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tiefer Räuber erklärt sich zum Theil -vielleicht daraus, daß sich die Vornehmen ihrer vielfach als Bravt bedienen. Vom früheren Sultan von $ola sollen sie sogar dtrect zur Erhöhung seiner Einnahmen engagirt worden sein. Eine besondere Merkwürdigkeit bei diesem Räuberwesen ist auch die, allerdings nur vereinzelte Einrichtung von Weiberkäniginnen. Es wird zuweilen eine der bei den Räubern anwesenden Frauen zur Weiberkönigin, Ssariki n mata burba, ernannt, trägt als solche Männerkletder und nimmt an den Raub zügen und Trinkgelagen der Männer Theil. Gilt so daS Räuberweseu als ein durchaus angesehenes Gewerbe, so kann eS kaum noch Wunder nehmen, daß auch die Hanttrung des Henkers nichts weniger als mißachtet wird. Im Gegen- theil erfreut sich der Henker beim Hofe und im Volke einer sehr geachteten Stellung, obwohl er sich seinen Unterhalt durch öffentliches Betteln auf dem Markte verschaffen muß. Da» Verwunderliche ist eben nur, daß ein guter Henker zugleich auch die Fähigkeiten zu einem guten Witzbold haben muß. Als solcher ist er eine Art Hofnarr, und genießt große Freiheiten: er reißt Witze, verspottet die Hof- beamten, singt anzügliche Lieder, erzählt Schwänke, spielt die Rolle eines ZwischenruferS und Lobschreiers bei feierlichen Audienzen und Festen. Neben dem Henker als Lustigmacher sind die meisten Sultmre auch im Besitz von Hofzwergen, die gleichfalls zu ihrer Erheiterung dienen sollen.
* Ein völlig elektrisch installirteS Nonnenkloster dürfte eine Neuerung sein, vor der selbst „Ben Akibas" „Alles schon einmal dagewesen" verstummen dürfte- einen derartig modern eingerichteten Convent wird nämlich in Kürze Amerika besitzen, wo sich in der Nähe der Niagara - Fälle ein mit Carweliter-Nonnen besetztes Kloster befindet, welches bie irrige Ansicht, daß Klöster und andere religiöse Institute den Neuerungen der Weltkinder im Allgemeinen abhold zu sein Pflegen, gründlich dadurch widerlegt, daß die Ordens- schwestern sich von der Niagara-Power-Company, welche bekanntlich die Kraft der berühmten Wafferfälle in Electricität umsetzt, einen starken Strom in ihr Heim leiten laffen, womit nicht allein alle Räume electrisch beleuchtet, sondern auch durch Electricität beheizt werden, ebenso wie in der Klosterküche nunmehr die Parole „Koche mit Electricität" lautet; ebenso läßt sich das Kloster electrisch betriebene Auszüge, Plättmaschinen, kurz die neuesten Errungenschaften der Electrotechnik beschaffen, so daß daS Heim der frommen Schwestern eine electrische Musteranstalt bilden wird, in einer Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit der betreffenden Einrichtungen, wie sie sonst noch kaum zu finden sein dürste. Mitgetheilt vom Internationalen Patent-Bureau Karl Fr. Reichelt, Berlin N. W.).
• Die Verlegung einer ganzen Stadt nach einem anderen Orte, der strategisch und kommerziell größere Vortheile bietet, wird gegenwärtig im höchsten Norden Rußlands geplant. ES handelt sich um die Stadt Kola auf der gleichnamigen Halbinsel. Der Vorschlag des Gouverneurs von Archangelsk, Baron Engelhardt, die Stadt nach einem besseren Hasenplatz .,iiberzusühren", hat, wie der „Sswjrt" zu berichten weiß, die Zustimmung der zuständigen Minister gefunden.
* Die Dienstmanner kommen ab. In den großen Städten
haben daS Telephon, die Entwickelung des Rohrpostwesens, die Organisation zur raschen Beförderung der Postcolli und auch die überhandnehmende Gewohnheit, daß bald jedes Geschäft seinen eigenen betreßten Diener und Ausläufer hat, die Zahl der Dienstmänner stark vermindert. Vor zehn Jahren gab es solcher Leute 4000 in Paris, 3000 in Berlin, 1700 in Wien, jetzt nur noch etwa 300 in Paris, je 200 in Berlin und Wien.
