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Samstag dm 2. März
1S93
Erstes Blatt
Nr. 52
Amts- nnd 2lnzeigeblertt für den Avers Mefzeir.
Hratisöeitage: Gießener Kamitienölätter.
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melden,
imme mit 6,81 fa, cbstangm mit 2,20 fm, Mangen mit 0,72 fm,
mme mit 24,20 fm t Schnitt- u. Wagner.
Kichen-Wg, Buchen- „ Nadel« „ menfanft ist am Korst« t (beim Lumpenmann».
Die ®iebener AnmikienVtLlter SKtbrn bm Anzeiger »Lchemlich dreimal beigelegt.
Nerrefte Nachvlchten.
Wolffs telegraphisches Correspondmz-Bureau.
Berlin, 28. Februar. Wie die Abendblätter
Der
Lietzener Anzeiger rrschcmt täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
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lstcheMz "T Stadtwali).
m4.MärzI89L, d'/r Uhr beyimtnb, mw StabtiDQlb in ben und Grubenkops ver«
vierteljähriger AöonncmentspreiOr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
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Schutstrahe M.7.
Fernsprecher 51.
trat der Ausschuß de« Deutschen Bimetallisten- Lundes heute Nachmittag 3 Uhr im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammen.
Brettao, 28. Februar. Nachrichten aus P eters bürg zufolge sanden infolge des Zusammenstoßes zwischen den Studenten und der Polizei am 20. Februar in der Universität Ordnungsstörungen statt. Vorgestern hielten die Studenten eine Versammlung und gestern verlangten sie vom Ncctor, er solle beim Justizmintster dafür eintreten, daß die Polizisten, welche die Studenten reizten, verfolgt würden. Die Polizei hätte die Studenten verhaften, aber nicht schlagen und verwunden sollen. Der Rector erklärte sich bereit, beim Sladthauptmann Wahl Vorstellungen zu erheben, womit aber die Studenten nicht einverstanden waren, weil Wahl den Polizisten angebl'ch zugerufen habe: „Vernichtet die Studenten!" Es wurde beschlosst, an den Justizminister eine Deputation zu entsenden. Wenn die OrdnungS- störungen fortdauern, wird die Universität voraussichtlich geschloffen werden.
Schmalkalden, 28. Februar. Bei der heutigen Reichstags-Ersatzwahl für Eschwege-Schmalkalden war das Resultat im Kreise Schmalkalden allein (Stadt und Kreis) folgendes: Stengel erhielt 1628, Huhn 1676, Peters 1015, Jskraut 475 Stimmen.
Paris, 28. Februar. Der „Temps" erklärt, Frankreich werde bet der Einweihung des N o r d O st s e e-C a n a l s vertreten sein. Den Völkern wie den Individuen lege die gewöhnlichste Höflichkeit gewisse äußere Formen auf. Es würde Niemandem einfallen, Deutschland nicht ebenso zur Ausstellung im Jahre 1900 einzuladen, wie die anderen Mächte. Ebenso Unverständig wäre eS, eine Einladung abzulehnen, die ganz Europa angenommen habe. Da man in den Kieler Gewässern russische Schiffe sehen werde, wäre es da nicht sehr natürlich, dort auch französische zu sehen? Trotz der Anstrengungen einzelner isotirter Blätter könne es in dieser Hinsicht Überhaupt keine Frage geben. Verpflichtungen der Etiquette und der Correctheir hätten mit Herzenssachen nichts zu chun. Der Patriotismus habe niemals zwischen civilisirten
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 28. Februar. Der Kaiser traf heute Vor- mittag 103/4 Uhr auf dem Bahnhofe Friedrichstraße wieder ein und begab sich von dort zunächst nach dem PalaiS deS Reichskanzlers, um den Vortrag desselben entgegenzunehmen. Kurz vor 12 Uhr traf der Kaiser im Schloß ein.
Berlin, 28. Februar. Kaiser Wilhelm hat den Kaiser Franz Josef zum Generalfeldmarschall der deutschen Armee ernannt.
Berlin, 28. Februar. Entgegen der Meldung, daß der Kaiser im Juli die Königin der Niederlande besuchen und dann nach England gehen werde, will ein hiesiges Blatt wissen, daß zur Zeit keinerlei derartige Dispositionen ge- troffen seien.
