Ausgabe 
6.8.1895 Erstes Blatt
 
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Nr. 182

Tkr chktzener Anzciger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Pimirtendlälter iverden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt. Dienstag de« 6. August Gießwer Anzeiger cheneral-A'nzeiger.

N88»

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| Hratisöeilage: Hießener Aamikienökätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für dem folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. August. DerReichsanzeiger" veröffentlicht d,S Gesetz, betreffend die Bestrafung des Sclaven- raubes und des Sclavenhandels, ferner daS Gesetz, betreffend die Abänderung deS Gesetzes vom 12. März 1893 über die Einführung einer einheitlichen Zeit- bestimm ung.

Berlin, 3. August. Die hiesige Universität beging heute die Feier des Geburtstages König Friedrich Wil« helmS III. Die Festrede hat Rector Professor Dr. Pfleiderer gehalten.

Berlin, 3. August. Bei der heutigen Universitätsfeier wurde es auffällig bemerkt, daß sich Minister v. Bötticher in verbindlichster Form längere Zeit mit Geh. Rath Virchow unterhielt, den er auS dem Zuge des akademischen Senats zu sich entboten hatte.

Berlin, 3. August. Heute Vormittag 10Va Uhr ist hier auf dem Anhalter Bahnhofe die Leiche des Professors v. Sy bei eingetroffen. Dieselbe wurde sofort nach dem Matthäikirchhofe übergeführt, wo alsbald die Beisetzung stoittfand.

Eronberg, 3. August. Die Kaiserin Friedrich wird morgen Nachmittag am Cronberger Stock bei Königstein der Gedenkfeier der versammelten Nassauer Kriegervereine unter Führung des Frankfurter Landwehrvereins beiwohnen.

Hannover, 3. August. Zur Vorfeier der Erinnerungs» taze an den Krieg von 1870/71 fand heute auf dem Welfen- platze eine Parade der gesammten Garnison statt, an welcher auch sämmtliche Kriegervereine theilnahmen. Die Fahnen waren zum ersten Male mit Eichenlaub geschmückt, die Stadt war festlich beflaggt und die Bevölkerung zeigte eine große Theilnahme an der Feier.

Hannover, 3. August. Der fünfte Verbandstag Stolze'scher Stenographen-Vereine wurde am 2. August mit üblicher Begrüßung eröffnet. Dem Ehren- auSschuß gehören u. A. an: Oberpräfident Dr. v. Bennigsen, Ob erbürgermeister Tramm-Hannover und Generalmajor z. D. v. Knobelsdorff. Den heutigen Vormittag füllten Berathungen der Verbandskörperschaften aus. Von der Verbandsleitung sind 38 Mitglieder bereits anwesend, darunter der Vorsitzende Bäckler, die Vorsteher der Stenographen - Bureaus des RebchstageS, Schalopp, des preußischen Abgeordnetenhauses, Dr. Stmmerlein, der Schweizer Bundesversammlung, Schwarz- Bern, der Oderleiter der Häufigkeitsuniersuchung, Käding und

Fe«illeton.

Die eigenartige Wirkung des DUhrs auf den menschlichen Körper.

Don Dr. Hans Fröhlich.

(Nachdruck verboten).

Jedes Jahr, wenn der Sommer gekommen, berichten die 3 Hungen immer wieder von Todesfällen und Verletzungen Lurch Blitzschlag. Namentlich in diesem Sommer haben Wolken- iriiche, Gewitter und Bitzschläge schon sehr viel Unheil ange- nchtet. Die zahlreichsten Blitzunfälle ereignen sich in gebirgigen Gegenden. Besonders scheint Tirol mit feinen hohen Gebirgen unb tief eingeschnittenen Thälern, und nicht zum mindesten Lurch das in den Dörfern noch vielfach üblicheWetterläuten" : tinen sehr beachtenswerthen Prozentsatz von Blitzunfällen zu stellen. Denn sehr häufig fährt der Blitz in Glocken, die gerade geläutet werden, was auch schon in verschiedenen Orten zum Acrbot des Wetterläutens Veranlassung gegeben hat. An­gehend auf den Blitz wirken auch die Telegraphen- und Tele­chondrähte, weshalb bei einem schweren Gewitter die Telephon- wrbinbungen meist geschlossen werden. Eine keineswegs seltene Erscheinung ist das Einschlagen des Blitzes in größere Ansarnrn- Ijngen von Menschen, wie in Kirchen und Schulen. Diesen Umstand, sowie die Anwesenheit zahlreicher gut leitender Gegen- ftinbe (Waffen) scheint die Ursache des häufigen Einschlagens

