wird zur Zeugenvernehmung geschritten. Der erste Zeuge Johanne- Hahn III. mußte gleich wegen Ungebühr (er war etwas angetrunken) und bevor er vereidigt wurde, zur Verbüßung einer eintägigen Hastftrafe abgeführt werden. — Die zweite Zeugin Wittwe Nau II. von RüddingS- hausen bezeugt, daß, wie sie schon in Homberg vor den Schöffen bekundet, Johannes Hahn III. gerade au dem Tage, an welchem er den groben Unfug verübt haben soll, schwer betrunken und steif gefroren ihr tnS HauS gebracht wurde- nachdem er sich einigermaßen erholt, hat sie den» selben in dessen Wohnung geleitet, sie hat ihn theilweise geführt, er hat nicht gelärmt und geschimpft, sondern sei ruhig und ohne lauter zu sprechen, als man dies gewöhnlich thue, an des Angeklagten HauS vorbei über die Straße gegangen. Hahn IL hat, in seiner Wohnung augekomwen, begonnen, sich zu entkleiden, um sich ins Bett zu legen, worauf ihn die Zeugin verlassen hat. — Frau Dietz II., welche ganz in der Nähe war, als Frau Nau den Hahn führte, hat diesen nicht lauter sprechen hören, als man gewöhnlich spricht. — KaSpar Rieb von RüddingShausen bat am fraglichen Abend Frau Nau mit Johannes Hahn nach dessen HauS gehen sehen, er war stark angetrunken. JohS. Hahn hat auch später keinen Lärm auf der Straße verübt, denn sonst hätte der Zeuge, welcher Nachbar ist, dieses hören müssen. Zwar habe ihm der heutige Angeklagte damals gesagt, Hahn mache Radau, aber er habe sofort erklärt, Hahn sei zwar betrunken, aber habe sich durchaus ruhig ver- kalten. — Die Rieb scheEhefrau bekundete dasselbe, wie ihr Ehemann, Lärm hat Hahn nicht gemacht. — Der Hilfs- g-richtSschreiber Fleischhauer bekundete, nachdem er über die Verhandlungen vor dem Schöffengericht in Homberg auS- gesagt, daß der Angeklagte ihm bekannt sei als ein Mann, der öfter Anzeigen bei Gericht erhebt. (Forts, folgt.)
Gieße», ben 3. December 1986.
ühreuzeiche« für Feuerwehren. DaS Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ertheilt durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit dcS Großherzogs vom 16. October d. I. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Klein-Steinheim Georg Braun, Martin Adam und Philipp Seibel.
** ZarSkoje Selo, der gegenwärtige Aufenthaltsort unseres Großherzoglichen Paares und Residenz des russischen Kaiserpaares, ist seit seiner Thronbesteigung der LieblingSaufenthalt de» jungen Zaren Nicolaus II. ge- wesen. Sein Vater, Alexander III., setzte dagegen selten den Fuß in diesen schönen Palast, er zog die größere Zurück- gezogenheit von Gatschina vor. Zarskoje Sclo liegt in einer heitern, belebten Umgebung. Der Park ist prachtvoll bewaldet und bietet Ueberraschungen aller Art: Mtniaturseen, Brücken, Mustermeiereien und Jagdschlösser, wie sie die Kaiserin Katharina II. liebte und anlegen ließ. DaS Dorf in der Nähe des Schlosses besteht aus Villen, die von Mitgliedern der Petersburger Adelsgesellschaft bewohnt werden, und dient außerdem den Cavallerie-Regimentern der Garde als Garnisonort. Hier liegen die Garde-Husaren, welche mit ihren rothen Mützen und Uniformen einen recht guten Eindruck machen, sodann die gelben Kürassiere und ein Theil der blauen Kürassiere in Gemeinschaft mit der historisch berühmten Streltsyschen Schützen-Brigade. Die bunten Uniformen dieser verschiedenen Waffengattungen geben der Stadt ein heiteres Aussehen. Von der Eisenbahnstation aus führt ein steiler Aufstieg nach dem kaiserlichen Schloß. Oben auf dem Hügel breitet sich der Park aus, an dessen Eingang sich prächtige Thore befinden. Er besteht aus zwei Theilen, von denen der kleinere, sog. Alexandrowsky Park, das obenerwähnte Palais enthält. ES ist ein prachtvolles Schloß, das sich Katharina II. im Rococostil bauen ließ, mit zwei gewaltigen Flügeln, die sich in den Park hinein erstrecken. Gewaltige Summen wurden auf die Ausschmückung verwendet, deren Pracht mit den schönsten Palästen der Welt wetteifern kann. Die Prioatzimmer Katharinas II., welche das jetzige Herrscherpaar bewohnt, sind mit verschwenderischem Luxus auSgestattet. Die Wände deS Schlafzimmers bestehen aus weißem Porzellan, da» mit Säulen aus violettfarbigem Glas abwechselt-der Parkettfußboden hat Perlmuttereinlagen. Ein anderes Zimmer der Zarin hat Achatwände. Die zahl- reichen Zimmerrethen find ebenso prunkvoll, und von jedem aus genießt man einen schönen Ausblick über die Waldumgebung. Außerdem befinden fich zahllose Gallerten und Kunstschätze im Schloß.
