Ausgabe 
4.12.1895 Erstes Blatt
 
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Mr. 285

Der

fUfctutt A«t«lger erscheint täglich, Brit Ausnahme de- Montag».

Die Gießener M»«tkie«vtLtter Verden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt. Mittwoch den 4. December

Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

189»

BiertclsShriger -vonnementspretsr 2 Mark 20 Pfg. mir Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

' Gratisbeilage: Gießener KamitienKkätter

gegengez.: Bronsart v. Schellen-

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Eorrefpondmr-Bureiu.

die aus dieser Summe entfallenden Zinsen in erster Linie für die Unterstützung hilfsbedürftiger KrtegSveteranen und deren Hinterbliebenen verwendet werden sollen.

Larewburg, 2. December. Det G r o ß h e r z o g und die Großherzogin find, aus Freiburg kommend, heute Nach­mittag hier eingetroffen und in das restaurirte Palais ein-

Schwurgericht.

W. Gießen, den 3. December 1895.

Um 9V2 Uhr Vormittags wurde heute von Herrn Landgerichtsrath vr. Schäfer die erste Sitzung des Schwür­ge richt s für das 4. Quartal eröffnet. Als Beisitzer fun» giren die Herren Landgerichtsräthe Scriba und Seeger. Es wurde nach Bildung der Geschworenenbank in die Ver­handlung gegen den 44 Jahre alten verheirateten Dachdecker Adam Schleich aus Rüddingshausen wegen Meineid etn- getreten. Die Anklage vertritt Herr Staatsanwalt Zimmer­mann. Die Verthetdigung führt Herr Justizrath Rechts­anwalt Baist. 17 Zeugen siud zu vernehmen.

Der Angeklagte, welcher bereits zweimal wegen Jagd­vergehens und Urkundenfälschung vorbestraft ist, bestreitet, das ihm zur Last gelegte Verbrechen begangen zu haben. Die Anklage behauptet, Schleich habe am 20. August und 17. September d. I. vor dem Schöffengericht Homberg de- schworen, der damals angeklagte Hahn III. von Rüddtngs- hausen, den er Wege» groben Unfug beim Gensdarmen zur Anzeige gebracht, habe am 4. März d. I. Abends auf der Straße übermäßig laut geschrieeu, geschimpft und seinen Namen gerufen. Diese Bekundung soll nicht der Wahrheit entsprechen. Der Angeklagte gesteht zu, mit dem von ihm angezeigt gewesenen Hahn HI. in Feindschaft zu leben, er verwickelt sich mehrfach in Widersprüche und wird vom Vorsitzenden in ernster und eindringlicher Weise er­mahnt, doch in seinem eigenen Interesse die Wahr­heit zu sagen, der Angeklagte bleibt aber dabei, das Rich­tige beschworen zu haben. Aus dem vom Vorsitzenden gegebenen Referat geht hervor, daß Johannes Hahn III. von der Anklage wegen groben Unfugs freigesprochen und zwar weil die beschworene Aussage des heutigen Angeklagten vom Schöffengericht Homberg für unwahr gehalten wurde. Es

gemacht haben. Wilhelm I. R. darf.

München, 2. December. Der Prinz-Regent hat mittelst Handschreiben vom 30. November dem Präsidium des bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampf­genossen-Bundes aus eigenen Mitteln die Summe von 50000 Mark überreichen laffen mit der Bestimmung, daß

Deutscher Reichstag.

WB. Berlin, 3. December, 12 Uhr Mittags.

