Ausgabe 
6.1.1895 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

5jg5

r iw* Ausübung L°rftand/^ erein, «?«»« im c

sek

tieg slhank,

Jean Arnold. «T>g lstifches

279 e 10 Pfg.

MS-

ib Sönnern zur ge­mein Neubau

L7

en in mein Fach ein* 273

iphen. TBC

hlchrMn.

erriet.

. Januar. Damen

ItitsÄlttii

rituosen

LEO, Giessen.

pr.FL.42.oO

" 1 st eslmg) " " "

" " t

" " "//- idoc " " ,.U

rgeanx » " 18»

nahmen » " ' l8q

rach " * 2.

arnchX3a-" 2 60

ig-

b.Ram ,./i " [259

letren^t-

Aroma

J*yB2

Dollar **

Nr. 5 Erstes Blatt.

Sonntag den 6. Januar

1895

Der

Kleßener -«zelger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener

Isamitteuvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kmerat-Wnzeiger.

vierteljähriger «-tvonnemeutsprelsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrloha.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Kchukstratze Ar.7. Fernsprecher 51.

Aints- und Anzeigeblntt fiw den Tkveis Gieren.

chratisöeitage: chießener Kamitienötätter

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegm.

2lmtiid?er TKerl.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 2 Taschen­messer , 1 Ueberzieher, 1 Regenschirm, 1 Umhängetuch, 1 Stauchen, 3 Taschentücher, 1 Handtasche, 1 Handschuh, 1 Pferdeteppich, 2 Peitschen, 1 Koppetkette, 1 Hundehals* kette, 1 Hundehalsband, 1 Eissporn, 1 Perpendikel, 1 Gartenstuhl und Schlüssel.

Zugelaufen: 1 Hund.

Gießen, den 5. Januar 1895.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

DasBischen" Soeialreforur.

Im Reichstage und in Blättern, welche, obwohl sie an­geblich die Jnteresien der bürgerlichen Parteien vertreten, dennoch immer ein weniges zur Aufhetzung der Arbeiter bei­zutragen befi'ssen find, ist neuerdings wieder vielfach von dem Bischen" Socialreform die Rede gewesen. Die Unlust, etwas Ernsthaftes gegen die socialrevolutionären Umsturz- beftrebungen zu thun, weil man dadurch anPopularität" einbüßen könnte, verfällt, wenn nicht mehr zu bestreiten ist, daß der socialrevolulionäre Uebermuth unerträglich geworden ist, stets auf die Ausrede, man solle lieber die socialen Schäden" heilen, nicht die aus ihnen herrührendeBe­wegung" unterdrücken, mau müsiesehr energisch" Social- reform treiben, dasBischen" Versicherungsgesetzgebung sei der Rede gar nicht werth u. s. w.

Wie steht eS nun mit demBischen" Socialreform, daS in der Arbeiter Verficherungsgesetzgebung steckt?

Die Unfallversicherung ist seit dem 1. October 1686 in Kraft. Dieselbe hat an Entschädigungen geleistet: 1886 .... 1 915 366 Mk.,

1887 .... 5923930

1888 .... 9 681 447

1889 .... 14464203 1890 .... 20315319

1891 .... 26426377

1892 . . . . 32 340 177

1893 .... 38 160770

188693 149 230 589 Mk.

