Ausgabe 
4.7.1895 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Rr. 154

Der

Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- Montag».

Die Gießener

As«milieu0kätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt. Donnerstag dm 4. Juli__

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mrzeiger.

1898

Vierteljähriger Avo««eme»tspretsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schutstraße Vr.7.

Fernsprecher 51. ,

Amts- und Anzeigeblatt für den Urci- Gieszcn.

Hratisöeikage: chießener Kamitienötätter

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Anrtliche» Tbeil.

Gießen, den 1. Juli 1895.

Betr.: Die Strafregister, hier: Die Nachweisungen der im 1. Halbjahr 1895 verstorbenen bestraften Personen.

Der Großherzogl. Erste Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberheffen

<n sämmtliche Ortspolizeibehördeu des Kreises Gießen.

Sie werden ersucht, die obenerwähnten Nachweisungen bezw. die Fehlanzeigen bis zum 1. August d. I. ohne noch- malige Erinnerung an mich einzusenden.

Dr. Güngerich.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Juli. Die UnterrichtS-Commisfiou des Ab­geordnetenhauses hat eine Anzahl Petitionen, die die Zu- lassuug der Frauen zum Uutv ersttätSstudium verlangen, der Regierung, wie schon in früheren Fällen, als Material überwiesen. Die Commission des UnterrichtS- mtnisters erklärte, daß die Angelegenheit im Ministerium erwogen würde, aber noch nicht zum Abschluß gelangt sei. Zu einem gleichen Resultat gelangte die Commission bei einer Anzahl Petitionen von Lehrern um verbesierung ihres Ein­rommens, mit Rücksicht auf die Erklärung deS Ministers, daß ein Lehrerbesoldungsgesetz in Vorbereitung sei. F. Z.

Berlin, 2. Juli. In der Angelegenheit des sensatio­nellen Attentatsversuches auf den Berliner Poltzeiobersten Krause ist noch immer keine vollständige Klärung erfolgt. Bis jetzt find vier Personen, welche der anarchi­stischen Partei in Berlin angehören, unter dem Verdachte, in die AttentatSaffaire verwickelt zu sein, verhaftet- bet einer Haus­suchung in den Wohnungen der Verhafteten beschlagnahmte die Polizei eine Anzahl Papiere. Trotz der Verhaftung der vier Anarchisten erhält sich in Berliner Kreisen die Anschauung, daß das Attentat mit der Höllenmaschine aus Aürstenwaloe schwerlich einen politischen Hintergrund besitze, sondern wohl eher auf einen persönlichen Racheact zurück­zuführen sei.

Neueste Nachetchte«.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Kiel, 2.Juli. Der preußische Gesandte v. Kiderlen- Wächter, Intendant Kammerherr v. Hülsen, Haus- »arschall Freiherr v. Lyncker, Abtheilungschef im Militär- rabinet, Oberst und Flügeladjutant v. Lippe, die außer Anderen den Kaiser auf der Nordlandreise begleiten werden, sind hier eingetroffen.

Köln, 2. Juli. Ueber ein gestern über Rheinland- Westfalen niedergegangenes Unwetter liegen zahlreiche, größere Unfälle meldende Nachrichten vor. In der mit Tänzern besetzten Schützenhalle zu Wald schlug der Blitz ein und verletzte eine Anzahl Personen. Plötzlich erloschen alle Gasflammen, der Blitz hatte die Bletröhren der Gasleitung geschmolzen und das Gas entzündet, so daß Feuer ausbrach. Desgleichen wurde im Dorfe Merzenich ein Tanzzelt durch Sturm zerstört- Balken, sowie brennende Petroleumlampen stürzten auf die Menge, zahlreiche Personen wurden verletzt. Im Münsterlande find über ein Dutzend GutSbefitzuvgen zer- stört worden.

Dublin, 2. Juli. Ein Arbeiter fand auf der Straße -tue Blechbüchse. Als er den Deckel zu entfernen versuchte, explodirte die Büchse. Die Kleider des Arbeiters wurden durch Schrotschüffe durchlöchert, der Mann selbst getödtet.

Depeschen deS Bureau .Herold".

Berlin, 2. Juli. Wie dieNeuesten Nachrichten" auS Petersburg erfahren, dürfte China den russischen Anleihe- Vorschlägen zusttmmen und wäre somit, die russisch- chinesische Anleihe perfect.

Berlin,2.Juli. Der Reichskanzler Fürst Hohen­lohe fährt morgen früh über Baden-Baden nach Straßburg Mm Besuch der Elsaß-Lothringischen Gewerbe-AuSstelluug «ud wird sich von dort tu einigen Tagen nach Alt-Anssee Zegebeu.

Berlin, 2. Juli. Im preußischen Landtage wurde heute die Etsenbahnvorlage nebst Nachtragsetat in dritter Lesung angenommen. Ferner kam der Gesetzentwurf betr. die Errichtung einer Central-Credttanstalt zur Förderung deS genoffenschastlichen Personalcredtts in zweiter Lesung in Faffung der CommisfionSvorschläge zur Annahme und schließlich wurde die Vorlage betr. Entschädigung für Verluste durch Schwetne- krankheiten nach dem Anträge der Agrarcommisfion in zweiter Lesung erledigt. Morgen kleine Vorlagen.

Berlin, 2. Juli. Dem Reichstagsabgeordneten Dr. Böckel ist Seitens der Staatsanwaltschaft die Anklageschrift wegen Vergehen gegen § 130 des Straf Gesetz-Buches (Auf­reizung zu Gewaltthätigkeiten), die er durch Abdruck eines Gedichtes:Brutus, schläfst Du?" begangen haben soll, zugegangen. Die Verhandlung findet schon in nächster Zeit statt.

Berlin, 2. Juli. ES wird unS aus Friedrichsruh ge­meldet, daß Fürst Bismarck unpäßlich ist und dringend der Schonung bedarf. Es ist indeffen durchaus keine Lebens­gefahr vorhanden.

Berlin, 2. Juli. DieKreuzzeitung" schreibt: Der Wechsel in den Gouvernements von Ostafrika vollzieht fich in diesem Monat thatsächlich, indem der neue Gouverneur v. Wtßmann am 3. Juli seine Reise dorthin antritt und in der letzten Woche des MonatS wahrscheinlich die Führung der Geschäfte übernehmen wird. Zwei Monate später ist der Wechsel im Gouvernement Kamerun zu erwarten. Der Urlaub des Gouverneurs v. Zimmerer läuft mit Ende August ab. Bis dahin wird für ihn wohl ein anderer Posten gefunden sein und die Wlederbesetzung deS obersten Ver- waltungspoftenS in Kamerun kann erfolgen. Voraussichtlich wird der Landeshauptmann v. Putrkamer zum Gouverneur ernannt werden.

verli«, 2. Juli. Von dem Königlichen Polizeipräsidium find auf die Ermittelung des Absender» der Höllen­maschine 1000 Mark Belohnung ausgesetzt. Die Nachforschungen nach demselben in Berlin und Fürstenwalde haben noch zu keinem Resultat geführt. Die Verhaftung von vier Anarchisten steht mit dieser Affaire in keinem Zu­sammenhang. ES haben inzwischen zahlreiche Haussuchungen bei zur Probe angestellten Schutzleuten stattgefunden, jedoch bisher ohne Erfolg.

München, 2. Juli. Der oberpfälzische Marktflecken Eslarn wurde gestern von einem furchtbaren Brand­ung lück heimgesucht. 170 Anwesen und die Kirche sind dem Feuer zum Opfer gefallen.

Lemberg, 2. Juli. Die Stadt Glintany wurde von einer furchtbaren Feuersbrunst heimgesucht. Fast alle Häuser find eingeäschert. Einzelheiten fehlen noch.

Paris, 2. Juli. Der internationale Congreß für die Strafgesetzgebung hat in der gestrigen Sitzung die Bureaus gewählt und verschiedene Sectionen gebildet. In der heutigen Generalversammlung werden die öffentlichen DtScusfionen beginnen.

Paris, 2. Juli. Der Unterrichtsminister Potncarö ist von der Budget Commisfion über das zu Ehren der im Jahre 1870/71 gefallenen Soldaten zu errichtende Denkmal gehört worden. Der Minister hat sich nur über die künstlerische Seite des Denkmals ausgesprochen und den Ausschuß gebeten, seine Arbeiten zu beschleunigen, damit das Denkmal noch während der 25jährigen Gedenkfeier des Krieges enthüllt werden könne.

Paris, 2. Juli. Eine furchtbare Feuersbrunst ist gestern in einer Militär-Schuhwaaren-Fabrik ausgebrochen, welche sich bald auf die Nachbarhäuser auödehnte. Mehrere Häuser find bereits eingeäschert. Zahlreiche Personen haben durch Herabspringen aus den Fenstern schwere Verwundungen erlitten. Ein Feuerwehrmann kam durch Sturz sus dem Fenster ums Leben.

Madrid, 2. Juli. Der Justizmtntfter bereitet ein Amnestiedecret für alle Preßvergehen und MajeftätS- beletdigungen vor.

Sofia, 2. Juli. Die bulgarische Regierung hat die von der Pforte verlangte Auflösung des macedonischen Comitös abgelehnt und eine wesentliche Verstärkung des Militär» an der türkischen Grenze angeordnet.

WB. Berlin, 3. Juli. DieNeuesten Nachrichten" erklären die Mittheilungeu über ungünstiges Befinden des Fürsten Bismarck für völlig unbegründet. Der Hamburger Correspondent" meldet aus Friedrt chSruh:

Fürst Bismarck befindet fich wohl und hat bet Regen eine zweistündige Spazierfahrt im offenen Wagen gemacht.

