Ausgabe 
9.3.1895 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Wn ' ***** ÄoqT--

-Äis'Sg

üsiSh 9t werden.

MW! ttrs-L-

r'LW «-L«

ItoWatatL

Einkauf "1 uche erer Preis 40 $f.

45 r , 55, , 63,

M 'ngeinerSutttfyine i Hungen i Sood t Statt. "M trieb für Gießen h Wallach, Mack

Vtutx M*. tM iuftadtt, WWafo itift RoU, am Kirchmp!» ! Gerhardt, Lindenplm fisch n Cabliat [1737] im Red«-«.

tfrr «Wdifunb|ttM Mttnjt empfiehlt bÄigst B. Dort, WalltHorjirase fc

jteten md?, ro r Pfund 1 Marl, Quantum billiger lauer, BiemzW Sahnhofstraße 57.

ognac

oh, nnd Franzis .ich-m»s°hl-» - '. Schott

FäS wjjfSS

j.w*A ss®8"

»ft,

S«' ASM swtffe? W' s ta derW^

Nr. 58

Drr Lietzener ^njdger erscheint täglich, rit Ausnahme de« Montags

D« Gießener A-«mirte»btLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt. Samstag den 9. März

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

1S95

Bierteljähriger Aöonnementspreisr 2 Mart 20 Psg. mit vvingcrloh».

Ditrch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg.

Ätbection, Erpoditio» »ad Druckerei:

-chutsiratze Zlr.7. Kerajprrcher 51.

Anrts- und Anzeigeblntt für den Kreis Gietzcn.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den frtrti** ßfrtffAnnoncen-Vureaux deS In« und Auslandes nehmen

folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Corrn. 10 Uhr. HUIIVlUUtl. Anzeigen für den .Gießener Anzeiger" entgegen.

Deutscher Reichstag.

54. Sitzung. Donnerstag, den 7. März 1895.

Mtlitäretat. (Position: Commandantur in Altona.)

Kiegsmtnister v. Broniart, Abg. ©tbäbler (6entr.) und Abg. Masiow (conf.) sprechen sich für Bewilligung der Position, Abg. Pachnicke (irf. Vp.) gegen dieselbe aus.

Abg. Richter (tri. Vp.) führt aus, neue Gründe, welche für die Position sprechen, feien nicht oorgebracht worden.

Abg. Lieber ((Sentr): Rach der Eik ärung des Ministers und des Schatzsecrelärs fdm die etatrechtltchen Bedenken feiner Freunde geschwunden. Seine Freunde glauben daher die Position dewilliaen zu können.

Nachdem Abg. Bebel (Soc.) sich gegen die Position ausge­sprochen hat, erfolgt deren Annahme gegln beide freisinnigen Parteien und der Soctaldemokratte.

Bet dem CapitelGeldverpflegung von Truppen" rügt Abg. v. Dollmar (Soc.) die Abcommand'rungen von Mannschaften als Arbeiter im Inter.sie von Gutsbesitzern. Hierdurch wurden die Kioilai beiter ge'ckädtgt und der Lohn gedtücki.

KriegSmnister v. Bronf art erklärt, in Preußen fänden Be­urlaubungen nur siatt, soweit es die dienstlichen Interessen erlaubten. Don einer Lohndiuckeret könne keine Rede sein.

Abg. Manteuffel (conf.) hält die Mcommandirung von Soldaten zu dem vorgedackten Zweck für durchaus richtig.

Abg. v. Voll mar (Soc.) bemängelt nochmals die niedrigen Löhne.

Kriegsminister v Bronfart erwidert, exclusive R^ife, Unter- klinft und Geschirrlteferung stelle sich' der tägliche Durchschnitttzlohn auf 2,29 Ml.

Nach weiterer bedeutungsloser Debatte wird das Capitel ge­nehmigt. Zu demselben liegt noch eine von der Commission bean­tragte Resolution vor, wonach der erfolgreiche B.fuch eines Lehrer- sewtnarS die Berechtigung zum Einjährig-Fretwilligen-Dtenst in sich schließen möge.

Abg. Weiß (frf. Du) will in einem Zufatzantrag, daß bet eventueller Annahme dieser Resolution der Berechtigungsschein nicht enüofltn werden büife.

Abg. Weiß begründet seinen Antrag, Mtcht sich für die Re­solution flu-3 und erklärt, daß im AllgemettMr die Bildung der Polk-fchuliehrer mit derjenigen der GymnasieM Einjährigen auf einer Stufe stände.

Staatsmintster v. B ö t ttch e r erklärt, daß das Staatsministerium bereits diese Frage in Erwägung gezogen habe Und dcß jedenfalls die Entscheidung im Sinne der Wünsche des Vorredners sollen werde.