Blitzes in militärische Lager zu sein. Der größte Unglücks- soll dieser Art traf 1864 ein nordamerikanisches Regiment, welches sich auf einem die Ebene beherrschenden Hügel gelagert hotte. Eine ungeheuere Feuersäule fuhr auf diesen Hügel herab, zersprengte das Lager, warf sämmtliche Mannschaften zu Boden und tödtete fast alle Pferde. Man fand 18 Mann tobt und beinahe alle anderen mehr oder wenig verletzt. Bei zwei Ge­wehrpyramiden entluden sich die Läufe, und die Geschosse töbteten drei Soldaten in einem entfernten Lager. Ein ähnlicher Fall «eignete sich am 9. Juni 1892 auf dem Tempelhofer Felde bet Berlin, wo eine ganze Compagnie des Alexander-Grenadier- Rcximents von einem Blitzschlag zu Boden geworfen wurde.

Dr. Stolze, der Sohn des Meisters. Die Versammlungen finden in den Festsällen des alten Rathhauses statt. AuS der reichhaltigen stenographischen Ausstellung seien heute Original- stenogramme auS Luthers Zeit erwähnt.

Hamburg, 3. August. DieHamburgische Börsenhalle" meldet: Seine Majestät der Kaiser verläßt heute Abend Potsdam von der Wtldparkstation aus, trifft morgen srüh in Brunsbüttel ein und setzt an Bord der DachtHohen- zollern" unmittelbar die Fahrt nach Helgoland fort, woselbst Allerhöchstderselbe im Lause des Vormittags eintrifft. Der dortige Aufenthalt wird nur wenige Stunden dauern, während welchem Seine Majestät der Kaiser mit den Herren des Gefolges bei dem Commandanten, Capitän zur See Stubenrauch, das Frühstück einzunehmen beabsichtigt. Nach­mittags setzt dieHohenzollern" die Fahrt nach CoweS fort, wo Seine Majestät der Kaiser eine Woche verbleiben wird, um dann einer Einladung folgend über Portsmouth nach Lowther Castle zu reifen. DieHohenzollern" begibt sich inzwischen nach Leith, von wo Seine Majestät an Bord der­selben am 15. August nach Brunsbüttel zurückfährt, um von dort birect nach Berlin zurückzukehren.

Augsburg, 3. August. DieAugsburger Abendzeitung" ist ermächtigt, zu erklären, daß die Blättermeldung von der bevorstehenden Abcommandirung preußischer Offi­ziere zum Eintritt in die bayerische Armee und von einem engeren Anschluß des bayerischen Kontingents erfunden sei.

Ausland.

Wien, 4. August. DasSB. T." verzeichnet das in hiesigen diplomatischen Kreisen neuerdings circulirende Gerücht, daß Fürst Ferdinand nach seiner Rückkehr nach Sofia sich von der Sobranje zum König von Bulgarien wählen laffen wolle.

Prag, 4. August. Wie czechische Blätter berichten, erhielten die in Böhmen studirenden Bulgaren die Weisung, sofort nach Bulgarien zurückzukehren.

Paris, 4. August. DerGaulois" entsandte seinen Berichterstatter Hutin nach Elsaß-Lothringen zur Bericht­erstattung über die F estlichkeiten zu der Gedenk­feier von 18 7 0/71. Das Blatt meldet heute, daß Hutin bei seiner Ankunft in Weißenburg auf behördlichen Befehl ausgewiesen und ihm das elsaß lothringische Gebiet verboten wurde.

