Gegenstand verschwinden liefe; auf die nunmehr erstattete I Anzeige wurde von der Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung I der Wohnung der Damen angeordnet, die einen ungeahnten I Erfolg hatte; eS wurden der „Schief. Ztg." zufolge zwei Handwagen voll mit muthmafelich auf unredliche Weise erworbenen Waaren fortgeschafft und zwei der Damen als der Ladendiebstähle überführt vorläufig in Untersuchungshaft genommen und am 25. d. Mts. in das GerichtSgefängnife übergeführt. Verschiedene Inhaber offener Geschäfte haben unter den mit Beschlag belegten Gegenständen Waaren aus ihren Geschäften vorgefunden, die fie seit längerer Zeit vermißt hatten; der eine Kaufmann hat, wie er selbst erzählte, für mehr als 1500 bis 1600 Mark Waaren als ihm gestohlen erkannt, ein Parfümerie-, Kunst- und Lederwaaren-Kaufmann hat etwa 70 Artikel aus seinem Geschäfte wiedergefunden, ein Inhaber eines Modewaarengeschäftes für 150 Mark Seidenstoffe oder daraus gefertigte Kleidungsstücke usw. Bisher dauern die criminalpolizeilichen Ermittelungen nach Bestohlenen noch fort, weil noch für eine Menge Sachen der verschiedensten Art der Ursprung nicht festgestellt ist.
* Seltenes Vorkommuih. Im Canton Uri sind sämmt« liche Gefängniffe zur Zeit völlig leer. Sowohl im Zucht- Haus, als auch im Arbeitshaus und den Arrestzellen sitzt kein einziger Mensch. Glückliches, moralisches Uri!
Landwirthschastliche Minke und Rathschläge.
△ Aus Oberhefien, Ende Mai.
Larrdwirthschafttiche Umschau ««d ArühjahrSbetrachlnngen eines oberhessische« LandwirthS.
(Schluß.)
Die Weltgeschichte ist das Weltgericht! sagt unser herrlicher Schiller. Wenn wir uns in der Weltgeschichte umschauen, finden nur merkwürdige Analogien mit unseren heutigen Zuständen.^ Wir befinden uns gegenwärtig in einem Zustande der Auflösung, ähnlich wie es die alte Welt zur Zeit Christi und des Kaisers Augustus war. Vor Allem springt ein übermäßiges Wachsen von Retchthum in einzelnen Händen und daneben das Proleiariat mit seinem Massenelend in die Augen. Wetter ist unleugbar, daß Religion und Sitten immer mehr zerfallen. Drittens sind die Staatsformen in ihrem Bestände bedroht. Viertens ist der Glaube an eine allgemeine Revolution als nahe bevorstehend weit verbreitet und tief eingewurzelt.
Was können wir dagegen thun? hat sich schon mancher brave Mann, dem ähnliche Gedanken kamen, gefragt.
Die Menschen raffen heutzutage Reichthümer zusammen, um sie fort und fort zu vergrößern. Das ist Unsinn und daher unwürdig. Wer ein großes Vermögen erworben hat, sollte sich aus dem Geschäftsleben zurückziehen, sich der Kunst, der Literatur, dm öffentlichen Angelegenheiten, den Wohltbätigkeitsanstalten widmen. Das wäre ein schöneres, würdigeres Dasein, als immer fort und fort bis ans selige Ende ungezählte Hunderttausende ergattern und erschachern. Solche Reiche würden ihrem Leben einen ungleich höheren Gehalt durch eben angedeutete Thätigkett geben, als durch unersätt- lichm Golddurst.
Das Massenelend ist eine Schande für die Menschheit des neunzebutin Jahrhunderts. Man schafft neue Kräfte, neue Wege, neue Maschinen, aber das Gemeinwohl wird nicht genügend gefordert, Egoismus und Materialismus find zu groß. Daneben findet man die merkwürdige Erscheinung, daß Freidenker und Gottesleugner oft ihr ganzes Thun und Denken daran setzen, der leidenden Menschheit zu helfen, während fromme Leute an reichbesetzten Tafeln schwelgen.
Der Zerfall von Religion und Sitten zeigt, daß Vieles mangel
haft in Bezug aus Erziehung und Gesetzgebung ist. Manche Leute wollen das Ehriftenthum ganz abschaffen, was vor hundert Jahren in Frankreich versucht worden ist. Der Name „Gott" wird in einiger Zeit ganz aus der Literatur verschwunden sein, meinte einer der Staatsphilosophm; er Überzeugte sich aber später sehr bald, daß die Menschheit jammern und beten lernte: Ach Du lieber Gott! hilf uns aus Noth, Angst und Pein. , ,
Das Ehriftenthum ist eine Religion, wie sie noch niemals da- gewefen ist. In neuerer Zeit fangen die Leute in Paris und London an, dm BuddiSmus auf den Schlld zu erheben. Die Sectirerei und Religtonssttfteret unserer Tage erinnert auch an die Zett des Augustus, wo alle möglichen und unmöglichen Versuche im Reltgionsstiftm gemacht wurden, bis daS Ehriftenthum kam und langsam, aber sicher den heidnischen Plunder wegfegte. Wer na» den Vorschriften des Christenthums lebt, wird niemals in Verzweiflung, Angst, Roth und Pein gerathen; er wird den Gesetzen genügen, sich einen heiteren Lebensgenuß nicht versagen, mit Gott, Gewissen und Mitmenschen gut auskommen. Seit neunzihn Jahrhunderten ist Christus der geistige Führer fast unter allen Völkern geworden. Seine Waffen zerschmettern dm Gegner nicht, sondern überzeugen ihn innerlich. Keine andere Religion vermag das zu bieten, wir halten daher am besten an unserer bewährten christlichen Lehre fest.
Daß die Staatsformen in ihrem Bestände bedroht sind, läßt sich nicht leugnen; dies hängt mit dem Glauben zusammen, daß eine große allgemeine Revolution kommen und die sündige Menschheit wegfegen müßte, damit auf den Trümmern ein neues Menschen- gefchlecht, eine neue Religion, ein neuer Staat errichtet werden könnte. Daß in den nächsten Jahrzehnten noch Stürme kommen werden, bezweifeln wir nicht im Geringsten; aber daß fie alle Begriffe über- ftetaen und alles Bestehende Hinwegfegen werden, bezweifeln wir sehr, weil die Widerstands- «nd Heilmittel so gewaltige find, daß sie sich von der Revolution nicht überwältigen lassen weiden. Geschähe Letzteres, so würden wir in den Zustand der Barbarei zurückfallen; die Menschheit mit ihrer anderthalbtausendjährigen Geistesarbeit würde vernichtet, sie müßte von vorne anfangen und es würden sich Zustände herausbilden, wie sie zur Zeit der Völkerwanderung geherrscht haben mögen. Gegen solche Greuel der Verwüstung bäumen sich alle Kräfte der Humanität und Gesittung auf; der Idealismus nimmt sicher wieder einen neuen Aufschwung und treibt rohe Genußsucht, Geldgier und Egoismus zurück.
Vergleicht man aber das Zeitalter der Reformation und der französischen Revolution mit den Erscheinungen im letzten Decenniurn des neunjebnten Jahrhunderts, so kommt einem der Gedanke, daß sich die Weltperiode des Mittelalters erst jetzt zu Gude neigt. Die gewaltigen Errungenschaften, Erfindungen und Fortschritte der letzten Jahrzehnte in Verbindung mit Humanität, die Religion in Verbindung mit der Kunst, ein geläuterter Sinn für wahre, echte Poesie sind im Stande, wirkliche Fortschritte und ein neues Zeitalter herbeizuführen. Hoffentlich sind diejenigen Männer, welche die Geschicke unseres Volkes lenken, befähigt, die Zeichen der Zeit zu verstehen und die Bewegung in die richtige Bahn zu lenken.
Die Wurzeln unserer Kraft sind der deutsche Bürger-, Bauern- und Handwerkerstand, mit einem Worte: der deutsche Mittelstand. Mit ihm wird Deutschland emporsteigen oder untergehen. Er liefert nicht blos die besten Soldaten für alle Waffengattungen, mit denen die äußeren Schlachten gefchlagen werden, er bringt auch Geisteshelden hervor, welche den Aberglauben besiegen, die christlichen Ideen durchführen und die geistiaen Fortschritte ermöglichen. Wer de« Mittelstand fördert, hilft die Zukunft >deS Vaterlandes fichern. Als deutscher Patriot zweifeln wir keinen Augenblick an der besseren Zukunft unteres Vaterlandes und schließen mit den unvergleichlichen Worten des Altmeisters Goethe, die er dem ringenden, hochbetagten, erblindeten Faust in den Mund legt:
Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben, Das ist der Weisheit letzter Schluß: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muß.
Und so verbringt, umrungen von Gefahr, Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.
• Solch ein Gewimmel möcht ich sehn, Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
Zum Augenblicke dürst' ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Erdetagen
Nicht in Aeonen untergehn.
Brodpreise
vom 2. Juni bis 16. Juni 1895.
Der hiesigen Bäcker.
1 Kg. (2 Pfd.) Tafelbrod
2 Kg. (4 Pfd.) Tafelbrod
1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod
2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod
1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrot»
Roggen-Schwarzbrod bei Ernst Muth
2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrot» Roggen-Schwarzbrod bet Ernst Muth u.W.Ammd .
3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrot»
Der auswärtigen Bäcker.
1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrod bet W. Weitzel von Lang-Göns Aug. Deibel von Wteseck u. WUH. Fabel von Wteseck
2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod bei Gg. Ant. Heuser von Gr.-Linden L. Schmidt von Gr.-Linden
W. Weitzel von Lang-Göns
2 Ka. (4 Pfd.) Schwarzbrot» bei Gg.A.Heufer v. Gr.-Linden Louis Schmidt v. Gr.-Linden, Joh. Kd. Belte v. Kirch-Gons, W. Weitzel v. Lang-Göns W. Steinmüller v. Lang-Göns Aug. Deibel v. Wteseck und G. Jacoby v. Alten-Buseck
3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod bet G. Jacoby v. AltenAuseck Batth. Christ. Ww. v. Wteseck u. Wtlh. Fabel von Wieseck
25 Psg.
50 „
23 „
46 „
21 „
20 „
42 „
40 „
63 „
21 Pfg.
22 „
38 „
40 „
42 „
36 „
38 "fö,
40 ,
60
Der Brodverkäufer.
Dieselben Preise wie bet den hiesigen Bäckern. Gießen, den 1. Juni 1895.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Wolff, Regierungs-Affeffor.
Oanksagmigskarten Yisitkarteu mit Trauerrand nebst daxn passenden Couverts.
Anfertigung In kxLXSsester Friert
zu mässigen Preisen in der Msthen Druckerei SchutotrasM 7.
Metzmer'S Lhee A Mk. 2.80 und 3.50 pr. Pfd. in höchsten Kreisen eingeführt, genießt Weltruf; der beliebteste und verbreitetste Thee. Probepackete 60 und 80 Pf. bei Conditor Hettler. 2069
einen Haufen Geld verdienen. Die Aussicht war entschieden verlockend. Karl erwartete ihn ohnehin kaum heute noch, es schadete nichts, wenn er einige Stunden später auf Ltndenhof eintraf. Morgen war ja auch noch ein Feiertag. Der junge Künstler liebte die Extravaganzen und er faßte schnell seinen Entschluß.
Als sich jetzt der Wirth zögernd mit verlegener Miene nahte, rief er ihm jobitf entgegen:
„Ich weife schon, was Ihr wünscht, guter Mann, und will Euch gern aus der Verlegenheit helfen."
' „Hurrah!" schrieen die tanzlustigen Dorfbewohner und der Wirth machte einen Freudensprung.
Adalberr begab sich, geführt von dem Wirth, in die niedrige, verräucherte Gaststube, welche heute den stolzen Namen Saal führte und durch den Schmuck duftender Pfingft- maten einen festlichen Anblick bot. lieber eine Anzahl leerer Biersäffer hatte man Bretter gelegt und damit das Podium errichtet.
Adalbert nahm vorsichtig auf einem der darauf gestellten Holzstühle Platz. Gleich darauf ertönte eine liebliche Weise, die zu des Künstlers Erstaunen trotz ihrer Neuheit auch bereits in diese entlegenen Regionen hineingedrungen war, denn mit Jubel und fröhlichem Gestampfe fielen die Tanzenden in die Melodie ein: „Im Grünewald, im Grünewald ist HolzaucÜon."
Der Anfang machte sich recht lustig.
Plötzlich erhob sich draußen ein Tumult. Die Saalthüre wurde aufgeriffen und vier etwas abenteuerlich aussehende Gestalten strömten herbei.
„Ha, da ist ja der Landstreicher, der den armen Leuten daS Brod nimmt," rief ein baumlanger Kerl mit einer ungeheuren Kupfernase. „So 'n Pfuscher! Er soll mal seinen Gewerbeschein zeigen."
Adalbert hatte entsetzt sein Spiel abgebrochen. Er ahnte instinctiv, wer die Leute wären.
„WaS wollen Sie von mir," rief er, seine kostbare Geige hinter sich haltend, den auf ihn eindrängenden Leuten zu. „Der Wirth hat mich engagirt."
„Der Wirth hat uns schon vor'n Monat bestellt," brüllte daS vierblätterige Kleeblatt. „Wir können nicht da^ für, wenn wir wegen Raummangel auf der Eisenbahn auf dem Bahnhofe vier Stunden lang sitzen bleiben mufeten. Runter von dem Orchester! Da oben haben solche geschniegelte Soffen nichts zu suchen."
Adalbert blickte sich nach einem Ausweg um. Was konnte er gegen die vier rohen Kerle beginnen, die doch gewiffermaßen in ihrem Rechte waren? Jetzt aber mischten sich die Tänzer, die bis dahin mit offenem Munde dem Dor« gange gefolgt waren, in den Streit.
y9Bie wöll'n Ji nich hebben, de Kmstler fall Mieter spülen!" Tiefen sie einstimmig.
Einige handfeste Burschen packten die Musikanten am Kragen und drängten sie dem Ausgange zu. Die aber wehrten sich wie die Rasenden und es begann eine regelrechte Rauferei.
„De Schandarbe kümmt!" kreischten plötzlich die Mädchen, die sich auf die Straße geflüchtet hatten.
Augenblicklich hörte die Rauferei auf und die Burschen entschlüpften durch eine Hinterthüre ins Freie.
Als der Mann des Gesetzes erschien, befanden sich nur Adalbert, der Wirth und die vier Musikanten in dem Tanzsaale.
„Was geht hier vor?" fragte der Gensdarm.
Die Musikanten erzählten heftig gestikulirend den Vorgang. •
„Die Leute sind in ihrem Recht, warum lassen Sie sie nicht spielen?" fuhr der Jünger der heiligen Hermandad den völlig consternirten Wirth barsch an, dann wandte er sich an Adalbert.
„Wollen Sie mir Ihre Papiere zeigen? Wo haben Sie Ihren Gewerbeschein?"
Adalbert sah den Frager indignirt an.
„Ich befinde mich auf einem Vergnügungsausflug und trage meine Papiere nicht bei mir," sagte er gelassen, seine Geige in das Futteral bergend. „Ich wüßte überhaupt nicht, inwiefern ich mich zu legttimiren hätte."
„Nicht?" rief der Gensdarm gereizt. „Weil Sie für Geld Musik gemacht haben, ohne einen Gewerbeschein zu besitzen."
„Ich spielte nicht für Geld," fiel ihm Adalbert jetzt ebenfalls erbost in die Rede.
„So — der Wirth hat das Geld für die Musik eingesammelt, das ist einerlei. Man wird Sie beim Herrn Amtsvorsteher zu Protokoll nehmen, dann wird es sich Herausstellen, welche Strafe Sie zu erwarten haben. Der Herr Amtsvorsteher hat aber einen Ausflug unternommen. Bis er zurückkommt, muß ick Sie in Gewahrsam nehmen."
„DaS brauche ich mir nicht gefallen zu laffen," brauste Adalbert auf.
„Machen Sie keine Umstände", erwiderte der Gensdarm strenge, „es ist besser für Sie, wenn Sie mir freiwillig folgen."
„Darf ich nicht wenigsten- einen Boten nach Lindenhof senden?" fragte Adalbert jetzt völlig resignirt. „Ich werde dort erwartet."
Der Gensdarm nickte gnädig.
Rasch warf der junge Künstler einige Zeilen mit Bleistift auf ein Blatt seines Notizbuches, faltete es zusammen
und reichte cs dem verzweifelten Wirth mit dem Auftrags sofort damit einen reitenden Boten nach Lindenhof zu senden. Dann folgte er dem Gensdarm nach dem Spritzenhauses begleitet von den Tönen einer lustigen Tanzweise, die ihnr wie das Triumphgeschrei des erbitterten Musikantenkleeblattes, das längst von seinem heiß erfochtenen Rechte Gebrauch gemacht: halte, in die Ohren gellten.
Es mochten etwa kaum zwei Stunden vergangen fein, da ertönte auf der Landstraße das Rollen eines Wagens, welcher vor dem Arrestlocal anhielt. Stimmen wurden laut.
„Karl!" jubelt- der Arrestant und rüttelte an der Thüre seines Gefängnisses.
Jetzt wurde dies.- geöffnet und herein flog — Jka Bergmann, die Singebeule seines Herzens — geradewegs an seine Brust.
„Adalbert", schluchzte daS reizende Geschöpf, „was hat- man Ihnen gethan?"
Adalbert schloß die Augen und preßte die Geliebte fest an sich. Er wollte nicht zur Wirklichkeit erwachen. Der Traum war zu schön. Ober hatte er das tolle Zeug vorr vorhin am Ende doch nicht geträumt?
Das schöne Mädcken entwand sich sanft seinen Armen und als er die Augen öffnete, blickte er in das Gesicht seines Freundes Karl.
„Mensch, wie bist Du nur in diese Lage gekommen," rief der junge Mann, den verblüfften Adalbert lachend .umarmend. „Wir erwarten Dich den ganzen Tag mit Schmerzen. Die Bergmanns wollten Dick bei uns überraschen, es war Alles abgekartet, und inzwischen machst Du solche tolle Streiche."
Der Gensdarm hatte während dessen einem stattlichen Herrn, den Karl seinem Freunde als Amtsvorsteher des Dorfes vorftellte, Rapport abgestattet.
„Es ist Ihr Glück, Herr Wertheim," sagte die Ortsobrigkeit im gönnerhaften Tone, „daß ich gerade als Gast aus Lindenhof weilte, sonst würden Sie wohl bis morgen früh hier haben campiren müssen. Ihrer Strafe werden Sie indessen nicht entgehen — aber für heute bürge ich für Sie."
„Jetzt aber, meine Herrschaften, kommen Sie," rief Karl Weller und hob die erglühende Jka in den Wagen.
„Meine Eltern und ihre Gäste harren unser in Angst und Schrecken. Ueberdies ist die Maibowle fertig, — und damit uns aber dieser Pfingstsonntag ewig im Gedächtniß bleiben möge, wollen wir diesen denkwürdigen Tag mit dem frohen Ereigniß der Verlobung des Fräulein Jka Bergmann und Herrn Kammervirtuosen und weiland arretirten Bter- fiedlers Albert Wertheim beschließen."


