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Dienstag den 6. Llugust
Zweites Blatt
189»
Nr. 182
Gießener Anzeiger
Keneral'-Anzeiger
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Der Hiehener Anzeiger erichrinl täglich, mit Ausnahme dcS MontagS.
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chratisöeikage: Gießener Jamitienökätter.
All: Annoncm-Bureaux de- In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Amtlichem Theil.
Gießen, den 3. August 1895.
Brtr.: Vie Beschäftigungsverhaltnisse der in Z'egkleien beschäftigten Arbeiter.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des KreiseS.
Sie wollen umgehend und spätestens innerhalb einer ssrist von drei Tagen berichten, ob und eventuell wie viLe gewerbliche Ziegeleien, d. h. solche, die sür den Berkaus arbeiten, sich in Ihrem Dtenstbezirke vorfinden.
Auf die Größe der Ziegelei und auf den Umfang der Production kommt es nicht an.
I. V.: Dr. Melior.________________
Bekanntmachung, betreffend: die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthums; hier Gesuch des Stadtkirchenbau- veieins zu Friedberg um Erlaubniß zur Veranstaltung einer Verloosung.
Dem Vorstand des Stadtkirchenbauvereins zu Friedberg ist mittelst Allerhöchster Entschließung vom 31. August 1890 die Erlaubniß zur Veranstaltung einer Geldlotterie zum Zweck bei Gewinnung von Mitteln für die Wiederherstellung der Stadtkirche zu.Friedberg ertheilt worden. Das Lotterie- Unkernehmen, dessen Durchführung bisher aus verschiedenen Gründen verschoben worden war, soll nunmehr in den fahren 1895/96 zur Ausführung gelangen.
Großherzogliches Ministerium des Innern und der Miz hat die hierzu erforderliche Genehmigung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 300,000 Loose zu 2 Mk. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 41% pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Lovse zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind.
Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum geftattet werden.
Gießen, am 5. August 1895.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. Melior.
Deutsche- Reich.
Berlin, 4 August. Kaiser Wilhelm hat Ende voriger Woche seinen gewohnten allsommerlichen Ausflug nach England angerreten, auf welchem er unterwegs auch der Insel Helgoland wieder einen Besuch abstatlete. Der keinerlei politischen Character tragende Besuch deS Monarchen in England wird, wie verlautet, bis zum 16. August dauern, worauf der Kaiser oircct nach Berlin zurückkehrt. Mancherlei widersprechende Meldungen über den weiteren Sommer-
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msenthalt der Kaiserin waren in jüngster Zeit aufgetaucht. Nunmehr hat sich die hohe Frau für eine Villeggiatur auf Schloß Wtlhelmshöhe bet Cassel entschieden, wo ihr Eintreffen für Sonntag Abend erwartet wurde.
— Hebet den Verlauf und die Ergebnisse der in vergangener Woche in Berlin stattgefundenen Conferenz Ion Vertretern der deutschen JnnungSverbönde
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liegen noch einigermaßen widersprechende Mittheilungen vor. Während von der einen Seite versichert wird, die Conferenz sei für alle Betheiligten befriedigend verlaufen, meldet man oon anderer Seite, die Versammlung habe von den ihr unter- keiteten Regierungsvorlagen zur Hebung des Handwerks 'I diejenigen Über die Errichtung von Handwerkerkammern ver- '*■ Qovfen. Heber letzteren Entwurf sollen sich die mciften der
«nwesenden Vertreter durchaus abfällig ausgesprochen und d »klärt haben, daß mit den geplanten Handwerkerkammern
km Handwerk gar nicht gedient sein würde. Demnach scheint ilt Conferenz doch nicht so sehr „befriedigend" verlaufen zu sein, zunächst wäre es indessen wünschenswerth, wenn von authentischer Stelle eine Darstellung der Conferenz-Ergebnisse
Nröffentlicht würde.
