Ausgabe 
5.4.1895 Erstes Blatt
 
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Freitag dm 5. April

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Erstes Blatt

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Aints- und Anzsigeblatt siiv den Areis Gieren

Gratisbeilage: Gießener Kamilienbtätter

Feuilleton.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

Alle die Factoren, welche zur Formung einer Geistes, effenz beitragen, werden von ihm auS psychologischen Gründen ausgespürt und in die richtig? Beleuchtung gesetzt.

Gerade bei einem Dichter, der wie Niebergall an daß

wenn man Folgendes lieft:

Wo die ersten Hügel des Odenwaldes sich aus der wettgedehnten Rhein Main-Ebene in sanften Schwellungen zu erheben beginnen, liegt in einem erquickenden Kranze grüner Wälder die Residenz der Hesien-Darmstädtischen Fürsten. Von den höher gelegenen Stadttheilen schweift der Blick nach Norden und Westen über die ungeheuren Flächen, auf denen finstere Ktefernforste mit fruchtbaren Rodungen und zahl« losen schimmernden Dörfern und Städtchen in seltsamen Umriffen und Schaltirungen abwechseln, bis im Westen daS blitzende Silberband des Rheines und die gelblich weißen Kalkwände seiner jenseitigen Rebenufer, gen Süd-Westen der von sanftem Blau umhauchte, mächtige Donnersberg den Horizont abschließen. Im Norden und Nord-Westen gleitet daS Auge Über die anmuthigen, vornehmen Berglinien des Taunus, der sich dort, vou einem herrlichen Violett übergossen, zu be­deutender Höhe über die Ufer deS Rheines emporreckt. Nach Süden hin dehnt sich das Flachland der Bergstraße entlang. Em unerschöpflicher Reichthum landschaftlicher Reize entsteht durch diesen jähen Coutrast zwischen den kühn sich erhebenden Bergesreihen und! der inS Ungewisse und Unendliche dahin« gebreiteten Ebene. Der Odenwald selbst tritt im Süden dicht an die Stadt heran, welche inzwischen schon hoch an

(Nachdruck verboten.)

E. M. Die persönliche Bekanntschaft von Georg Fuchs machte ich, als er mir feinNibelungenlied" überreichte, ein Festspiel, das unter Zugrundelegung des Urtextes für musikalische und plastische Bilder arrangirt worden ist, zum Zweck volkSthümlicher Wirkung. Mit der Musik von Karl Pottgießer ist daS FuchS'sche Libretto über einige Bühnen gegangen und hat sich einer sympathischen Aufnahme erfreuen

Tcr deutsche Handel und die Silberwährung.

Bei dem Streite um die Beseitigung der Goldwährung und die Einführung der Doppelwährung kommt unter anderen Umständen hauptsächlich auch der Einfluß der Silberwährung auf Deutschlands Handel in Betracht. Da Deutschland die Goldwährung besitzt, so hat naturgemäß nur die Silber« Währung deS Auslandes Einfluß auf den deutschen Handel. Hier muß nun allerdings zugegeben werden, daß in allen den Fällen, in welchen die StlberwährungSländer, also Indien, tzhina, Japan, Mexiko, Peru und die centralamerikanischeu Staaten ihre Waarenbezüge auS Deutschland mit Wechseln in kbilberwährung bezahlen, daS Geschäft äußerst gefährlich für ben deutschen Fabrikanten und Kaufmann ist, denn sinkt während der Laufzeit des Wechsels (also in 3 bis 6 Monaten) dec Stlberpreis, so hat der deutsche Handel den Schaden. Nack den Erfahrungen der letzten Jahre ist nun aber der Silberpreis in stetigem Sinken begriffen, also ist ohne jeden Zweifel eine Misere für den deutschen Handel mit den Silber- Ländern bei dem Verkaufe deutscher Maaren vorhanden. Sehr günstig ist aber die Position des deutschen Handels, wo er tn den Silberländern als Käufer ausländischer Rohproducte nab fertiger Maaren auftritt, denn dann hat der deutsche Handel in der Hand, in der dort üblichen sehr niedrigen Silberwährung den Preis zu machen und mit Hülfe der einheimischen Goldwährung vorher baß Silbergeld billig zu kaufen. Da indessen dadurch keineswegs ein vollständiger Ausgleich für die Maaren ausführenden Industriellen und Kaufleute geschaffen wird, so wäre eine Hebung oder Be- Zeitigung der Silberwähruug in den genannten Ländern sowoh im Interesse dieser Länder selbst als auch im Jntereffe deS

