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1895
Nr. 603 Zweites Blatt. Freitag den 3. Mai
Der fritjtner Anzeiger rrichrinl täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Aomilienvkälter werden dem Anzeiger wüchrntlich dreimal brigklegt.
Gießener Anzeiger
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Amtlicher Theil.
Die landlvirthschaftl. Haushaltungsschule zu Lindheim (Provinz Qberheffen).
Die zu Ltndheim seit fünf Jahren bestehende Haushaltungsschule deS landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Ober- hegen steht unter Oberleitung und Verwaltung des landw. Bezirksvereins Büdingen und eines OrtScomitöS zu Lindheim und hat die Aufgabe, Mädchen im Alter von etwa 16 bis 20 Jahren die Gelegenheit zur Aneignung derjenigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu geben, welche zur Führung einer wohlgeordneten, einfachen bäuerlich-bürgerlichen Haushaltung erforderlich sind, sie an Reinlichkeit, Pünktlichkeit und Fleiß, Ordnung und Unterordnung, sowie an Sparsamkeit im Haushalt zu gewöhnen und auch auf Geist und Gemüth bildend einzuwirken.
In dieser Lehranstalt erhalten die Mädchen Unterricht und practische Anleitung im Kochen, indem die Unterweisung hierin abtheilungSweise an zwei Kochherden Erfolgt und aus die Erlernung der Zubereitung einer schmackhaften und kräftigen sogen. Hausmannskost gerichtet ist, im Conserviren von Nahrungsmitteln, im Einmachen von Gemüsen und Früchten, Einsalzen von Fleisch, Räuchern von Fleisch und Wurstwaaren, im Backen, Waschen, in der Behandlung der Wäsche und Kleidung, im Bügeln, Putzen, im Molkereiwesen, und zwar in der Behandlung der Milch und Bereitung von Butter und Käse in der der Anstalt zugehörigen, in dem AnstaltSgebäude eingerichteten Molkerei, in der Bestellung und Ausnutzung des Gemüsegartens, sowie Unterricht in der Zucht und Pflege des GestügelS. Es werden ferner die Mädchen in der Fertigung weiblicher Handarbeiten gründlich unterwiesen und zwar im Stricken, Flicken, Stopfen und Wetßnähen mir der Hand und der Maschine, und erhalten Anleitung zum Kleidermachen, wobei sie sich für den eignen Bedarf und für denjenigen ihrer Familie beschäftigen dürfen. Auch wird in den Fortbildungsfächern, nämlich im Rechnen, in der Abfassung von Aufsätzen und Briefen und in der Buchführung Unterricht ertheilt, wie auch Unterweisung in den Anfangsgründen der Gesundheitö- und Krankenpflege erfolgt.
Es ist in der Anstalt für eine geist- und gemüthsbildende Lectüre gesorgt und wird der Gesang gepflegt. Ein Clavier ist der unentgeltlichen Benutzung der Mädchen überlassen.
Die unmittelbare Leitung der Anstalt ist einer Vorsteherin (Hausmutter) und einer Assistentin (Jndustrielehrerin) übertragen, welche beide in dem Anstaltsgebäude wohnen. Außer diesen ertheilen in der Anstalt noch der Großherzogliche Kreisarzt zu Büdingen, ein Landwirthschaftslehrer und ein VolkSschullehrer Unterricht.
Es finden jährlich zwei Unterrichtscurse von je fünf Monaten statt, in welchen jede Schülerin für Unterricht und Logis 20 Mark bei dem Eintritt, und für Kost und Verpflegung pro Tag 90 Pfg. in Monatsraten pränumerando zu entrichten har. Außerdem sind noch etwaige Ausgaben für Arzt und Apotheke zu bestreiten.
