lungSretsenden mit. Auf Wunsch wird auf dem Geschäftszimmer der Kammer in dieser Beziehung Nähere- m,tgetheilt werden, wie dortselbst auch die Namen einer größeren Zahl zweifelhafter Firmen in Amsterdam und Rotterdam zur Lenutnißnahme etwaiger Jntereffenten offen liegen. — Die Handelskammer für OftfrieSland und Papenburg ersucht die Kammer um Unterstützung einer an den Staat-secretär de- Reichspostamts gerichteten Petition, worin die Herabsetzung der Postgebühr für Post-An- Weisungen unter 5 Mark auf 10 Pfennig erbeten wird. Die Unterstützung dieser Eingabe, die eine erhebliche BerkehrSerleichterung erstrebt, wird b.schlossen. — Der am 7. l. M. zu Darmstadt stattfindenden Sitzung b eß Eisen- bahnbetrat hS wird daß Mitglied der Kammer, Herr Com- merzienrath Heichelheim, beiwohnen. — Die dereitß früher von der Kammer gestellten Anträge auf Einführung von Sonntag ßbilletß für Fahrten nach der Provinz und auf Bewilligung von Freigepäck auf Retourbilletß sollen wiederholt in Anregung gebracht werden. — In dem der Lämmer Seitenß der Direction der Oderhesfischen Eisenbahnen zugegangenen Entwurf deß Sommersahrplanß für 1895 ist in weitgehender und dankenßwerther Weise den Wünschen der Kammer Rechnung getragen worden.
Eoncert-Verein. Daß am Sonntag den 10. März flattfindende Eoncert wird sich zweifelloß zu einem sehr Inter- effanten gestalten. Herr Spengel auß Hamburg hat sich anläßlich eineß eigenen Eoncertß im vorigen Jahre alß gediegener Elavierspieler auf baß Vortheilhafteste eingeführt. Damals stand dem Künstler kein Orchester gut Verfügung, waß am Sonntag der Fall sein wirb, wir werben daher diesmal den Genuß haben, Herrn Spengel in größeren Rahmen kennen und schätzen zu lernen. Der Künstler hat sich als Hauptwerk das C-molb(£oncert von Beethoven au-gewählt, welches unseres WiffenS in Gießen seit Jahren »icht zu Gehör gebracht worben ist. Mit Freuben conftatiren wir ferner, daß bie Eoncert leitung auch diesmal wieber eine Novität bringen wird und zwar eine Suite von B. Scholz- dieselbe, „Wanderungen" benannt, gibt in fünf Stimmungsbildern: 1) „Gedtrgsgruß", 2) „Libelle und Wafferfei",3) „Erinnern undTräumen", 4) „Tanz", 5)„Abend- frieden, Heimweg" die Eindrücke einer Gebirgßfahrt auf ein erregbares Gemülh. Es handelt sich also nicht, wie bei Programmmusik, um die Darstellung eines GeschehniffeS, sondern um das Aussprechen von GemüthSzuständen, wie sie die Freude an der Natur hervorruft, ganz in dem Sinne, in welchem Beethovens Pastoral-Symphonie gemeint ist. Der erste Satz beginnt mit einem Hornruf, dem Juchzer, wie er in den Berchte-gadner Alpen allgemein gebräuchlich von Berg zu Berg tönt, al- Gruß von der Höhe. Da- Motiv, zum Thema des ersten Satzes ausgebildet und erweitert, tritt m t einem zweiten ländlerartigen Thema in Gegensatz und Verbindung- einige schroffe, fast „zackige" Rythmen deuten an, daß hier nicht immer Friede und Lieblichkeit herrsche, aber brr vorherrschende Eharacter de- Stückes ist Freude und Glück-empfindung beim Betreten deS Hochgebirges. Der zweite Satz ist ein poetische- Bild, das dem Wanderer am Waldbache erscheint. Die zierliche Libelle flattert schwirrend über der kühlen Fluth, auS der die Wafferfei auftaucht und ihrer süßen Stimme lockenden Wohllaut ertönen läßt. In diese Vision de- Wanderer- schleicht leise die Erinnerung an glückliche — vielleicht für immer entschwundene — Stunden, ein Träumen und Sichverlieren, die Stimmung beß 3. Satze-. Ein derber Gebirg-tonz auß den nahen AlmhÜtten entreißt ihn feinen Fantasien und führt ihn in die freudige Realität zurück. Der letzte Satz athmet eine friedlich außtlingenbc Stimmung, der GebirgSgruß ertönt wie zum Abschied; ein lebendige- Allegro, fröhliche- Hetmwandern im Marschtempo begleitend, schließt da- ganze Werk ab, welche-, ungleich den meisten neueren Eompofitionen keine Versenkung in die dunklen Räthsel de- Leben-, keinen verzweifelnden Pesfimiß-