Paris, 3. August. DerFigaro" veröffentlicht einen

heftigen Artikel über die Expedition auf MadagaScar. ES scheint, daß das genannte Blatt die Regierung mit Ent­hüllungen bedrohen will, welche im ganzen Lande einen Ent- rüstungssturm Hervorrufen würde.

Paris, 3. August. DieNouvelle Revue" veröffentlicht einen Artikel aus der Feder eines Hauptmanns über den nächsten Krieg. In dem Artikel wird die Behauptung aus­gestellt, daß der nächste Krieg im Jahre 1896 ober 1897 stattfinben werbe. Deutschlanb sei durch seine militärffchen Organisationen sehr stark und es werde in dieser Zeit Frank- re ch angreifen, weil Rußland bis dahin wegen ungenügender Verkehrsmittel Frankreich nicht werde zu Hilfe eilen können.

Madrid, 3. August. Privatmeldungen auS Cuba zufolge fordert das gelbe Fieber unter den spanischen Truppen zahlreiche Opfer. DaS Fieber tritt epidemisch auf und soll die Lage eine sehr schlimme fein.

London, 3. August. Nach einer Meldung auS Shangai soll bei Foochow ein furchtbares Gemetzel unter der christlichen Bev ölkerung stattgefunden haben. Auch fünf ausländische Damen sollen getödtet worden fein.

London. 3. August. Der 6. internationale Geo­graphen-Kongreß hielt heute seine Schlutzsitzung. In derselben wurde beschlossen, den nächsten Kongreß im Jahre 1899 in Berlin abzuhalten.

Sofia, 4. August. Die ZeitungSogglasije" erörtert in einem Leitartikel die etwa eintretende Abdankung des Fürsten Ferdinand und empfiehlt für diesen Fall die Wahl des zweiten Sohnes des Königs von Griechenland, Prinzen Georg, zum Fürsten von Bulgarien. Derselbe sei ein trefflicher Soldat unb besitze bie besten Familienbezieh- ungen.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Saarbrücken, 4. August. Die Jubelfeier der Er­stürmung der Spicherer Höhen wurde heute hier begangen. Die Stadt prangt in herrlichem Festschmuck. In 25 Sonder- zügen find 40000 Fremde angelangt. Eine Gedenkfeier auf dem Kriegerfriedhose in Sanct Johann begann den Tag in würdiger Weise. Am Nachmittag fand ein großartiger historischer Festzug statt, 1000 der ehemaligen Kämpfer von Spicheren nahmen an demselben Theil, die auf dem ganzen Wege überall mit stürmischem Jubel begrüßt wurden. Außer­dem marschirten etwa 15000 Kriegstheilnehmer in dem Zuge.

Bald jedoch erholten sich alle wieder, nur ein Hornist hatte am Kopfe eine schwere Blttzverletzung erhalten.

Was nun die eigentlichen Wirkungen des Blitzes auf den Menschen betrifft, so sind dieselben der mannigfachsten Art. Professor Boudin schildert sie sehr treffend folgendermaßen: Bald entkleidet der Blitz seine Opfer, zerstört die Kleider und schont den Körper, bald zerstört er den Leichnam und schont die Kleider. Hier tödtete er plötzlich, auf der Stelle, so daß der Tobte aufrecht bleibt, sitzend oder reitend, dort dagegen wird der Getroffene 20 Meter weit fortgeschleudert und man findet ihn im Laube von Bäumen. Bald erreichen die anatomischen Veränderungen, welche der Blitzstrahl hinter­läßt, eine außerordentliche Ausdehnung mit Zerreißung des Herzens und Zerschmetterung der Knochen, bald kann auch die sorgfältigste Untersuchung bei den Todten nicht die leiseste» Veränderungen wahrnehmen. Bald scheint die Leiche den Gesetzen der Auflösung zu trotzen, bald dagegen tritt rascheste Zersetzung ein".