Berlin, 3. August. Der erste Secretär der hiesigen türkischen Botschaft, Assaf Sadullah-Bey hat sich am Donnerstag Abend in seiner Wohnung durch einen Schuß in he Schläfe entleibt. Er hinterläßt Frau und Kinder.
Karlsruhe, 3. August. Zu dem heute und morgen statt- findenden großen Feste des Militär vereinSverb an des mit Ermnerungsfeier des HebergangeS der deutschen Armee über den Rhein 1870 find 720 Vereine mit 16896 Mit- gliedern und 371 Fahnen angemeldet. Der Abgeordnetenrag deS Militär-Vereins Verbandes ernannte den Prinzen Wilhelm
Südb.(Lb>- Ubro.l^ Uharbbahn. iipj. (Zentral wz. Nordost llittetoe« hcnniLkb.j tiillN ["(rocini«. r.Th.lOO- )Ä1°O nau-Reg- •
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von Baden, den Prinzen Karl von Baden, den Fürsten Bismarck, ferner den General der Infanterie z. D. v. Glümer, den General b.t Infanterie v. LeSzinsk-, den Fürsten Hohenlohe-Langenburg, den Generalmajor von Deimling und den Fürsten von Fürstenberg zu Ehrenmitgliedern. Der Großherzog bat zur Erinnerung an die 25jährige Gedenkfeier des Krieges von 1870/71 eine Medaille gestiftet.
Mannheim, 3. August. Der berüchtigte Einbrecher Wilhelm Lrutz aus Osterburken, welcher 42 Einbruchsdiebstähle ausführte, wurde von der Strafkammer zu 10 Jahren 11 Monaten Zuchthaus, 6 Jahr Ehrverlust, sowie Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt.
Der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein und seine Aufgaben.
Vortrag, gehalten in der Sitzung vom 1. August.
(Fortsetzung.)
Diese herrliche Manifestation deutschen Geistes- und GemüthSlebens zündete in den Herzen aller begeisterten Alpenfreunde. Wer bisher als einsamer Pilger einsam seine Straße in den ungemessenen Raumen der Alpcnwelt in still beschaulicher Betrachtung gewandert war, wandte sich jetzt freudig bewegt dem großen, gemeinsamen Ganzen zu und setzte seine Namenszüge zur Förderung der guten Sache unter die von München aus erlassenen Ausrufe zur Gründung eines selbstständigen deutschen Alpenvereins, die nach der Bildung der Section München (am 9. Mai 1869) schon im Juni desselben Jahres von dem provisorischen Ausschüsse daselbst verfaßt, bald in alle deutschen Gaue als frohe Sendboten wanderten. Für die sichere Gewähr auf eine festere Gestaltung zu einem dauerden Bestände bürgten die Namen von gutem Klange in der Alpenwelt, die sich an die Spitze der neuen Bewegung gestellt hatten. Wir begegnen in dem bunten Gemisch der verschiedensten BerufSarten schon in dieser GründungSzeit z. B. zahlreichen Gymnasial- und Universitätslehrern (unter letzteren Prof. Helmholtz, damals noch Professor in Heidelberg, Hofrath Prof. Dr. Osterloh, Leipzig, Prof. Dr. Edel, Würzburg), Militärs (Oberst v. Senckla, Wiener Neustadt), Buchhändlern, unter denen namentlich Th. Lamport, Augsburg, besonders hervorzuheben, ferner Kaufleuten (unter denen Joh. Städl, Prag, besonders zu nennen) unb last not least einer großen Anzahl Richtern und Advocaten, z. B. der hochverdiente Dr. Barth, Hof- unb Grrichtsabvocat zu Wien, nicht minder bedeutungsvoll aber Degen, Stadt- gerichtsrath in Berlin. Von der Sectton München verdienen eine rühmende Erwähnung Männer wie Ministerialrath v. Bezold, Buchhändler Trautwein und Hofmann, Candidat der Rechte, der sich allerdings nicht