»ni- zur Schau trägt, vielmehr Deltfreude »nd Naturgenuß in ein'ücher, allgemein verständlicher Form au-^prichr. Die > Suite, in einer Reihe von deutschen Mufikstädten mit größtem j I Beifall aufgenommen, ist in diesem Winter in mehreren j . Stätten der Schweiz aufgeführt und auch dort alß ein echteß Gebirg-kind freudig begrüßt worden.
** Theater Verei». Von Napoleon Bonaparte, dem Manne, welchen Richard Boß in den Miitelpunkt seineß Drama- „Wehe den Besiegten" stellt, >oll ja wohl daß Wort stammen, baß vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt sei. Der gute deutsche Dichter hat baß tiefe Wort beß großen Eorsen bei seinen historischen Studien wohl nicht angetroffen- roenigftenß hat er eß sich nicht zu Herzen genommen, und so wirkt sein unreiseß Drama an vielen Stellen komisch, wo eß tragisch sein will. „Frankreich ist Ich, Europa ist Ich, baß Universum ist Ich" — baß ist hohler Bombast und nicht titanenhafter ögoißmuß. Packend ist eigentlich nur eine Szene beß zweiten Acteß. — Daß Stück enthält drei Rollen (nicht Personen, nur Rollen) und mehrere Uniformen. Don diesen drei Rollen kommen zwei nicht auß dem Affecte herauß und eine nicht in den Äfftet hinein - und eß nug keine geringe Aufgabe sein, solchen Schemen Leben und Blut einzuflößen, solche Unnatur alß Natur darzustellen, den Zuschauer am nahen Abgrunde beß Lächerlichen vorüber- zutäuschen. Daß den Künstlern beß gestrigen Abend-, den Mitgliedern beß Darmstädter Hoftheaterß dies gelungen ist, zeigt deutlich die Höhe ihreß Könnenß. Don Herrn Wagner berichtete erst vor wenigen Tagen unser Darmstädter Corte- spondent, daß sein Napoleon in „Madame Sanß-G6ne" ohne Weitereß den Vergleich mit dem Possart'schen außhalten könne, und nach den Erfahrungen beß gestrigen Abenddürfen wir Gießener dem Urtheile voll und ganz beistimmen- denn eine bessere MaSke, eine noch „historischere" Haltung, ein seiner durchdachte- und abgestimmteS Spiel ist wohl kaum möglich. Fräulein Cramer al- Gräfin von SaintAubonne mit der ewigen Aufregung hatte keine leichte Stellung. Aber sie frtzte ihre ganze Kunst für den Dichter ein und gab die glühende Verehrerin ihrer Helden, die leidenschaftliche Frau, die zärtliche und zuletzt heroische Mutter mit der Vollendung, die wir an dieser Künstlerin schon häufiger hier zu bewundern Gelegenheit hatten. Herr M o u n a r d führte den Mario, den bonapartistischen Royalisten, mit den zwei Seelen — ach! — in seiner Brust, wie eö sein mußte, mit jugendlichem Feuer und hinreißendem Ungestüm, in der Sprache mitunter etwas überhastet, aber doch stets wirksam und recht sympathisch durch. Die Nebenrollen waren von tüchtigen Shäften besitzt. Der Theaterverein hat im Feldzuge des letzten Winters eine reiche Abwechselung geboten - die Theater von Frankfurt, von Darmstadt, von Wiesbaden haben hier Gastspiele gegeben - französische, klassische und moderne Lustspiele, deutsche historische Schauspiele heiteren und ernsten Genres, ja sogar eine Operette sind an unS vorübergezogen. Der Theaterverein hat sich in den fünf Jahren seines Bestehen- eine Stellung erobert dadurch, daß er seiner Aufgabe gerecht geworben ist, die künstlerischen Ver- hältniffe Gießens zu Heden. Dank der Opferwilligkeit einiger seiner Mitglieder hat er bie Jahre deS Tastens und der Versuche hinter sich. Er darf getrost in die Zukunft blicken.