* Vom Duzen. In einem Kreisorte im Regierungsbezirk Stade wurde, wie das „St. Tgbl." rnittheilt, der neuernannte Landrath in die Kreisdeputirtenverfarnrnlung eingeführt. Nach Erledigung des geschäftlichen Theils bemerkt der Landrath im Laufe der Unterhaltung, daß die Deputirten, meist Landbewohner, sich überall mit dem vertraulichen „Du" anreden. Mit den Sitten und Gebräuchen der Landbevöl- kerung weniger bekannt, findet er dies auffällig und erkundigt sich bei seinem Tischnachbar, einem biederen Gemeindevorsteher, wie es hier denn eigentlich mit der persönlichen Anrede gehalten werde und ob das Duzen Überall im Kreise so üblich sei. „Ja, bat ist woll so", erklärt der Gefragte mit harmlosester Miene, „unner und in’n Dorp fegt wie „Du", blot de Herr Pastor und Du, Jt werd mit „See" anrebt." Der Lanbrath soll sehr belustigt gewesen sein; der Gemeinbevor- sicher ist nachher sein bester Freunb geworden.
* Heinrich VIII. Hausordnung enthält unter anderen drolligen Punkten auch folgenden: Die Ankommenden sollen auf der Treppe nicht allzu freundlich thun mit den Mädchen, weil auf diese Art viel Tischgeschirr zerbrochen wird
Schiff-nachrichten.
Der Postdampfer „Noordland" der „Red Star Line" in Ant- werpm ist laut Telegramm am 3. December wohlbehalten in New-york angekommen.
kirchliche Anzeige« de* Stadt Gietzen.
Evangelische Gemeinde.
Donnerstag den 5. December, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der Stadtknabenschule: Bibelstunde. Eo. MarcuS Cap. 2, VerS 13 und folgende. Pfarrer Dr. Grein.
Gottesdienst in der Synagoge.
Samstag den 7. December:
Vorabend 4 Uhr, Morgens 9 Uhr, Nachmittags 3 Uhr, SabbathauSgang 5I(> Uhr.
Gottesdienst der israelitische» Religionsgesellschasi-
Freitag Abend 4 Uhr, SamStag Vormittag 9 Uhr, Nachmittag 3 Uhr, Sabbathausgang 5U Uhr. Wochengottesdienst Morgens 7 Uhr, Abends 8 Uhr.
Verkehr, Land- nnd Volkswirthschaft.
Äimbttte, 4 December. Frachtmarkt. Rother Westen X 13,25, weißer Weizen X 00.00, Korn X 9 35, Gerste ^c. 9 00, Hafer X 6.05.
— Mit gewohnter Pünktlichkett, in vornehmer, eleganter und überaus geschmackvoller Ausstattung ist der bekannte und altbewährte Zeitung-eataio- der Annoncenexpediiion Haasen stein u. Vogler A.-G. in seiner dreißigsten Auflage erschienen. Durch
eine vortreffliche redaktionelle und geschickte Bearbeitung ist dieser Catalog für jeden Interessenten ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden. Die Firma Haasenstein u. Vogler A.-G. hat den reichen Schah ihrer Erfahrungen, bie sie auf dem so verwickelten ©ebnete des Zeitungswesens in hervorragendem Maße besitzt, dazu verwendet, um in dem Catalog alles bas zu bieten, was für ben Geschäft^' unb Privatmann, ber irgenb eine bas Ztttungs- unb besonberS bas Jnsertionswesen betreffenbe Auskunft zu haben wünscht, interessant unb wissenswerth sein kann. Eine in bie em Cataloge zum ersten Male eingeführte, dankenSwerth zu begrüßende Neuerung ist, daß bei jeber politischen Zeitung nunmehr auch deren politische Richtung angegeben ist. Außer bem wichtigsten Thelle des Werkes, bem Ver- zelchniß ber politischen, Fach- unb illustrirten Zeitungen, bet CourS- unb Abreßbücher sowie jtalenber bes In- unb Auslandes mit genauer Angabe ber Auflagezahl, ErscheinungSzelt, Spaltenbreite und Jnsertionspreise enthält ber Catalog einen seht praktischen Nottz- kalenber für jeben Tag bes Jahres, bie Bestimmungen über ben Post- unb Telegraphenoerkehr und über bie Reichsbank und den Geschäftsverkehr mit derselben. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sich ber Catalog zu ben zahlreichen Freunben, die er schon seit Langem hat, durch seine von Iaht zu Jahr erhöhte Brauchbarkeit viele neue Freunde hinzuerwerben wird.
