Ausgabe 
6.10.1895 Drittes Blatt
 
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ben Stipendienfonds des Allgemeinen Deutschen Fraueovereius. AlS leitender Grundsatz bei Ertheilung der Stipendien wird betont, daß dieselben nur eine pecuniäre Hilfe sein sollen, nicht aber den ganzen Lebensunterhalt gewähren. Frau Dr. Niedermüller berichtet über die Gründung von Ortsgruppen, wie sie zur Zeit in Nürnberg, Elberfeld, Barmen, Berlin, Stettin und Leipzig bestehen. Dieselben sollen in den betreffenden Städten die Ideen deS Allgemeinen deutschen FrauenveretnS verbreiten und die Vereine zu neuen Bestrebungen anregeo. Die Redaction deS BereinSorganS Neue Bahnen" wird Frl. Augufte Schmidt übertragen.

Die öffentliche Versammlung wurde Nachmittags 4 Uhr im Saale des Hoch ichen ConservawriumS durch die 1. Vor­sitzende, Frl. Auguste Schmidt eröffnet. ES waren etwa 500 Personen anwesend. Nach einer herzlichen Be­grüßung von Frau Tebl^e sprach zunächst Frau Stmson, Breslau, überdie Aufgabe der Frauenvereine in der Gegenwart". Die Rednerin hob hervor, daß auch diejenigen Frauenvereine, welche der Bewegung noch fern stehen, sie doch unbewußt fördern, indem sie die Frauen zur Arbeit am Gemeinwohl erziehen. Die Mitglieder müßten mehr als bis jetzt zur Mitarbeit herangezogen werden, denn nur auf diese Weise kann ihr Interesse an den Bestrebungen wachgehalten und gefördert werden. Die Vereine müssen suchen tüchtige Kräfte heranzuziehen, dann werden sich auch die G lttnittel finden. ES sollten in Deutschland noch mehr Vereine für bestimmte Zwecke gegründet werden, zeitgemäß wären z. B. Vereine, die eS sich zur Aufgabe stellten, die Frau über die Gesetze zu belehren.

Frau Teblöe, die Vorsitzende deS FrauenbtldungS- veretnS zu Frankfurt, gab hierauf ein Bild der Geschichte ihres Vereins. AuS dem Bericht heben wir folgendes hervor : In großmüthiger Weife von der Polytechnischen Gesellschaft unterstützt, gründete der Verein eine Fortbildungsschule für Mädchen, die seit ihrem Bestehen 4006 Schülerinnen aus­gebildet und 939 von ihnen einträgliche Stellungen verschafft hat. ES wird in den folgenden Fächern unterrichtet: kauf­männisches Rechnen, Buchführung und Stenographie, Nähen und Schneidern, Kunststickerei, Buchbinderarbeit und anderes. Außerdem unterhält der Verein eine Kochschule und eine Fröbelsche Bildungsanstalt. Frau von Forster-Nürnberg sprach über das Thema:Die Bedeutung der Frauen­bewegung für das Familienleben". Sie betonte, daß die Frauenbewegung, weit entfernt davon, störend auf das Familienleben etnzuwirken, dasselbe vielmehr hebe. Die geistige und practische Ausbildung der Frau zeige de n Weg zur höheren Auffassung der Ehe. Durch Hebung der Familie würde auch der Staat gefördert, denn Staat und Familie stehen in engster Wechselbeziehung. Wenn das Mädchen ein eheloses Leben nicht mehr fürchte, werden die VersorgungS- ehen seltener werden. Der vierte Vortrag an diesem Nach­mittag wurde von Frau SanitätSrath Schwerin-Berlin gehalten Über das Thema:WohlthätigkeitSbestrebungen sonst und jetzt". Nachdem die Rednerin einen kurzen gessichtlichen Ueberbltck über die Entwickelung der Armenpflege gegeben hat, geht sie auf die Verhältnisse der Jetztzeit ein. Sie führt etwa folgendes auS: DaS bedeutendste moderne System der Armenpflege ist daS Elberfelder, das von 19 Städten einge- führt worden ist. Dasselbe ist hochwichtig für die Frauen, da c» ihnen die Möglichkeit der Mitwirkung eröffnet. ES ist mit allem Nachdruck darauf htnzuwirken, daß die Frauen mehr als bis j'tzt zur öffentlichen Armenpflege berufen und daS Recht erhalten, öffentliche Vormünderinnen zu werden. Diese Bestrebungen können aber nur dann mit Erfolg begleitet

sein, wenn die Frauen sich bemühen, sich die dazu nörhigen Kenntnisse anzueigoen. Alle diese Vorträge wurden mit großem Beifalle ausgenommen. Fräulein Schmidt schließt hierauf die erste Versammlung.

' Die Rnsfifizirnug der Ostfeeprevinzen. AuS Riga wird geschrieben: Die Tage deS baltischen Polytechni­kum« in seiner deutschen Gestalt sind nun jedenfalls gezählt. Die Anstalt, welche fast ausschließlich auS Mitteln der Ritterschaften und Städte unterhalten wurde, ist bisher, was die Einführung der russischen BortragSsprache anbelangt, einigermaßen verschont geblieben. Allerdings war eine RegieruvgScommission, zu der auch der frühere, berüchtigte Curator KapuStin, der jetzt den Petersburger Lchrbeztrk verwaltet, gehört, schon seit Monaten damit beschäftigt, ein neues Statut auszuarbeiten und die gesammte geistige Grundlage der Anstalt umzugestalten. Practische Ver- werthung hatten ihre Arbeiten bisher indeß nicht gefunden. Wie jetzt glaubhaft verlauft, ist die Thätigkeit der Commission beendet und schon in nächster Zeit dürfte die Umformung deS Polytechnikums vor sich gehen. Auch die für den Vortrag in russischer Sprache bestimmten Lehrkräfte find bereits ernannt. Somit würde dann auch die letzte deutsche L/Hranstalt in den Ofts'eprovinzen bald zu Grabe getragen werden. Die Universität Dorpat und die klassischen Gym­nasien find längst der Russifizirung anheimgefallen, j'tzt kommt die Anstalt an die Reihe, welche daS reale W'ffen gefördert hat.

Aus »ach Malta! Wahre Sehnsuchtsseufzer müssen unsere Hausfrauen und wohl auch die das HcmShaltungSgrlb liefernden Hausherren auSftoßen, wenn sie die Lebens­mittel-Preisliste lesen, die in diesen Tagen von e'ner englischen Agentur auf Malta veröffentlicht worden ist. Dem kleinen Büchlein, daS überhaupt vom billigen Leben auf Malta handelt, entnehmen wir die folgenden Ziffern: Ein guter Hase kostet (in deutsches Geld umgerechnet) 32 Pfg, ein halbes Pfund Beeffteakflrifch erster Quil tat 24 Pfg., 6 frische Eier 24 Pfg., ein tüchtiges Stück Schweinebraten 40 Pfg., feinste Butter 28 Pfg , G.müse, Brod, Thee u. s. w. find ebenfalls entsprechend billig. Für einenfarthing (etwa 2 Pfennige) kann man sich je Folgendes kaufen: ein halbes Dutzend Zwiebeln, ein Pfund TomatoS, eine Portion Salat, verschiedene Saison-Gemüse, Milch für zwei Tassen Thee u. s. w. Den Durchschnittspreis von 8 Pfennigen kosten: ein großer Blumenkohl, vier Bündel Spinat, zwei Pfund neue Kartoffeln u. f. w. Also: Auf nach Malta!

* Kittonen werden jetzt von Australien in großen Sendungen nach England gebracht und finden dort gute Auf­nahme, da sie ebenso gut wie die südeuropäischen, dabet aber dreimal so billig wie letztere find- sie unterscheiden sich von jenen in keiner Weise, haben über Mittelgröße, eine dünne weiche Schale, wenig Faserstoff und kleine Kerne und ver­sprechen daher den srüheren Lieferanten eine schwerwiegende Eoncurrenz zu machen. (Mitgetheilt vom Internationalen Patentbureau Carl Fr. Reich eit, Berlin N.-W.)

Parabel. Herr Rentier Lehmann, der sich in seinen zahlreichen Mußestunden besonders gerne mit der Lösung tiefsinniger Probleme befaßte, zermarterte sein Hirn mit dem Studium der Frage, auf welche Weise man feftstellen könnte, ob unter den Leuten mehr gescheidte oder dumme seien. Da plötzlich, als er nach ein paar exquisiten Flaschen auS dem Weinrestaurant aus die belebte Straße hinauStrat, kam ihm

ein Gedanke. Er machte sich hinter einem dichten Menschen schwärme her und rief ein paar Mol laut:Sie gescheibier Mensch! Sie weiser Mann! Sie kluger Kopf!" Aber Niemand achtete darauf. Da rief er bloß einmal:Sie dummer Kerl!" und der Erfolg war eminent. Alle bis auf den Letzten fuhren zornig herum, etliche hoben drohend die Stöcke, und ein paar Studenten stürzten vollends auf ihn loS und brüllten ihn an:Hier ist meine Karte! Sie haben mich beleidigt?" Mit größter Mühe entging er der allgemeinen Wuth aber das Problem war gelöst.

* Wenn der Baier mit dem Sohne. Frau :Nun, nicht« geschossen?" Mann:Nein mir ist ein altes Weid über ben Weg gelaufen?" Frau:Nunund Da?" Sohn:Mir ist ein junges Mädchen über den Weg ge­laufen!" L. Bl.

CUaratur rrnd Kanft

Die an medicinischen Werken und Zeitschriften äußerst reichhaltige Bibliothek des bekannten Tübinger Ophtalmologen, Profestor A. Nagel, ist vom Antiquaiiate Gustav Fock i» Leipzig crwolven. Ein Catalog befindet sich in Vorbereitung.

Deutscher EOlbatettyort", illustritte Zeitschrift für da» deutsche Heer und die Maitne. Herausgeber: General-Lieutenant». D. H. v. Below. Preis pro Quartal 1.80 Mk. Verlag von Karl SiegiSmund. Berlin Mauerstr atze 68. VI. Jahrgang. Hefti erfchien soeben und enthält: Giganten und Zwerge. Roman von Otto Elster. Spruch. Da» geheimnißvolle Bett. Eine Manöver- erinnerung. PreiSbumoreske von <3raf Günther-Rosenhagen. (Mit Abbildungen.) Auf demalten Zoll" in Bonn a. Rh. (Erinnerung an Kaiser Friedrich III. Von H. Waidemar. Herkules in der (Santine. (Mit Abbildung.) Schneemänner! Eine Kriegserinmruna. nacherzählt von R. Bach. Die Derpfiegung von Paris während der Belagerung vor 25 Jahren. Von Emil König. Jägerliebe im Walde. Eine heitere Skizze aus dem Leben des Prinzregente» L iitpold von Bayern. Von Josef Maerti. Aus fremden Heeren: Sind die Rufien ein kriegerisches Volk? Von Wolf v. Meßfch- Schilbach. Vermischtes: Ein pflichttreuer Poften unter Friedrich dem Groß'N. LandwehrmannS-A bschied Von H. Pröhle. (Mit Abbildung.) Freud' und Leid. (Mit Abbildung.) Zum Beginn unseres 7. Jahrganges. Vaterländische Gedenktage vom 1. bis 10. October Der Trompeter von MarS-la-Tour. (Mit Ab­bildung ) Splitter und Funken. Plaudereien. Räthsel. Briefkasten. Inserate.

Lnnera, Srirste unb heitere Grinnerange« eine» crdonnanzosfizierS i» Jahre 1870/71. JUunnri von Zimmer. JubeiouSgade zur 25 Grdächlnißfrier beS FeldzugS 1870/71 E H Beck'fche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck in München (22 Lide­rungen d 50 Pfg.) Von dem in diesen Spalten schon mehrfch erwähnten, wahr haft glänzend auSgeftattetm Tanera IchenJubiläums- werk liegen unS die Lieferungen 6 bis 8 vor, welche die Darstellung des Feldzugs bi8 CoulmierS 10. November) führen. Außer etwa 50 T<r'bildern fchmücken diese drei Hefte wieder vier Doppel Voll­bilder:In Versailles am 5 Ociober 1870"Erstürmung bes Bahnhofs von Les-Aubrays bei Orleans durch die 1. bayer. Jäger und das 12. Regiment (11. October 1870)"Das fchlefiiche braune Hufarenregiment Nr. 4 im Granatfeuer bei CoulmierS (9 November 1870)"Generalmajor o. Oiff erholt von (stellen, von der Tann den Befehl zum Vormarfch seiner Brigade bei EoulmierS (9 November 1870)". Ernst und erschütternd ist das Eapitei CoulmierS". Hier mußten sich die Bayern General von der Tann» vor einer dreifachen Uebrrlegerheit zurückziehen, aber gerade durch die Art, wie sie den Rückzug auSsührtm, retteten sie die militärische Ehre ausS Glänzendste. Die Schlacht von CoulmierS rechnet der Derfasier, der mit dabei war, zu den stolzesten Wafimthaten bet Sanzen 70er Feldzugs; das von der Tann'iche ArmeecorpS schüchterte te Franzosen so ein, baß sie trotz ihrer gewaltigen Uebermacht nicht wagten, ihm zu folgen. Bald ergriff es, vereinigt mit der 22 und 17. preußischen Division, unter dem Oberbefehl des Großherzog» von Mecklenburg dann auch die Offensive wieder und es kam zu ben blutigen Decemberschlachten an der Loire, die in den folgenden Lieferungen des Tanera'schen Werkes eingehend geschildert werden sollen.

Frankfurter Bries.

(Originalbericht für benGießener Anzeiger" ) EchausptelhsllS (Der Tugendwächter" undDie Minne- königtn".) Oper (Jessonda".) Aufstellung im Frauen- bildllugS - Bereiu.

Dr. M. Der noch jugendliche Schriftsteller Freiherr HauS v. Gumpenberg, dessen Dichterheim in Friedenau bet Berlin steht, hat mit seiner ComödteDie Minne- önigin" in Frankfurt keine Lorbeerkränze davon getragen. Man wird daS Stück im Laufe der Saison wohl noch ein und da» andere Mal geben, damit sich die Mühe der Ein- studirung einigermaßen verlohnt, aber dann wird es wohl ein fest zugemauertes Grab im Theaterarchiv finden, denn wer bringt diesem LiebeSturnier, bei welchem die Frau,Die Minnekönigin", der Schönheit der Form, dem Recht der Sinne das Wort redet gegenüber einem Verehrer, der feurig, einzig und allein, den Werth der seelischen Schönheit betont, ein tieferes Interesse entgegen?! Ich will nicht sagen, daß unsere Zeit gegen solche Fragen völlig abgestumpft sei, aber ihre Bearbeiter suchen wir eben nicht mehr in der Reihe der Gegenwartsmenschen. Wenn sie uns vorübergehend inter- essiren sollen, so gehen wir ihnen nach in jenes Land, wo sie organisch aus der ganzen Atmosphäre herauSwuchsen, in die Heimath der Lope, Calderon und Morato, und deshalb trug der temperamentvolle Schwank deS spanischen Dichters Der Tugendwächter" warmen Beifall davon, während daS Stück des Berliner Poeten sich mit einem lauen Achtungserfolg begnügen mußte.

LopeSTug end wacht er" oder wie der Originaltitel lautetDaS Unmöglichste von Allem", hat in der litterarifchen Welt begeisterte Lobredner gefunden. Grillparzer fchätzte ihn, I. L. Klein wandte thm in derGeschichte deS DramaS" eine ausführliche Kritik zu, dem Grafen Schack schien im Tugendwächter" alle Grazie, Feinheit und Anmuth, die nur ein Lustspiel schmücken kann, vereinigt zu sein, und Moritz Carrtäre schrieb:DaS Lustspiel ist eine Perle der Weltlitteratur, und entzückt von der Blütheofülle deS In­halts und der Form, von dieser heitern Harmonie, in der alle angeschlagenen Töne sich auflösen, bewundern wir zugleich den poetischen Sinn einer Zeit und Nation, die an solchen

duftigen, holden Gebilden der Phantasie ihre Freude hatte." Die Königtn Antonia von Neapel stellt die Behauptung auf, daß daS Unmöglichste von Allem sei, ein Weid zu hüten, daS nicht gehütet sein will. Der AuSgang des Stückes gibt ihr natürlich Recht. Das LustspielDer Tugend­wächter" erschien auf der Frankfurter Bühne in der Be­arbeitung Eugen ZabelS, welche theilweise die BraunfelS'sche Uebersetzung benutzt hat und guten Theaterinstinct beweist, u. a. darin, daß sie den gereimten fünffüßigen Jambus consequent durchführt.