Die Entschädigungen drücken aber bei Weitem nicht das .Bischen" Socialreform auS, daS in der Unfallversicherung bezahlt wird. Reservefonds und Verwaltungsausgaben kommen hinzu, ersterer betrug Ende 1893 bereits lOO1^ Mill. Mk. Ma« hat also nicht allein die Entschädigungsausgabeu, son­dern die gesammten Einnahmen der Unfallversicherung ins Luge zu fasien, wenn man diesesBischen" wägen will. 1893 betrugen die Ausgaben für Entschädigung 58 pCt. der Einnahmen, 1892 nur 53 pCt., und zwar steigt dieser Procentsatz seit 1887 fortgesetzt. Wir rechnen also sehr un­günstig, wenn wir diesen Procentsatz von 1893 zu Grunde legen, da in früheren Jahren eine viel geringere Quote auf die Entschädigungen und eine viel höhere auf die VerwaltungS- Sosten rc. von den Einnahmen entfallen ist. Legen wir aber den Procentsatz von 1893 zu Grunde, so ergibt sich, daß vo« 1886 bis 1893 mindestens 257 Millionen Mk. für Uufallversicherungszwecke aufgebracht worden sind, und schätzen wir 1894 mit 44 Millionen Entschädigung und 71 Millionen Einnahmen, so sind bis Ende dieses Jahres, also in 8'/4 Jahren, 328 Millionen Mk. die Ausgabe der Nation, welche daSBischen" Unfallversicherung finanziell darftellt. Macht durchschnittlich 40 Millionen Mk. pro Jahr.

Für die Krankenkassen find die Einnahmen bis 1892 bekannt, für 1893 und 1894 müssen wir fie schätzen - dieselben betrugen:

1888 . . . 91 914 433 Mk.,

1889 ... 102 529 830

1890 . . . 114 588 315

1891 ... 120031 968

1892 . . . 124 283 140

188892 553 347 686 Mk.

Aach vorstehender Progression werden die Einnahmen -ier Krankenkassen für 1893 auf 128 uud für 1894 auf 133 Millionen geschätzt werden dürfen, so daß also 822 Mill. Mark für die sieben Jahre 18881894 anzusetzen wären. H^rvon fällt ein Drittel mindestens auf die Arbeitgeber tatsächlich viel mehr so daß sich daSBischen" Kranken­versicherung bisher auf 274 Millionen Mk. für die Unter* »ehmer belaufen hat, also jährlich durchschnittlich auf 44'/. Millionen.

Die Invalidität'-- und Altersversicherung rst seit 1891 in Kraft. 1893 betrug die Einnahme aus

. Beiträgen 89 892 206 Mk., 1891 bis 1893 zusammen 254 Mill. Mk., man darf also für 1894 gewtß auf 90 bis 91 Millionen Beiträge rechnen, so daß für die vier Jahre, seitdem diesesBischen" in Wirksamkeit ist, 345 Mill. Mk. seinen Werth darstellen. Hiervon zahlen nun zwar nominell die Arbeiter die Hälfte- thatsächlich liegt die Sache jedoch auch hier sehr viel anders. Da wir aber in keinem Falle zu viel rechnen wollen, so setzen wir nur 1721/2 Millionen ein, so daß jährlich dasBischeu" Jnvaliditäts- und Alters­versicherung als sociale Leistung deu Unternehmern 43 Mill. Mark kostet.

Seit Geltung der drei Arbeiterversicherungsgesetze sind also nach Abzug der gesetzlich auf die Ar bei t e r selbst entfallenden Beiträge bis Ende 1894 ge­zahlt worden

774 Millionen Mark oder 1271/4. Millionen Mark jährlich im Durch- schnitt!

In Preußen ist für 189394 das gesammte Einkommen aller zur Einkommensteuer veranlagten Zensiten also nur derjenigen, die über 900 Mk. Jahreseinkommen haben, auf 2756 Millionen Mark veranlagt worden, was, die gleichen Einkommens-Verhältnisse angenommen, für daS Deutsche Reich 4590 Millionen aus Einkommen über 900 Mk. ergeben würde. Es ist also vom gesummten Einkommen über 900.Mk. im Deutschen Reiche für diese Zwecke eine Quote verwandt worden, die doch nahe legen sollte, etwa- weniger gering­fügig von der Last zu reden, welche den Bessergestellten zu »Gunsten der arbeitenden Klassen socialresormatorisch auferlegt worden ist. Davon zu schweigen, daß sich andere und viel­leicht höhere Lasten dieser Art der statiftischeu Erforschung entziehen. (D. Volksw. Corr.)

Deutscher Reich.

Berlin, 4. Januar. Am Berliner Hofe sieht man im Laufe dieses Jahres, wie es heißt, noch des Frühjahrs, dem Besuche des russischen Katserpaares entgegen. Eine osfictelle Bestätigung der Nachricht steht indessen noch aus.