Berlin, 28. Februar. In dem Befinden des Admirals Freiherr« von der Goltz ist eine Wendung zum Besseren eingetreten, obgleich die Gefahr noch nicht gehoben ist. Der Patient hatte eine ruhige Nacht, fühlt sich wohler, hat etwas Appetit und das Fieber hat nachgelassen. Der Kaiser ließ sich gestern und vorgestern zweimal telegraphisch Bericht über das Befinden des Kranken erstatten. Ebenso ließen die Kaiserin, Prinz Heinrich und zahlreiche Herrschaften Erkundigungen einziehen.
Berlin, 28. Februar. Die „Nordd. Allgem. Ztg." constatirt heute nochmals, daß die vor ihrer Ernennung zu Staatsmintstern zu Mitgliedern deS Staatsrathes berufenen früheren Minister auch jetzt noch dem Staatsrathe angehören. Fürst Bismarck sei also auch noch Dice- präsident deS Staatsraths.
Berlin, 28. Februar. Der Ausschuß des deutschen BimetallistenbundeS trat heute Nachmittag 3 Uhr im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammen. Gegenstand der Berathung war die Eooptation neuer AuSschußmitglieder und die Frage der Organisation.
Alle Annoncen-Burcaux deS In. und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger« entgegen.
i. Februar 189». raerrneisterei @itfw- Gnauth. 1674
Berlin, 28. Februar. Der ReichStagSabgcordnett Dr. Böckel erklärt, daß die Biätiermeldung, er fei zum Niederlegen seines Mandats als Reichstagsabgeordneter aufgefordert worden, unwahr sei. Es seien ibm vielmehr aus Fronhausen, der Hochburg seines Wahlkreises, briefliche Mittheilungen zugegangen, daß seine Wähler auch fernerhin fest und treu zu ihm stehen.
Berlin, 28. Februar. Wie die „Post" hört, ist auf die an die französische Negierung eingegangene Einladung zur Eröffnung des Nord-Ostsee-Eanals eine olficielle Zusage noch nicht erfolgt. In maßgebenden deutschen Kreise« herrscht jedoch darüber kein Zweifel, daß gleich den übrigen seefahrenden Staaten Europas auch Frankreich bet den Ein- weihungsfeierltchketten vertreten sein wird.
Berlin, 28. Februar. In der Justizcommission des Reichstags wurde heute die Berathung der Novelle zum Gerichtsverfassungsgesetz zu Ende gesüdrt. Auf Antrag des Abg. Spahn (Centr.) wird zu dem § 77 ein Zusatz angenommen, wonach zu Mitgliedern der Strafkammern nur Richter, also keine Ass ssoren bestimmt werden dürfen. DeS Weiteren wurde der Regierungsvorlage entsprechend die Besetzung der Strafkammer nur mit drei Mitgliedern für die erste Instanz beschlossen. In der Berufungsinstanz muß da- gegen die Kammer mit fünf Mitgliedern besetzt fein Die weiteren Beschlüsse der Commission sind mehr von formaler Bedeutung. In der nächsten S'tzung beginnt die Berathung der Novelle zur Strafgesetzordnung.
Berli«, 28. Februar. Im preußischen Landtage fand heute die Weiterberathung des Cultusetats statt.
Berlin, 28. Februar. Der Bundesrath hat in seiner heutigen Plenarsitzung oem Gesetzentwurf, betr. die kaiserlichen Schutztruppen für Südwestafrika und Kamerun, sowie dem Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung deS Zollvereinig- ungsvertrags vom 8. Juli 1867 (communale Weinbesteuerung) die Zustimmung ertheilt. Ferner wurden u. A. der RnchS- tagsbeschluß wegen Aufhebung des Jesuitengesetzes und der Gesetzentwurf wegen Abänderung des Branntweinsteuergesetzes vom 24. Juni 1887 den zuständigen Ausschüssen überwiesen. — Der sächsische Finanzminister v. Watzdorfs ist zum BundesrathSbevollmächtigten ernannt worden.
Berlin, 28. Februar. Die Wahlprüsungs-Com- Mission des Reichstags hat beschlossen, dem Plenum zu empfehlen, die Wahl des Abgeordneten Boltz'Saarbrücken für giltig zu erklären.
Berlin, 28. Februar. Die 21 Mitglieder deS Vereins „Berliner Presse", welche gestern Abend gegen den Beschluß bezüglich der Umsturzvorlage stimmten, haben ihre Absicht, ihr defensives Verhalten und ihre Namen in gemeinsamer Erklärung bekannt zu machen, aufgegeben.