* • Bürgerliche- Gesetzbuch. Durch baß Großherzogliche Ministerium ist an bie Collegialgerichte die Aufforderung gerichtet worben, sich über ben jetzt oorliegenben ersten Band beß bürgerlichen Gesetzbuch- gutächtlich zu äußern.
* * Erhöhung der Kirchensteuer. Die Lanbe-synode beschloß eine Eihöhung der Kirchensteuer um !/10 Pfennig von ber Mark Steuercapital.
* * Körperverletzung. In einer Wirthschast der Bahnhofstraße kam eß gestern Abend zwischen einem Händler und einem Haußburschen zum Streit, wobei dem Haußburscheu ein Finger beinahe abgebifflen wurde.
nn. Darmstadt, 6. März. 5. Evangelische Landeß- Synode. In ber gestern Nachmittag ftattgefunbenen Sitzung ber Synobe wurde nach fast zweistündiger Debatte die Wahl deß Decanß R6e mit großer Majorität für gültig erklärt und der Antrag Wahl-Schlitz auf Einberufung beß Stellvertreterß Pfarrer Schuster abgelehnt. In ber heutigen Sitzung fanb zunächst bie Verpfl chtung beß Decanß 9?6e sowie seineß Stellvertreterß statt. Sodann wurde in die Berathung des Voranschlags ber Einnahmen unb Ausgaben beß evangelischen Centralkirchenfondß getreten. An Ausgaben werben bewilligt: Cap. 1. Kosten ber Landes- Synode 5000 Mk. Cap. 2. Kosten beß Oberconsistoriumß 62,839 Mk. Cap. 3. Bureaukosten der Superintendenten mit 925 Mk. Cap. 4. Diäten unb Reisekosten der Superintendenten und Decane mit 9000 Mk. Cap. 5. Gebühren der Stiftung-anwälte 500 Mk. Cap. 6. Kosten beß Predigerserninarß mit 22,000 Mk. Cap. 7. Besonbere Belohnungen und Tagegelder 600 Mk. Cap. 8. Druck- und VerkündigungSkoiien mit 700 Mk. Cap. 9. Bureaukosten der Decane 5760 Mk. Cap. 10. Beitrag zu den DecanatSbibliotheken 1345 Mk. Cap. 11. Für Kosten zur Dersehung deS Pfarrdiensteß 1,294,350 Mk. Cap. 12. Pen- sionen 100,000 Mk. Cap. 13. Zur Unterstützung erkrankter Geistlichen 9000 Mk. Cap. 14. Zur Unterstützung ber Studirenden und Canbidaten der evangelischen Theologie beantragte daß Kirchen - Regiment eine Erhöhung von 10,000 auf 11,000 Mk. Synodale Wahl-Schlitz beantragt Herabsetzung dieser Summe auf 6000 Mk., weil der Zudrang zum Stand der Theologen jetzt groß genug sei. Präsident Goldmann kann dem Antrag Wahl und feinen Motiven nicht zustimmen und bittet um Bewilligung. Für ben Antrag Wahl sprechen Synobale Stamm, Diefenbach, Hildebrand u. A. Für bie Bewilligung sprachen die Synodalen Hosch, Stade, Siebeck. Nach erfolgter Adst rnmung wird die Summe von 11 000 Mk. mit ber Wotivirung, daß mindesten- 2500 Mk. für Reisestipendien Verwendung finden sollen, mit giofetr Majorität bewilligt.