** Lovcertveretn. Uns wird geschrieben: „Es nimmt uns Wunder, daß Ihr Recensent in seiner Besprechung deS letzten ConcertS zweimal den Namen „Franz" Drehschock an- führt, während allgemein bekannt ist, daß der Vorname deS berühmten Virtuosen „Felix" lautet. Auch können wir nicht umhin zu betonen, daß die maßgebende mufikaltsche Kritik de» In- und Auslandes bei jeder Gelegenheit den wunderbaren Anschlag de» geschätzten Künstlers rühmend hervorhebt und ihn himmelhoch über die modernen Klavierpauker stellt, die ihre lückenhafte Technik und ihr seelenloses Spiel unter einem wahren Höllenspectakel zu verbergen suchen. UnS be- dünkt übrigens, daß Herr Drrhschock bei der LiSzt'schen Rhapsodie eine Kraft deS Anschlags bekundet hat, die Niemand, der hören wollte, entgangen sein kann. DaS Recht der Kritik ist unbestritten, aber in der Kleinstadt, der große Kunstgenüsse leider so kärglich zugemrssen find, in der zu guter Stunde einmal ein Künstler wie Felix Drehschock erscheint, sollte man doch Bedenken tragen, sich in der Be- urtheilung eine» solchen Mannes mit der gesammten Kritik in Widerspruch zu setzen.
Dresdener Sefammtvorftelung. Auf den hochinteressanten Gastspiel-Abend „Slein-Eyolf" von Ibsen sei heute nochmals ganz besonder» hingewiesen. DaS fesselnde Stück, welches bereits in kürzester Zeit den Weg über alle deutschen
Bühnen gemacht, wird insbesondere auch in Gießen ganz außerordentlich interesfiren. Der Billetverkauf beginnt mit heute.
* * Der Verband deutscher KriegS-Beteranen zu Leipzig hat Herrn Commercienrath S. Heichelheim hier wegen seiner hochherzigen Gabe von 20,000 Mark an die Veteranen der Stadt Gießen zu seinem Ehrenmitgliede ernannt. Commercienrath Heichelheim hat die Ehrenmitgliedschaft angenommen.
* * Patent Anmeldungen. Stockschirm: Wilhelm Balser in Gießen, 31. 8. 95. Zinklaugerei mit Chlorcalcium: Dr. E. Höpfner in Gießen, 13. 2. 95. Verfahren zur Zinklaugcrei (Zus. z. Anmeldung H. 15,739): Derselbe, 9. 4. 95. Sich selbstthätig schließendes Dachfenster: August Zöckler in Gießen, 15. 2. 95.
* * Gebrauchsmuster-Eintragung. Abfüllhahn für Bierfässer mit aus einem gebogenen Rohr und einer demselben als Führung dienenden Verschraubung bestehender Abseihvorrichtung: Ehr. Zimmer in Gießen 26. 10. 95. Brausekopf mit Porzellan- oder GlaSfieb: H. Schaffstädt in Gießen 16. 10. 95.
* • Verlängerung der Schutzfrist. Irischer Ofen mit Aufsatz: Eisenwerk Hirzenhain, H. R. BuderuS in Hirzenhain, 28. 11. 92. — 5. 11. 95.
• • Bittgesuch deutscher Kriegs-Veteranen. Der Verband deutscher KriegS-Veteranen, Sitz Leipzig, hat beschlossen, ei« Bittgesuch an Se. Majestät den Kaiser und eine Eingabe an den Reichstag abzusenden dahingehend, das Jnvalidengesetz vom Jahre 1871 mit seinen Nachträgen dem Vorschläge deS Referenten der PetitionScommission für die Militärpetitionen in der verflossenen ReichStagSsession Graf Oriola gemäß, abzuändern unter Berücksichtigung folgender Punkte: 1. Jeder hülfSbedürftige, ganz oder größtentheiiS erwerbsunfähige Veteran, welcher in der deutschen Armee, oder in einem jetzt zum deutschen Reiche gehörenden Staate, einen Feldzug mitgemacht hat, erhält je nach dem Grade seiner Erwerbsunfähigkeit, seines Alters und seiner Bedürftigkeit eine Beihülfe bis zum Betrage von 120 Mark pro anno, gleichviel ob die Erwerbsunfähigkeit im ursächlichen Zusammenhänge mit einem Feldzuge steht oder nicht. 2. Witwen von Veteranen, wenn auch erst nach dem Feldzuge die Ehe geschlossen wurde, erhalten, wenn die HülsSbedürstigkeit erwiesen, 72 Mark pro Jahr. 3. Diejenigen Invaliden, welche trotz Ctvil- versorgungSschein Anstellung nicht gefunden oder die innegehabte Stellung aufgegeben haben, können denselben gegen die im §. 11. der GesetzeS-Novelle vom 4. April 1874 (bezw. vom 22. Mai 1893, Art. 7) festgesetzte AnstellungS- entschädigung von 6 Mark monatlich zurückgeben. 4. Die Militärpension soll nicht allein den Communalbeamten, sondern auch den im Staatsdienst Angestellten, unbeschadet ihres Gehaltes oder eventuell neu erworbene Pension, belassen werden. 5. Veteranen, welche länger als 2 Jahre im Staats- oder Civildtenft diätarisch beschäftigt wurden, erhalten ein Recht aus definitive Anstellung gleich den Supernumeraren. 6. Veteranen, welche heute noch gesund sind, sollen, sofern sie das 50. Lebensjahr noch nicht überschritten, sich gut geführt haben und für die betreffende Stellung qualificirt sind, berechtigt sein, gleich den Mtlitäranwärtern im Civil- oder Staatsdienst angestellt zu werden. In einer Denkschrift will der Verband nachweisen, daß die vorstehenden Wünsche voll berechtigt sind und das j-tzige PcnsionSgesetz Härten und Widersprüche enthalte, daß ferner die durch Novelle vom 22. März 1895 gesetzlich bew lligten Bethüifen von 120 Mark an 15000 völl:g erwerbsunfähige Veteranen bei weitem nicht auöreiche, um alle Noth zu struern und schnelle Hülfe eintreten müsse, wenn nicht Tausende von Veteranen zu Grunde gehen sollen. Ferner hält die Denkschrift die Einführung einer Wehrsteuer für geeignet, die Mittel zu schaffen, welche durch die vorgenannten berechtigten Forderungen nolhwendig werden. Der Verband bespricht dies in seinem Organe „Der Veteran" eingehend und fordert alle Veteranen von 1848 bis 1870/71 auf, fich durch Eintragung in die Stammrolle dieser Petition anzuschließen. Viele ReichStagSabgeordnete haben ihre Mitwirkung an dem Zustandekommen eines re° vidirten MilitärpensionSgesetzeS im Reichstage in Aussicht gestellt, sodaß die Erfüllung der idealen Aufgaben deS Verbandes Erfolg haben können, welches den Veteranen wohl zu gönnen ist.