Berlin, 28. Februar. Wie der „Voss. Ztg." gemeldet wird, ist das Abschiedsgesuch des Gouverneurs von Deutsch-Oftafrika, von Scheele, vom Deutschen Kaiser ge- nehmigt worden. Ueber seinen Nachfolger ist noch keine Bestimmung getroffen.
Berlin, 28. Februar. Fürst Bismarck hat die Wahl zum Ehrenmitgliede der Akademie der Künste dankend angenommen, jedoch dem Wunsche Ausdruck gegeben, die Deputation zur Ueberreichung deS Diploms mög- lichst an einem anderen Tage als am 1. April begrüßen z« können.
Frankfurt a. M., 28. Februar. Die „Franks. Ztg." meldet aus Sofia: Hier reiste eine außerordentliche türkische Mission nach Berlin durch, angeblich mit Ge- schenken. Sie wurde auf dem Bahnhofe durch eine Abordnung des Fürsten und der Regierung begrüßt.
Wien. 28. Februar. DaS Ministerium des Aeußeren übermittelte der Martnesection deS KrtegSministermms die Einladung des Deutschen Kaisers zur Betheiligung der Flotte Oesterreich Ungarns bei der Eröffnung des Nord- Ostsee-Canals.
Budapest, 28. Februar. Die Strikekasse der Tischlergehilfen, welche sich seit einiger Zeit in partiellem Ausstande befinden ist in der vergangenen Nacht in Folge direkten Auftrages des Ministers des Innern durch die Poltzei beschlagnahmt worden.
London, 28. Februar. AuS Ch ertlloS (Neu-Mex ko) wird eine große Explosion, die in einem Bergwerke statt- gesunden hat, gemeldet. Die Opferzahl ist noch unbekannt. Zwölf Stunden nach der Explosion war noch keiner von den in der Grube befindlichen Arbeitern herausbefördert.
Paris, 28. Februar. Die Exkaifertn Eugenie wird nach Corsica reisen. Es sind Vorkehrungen getroffen, um im Hinblick auf etwaige Kundgebungen der Bonapartiste« Ruhestörungen zu vermeiden.
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Gießener Anzeiger
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Deutscher Neich-tag.
48. Sitzung. Donnerstag, den 28. Februar 1895.
Marine-Etat. __
vSmmlltche einschlägigen Neuforderungm werden nach Wunsch der Vndget-Eommifsion abgelehnt. ..
DaS Gehalt deS Swatsfecretars wird genehmigt, nachdem Sbg Lieber über die Erklärung der Reg erung, betr. den Unfall ans der „Biand nburg", refertrt hat. . ..
Bet dem Eapitel Betrieb der Flotte sind 618 500 Mk. abaesetzt, ebenlo bei dem E^pitel Garnison-Verwaltung und ServiS-Wesen m. 5000 Mk., bet dem Eapitel Instandhaltung der Flotte und Werst- anlaaen 181500 Mk. ,
Siaatesec.elär Hollmann erklärt, daß unter so großen Abstrichen die Verwaltung sehr zu leiden habe.
»bg. Rickert (frf. Vg.) bemängelt die Mehreinstellung von zwei Mtlltonkn in den Etat.
Nachdem der Staatösecrelär sich hierüber geäußert und der Abg. Rickert nochmals seiner Verwunderung über die Etalüber- schreituna Ausdruck gegeben hat, beschließt das Haus nach den Vorschlägen der Commission. ,
Beim Eapitel Naturalien-Verpflegung und Titel Löbnung für Oeconomte - Handwerker erwähnt Abg. Ha mmacher (ntl.) eine Petition der Handelskammer-Bochum, um Abschaffung der beschränkten Submissionen. „ e , , ., ,
Geheimer Admiralität« - Rath Perels erklärt, daß in dieser Hinsicht schon Abänderung getroffen sei.
Bet dem Eapitel Instandhaltung von Flotte und Werftanlagen regt Abg. Rickert eine B sferstellung der WerstverwaltungSsecretäre an.
StaatStecretär Hollmann hält dies für nicht zulässig.
Abg. Legten (Soc) klagt über zu starken Wechsel tn der «rbetterbeschäfltgung und über Entlassungen, namentlich bei Ablauf des Winters.
Staalssecretär Hollmann erwidert, dies läge In der Natur der Sache.
Abg. Kardorsf (Rp) hält ben Socialdemokraten vor, daß ste durch ihre Verweigerung der Mittel für neue Schiffe die Arbeiter- entlaffungen verursachten.