Verhandlung des landwirthschastliche« Vereins für die Provinz -Lberhcffe» über den Antrag Zranitz.
(Fortsetzung.)
Der Vorsitzende, Herr Gras Friedrich zu Solmß- Land ach Erl., fügt dem Referate de- Herrn Lucke hinzu: Er halte eß für möglich, iu einer Regelung ber momentan nöthige» Bedürfnisse zu gelangen. Daß bie freieCorcurrenz sich nach ber von Herrn Lucke bezeichneten Achtung so entwickelt, sei bedauerlich, die freie Concurrenz sei bie Wurzel all - Uebel-, unb auf dieser Wurzel gediehen nur Giftpflanzen. Er wünsche, daß baß Manchesterthum durch den Staat bekämpft werde, ber Staat solle nicht zugeben, daß die Dinge zum Schaden der Allgemeinheit au-sallen. Der Gedanke au die fi übern Polizeitaxen verursache vielleicht eine» gelinden Schauer, eß wolle aber auch Niemand, daß die Müller und Bäcker ihre Preise über Gebühr stellten, eß werde nicht schwer sein und er fei Überzeugt, baß ein Zusammenthun aller ehrlichen Vertreter dieser Gewerbe den unehrlichen Licht unb Luft abschneiden. Daß Correlat der Verstaut! chung beß Getreidehandelß sei die staatliche Seeinfflufflung ber Müller, Backer und auch bet Metzger. Er habe dieß erwähnt, weil er meine, baß ein Provinzialverein auch andere Interessen zu wahren habe- die Landwirthe seien verpflichtet, tn gerechter Weise auch de» consurnirenden Ständen Rechnung zu tragen. Denn der Staat dieß Correlat eintreten lasse, könnte die Landwirthschaft beweisen, daß sie anderen Siänden gegenüber ein guteß Gewissen habe, könnte sie zurückweisen ben Vorwurf, daß sie dem armen Mann daß Brod vertheuern wolle.
Retchßtag-abgeorbneter Köhler: Er sei seit fünf Jahre» für die Verstaatlichung beß Getreibehandelß eingetreten unb freue sich, daß eß endlich einmal im Lande tage- eß sei Thatsache, daß der cultivirte Bauer mit den Kuli- nicht concurnren könne. Aber sei e- denn absolut n.öth'g, daß wir Getreide auß dem Au-lande bezögen? Die Production im eigenen Lande könnte so gehoben werden, baß wir unseren Bedarf decken könnten- wir schleppten Millonen hinaus, damit der Zwischenhandel seinen Verdienst habe- wir seien noch ein ackerbautreibender Staat, trotz Caprivi selig. Dir sollten sagen: Bi-hierher und nicht weiter, unser Ziel solle sein ein großer Ackerbaustaat, und der solle heißen: Deutsche-Reich.
Bürgermeister Joch en-Laubach erklärte, baß heute die Großmüller und Großbäcker mit Hülse de- Capital- die Geschäfte machten. Ec wolle ben Staat nicht mit einem Rohr, aber doch mit einem Baume^vergleichen, der vom Sturme geneigt werde, dieser Baum habe sich aber zu sehr nach der Seite der Capital- geneigt, er müffle sich aber wieder nach der Seite ber Landwirthschaft neigen. Er ermahnte schließlich die Anwesenden zum Zusammenhalt.