Abg Rästcke (Wtid) schließt sich den Ausführungen des Abg. Weiß an.

Abg. Lieber (Centr.) platdirt für die Annahme deS Com­missionsantrages.

Nach einer längeren, nicht nennenswertben Debatte, in welcher die Vertreter sämmtltcher Froctionen, mit Ausnahme der socialdemo- kraitschen, sich für die Resolution ausgesprochen hatten, erfolgt deren Annabme.

Der Abg. Weiß zog während der Debatte feinen Zufatzantrag zurück.

Bei dem CapitelNaturalverpflegung" wünscht Abg. Buol (Centr.), die Militärverwaltung möge ihren Bedarf bei tzrn Produ- itnten (Landwt. ihen) decken.

Generalmajor o. Gemmingen erklärt sich zustimmend.

Nach p riönlichen Bemerkungen der Abg. Singer und Schall wird die Weiterberothung auf morgen 1 Uhr vertagt.

Präsident v Levetzaw ruft den Abg. Ahlwardt nachträglich weaen der oefhioen A> S'älle oeam bie Juden iur O dnung.

Deutscher Reich.

Berlin, 7. März. Der Kaiser unternahm in den letzten Tagen trotz der rauhen Witterung einen größeren ÄuSflug nach der Nordseeküste und nach Helgoland. Zu­nächst weilte er in W'lhelmshafen, wo er am Dienstag der Vereidigung der Martnerekruten beiwohnte und mehrere Be­sichtigungen vornahm. Am anderen Morgen fuhr der Kaiser an Bord des PanzerschiffesKurfürst Friedrich Wilhelm", welchem die SchiffeFritjof" undPrinzeß Wilhelm" daS Geleite gaben, nach Helgoland. Hier besichtigte der hohe Herr eingehend die durch die letzte große Sturmfluth verur- sachten Uferbeschädigungen, über welche ihm seinerzeit von einer Helgoländer Abordnung bekanntlich Bericht erstattet worden ist. Am Donnerstag setzte Seine Majestät die Fahrt nach Brunsbüttel, wo der Nord Ostsee Canal in die Unterelbe mündet, fort, und am Freitag gedenkt der Monarch He neuen Hafenanlagen in Bremerhaven zu besichtigen, voran sich ein Besuch der Stadt Bremen schließen soll.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondmz-Burea».

Berlin, 7. März. Dem Reichstag ging ein Antrag Möller-Hitze zu, betreffend die Abänderung deS Ge­setzes über die Einheitszeit, wonach, wenn der Unter­schied zwischen Einheitszeit und Ortszeit mehr als eine Viertelstunde beträgt, die höhere Verwaltungsbehörde für knzelne Betriebe oder BetriebStheile Abweichungen von der Forschrift der Einheitszeit zulafleu kann. Die Abweichung barf nicht über eine halbe Stunde betragen.

Berlin, 7. März. Die Wahlp su n g s - C o m- Mission b Reichstags beschloß, den Beschluß über die Lillligkeit dir Wahl deS Abgeordneten von Rarborff (Kreis Oels Wartenberg) auSzusetzen und Beweis zu erheben.

Berlin/ 7. März. De Budget-Commission des Reichstags berieth den Etat des Auswärtigen und erle- : digte die fortdauernden, sowie die einmaligen AuSgabrn bis auf die wegen Zugehörigkeit z> m Colonialetat abgesetzten ! Positionen. Bei dem Colonialerat bemängelte v. Arenberg die Beschaffung der Ausrüstung für den Colonialdienst durch den OsfisierSverein und bat, künftig einen besonderen Etat für die Colonien auszustellen und vollständig von dem Etat des Auswärtigen zu trennen. Der Director deS Colonial- amtS, Kayser, sagt zu, dem Wunsche nach Möglichkeit Rech­nung zu tragen. Die Lieferungen deS OsfizierveretnS seien stets sehr besriedigend gewesen.

Berlin, 7.März. Die WahlprüsungS-Commtsfion deS Reichstags beanstandete die Wahl des Abgeordneten Wiest ke, Kreis Wefthavelland.

