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05/02/1895 Erstes Blatt
 
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Dienstag den 5. Februar

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Erstes Blatt.

1895

Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

Amts» und Anzeigeblatt für den "Kreis (fließen

Redaction, Expeditioff und Druckerei:

SchulNraße Ar.B.

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vierteljähriger A5onncmelltst>rei«r 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. 1 Durch die Post bezog»»

2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener A»«»ikten0lätter »erden dem Anzeiger »schmllich dreimal beigeiegt.

Der ^tetener Auzelger erscheint täglich, »it Ausnahme deS Montags.

Gratisöeitage: Gießener Kamilienökätter.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtliche»» Theil.

Gießen, den 1. Februar 1895. vetr.: Die Jahresübersichten und Rechnungsabschlüsse der Krankenkassen; hier für das Jahr 1894.

Da- Sroßherzogltche Kreisamt Gießen «* die Grosth. Bürgermeistereien, die Verwal­tungen der Gemeiodekrankenversicherungeu, die Vorstände der eingeschriebenen Hülfskassen und der Betriebs- (Fabrik-) Krankenkasse der Maiu- Weserhürte zu Lollar.

Unter Hinweis auf die Bekanntmachung Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 23. Dezem­ber 1892 abgedruckt in Nr. 34 des Großherzogl. Regie­rungsblattes vom 30. Dezember 1892 und mit Bezug auf die Verfügung vom 28. Januar 1893 Anzeiger Nr. 28 erinnern wir daran, daß bis zum 31. März r Js. die nach den §§ 9 und 41 des Krankenversicherungs- -esetzes bezw. nach § 27 des Gesetzes über die eingeschrie­benen Hülfskassen zu liefernden Nachweisungen (Jahresüber- sichten und Rechnungsabschlüsse) eingericht sein müssen.

Indem wir Ihnen empfehlen, hiernach die Ausarbeitung ber fraglichen Nachweisungen baldthunlichst vorzunehmen, machen wir gleichzeitig auf Folgendes aufmerksam:

1. Die Nachweisungen sind in zweifacher Ausferti­gung einzusenden und ist hierzu das durch BundeSraths- beschluß vom 3. November 1892 vorgeschriebene Formular welches in der Schreibmaterialienhandlung von W. Klee dahier erhältlich ist zu verwenden.

2. Die Zahl der zu Anfang 1894 vorhandenen Mit­glieder muß gleich sein derjenigen, welche zu Ende des Jahres 1893 vorhanden war.

3. Der baare Kassevorrath am 31. Dezember 1894, wie ein solcher sich aus dem Rechnungsabschluß (Formular II) ergibt, muß im Vermögensausweis (Rückseite des Formu­lars) unter pos. A 1 a in der gleichen Höhe erscheinen.

Bezüglich der Gemeindekranken-Bersicheruugeu bemerken wir weiter:

4. Unter pos. A 2 a (Passiva) sind nicht nur die im ; Jahre 1894 geleisteten, sondern alle seit Bestehen der Krankenversicherung bis Gnde 1894 aus der Ge­meindekasse gemachten Vorschüsse in einer Summe einzutragen.

5. Die Rechnungen dürfen infolange nicht mit einem baaren Reste abschließen, als noch Vorschüsse an die Ge­meindekasse zurückzuerstatten sind; ein etwaiger Ueberschuß ist j in diesem Falle zur Tilgung solchen Vorschusses an die Ge- i meinbftaffe abzuführen.

Hinsichtlich der, auf Erfordern einer anderen Gemeinde­krankenversicherung, an die bei dieser versicherten, außerhalb deren Bezirks wohnenden Mitglieder gezahlten Krankengelder rc. (Vorlagen für andere Kaffen) setzen wir voraus, oaß die Buchung solcher Unterstützungen gemäß der Ihnen durch unser Amtsblatt Nr. 5 vom 28. Mai 1894 gegebenen An­weisung richtig erfolgt ist und daß auch in dieser Beziehung die statistischen Nachweisungen richtig aufgestellt werden.

Im Uebrigen wird die Beachtung der am Fuße des Formulars für die Nachweisungen abgedruckten Anmerkungen empfohlen und sorgfältigste Aufstellung der Uebersichten er­wartet, damit Rücksendungen behufs Ergänzung derselben möglichst vermieden werden.

v. Gagern.______

I Bekanntmachung,

betreffend Ausbruch der Maul- und Klauenseuche.

Die Maul- und Klauenseuche im Kreise Darmstadt ifl erloschen.

Gießen, am 2. Februar 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. G a g e r n.

Bekanntmachung, betreffend die Errichtung von Stammzuchtvereinen durch die Gemeinden nach den Vorschlägen des Oecon.-Rath Müller, Darmstadt.

Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger in Alsfeld ivürd Vorträge über die Errichtung von Stammzuchtvereinen dturch die Gemeinden nach den Vorschlägen des Herrn Oeco- lo-mieraths Müller zu Darmstadt halten.

1) Samstag bett 9. Februar l. I., Abends 8 Uhr in Steinbach im Saale des Herrn Gerhard (jiim Ritter).

2) Sonntag den 10. Februar l. I., Nach­mittags 3 Uhr in Reiskirchen im Saale des Herrn - Guntrum.

3) Samstag den 16. Februar I. I, Abends 8 Uhr in Grünberg im Englischen Hof.

Zu diesen Vorträgen werden alle Mitglieder des land- wirthschaftlichen Vereins und der landwirthschaftlichen Kränz­chen und alle Freunde der Landwirthschaft ergebenst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister der genannten und der be­nachbarten Gemeinden werden hierdurch ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken.

Falls derartige Vorträge in noch anderen Gemeinden gewünscht werden sollten, so sieht man den Anträgen der Herrn Bürgermeister alsbald entgegen.

Gießen, den 2. Februar 1895.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Carl Jost.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Februar. Wie verlautet, hat der Kaiser selbst die erste Anregung gegeben zu der großen Sub- scription für die Hinterbliebenen derElbe"-Katastrophe, für welche StaatSmirnster v. Bötticher den Vorsitz über­nommen hat. Das Kaiserpaar soll auch bereits eine größere Summe aus der Privatschatulle dem Comite zugewendet haben.

Es steht jetzt fest, daß, wie der Bau des Nordostsee- Canals von Reichs wegen ausgeführt worden ist, auch die Verwaltung des großartigen Wasserweges nach seiner Vollendung dem Reiche übertragen werden soll. Preußen wird, wie diePost" hört, nur die Polizeiaufsicht auf Kosten des Reiches sühren. Da sich die Sache auf dem Verwal­tungswege regeln läßt, werden diesbezügliche Vorlagen an die Parlamente nicht erwartet.

Wie dieVoss. Zig." hört, wird demnächst eine Versammlung von hervorragenden Männern der Wiffen- schaft, Litteratur und Kunst abgehalten werden, um ent­schiedenen Einspruch gegen die Umsturzvorlage zu erheben. Zu den Veranstaltern dieser Kundgebung gehören Mitglieder der verschiedensten Parteien.

Der antisemitische Reichstagsabgeordnete Dr. Böckel hat auf eine Einladung zum Diner beim Kriegs­minister in einem Schreiben an den Letzteren geantwortet, er danke für die Einladung, nehme dieselbe aber nicht an, weil er angesichts der allgemeinen Nothlage des deutschen Volkes erst recht ein Gegner neuer Marinevorlagen ge­worden sei.

Diejenigen Postsendungen nach Amerika, welche dem PostdampferElbe" am 30. Januar in Southampton hätten zugeführt werden sollen, wurden nach dem Untergang des genannten Dampfers auf Ersuchen der Reichs-Postoerwaltung von der englischen Postverwaltung mit dem am 3. Februar von Queenstown nach New Aork abfahrenden PoftdampferUmbria" weiterbefördert.

Frankfurt a. M., 2. Februar. DieFrkf. Ztg." meldet aus München: In der clericalen Provinzpresse macht sich eine lebhafte Opposition gegen die Behandlung des § IHa der Umsturzvorlage durch das Centrum geltend. Es wird von den bayerischen Centrvmsabgeordneten direct verlangt, die Wege des preußischen Cmtrums nicht mit­zugehen, ferner wird davon gesprochen, daß im Anschluß an das Gebühren des Centrums in der Umsturzvorlage wieder der Ruf nach einer Trennung vom preußischen Centrum laut werde und in den weitesten Kreisen Anklang finde. In den leitenden clericalen Kreisen Bayerns stimmt man dagegen dem Vorgehen der Umsturz Commission zu.

Braunschweig, 2. Februar. In der heutigen Sitzung des Landtages gab Staatsminifter Otto der Hoffnung Ausdruck, daß der Reichstag die Tabaksteuervorlage annehmen und daß dadurch der Unsicherheit, die das jetzige finanzielle Verhältniß des Reiches zu den Einzelstaaten für die finanziellen Verhältnisse der letzteren mit sich bringe, ein Ende gemacht werde. Diese Unsicherheit habe bisher den Ersatz der braunschweigischen Personalsteuer durch eine Ein­kommensteuer verhindert.

Bremen, 2. Februar. Das Bösmann'sche Telegraphen- bureau meldet: Die geretteten Offiziere und Mannschaften von derElbe" find heute hier eingetroffen und befinden sich augenblicklich zur Vernehmung im Bureau des Nord- deutschen Lloyd. Näheres über die Vernehmung liegt bisher nicht vor.

Straßbnrg, 2. Februar. Sicherem Vernehmen nach ist die Zeitungsnachricht unbegründet, daß der UnterstaatS- fccretär Zorn von Bulach im Reichstagswahlkreise MolS- heim Erstetn wieder candidirt.

Ausland.

Paris, 2. Februar. Die Blätter geben alle ihrer Ver­wunderung darüber Ausdruck, daß die vom Senat angenommene Amnestie-Vorlage gestern noch nicht im osficiellen Organ erschienen sei. Man erwartet heute die Veröffentlichung derselben. Jedenfalls gedenkt Rochefort am Sonntag in Paris einzutreffen.

Paris, 2. Februar. DerNew-York Herald" meldet aus Shanghai, das japanische Parlament habe durch Accla- mation alle Militärforderungen und Credite angenommen, wie lange auch der Feldzug noch dauern möge.

Paris, 2. Februar. Die Brester Hafenbehörde hat Befehl erhalten, den DampferFtnistere" zur Dispofition zu stellen, um am 22. Februar mit einer Anzahl Anar­chisten und dem Excapitän DrehfuS, sowie mit einer bedeutenden Ladung von Lebensmitteln und Maschinen für die französische Strafkolonie, nach den Salutinseln abzudampfen.

Loudon, 2. Februar. Nach einem Telegramm au« Shanghai ist Graf Ito beauftragt worden, mit dem chinesischen Bevollmächtigten die Friedensverhandlungen weiterzuführen. Nach der Ansicht des Grasen stehe der Friedensschluß bevor.

Loudon, 2. Februar. Eine schreckliche Gasexplosion, wodurch fünf Personen schwer verletzt wurden, ereignete sich gestern Abend auf der Southwaikbrücke.

London, 2. Februar. Fo st e r, Mitglied des Parlament- für Lowestoft, erhielt nachstehendes Telegramm Seiner Majestät deS Kaisers Wilhelm: Berlin, 2. Februar. Ich danke Ihnen aufrichtig für die im Namen der Wähler Lowestofts Mir gütigst ausgesprochene Theilnahme anläßlich der schrecklichen Katastrophe derElbe". Ich bin überzeugt, daß die Bewohner der britischen Hafen Alles, was in ihrer Macht steht, gethan haben und thun werden für die armen Überlebenden, deren Zahl leider so klein ist. Wilhelm I. L.

Loudon, 2. Februar. Die Aussagen der Offiziere und Mannschaft derElbe" vor dem deutschen Consul werden streng geheim gehalten. Die Hoffnung, daß noch mehr Ueberlebende gerettet worden find, ist jetzt aufgegeben. An keinem Hafen der englischen Ostküste ist Kunde von einem Rettungsboot etngelaufen. Mehr als ein Dutzend Fischer­boote sind zurückgekehrt, ohne eine Nachricht über die Ver­mißten zu bringen. Der Viceconsul Bradbeer in Lowestoft hat eine Bekanntmachung erlassen und 50 Pfd. Slerl. Be­lohnung für die Auffindung der Leiche des Walter Schnell, eines Passagiers der Elbe, ausgesetzt. Der Dienst de- Norddeutschen Lloyd erfährt keinerlei Beschränkung, da sofort ein Reservedampfer für den Verkehr nach Newyork eingestellt worden ist.

Nerieste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 3. Februar. Die ZeitungPost" meldet: Die Polizei entdeckte gestern im Keller eines Hauses Wallner- theaterstraße eine geheime Patronensabrik. Man sand vierzehn Gentner Pulver vor, sowie eine große Menge leerer und gefüllter Patronenhülsen, welche beschlagnahmt wurden, die Arbeiter wurden sistirt, später wieder entlaffen. Gegenüber abenteuerlichen Gerüchten constatirt diePost", daß lediglich eine schwere Übertretung der Polizeivorschriften über Sprengmittelgebrauch vorliegt, die jedes poetischen Bei­geschmacks entbehrt. Der Waffenfabrikant Knaatz hatte von einer Hamburger Exportfirma eine große Patronenlieferung für Südamerika speciell Montevideo übernommen und die Anfertigung derselben an vier hiesige Büchsenmacher vertheilt, welche, ohne polizeiliche Erlaubniß eiuzuholen, heimlich arbeitete«. Auch die drei übrigen Werkstätten sind entdeckt.

Paris, 3. Februar. Das Leichenbegängniß des Marfchalls Canrobert wurde heute Mittag unter sehr zahlreicher Betheiligung abgehalten. Der Trauerzug verließ das Sterbehaus um 11 i/2 Uhr Vormittags. Die Garnison von Paris bildete Spalier. Die osficiellen Persönlich­keiten hatten sich direct nach dem Jnvalidendom begeben. Unter den Kränzen wurden besonders bemerkt diejenigen der aus­ländischen Souveräne, der italienischen Colonie und deS russischen Heeres. Während der Zug die Straßen passirte, entblößte die dichtgedrängte Menge ehrfurchtsvoll das Haupt. Nach der Ankunft des Zuges mit der Leiche des Marschalls Canrobert in der Jnvalidenktrche fand ein feierlicher Gottes­dienst statt, dem die Angehörigen CanrobertS, die Minister : und Generäle, das diplomatische Corps, der Erzbischof von i Paris und die Spitzen der Behörden beiwohnten. Der Sarg 1 wurde sodann in den Ehrenbahnhos gebracht, wo der Kriegs-