allzu lange seiner frischen Schaffenslust für die Vereinsangelegenheiten erfreuen sollte, da er schon im folgenden Jahre im Kampfe fürs Vaterland auf Frankreichs Boden sein junges Leben lassen mußte. So sehr auch all die erwähnten Männer und eine große Anzahl anderer, nicht besonders erwähnter, deßhalb aber nicht minder verdienstvoller Alpinisten schon in dieser ersten Zeit sich rühmlichst hervorthaten, so überragt sie dock alle hinsichtlich erfolgreicher Thätigkeit ein Mann, dem ein jeder nur einigermaßen mit der geschichtlichen Entwickelung des Alpenvereins Vertraute seine ganz vorzügliche Hochachtung nicht versagen kann, dem ein mit Alpenveilchen besonders geziertes Albumblatt des Vereins an hervorragender Stelle gebührt, es ist der unvergeßliche Franz Seun, Curat von Vent, der als geborener Oetzthaler mit begeisterter Liebe für feine heimatlichen Berge durch den Zauber seiner schlichten HerzenSgüte weite Kreise für seine Ideen selbstlos zu gewinnen wußte und dabei zum Gelingen des Werkes sein bescheidenes Vermögen uneigennützig opferte. Seine beredte Fürsprache in München und besonders später in Wien, seine Anregungen und Aufforderungen an die auf alpinem Gebiete späterhin sehr verdienstvollen Berliner Herren, an den schon erwähnten Stadtgerichtsrath und späteren Geheimen OberregierungSrath Degen, Prof. Dr. Hirfchfelder und Prof. Dr Scholz haben wesentlich dazu beigetragen, daß obige Aufrufe jene beb spiellos großen Erfolge erzielten und namentlich die Fusion des deutschen und österreichischen Alpenvereins (nach Con- stituirung des letzteren zu einer besonderen Section Austria) zu einem großen Verbände zur Folge hatten, was auf der Generalversammlung zu Bludenz (23. August 1873) besiegelt wurde. In den namhaftesten und ansehnlichsten Städten Deutschlands bildeten sich nun zahlreiche neue Sectionen, auf deren neutralen Boden aus den schroffen Gegensätzen unseres öffentlichen Lebens die idealen Freunde der Natur sich flüchten konnten. Nach Beseitigung der schwierigsten Hindernisse folgt nunmehr eine ruhige und friedliche Entfaltung einer frucht
baren Thätigkeit in edlem Wetteifer der einzelnen neu sich bilbepben Sectionen, die, abgesehen von dem satzungsgemäßen Ausbau der inneren Vereinsangelegenheiten, durch wichtige Beschlüsse und Maßnahmen bet der von Jahr zu Jahr sich steigernden Zahl der zu erledigenden Aufgaben, sich nach drei Richtungen thätig erw.iftn und besonders in erster Linie die wissenschaftlichen Unternehmungen mit ihrer Verbreitung durch die Publikationen, alsdann dem Weg- und Hüttenbau und schließlich Organisation und Beaufsichtigung des Führer- wesens sich angelegen sein lassen. Dabet gebot eS sich von selbst, auch die Competenz der einzelnen Sectionen sür die Beschlüsse der Generalversammlung nach Stimmenzahl genau abzuwägen unb in einem Centralausschuß unb Generalversammlung sichere Organe bes Vereins zu schaffen, nament- lich aber auch auf bie Dauer von biet Jahren einen jeweiligen Vorort zu wählen, um von hier aus ben Verein in jeder Weife zu vertreten, namentlich aber bie von der Generalversammlung gefaßten Beschlüsse in bie That um* zusetzen, um überhaupt von diesen wechselnden Vororten aus die geschäftlichen Regelungen im Rahmen der Vereins* beftimmungen auSgehen zu lassen.
