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Ur. 55 Zweites Blatt. Mittwoch den 6. März
Der Hkzever Kajciger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montags.
Die Gießener AamirienölLlter werden dem Anzeiger wdchentlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeiger
Kmeral-Mnzeiger.
1893
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Amtlichem Theil.
Bekanntmachung,
betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des GroßherzogthumsILz^ L."W Der Stadtvorstand zu Ortenberg beabsichtigt mit dem knde October l. I. daselbst stattfindenden sogen. „Kalten Markte" eine Verloosung von Fohlen, Rindvieh, landwirth- schastlichen und sonstigen Geräthschasten zu verbinden.
Die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung ist von dem Großh. Ministerium des Innern «nd der Justiz unter der Bedingung ertheilt worden, daß nicht mehr als 8000 Loose zu 1 Mark das Stück ausge- geben werden dürfen und mindestens 60 % des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind.
Der Vertrieb der Loose im Großherzogthum ist gestattet. Gießen, am 2. März 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Zur internationalen Krisis aus dem Getreidemarkt.
Die öffentliche Meinung fast der ganzen Welt und die Regierungen und Volksvertretungen fast aller Länder beschäftigen sich gegenwärtig mit der großen, noch nie in diesem Umfange dagewesenen Knsis auf dem Getreidemarkte und der daraus hervorgehenden wichtigen landwirthschaftlichen Frage. Diese Frage ist so groß und ihre Lösung so schwierig, daß wir unS vorläufig darauf beschränken müssen, die verwickelte Lage und den tiefen Nothstand auf diesem Gebiete darzu- legeu. Es muß zunächst conftatirt werden, daß in den meisten großen Getreideländern drei gute Ernten hintereinander folgten, und dadurch ein bedeutender Ueberschuß an Getreide entstand. Dazu kommt, daß in den beiden letztem Jahren die Wetzenausfuhr Argentiniens von V/4 Millionen Centner auf 7 Millionen Centner angewachsen ist und daß sich ferner auch in Rumänien in den letzten drei Jahren die WetzenauSsuhr um eine Million Centner gehoben hat. In Hinblick auf die schon vorhandenen großen Ernten hat also offenbar der argentinische und rumänische Weizen, der durchaus Abnehmer suchte, noch einen besonderen Preisdruck auSgeübt. Zur Characteristik der total zur Calamität gewordenen Lage des Getreidemarktes sei noch hervorgehoben, daß man bereits vor Jahr und Tag in den Bereinigten Staaten ein weiteres Sinken der niedrigen Getreidepreise ganz für ausgeschloffen hielt, indem schon damals es für vortheilhafter in den Kreisen
der amerikanischen Landwirthe galt, bei einem Preise von 63 Cents den Weizen dem Vieh zu füttern statt zu Lüer» kaufen. Zum Schrecken aller Farmer, Getreidehändler und Müller ist aber inzwischen der Weizenpreis in den Vereinigten Staaten doch noch um fast 10 Procent gefallen. Am schlimmsten sind übrigens die englischen Landwirthe daran, denn in England, wo kein Getreidezoll besteht, ist in wenigen Jahren der Preis des Weizens von 50 Shilling auf 20 gesunken. Da England vorzugsweise Industrie- und Handets« float ist, also den Getreidezoll nicht einsühren kann, so haben die englischen Farmer, resp. Grundbesitzer die schlimmsten Aussichten. In Rußland hat bekanntlich die russische Regierung durch Getreldeankäufe für den Staat die schlechten Getreidepreise zu heben gesucht, aber es scheint, als wenn der russischen Regierung bei der Ausführung dieses Planes Bedenken gekommen wären, denn statt für 100 Millionen Rubel, wie es ursprünglich hieß, hat die rusfische Regierung nur für 10 * Millionen Rubel Getreide aufkaufen lassen. Steigt nämlich durch die ^Staatseinkäufe in Rußland der Getretdepreis, so wird die Ausfuhrkraft Rußlands herabgedrückt und alle russischen Landwirthe wollen nur noch ihr Getreide an die Regierung verkaufen. Dieser Calamität gegenüber ist leider noch keine Abhilfe sichtbar. j
vermischte».
* Hildesheim. 2. März. Der Dachdecker Leise auö Salzdetfurth ist wegen vorsätzlicher Tödtung seines fünfjährigen Stiefkindes, welche er durch Nahrungsmtttelentziehung und Mißhandlung herbeiführte, heute zum Tode verurtheilt worden.
* Dreiviertel Millionen Mark für Schneeschippen und Schneefahren. Der diesjährige, so überaus schneereiche Winter hat der Stadt Berlin, wie dortige Zeitungen mit- thetlen, das nette Sümmchen von 780,000 Mark für die Säuberung der Straßen von dem den Verkehr hemmenden Schnee gekostet. Jnsgesammt sind etwa 300,000 Fuhren Schnee aus dem Innern der Reichshauptstadt herausgebracht worden, so daß viele Brödlose Beschäftigung und Verdienst gefunden haben.