Abg. Hammacher (ntl.) stimmt dem Vorredner zu und slatdtrt für die Gehaltsaufbesserung der W rftsecretäre.
Abg. Legten (Soc.) verweist den Vorredner auf die Auslassungen des Staalssecretärs.
Staatssccrelär Hollmann bemerkt, wenn allerdings Neubauten Vorlagen, brauchten keine Arbeiter-Entlassungen statlzufinden.
Abg. Bebel (Soc.): Wir verlangen nur, daß der Staat die »orhandenen Arbeiten gleichmäßiger vertheile.
Abg. Richter (frs. Vp.) regt on, das Salutschteßen innerhalb der eigenen Marine wenigsiens zu verringern.
Heber das Extra - Ordinarium referirt sodann Abg. Lieber.
Weiterberathung morgen 1 Uhr. Außerdem: Militär-Etat.
rn-KMiW ’ignet), i-Scheithoß, > H
M- chen-Stoäholj,
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Ländern die Beobachtung der gebräuchlichen Höflichkeit verhindert.
Pari», 28. Februar. Das „Journal des DebatS chreibt über die Betheiligung Frankreichs an der Eröffnung res Nord-Ostsee-Canals: „W r werden wie die andern Mächte einige Kriegsschiffe nach Kiel entsenden. Die Entrüstung einiger Zeitungen findet keinen Widerhall. Wir ' eben nicht mehr in der Zeit des BoulangiSmus. Die Regie« rung befolgt stets die Regeln der internationalen Höflichkeit. Unsere Künstler fangen an, dasselbe zu thun." Der „Gau« lots" schreibt: „Frankreich und Deutschland leben in Frieden. Deutschland konnte nichts Anderes thun, als uns einladen. Wir können nichts Anderes thun, als annehmen."
Petersburg, 28. Februar. Der „Regierungsbote" veröffentlicht einen Bericht Über die Studentenunruhen vom 20. d. M., worin es heißt: Bei dem üblichen Essen, welches nach dem ruhig verlaufenen Jahresac'us der Uni- versiiät in verschiedenen Restaurants unter Theilnahme der jetzigen und ehemaligen Studenten stattfand, störte ein Theil der Studenten die Ordnung in den Straßen in erheblichem Maße, sodaß dieselbe durch Gewalt wieder hergestellr werden mußte. Es wurde der größte Unfug in dem Alcazartheater und in der Michaelmanege, sowie in den Straßen: Große Jtaljanskaja, Jekaterinenskaja, Karawanja, Fontanka, in der Tfchernyschowgasse, auf dem Zagorodny Prospect und auf dem Newski-Prospect getrieben. Die Ruhestörungen trugen überall den gleichen Character. Trunkene Studenten drangen trotz der Ermahnungen ihrer Collegen, deS Publikums und der Polizei gewaltsam in die Locale und verübten daselbst wie auf den Straßen Unfug. Das Handgemenge auf den Straßen veranlaßte einige ungefährliche Verwundungen. Niemand wurde ernstlich verletzt. Die Gesammtzahl der Verwundeten beträgt 18, welche alle wieder herqestrllt sind. Die Thättg- keil der Polizei blieb größrentheils auf Ermahnungen und Localisaiion der Ruhestörungen beschränkt. Nur in der Michaelmanege und in dem Restaurant Paltin mußte die Pol'zei Gewalt anwenden. In der Michaelmanege, wo ein Zusammenstoß zwischen Studenten und einem Offizier stattfand, wurden acht Personen verhaftet. In dem Restaurant Palkin drängten betrunkene Studenten die Polizei zurück, was den Polizeichef des Stadttheils zwang, die Hauswüchter zur Entfer ung der Ruhestörer herbeizurufen. Durch obige Erklärung werden alle übertriebenen Gerüchte dementirt. Die Behörden werden künftig bei ähnlichen Umständen rechtzeitig Maßnahmen treffen, daß die Ordnung auf den Straßen, in den Theatern und Restaurants durchaus von allen unerwarteten Zwischenfällen gesichert bleibt und Ansammlungen betrunkener und Unfug treibender Personen verhindert werden.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Vorm. 10 Uhr.
iechigeruH itag den 7. fln* i 8 März, vor- ihr snsangenv, W* acher Gemmbemld,
fleijrtt werben: Verl- e. M* * *6,» äinme, -i Mangen % ; eisstangen. // ' «rerirrholz:
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