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In hocheleganten Gartons
jährige Weihnachtsfest bie all
beliebte Doerings Seife mit
u.
beit aufmerksam und betonen,
der ttult in den hiesigen Niederlagen zum Verkaufe Wir machen
alle Hausfrauen, Herrschaften, die
nickt minder repräsentabel wie praktisch, nützlich und willkommen
ist. Trotz ber biesjährigen eleganten
ä 3 Stück kommt für das dies- I daß sich diese Carions ihrer I prachtvollen Ausstattung und t | Eleganz wegen als ein Geschenk erweisen, das
jungeDamen-
.Herrenwelt auf dieseGelegen-1 Packung ist der Einkaufspreis eit aufmerksam und betonen, I um keinen Pfg. erhöht worden.
— Unter de« beliebte« Weihnachts-Geschenke« nehmen Gesellschaflsspiele für Jung und Alt mit Recht einen vordersten Platz ein, sind sie doch geschaffen, den Beschenkten unb deren De:- wanbten unb Bekannten dauernd als Quelle harmloser, Geist ui b Gemüth befriedigender Freuden zu dienen. Ein guter Wegweiser bei Auswahl schöner unb geeigneter Spiele wirb baher unseren Lesern unb Leserinnen gewiß recht erwünscht fein; wir machen deshalb auf die unserer heutigen Nummer beiliegenden Splelprospkc e der Firma M. Gregori u. Sohn gern besonders ausmerksa > Die darin aufgeführten Lieblingsspiele für Jung unb Alt sind nn b pädagogischen Grundsätzen ausgearbeitet, ganz reizend au8gestat> r — namentlich ber bilbliche Theil ber Spiele oerräth sichtlich tie Künstlerband — unb sie werben in jeber Beziehung den Erholunps- bedürsnissen, Passionen unb geselligen Sahnten von klein unb gr^ß gereckt. Wir wünschen somit bieten Musterspielen eine recht fließe Verbreitung, vor allem seien sie Eltern unb Jugenbfreunben denn Ankauf passenber Festgeschenke für Knaben unb Mäbchen zur Beachtung bestens empfohlen. 10161
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Bekanntmachung.
Bei ber heute vorgenommenen Ergänzungswahi ber Mitglieder Großherzoglicher Handelskammer zu Gießen sind gewählt worben bie Herren:
F. C. B Koch,
Commerzienrath Wilhelm Gail, Commerzienrath Georg Wortmann.
Es wird dies mit dem Anfügen bekannt gemacht, daß das Wahlprotokoll nebst Anlagen drei Tage lang, nämlich vom 6. bis 9. December 1895, auf dem Büreau der Firma A. Heichelheim offen liegt und Einwendungen gegen die Wahl ober die Gewählten innerhalb dieser 3 Tage bei Vermeidung des Ausschluffes bei der Handelskammer vorzubringen sind.
Gießen, den 5. December 1895.
Großherzogliche Handelskammer Gießen.
I. V.: R. Scheel. 10179
Der Voranschlag über Einnahme und Ausgabe der Gemeinde Lich für 1896/97 liegt vom 9. d. Mts. ab acht Tage lang zur Einsicht der Jntereffenten auf dem Bürgermeisterei - Büreau dahier offen.
Lich, den 5. December 1895.
Großherzogliche Bürgermeisterei Lich
Heller. 10158
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