Die vom Reichskanzler Fürsten Hohenlohe verlesene Thronrede erinnert an die große Zeit, in welcher vor «unmehr einem Bierteljahrhundert das Reich begründet wurden die Thronrede fordert den Reichstag auf, gemeinsam mit den verbündeten Regierungen auf dem vor 25 Jahren gelegten Grunde weiter zu bauen zum Schutze des Reiches, für die Gutwickelung der nationalen Rechtspflege und für die Wohl­fahrt des deutschen Volkes. Die Thronrede verkündigt weiter bie Vorlage des Entwurfs des bürgerlichen Gesetz- Luchs, des Gesetzentwurfs zur Ergänzung des GerichtS- »erfafsungsgesetzes und der Strafproceßordnung, ferner eine Reihe von Vorlagen zur Wohlfahrt der ErwerbSftände, für das Handwerk, deffen Gedeihen zu fördern die verbündeten Regierungen als eine der vor­nehmsten Aufgaben ansehen, ist die Errichtung von Handwerkerkammern in Aussicht genommen- ferner werden augekündigt ein Börsengesetz nebst Vorlagen über kaufmännisches Depotwesen, ein Gesetz zur Be- lämpfung deS unlauteren Wettbewerbes, ein Gesetz Aber Butterersatzmittel- die Reform der Zuckersteuer «erde Seitens der Regierungen erwogen. Die Thronrede weist hin auf die ohne Benachtheiligung berechtigter Jntereffen Lurchgeführte Sonntagsruhe und kündigt an, daß auch -ie laufende Etat-periode einen günstigen Abschluß ver­heiße- immerhin blieben der Gesetzgebung noch ernste Auf. gaben, dem Finanzwesen ein höheres Maß von gegenseitiger Unabhängigkeit zu fichern. Die Thronrede weist hin auf die gute« friedlichen Beziehungen zu allen Mächten, sie hebt den Erfolg der Bemühungen Deutschlands mit Rußland und Frankreich zur Verhütung weiterer Verwicke­lungen in Ostasien hervor und erwähnt die Vorgänge in der Türkei. Getreu den bestehenden Bündnissen und den bewährten Grundsätzen der deutschen Politik, werde das Reich allezeit bereit sein, mit den durch ihre Interessen in erster Reihe berufenen Mächten zusammen« zuwirken, um der Sache des Friedens zu dienen- die Ein« müthigkeit und die Achtung der mit den Mächten geschloffenen Verträge werde den Sultan bet der Herstellung der Ruhe unterstützen und begründen die Hoffnung auf Erfolg.

Alle «nnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Berlin, 2. December. Aus Anlaß des heutigen hundert- iährigeu Bestehens der Peptniöre hat derKaifer folgende EabtnetSordre erlassen: Aus Anlaß der 100jährigen Stiftungsfeier des Medicintsch-chirurgifchen Friedrich-W,lhelm- JustttutS bestimme Ich, daß die jetzt bestehenden militärärzt- lichm BlldungSanstalten das Mediciuisch« chirurgische Fnedrich-Wilhelms'Jnstitut und die Medtcinisch-chirurgische Akademie für das Militär in Uebereinstimmung mit ihrer Entwickelung zu einer Anstalt vereinigt werden, welche den RammKaiser-Wtlhelm-Akademie für daS militärärztliche Bildungswesen" zu führen hat. Indem Ich Mir die Ge­nehmigung der wetteren Organisation Vorbehalte, erkenne Ich gern an, in wie hohem Maße die mtlitärärztlichen Btldungs- saftalteu in ihrem nunmehr 100jährigen Bestehen um die Ausbildung der Militär- und Marine Aerzte und somit auch um die Interessen in der Armee und der Marine sich verdient Neues Palais, 28. November 1895.

mir einem Rosenkränze umschlungenen Hände waren auS- etnandergeschlagen und fest zusammengeballt. Auch die Lage der Beine war vollständig verändert, so daß zweifellos fest­steht, daß Dinter als Scheintodter begraben worden ist.