Der Vorsitzende erwiderte, nicht der Meinung z» sein, daß Deutschland jetzt sich selbst nähren könne, eß würde aber in bie Lage kommen, sich zu ernähren, wenn e- wesentliche Factoren derücksich'ige. So könnte in puncto Intelligenz allerdings noch vieles geschehen- der Ansporn zur Vermehrung der eigenen Production fehle indeß, weil bie Erträgnisse der Landwirthschaft zu schlecht bezahlt würden- viel Land läge brach oder solle ber Forstcultur anheim unb er könne aus eigener Erfahrung mittheilen, daß eS unter den gegenwärtige» Verhältnissen Land gebe, baß besser nicht bebaut werbe, bau» koste eß wenigstenß nicht- - er habe solche- Land einfach als Hutfläche verpachtet, sogar die Bepflanzung mit einem schnell wachsenden Holz sei unter Umständen besser alß bie Bebauung. Recht beträchtliche Flächen seien infolge der schlechten Rente der Landwirthschaft entzogen worden - würden die Erzeugniffe der Landwirtschaft besser dezah t, so könnte eß dahin komme», daß wir unsere Bevölkerung selbst ernähren könnten, unb baß wäre ein großer Vortheil. Seien wir gezwungen, vom Auslände zu beziehen, so seien wir dem Au-lande au-geliefert, in einem Kriege könnte unß der Osten unb Westen unsere Lebensbedingungen abschneiden ohne Schwertstreich. Dir verlangten, daß wir wenigsten- sott würben, tobt könnte ma» uns machen. Die Währung-frage berührend, erklärte Se. Erlaucht weiter, daß geäußert wurde, hierin liege der Ler» ber landwirthschaftlichen Kalamität; auch werbe gesagt, ber russische Handelsvertrag habe diese Kalamität gebracht, dem sei aber entgegenzuhalten, daß Rußland unter denselben Import» Mißständen leide.
Herr Erck«Nidda bezeichnet ben Antrag Kanitz als ihm sympathisch, da er geeignet sei zu verwirklichen ben Satz „Jeder Arbeiter ist seine- Lohne- werth". Wenn die Land- wirthschast lahm gelegt werde, so werde auch bie Industrie lahm gelegt, der Antrag kanitz fei ein besserer Regulator alß alle Handelsverträge, bie Zölle übten keinen Einfluß mehr auf die Conjunctur auß, darüber entschieden andere Factoren. Die niedrige russische Valuta verhindere, daß bei hohen Zöllen daß deutsche Reich Nutzen habe, der russische Exporteur sei durch die ungesunde Valuta und die Doppelwährung immer im Vortheil, denn letztere übe einen große» Einfluß auf bie Fruchtpreise auß. Falsch sei bie Annahme, der Antrag Kanitz komme nur dem Großgrundbesitz zu Gute, aber jeder Bauer von 8 Morgen Land an, der von der La»d- wirthichaft lebe und nicht noch ein N-bengewerbe treibe, habe Vortheil davon, ebensowenig fei der Antrag Kanitz ber Lanb- wirthschaft hinderlich. Redner empfiehlt Annahme einer Resolution, in der die Versammlung ihr volle- Einverständniß mit dem Antrag Kanitz zu erkennen giebt.
(Fortsetzung folgt).
2<ird>Hd>c Anzeige« de* Stadt Gietze».
Vvanßelische «emeinbe.
(Motteßbtenfi Sonntag den 10. März. Remlniß<ere. Ä« Kr Ltavttirche. vormittag- 9*/t Ubr: Pfarrer Schlosser, vormittag- 11 Ubr: Kinderkirch«. Pfarrer E chlofser Abend- 6 Ubr: Piarroermalter Dr. (3 rein Beichte unb heil. Abendmahl für die Mrrcu-gemetnde. Am ■dbuege» dazu werden Tag- zuoor in ber Wohnung beß Geistliche»


