Ausgabe 
4.12.1895 Erstes Blatt
 
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wird zur Zeugenvernehmung geschritten. Der erste Zeuge Johanne- Hahn III. mußte gleich wegen Ungebühr (er war etwas angetrunken) und bevor er vereidigt wurde, zur Verbüßung einer eintägigen Hastftrafe abgeführt werden. Die zweite Zeugin Wittwe Nau II. von RüddingS- hausen bezeugt, daß, wie sie schon in Homberg vor den Schöffen bekundet, Johannes Hahn III. gerade au dem Tage, an welchem er den groben Unfug verübt haben soll, schwer betrunken und steif gefroren ihr tnS HauS gebracht wurde- nachdem er sich einigermaßen erholt, hat sie den» selben in dessen Wohnung geleitet, sie hat ihn theilweise geführt, er hat nicht gelärmt und geschimpft, sondern sei ruhig und ohne lauter zu sprechen, als man dies gewöhnlich thue, an des Angeklagten HauS vorbei über die Straße gegangen. Hahn IL hat, in seiner Wohnung augekomwen, begonnen, sich zu entkleiden, um sich ins Bett zu legen, wo­rauf ihn die Zeugin verlassen hat. Frau Dietz II., welche ganz in der Nähe war, als Frau Nau den Hahn führte, hat diesen nicht lauter sprechen hören, als man gewöhnlich spricht. KaSpar Rieb von RüddingShausen bat am fraglichen Abend Frau Nau mit Johannes Hahn nach dessen HauS gehen sehen, er war stark angetrunken. JohS. Hahn hat auch später keinen Lärm auf der Straße verübt, denn sonst hätte der Zeuge, welcher Nachbar ist, dieses hören müssen. Zwar habe ihm der heutige Angeklagte damals gesagt, Hahn mache Radau, aber er habe sofort erklärt, Hahn sei zwar betrunken, aber habe sich durchaus ruhig ver- kalten. Die Rieb scheEhefrau bekundete dasselbe, wie ihr Ehemann, Lärm hat Hahn nicht gemacht. Der Hilfs- g-richtSschreiber Fleischhauer bekundete, nachdem er über die Verhandlungen vor dem Schöffengericht in Homberg auS- gesagt, daß der Angeklagte ihm bekannt sei als ein Mann, der öfter Anzeigen bei Gericht erhebt. (Forts, folgt.)

Gieße», ben 3. December 1986.

ühreuzeiche« für Feuerwehren. DaS Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ertheilt durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit dcS Großherzogs vom 16. October d. I. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Klein-Steinheim Georg Braun, Martin Adam und Philipp Seibel.

** ZarSkoje Selo, der gegenwärtige Aufenthaltsort unseres Großherzoglichen Paares und Residenz des russischen Kaiserpaares, ist seit seiner Thronbesteigung der LieblingSaufenthalt de» jungen Zaren Nicolaus II. ge- wesen. Sein Vater, Alexander III., setzte dagegen selten den Fuß in diesen schönen Palast, er zog die größere Zurück- gezogenheit von Gatschina vor. Zarskoje Sclo liegt in einer heitern, belebten Umgebung. Der Park ist prachtvoll bewaldet und bietet Ueberraschungen aller Art: Mtniaturseen, Brücken, Mustermeiereien und Jagdschlösser, wie sie die Kaiserin Katharina II. liebte und anlegen ließ. DaS Dorf in der Nähe des Schlosses besteht aus Villen, die von Mit­gliedern der Petersburger Adelsgesellschaft bewohnt werden, und dient außerdem den Cavallerie-Regimentern der Garde als Garnisonort. Hier liegen die Garde-Husaren, welche mit ihren rothen Mützen und Uniformen einen recht guten Eindruck machen, sodann die gelben Kürassiere und ein Theil der blauen Kürassiere in Gemeinschaft mit der historisch be­rühmten Streltsyschen Schützen-Brigade. Die bunten Uni­formen dieser verschiedenen Waffengattungen geben der Stadt ein heiteres Aussehen. Von der Eisenbahnstation aus führt ein steiler Aufstieg nach dem kaiserlichen Schloß. Oben auf dem Hügel breitet sich der Park aus, an dessen Eingang sich prächtige Thore befinden. Er besteht aus zwei Theilen, von denen der kleinere, sog. Alexandrowsky Park, das oben­erwähnte Palais enthält. ES ist ein prachtvolles Schloß, das sich Katharina II. im Rococostil bauen ließ, mit zwei gewaltigen Flügeln, die sich in den Park hinein erstrecken. Gewaltige Summen wurden auf die Ausschmückung ver­wendet, deren Pracht mit den schönsten Palästen der Welt wetteifern kann. Die Prioatzimmer Katharinas II., welche das jetzige Herrscherpaar bewohnt, sind mit verschwenderischem Luxus auSgestattet. Die Wände deS Schlafzimmers bestehen aus weißem Porzellan, da» mit Säulen aus violettfarbigem Glas abwechselt-der Parkettfußboden hat Perlmuttereinlagen. Ein anderes Zimmer der Zarin hat Achatwände. Die zahl- reichen Zimmerrethen find ebenso prunkvoll, und von jedem aus genießt man einen schönen Ausblick über die Wald­umgebung. Außerdem befinden fich zahllose Gallerten und Kunstschätze im Schloß.