Vor Allem war man nun nach der vollzogenen Einigung auf die gemeinschaftliche Herausgabe wissenschaftlicher unb touristischer Publikationen bedacht und schuf sich die Zeitschrift des deutsch-österreichischen Alpenvereins, welche der Bestimmung gemäß Abhandlungen wissenschaftlichen Inhalts und größere Reiseberichte bringen sollte, auch einzelne Touren schilderte, aber hierüber hinaus auch ganze GebirgSgruPpen wissenschaftlich und touristisch zu würdigen hatte. Wie sehr man durch bie Original beiträge hervorragender Gelehrter unb namhafter Schriftsteller bieser Aufgabe gerecht geworden ist, kann die Reichhaltigkeit deS interessanten Inhaltes bet einzelnen Bänbe barthun, bie ben VereinSmitgliedern jährlich zugestellt werden und als eine prächtig ausgestattete Festes- gäbe für den geringen Jahresbeitrag überreich entschädigen. Die große Auflage der Zeitschrift gestattet, die theuren Verfahren, wie Photographien und Lichtdruck fast ausschließlich anzuwenden und auch auf diese Weise die Jahresgabe stattlich zu gestalten, fie entspricht den bedeutenden literarischen, wissenschaftlichen und finanziellen Kräften, welche in dieser größten alpinen Körperschaft aufgespeichert find. Nebenher laufen die den Vereinsmitgliedern unentgeltlich zugestellten, nicht minder interessanten Mittheilungen, die ebenfalls unentgeltlich am 15. und letzten jedes Monats den Mitgliedern des Vereins zugestellt werden unb in ausgiebigster Weise ebenfalls über touristische und wissenschaftliche Stoffe sich verbreiten, unb eine -Reihe von Artikeln über Hüttenbesuchs* statistik unb Ausrüstung, Verproviantirung ber Schutzhäuser, Bergsport unb Alpinismus, Gletschervermessungen unb Beobachtungen, zahllose nützliche Notizen über Weg unb Steig, Hütten unb Führer, Verkehr unb Unterkunft, bann auch alle Vereinsangelegenheiten barbieten. Auf Anregung des Vereins würbe bann auch eine „Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Alpenreisen" bearbeitet unb herausgegeben, womit der hoppelte Zweck verfolgt wurde, Beobachtungen auf Alpentouren durch Nichtfachmänner für die Wissenschaft nutzbar zu machen unb anbererfeit« den Nichtfachmann über Art und Weise der anzustellenden Beobachtungen zu informiren. Sie umspannen das weite Gebiet alpiner Forschung unb geben bem ausgesprochenen Zwecke entsprechenb eine Grundlage für eine Einführung in die Orographie und Topographie, Hydrographie und Gletfcher- wesen, bearbeitet von Generalmajor v. Sonckler, ferner eine kurze Anleitung zu geologischen Beobachtungen in den Alpen, bearbeitet von Oberbergrath Pros. Dr. C. W. Gümbel, eine Einführung in die Meteorologie der Alpen (Prof. Dr. I. Hann), Anleitung zu anthropologisch vorgeschichtlichenBeobach* tungen (Dr. Joh. Ranke), Anleitung zum Beobachten ber alpinen Thierwelt unb zum Bestimmen ber Alpenpflanzen von Prof. Dr. Dalia Torre, und als Ergänzung zu biefem verdienstlichen Werke wurde bann noch von bem Verein ber vorzügliche „Atlas der-Alpenflora" herausgegeben, der als eine vorzügliche Publikation großen Anklang und besten Erfolg fand.
Schließlich fei bann noch mit einem Worte des Werkes gedacht, das als eine ber glänzenbsten Leistungen deS Deutschen unb Oesterreichischen Alpenvereins auf litterarischern Gebiete gebührende Anerkennung gefunben hat, des großen Werkes: „Die Erschließung ber Ostalpen", das seit 1885 vorbereitet, unter Redaction des Herrn Professor Dr. Ed. Richter Ende 1891 zur Subscription an die Mitglieder angeboten werden konnte und reichen Absatz fand.
Sind nun in diesen eben erwähnten Werke jedem Alpen- reisenden äußerst inftructioe, jedem Lieblingsgebiete die Wege ebnende Anleitungen gegeben, so liegt anbreriettS durch die


