Ausgabe 
3.8.1895 Erstes Blatt
 
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Samstag den 3. August

189*

Erstes Blatt

Mr. 180

vierteljähriger

jj Akonnemeutsprei»:

W 2 Mark 20 Psg. mit

Amts- und Anzeigeblutt för den Kreis Gieszen

Gratisbeilage: Hießener Kamitienökätter.

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i. Am 2. August, Vor-I Paris. In der Schlacht bei 0 Uhr ist das kleine! Saarbrücken blieben auf unserer

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Depeschen des Bureau ^Herold^.

Neueste Nuchet^teu.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

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Berlin, 1. August. Aus London meldet dieVoff. n Ztg."' Nach einer Berliner Drahtmeldung desDaily Tele- / graph" hat der Berliner Botschafter, Malet, um seine Entlassung gebeten. Er tritt im October von seinem

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Specerei

»«nahm- von Anzeigen zu der Nachmittag- für de« folgmden Tag erscheinenden Nummer bi» Darm. 10 Uhr.

Bringerlohn.

Durck die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

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Schntstraße Ar.L.

Fernsprecher 51.

Seite 11 Tobte, worunter ein Offizier. Die Division Frosiard kämpste gegen drei preutztsche Divisionen. Saarbrücken ist thell- weise niedergebrannt. Die Mitral- leusen brachten eine außerordent­liche Wirkung hervor. Eine feind­liche Abthetlung wurde durch Mittailleusen mit Verlust der Hälfte ihrer Leute gesprengt, einer anderen feindlichen Abthetlung er­ging es ebenso; Bazaine hatte ein Gefecht mit Plänklern, von denen mehrere getödtet wurden. Die Höhen von Saarbrücken sind jetzt tm Besitze der Franzosen, welche die Eisenbahn (am rechten ^aarufer) bis nach Trier be­herrschen. Es wird ve' sichert, Vatz zwischen Saarlouis und Saar­brücken 250,000 Preußm stehen.

Berlin, 1. August. Die Kaiserin begibt sich mit den beiden ältesten Prinzen am Samstag nach Stettin und von dort auf demKaiseradler" nach Saßnitz. Der Kaiser sahn zu derselben Zeit mittelst SonderzugeS über Hamburg nach Brunsbüttel, geht dort an Bord derHohenzollern", nimmt kurzen Aufenthalt auf Helgoland und fährt dann nach England. Die kaiserliche YachtHohenzollern" geht dieser "age von Kiel durch den Canal nach Brunsbüttel.

Rom, 1. August. Das italienische Geschwader ttt auf der Rückreise von Kiel über England heute Nachmittag

Deutsches Reich.

Berlin, 1. August. Nur wenige Tage hat Kaiser Söilhelm nach der Rückkehr von der schwedischen Reise in seinem Sommerheim bei Potsdam gerastet, denn zur Stunde bkstndet sich der hohe Herr bereits wieder aus dem angekün- d!gteu Ausfluge nach England. Unterwegs gedachte der Kaiser der Insel Helgoland, wo er bekanntlich schon des Oefteren weilte, erneut einen Besuch abzustatten. Kronprinz Wilhelm und Prinz Eitel Friedrich sind von ihrem Aufent­halt in Süddeutschland wieder im Neuen Palais bei Pots­dam eingetroffen. Die Kaiserin hat auf die geplante Sommer- viLegialur auf der Insel Rügen, wie verlautet, verzichtet, imb gedenkt auch bis auf Weiteres noch im Neuen Palais in residiren.

Bollständige sommerliche Stille herrscht in der inneren Politik, auf keinem Gebiete ist ein be­sonders bemerkenswerther Vorgang zu verzeichnen. Höchstens wäre die soeben in der Reichshauptstadt stattgefundene In - vungsconferenz zu erwähnen, welche in mehrtägigen Verhandlungen die ihr unterbreiteten Regterungsvorschläge wegen Organisation des Handwerks, Errichtung von Hand- werkerkammern, Regelung des Lehrlingswesens usw. berathen vad schließlich gutgeheißen hat. Indessen lauten die An- fia^en über den Inhalt dieser Vorlagen noch zu dürftig, als daß man letztere schon desinttiv beurtheilen könnte, namentlich vach in ihrer Wirkung auf das Handwerk. Ferner sind nächstens wieder einige Nachwahlen zum Reichstage za vollziehen, u. A. die Ersatzwahl in Dortmund, doch machen die betreffenden Vorbereitungen noch wenig Geräusch. AvS dem BundeSrath ist mitzutheilen, daß derselbe nicht dm 1. December, sondern den 2. December zur Vornahme der diesjährigen Volkszählung bestimmt hat- die Blcittermeldungen, denen zufolge der Bundesrath beschlossen haben sollte, an dem 1. December als Termin sür den ge­kannten statistischen Act festzuhalten, obwohl dieses Datum diesmal auf einen Sonntag fällt, waren demnach irrig.

Die ursprünglich so viel Aufsehen erregende An­gelegenheit der dem Berliner Polizeiobersten Krause razesandten Höllenmaschine verläuft allmählich im Sande. Die bisherigen Untersuchungen in der Affaire haben weder über den eigentlichen Character des versuchten Attentates poch über die Person des Thäters die gewünschten Anhalts- f>ankte ergeben. ir v ,

Wie dieNeuesten Nachrichten" erfahren, ist das befinden des Fürsten Bismarck zur Zeit ein aus­gezeichnetes. Der Fürst bewegt "sich viel zu Fuß und zu Wagen im Freien und erfreut sich einer heiteren Stimmung. Di« großen Gedenktage des Vaterlandes bieten ihm vielfach Anknüpfungspunkte der Unterhaltung, die sich auf den engsten .Familienkreis beschränkt. Besuche sind schon seit einiger Zeit picht mehr angenommen worden, um dem Fürsten nach den großen Empfängen, die die Geburtstagszeit ihm auferlegte, die Möglichkeit des AusruhenS zu gewähren. Dies dürfte poch für einige Wochen beibehalten werden, um dadurch auch die Durchführung kurgemäßer diätetischer Vorschriften zu erleichtern.

Berlin, 1. August. Der Präsident deS Reichsversiche- rungsamts,Oediker, arbeitet, wie diePost" hört, an

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1 franco. Carl, ssr»

Der Krieg von 1870J71, geschildert durch Ausschnitte aus ZettungS-Nummern jener Zeit (Nachdruck verboten.)

3. August.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Der Atetzeuer -«zeiger erscheint täglich, teil Ausnahme deS Montag-.

Die Gießener PiamitienVlätter Verden dem Anzeiger vichentlich dreimal beigelegt.

Posten zurück. Der Kaiser, welchem dies gemeldet wurde, drückte sein lebhaftes Bedauern darüber auS.

Berlin, 1. August. Der fünfundzwanzigsten Wiederkehr des Tages, an dem weiland Königin Augusta nach dem Abschiede von ihrem zur Armee ab* reisenden Gemahl zu Fuß in das Augustahospital ging und dort in der Capelle einen Bittgottesdienst veranstalten ließ, wurde gestern Abend durch eine kirchliche Feier an derselben Stelle gedacht. _ w .

Berlin, 1. August. DaS Kaiser-Franz-Regiment ist heute zu einer zehntägigen Schießübung nach Döberitz ausgerückt,- auch das erste Bataillon, das wegen der Er­krankungen am Typhus die Kaserne geräumt hatte, ist mit- marschirt. Seit der Ausquartierung dieses Bataillons sind bei ihm TyPhuSerkrankungen nicht mehr vorgekommen. Im Garnisonlazareth in Tempelhof befinden sich die erkrankten Mannschaften bereits in der Wiedergenesung. Die Zahl der Revierkranken des Bataillons ist auf vier zurückgegangen.

Frankfurt a. M., 1- August. DieFranks. Ztg.- be­richtet aus Winterthur: Bei dem heutigen Schützenfest» Banket hielt der Bundespräsidrnt eine sehr gut aufgenommene Rede, in der er die gesammte Schweizer Politik beleuchtete und besonders die friedliche Weltlage hervorhob, ferner die Nothwendigkett des Handelsvertrags mit Frankreich betonte.

Frankfurt a. M., 1. August. DieFranks. Ztg." meldet auS Basel: Die Direction der Central-Eisenbahn hat den Eisenbahnarbeitern 17pCt. Lohnerhöhung zugebilligt, welches Entgegenkommen die Arbeiter acceptirten.

Köln, 1. August. Heute srüh hat sich im D om während der 6 Uhr-Messe ein sremder, etwa 25 bis 30 Jahre alter, out gekleideter Mann durch einen Revolverschuß in die Schläfe getödtet. In seinem Besitz wurde ein Pfennig gefunden. Der Todte wurde sofort nach der Morgue geschafft und die Kirche von den Gläubigen behufs der alsbald vor­genommenen erneuten Weihung geleert. . ..

Posen, 1. August. Durch kriegsgerichtliches Urtheil wurden zwei Unteroffiziere des in Gnesen garnisonirenden 49. Infanterieregiments wegen Mißhandlung von Soldaten zu je 2</2 Jahren Festung, Degradation und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes ver- Urt^flarl8tnl)e, 1. August. Der bekannte Historiker Heinrich von S y b e l ist heute Morgen in Marburg, wo er bei seinem Sohne zum Besuch weilte, gestorben.

Brüx, 1. August. Professor Randa veröffentlicht sein Gutachten über die Brüxer Katastrophe, wonach die Brüxer Bergwerksgesellschaft nach dem allgemeinen Berg­gesetz unter allen Umständen für den in Brüx angerichteten Schaden ersatzpflichtig sei.

Laibach, 1. August. Professor Alois Schmidt aus Komotau ist gestern Abend von Triglav in der Nahe der Maria-Therefia-Hütte ab gestürzt. Er war sofort todt.

Triest, 1. August. Nach Meldungen, welche demPiccolo auS Rom zugegangeu sind, soll der Papst gesterü srüh von einem leichten Unwohlsein befallen worden sein.

Paris, 1. August. Seit einigen Tagen haben die Royalisten in den Straßen von Parts überall heimlich Porträts des Herzogs von Orleans ankleben lassen. Dieselben tragen die Umschrift:ES lebe der Herzog von Orleans". Die Polizeibeamten haben eine große Anzahl dieser Bilder entfernen lassen.

Madrid, 1. August. Die Ueberfahrt der Unter­stützungstruppen nach Cuba beginnt am 12. August. Die spanische Armee auf Cuba wird dann 76273 Mann betragen.

Athen, 1. August. In Kalamata hat gestern em starkes von unterirdischem Getöse begleitetes Erdbeben statt­gefunden.

Bukarest, 1. August. Im Auftrage des Ministers des Innern wurden in Krajowa zwei Kaufleute verhaftet, weil nachgewiesen wurde, daß dieselben Freiwillige für Macedonien angeworben haben. Bei den Verhafteten wurden 200 Gewehre, 35 Revolver und Kriegsmunition be­schlagnahmt. v. m

Sofia, 1. August. Die Untersuchung gegen die Ver­dächtigen in der Angelegenheit Stambulow stockt augenblicklich, da der Kutscher Iwan Jwantschew wegen der Häufigkeit seines Namens nicht aufzufinden ist. Kostow, ein angeblicher Agent provocateur Stambulows, der in Mace­donien gehenkt sein sollte, ist hier eingetroffen.

H. Darmstadt, 2. August. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin ist heute früh im Jagdschloß Wolfsgarten angekommen,- gleichzeitig traf, auS England kommend, die Prinzessin von Rumänien mit zwei Kindern ein.

Hichmer Anzeiger

Keneral-Anzeiger.

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mittags 10 Uhr, ist --- ----- Detachement in Saarbrücken von drei feindlichen Divisionen angegriffen und die Stadt mit 23 Geschützen beschossen worden. Um 12 Uhr wurde die Höhe des Exercierplatzes, um 2 Uhr die Siadt von dem Detachement ge­räumt ur-b der Rückzug nach der nächsten Station angetreten. Die Verluste sind verhältnißmäßig ge­ring. Nach Aussage eines Ge­fangenen war der Kaller der Franzosen um 11 Uhr vor Saar­brücken eingetroffen.

Weitere in Berlin einge­gangene Nachrichten melden: Un­geachtet des Feuers einer bedeu­tenden Artillerie verblieben unsere Vorposten in ihrer Stellung bis zur vollen Entwickelung des Gegners. Erst als dieser drei Divisionen entwickelt hatte und vorging, räumte die schwache preußische Vorpostenabthetlung die Stadt und nahm dicht nördlich

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derselben eine neue Beobachtungs­stellung.

Ein Mann schnitt nahe der Grenze bei Saarbrücken Korn und wollte sich beim Nahen der Franzosen flüchten. Diese riefen ihm jedoch in Elsässer Mundart zu, er möge bleiben und ihnen um Gotteswillen für Geld, welches sie ihm boten, Nahrungsmittel verschaffen, sie seien am Ver­hungern, es würde gar nicht für sie gesorgt. Da Forbach dicht an der Grenze liegt und Metz in anderthalb Stunden zu erreichen ist, so kann man sich einen Begriff von der dort herrschenden Ordnung machen. Selbst unter den Sol­daten, welche in Gersweiler waren, trugen einige Holzschuhe. Zwei Herren, welche gestern noch Saargemünd passirten, können nicht genug davon sagen, wie trostlos es mit der Equipierung der aus dem Innern anlangenden Regimenter aussehe. Die Uniformen defect und vor allem das Schuh­werk in einem nicht zu beschreibenden Zustande- die Schuhe mit Bindfaden geheftet, Holzschuhe sind die Regel.__________

Sitzung -er Stadtverordneten

am 1. August 1895.

Anwesend: Herr Beigeordneter Georgi, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Emmelius, Faber, Flett, Habenicht, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Löber, Orbig, Petri, vr. Ploch, Schiele, Schmoll, vr. Thaer, Vogt und Wallenfels. .

Zufolge Gesuchs des Herrn Carl Loos um miethwetse Ueberlaffung eines Lagerplatzes wird beschlossen, dem Gesuch­steller gegen einen monatlichen Betrag von 12 Mark den Laden im ehemals BourgeoiS'schen Haufe hinter der Kirche zu überlassen. '

Laut Vertrag ist die am Güngerich'schen Hause an der Frankfurter Straße befindliche Lastwaage an die Stadt übergegangen mit der Bestimmung, daß die Erträge zwischen dieser und dem vormaligen Besitzer getheilt und die BetriebS- unkosten von beiden Betheiligten getragen werden. Danach wurde in heutiger Sitzung beschloßen, die nothwendig ge­wordene, zu 60 Mark veranschlagte Herstellung des Wrege- raums zu Lasten der Betriebsrechnung vornehmen zu lassen. Ferner soll Voranschlag über Erneuerung des Pflasters der Zusahrt zur Waage eingefordert und Erhebungen angestellt werden über die Höhe der Pauschalsumme, welche dem Wieger für Heizung und Beleuchtung zu bewilligen wäre.

Zur Anschaffung eine- Deutzer Gasmotors sür den Gassauger tm Städtischen Gaswerk wird die Genehmi- ßUt19 Uebe^ bie bereits genehmigte Erweiterung des Großvieh­stalles und der Freibank im städtischen Schlacht* Hause liegt Voranschlag vor in Höhe von 1600 Mark für den Stall und 1060 Mark für die Freibank- die Vergrößerung der letzteren soll noch im Laufe des Jahres fertiggeftellt, die Halle für Großvieh noch vor dem Winter unter Dach gebracht werden. Die Voranschläge wurden genehmigt.

Die Wasserleitung auf dem Tiefenweg zwecks An­schlusses des Lindenstruth'schen Hauses soll, wie üblich, unter der Bedingung fortgesetzt werden, daß der Eigenthumer frag - Hauses sich zur Entrichtung eines Wasserzinses von lahrltch 37.50 Mark verpflichtet.

uvgsa bri der angekommen und wurde von der Bevölkerung sehr

^rzlich begrüßt.

ende WA.

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einer eingehenden Darstellung der auf dem Gebiete der Arbeiter-

Versicherung von Gesetzgebung und Verwaltung in den der-

10 10 schiedeuen Staaten in den letzten Jahren gemachten Erfahr-

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