Berlin, 7. März. Der La nd w irtHschaf tS rath berieth heute bie Frage: Welches finb bie Wirkungen ber Beseitigung bes Identitätsnachweises, in Verbinbung mit der Frage ber Beseitigung ber gemischten Tranfitläger? Abg. Puttkamer-Piauth sührt aus, bie Aushebung beS JdentiiätS- nachwetses habe sich als burchauS segensreich erwiesen. Nach ber Aushebung erscheine die Beibehaltung der gemischten Transitläger nicht mehr erforderlich. Er beantrage, den Bundesraih zu bitten, eine Beseitigung der gemischten Transit- lager im Bmnenlande herbeizuführen und baß RendernentS- verhältniß bei ber MehlauSfuhr ber wirklichen Ausbeute ent- fprechenb festzusetzen. Die meisten Rebner sprachen sich in ähnlichem Sinne aus. Der Antrag wurde barauf unter Streichung ber Worte:Im Binnenlande" mit großer Mehr­heit angenommen.

Wien. 7. März. DiePolit. Corresp." meldet aus Rom: Die Nachricht, daß die italienischen Schiffe, die zur Eröffnung beß Norb-Ostsee-Canals nach Kiel gehen und England besuchen sollen, auch in den Häsen anderer Staaten erscheinen werden, ist unbegründet.

Mailand, 7. März. Hier herrscht eine für die gegen­wärtige Jahreszeit ungewöhnliche Kälte. Seit gestern ist heftiger Schneesturm in Venedig, Bologna, Florenz und Pavia.

Yokohama, 7. März. Nach einer hier eingegangenen Depesche rückten am 4. d. M., 8 Uhr früh, 10,000 Mann chinesischer Truppen auf Tap ing schang vor, wurden aber schon am Nachmittag durch die japanische Artillerie zum Rückzüge gezwungen. Die Japaner haben keine Verluste erlitten.

Depeschen des BureauHerold"'.

Berlin, 7. März. Der preußische Landtag be­schäftigte sich heute mit dem Etat ber Handels- und Gewerbe­verwaltung, von dem einige Capitel erledigt wurden. Morgen Fortsetzung.

Berlin, 7. März. Die wirthschaftliche Ver­einigung beß Reichstages beschäftigte sich heute mit ber ConvertirungSfrage und vertrat die Ansicht, daß bie Herab­setzung beß Zinßfußes aller Staatß- und Reichß-Anleihen auf 3pCt. im allgemeinen wirthschaftiichen Jntereffe nothwendig und wünschenswerth sei. Biß zur nächsten Sitzung soll eine diesbezügliche Resolution an den Staatsrath vorbereitet und demnächst eine Interpellation im Reichstage eingebracht werden.

Berlin, 7. März. Als Nachfolger beß zurückgetretenen Grafen Stolberg wird berPost" zufolge außer bem Ober- Präsidenten von Westphalen, ©tu b t, auch noch ber frühere Minister von Heyben und Graf zu^Eulenburg- P rass en genannt.

Berlin, 7. März. In bem deutschen Reform-Verein Groß-Lichterfelde sprach gestern Abend in einer Volks­versammlung Abgeordneter Böckel über bie Umsturzvorlage uub bie Tabaksteuer. Redner ist der Ansicht, bie Regierung werbe bie Vorlage schleunigst zurückziehen. Denn alle bie Concessionen, bie jede maßgebenbe Partei verlange, könne bie Regierung nicht bewilligen. Sodann sprach Pickenbach, welcher antünbigte, er werbe roieber in die Bewegung eintreten. Er bestreitet, daß Stöcker ber Vater beß Antisemitismus sei. Er, Rebner, habe schon 1877 mit Parteifreunben, bie sich heute in hohen Staatsstellungen befinden (Zwischenruf; von Köller), bie antisemitische Bewegung in Angriff genommen. Redner bezeichnet sodann die Trennung ber Partei als Glück. Schließlich wurde eine Resolution gegen bie Umsturzvorlage unb bie Tabaksteue^ongenommen und erklärt, treu zu Ahlwardt und Böckel zu halten.

Berlin, 7. März. DieNational-Ztg." schreibt heute: Der Antrag Kauitz, ber im beutschen LandwirthschaftS- rathe mit 36 gegen 32 Stimmen angenommen würbe, habe dabnrch eine schwere Nieberlage erlitten. Die allgemeine

Ansicht innerhalb beS LanbwirthschaftSratheß sei, daß der Antrag zum socialistischen Staat führen müffle.

Berlin, 7. März. Die Commission zur Vorberathung der Tabakfabrikat steuer ist auf den 14. März ein- berufen worden.

Berlin, 7. März. Die Iustizcommission deS Reichstags nahm heute die §8 26, 27, 28 und 29 der Novelle zur Strasprbceßordnung, die von der Ablehnung eines Richter- handeln, nach den Regierungsvorschlägen an.

Berlin, 7. März. DaS Kriegsgericht gegen Herr« von Kotze ist heute Vormittag im Miliiärgenchtsgebäude zusammengetreten. Um 2*/a Uhr Nachmittags wurde die Verhandlung auf morgen vertagt. Olfiziere hiesiger Garde­regimenter bilden den Gerichtshof.