Wien, 2. December. DieN. Fr. Pr." meldet aus Konstantinopel: Bezüglich des Ferman für die zweiten StationSschiffe sind in den letzten Tagen un­erwartete Schwierigkeiten aufgetaucht. Während am porigen Dienstag der Minister des Aeußeren die Ertheiiung des Ferman als unmittelbar bevorstehend bezeichnete, auch der ehemalige Großvezir Said Pascha nur OpportunitätSgründe gegen die Bewilligung geltend wachte, wird jetzt Plötzlich an maßgebender Stelle geäußert, dem Sultan stehe es . frei, den Ferman zu erthetlen oder nicht, die Pforte habe sich in diesem Sinne an die Cabinete gewendet. Indessen seien die letzteren über die Art deS Vorgehens der Pforte, die nur darauf hin- zielt, die Frage zu verschleppen, sehr verstimmt, die Bot­schafter würden aber ihre Forderungen aufrecht erhalten. Es sei zu hoffen, daß die Pforte die Nutzlosigkeit ihres Vor­gehens bald einsehe, um so mehr, als ja auch im Jahre 1875/76 zweite StationSschiffe der fremden Mächte nach Konstantinopel gekommen wären.

Paris, 2. December. Gestern wurden auf dem Platze der Vereinigten Staaten die beiden Statuen Washingtons und der Generals Lafahette enthüllt. Der Feier wohnte eine große Volksmenge bet. Mehrere patriotische Reden wurden gehalten.

WB. Breslau, 3. December. In seiner Ansprache bei dem Diner deS Leib - Küra ssier-R egimentS wies I der Kaiser auf den Zusammenhang und die Kameradschaft hin, welche bet den diesjährigen Regimentsfeiern nicht nur die Offiz,ercorps, sondern auch die Mannschaften bewiesen. Hierauf beruhe die ganze Armee. Viele Tausende treuer Soldaten, theils mittellos, theilS in hohem Alter, besuchten die Felder, wo sie stritten und bluteten, suchten Anschluß an die alten Regimenter. Wir können den heutigen Tag nicht besser feiern, als zu geloben, was der großer Kaiser und seine Führer vollbracht, zu erhalten und zu vertheidigen. Jemehr man sich hinter Schlagworte und Parteirücksichten zurückzieht, desto sicherer baue ich auf meme Armee und hoffe, daß sie nach außen wie nach innen meinem Wmke ge­wärtig - ich greife dabei zurück auf die Worte meines Groß- Vaters, die er im Jahre 1848 zum Offiziercorps in Cob- lenz sprach:Das sind Herren, auf die ich mich verlasse." Das Leib-Kürasster-Regtment dreimal Hurrah!"

WB. Berlin, 3. December. Minister v. Köller, welcher vom Kaffer Urlaub erbeten und erhalten hat, wohnte der heutigen Eröffnung des Reichstags bet- weitergehende bezügliche Blättermeldungen find unbestätigt.

gezogen. Aus diesem Anlasse spendeten dieselben 5000 Frcö. I den Armen der Stadt.

Rom, 2. December. DieAgenzia Stefani" meldet aus Konstantinopel unter dem 1. December: Der amerikanische Admiral suchte von Smyrna aus um die Erlaubntß nach, an Bord eines Panzerschiffs nach Konstantinopel zu kommen, wo er vom Sultan eine Audienz erbitten wolle. Die Erlaubniß wurde verweigert.

Rom, 2. December. In dem heute Morgen abgehaltenen öffentlichen C o n si st o r i u m bekleidete der P a p ft die Cardinäle Sancha y Hervas, Gottt und Manara mit dem CardiualShut. DaS heilige Collegium, das diplomatische Corps, viele Prä« laten und Angehörige deS römischen Adels, sowie zahlreiche Fremde wohnten der Feier bet. Der Papst, der auf der Sedta getragen wurde, erfuhr bet seinem Erscheinen und beim Verlassen der Versammlung eine lebhafte Begrüßung, die er I durch Erthetlen feines SegenS erwiderte. Das Aussehen des Papstes war zufriedenstellend. In dem darauf folgenden Confistortum präconifirte der Papst zahlreiche Bischöfe, darunter den Erzbischof Vandewotering von Utrecht. Darnach empfing der Papst die neuen Cardinäle in Privataudienz.

