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Der Gietzener Auzciger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
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Die Gießener Al«mitienVkä11er werden dem Anzeiger »öchmtlich dreimal beigelegt.
Erstes Blatt. Sonntag den 4. August
Gießener Anzeig er
Generat-Anzeiger.
189»
Vierteljähriger Avonnementspreirr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark, 50 Pfg.
Redaction^ Lxpeditiotz und Druckerei:
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Amts» und Anzeigeblatt riir den Kreis Gissten.
u chratisbeikage: Gießener Jamitienökäiter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittages für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Amtliche* Theil.
Gießen, den 2. August 1895.
Betr.: Die Vorschriften des Arbeiterschutz-Gesetzes vom 1. Juni 1891 über die Arbeitsbücher und Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche noch mit der Erledigung nuferer Verfügung vom 4. Juli l. Js. — Gießener Anzeiger Nr. 159 — im Rückstände sind, werden hieran mit Frist von 3 Tagen erinnert.
I. V.: Dr. Melior. — 1'■ 1 -- ■■■■==•
Deutscher Reich.
Marburg, 2. August. Unter zahlreicher Betheiligung der Professoren, Studenten und der Mitglieder der städtischen Behörden wurde unter strömendem Regen die Leiche Sybels zum Bahnhof geleitet.
Marburg, 2. August. Der Flügeladjutant deS Kaisers telegraphirte hierher an die Hinterbliebenen Sybels: Der Kaiser und König haben mit großem Bedauern die Nachricht von dem Ableben Ihres Herrn Vaters empfangen und mich beauftragt, Euer Hochwohlgeboren seine aufrichtige Theilnahme auszusprechen, v. Kalckstetn. Fr. Ztg.
Nerrefte Nachrichten»
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Beilin, 2. August. Die „Nationalztg." meldet: Dem Bo-rsitzenden des Preßausschusses für die Kaiser Wilhelm- Tvnal'Feier, Chesredacteur der „Nationalzeitung", Ko e b n e r, wurde der rothe Adlerorden 4. Klaffe verliehen.
Bern, 2. August. Ständerath Adam Herzog ist heute Nachmittag in Münster, Kanton Luzern, gestorben.
Petersburg, 2. August. Der Finanzminister beabsichtigt in Hamburg Depots russischer Industrie-Erzeugnisse zu errichten und zwar in Kattun, Tuch, Wollengewebe, Seidenstoffe, Hausindustrie, Branntwein, Knochenleim, Marmelade, Confecte, Porzellan, Theeservice, Seife. — Der Finanzminister widmet neuerdings der einheimischen Loko- motivbau-Jnd ustrie, die er vom Auslande unabhängig machen will, große Aufmerksamkeit. Es sollen in verschiedenen Gouvernements neue Lokomotivfabriken errichtet werden. —
Die Ausfuhr-Prämien auf Baumwollen-Fabrikate
sollen vom 12. August ab erhöht werden. — Im Zusammenhänge mit den Getreideernte Aussichten macht sich in Süd- mßland ein starkes Fallen der Getreidepreise bemerkbar,
bet ganze Handel zeigt große Verstauung. In den Gouvernements Pskow, Nowgorod, Petersburg ist die sibirische Vieh
seuche ausgebrochen- es wurden Gegenmaßregeln getroffen.
Konstantinopel, 2. August. Infolge des Auftretens der Ikholera in Aleppo beschloß der Sanitätsrath, die Provenienzen aus den Häfen zwischen Alexandrette und Luwedie, beide genannte Häfen einbegriffen, einer fünftägigen Quarantäne zu unterziehen, wenn Personen an Bord genommen »erden- wenn dies nicht der Fall ist, wird eine 24stündige
Beobachtung angeordnet.
Depeschen des Bureau „§erolbe.
Berlin, 2. August. Reichskanzler Fürst Hohenlohe beabsichtigt, wie die „Nordd. Allgem. Ztg." hört, zur Grund- Peinlegung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am 18. August hierher zurückkehren, doch ist der Tag seines Eintreffens noch
unbestimmt.
Berlin, 2. August. Der akademische Senat der Uni- berfität hat in seiner gestrigen Sitzung gegen die Mitglieder les Directoriums der Akademischen Lesehalle wegen Vergehens gegen die akademische Sitte und Ordnung ' enf Androhung der Entfernung von der Universität und je eine Woche Carcerhaft erkannt.
Berlin, 2. August. Am 9. August wird die Der- Mahlung des Fürsten von Waldeck und Pyrmont mit der Prinzessin Bathildis von Schaumburg auf Schloß Nachod stattfinden.
Berlin, 2. August. Ueber die Handwerker-Con- jerenz, welche Anfang dieser Woche hier zusammengetreten ist, ist nach der „Nordd. Allgem. Ztg." ein stenographisches Protocoll ausgenommen worden, besten Veröffentlichung dem Vernehmen nach beabsichtigt ist.