** Lovcertveretn. Uns wird geschrieben:Es nimmt uns Wunder, daß Ihr Recensent in seiner Besprechung deS letzten ConcertS zweimal den NamenFranz" Drehschock an- führt, während allgemein bekannt ist, daß der Vorname deS berühmten VirtuosenFelix" lautet. Auch können wir nicht umhin zu betonen, daß die maßgebende mufikaltsche Kritik de» In- und Auslandes bei jeder Gelegenheit den wunder­baren Anschlag de» geschätzten Künstlers rühmend hervorhebt und ihn himmelhoch über die modernen Klavierpauker stellt, die ihre lückenhafte Technik und ihr seelenloses Spiel unter einem wahren Höllenspectakel zu verbergen suchen. UnS be- dünkt übrigens, daß Herr Drrhschock bei der LiSzt'schen Rhapsodie eine Kraft deS Anschlags bekundet hat, die Niemand, der hören wollte, entgangen sein kann. DaS Recht der Kritik ist unbestritten, aber in der Kleinstadt, der große Kunst­genüsse leider so kärglich zugemrssen find, in der zu guter Stunde einmal ein Künstler wie Felix Drehschock er­scheint, sollte man doch Bedenken tragen, sich in der Be- urtheilung eine» solchen Mannes mit der gesammten Kritik in Widerspruch zu setzen.

Dresdener Sefammtvorftelung. Auf den hochinteressanten Gastspiel-AbendSlein-Eyolf" von Ibsen sei heute noch­mals ganz besonder» hingewiesen. DaS fesselnde Stück, welches bereits in kürzester Zeit den Weg über alle deutschen

Bühnen gemacht, wird insbesondere auch in Gießen ganz außerordentlich interesfiren. Der Billetverkauf beginnt mit heute.

* * Der Verband deutscher KriegS-Beteranen zu Leipzig hat Herrn Commercienrath S. Heichelheim hier wegen seiner hochherzigen Gabe von 20,000 Mark an die Veteranen der Stadt Gießen zu seinem Ehrenmitgliede er­nannt. Commercienrath Heichelheim hat die Ehrenmitglied­schaft angenommen.

* * Patent Anmeldungen. Stockschirm: Wilhelm Balser in Gießen, 31. 8. 95. Zinklaugerei mit Chlorcalcium: Dr. E. Höpfner in Gießen, 13. 2. 95. Verfahren zur Zinklaugcrei (Zus. z. Anmeldung H. 15,739): Derselbe, 9. 4. 95. Sich selbstthätig schließendes Dachfenster: August Zöckler in Gießen, 15. 2. 95.

* * Gebrauchsmuster-Eintragung. Abfüllhahn für Bier­fässer mit aus einem gebogenen Rohr und einer demselben als Führung dienenden Verschraubung bestehender Abseih­vorrichtung: Ehr. Zimmer in Gießen 26. 10. 95. Brause­kopf mit Porzellan- oder GlaSfieb: H. Schaffstädt in Gießen 16. 10. 95.