seinen Vorhügeln hinangeklettert ist. Wie ein Amphitheater reihen sich hier die Berge empor, durchquert von lachenden Wiesenthälchen und von kühlen Laubwäldern umrauscht, welche sich östlich der Stadt fortsetzen und endlich als herrschaftlicher Wildpark weit gegen Norden erstrecken. Hier gibt es noch stille Stunden unentweihter Einsamkeit, noch geheimnißerfüllte Schatten, kühle, erquickende Schauer. Hier kann mau noch unter uralten Eichenstämmen sich auS- strecken und in den blauen Himmel hinetmräumen ohne jede Störung, ohne jede Ablenkung des Seelenlebens, daS wie das heilige Waldesweben ungehemmt durch die Brust fluthet. Doch auch die Ebene ist schön! Nicht nur für die Radfahrer unserer Tage, sondern auch für daS Auge des Künstlers. Sie hat in ihrer scheinbaren Monotonie, welche sich dem tiefer dringenden Blicke sofort als eine unergründliche Mannig­faltigkeit offenbart, mit ihren ungemeffenen Horizonten, ihren grellen Lichtern und unruhigen Schatten eine große Aehnlichkeü mit dem Meere. Selbst wenn die Nebelmaffen darüber wogen, wirkt sie groß, selbst wenn die freie Mittagssonne sie in goldener Ruhe fistelt, wird das Auge nicht satt, ihren Geheimnissen nachzuspüren. Braust aber der Sturm darüber hin und wühlt in den Tannenforsten, hebt gigantische Sand­säulen und peitscht die schrägen Regenstrahlen vor sich her, dann offenbart sich uns die Macht der dahinjauchzende« Naturkräfte. Ohne Gleichen ist aber die majestätische Pracht, welche das Abendroth, namentlich im Herbste, über die Flächen flammt."

Absichtlich verweilt Fuchs so lange bei der landschaftlichen Umgebung, weil hier das Gebiet liegt, in welchem zur Naturcontemplation befähigte Geister, wie Niebergall, zu einem neuen Mittel ästhetischer Wirkung, zur Kunst der Stimmungsmalerei in Form des Milieus gelangen konnten. Landschaften mit mäßigen Contrasten, mächtigen Lichtbahnev, warmen, weichen Formen, die bald durch herbe Melancholie, bald durch blitzende Heiterkeit stets aufs neue reizen «nd locken, daS sind die Gefilde der StimmungSmaler.

(Schluß folgt.)

Vierteljähriger AöouarmeutspreiLr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch dir Post bczogar 2 Mark 50 Pfg.

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SLnkSratze Är.7. Fernfprecher 51.

dürfen.

WaS mir bis dahin von Georg Fuchs zugegangen war, bestand in dem modernen MärchenDie Dornenkrone" Damm, Dresden), zu deffen eigenthümlicher Symbolik ich i trotz der warmen Empfehlung eines jungen Germanisten, der vor Kurzem in der wissenschaftlichen Welt mit einer höchst werthvollen Arbeit überGermanische Werbungssagen"*) bebntirt hat, keine innere Stellung gewinnen konnte. Sym-

physische und sociale Klima seiner engeren Heimath gebunden bleibt, ist der locale Hintergrund, den man bei seinen Ge« ftalten voraussetzen und ergänzen muß, nichts Untergeordnetes.

Das LandschastSbiid Darmstadts ist in der Schilderung moderner Feuilletonisten, die aus ihm meist nur Oede und Langeweile herauslasen, selten gut weggekommen. Georg , Fuchs holt das Versäumte nach und zwar vom Standpunkte : des Dichters, nicht von dem des Localpatrioten aus.

DaS ist kein todter Bädeckerstil, keine nüchterne Auf- ? zählung von Naturgegenständen, das ist in Wahrheit baß j Aufrollen eines weiten Panoramas.

Auf einen Höhenpunkt, von wo sich Rundschau halten laßt, fühlt man sich unwillkürlich mit dem Schilderer versetzt,

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Neueste Nachrichten»

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 3. April. Wie die Morgenblätter melden, wird der Börsenreform « Gesetzentwurf den Bundesrath in seiner nächsten Sitzung beschäftigen und zunächst den AuS« schaffen überwiesen werden. Der Entwurf soll noch in dieser Tagung dem Reichstage zugehen.

FriedtichSruh, 3. April. Fürst Bismarck hat eine verhältnißmäßig gute Nachtruhe gehabt. Er befindet sich sehr wohl. Heute und in den nächsten Tagen findet keinerlei Empfang statt.

Posen, 3. April. Die Warthe ist fortdauernd im Steigen und hat bereits die Höhe von 4,70 Meter er« reicht. Ein Theil der Unterstadt ist überschwemmt- der Ver« kehr wird dort theilS durch Laufbrücken, theilS durch Kähne aufrecht erhalten. Die aus ihren Wohnungen infolge des Hochwaffers vertriebenen Familien werden in der Cholera- Baracke am Centralbahnhofe untergebracht. Man hofft, daß baß Wasser heute Abend zum Stehen kommt. Von Pogor« ze lic e wird bereits ein Fallen des Wasserstandes um 12 Cm. gemeldet.

München, 3. April. Me'dicinischer Congreß. In der heutigen Vormittagssitzung wurde über die Etsentherapie verhandelt. Als Referent fungirten die Herren Bunge (Basel) und Quinke (Kiel). Es entwickelte sich eine sehr lebhafte Debatte, in der allgemein die Ansicht zum Ausdruck gelangte, daß die medicamentösen Eisenpräparate das beste Mittel gegen die Bleichsucht und anämische Zustände seien.

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1 Einhorn.

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pathisch berührt hatten mich dagegen einige Aufsätze von Fuchs über den Darmstädter Maler Heinz Heim.