Berlin, 2. August. Wie aus Marburg gemeldet wird, wurde daselbst heute Nachmittag die Leiche Heinrich von Sybels nach dem Bahnhofe zur Ueberführung nach Berlin gebracht. Die Studenten der Universität begleiteten den Zug. Die Leiche trifft morgen Vormittag hier ein und wird auf dem Matthäi-Kirchhofe beigesetzt. Unter den bet der Familie des Verstorbenen eingelaufenen zahlreichen Beileidsbezeugungen befindet sich auch ein Telegramm des Fürsten Bismarck.
Berlin, 2. August. Der Compagnieführer Leue berichtet aus Tabora gegenüber anderen Meldungen, daß die Hungersnoth in Deutsch-Ostafrika zu Ende sei.
Wiesbaden, 2. August. Das Stück „Ausgewiesen" von Carl Böttcher, welches im hiesigen Residenztheater zur Aufführung gelangen sollte, wurde wegen seiner socialistischen Tendenz von der Censur beanstandet und die Aufführung von der hiesigen Polizeibehörde untersagt. Die Theater-Jn- dentandur will gegen die Polizei Beschwerde erheben.
Paderborn, 2. August. Auf dem Truppenübungsplätze zu Seune traf der Blitz ein Compagniezelt und betäubte 8 Soldaten, von denen einer schwer gelähmt wurde, während sich die übrigen wieder erholten. Der starke Regen setzte das große Zeltlager vollständig unter Wasser.
Saargemünd, 2. August. Unter den Mannschaften der in der hiesigen alten Kaserne garnisonirenden 5. Cheveauxlegers- EScadron kamen mehrere Thphuserkrankungen vor.
Wien, 2. August. Erzherzog Robert Ferdinand Salvator, Sohn des Großherzogs Ferdinand IV. von Toscana, ist heute in Lindau an Bauchfellentzündung gestorben.
Wien, 2. August. Das Kohlenlager der Dreher'schen Brauerei steht seit heute Nacht in Flammen. Vorläufig ist für die Brauerei selbst keine Gefahr vorhanden.
Pilsen, 2. August. Die von dem Bürgerlichen Brauhaus mit einem Kostenaufwande von 800,000 Gulden erbaute Mälzerei ist niedergebrannt. Ein Arbeiter ist verbrannt, einer schwer verletzt.
Budapest, 2. August. Die hier bei einem Freunde Stambulows in Verwahrung befindlichen Memoiren des bulgarischen Staatsmannes werden noch im Laufe des Sommers zur Veröffentlichung gelangen.
Sofia, 2. August. Die von den Offizieren angekündigte Seelenmesse für die in Macedonten gefallenen Offiziere wurde von der Regierung verboten.
Sofia, 2. August. Gerüchtweise verlautet, die Regierung plane die Einberufung der Reserven.
Sofia, 2. August. Türkische Bischi-Bozuks, welche auf- ständische Macedonter über die bulgarische Grenze verfolgten, stießen auf bulgarische Truppen, wobei es einen heftigen Kampf gab. Die Türken wurden an die Grenze zurück- geworsen.
Athen, 2. August. Nach Meldungen aus Sparta hat daselbst ein starkes Erdbeben stattgefunden.
Newyork, 2. August. Heftige Wolkenbrüche haben mehrere Staaten in Neu-Mexiko schwer heimgesucht. Einzelne Dörfer wurden beinahe vollständig zerstört. 30 Personen sollen ums Leben gekommen sein. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Dollar.
WB. SaltwateS (Grafschaft Aho, Auchenharrie, Schottland), 3. August. In der in der Nähe befindlichen Kohlengrube fand heute Nachmittag eine Ueberschwemmung statt, als neunzig Bergleute dort arbeiteten. Der größte Theil konnte sich retten, vierzehn Mann befinden sich noch in der Kohlengrube und werden wohl dort umgekommen sein.
Der Krieg von 1870171, geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit (Nachdruck derboten.)
4. August.
Vom alten Moltke, der selbst so wenig spricht, weiß die Welt desto mehr zu reden. Als er am 17. Juli in sein Bureau trat und man ihn wegen deS erklärten Krieges mit besorgten Gesichtern anfah, daß noch nichts vorbereitet sei, sagte er ruhig zu seinem Adjutanten: „Zweites Schubfach rechter Hand!" Und was war dort zu finden? Der ganze Kriegsplan gegen Frankreich fix und fertig. — — „Excellenz, wie stehts?" fragte ein zudringlicher Bekannter den alten Moltke auf der Straße in Berlin. — „O, im Allgemeinen recht gut," sagte der Alte. „Wenn auch mein Roggen nicht gerade sehr gut steht, so versprechen doch meine Kartoffeln eine um so prächtigere Ernte." — Damit ließ er den Frager stehen.
Die schönste und nachdrücklichste Rede, die wir bis jetzt gehört haben, hat ein bayerischer Cheveauxleger ge
halten, der in Kempten unter der Hausthüre von seinem Schatze Abschied mit den Worten nahm: „Das mußt Du Dir merken, wenn die Franzosen heraus zu Euch kommen, dann find wir, ich und meine Kameraden, alle tobt."