H. Friedrichsruh, 3. Juli. Die Nachrichten über die Erkrankung deS Fürsten Bismarck find völlig un­begründet. Der Fürst ist gestern noch ausgegangen- er dürfte bald ein Bad besuchen, wahrscheinlich Gastein.

Gießen, den 3. Juli 1895.

* Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, am 25. Juni den Professor Dr. Himstedt an der Landes.Universität auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. September 1895 an, seine» Dienstes zu entlasten.

** Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Grosi­tz erzog haben Allergnädigft geruht, am 25. Juni den Lehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey Dr. Gustav Storck zum Lehrer an der Realschule zw Gernsheim, den Lehrer an der Realschule und dem Proghmuafium zu Friedberg Dr. Egon Ihne zum Lehrer an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt, den Lehrer an dem Schullehrer- Seminar zu Friedberg Otto Schüler zum Lehrer an der Realschule zu Darmstadt und den Lehrer an der erweiterten Volksschule zu Homberg a. O. Wilhelm Völsing zum Lehrer an der Realschule und dem Progymuasium zu Friedberg zu ernennen.

* 22. Mittelrheinisches Kreis Turnfest. Das Turnfest des Mittelrheinkreises, aus dessen Gebiet wir Tausende von Turnern zu herzlichem Willkommen in den Mauern unserer Stadt erwarten, steht vor der Thür- eine stattliche Vorfeier hat am Samstag Abend und am Sonntag bereits stattgefunden. Alle Voraussetzungen für das Gelingen eine» frohen Festes sind gegeben: weite Räume, herrliche Bauten sollen dem turnerischen Wirken wie den geselligen Freuden dienen - die Festausschüsse sind ihren ost schwierigen Arbeiten gerecht geworden, der Wohnungsausschuß hat Quartier gemacht, der Wirthschaftsausschuß hat fürs leibliche Wohl gesorgt, der Vergnügungsausschuß hat alle Musen höflich geladen und ihrer Mitwirkung sich versichert, der Finanz­ausschuß will ein sehr einnehmbares Wesen bethätigen, die Feststadt beginnt ihren Schmuck anzulegen, eine gastfreundliche Bevölkerung reicht den kommenden Gästen freudig die Hände nun möge der Himmel seine Gunst uns erweisen, es mögen die Turner und Festgäste einen frischen, fröhlichen Sinn mitbringen und herrliche, frohe Tage werden uns erblühen! Das 22. Mittelrheinische Turnfest: Gut Heil!

* 22.MittelrheiuischeSKreiS-Turusest. Der Festzug am Sonntag bewegt fich vom Ludwtgsplatz, in dessen Umgebung die Aufstellung erfolgt, durch folgende Straßen: Ludwig»- straße, Alicestraße, mit Gegenzug in der Fraukfurterftraße zurück nach der Ludwigsstraße, Gartenstraße, Ostanlage, Wallthorstraße, Liudenplatz, Marktplatz, Schulstraße, Neuenbäue, Neuenweg, Kaplansgasse, Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frauk- furterstraße, SelterSweg, Kreuz, Mäusburg, Marktftraße, Neustadt, Festplatz.

»* 22. Mittelrheinisches Kreis-Turnfest. Die Frank- furter Turnerschaft betheiltgt fich an dem Turnfest in einer Stärke von etwa 600 Mann unter Mitführung ihrer Fahnen und einer vollständigen auswärtigen Militärcapelle. Ein Extrazug bringt die Theilnehmer nach Gießen, die Ab­fahrt erfolgt Morgens 7 Uhr ab Hauptbahnhof, die Ankunft In Gießen gegen V,9 Uhr. Ein großer Theil der Frank- furter Turner trifft schon am Samstag hier ein.

* * Ei« große« Feuer verkündeten gestern Nachmittag in der Richtung nach Wetzlar dichte Rauchwolken. Wie wir erfahren, brannten in Dorlar sieben Hofraitheu nieder.

* Eiublinder" Passagier. Als heute Morgen der Zug von Fulda hier eintraf, fanden die Bahnbediensteten unter einem Personenwagen in der Feuerung einen 16jährigen Jungen als blinden Passagier vor. Derselbe hatte die Reise von Fulda bis hier mitgemacht, ohne entdeckt worden zu seim

* Laudwirthschaftliche Bodenbenntznug und Ernte Ertrage. Im Jahre 1894 wurden im Großherzogthum Hessen geerntet Weizen von 33,352 Hectar 571,201 Doppel- centner, Spelz von 4240 Hectar 64,728 Doppelctr., Korn von 69,112 Hectar 1,258,113 Doppelctr., Gerste von 56,582 Hectar 1,094,778 Doppelctr., Menggetreide von 2138 Hectar 26,844 Doppelctr., Hafer von 47,268 Hectar 741,220 Doppelctr., Buchweizen von 306 Hectar 1771 Doppel- centner, Erbsen von 3096 Hectar 33,841 Doppelctr., Acker­bohnen von 170 Hectar 1418 Doppelctr., Wicken von 1126 Hectar 9912 Doppelctr., Mischfrucht von 168 Hectar