Kol«, 7. März. DieKöln. Ztg." bementht entschieden die Blättermeldungen über die Demission des preuß schen Kriegsministers Bronfart von Schellenborff. Diese Melbungen, sowie biejenige, baß bie Nachfolgerschast bem commanbirenben General beß 11. Armeecorps, General von Wittich, übertragen werde, seien ebensowenig begründet, wie alle früheren Ausstreuungen über Ministerkrisen cmS derselben Quelle. Wohl habe ber Kriegsminister bezüglich der Reform der Strafproceßordnung eine Gegnerschaft in höheren Stellen, speciell beim Chef des Militärcabinetß General von Hahnke, indessen sei ber Kaiser für eine recht baldige umfassende Reform, worin er durch neuere Erfahrungen bezüglich der jetzigen Mängel deS schriftlichen Verfahrens bestärkt werde.

Parchim, 7. März. Die mecklenburgische Creditbank hat plötzlich ConcurS angemeldet, wodurch Diele in Mit­leidenschaft gezogen sind. Zahlreiche Existenzen sind vernichtet. ES herrscht große Aufregung. Dte Untersuchung ist ein­geleitet. Zwei weitere Firmen sind ebenfalls in Concurs geraden.

Wien, 7. März. Der heute Vormittag unter Vorsitz beß Kaisers ftattgesundene Ministerrath wirkte auf bie Börse, obgleich über bie Motive nichts in Erfahrung zu bringen war, höchst ungünstig ein. Von ber Großipeculation und den ersten Bankenfirmen wurden größere Abgaben auf ber ganzen Linie vorgenommen.

Olmutz, 7. März. Ein Personenzug der Mährischen Grenzbahn wurde gestern Nachmittag bei Bladowitz völlig im Schnee vergraben. Die Passagiere konnten nur mit großer Mühe auf Schlitten weiterbefördert werden und ge­langten nur bis Mährisch-Neustadt.

Budapest, 7. März. Aus bem MaroSzthale laufen sehr betrübende Nachrichten ein. Dort, sowie in den Dörfern und auf den Bahnstrecken bat das Hochwasser ungeheure« Schaben angerichtet. Aller Verkehr ist eingestellt.

Graz, 7. März. Der in den Ruhestand getretene Oberst­lieutenant Bartel S von Bartberg, welcher bas bekannte Buch über ben Krieg von 1859 herausgegeben hat, in welchem er bie politischen Verhältnisse mit seltenem Freimuth schilbert, wurde durch ein vom Reichskriegsministerium ungeordnetes militärisches Ehrengericht dieses BucheS wegen seiner Charge für verlustig erklärt.

Brussel, 7. März. DerPeuple" veröffentlicht einen Aufruf, daß man die Manifestationen am 1. Mai besonders großartig gestalten wöge. DaS Blatt fordert alle Arbeiter auf, daran theilzuuehmen.

Paris, 7. März. In den Wandelgängen ber Kammer ging gestern bas Gerücht, Kaiser Wilhelm werbe nach Annahme ber Einladung durch Frankreich daS Datum der Eröffnungsfeierlichkeiten in Kiel um acht Tage verschieben, angeblich um die Durchfahrt durch den Nord Ostsee Canal zu erleichtern, in Wirklichkeit aber, um daS Fest nicht mit bem Jahrestage ber Schlacht bei Waterloo zusammen zu bringen.

Paris, 7. März. Der Präsident ber Republik hat bem Ministerrath mitgetheilt, baß er am 20. Mai eUw Ver­sammlung bes Oberkriegsrathes im Elysee unter seinem Vorsitz einberufen werbe. Faure ist ber erste Präsident ber Republik, ber von bem ihm zustehenben Recht Gebrauch macht. Wie verlautet, will er sich in die wichtigsten An­gelegenheiten in Bezug auf bie Colonial-Armee, bie Kirchen- Verwaltung, bie Expedition nach Madagascar, bie Reorgani­sation des Ober-Commandos einen Einblick verschaffen.

PariS, 7. März. WieEstafette" meldet, hat bie deutsche Regierung die Einladung zur Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 angenommen. ES sei zwar noch keine osficielle Zusage erfolgt, aber ber deutsche Botschaster Graf Münster habe bereits dem französischen Minister des Aeußer« eine diesbezügliche Mittheilung gemacht.

Pari«, 7. März. Dsroulöbe richtete an seine Freunde in der Kammer ein zweites Schreiben, worin er wiederum gegen die Theilnahme französischer Schiffe an den Kieler