* * Lebensmittel-Preise Ende Oktober 1895. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landesstatistik kosteten:
DchsenssM- per Pfund
1 Rindfleisch per Pfund
Kalbfleisch per Pfund
Schweinefl. per Pfund
Hammelfleisch per Pfund
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Roggen- Brod
Butter per Pfund
Milch 1 Liter
Eier
1 Stück
Städte mit Octroi
Darmstadt
76
70
76
66
70
11,5
10
106-116
18
6-7
'Main,
72
63
70
77
55
115
10
97-106
18
5-7
Offenbach
76
66
76
70
70
12
10
111-122
21
5—9
Worms
74
70
74
68
68
10,5
9,5
105-117
17
5-9
Gießen
75
67
66
65
65
10,5
10
81- 91
18
6-7
Städte ohne Octroi
Lingen
75
65
60
70
60
10
9,5
109-119
19
6-8
Bensheim
70
66
70
60
60
12
9,5
88- 93
17
6-7
Alzen Friedberg
68
64
70
60
60
16
10
96-105
17
7-8
75
70
70
52
65
12
11
110
18
8
AlSfeld
70
62
70
56
—
12,5
10
95-100
16
6
Lauterbach
; 64
64
60
56
55
13
10
100
16
7
n. Großen Linden, 3. December. Die Volkszählung ergab hier 1560 OrtSanwesende, d. i. gegen 1890 eine Zunahme von 134 Einwohnern.
Darmstadt, 1. December. .Obgleich das Resultat der am Freitag vollzogenen Stadtverordnetenwahlen wegen starker Stimmenzerfplitterung noch nicht endgiltig feststeht, so ist doch zweifellos, daß die L ste des freisinnig- nationalliberalen Wahlvorschlags bi» auf zwei Name« durch
gehen wird. An deren Stelle gelten al» gewählt der Führte der hiesigen Antisemiten, Herr Bonnet und der Vorsitzende des Ma'hildenhöheviertels. Frkf. Ztg.
Oppenheim, 1. December. Der holländische eiserne Dreimaster „Johann" ist am „Wäldchen" fest auf# gefahren und kann nur durch Lichterung wieder flott gemacht werden. Schiff und Ladung, au» Weizen, Mai» und Oelkuchen bestehend, sind unbeschädigt. Die Stromverhältnisse find an der Unfallstelle derart mißlich, daß täglich daselbst Schiffe hängen bleiben, was manches Mal den ganzen Schiffsverkehr hemmt.
Dermifd?te>.
• * Me. Hasan, 1. December. 'Gestern Nachmittag wurde die hiesige Feuerwehr alarmirt, weil die Güterhalle des Westbahnhofes brannte. Zum Glück war das Feuer von Arbeitern bereits im Entstehen gelöscht. Beim Ablassen bei Wassers im Gasometer war daS ausströmende GaS explodirt und hatte gezündet.
* Berlin, 2. December. In dem nahegelegenen Teltow wurde der penfionirte Eisenbahnbeamte Schulze heute früh in seiner, in der Potsdamer Straße belegenen Wohnung von zwei noch unbekannten Männern überfallen und seiner Baarschast beraubt. Dieselben ermordeten den Unglücklichen durch mehrere Dolchstiche und bemächtigten fich einer Summe von 1500 Mark. Dieses Geld stammt von einer Erbschaft, die Schulze kurz vorher erhoben hatte. Den Mördern ist man auf der Spur.
* Krefeld, 2. December. In Bärl, Kreis MörS, erschoß ein Gutsbesitzer seinen Bruder und ertränkte fich im Rhein. Motive unbekannt.
* Verdun, 28. November. In dem benachbarten ConflanS meldete fich der aus Preußen gebürtige Sergeant Barth vom 130. Regiment, der seine Metzer Garnison fahnenflüchtig verlassen und in voller Uniform die Grenze überschritten hatte, bei der Gendarmerie mit dem Wunsche, tn die Fremdenlegion ausgenommen zu werden. Da die französische Militärverwaltung sich kein Gewissen daraus macht, solche eidesvergessenen Ueberläufer in ihre Dienste zu nehmen, wurde Barth hierher befördert, von wo aus seine Verwendung im Colonial- Heere veranlaßt wird.
• Odessa, 1. December. Wegen Zahlungsunfähigkeit find 103 Studenten der hiesigen Universität von der Thetlnahme an den Vorlesungen ausgeschlossen worden.
* „Eulen". Wir wollen heute ausnahmsweise nicht von den Zeitungsenten sprechen, sondern die wirklichen lebenden, welche zur jetzigen Jahreszeit gleichfalls in größter Zahl ihre Wanderung, nicht durch die Zeitungsspalten, sondern durch die Luft antreten, ins Bereich einer kurzen Betrachtung ziehen. Wer je einen Markt in einer Großstadt wie Berlin oder Hamburg besucht hat, wird erstaunt gewesen sein über die Menge u. a. auch der Enten, welche in Waggouladungen da angefahren werden. SS ist vielen ein Räthsel, wo diese Vögel geschossen oder gefangen werden können. Denn daß ein Entenjäger manchmal stundenlang an einem Weiher auf einen „Enteneinfall" warten muß und daher allzu reiche Beute nie machen kann, ist allgemein bekannt. Wer je im Spätjahr an der See gewesen und die durchziehenden Dogel- schaaren beobachtet hat, wird leicht finden, daß der Hauptplatz für den Fang der geflügelten Geschöpfe dort sein muß, aber nur wer aus den Nordseeinseln Sylt, Föhr oder Amrum Erkundigungen eingezogen hat, wird etwa- Nähere» Über die Art und Weise de» Fanges haben bringen können. Einem interessanten Beitrag über die hiermit zusammenhängenden „Vogelkojen auf unseren Nordseetnseln" von Dr. L. Stadl; begegnen wir in dem neuesten Hefte der illustrirten Familien- zeitschrift „Universum" (Dresden). Obgleich die Erträge der Vogelkojen bedeutend zurückgegangen find, werden jährlich aus den drei genannten Inseln immer noch ungefähr 60000 Enten gefangen. Wenn man auch sonst den Massenmord von Wild verabscheuen muß, in diesem Falle darf und muß man milder urtheilen, denn der Mensch hat die Berechtigung, au» de« ungezählten Schauren der Wildenten Dortheil zu ziehen und nur durch Anwendung der Vogelkojen ist eS möglich, ein günstiges Resultat zu erzielen.
* Die größten Walder der Erde. Die Pariser „Revue horticole" schreibt: Auf der letzten Versammlung der Gesellschaft für Förderung der Wissenschaften machten mehrere Mitglieder interessante Mittheilungen über die größten Wälder der Erde. Die ausgedehnteste Waldung Nordamerikas erstreckt sich über die Provinzen Quebec und Ontario nördlich vom Lorenzostrom; sie verlängert sich im Norden bis zum Hudson und zur Halbinsel Labrador und erreicht 2750 Kilometer Länge und 1600 Kilometer Breite. In Südamerika finden fich gleich große Waldungen im Amazonenthal von Hoch-Peru und im Nordwesten von Bra- filien- ihre Dimensionen sind ca. 3300 auf 200 Kilometer. Die Forscher von Eentral-Afrika berichten von einem ungeheuren Walde, der sich vom Kongvthal biß zu den Quellen des Nil und des Zambesi auSdehnen soll. Seine Länge konnte bisher nicht geschätzt werden, aber feine Breite von Norden nach Süden gemessen beträgt 4800 Kilometer. Schließlich besitzt Südfibirien einen immensen Waldstrich, der von dem Flusse Ob im Westen bis zum Thal bei In- digirka im Osten reicht nab bie User beS Olonek, Lena und Toma mit einer Länge von 4800 unb einer Breite von 2700 Kilometer einschließt. Diese ungeheuren Gebiete find fast nur mit Nabelhölzern, mit Fichten, Tannen unb Lärchen bedeckt. Tausende von Quadratkilometern find hier noch niemals von irgend einem Forscher ergründet worden. Die Bäume haben 50 Meter Höhe und stehen so dicht, daß el schwierig ist, zwischen ihnen hindurchzukommen.
Cikfatnr tuet Kwnft
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WtliMtte* Mim. 1896 1. Jahrgang. Kalendarium 8 zkmift:


