Nr 82 Samstag den 6. April
> Gießener Anzeiger
1S03
Biertrljähriger -Sou-emeulspreiAr 2 Mark 20 Pfg. mit Sringtdoljn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Rcdacnon, Txpediti« und Druckerei:
SchutKratze Ar.7.
Fernjprecher 51.
so strengen Sittenrichter sein, und es für keinen so gefährlichen Schaden halten, wenn die Scheere der Helferin einmal etwas kräftig in das Zeug fährt; und auch nicht gleich die ganze Einrichtung für verkehrt halten, wenn es gelegentlich einmal vorkommen sollte, daß derselbe kranke Kissenüberzug zweimal wiederkehrt. Flicklappen kann man eigentlich gar nicht reichlich genug spenden, und wenn wir durch Milde und Wcithcrzigkeit in dieser Beziehung die Leute dazu brächten, daß sie vertrauensvoll offen sagen, was sie brauchen, statt daß sie es sich heimlich erschwindeln, so wäre das ein ganz besonderer Gewinn.
b. Die Kochschule.
Mit der geringsten Freude können wir leider von unserer Kochschule berichten. Es wurden darin im ganzen verflossenen Jahre nur zwei Kurse abgehalten, der erste vom 8. Januar bis zum 3. März, der zweite vom 22. Oktober bis zum 15. Dezember. An beiden nahmen nur je 6 Schülerinnen teil, und auch von diesen waren die Hälfte Auswärtige aus den umliegenden Ortschaften. Ein dritter Kurs kam überhaupt nicht zu stände, lieber die Gründe dieser geringen Teilnahme sind wir uns noch nicht klar. An Bedürfnis fehlt es nach unserer Erfahrung nicht. In wie vielen Fällen ist es heutzutage im Arbeiter-Haushalte^ der Mutter unmöglich, der Tochter die nötige Anleitung^ zu geben, teils, weil sie selbst mitverdienen muß, teils, weil die Not des Lebens eine geordnete Haushaltungsführung so sehr erschwert, oder ganz unmöglich macht. Und auch der Häuser sind nicht allzuviele, in denen ein Dienstmädchen
die nötige Ausbildung finden kann. Am wenigsten wird das gelernt, was sie gerade einmal später selbst zu einer möglichst wirtschaftlichen Einrichtung im eigenen bescheidenen Haushalt bedürfen. Wer in der Armenpflege arbeitet, weiß es, daß die Leute sich sehr oft viel schlechter nähren, als sie es selbst bei ihren geringen Mitteln müßten, weil die Hausfrau nicht die genügende Anleitung gehabt hat; und wie unschmackhaft oft das Essen ist, das auf den Tisch kommt, während mit denselben Mitteln besseres und gesünderes herzustellen gewesen wäre. Und gerade das will ja unsere Kochschule lehren. Es ist unsere Hoffnung, daß sie, wie auch in anderen Städten erprobt worden ist, durch engeren Anschluß an die Schule besser gedeihen werde. Darüber werden wir wohl im nächsten Jahr zu berichte« haben.
Auch in diesem Jahre haben wir wiederum für die Erfüllung der uns gesteckten Aufgaben viele und kräftige Unterstützung, sei es durch öffentliche Thätigkeit, sei es in der Stille, gefunden. Ohne einzelne namhaft zu machen, sprechen wir hiermit Allen unseren herzlichen und aufrichtigen Dank aus.
Der Worstand:
Der Vorsitzende: Der Schriftführer:
Schlosser. E Kauffmann.
Ueberficht der Rechnung für das Jahr 1894.
A.
Gießen, den 12. Februar 1895.
Einnahme.
Kassebestand beim vorigen Abschluß . . . .< 365.04
Jahresbeiträge der Mitglieder . . .. 4417.50
Schenkungen und Vermächtnisse . . 2622.83
Stiftungszinsen 325.82
Zuschüsse aus anderen Kassen 2037.50
Dankopfer (für Krankenpflege) 780.—
Aus der Krippe 575.79
Aus dem Mietspatronat 2524.29
Kapitalzinsen 189.34
Zurückempfangene Kapitalien 3706.—
Sonstige Einnabmen 912.—
Einnahme aus der Haushaltungsschule
( Kochschule) „ 146.45
Sa. jM, 18602.56
B.
Ausgabe.
Unterstützungen . JfC 4772.51
Krankenpflege und Krippe . 6275.83
Für das Mietspatronat „ 2161.57
Für die Haushaltungsschule . . 1025.83
Verwaltungstosten........ 335.23
Sonstige Ausgabe« 195.05
Ausgeliehene Kapitalien... . . . 3735.48
Sa. 18501.50
C.
Hierzu Kassebestand beim diesjährigen Rech- ^ngsabschluß „ 101.06
Sa. jH 18602.56
I> e r Rechner:
A. Wilker.
»kühl Ich« Unlturfitatf.eu*. un» 6tdn6cadml, (V>«Ilch * e«t>«yda>, «leim.
splitten waren 540, ungtlttg 687 Stimmen.
Madrid. 4. April. Der Ministerpräsident Canovas theilte dem Cabinetsrathe ein Telegramm auS Habana mit, daS bestätigt, daß die spanischen Truppen bei jedem Zu» sammentreffen die Aufständischen schlagen.
Madrid, 4. April. In Cadix wird an der Ausrüstung eines kleinen Geschwaders von Avtsoschiffen und acht Kanonenbooten mit großer Beschleunigung gearbeitet. Das Gestwader soll zur besseren Ueberwachung der Küsten Eubas dienen.
Depeschen deS Bureau .Herold".
Lerliu, 4. April. Der ,9?orbb. Allg. ßtg.* zufolge: «ahmen an der unter dem Borsitz bes Kaisers am 1. April stattgefunbenen Eovferenz, welche sich mit dem Programm
melbung, wonach der Kaiser angeorbnet haben^oll, baß sich alle Regimenter des preußischen Heeres selbst einen Tag zu wählen hätten, um die Erinnerung an den Feldzug 1870 durch ein Regimentsfest zu feiern, durchaus unbegründet sei. Es seien in dieser Angelegenheit vom Kaiser keinerlei Anordnungen getroffen worden.
Köln, 4. April. Die „Köln. Ztg." meldet auS B el g r ad: In einer stürmischen Mmisterfitzung erklärten die Minister General Zdravkowitsch, Losanitsch und Kleritsch, falls der Ministerpräsident R'stitsch seine Gewaltstreiche vor den Wahlen fortsetze, auS dem Cabinet auSzuscheiden. Die Gewalt- acte überbieten alles bisher Dagewesene. In einer Anzahl von Gemeinden überfielen die Präfecten mit ihren Gehilfen die Gemeindevorsteher in ihren Wohnungen mit Revolvern,
• Gieszeir.
Mnnonccn-Sureaur dkS In- und Ausland,-- nehmen •igen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
icktritt zu zwingen. In Zsagutbitsa feuerte ' den Vorstand, welcher Lärm schlug, worauf Flucht ergriff. In Gradist wurden 70 liberale Zähler grundlos verhaftet.
4. April. Wie der „BreSl. Gen. Anz." von Seite erfährt, conferirte dieser Tage ein ;nat mit dem Cardinal Fürstbischof Kopp, fragte hierbei, rote Se. Eminenz über bie emrums bet der Abstimmung über den Antrag reffend die BiSmarck-Ehrung im Retchs- )er Cardinal antwortete, daß er die ablehnende entrums aufS Tiefste bedauere- auf die Frage , ob er von dieser Aeußerung Gebrauch machen rte der Kirchenfürst: „Ich stelle Ihnen an- ner Aeußerung Jedem gegenüber beliebig Gehen."
4. April. Der Me dictnal-Congreß setzte iscussion über die Heilserum-Behandlung zur rt. ES ergab sich hierbei folgendes Resum6. ne einzige ausgesprochen schädliche Wirkung deS Heilserums zu verzeichnen. Es macht sich i» serscheinung eine überraschende Befferung b> - so ein Rückgang der Sterblichkeit. Da die :n Untersuchungen noch lange nicht abgeschloffeu flicht, in der Anwendung des Heilserums fort- weitere Erfahrungen zu sammeln.
4. April. In einer gestern Abend von den ern im Mathäserbräu einberufenen Bersamm cher über den Ladenschluß am Sonntag eine .eit werden sollte, kam eß gegen Mitternacht stpalen und Gehilfen zu einer solchen Keilerei, nbarmen einschreiten und den Saal räumen
. April. Das Wiener Extrablatt meldet aus in großer Thetl beß an der bayrischen Grenze ldtchens Neumark in bie Erbe zu bei« ht. Eine Regierungs Commi:sion ist borthiu Einzelne Häuser finb bereits eingestürzt. Mehrere abgesperrt.
. April. Die medicintsche Fachschrift theilt mit, es Serum entdeckt worden sei und zwar zur :r Lungenentzün düng.
.. April. Gestern wurden in Pantiu, wo sich iederlage der Zündhölzer befindet, große Sendler Zündhölzer außgeladen. Die Polizei mußte >en Arbeiter, die die übrigen Arbeiter an erhindern wollten, thätlich angreifen und aus« gen. ,
4. April. Der Finanzminister erklärte, daß bie ine Hoffnung auf die Auffindung der Fregatte Regentin" mehr setze und baß ben Familien Zeldmittel zugewenbet würben.
u, 4. April. Hier würbe eine geheime nihi- ruckerei entdeckt, infolge deffen zahlreiche Ver- rgenommen wurden.
znng öcr Stadtverordneten
am 4. April 1895.
nd: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Bei- drüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die ck, Faber, Flett, Habenicht, Helfrich, Hehlige«- iberger, Keller, Löber, Scheel, Simon, Schwall, Vogt und Wallenfels.
April, Abends 8 Uhr, findet im Vereinslocale nnischen Vereins eine Prüfung der Schüler der icn Fachschule statt, zu welcher bie Mitglieder »rstandes eingelaben würben.
besuch der Frau C. L. Rübsamen Wwe. «» ,ur Anbringung eines Wegweisers nach den Bade- n Thorhaus der Neustadt wird genehmigt, die jährliche Anerkennungsgebühr auf 20 Pfg. festgesetzt.
Gegen die Anbringung eines Schaukastens Seitens beß Herrn Zahntechnikers Frech am Hause Neustadt 1 hat die Versammlung nichts zu erinnern.
Das Gesuch des Herrn W. Plank um Erlaubniß zur Ueberwölbung der Stadtbach entlang seinem zu beiden Seite» desselben belegenen Eigenthum zwischen Tiesenweg und Bahnhofstraße wird genehmigt unter der Bedingung, daß die Ausführung der Ueberwölbung nach Angabe des Stadtbau- amtes erfolgt und Bauten auf ober neben der Ueberwölbung nur nach Genehmigung des Stadtbauamtes vorgenommen werben bürfen- die Anerkennungsgebühr würbe auf 3 Mk.
Gärtner W. Gerhard hat um Erlaubniß zur Er-