* Verlängerung der Schutzfrist. Irischer Ofen mit Aufsatz: Eisenwerk Hirzenhain, H. R. BuderuS in Hirzen­hain, 28. 11. 92. 5. 11. 95.

Bittgesuch deutscher Kriegs-Veteranen. Der Verband deutscher KriegS-Veteranen, Sitz Leipzig, hat beschlossen, ei« Bittgesuch an Se. Majestät den Kaiser und eine Eingabe an den Reichstag abzusenden dahingehend, das Jnvalidengesetz vom Jahre 1871 mit seinen Nachträgen dem Vorschläge deS Referenten der PetitionScommission für die Militärpetitionen in der verflossenen ReichStagSsession Graf Oriola gemäß, ab­zuändern unter Berücksichtigung folgender Punkte: 1. Jeder hülfSbedürftige, ganz oder größtentheiiS erwerbsunfähige Veteran, welcher in der deutschen Armee, oder in einem jetzt zum deutschen Reiche gehörenden Staate, einen Feldzug mit­gemacht hat, erhält je nach dem Grade seiner Erwerbs­unfähigkeit, seines Alters und seiner Bedürftigkeit eine Bei­hülfe bis zum Betrage von 120 Mark pro anno, gleichviel ob die Erwerbsunfähigkeit im ursächlichen Zusammenhänge mit einem Feldzuge steht oder nicht. 2. Witwen von Vete­ranen, wenn auch erst nach dem Feldzuge die Ehe geschlossen wurde, erhalten, wenn die HülsSbedürstigkeit erwiesen, 72 Mark pro Jahr. 3. Diejenigen Invaliden, welche trotz Ctvil- versorgungSschein Anstellung nicht gefunden oder die inne­gehabte Stellung aufgegeben haben, können denselben gegen die im §. 11. der GesetzeS-Novelle vom 4. April 1874 (bezw. vom 22. Mai 1893, Art. 7) festgesetzte AnstellungS- entschädigung von 6 Mark monatlich zurückgeben. 4. Die Militärpension soll nicht allein den Communalbeamten, sondern auch den im Staatsdienst Angestellten, unbeschadet ihres Ge­haltes oder eventuell neu erworbene Pension, belassen werden. 5. Veteranen, welche länger als 2 Jahre im Staats- oder Civildtenft diätarisch beschäftigt wurden, erhalten ein Recht aus definitive Anstellung gleich den Supernumeraren. 6. Veteranen, welche heute noch gesund sind, sollen, sofern sie das 50. Lebensjahr noch nicht überschritten, sich gut ge­führt haben und für die betreffende Stellung qualificirt sind, berechtigt sein, gleich den Mtlitäranwärtern im Civil- oder Staatsdienst angestellt zu werden. In einer Denkschrift will der Verband nachweisen, daß die vorstehenden Wünsche voll berechtigt sind und das j-tzige PcnsionSgesetz Härten und Widersprüche enthalte, daß ferner die durch Novelle vom 22. März 1895 gesetzlich bew lligten Bethüifen von 120 Mark an 15000 völl:g erwerbsunfähige Veteranen bei weitem nicht auöreiche, um alle Noth zu struern und schnelle Hülfe ein­treten müsse, wenn nicht Tausende von Veteranen zu Grunde gehen sollen. Ferner hält die Denkschrift die Einführung einer Wehrsteuer für geeignet, die Mittel zu schaffen, welche durch die vorgenannten berechtigten Forderungen nolhwendig werden. Der Verband bespricht dies in seinem OrganeDer Veteran" eingehend und fordert alle Veteranen von 1848 bis 1870/71 auf, fich durch Eintragung in die Stammrolle dieser Petition anzuschließen. Viele ReichStagSabgeordnete haben ihre Mitwirkung an dem Zustandekommen eines re° vidirten MilitärpensionSgesetzeS im Reichstage in Aussicht gestellt, sodaß die Erfüllung der idealen Aufgaben deS Ver­bandes Erfolg haben können, welches den Veteranen wohl zu gönnen ist.