* Wie sehr es sich die Gasiudustrie angelegen sein läßt, den Kampf mit dem electrsichen Licht zu bestehen, geht aus einem PretSauSschceiben hervor, welches die SociSte Technique de ITndustrie du Gaz en France veröffentlicht. Ein Preis von 10 000 Francs ist für die Erfindung eines Glühlichtbrenners, der die Mängel der bisherigen nicht besitzt, ausgeschrieben, während 8000 Francs für gute schriftliche Abhandlungen reservirt sind, betr. Verbesserungen der GaS- fabrikation, der Verwendung des Leuchtgases zu den verschiedenen Zwecken, die mechanische Verarbeitung, Verladung
und Bchapdlung von Kohle und CoakS, soweit dies die Gas productioü interessirt, sowie für eine längere Arbe't über die Verwendung des Waffergases. Die Arbeiten können eoent. auch schon im Druck erschienen sein, müffen aber bis zum 1. April d. I. an die obengenannte Gesellschaft, Paris, 65 Rue de Provence, eingesandt werden. (Mitgetheilt vom Internationalen Paientbureau, Berlin NW.)
* Für RecouvaleScenteu kann man eine sehr willkommene und wohlthuende Stärkung leicht beschaffen: Eine Mefferspitze Liebigs Fl e t sch ex tr a c t wird in einer mittelgroßen Taffe mit etwas Salz und kochendem Wasser aufgelöst. In einer zweiten Tasse verrührt man ein E-gelb mit ein paar Tropfen kaltem Wasser, thut dann kochendes Wasser hinzu und schließlich das Ganze zu dem Fleischextract. Auch einige dabei gegebene Schnittchen geröstetes Weißbrod wird der Reconvalescent gewöhnlich gern nehmen.
* Die Ferkel im Bett. Recht paradiesische Zustände scheinen noch in dem etwa zwei Meilen von Schtvelbein in Preußen entfernten Dorfe R. zu herrschen- friedlich leben dort noch Mensch und Vieh zusammen. Dort kam neulich ein Beamter zu einem Colonisten, um Aufträge zu erledigen. Da bemerkte er, wie sich fortwährend die Bettdecke bewegte, und er vernahm auch leises Gequike aus der Ecke. Auf sein Befragen, was das fei, ob vielleicht ein Kind krank wäre, erhielt er zur Antwort: „Ach, bat sünd unS Faken (Ferkel), in Stall is so kolt, un darüm h:ww wie bei Dinger im Beer (Bett) bröcht, bat sei uns nich verfreire." Plötzlich brang aus ber „Hölle" Hinterm Ofen ein Grunzen hervor. „Was ist denn das?" „Dat is unS Sög (Sau), bei hett sich „verfängt", un nu heww wie f in de Stuw, bett sei werre beter is."
* Ein französischer Häring. In seinen „Kriegs- und Garnisonerinnerungen", die bet Heinrich Meyer in Quackcn- brück erschienen sind, erzählt Theodor Schmidt, wie der Landwehrmann Knülle in Frankreich einen Häring kaufen will und dabei mit aller seiner Sprachkunst Schiffbruch leidet. Als wir das Trottoir deS Städtchens betraten — so schreibt ber Verfasser — fiel mir ein Delicatessenlaben auf, in dem Würste, Schinken, Käse unb dergleichen lagen. Knülle suchte draußen noch am Fenster nach etwas Anderem: „Wissen Sie, wat mir jetzt jut schmecken würde?" Als ich verneinte, fuhr er fort: „Ra, eenen sauren Harung, so'n rechten fetten mit ’n breiten Rücken!" Wir traten ein und seine Augen suchten im Laden nach einem Faffe, In dem sich jener gesalzene Bewohner des Meeres wohl befinden könnte. Der kleine Kaufmann, welcher sich von dem wtldbärtigen robusten Soldaten nichts Gutes versprechen mochte, fragte Knülle wiederholt mit ängstlicher Stimme: ,Qu’y a-t-il pour votre Service, monsieur ?“ was Jener gar nicht beachtete. Endlich drehte sich Knülle nach mir um. „IS nich, im
^Feuilleton.
c. b. Etwas vom Winter in Japan und einer Schlittenreise.
(Fortsetzung.)
Obgleich mir von meinem Dollmetscher ein ganz hübscher hako-sori angeboten worden war, konnte ich mich — gewitzigt durch die früheren Erfahrungen im Kago, einem für Europäer außerordentlich unbequemen Tragekasten nicht dazu entschließen, diesen Kaslenichlitten zu gebrauchen. Ich li>ß deshalb den Kasten einer Jinrikisha, d. h. eines zweirädrigen Fahrstuhls, deS nationalen Fuhrwerks der Japaner, auf Kufen feftbindcn, wozu sich die allen Neuerungen abholden Ninsoku nur unter besorglichem Kopfschütteln und stummen Widerstreben entschlossen. Beiläufig gesagt wird auch die Jinrikisha von Menschen gezogen, sie ist ein-, selten zweisitzig und heißt „Mannkraftwagen", weil sie durch die Kraft eines Mannes fortbewegt wird. Ein geschickter Stroh- stechter flocht mir ein Paar Strohstiefel, die ich Über die Stiefel anziehen konnte und die beinahe bis ans Knie reichten und dicht genug waren, um keinen Schnee durchzulassen- die Frau meines Kochs, die biedere 0-kamisan, machte mir einen Baschlik, dessen Muster ich selbst aus Papier ausgeschnitten, was mich heute noch stolz macht, obgleich ich fast fürchte, die Verzeihung aller Putzmacherinnen von Geschmack erbitten zu müffen. Punsch bereitete ich mir selbst, der Koch packte Conserven und Wein für 10 bis 12 Tage ein und so war ich bereit, dem Winter zu trotzen und bei ber ersten Gelegenheit die Reise anzutreten. Auf diese Gelegenheit hatte ich aber noch gründlich zu warten, denn Weihnachten verging, Neujahr wurde gefeiert, die heiligen drei Könige gingen vorüber und nicht ein, auch nur einiger- I
j maßen paffender Tag wollte kommen. Endlich am 23. Januar ' war die Witterung der Art, daß man für den folgenden Tag auf günstiges Wetter rechnen konnte und die für jeden denkbaren Witterungswechsel eingerichteten Ninsoku, d. h. eben die Leute, welche die geringe Hand- ober Beinarbeit thun, kamen am 24. mir ihren Schlitten an.
Ich' hatte 26 Ninsoku mit. Davon waren 7 bestimmt, mich als ben schwersten der Reisegesellschaft im Schlitten zu ziehen- mein Koch, ein Mensch, der halb so viel wog, wie ich, hatte drei Leute vor seinem hako-sori, ebenso viele der noch leichtere Dollmetscher Kido und jeder der beiden Gepäck- schlitten wurde von 4 Leuten gezogen- die übrigen 5 Ninsoku gingen als Ersatzmannschaft mit und waren mit Schaufeln und Hacken versehen, um unß im Falle der Noth den Weg durch den Schnee bahnen zu können.
Ich, als der Vornehmste der Gesellschaft, hätte nach strenger japanischer Ordnung an ber Spitze ber Karawane fahren müssen, ich änderte aber diese Ordnung dahin ab, daß die unbeschäftigten Leute vorangingen, damit sie mit ihren breitsohligen Strohschuhen, die überdies durch einen in eigenthümlicher Weise mit dem Schuh verbundenen Reif von fingerdickem Bambus, den Träger dieser Fußbekleidung vor allzu tiefem Einsinken in den Schnee bewahrten, einigermaßen Bahn treten sollten, dann folgten die beiden Gepäck- schlitten, nach diesen kam der Koch, hinter dem Koch der Dollmetscher und endlich ich selbst.^
So ging eS nun bei Hellem Sonnenschein durch den Schnee, denn ber 24. Januar hatte klar und hell begonnen, mit Leichenwagen Geschwindigkeit gen Süden. Ich saß in meinem Jinrikisha-Schlitten nicht übel, jedoch für die zu eng gestellten Stufen viel zu hoch und meine Leute, die den Schlitten drückten — es waren deren drei — während vier I zogen — hatten fortwährend bald von rechts, bald »oh
links zu stützen, damit der Schlitten nicht umfiel. Nach 41/2 Stunden kamen wir au den Fuß des ersten Paffes, den wir zu überschreiten hatten, des Okatsu-toge (toge heißt Paß) und hatten da erst einen Weg zurückgelegt, den man int Sommer in bis l*/< Stunden macht! Nach etwa einstündiger Raft ging es weiter. Die Leute hatten furchtbar zu arbeiten, denn über den Paß war feit einigen Tagen Niemand gekommen und noch Zicht einmal einzelne festgetretene Fußstapfen erleichterten den keuchenden, zerrenden, stoßenden und schiebenden Menschen die Mühe, dazu hatte sich wieder ziemlich starker Schneefall eingestellt, der uns, bis wir den Gipfel des etwa 300 Meter hohen Paffes erreichten, sehr belästigte.
Bergab ging eS kaum geschwinder, wie bergauf, denn die Leute mußten rückwärts den Berg heruntergeh:n, um sich gegen den Schlitten stemmend, diesen nicht zu schnell thalab schießen zu laffen. In einem solchen Falle würde sich der Schlitten möglicherweise Überschlagen haben und ich würde mit Gewalt von meinem Sitze geschleudert worden sein, vielleicht an einen Baum. So aber fiel ich ganz sanft in ben Schnee, wenn der Schlitten einmal zu tief nach der Seite einsank und keiner ber Leute schnell genug bei ber Hanb war, sich gegen ben Schlitten zu stemmen. Ich machte mir aus bem Umgeworfenwerben sehr wenig, ba ich O-kamisan’s Baschlik fest um ben Hals unb, in Voraussicht ber Wahrscheinlichkeit beS Umfallens, blc Aermel fest um das Handgelenk gebunden hatte und somit dem Schnee das Eindringen verwehrte. Ja, ich halte schließlich Freude an dem Um geworfenwerden, denn meine Ninsoku lachten immer so herzlich unb waren über ihre Leistungen im Umwerfen so entzückt, daß ich kaum verdrießlich sein konnte, wenn ich mich hie und ba im Schnee toteberfanb.
(Fortsetzung folgt.)