Im Allgemeinen lehrt die Erfahrung, daß der Blitz ent­weder durch den Körper oder durch die Kleidungsstücke fährt, daher die Kleidung oft zerrissen wird ohne Schädigung des Körpers, und umgekehrt. Im ersten Falle sind die Kleider versengt ober verbrannt. Bisweilen sind nur die Unterkleider versengt, die Oberkleider dagegen vollkommen unversengt. Oft­mals ist die Kleidung nirgends verbrannt, dagegen vielfach zerrissen, oder zeigt auch regelmäßige Oeffnungen, durch welche der Blitz ein- und ausgefahren ist. Von den Stiefeln ist das Oberleder oft vollständig abgerissen und weit weggeschleudert,- in den Sohlen befindet sich häufig ein Loch, durch welches der Blitzstrahl in die Erde fuhr. Die größten Veränderungen kommen an den metallischen Gegenständen vor, welche der Ge­troffene bei sich führt, wie Geld, Uhr, Uhrkette, Ringe, Schlüssel, Messer. Diese erleiden mehr oder weiger eigenthümliche Umge­staltungen. Bisweilen sehen sie aus, als ob sie mit Quecksilber überzogen wären, bisweilen schmelzen sie vollständig, und zwar öfters ohne den daran befindlichen Theil der Kleidung zu ver­sengen. Einen besonders bemerkenswerthen Fall schildert Pro- feffor Shatter aus dem Jahre 1887, wo bei einem vom Blitze Getroffenen die Geldstücke der ganz unverletzten Tasche an der

einen Seite fest zusammengeschmolzen waren, so daß sie wie Dachziegel auf einander lagen. Gegenstände von Eisen, z. B. Taschenmesser, nehmen dagegen magnetische Eigenschaften an.

Die Verletzungen am Körper selbst liegen zwischen der Grenze oberflächlicher Versengungen und vollständiger Zer­reißungen ganzer Organe und Gliedmaßen. Erstere betreffen namentl ch die Haare. Bei Frauen können auch ganze Zöpfe abgerissen werden und verbrennen. Ebenso treten an der Haut Verbrennungen leichten und schwersten Grades ein. Die interessantesten Erscheinungen an der Hand sind jedoch unstreitig die sogenanntenBlitzfiguren", deren Natur und Entstehen noch nicht vollständig aufgeklärt ist. In früheren Zeiten wurden die wunderbarsten Geschichten davon erzählt. Ich will nur einige, welche von angesehenen Medizinern berichtet werden, anführen. Am 10. Mai 1785 schlug der Blitz m die Kirche von Riom in Auvergne, lief an dem nassen Glockenseile herab und tödtete einen Mann, auf dessen Körper seltsame Baumfiguren zurückblieben, welche den durch den Blitzstrahl äußerlich sichtbar gewordenen Hautgefäßen zugeschrieben wurden, wie in einem der Akademie der Wissen­schaften zu Paris erstatteten Bericht dargethan wird. Dieser glaubwürdigen Erzählung aber fügen Die Berichterstatter folgende wundersüchtige Fabel bei, welche sich seitdem sehr fruchtbar vermehrt hat.Diese Thatsache ist nicht neu; Pater Bakkaria berichtet etwas Aehnliches, und Franklin hat Leroy mehrmals erzählt, daß vor etwa 40 Jahren ein Mann, der während eines Gewitters in seiner Hausthür stand, den Blitz in einen gegenüberliegenden Baum schlagen sah, und daß durch ein Wunder das Bild dieses Baumes auf der Brust des Mannes abgebUbet wurde". Ein Dr. Orioli hat auf dem wissenschaftlichen Kongreß zu Neapel 1845 mehrere Beispiele derphotographischen Wirkung" des Blitzes ange­führt, wonach Mastkörbe, Nummern von Schiffen auf der Haut von Matrosen, welche auf einem vom Blitze getroffenen Schiffe waren, abgebildet wurden. Im Jahre 1847 soll man auf dem Fuße einer Dame in Lugano das Bild einer in der Nähe wachsenden Blume gesehen haben. Dr. Oriolis Bei­spiele überbot nach Dr. Raspail, welcher 1855 die Beob­achtung mittheilt, daß ein Knabe, der nach einem Vogelnest