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Nr. 6 Dienstag den 8. Januar
1895
Der Hietzttser -nieiger erscheint täglich, Btt Ausnahme bei Montags.
Die Gießener
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Gießener Anzeiger
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Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gietzei».
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Amtlichen Theil.
Gießen, den 3. Januar 1895. vetr.: Das Reichsgesetz vom 14. Mai 1879 über den Verkehr mit Nahrungsmitteln.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an Grotzh. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Laudgemeinden des Kreises.
Unter Bezu gnahme auf unser Ausschreiben vom 20. Februar 1886 (Anzeigeblatt Nr. 46) sehen wir der Einsendung der vorschriftsmäßigen Auszüge aus der von Ihnen zu führenden Tabelle über die im Jahre 1894 vorgenommenen Untersuchungen von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen bis zum 20. Januar l. I. entgegen.
Sie wollen in der Tabelle auch angeben, bei welcher Stelle (z. B. dem chemischen Untersuchungsamte für die Provinz Oberhessen) die betreffenden Untersuchungen stattgefunden haben.
__________________v. Gagern.__
Gießen, am 4. Januar 1895.
Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Mendorf a d Lahn, Bellersheim. Bettenhausen. Birklar, Dorf Gill, Eberstadt, Großen Linden, Grüningen. Holzheim. Hungen, Inheiden, Klein L nden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Leihgestern, Lich, Muschenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim, Steinheim, Trais-Horloff und Utphe-
Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an baldige Einsendung der in unserem Ausschreiben vom 23. August 1880 — Anzeiger Nr. 201 — vorgeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der Spalte „Bemerkungen" die Angabe über die Krankheit des Thiere» und die Art der Beseitigung des CadaverS nicht zu vergessen ist.
v. Gagern.
Tabelle
über die in der Gemeinde........vom .... 18 .
bis .... 18 . . crepirten oder getödteten Thiere.
Ord.-Nr. |
Monat
• Datum
Namen der
Besitzer
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Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch denThier- arzt feftgeftellt tft, sowie über die Art der Beseitigung der Ca- daoer.
Deutsche» Reich.
Berlin, 5. Januar. Die Uebersiedelung deS kaiserlichen Hofes auS dem Neuen Palais bei Potsdam nach dem Berliner Restdenzscdlosse findet voraussichtlich in den nächsten Tagen statt. Nach beendtgter Uebersiedelung werden dann die herkömmlichen Wiuterfeftlichkeiten am Berliner Hofe ihren Anfang nehmen.
— Der Reichstag nimmt an diesem DienStag seine Arbeiten nach Ablauf der parlamentarischen WeihnachtS- ferten wieder auf, wodurch die mancherlei mit der gegenwärtigen Session verknüpften Fragen wieder in den Vorder- -rund deS politischen Tagesinteresses treten. Allseitig wird zugegeben, daß die parlamentarische Weihnachtspause in die bestehende unsichere politische Lage nach keiner Richtung hin Klarheit gebracht hat, eine solche wird demnach wohl erst daS Zvrtschreiten der Session selbst bringen. Diese Ungewißheit Modjt es vielleicht auch erklärlich, wenn sensationelle Gerüchte viffen wollten, Reichskanzler Fürst Hohenlohe beabsichtige nad) Erledigung der „Umsturz Vorlage" und des Tabaksteuer- Geietzes zurückzutreten, doch ist diese Nachricht inzwischen von ander er Seite als jeder Begründung entbehrend bezeichnet tooiben. Die Blättermeldungen über die Aussichten der tabakfabrikatsteuer Vorlage joerben seitens der „Nordd. Illg. Zrg." als bloße Vermuthungen charakterisiert und meint daS osficiöse Blatt weiter, die einzelnen Bundesregierungen hätten überhaupt noch keine bestimmte Stellung zu,
der genannten Vorlage genommen, welche Angabe freilich recht zweifelhaft erscheint. WaS die schon vor Weihnachten aufgetauchte „Präsidentenfrage" im Reichstage anbelangt, so gehen hierüber eine ganze Menge uncontrollirbarer Gerüchte - sicherlich steht gleich von dem Beginne der Reichstagsverhandlungen in» neuen Jahre eine Aufklärung in Betreff der Herrn von Levetzow zugeschriebenen Rücktrittsgedanken zu erwarten.
— Das preußisch Staatsministerium hielt am Freitag seine erste S'tzung im neuen Jahre ab. Der Sitzung wohnte auch der Kaiser bei, wodurch sie den Charakter eines KronratheS erhielt. Dem Vernehmen nach hat sich der Ministerrath u. A. mit dem Entwürfe eines Stempelsteuergesetzes beschäftigt, welcher dem preußischen Landtage bei seinem Zusammentritte zugehen soll.