Berlin, 4. Januar. Kaiser Wilhelm hat dem Fürsten Bismarck auf dessen Neujahrsgratulation in einem Handschreiben gedankt. Die kaiserliche Antwort soll sehr huldvoll gehalten sein.

Berlin, 4. Januar. Der Kaiser vonJapan verlieh dem Kaiser Wilhelm das Großkreuz des Chrysan- themum-Ordens. Es ist dies die höchste japanische Ordensauszeichnung. Eine speclelle politische Bedeutung be­sitzt der Vorgang indessen wohl kaum, abgesehen davon, daß er Zeugniß für die ausgezeichneten Beziehungen zwischen Deutschland und Japan ablegt.

Berlin, 4. Januar. Die Blätternachrichten von neuen Reichstagsvorlagen über die Branntwein- und die Zuckerbesteuerung erfahren durch eine Mittheilung in den osficiösenBerl. Pol. Nachr." ihre Bestätigung. Das genannte Blatt schreibt u. A.:Die Vorbereitungen für beide Novellen sollen soweit gefördert sein, daß diese binnen Kurzem an den Bundesrath gelangen können. Bei der augenblicklichen Lage des landwirthschaftlichen Gewerbes ist anzunehmen, daß die in Rede stehenden Novellen sich weniger in der Richtung der Erhöhung der Einnahmen aus den beiden Productionszweigen zu Gunsten der Reichskasse, als vielmehr in der Richtung der Minderung des Preisdrucks bewegen werden, der in Folge der allgemeinen Lage des Weltmarktes, der Zahlung von Prämien seitens auswärtiger Staaten und der bei uns in Folge der Exportabnahme herrschenden Ueberprvduction eingetreten ist."

Neueste Nachrichten»

Wolffk telesraphtfcheS Correfpoabenz-Bureim.

Gotha, 4. Januar. Die Feuerversicherungsbank für Deutschland zu Gocha wird für das Jahr 1894 ihren Ver­sicherten einen Ueberschuß von 73 pCt. der Prämie zurückgewähren. Die Brandschäden waren im ab­gelaufenen Jahre sehr zahlreich.

Budapest, 4. Januar. Heute Mittag durchzogen arbeits­lose Tischlergehtlfen, verstärkt durch andere Arbeiter und Arbeitslose, demonstrativ unter Hochrufen auf die inter­nationale Socialdemokratie und Absingung der Marseillaise einige Straßen der Stadt. Nach 12'/a Uhr zerstreuten sich dieselben ohne Ruhestörung.

Kopeuhage», 4. Januar. Der Justizminifter hob heute alle Bestimmungen gegen Einschleppung ansteckender Krankheiten aus den Häfen Oft- und WestpreußenS auf.

Rom, 4. Januar. Eine heute erlassene Verfügung hebt die Verpflichtung zur ärztlichen Untersuchung und Desinfecüon der Schisse aus den deutschen Ostseehäfen, sowie aus den holländischen, belgischen und portugiesischen Häfen auf.

Loudon, 4. Januar. Von chinesischer Seite wird be­hauptet, daß die Japaner unter der Kälte stark zn leiden hätten.

Petersburg, 4. Januar. Die Amtsblätter veröffentlichen eine Verordnung, wodurch die Giltigkeit der Bestimmungen hinsichtlich der Verladung von ins Ausland auszuführen­den Kornes und Mehls in ausländische Säcke bis zum 1. Januar 1898 verlängert wird.