Die Aufnahme der Spohr'ichen OperJessonda" geschah zu Ehren der 18. Generalversammlung des All gemeinen deutschen Frauenvereins. Die fremden Gäste er­griffen die Gelegenheit, in den glänzenden Räumen deS Frankfurter Opernhauses einer Festvorstellung betzuwohnen, mit Freude, und fanden sich, soweit nicht dringende, interne Geschäftssitzungen ihre Zeit in Beschlag genommen hatten, ziemlich vollzählig ein. Gerade auf ein ernsteres Publikum, das auch in der Oper ethische Vertiefung verlangt, wird die musikalische AuSdruckSweise Spohrs, zumal in seiner reifsten SchöpfungJessonda" ihre Wirkung nicht versehlen. Vieles in dieser Oper Vernommene kehrt in den Spohr'ichen Quartetten und Oratorien wieder. Bor Allem bekunden die lieblich melodiösen Chöre, daß der Componist über Tiefe des Gefühls verfügte. Finden sich dann noch Künstler wie Frau Schröder-Hanfstängl (Jessonda"), Fr. Jäger (Amazilt) und Herr Pichler (Nadort) für die Hauptrollen, so ist für die gute Aufnahme des Werks, daS unS freilich tn keine starken Emotionen versetzt, obwohl daS Text­buch, dessen Grundmotiv die indische Sitte der Wittwen- Verbrennung behandelt, schon dazu angethan wäre, auch heute noch besten» gesorgt.

In unmittelbarem Zusammenhang mit dem deutschen Frauentag stand die Ausstellung weiblicher Hand­arbeiten im Locale deS FrauenbildungS-Vereins, Hoch­straße 14, welche die Früchte deS Fleißes der Schülerinnen und den methodischen Lehrgang der Anstalt versinnlichte. Auf Anregung der vor einem Jahre zu Leipzig verstorbenen ersten Vorsitzenden deS allgemeinen deutschen FrauenveretnS, Frau Luise Otto-PeterS trat der Frankfurter Frauen­bildungS-Verein im Jahre 1876 mit 32 Schülerinnen inS

Leben. Sein Ziel war, die Erwerbsfähigkeit von Frauen und Mädchen zu fördern. Die Geschichte des Verein-, weiche die jetzige Präsidentin, Frau Rosalie Tebl4e am ersten SitzungStage in präctjcn Zügen vor unS entwickelte, gab das Bild eines ftufenweisen Fortschritts und einer immer reicheren Entfaltung. Im Jahre 1878 konnte bereits bie Ausstellung von Schülerinnenarbetten stottfinden. Zu den Ausnahmen neuer Lehrcurse gesellte sich alsbald die An­gliederung einer Kochschule und einer Speiseanstalt für Damen. Letztere mußte allerdings, da sie zu große pecuniäre Opfer forderte, nach einigen Jahren wieder aufgegeben werden, aber die Kochschule blieb dem Verein erhalten. Die Poly­technische Gesellschaft, welche gemeinnützige Bestrebungen in der humansten Weise fördert, hat dem FrauenbildungS-Verein mehrere Male namhafte Summen zugewandt und hat ihn auch insofern unterstützt, als sie thm ihre Aula al» Vortrag«- local überließ. In den achtziger Jahren wurden vom Verein für populäre BortragScyclen gewonnen die Herren: Professor Dr. Beit Valentin, Dr. Ewald Böcker aus Frank- furt a. M. und Frl. Dr. Ella Mensch au« Darmstadt. Im vergangenen Winter find die Vorträge eine» Herrn Dr. Hübner überHhgieine in Schule und Familie" sehr besucht gewesen. Neuerdings hat der Verein, der wohl über 20 Lehrkräfte beschäftigt und alljährlich eine Anzahl junger Mädchen für einen ErwerbSzweig heranbildet, auch Buch­binderei und Cartonage in seinen Lehrplan aus­genommen. Die Abtheilung, welche die in dieses Fach schlagenden Arbeiten aufwie», fesselte unsere Aufmerksamkeit besonders. Mtt der Anfertigung eine« einfachen, glatten EartonS in Würfelform wird der Anfang gemacht, dann geht- weiter zur Herstellung von Notizbüchern, Buchdeckeln, bis hinauf zu der difficilen Fabricirung eines mit Peluche überzogenen HandschuhkaftenS.

Sehr lehrreich ist auch die Gruppe, welche die Ab­theilung der Kindergarten-Arbeiten nach Fröbel schem System enthält. Sie zeigt uns deutlich, wie schon auf dieser Stufe Unterhaltung und Belehrung Hand in Hand gehen können. Ganz allerliebst ist z. B. bie Herrichtung eine« Bienenstöcke« en miniature, aus welcher die Kleinen die Gewinnung de« Wachse« lernen können.