Petersburg, 2. December. Dem Vernehmen nach find aus Abbas Tuman sehr ungünstige Nachrichten über das Befinden des Großfürsten-Thronfolgers hier eingetroffen. Die Kaiferin-Wittwe dürfte morgen nach Abbas Tuman abretsen.

Depeschen des Bure»«fctuVb".

Berlin, 2. December. Heute Mittag fand in der Aula I der hiesigen Universität anläßlich deS 100jährigen Bestehens der mtlitärärztlichen BlldungSanstalten eine im- posante Feier statt, welcher Prinz Friedrich Leopold von Preußen in Vertretung deS Kaisers beiwohnte. Kurz nach 12 Uhr begann der Festact mit einer Festrede des General­stabsarztes der Armee, Prosessor v. Coler. Hierauf verlas der Redner ein Glückwunsch Telegramm des Kaisers. Cultus Minister Dr. Bosse brachte die Glückwünsche des Ministeriums dar, der vormalige Rector der Universität, Professor Wagner, diejenigen der Hochschule.

Berlin, 2. December. Die erste Plenarsitzung des Reichstages findet morgen Nachmittag 2 Uhr statt. Am nächsten Tage erfolgt die Wahl deS Präsidenten.

Berlin, 2. December. Der BundeSrath hat heute das Gesetz, bett, die Handwerkerkammern, angenommen.

Berlin, 2. December. Freiherr von Reischach, der 1 Hofmarschall der Kaiserin Friedrich, welcher in der Kotze'schen Angelegenheit kürzlich seine vtermonatliche Festungshaft an­getreten hat, ist, wie diePost" meldet, begnadigt worden und hat Glatz am Freitag verlassen. Bet dieser Gelegenheit, schreibt diePost" weiter, sei erwähnt, daß jetzt auch das Ehrengericht in dieser Angelegenheit seinen Spruch gefällt hat. DaS Urtheil liegt gegenwärtig im Militärcabinet zur Bestätigung durch den Kaiser. Das Ehrengericht hat, wie demselben Blatte zufolge verlautet, hinsichtlich des Herrn von Schrader auf Freisprechung, gegen Herrn von Kotze dagegen auf Entfernung auS dem Offiziersstande einstimmig erkannt.

Berlin, 2. December. DerNationalzeitung" wird aus Rom telegraphirt: Der Abtheilungschef im Ministerium deS Innern, Lepera, wurde heute Morgen, als er die Treppe im Ministerium hinanstieg, durch einen Dolchstich im Rücken verwundet. Die Wunde scheint jedoch nicht tödtlich zu sein. Der Attentäter emfloh.

Berlin, 2. December. DemBerl. Tageblatt" wird aus Antwerpen telegraphirt: In dem Nonnenkloster St. Antoine brach in der vergangenen Nacht Feuer auS, welches einen großen Theil der Klostergebäude zerstörte. Fast alle Kostbarkeiten und Reliquien wurden vernichtete Die Nonneu retteten sich halb angekleidet durch die Fenster in den Garten. Menschenleben find nicht zu beklagen.

Breklau, 2. December. Anläßlich der Anwesenheit des Kaisers find die Hauptstraßen festlich geschmückt. Der Kaiser wird sich heute Abend im Stadttheater Eleonore Düse als Magda in SudermannsHeimath" ansehen. Nachts wird die Alarmtrung der Garnison erwartet.

Demmin, 2. December. Bei dem Versuche, seine beim Eislauf etngebrochene 15jährige Tochter zu retten, ertrank der Conrector DombrowSky. Die Tochter ertrank gleichfalls.

Balschweiler, 2. December. Am letzten Samstag wurde der Feueroerstcherungsagent Jacob Dinter lebendig begraben. Der Todtengräber hatte das Grab zur Hälfte zugeschaufelt, als er ein Poltern im Sarge vernahm, der sodann gewaltsam geöffnet wurde. Inzwischen war der Scheintodte wirklich gestorben. Die vorher gefalteten und