* * Lebensmittel-Preise Ende Oktober 1895. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes­statistik kosteten:

DchsenssM- per Pfund

1 Rindfleisch per Pfund

Kalbfleisch per Pfund

Schweinefl. per Pfund

Hammelfleisch per Pfund

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Roggen- Brod

Butter per Pfund

Milch 1 Liter

Eier

1 Stück

Städte mit Octroi

Darmstadt

76

70

76

66

70

11,5

10

106-116

18

6-7

'Main,

72

63

70

77

55

115

10

97-106

18

5-7

Offenbach

76

66

76

70

70

12

10

111-122

21

59

Worms

74

70

74

68

68

10,5

9,5

105-117

17

5-9

Gießen

75

67

66

65

65

10,5

10

81- 91

18

6-7

Städte ohne Octroi

Lingen

75

65

60

70

60

10

9,5

109-119

19

6-8

Bensheim

70

66

70

60

60

12

9,5

88- 93

17

6-7

Alzen Friedberg

68

64

70

60

60

16

10

96-105

17

7-8

75

70

70

52

65

12

11

110

18

8

AlSfeld

70

62

70

56

12,5

10

95-100

16

6

Lauterbach

; 64

64

60

56

55

13

10

100

16

7

n. Großen Linden, 3. December. Die Volkszählung ergab hier 1560 OrtSanwesende, d. i. gegen 1890 eine Zunahme von 134 Einwohnern.

Darmstadt, 1. December. .Obgleich das Resultat der am Freitag vollzogenen Stadtverordnetenwahlen wegen starker Stimmenzerfplitterung noch nicht endgiltig feststeht, so ist doch zweifellos, daß die L ste des freisinnig- nationalliberalen Wahlvorschlags bi» auf zwei Name« durch

gehen wird. An deren Stelle gelten al» gewählt der Führte der hiesigen Antisemiten, Herr Bonnet und der Vorsitzende des Ma'hildenhöheviertels. Frkf. Ztg.

Oppenheim, 1. December. Der holländische eiserne DreimasterJohann" ist amWäldchen" fest auf# gefahren und kann nur durch Lichterung wieder flott gemacht werden. Schiff und Ladung, au» Weizen, Mai» und Oelkuchen bestehend, sind unbeschädigt. Die Stromverhältnisse find an der Unfallstelle derart mißlich, daß täglich daselbst Schiffe hängen bleiben, was manches Mal den ganzen Schiffs­verkehr hemmt.

Dermifd?te>.

* Me. Hasan, 1. December. 'Gestern Nachmittag wurde die hiesige Feuerwehr alarmirt, weil die Güterhalle des Westbahnhofes brannte. Zum Glück war das Feuer von Arbeitern bereits im Entstehen gelöscht. Beim Ablassen bei Wassers im Gasometer war daS ausströmende GaS explodirt und hatte gezündet.

* Berlin, 2. December. In dem nahegelegenen Teltow wurde der penfionirte Eisenbahnbeamte Schulze heute früh in seiner, in der Potsdamer Straße belegenen Wohnung von zwei noch unbekannten Männern überfallen und seiner Baarschast beraubt. Dieselben ermordeten den Un­glücklichen durch mehrere Dolchstiche und bemächtigten fich einer Summe von 1500 Mark. Dieses Geld stammt von einer Erbschaft, die Schulze kurz vorher erhoben hatte. Den Mördern ist man auf der Spur.

* Krefeld, 2. December. In Bärl, Kreis MörS, erschoß ein Gutsbesitzer seinen Bruder und ertränkte fich im Rhein. Motive unbekannt.

* Verdun, 28. November. In dem benachbarten ConflanS meldete fich der aus Preußen gebürtige Sergeant Barth vom 130. Regiment, der seine Metzer Garnison fahnenflüchtig verlassen und in voller Uniform die Grenze überschritten hatte, bei der Gendarmerie mit dem Wunsche, tn die Fremden­legion ausgenommen zu werden. Da die französische Militär­verwaltung sich kein Gewissen daraus macht, solche eidesver­gessenen Ueberläufer in ihre Dienste zu nehmen, wurde Barth hierher befördert, von wo aus seine Verwendung im Colonial- Heere veranlaßt wird.

