Ausgabe 
7.12.1895 Erstes Blatt
 
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Samstag de» 7. Dceember

Erstes Statt

M 288

virrteffLhnger

Zlnits- und Anzeigrblatt für den Areis Giefzen

HratisSeikage: Gießener KamitienökätLer

der

Sie hatte eineu

unserer Liebe und unserer Hoffnungen.

die Geburt zweier als ich den Brief Alice Kindern, ich hatte ich sie nicht.

den ich nicht ihrer gedacht, und oft mutzte ich ihres da­maligen Ausspruches gedenken, datz die Liebe für die Männer nur eine Episode sei. Meine Episode dauerte jedenfalls lange genug. In den letzten Tagen meines Aufenthalts schrieb ich einen langen Brief anmeine Alice", die sie doch ist und bleiben wird, und schrieb, ob es nicht möglich sei, jetzt, wo wir verhältnißmatzig alte Leute geworden wären, uns einmal wiederzufehen, schrieb ihr auch von meinem Traum in der Stube des firnen Bauernhauses, der die Sehnsucht

Belten von Großen Linden.

6. Kreisstratzen-Neubauten- hier die Bestimmung Reihenfolge derselben für die nächsten Jahre.

7. Die Gehaltsverhälmiffe der Bezirksbauaufseher. Gießen, den 30. November 1895.

Der Vorsitzende des Kreistages des Kreises ließen, v. Gag ern.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Norm. 10 Uhr.

eines Wiedersehens von Neuem angefacht.

Was wird sie schreiben?

Nach ein paar Tagen aber verließ ich das mir durch feinen Traum fast lieb gewordene Bauernhaus in Pennigschle und zog anderen Quartieren entgegen.

Wechfelvoll ist das militärifche Leben, vom Fürftenschloß znm Bauervquartier führt der Weg deS Soldaten. Wenn nun auch im Buche der Erinnerungen der Aufenthalt damals am schönen Marneufer zu meinen schönsten Lebensmomenten gehört, so ist die Erde auch schön bei ihren von der Natur am schlechtesten behandelten Kindern. Sie hat ihre Reize auch in diesen Moorcolonten meiner Heimath, man muß sie nur zu finden wiffen und fie zu entdecken verstehen. Der Gedanke, cs ist die Heimath, eS ist jetzt unser großes, deutsches, damals erkämpftes einiges Vaterland, läßt ur.S hinwegsehen über vieles, das vielleicht anderswo äußerlich schöner ist, oft aber auch nur ein Trugbild.*)

Bringerlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, LxpeditioO und Druckerei:

Schutstratze Ar.V-

Fernsprecher 5L

verließ mich nicht. Von Neuem sehnte ich mich nach ihr, wie ich mich in den verfloffeuen zehn Jahren stets nach ihr gesehnt hatte.

Es war damals nach den seligen Tagen anders mit unserer Liebe und ihrer Erfüllung gekommen, als wir er* hofft und geträumt hatten. Standes- und nationale Schmie« rigkeiten waren zwischen uns getreten, die Meinigen wollten die französische KaufmannStochter nicht in ihrer Mitte haben, Alicens Eltern aber hatten bei dem ersten Wort, das diese über unsere Liebe und ihre Hoffnungen gesprochen, gleich furchtbar gewüthet über den Gedanken, einen Feind der Nation zu heirathen. Genug, man hatte fie fern nach dem Süden zu Verwandten geschickt, unsere Correspondenz war aufgefangen, ich hatte fie verlieren müssen. Es war einmal wieder die Geschichte von den zwei KönigSkmdern, die nicht zu einander kommen könnten, das Wasser war viel zu tief.

Später nach Jahren hatte mich nach langen Irrfahrten ein Brief von Alice erreicht, eS war der Abschiedsgruß

) AusDas Geheimfach meines Schreibtisches. Er­innerungen aus dem Leben eines alten Reitersmannes/' Bo» Moritz von Berg. Drei Bände compl. drosch. Mk. 10.-, conwl. aebd. Mk. 13.. Einzeln: Band I drosch. Mk. 5., gebd. Mk. 6.50, Band II und III ä Mk. 3 drosch., elegant gebd. Mk- 4.. Vor- räthig in allen Buchhandlungen.

ich im Medaillon stets bei mir getragen.

So kehrten meine Gedanken denn oft auch zu Allee

Der Sicherer Anzeiger erscheint täglich, o* Ausnahme deS Montags.

Die Gießener y*mirte*IUUer »erden dem Anzeiger «Schmtlich dreimal beigelegt.

Eltern heirathen müffen. Später hatte geschrieben und mir im Laufe der Jahre Knaben angezeigt. Was ich empfand, erhielt von der Geburt ihrer, meiner

Gieren, den 4. December 1895. Betr.: Tabaks-Berufsgenoffenschaft.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an daS Gr. Polizeiamt Gießen und die Gr.

Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. ,

Sie wollen binnen acht Tagen berichten, ob und welche Cigarren-, Cigaretten und Tabak herftellenden bezw. Roh­tabak zubereitenden Betriebe oder Rohtabakhandlungen in Ihren Gemeinden vorhanden sind. Dabei wollen Sie angeben, ob und wie viel fremde Personen in jedem Betriebe, sei es auch nur zum Verpacken bezw. Sortiren, beschäftigt sind, ober ob nur Eltern und Kinder darin arbeiten. Die An­gaben find zu machen, ohne Rücksicht darauf, ob die Her* Rettung der Fabrikate für eigene oder fremde Rechnung er­folgt. Auch Betriebe der Hausarbeiter (außerhalb der Fabrik) find aufzuführen. Ferner ist anzuzeigen, ob Motoren im Betriebe verwendet werden und ob Fuhrwerksbesitzer vor­handen sind, die für einen der bezeichneten Betriebe, wenn auch nur zum Theil thätig sind.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Mittwoch den 18. December d. I., Vor­mittags 10 Uhr, findet in dem RegrerungSgebäude dahier eine außerordentliche Sitzung des Kreistages des Kreise» Gießrn mit folgender Tagesordnung statt:

1, Ergänzungswahl znm KreiSausschusse (Ende 1895 haben nach dem Dienstalter auszutreten: Rechtsanwalt Dr. Gutfleis ch, Gießen, Bürgermeister Geißler, Lollar und Landgerichtsrath Dr. Schäfer, Gietzen,- außerdem hat Rentner A. Heß, Gießen, seine Functionen als Kreisaus-

Alle Annonccn-Bllreaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Dienstzeit und im Wesentlichen unter Innehaltung der tm Etat.ausgeworsenen Mittel.

Berlin, 5. December. Auf der Tag-sordnung der Sitzung des Landes-Eisenbahnrathes am 13. d. M. stehen u. o.: Wiederherstellung directer Gütertarife mit Polen, Herstellung von Durchgangstarifen für einzelne russische Aus­fuhrartikel nach Hamburg zur überseeischen Ausfuhr, Fracht- ermäßigung für Petroleum im deutsch russischen Verkehr, Frachtermäßigung für Steinkohlen von Schlesien nach Stettin und Swinemünde im Ortc-verkehr, Herabsetzung der Ausfuhr­tarife für Zucker von den Stationen der Provinzen Schlesien und Posen über die deutschen Seehäfen.

Berlin, 5. December. Von den elfäff isch-lothringi- schen Protestlern ging dem Reichstag ein Antrag auf Aushebung des Ausnahmezustandes in den Reichslanden be­züglich der Preffe, ferner ein Antrag auf Aufhebung der außerordentlichen Vollmachten des Statthalters und auf Neu­regelung der Wahlen zum Landesausschuß zu.

Hannover, 5. December. Der Kaiser ist heute Nach­mittag um 4i/2 Uhr hier eingetroffen. Trotz des überaus heftigen Sturmes hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge auf dem Platze vor dem Bahnhofe eingefunden, die den Kaiser lebhaft begrüßte. Der Kaiser begab sich direct nach dem Schlosse, woselbst um 51/« Uhr ein Diner ftattfand, zu dem die Spitzen der Civil- und Militärbehörden Einladungen er- halten hatten. v ,

Dresden, 5. December. DaS Stadtverordneten Collegium bewilligte einstimmig einen Beitrag von 50,000 Mk. auS den Mitteln der Stadt zum Garantiefond für die 1897 tn Dresden stattfindende internationale Kunst-Aus- st e l' u n g , sowie unentgeltliche Ueberlaffung der Ausstellungs­halle an das Ausstellungscomits.

Wie» 5. December. Nach hier vorliegenden Berichten aus Konstantinopel ist der frühere Großoezter Said Pascha gestern mit seinem Sohne in die englische Botschaft geflüchtet.

Rom, 5. December. DemMessaggero" zufolge kam im Postbureau der Kammer ein in schlechtem Französisch ge­schriebener Brief auß Frankreich nebst einer Coffette in Form eines PoftpacketS an, der die Adreffe EavallortiS trug. In der Caffette wurde ein mit einer röthlichen Flüssig« feit gefülltes, in Watte und Papierschnitzel eingewickelteS Fläschchen gefunden. DaS Fläschchen wurde im Präsidial- bureau niedergelegt, die Flüssigkeit wird amtlich analysirt werden. Man glaubt, es handle sich um einen schlechten Scherz.

Konstantinopel, 5. December. Die Türkei suchte

kann es nicht sagen. Aber wtedergesehen

Ihr Bild, baß sie mir damals beim Abschied geschenkt, habe

ungeliebten Vetter, da unten im Süden, auf Wunsch ihrer sie mir öfter noch

Fichtenwaldes saß, wenn die Sonne blutroth hinter dem I zurück, es war kein Tag tn diesen Jahren Ergangen, an fernen Rande der Heide am Hortzant versank, die Rohr. 1"h "" ,h6 *"

dommel ihren sehnsüchtigen Lockschrei ertönen ließ und tn der Ferne die Trompete meine Ulanen zur Ruhe rief. Dann trat, durch meine Träume neu erregt, die Erinnerung ein, bann stand meine Alice wieder mir vor Augen, und der Gedanke an das, was fie mir gab, was sie mir war,

Ferrilleton.

Verschiedene Busrtierr.

Kriegsbilder von jetzt und damals.

Bo» Moritz von Berg, Verfasser derUlanenbriefe".

(Schluß.)

In der That verhielt sich so, denn als ich mich säuberlich gewaschen und umgezogen hatte, durch die räuche­rige j'Decle* in den sogenannten Garten trat, da sah daß geöffnete Zelt mit seinem gedickten Tischchen recht ein­ladend auß.

Eine würzige, srische Lust umfing mich beim Heraus- trete«, die ich mit Wonne nach der schwülen Stall- atmoßphäre der Kemnate einsog; ich beschloß, wenn irgend daß Wetter erlaube, daß Bauernzimmer nicht wieder zu betreten, sondern in meinem lustigen Zeltschloß zu wohnen.

Und die liebe Sonne blieb mir treu, fie verließ mich v'cht mehr, während der ganzen Zeit des Pennigsehler Auf- rnthaltes vergoldete sie stets am Morgen die braunen Fichtenkronen und ließ die blühende Heide wieder zur Geltung kommen. Die Gutmüthigkeit der braven Nieder- sachfen kam auch auß der rauhen Hülle herauß. Die biedere« Bauerßleute versorgten mich mit dem Besten, maß sie hatten, und zum Deffert schmückte stetß goldener Heide- Honig meinen Tisch. Zum Mittageffen lieferte Westdorf täg­lich ein junges Huhn, daß sich unter Conrads kundiger Hand in eine schöne eoupe L la reine verwandelte. Nur mit fttttem Vorwurf konnte ich bei; dem endlichen Verlassen Pennigßehleß auf die zehn Hühnertöpfe herabblicken, die an der Schwelle der Deele lagen und das einzige Ueberbletbsel von dem stattlichen Hühnervolke schien, das mich bei dem Ankommen gackernd begrüßt hatte.

Zwar gab es im Laufe der zehn Tage noch einsame Stunden, wenn ich bei dem Abendschein oft am Rande des

schutz-Mitglied aus GesunohLllLrbcksicht-.u nieöergelegt, unö i ist |üt denselben eine Ersatzwahl, gültig biß Ende 1898, vor- | iU Wahlen zum Provinzialtag (Ende 1895 haben nach

d-m Dienstalter auszutreten: Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch, Gießen, Commerzienrath Heyligenstaedt, Gießen, sowte der nach Darmstadt versetzte OberlandesgerichtSrath Holz­apfel; außerdem sind für die verstorbenen Mitglieder Georg Buderus, Lollar und Rechtsanwalt Curt- man, Gießen Ersatzwahlen, gültig bis Ende 1898, vor- zune^men^^^^ ^neß Mitgliedes der Körcommission an Stelle deß verstorbenen Heinrich Velten von Großen- Linden.

4. Wahl von zwei Mitgliedern und zwei Stellvertretern für die verstärkte Ersatz-Commission auf 3 Jahre.

5. Wahl je eines stellvertretenden Mitglieds der Pferde Musterungs Commissionen der Bezirke Hungen und Großen- Linden und eines stellvertretenden Taxators für den Aus- Hebungsbezirk Hungen, anstatt des verstorbenen Bürge^ meisterß Rückel von Bettenhausen und Landwirths Heinrich

Amtliche» Theil.

Beka«vtmachmtg,

betr. : Maul- und Klauenseuche in Ermenrod und Kesirtch.

In je einem Gehöft zu Ermenrod und Kestrich, Kreiß Alsfeld, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und die Sperre der verseuchten Gehöfte und der Gemarkung Kestrich angeordnet worden.

Gießen, den 5. December 1895.

Großherzoglicheß Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießener Anzeiger

Kmerat-Unzeiger.

ncueftc 2Iad?rid?U-a

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 5. December. DerNationalzeitung" zufolge heben die Berichte der commandirenden Generale über die vierten Bataillone die Einzelausbildung der Mann­schaften hervor, so in der Exercir- und Schießfertigkeit. Sie sei sehr gut infolge deß außerordentlich günstigen Zahlen« verhälmiffeß zwischen den Schülern und den Lehrkräften, aber schon vom Compagniedienst aufwärts finde eine ausreichende militärische Ausbildung nicht mehr statt. Die Generale be­fürworten eine baldige Abänderung der Organisation, damit die Zahl der militärisch Mindergeschulten nicht zu stark an« wachse. Das militärische Jneinanderleben zwischen Mann- schäft und Vorgesetzten sei bei den vierten Bataillonen im Gegensatz zu den Vollbataillonen fast ausgeschloffen. Eine etwaige Aenderung vor Ablauf des Quinquennats dürfe sich nur vollziehen innerhalb der jetzigen Friedenspräsenzstärke und I unt r der grundsätzlichen Aufrechterhaltung der zweijährigen