Und nun halte ich seine Herausgabe der dramatischen Werke deS Ernst Elias Niebergall (Darmstadt, Verlag Arnold Bergsträßer) in Händen, welche mit einem Vorwort, bej». einer Einleitung versehen ist, die als die Kundgebung eines nicht gewöhnlichen Kopfes gelten muß.

DaS Bild Ernst Elias NiebergallS, der unter ben» Namen©treff" schrieb, ersteht dem Herausgeber auf einer breiten Culturgrundlage, die von ihm einmal in ihrem Anfich und sodann in ihrer Beziehung zu dem Dichter charaeterisirt wird. Es ist die wiffenschaftliche Methode Taine'S, der wir in diesem biographischen Versuch deS Georg FuchS begegnen, einem Versuch, deffen lichtvolle Klarheit dem noch jungen Autor die Anwartschaft auf den Rang eines erste« Effahisten fichett.

) Germanische WerbmigSfage«. I. Hag Dietrich. Jarl Noolloni«S von Dr. Karl WolsSkehl. (Darmstadt, A. Bergsträßer.)

deutschen, bez. auswärtigen Handels. Da nun aber vorläufig nicht daran zu denken ist, daß alle Staaten der Welt sich über die Doppelwährung oder auch nur über eine Münz­convention zur Hebung des Silberpreises verständigen, so wäre es sehr wünschenSwerth, wenn England, Deutschland, Frankreich und Nordamerika den Staaten mit reiner Silber­währung gegenüber zur Einführung von Münzresormen und Münzconventionen riethen und entsprechenden Einfluß übten, denn wir glauben, daß erst dann in der verwickelten MährungS- frage etwa» Ersprießliches geschehen kann, wenn die Silber­länder etwa nach der Art der Lander der latemischen Münzconvention ihre Währung und ihre Finanzen verbeffert haben.

In der Nachmittagssitzung wurde die (Erörterung über ble Heilserum-Therapie zu Ende geführt. Der Character der Debatte war der gleiche, wie am ersten Tage der Ver­handlung. In seinem Schlußworte stellte der Reserent Heubner als Ergebniß der Verhandlung fest, es seien sämmt« l,che Redner, die über ein größeres Material verfügen, zu der Ueberzeugung gelangt, daß überall von dem Augenblicke an, wo die Heilserum-Behandlung begonnen habe, die Sterb­lichkeit an Diphtherie bedeutend gesunken sei, ohne daß daß neue Heilmittel nennenSwerthe schädliche Nebenwirkungen habe. Es set deßhalb Pflicht der Aerzte, die Versuche nut dem Heil« serum fortzusetzen.

Lemberg, 3. April. In ganz Galizien herrscht seit gestern Schneefall. Die Felder sind neuerdings meterhoch mit Schnee bedeckt. Die Feldarbeiten werden dadurch em- pfindlich verzögert. ,

Nom 3. April. Heute stürzte tn Montepulctano, Provinz Siena, der Südtheil der alten Festung ein. Mehrere Häuser wurden beschädigt und eines zerstört. Em Kind wurde getödtet, drei Personen verwundet und zwei werden vermißt.

Brüssel, 3. April. In den Wandelgängen der Kammer kam es nach Schluß der Sitzung zu einem lebhaften Zwischenfall. Der katholische Deputirte Helleputh wandte sich an den Socialisten Defuisseaux mtt ben Worten Betrachten Sie sich geohrfeigt. (Großer Lärm) Es folgten Thätlichkeiten zwischen mehreren Deputirten, bte Saaldiener mußten einschreiten. Es find mehrere Forderungen gefallen.

Paris, 3. April. Bei Berathung deS Marine- budgets erklärte der Marineminister, die Eröffnung deS deutschen Nord-Ostsee Canals mache eine Verstärkung unseres Nord Oftsee-GeschwaderS nöthig. Sobald der Nord Ostsee- Canal schiffbar ist, muffen wir unsere Flotte auf dem Kriegsfuß haben. DaS hölzerne SchiffSuffren" wird durch das stählerneHoche" ersetzt werden, ebenso zwei Küsten.Wacht« schiffe durch zwei andere bedeutend stärkere.

London, 3. April. Am Donnerstag wird hier eine Konferenz von Unternehmern deS Schuhmacher­gewerbes stattfinden, um darüber zu berathen, wie der Streit mit den Arbeitern geschlichtet werden könne.

London, 3. April. DieT-mes" meldet aus Hong« kong: In Santon werden 3000 Freiwillige für

Der -teßener *«jtiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag-.

Dir Gießener yemUlenmtttr werden dem Anzeiger Döchentlich dreimal deigelegt.

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Gießener Anzeiger

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Anrttichcr Theil.

Nr. 12 des Reichs - Gesetzblatts, ausgegeben ben 80. v. M., enthält:

(Nr. 2224.) Bekanntmachung, betreffend die herein« barung erleichternber Vorschriften für ben wechselseitigen Ver­kehr zwischen ben Eisenbahnen Deutschlanbs und Luxemburgs. Vom 29. März 1895.

Gießen, ben 3. April 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

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