Odessa, 1. December. Wegen Zahlungsunfähig­keit find 103 Studenten der hiesigen Universität von der Thetlnahme an den Vorlesungen ausgeschlossen worden.

*Eulen". Wir wollen heute ausnahmsweise nicht von den Zeitungsenten sprechen, sondern die wirklichen lebenden, welche zur jetzigen Jahreszeit gleichfalls in größter Zahl ihre Wanderung, nicht durch die Zeitungsspalten, sondern durch die Luft antreten, ins Bereich einer kurzen Betrachtung ziehen. Wer je einen Markt in einer Großstadt wie Berlin oder Hamburg besucht hat, wird erstaunt gewesen sein über die Menge u. a. auch der Enten, welche in Waggouladungen da angefahren werden. SS ist vielen ein Räthsel, wo diese Vögel geschossen oder gefangen werden können. Denn daß ein Entenjäger manchmal stundenlang an einem Weiher auf einenEnteneinfall" warten muß und daher allzu reiche Beute nie machen kann, ist allgemein bekannt. Wer je im Spätjahr an der See gewesen und die durchziehenden Dogel- schaaren beobachtet hat, wird leicht finden, daß der Haupt­platz für den Fang der geflügelten Geschöpfe dort sein muß, aber nur wer aus den Nordseeinseln Sylt, Föhr oder Amrum Erkundigungen eingezogen hat, wird etwa- Nähere» Über die Art und Weise de» Fanges haben bringen können. Einem interessanten Beitrag über die hiermit zusammenhängenden Vogelkojen auf unseren Nordseetnseln" von Dr. L. Stadl; begegnen wir in dem neuesten Hefte der illustrirten Familien- zeitschriftUniversum" (Dresden). Obgleich die Erträge der Vogelkojen bedeutend zurückgegangen find, werden jährlich aus den drei genannten Inseln immer noch ungefähr 60000 Enten gefangen. Wenn man auch sonst den Massenmord von Wild verabscheuen muß, in diesem Falle darf und muß man milder urtheilen, denn der Mensch hat die Berechtigung, au» de« ungezählten Schauren der Wildenten Dortheil zu ziehen und nur durch Anwendung der Vogelkojen ist eS möglich, ein günstiges Resultat zu erzielen.

* Die größten Walder der Erde. Die PariserRevue horticole" schreibt: Auf der letzten Versammlung der Ge­sellschaft für Förderung der Wissenschaften machten mehrere Mitglieder interessante Mittheilungen über die größten Wälder der Erde. Die ausgedehnteste Waldung Nord­amerikas erstreckt sich über die Provinzen Quebec und On­tario nördlich vom Lorenzostrom; sie verlängert sich im Norden bis zum Hudson und zur Halbinsel Labrador und erreicht 2750 Kilometer Länge und 1600 Kilometer Breite. In Südamerika finden fich gleich große Waldungen im Amazonenthal von Hoch-Peru und im Nordwesten von Bra- filien- ihre Dimensionen sind ca. 3300 auf 200 Kilometer. Die Forscher von Eentral-Afrika berichten von einem un­geheuren Walde, der sich vom Kongvthal biß zu den Quellen des Nil und des Zambesi auSdehnen soll. Seine Länge konnte bisher nicht geschätzt werden, aber feine Breite von Norden nach Süden gemessen beträgt 4800 Kilometer. Schließlich besitzt Südfibirien einen immensen Waldstrich, der von dem Flusse Ob im Westen bis zum Thal bei In- digirka im Osten reicht nab bie User beS Olonek, Lena und Toma mit einer Länge von 4800 unb einer Breite von 2700 Kilometer einschließt. Diese ungeheuren Gebiete find fast nur mit Nabelhölzern, mit Fichten, Tannen unb Lärchen bedeckt. Tausende von Quadratkilometern find hier noch niemals von irgend einem Forscher ergründet worden. Die Bäume haben 50 Meter Höhe und stehen so dicht, daß el schwierig ist, zwischen ihnen hindurchzukommen.

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WtliMtte* Mim. 1896 1. Jahrgang. Kalendarium 8 zkmift: