Ausgabe 
6.11.1895 Erstes Blatt
 
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Mittwoch ben 6. November

Erstes Blatt

M. 261

vierteljähriger

Amts- und Anzeigeblutt für den Kreis Gieszen

chralisöeitage: Gießener Aamitienötätter

Sprachen kennt,

»nnahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.

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Gieße«, bcn 5. November 1VVK.

Der fünfte hessische Städtetag fand, wie bereits mit* getheilt, gestern hier im Hotel Einhorn unter Vorsitz deS Herrn Oberbürgermeisters Gnauth statt. In seiner Be* grüßungSansprache hob der Verfitzende hervor, daß der 5. Siädtetag der erste sei, welcher seit dem Inkrafttreten be­sonderer Satzungen stattfinde, er habe fich aus einer ein* fachen Bürgermeister-Versammlung entwickelt zu einer Städte­versammlung im weitesten Sinne. Die Stadt Gießen be- trachte es als besonderes Entgegenkommen, daß die Theil- nehmer des Städtetages sich eingefunden, er danke Namens des Vorortes für das zahlreiche Erscheinen. Dank gebühre ins­besondere dem erschienenen Herrn Provinzialdirector Freiherrn v. Gagern, der dadurch sein Interesse für die Sache be- thätige. Zu den Veränderungen, die der Städictag seit seiner letzten Tagung in der Zusammensetzung erfahren, ge­höre leider auch der Verlust des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Oechsner in Mainz, ein ehrendes Andenken sei ihm gewahrt,- er bitte die Anwesenden, sich zum Ausdruck desien

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wurde. Nach diesem Exerciren begaben fich die betheiligtrn Truppen nach der Mopke zurück, um einen viermaligen Parademarsch in den verschiedenen Formationen auSzusühren. Der Besichtigung wohnten außerdem bei Prinz Friedrich Leo­pold, die fünf ältesten kaiserlichen Prinzen, die Mitglieder der portugiesischen Gesandtschaft und die in Potsdam an­wesende Generalität. Nach der Besichtigung begaben fich die Fürstlichkeiten nach dem Neuen Palais, wo um 8 Uhr eine Familtentafel stattfand.

>£3 Potsdam, 4. November. Der Kaiser stellte den König von Portugal la suite deS Infanterie-Regi­ments Nr. 20.

Cagliari. 4. November. Heute hat hier ein heftiger, mit Gewitter verbundener Sturm gewüthet. Mehrere Häuser wurden vom Blitz getroffen. Ein Matrose wurde vom Blitz erschlagen. Ein Kohlenmagaztn gerieth in Brand.

Deutsche» Reich.

Darmstadt. 4. November. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin begeben sich morgen Vormittag mittels SonderzugS nach Worms und kehren Abends hierher zurück. Im Gefolge der Allerhöchsten Herrschaften werden sich die Schlüffeldame Fretin v. Granch, | die Hofdame Freiin von RotSmann, Oberstallmeister Freiherr v. Rtedesel zu Gtsenbach und Flügeladjutant Oberstlieutenant Frhr. v. Grancy befinden. Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Heinrich von Preußen mit dem Prinzen Waldemar werden zuverlässiger Mit- theilung zufolge nächsten Freitag Abend 8 Uhr 37 Mtn. zu Besuch deS Großherzoglichen Hofes hier eintreffen.

Berlin. 4. November. Ueber den Entwurf eines so- genannten ComptabilitätSgesetzeö, also eines Gesetzes über die etatSrechtliche Behandlung der Einnahmen und Ausgaben, haben in jüngster Zeit neue commiffarische Be* rathungen zwischen den in dieser Frage zuständigen Reffort» der preußischen Regierung stattgefundeu. Als der jetzige Finanzminister Dr. Miquel erneut an dieLösung der Aufgabe einer rtatSrechtlichen Behandlung der StaatSauSgaben und -Ein­nahmen herantrat, ergab es sich, daß eS sich hierbei nament­lich um gewiffe Freiheiten bei der Verwendung einzelner Fonds der betreffenden ReffortS gegenüber der Finanz­verwaltung handelt. In dieser Hinsicht ein Einvernehmen zu erzielen, war der Zweck der erwähnten commiffarischen Berathungen, doch verlautet über deren Verlauf noch nichts Bestimmtes.

Depeschen deS Bure«» »Herold".

verlttr, 4. November. Das Staatsminifterium trat unter dem Vorsitz deS Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe gestern Nachmittag zu einer Sitzung zusammen, welche von 2 bis 5 Uhr dauerte. Da an derselben auch der Staats- I fecretär des Reichs-JustizamteS Nieberding theilnahm, dürfte man in der Annahme nicht fehlgehen, daß es fich bet den Verhandlungen um die Frage des Militär-Strafverfahrens handelte. |

Berli«, 4. November. Der Ausschuß deS Bundes der Landwirthe trat heute Vormittag im Reichstags- I gebLude unter dem Vorsitz deS Dr. Röficke zu einer Sitzung j zusammen behufs Vorbereitung deS Antrags Kanitz, betreffend das Getreide-Einfuhr-Monopol.

verli». 4. November. DaS preußische Staats- Ministerium hat sich, wie diePost" hört, bereits vor etwa zwei Wochen mit der Novelle zum GerlchtSversassungs- gesetz und der Strasproceß Ordnung beschäftigt und beschloffen, die Allerhöchste Zustimmung nachzusuchen, um dem Bundes rath beides zur Entscheidung vorlegen zu können, sodaß die Entwürfe noch vor Weihnachten dem Reichstage zugehen können.

Berlin, 4. November. Zu der Meldung derMünchener Neuesten Nachrichten" über das M i l tt ä r-St r a fv er f ahre n schreibt dieNat.-Ztg.": Wir haben guten Grund zu der Annahme, daß diese Nachricht auf Erfindung beruht. Daß zwischen dem Kaiser und dem KriegSmtnister über die Rdform des Militär-SlrafverfahrenS keine Differenzen bestehen, hat | der Kriegsminister noch am 5. März im Reichstage aus- I drücklich festgestellt. Als die Andeutung gemacht wurde, daß höheren OrtS sich ein Widerstand gegen die Reformen bekunde, sagte der KriegSminifter:Wenn unter den höheren Stellen die allerhöchsten gemeint sind, so muß ich diese Annahmejmit aller Entschiedenheit zurückweisen.

Berlin. 4. November. DerRetchSanzeiger" schreibt: Im Zusammenhang mit der Neugestaltung deS bürgerlichen Rechts ist auch eine Revision des Handelsgesetzbuchs in Aussicht genommen. Der zu diesem Zweck im Reichs- Juftizamt aufgestellte Entwurf eineß neuen Handelsgesetzbuchs soll zunächst einer Begutachtung durch eine auS Rechtsver­ständigen und Vertretern deS Handels und der Industrie gebildete Commission unterzogen werden, welche unter Mit­wirkung von Vertretern der betheiligten Refforts am 21. d. M. ihre Berathungen im ReichS-Justizamt beginnen wird. Für die Berathung derjenigen Theile des Entwurfs, durch welche besondere Jntereffen einzelner Berufsstände berührt werden, insbesondere der Vorschriften über die Handlungsgehilfen und Handlungsagenten ist eine Verstärkung der Commission durch Berufung von Vertretern der betreffenden Berufskreise Vor­behalten.

Berlin, 4. November. Wie alljährlich, so ist dem BundeSrath, wie diePost" hört, auch jetzt wieder eine Denkschrift zugegangen, betreffend die Bekämpfung der Reblauskrankheit.

Verli». 4. November. DerReichsanzeiger" meldet: Der Fernsprechverkehr mit Karlsruhe (Baden), Mann­heim, Mainz, Kastel (Rhein) und Wiesbaden ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt eine Mark.

Bent. 4. November. Die Militär-Reform ist als abgelehnt zu betrachten, da sich einerseits die Mehrheit der Camone gegen die Vorlage erklärt hat und andererseits auch die Volksabstimmung bisher nur 138 418 Stimmen für und ' 147 086 Stimmen gegen die Vorlage ergeben hat.

Fällig Ä,v'« Wen,

Der Krieg von 1870|71,

g-schUdert durch Ausschnitte «us Sdtung^rnJ

6. November.

Man ist in vollem Zuge, die Rattenjagd zu organi- siren- sie wird Material für die Verpflegung von Pari» liefern. Manche schmeicheln sich bereits, von diesem Fleische gegeffen zu haben, und versichern, daß es etwas Exquisites sei. Es soll gleichzeitig die Zartheit des Fleisches von einem jungen Huhn und den vortrefflichen Nachgeschmack de» KanincheabratenS haben. (Combat.)

Die französische Regierung wies einstimmig den Waffen­stillstand zurück, da Preußen die Verproviantirung von Paris verweigerte und die Betheiligung von Elsaß und Lothringen an den Wahlen zur Nationalversammlung nur unter gewissem Vorbehalt zugestand. Darin liegt doch unstreitig die aus­gesprochene Tollheit. General Trochu ist nicht damit zu- frieden, daß er 28 Tage vor fich haben soll, um seine Sol­daten einzuüben, seine Bastionen zu verstärken, seine Geschütze zu vermehren und seine Munition zu ergänzen. Er will ohne jegliche Gegenleistung auch auf Kosten deS deutschen Heeres verproviantirt sein, insofern nämlich auf dessen Kosten, als erstlich mit der Verproviantirung von Pari- die Verpflegung deS deutschen Heeres selbst erschwert würde und zweitens dieses deutsche Heer mit seinem Blute dasür zahlen müßte, daß man den Parisern die Möglichkeit zur Fortsetzung ihres Widerstandes geboten und bricht oie Verhandlungen ab, als man ihm erklärt, auf dieses ebenso unverschämte wie alberne Verlangen nicht eingehen zu können.

Der tUlextt Zeiger erscheint täglich, Bit Ausnahme dr- Montags.

Die Gießener DamittenSkLIter werden dem Anzeiger Mschentlich dreimal beigelegt.

Wie». 4. November. Gestern Vormittag empfing der im strengsten Jncognito hier eingetroffene König von Griechenland den englischen Botschafter Monsow. Mittag- besuchte Kaiser Franz Jofef den König, welcher alsbald den Besuch erwiderte.

4 Nov-mb-r. Radikalen Blättern zusolge steht für ble armen B-v Slk-rungSll°Ne» ein

ichwerer Winter bevor. Die Lage ist überall schlimm, da die Wein-Ernte nur einen geringen Ertrag geliefert hat. Im Süden hat man von den Schwefel-Arbeitern verlangt, daß sie sich mit einem Lohne von 50 Cent begnügen.

Mailand, 4. November. Gestern fand hier die Ent­hüllung der Reiterstatue Garibaldis statt, ^nter den Kränzen befand sich einer in den Trientiner Farben.

Paris, 4. November. In der heutigen Kammerfitzung werden mehrere Abgeordnete einen Antrag einbringen, welcher das Gesetz gegen die Anarchisten, das unter dem Ministerium Dupuy im Juli angenommen wurde, wieder av-

* 4. Nov-mb-r. Di- Nachrichten -»»

Anatolien und Rumelien lauten immer ernster, «etve Provinzen befinden fich im a l l g e m e i n e n A u f r u h r. D°s Militär ist vollständig ohnmächtig. Auf der Pforte und im Palast betrachtet man die Situation als äußerst Iritis und ventilirt den Plan, die Mächte um die militärische Nieder* wersung deS Aufstandes zu bitten.

H. München. 5. November. Heute Bormittag ist an der Schwanthaler "Passage ein Th eil eines Neubaues eingestürzt. Nach den bisherigen Ermittelungen sind fünfzehn Arbeiter verschüttet. Fünf Todte und sechs Schwer* verwundete find gefunden.

Wolff« telegraphische« Eorresponden,-Bureau.

Berlin, 4. November. DerReichsanzeiger" bezeichnet I Itt vou denMünchener Neuesten Nachrichten" in Nr. 509 gebrachte Mitteilung über Verhandlungen des preußischen GtaatSministeriumS, betreffend die neue Militär straf* I proceßordnung, als auf Erfindung beruhend.

Berlin 4. November. Der CultuSminifter empfiehlt im Einvernehmen mit dem Justizminister den Studirenden durch einen besonderen Erlaß das Studium deS Entwurfes des bürgerlichen Gesetzbuches.

Berlin, 4. November. Der Reichskanzler Für st Hohen­lohe begibt fich morgen auf einige Tage nach Grabow. Der Adjutant des Reichskanzlers, Rittmeister Graf Schönborn, ist av der Influenza erkrankt. |

Berlin, 4. November. DieNordd. Allgem. Ztg. schreibt: Der König vonPortugal stattete am Samstag Nachmittag dem Fürsten Hohenlohe einen über eine halbe Stunde währenden Besuch ab. Dem Reichskanzler ist daS Großkreuz deS portugiesischen Thurm- und SchwertordevS mit Kette verliehen worden.

Betti», 4. November. DieNationalzeitung" erfährt entgegen anderweitigen Meldungen der Blätter, daß die Be­obachtungen über die Abnutzung der Goldmünzen keinen Grund ergaben, das goldene Zehnmarkstück durch Silber- münzen zu ersetzen. Es sei vielmehr ein Mangel an Zehn- Markstücken auch für die Reichsbank bemerkbar.

Potsdam. 4. November. Heute Mittag fand die Rekrutenvereidigung der hiesigen Garnison in dem festlich geschmücktenLangen Stall" in Anwelenheit des Kaisers, deS Königs von Portugal, der vier ältesten kaiser- licheu Prinzen, des PriuzenpaareS Friedrich Leopold und deS HerzogSpaareS Johann Albrecht von Mecklenburg statt. Nach der geistlichen Handlung seitens deS evangelischen Garnisons- Pfarrers Keßler und deS katholischen DivifionSpfarrerS Hoff­richter begann die Vereidigung. Dec Kaiser hielt eine längere Ansprache, in der er, auf den Eid hinweisend, unbedingten Gehorsam zur Pflicht machte. Stadtcommandant General v. Bülow brachte ein dreifaches Hurrah auf den Kaiser aus. Es folgten militärische Meldungen. Der Kaiser und der König begaben sich zu Fuß nach dem Regimentshause deS 1. GarderegimentS zum Frühstück.

Potsdam. 4. November. Der Kaiser besichtigte heute Nachmittag um 3>/4 W in Begleitung des Königs von Portugal, der zum ersten Male die preußische Uniform trug, daS Lehr Jnfanteriebataillon. Dieses war auf der Mopke beim Neuen Palais aufgestellt. Zuerst stellte der Kaiser dem Könige einzelne Mannschaften persönlich vor, so* dann wurden Griffe gezeigt und ein Schulexerciren vor- geführt. Hierauf fand ein Exerciren im Feuer auf der Wiese hinter dem Neuen Palais statt, zu welchem noch eine Compagnie deS 1. GarderegimentS zu Fuß heraugezogen

Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

All« Annoncen-Bureaux deS In- und Au-lande- nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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