Auch die Steine reden. Vom uralten Thurme auf dem Ky ff häuf er flatterte am 22. Juli plötzlich das mächtige schwarz-roth-weiße Banner, es leuchtete weithin in das Land und rief die Leute herbei. War Kaiser Rothbart endlich erlöst und wiedergekehrt? Fliegen die krächzenden Raben nicht mehr um den Berg? Das Banner ist ein schönes Zeichen, daß ganz Deutschland aufgestanden ist wider den alten Erbfeind und aufgerichtet hat es in aller Stille ein Berliner (Roller). ES war ein tapferes Kunststück, denn der uralte Thurm, der letzte Rest der Kaiserburg, ist morsch und geborsten und wird durch eiserne Klammern mühsam gehalten, er hat keinen Eingang und steigt mit seinen vier kahlen Mauern 80 Fuß glatt in die Höhe. Es kostete zwölf Stunden harter, gesährlicher Arbeit, um den 30 Fuß langen Birkenstamm oben aufzupflanzen und au ihm das 20 Ellen lange, 6 Ellen breite deutsche Banner, — ein prächtig rauschendes Wahrzeichen.
Aus französischen Zeitungen:
„Der erste Sieg und die erste Etappe auf preußischem Gebiete! Die erste Rache für 1815 am Rhein! Die erste Antwort unserer demokratischen Armee auf die Anmaßungen der Armee der Krautjunker, der Armee des göttlichen Rechtes! Dieser erste Steg brachte uns Saarbrücken. Ach! ihr Herren Preußen, ihr wollet uns aushungern, indem ihr unserer Industrie die Nahrung versaget, die Steinkohlen. Nun wohl! Wir haben Saarbrücken, wir haben die Schachte der Saar, mit einem ganz neuen Canal, um die Kohlen bis Logelbach und Mülhausen zu befördern. Wir haben diese kostbaren Lager, und mit Gottes Hilfe werden wir sie behalten." (Opinion nat.)
5. August.
Niederrothenbach, 4. August, Nachmittags 5 Uhr 55 Min. Glänzender, aber blutiger Sieg der Kronprinzlichen Armee unter Führung seiner Königl. Hoheit des Kronprinzen von Preußen. Unter den Augen des Kronprinzen wurde Weißenburg und der dahinter liegende Geisberg durch die Regimenter vom 5. und 11. preußischen und 2. bayerischen Armeecorps erstürmt. Die französische Division Douay vom Corps Mac Mahon unter Zurücklassung ihres Zelt- Lagers in Auflösung zurückgeworfen. General Douah tobt. Ueber 500 Verwundete und Gefangene, darunter viele TurkoS, und ein Geschütz in unseren Händen. Unsererseits General Kirchbach leichten Streifschuß. Die KönigSgrenadiere und 50. Regiment starke Verluste.
In ganz Deutschland hat der Sieg bei Weißenburg, die Erstürmung der berühmten Linien, die das Aus- sallsthor Napoleons gegen Baden und die Pfalz sein sollten, großen Jubel erregt. In Berlin ließ ihn die Königin vom Balcon des Schlosses allem Volke verlesen. Auch das hat gefreut, daß fast alle deutschen Truppentheile Antheil genommen haben: Preußen, Norddeutsche und Bayern. ES war ein Sieg des deutschen Heeres. So ist also unser sehnlichster Wunsch, unsere feste Hoffnung in Erfüllung gegangen.
Der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein und seine Aufgaben.
Vortrag, gehalten in der Sitzung vom 1. August.
Die Alpen, mit ihren Ehrfurcht gebietenden, ewig unerschütterlichen Felsenhäuptern und Steinkolossen, mit ihren unübertrefflichen Naturschönheiten, diese stolzen hiwmel- anstrebenden Berge in ihrer großartigen Erhabenheit, ihre eisigen, in majestätischen Hermelinmantel gehüllten Gipfel, die früh des ewigen Lichtes sich freuen, ihre grünen, in buntem Blumenschmuck erleuchtenden Matten, die stillen Seen, weiten Gletscher, die pittoresken, von wilden Wafferstürzen durchbrausten Thäler bilden das vornehmste Reiseziel aller derer, welche mit idealer Liebe, mit tiefer Innerlichkeit, mit warmer Begeisterung für eine gesunde, männliche Kraftbe- thätigung alljährlich in diese weltentrückten Hochalpenthäler eindringen, um hier in frischem Kampfe mit der gewaltigen Hochgebirgsnatur den rüstigen Körper zu stählen und damit ein reichliches Maaß körperlicher und geistiger Frische sich zu erhalten. Nach Tausenden zählt alljährlich die Schaar der Touristen, welche durch die „läuternde und verjüngende Kraft der Hochgebirgsnatur" ihren Sinn für die großartige Scenerte der Alpenwelt neu beleben, zumal auch Diejenigen, welche sich nicht bis in die höchste Felsen- und Gletscherwelt versteigen können und wollen, doch wenigstens in jene Regionen, denen das Schreckhafte benommen ist, jetzt mit Bequemlichkeit und | Sicherheit einzudringen vermögen. Diese Begeisterung für