Sofia, 4. Januar. DieAgence Balcanique meldet: Im Processe Gjorgjew, der unter dem Regime Stam- bulows wegen angeblicher Mitschuld an der Ermordung Beltschews verurthetlt, später aber vom Appellgericht frei* gesprochen worden war, gelangte der Untersuchungsrichter zu der Schlußfolgerung, daß Stambulow an der Er­mordung Beltschews betheiligt sei. Damit war die Aufgabö des Untersuchungsrichters beendigt. Er trat vorgestern die bezüglichen Actenstücke an den Platzcomman- bauten ab, der dieselben dem Kriegsminister übermittelte. Dieser wird die Acten untersuchen laffen und wenn die An­zeichen für die Schuld Stambulows gravirend find, die Angelegenheit dem Untersuchungsrichter des Geschworenen­gerichts überweisen. Die Meldung, daß man Stambulow gegenwärtig verhaften wollte, ist derAgence Balcanique" zufolge unbegründet. Die Verhaftung könnte ausschließlich das Ctvilgericht veranlassen.

Depefchm bei Bure«»Herold*.

Berlin, 4. Januar. Das Staatsministerium hat heute Nachmittag in der Amtswohnung des Reichskanzler­unter Anwesenheit des Kaisers eine Sitzung abgehalten. Auf der Tagesordnung stand nach derPost" die Berathung deS Gesetzentwurfs, betr. die Stempelsteuer.

Berlin, 4. Januar. DiePost" bezeichnet die Meldung eines Elberfelder Blattes, wonach Fürst Hohenlohe das Reichskanzleramt nur unter der Bedingung übernommen habe, daß nach Erledigung der Umsturzvorlage und des Steuer* gesetzentwurfs ein Wechsel in der Besetzung des Kanzlerpostens stattfinden solle, als unrichtig.

Berlin, 4. Januar. DieNordd. Allgem. Zig." be­zeichnet die Meldung desStuttg. Beob.", wonach die Re­form des Militärstrafprocesses aus unbestimmte Zeit vertagt fei, als erfunden.

Berlin, 4. Januar. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge beruhen alle Blättermeldungen über die Aussichten der Tabaksteuer-Vorlage auf Combinationen. Im BundeS- rathe habe eine Berathung deS Entwurfs des ReichSschatzamtS bisher nicht ftattgefunden.

Berlin, 4. Januar. Die Nachricht, daß Landgerichts- director Brausewetter in Berlin für den erledigten Posten eines Landesgerichtspräsidenten in Gnesen in Aussicht ge­nommen fei, wird derPost" als unrichtig bezeichnet.

Berlin, 4. Januar. In einer gestern Abend hier tagenden, sehr zahlreich besuchten Versammlung der Brauereiarbeiter sprach der Brauereiarbeiter Schneider über die Lage der Opfer deS Boycotts. Der Redner führte aus, daß die Brauereiatbeiter über den Verlauf der Ver­mittelungsverhandlungen gänzlich im Unklaren gelassen worden seien, so daß, als Singer mit Rösicke Frieden geschloffen hatte, Niemand überraschter gewesen sei, als Diejenigen, über deren Schicksal entschieden worden ist. Es gelte, nunmehr energisch Front zu machen gegen die Ausschreitungen der Arbeitgeber. Das Statut des Arbeitsnachweises sei für die Brauereiarbeiter geradezu verderblich. Hierauf ergriff der Delegirte der GewerkschastS-Commission, Millarg, das Wort, um etwa Folgendes zu erklären: Die Arbeiter Deutschland- hätten für die Brauereiarbeiter viel Geld aufgebracht und sie in jeder Weise energisch unterstützt. Die Boycottirten seien undankbar, fie oppontren ständig, nehmen aber die Arbeiter- Groschen sehr gern. Es entstand hieraus ein furchtbarer Tumult, so daß sich der Vorsitzende veranlaßt sand, die Versammlung zu schließen, um der polizeilichen Auflösung vorzubeugen.

Berlin, 4. Januar. Von zuverlässiger Seite wird be­tätigt, Herr von Levetzow habe neuerdings wiederum die bestimmte Absicht geäußert, das Präfidtum des Reichstags niederzulegen. Von conservativer Seite ist man angelegen» lichft bemüht, Herrn von Levetzow von der Ausführung dieses Entschlusses zurückzuhalten.

Berlin, 4. Januar. Die Ueberfiedelung des kaiser- lichen Hofe- vom Reuen Palais nach de« Berliner