Vom Tage des Eintritts an, also während deS EursuS, dürfen die Mädchen ohne Erlaubniß oder Auftrag der Hausmutter außerhalb der Anstalt nicht verkehren und haben sie sich der eingeführteo Hausordnung unweigerlich zu fügen. Insbesondere ist ihnen auch Ehrerbietung, Gehorsam und Unterordnung gegen das Auffichts- und Lehrpersonal, Freundlichkeit, Verträglichkeit und liebevoller Verkehr untereinander und endlich Treue, Fleiß und Sorgfalt bei den Arbeiten zur strengsten Pflicht gemacht.
An Sonn- und Feiertagen werden die Mädchen veranlaßt, den Gottesdienst ihrer Confession zu besuchen, wobei die Hausmutter bezw. die Assistentin die Begleitung übernimmt. Morgens vor dem Frühstück, vor und nach dem Mittagessen und Abends vor dem Schlafengehen findet gemeinsames Gebet statt.
Besuche von Eltern und Schwestern sind gestattet, solche anderer Personen nur unter Begleitung eines Mitglieds deS Ortscomitss.
In die Anstalt sind mitzubringen:
1 Bettdecke, 1 Unterbett, 1 Kissen (Bettstelle und Matratze werden gestellt), 1 doppelter Ueberzug, 1 weißer Bettüberwurf, 1 Waschbecken, 6 Hemden, 4 Handtücher, 2 Bettjacken, 1 Kleiderbürste, 1 Schuhbürste, 1 Trinkglas, 1 Zahnbürste, 1 Regenschirm, 1 Nähstein, Zeug und Leinwand zur Anfertigung bezw. Unterhaltung von Kleidern, Hemden und Bettwäsche, Wolle und Garn zu Strümpfen und Socken :c. und 2 Vorhängschlößchen.
Am Schlüsse des Cnrsus findet eine Ausstellung der gefertigten Arbeiten, die Uebergabe von Zeugnissen über Betragen und Leistungen, sowie eine feierliche Entlassung der Schülerinnen statt, wozu deren Eltern und Angehörigen ein- geladen werden.
Der zweiteCursuS pro 1 895 beginnt Montag den 1. Juli und wird Samstag den 30. November l. I. geschlossen werden.
Die Meldungen hierzu sind bet dem unterzeichneten Vorsitzenden des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Büdingen unter gleichzeitiger Angabe deS Vor- und Zunamens, deS TagS, Monats und Jahres der Geburt und deS Wohnorts der Schülerin und des Namens der Eltern oder deS Vormundes schriftlich einzureichen.
Lindheim, den 18. April 1895.
Der Vorsitzende deS landw. Bezirksvereins Büdingen. Klietfch, Geh. RegierungSrath.
Das OrtScomitv. Westernacher, Oberamtmann. Frau Westernach er. Buß, KreiSschulinspector. Lipp, Bürgermeister. König, Beigeordneter.
Vermiete».
* Das Vermögen der Rothschilds. Nach dem Blatte „Signal" beläuft sich das Gesammtvermögen der Rothschilds auf 10 Milliarden Franken. Davon besitzen die französischen Rothschilds eine. Im Jahre 1875 war das Vermögen der Rothschilds nicht einmal halb so groß, als es heute ist, in 19 Jahren hat sich ihr Capital mehr als verdoppelt. Aus angestellten Berechnungen ergibt sich, daß dieses Capital im Jahre 1965 mit den Zinsen und Zinseszinsen sich aus 300 Milliarden Franken belaufen wird. Von den Zinsen des Vermögens der Rothschilds würden dann 37 Millionen Menschen anständig leben können, d. h. die ganze Bevölkerung Frankreichs. Im Jahre 1800 besaß der Großvater der Rothschilds noch gar nichts- sein Vermögen datirt von der Schlacht bei Waterloo.
* Die Schwimmblase der Fische dient bekanntlich dazu, dieser Thierklasse die Möglichkeit zu gewähren, sich schnell in tiefere Gründe des Äassers heradzukassen, oder aus solchen emporzufteigen; aus der Entdeckung eines französischen Naturforschers muß man aber schließen, daß die Blase auch noch einen anderen wichtigen Zweck hat, nämlich den, dem Fssche ein Reservoir für Sauerstoff zum Athmen zu geben. Wie der Forscher nämlich fand, besteht die Lust in der Blase keineswegs au8 gewöhnlicher atmosphärischer oder, wie man annehmen könnte, verdorbener Luft, sondern dieselbe zeigt einen Sauerstoffgehalt von 80 pCt., wogegen armo-
Feriilleton.
Drr die Kinder bringt.
Von Ernst Rietschei.
(Schluß.)
Nicht minder wird der stark ausgeprägte Familiensinn dieses Vogels gerühmt und das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit mit den übrigen Genossen desselben Stammes. Wo cS etwa geschwunden, blieb wiederum die Strafe nicht aus. Ein dänischer Regimentsarzt, welcher auf der Insel Fünen in Garnison lag, hat in dieser Hinsicht werthvolle Beobachtungen machen können.
„Auf dem Dache der Scheune," schreibt er, „in deren Nähe sich der Wagenpark befand, war ein Storchnest. DaS Paar zog ein Junges auf, das nach einiger Zeit Gehversuche anstellte, bei einem derselben aber ins Fallen gerieth und außer Stande, sich zu halten, auf den Erdboden kam. Die Wache hatte den Vorgang bemerkt und die Soldaten nahmen sich des jungen Vogels an, der bei seinem Unfall unbeschädigt geblieben war. Mäuse gab es in Menge, die Leute fingen dieselben und fütterten damit den Storch, welcher dabei kräftig gedieh. Als sein Gefieder erstarkte, .wollten die Soldaten, welche das Thier liebgewonnen hatten, ihm die Flügel stutzen. Doch war dies nicht einmal nöthig, denn der Vogel hatte sich vollkommen an die Uniformen gewöhnt und blieb freiwillig. Er zeigte stets eine große Zuneigung zum Militär, schloß fich an jeden Soldaten an, ging aber jedem Civtlisten aus dem Wege und ließ fich von keinem solchen anrühren. Wenn die Soldaten ausrückten, ging der Storch mit; bei den Exercitien war er stets zugegen und machte jede Schwenkung mit, kurzum, er wurde ein richtiger Soldatenstorch. Höchst ungelegen kamen ihm die großen Märsche, weil er diesen denn doch nicht gewachsen war. Dann ging er mit, so weit er konnte, um schließlich ärgerlich in das Quartier zurückzukehren. Einmal wäre er beinahe elendiglich zu Grunde gegangen. Die Soldaten hatten eine Kuh geschlachtet und natürlich war JonaS — so hieß unser
Storch — auch zugegen. Bei dieser Gelegenheit fraß er eine solche Menge Fleischabfälle, daß er sich den Magen überlud. Nun lag er röchelnd und ächzend auf dem Boden. Da kam ein Soldat auf den Einfall, ihm einen Löffel Branntwein einzuflößen Das half; in wenigen Minuten und ziemlich leicht wurde Jonas von seiner Ueberlast befreit. Er war wieder guter Dinge und blieb der gute Kamerad seiner uniformirten Freunde bis zum Herbst. Als nun die Wanderzeit der Störche gekommen war, versammelte sich eine Menge dieser Vögel in der Nahe des Gehöftes. Auch Jonas' Eltern gesellten fich zu ihnen, dieser aber blieb fern. Bald daraus kamen einige Störche an ihn heran und er begab fich, wie von öiesen aufgeforbert, zu der Versammlung. Wie gewöhnlich bei solchen Zusammenkünften, vernahm man viel Gezisch und Geklapper. Dabei sah man deutlich aus Jonas' Geberden, wie er fich weigerte, den übrigen Störchen zu folgen. Noch ehe wir etwas thun konnten, fielen sie über ihn her. Als die Soldaten zur Stelle kamen, flogen die übrigen Störche davon — JonaS aber lag, eine blutende Leiche, am Boden. Wir begruben ihn und fetzten auf den kleinen Hügel einen Pfahl mit der Aufschrift: „Hier ruht Storch Jonas, der Soldatenfreund."
Noch manche andere Eigenschaft, welche auf einen gut entwickelten Verstand hinweist, will man an unserem lang- geschnäbelten Firstbewohner des Menschenhauses wahrgenommen haben. So legen sowohl der wilde Storch, als auch der gezähmte eine ganz entschiedene Liebe für die Musik an den Tag. Sie Übt einen Bann aus, welchem sich der Bogel nicht entziehen kann. In der Stadt mit ihrem Gewoge mag diese Beziehung allerdings nicht so leicht herzustellen fein. Wenn aber in die Ruhe deS Landlebens hinein einmal die Klange eines Instruments ertönen, so lauscht ihnen Meister Storch mit dem allergrößten Wohlbehagen. ES kam schon vor, daß er sich, immer den Klängen der Musik nachgehend, ohne Scheu in das geöffnete Haus wagte, bis an die Seite des Spielenden, um nun m aller Andacht den Tönen zu lauschen, welche ihm ein solches Behagen verursachten. Merkwürdig ist auch, daß der Storch bei seinem Wanderflug nach ‘
dem Süden sich als Lastthier für andere Vögel gebrauchen läßt. Die Wissenschaft zeigt fich dieser Ueberlieferung gegenüber allerdings ein wenig skeptisch. Allein gänzlich in das Gebiet der Sage läßt sie fich doch wohl nicht verweisen, da selbst Gelehrte, wie der ältere Darwin, für die Glaubwürdigkeit eingetreten sind. Jedenfalls ist der Gedanke schon an fich reizvoll, daß Meister Storch die kleinen Singvögel, welche keine großen Flugvirtuosen sind, willig auf feine Fittiche nimmt und in das Land ihrer Sehnsucht führt.
Aehnlich verhält es sich mit einer anderen Ueberlieferung, die bald als Aberglaube angeführt wird, bald hinwiederum durch die Zeugenschaft einer Autorität Glaubwürdigkeit gewinnt. ES herrscht nämlich die Ansicht, daß der Storch überall, wo er wohnt, im ersten Jahre eine Feder, im zweiten ein Ei, im dritten aber ein auSgebrüteteS Junges als Miethe spende. Kein Geringerer als Freiherr v. Maltzahn, der berühmte Reisende und Naturforscher, tritt dafür ein. „Im ersten Jahre," so erzählt er, „lag eines Morgens eine schöne, große, fehlerfreie Feder auS dem Flügel nahe unserer HauSthür, ebenso im zweiten ein Ei — freilich zerbrochen; im dritten Jahre, als wir schon die kleinen, bauntgen Köpfchen erblicken konnten, hielten bie beiben Alten ein ungewöhnlich laute«, langes Zwiegespräch, ganz im Gegensatz zu bem leisen, gebämpften Geklapper, welches sie zu beobachten pflegten, so lange bie Jungen noch klein sinb. Plötzlich sahen wir ben Storch eines berfelben mit großer Energie am Halse fassen unb bamit vom Neste fliegen. Die Störchin breitete ihre Flügel über bie anberen Kleinen im Nest unb schaute dem Fluge bes Storches aufmerksam zu. Dieser flog breimal um bas Nest unb näherte fich bei jedesmaligem Umkreisen unserem Hause immer mehr, um bann plötzlich sein Kleines birect unter bas Fenster fallen zu lassen. Die Kinber liefen sogleich hinaus, den armen AuSgestoßenen aufzunehmen, fanben ihn jeboch schon in ben letzten Zügen." — So weit ber Gelehrte, bem wir wohl bie Verantwortlichkeit für bie von ihm mitgetheilte Thatsache überlassen bürfen.