— Der Kreis der Aufgaben für bie gegenwärtige Reichsta gSsession ist mit den in der Thronrede angekündigten unb bem Parlamente zum Theil bereits zugegangenen Vorlagen noch keineswegs abgeschlossen. Vielmehr werden von osficiöser Seite verschiedene neue gesetzgeberische Stoffe angekündigt, von denen sich in der Thronrede gar keine Andeutung fand. Hierher gehören bie in letzter Zeit signalisirten Novellen zu bestehenben Zucker- unb Branntweinsteuer-Gesetzen, sowie ber bem Bunbesrathe zugegangene Entwurf der Ausnahmebestimmungen über die Sonntagsruhe in der Industrie. Der Entwurf hat schon die zweite Lesung in den zuständigen Ausschüssen passirt- er bedarf also nur noch der Zust mmung des Bundesrathsplenums, um dann auch an den Reichstag zu gelangen. D e Vorarbeiten in Sachen ber Reform bes Milttärstrasprocesses nehmen ihren ungestörten Fortgang, wie bie „Nordd. Allg. Zrg." gegenüber anberw itigen Nachrichten mitzutheilen weiß; bie Einbringung bes Gesetzentwurfes über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes im Bunbesrathe gilt als bevorstehend.
— Aussehen erregt die Ausweisung einer Anzahl österreichischer Unterthanen, theils Polen, theils Czechen, aus Preußisch-Schlesien. Die Gründe dieser Maßregeln entziehen sich noch der Kenntniß der Oeffentlichkeit. Da verschiedene ber betreffenben Personen gegen ihre Ausweisung aus Preußen protestiren wollen, so bürste bie ganze Affaire noch zu diplomatischen Erörterungen zwischen Berlin unb Wien führen.
— Der deutsche Gesandte bet den central- amerikanischen Republiken, Herr Payer, über dessen Amtsführung von den Deutschen in Centralamerika schon seit längerer Zeit immer lebhafter geklagt wird, scheint in seinem dem Berliner Auswärtigen Amte im vorigen September erstatteten Rechenschaftsbericht seine Angelegenheit nicht klar und erschöpfend genug behandelt zu haben. Der Bericht hat ber Reichsregierung Anlaß zu mehrfachen Rückfragen an den Gesandten gegeben, die indessen noch nicht sämmtlich erledigt zr» fein scheinen. Wenn jedoch bie gegen Herrn Payer vorgebrachten Klagen unb Beschwerben selbst nur zum Theil den Thatlachen entsprechen sollten, so kann die Abberufung desselben von seinem diplomatischen Posten nicht mehr zweifelhaft sein.
Berlin, 5. Januar. Die gestrige Sitzung deS Kron- raths begann um 2 Uhr. Ursprünglich war die Sitzung deS StaatSministeriumS in dessen Dienstgebäude anberaumt. Da aber der Kaiser, nachdem er beim Reichskanzler daS Frühstück eingenommen, an der Sitzung thetlnehrnen wollte, wurden die Minister in die Amtswohnung des Reichskanzlers entboten. An ber Sitzung nahmen außer bem von Berlin abwesenden Minister Thielen alle Minister, ferner der StaaiS- secretär des Reichsschatzamts unb der des Reicksjustizamts Theil. Der Kaiser verließ die Satzung gegen 6 Uhr, woraus die Beratungen unter dem Vorsitz des Reichskanzlers noch eine Stunde fortgesetzt wurden. — In parlamentarischen Kreisen verlautet, der Reichstagspräfldent von Levetzow werde fein Amt niederlegen, falls der Reichstag die Vorschläge auf Erweiterung der DiSciplinarbefugnisse deS Präsidenten ablehne. — Aus dem Justizministerium wird dem Landtag ein Gesetzentwurf, betreffend die Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, sowie eine Vorlage über Notariatsgebühren zugehen. — Für die Beseitigung der durch den Sturm auf Helgoland angerichteten Schäden dürfte vom Landtage ein nicht unerheblicher Credit begehrt werden. Die Neubesetzung der Stelle eines Unterfecretärß im Staatsministerium steht unmittelbar bevor. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Verordnung, wonach Diptherieferum nur in Apotheken feilgehalten oder verkauft werden darf. — In der gestrigen Berathung des durch Zuziehung deS General- , Synodalvorstandes deS erweiterten Collegiums des evange
lischen Ober-Kirchenraths über die infolge der Vorgänge bet dem im Herbst v. I. in Bonn abgehaltenen Ferien- cursus in kirchlichen Kreisen entstandene Beunruhigung gelangte man zu dem Schluffe, daß zuvörderst noch die zur Beurteilung erforderlichen thatsächlichen Unterlagen der Vervollständigung bedürfen. — Ein parlamentarischer Berichterstatter meldet, die GeschäftSordnungs-Commission deS Reichstags werde in den ersten Tagen nach dessen Wieder- zusammentreten einberufen, um über die Verstärkung ber DiSciplinarbefugnisse bes Präsidenten zu beschließen. — DaS Ordensfest wird am 20. Januar gefeiert werden. Für daS Capitel des Schwarzen Adlerordens unb bie große Cour finb ber 17. unb 23. Januar in Aussicht genommen. — Die „Staatsb.-Ztg." meldet: Wie aus gut unterrichteter Quelle verlautet, beschäftigt sich ber Hanb elöminister Freiherr v. Berlepsch neuerbings ernstlich mit Rücktritts- gebauten; btefelben haben ihren Ursprung in MeinungS- verschiebenheiten, auf bie er im preußischen Staatsministerium betreffs der Handwerkerfrage gestoßen ist. — Die „Berl. Neuesten Nachr." erfahren an zuständiger Stelle, daß die Blätlermelduüg vom Besuche des Zaren Nikolaus tn Berlin noch im Laufe dieses Monats jeder Begründung entbehre. In maßgebenden Kreisen gelte es als sicher, daß vor Ablauf des ersten Trauerhalbjahres ber Zar bie Grenze» seines Reiches nicht verlassen werbe. Dasselbe Blatt hört ferner, daß über den Nachfolger des Grafen Schuwalow, dessen Abreise von Berlin am 19. Januar erfolge, noch keine definitive Bestimmung getroffen sei. Man erwarte die osficielle Entscheidung spätestens am russischen Neujahrstage (13. Jan.). — Zu dem 80. Geburtstage des Fürsten Bismarck werden auch Deutsch-Amerikaner nach FriedrichSruh kommen. Es begibt sich dorthin eine Deputation von achtzig Herren, die beki^ Feldzug von 1870—71 mitgemacht habe» unb sich im Besitze von KriegSehrenzeichen befinden, um dem Fürsten ein Ehrengeschenk ber Deutsch-Amerikaner zu überreichen.
Berlin, 5. Januar. Der „Vorwärts" veröffentlicht heute ein an bie Regierungspräsidenten gerichtetes Rundschreiben deS Ministers des Innern vom 24. November 1894, welches sich mit bem Turnw es en unb ben Turnvereinen beschäftigt. In bemfelben heißt es: ES sei bekannt geworden, daß die Anhänger ber Socialdemokratie neuerdings auch daS Turnwefen als ein Mittel benutzen, ihren Einfluß auf immer weitere Kreise auszudehnen, namentlich aber auf jugendliche Personen unb auf bie Grünbung von Turnvereinen, welche sich angeblich nur mit Turnen beschäftigen, in Wahrheit aber der socialdemokratiscken Agitation dienen. Herr v. Köller fordert die Regierungspräsidenten auf, ihm zu berichten, wie weit sie in ihren Bezirken derartige Erfahrungen gemacht haben unb in welcher Richtung etwa gegen ben Arbeiter Turnerbunb vorzugehen sei. Dem Treiben staatsgefährlicher Turnvereine wirb seitens ber Unter« richtSverwaltung burch entsprechende Maßnahmen entgegenzuwirken versucht werben.
Berlin, 5. Januar. Die Nummer 1 bes „Socialist" ist heute Abend auf richterlichen Beschluß consiscirt worden auf Grund deS § 166 des RelchSstrasgesetzbuchi (Gotteslästerung). Beanstandet wurde der Artikel: „Wir haben es herrlich weit gebracht!"
Ausland.
Wien, 5. Januar. Hier, in Budapest, Graz unb Triest herrscht heftiger Schneefall, burch welchen vielfache Verkehrsstörungen hervorgerufen wurden. Auch Verluste an Menschenleben werden gemeldet.
Wien, 5. Januar. Wie verlautet, ist ber Zustanb beS erkrankten greifen Erzherzogs Albrecht in Arco so bebenflid), baß ber Kaiser Franz Joses beshalb seine Abreise nach Budapest trotz ber bringenden Nothwendigkeit ber Neu- bilbung des ungarischen Ministeriums ausschiebt.
Budapest, 5. Januar. Große Gruppen von Ar- b eitslosen ziehen unter bem Absingen ber Marseillaise burch bie Straßen ber Stabt unb vertheilen Flugblätter, welche Einlabungen zum Besuch ber morgigen Massenversammlungen enthalten, in denen die Volksabstimmung übet das allgemeine Wahlrecht vorgenommen werden soll. Die Polizei hat alle Maßregeln getroffen, um Ausschreitungen z» verhindern. — AuS den verschiedenen Districten Ungarn- laufen Meldungen über anhaltende Schnee stürme unb mehrere Unglücksfälle, welche dieselben veranlaßten, ein. Die Stadt Abauz ist feit mehreren Tagen von allem Verkehr abgeschlossen.
Brussel, 5. Januar. Die von einem hiesigen Blatte angeltinb'igte Gesetzes Vorlage, betr. bie Uebernahme bei


