Ausgabe 
2.2.1895
 
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Samstag den 2. Februar

1895

Nr. 28

Amts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

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Die Gießener Anmitienvläller werden dem Anzeiger wöchentlich bretonal beigelegt.

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Bremen, 31. Januar. Von dem Kaiser und der Kaiserin ist der Dtrection deS Norddeutschen Lloyd daS nachfolgende Beileids-Telegramm zugegangen: Seine Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin find durch das schreckliche Unglück, daS dieElbe" betroffen, aufs Tiefste erschüttert und sprechen Allerhöchst Ihr wärmstes Mit­gefühl und aufrichtigstes Beileid auS. I. A.: v. Scholl, Flügeladjutant vom Dienst.

London, 31. Januar. Die zwanzig Geretteten, höchst nolhdürftig gekleidet, da sie plötzlich in der Nacht auf­geweckt wurden und keine Zeit zum Ankleiden hatten, trieben bei scharfem Südost auf hoher See umher und suchten ver­gebens mit Segeln und Hemden die Aufmerksamkeit der in Sicht kommenden Schiffe auf sich zu ziehen, bis fie um 11 Uhr von dem FischerbootWild Flower" bemerkt wurden, das fie um halb 6 Uhr in Lowestoft landete. Lowestoft ist ein Badeort der Ostküste an der großen Ostbahn, zwischen Yarmouth und Harwich. Zur Zett des Zusammenstoßes war die Nacht noch vollständig dunkel, so daß dieElbe" den an­fahrenden DampferCrathie" erst bemerkte, als es zu spät war, den Curs zu ändern. Der Capitän befand sich auf der Brücke und gab deutlich vernehmbar Befehl, daß alle Frauen und Kinder auf die andere Sette deS Schiffes ge­schafft werden sollten. Es scheint sehr schwer gewesen zu sein, die Schiffsboote flott zu machen, weil die Taue gefroren waren. Die einzige Dame unter den Geretteten, Anna Böcker, kam vom Sterbebette ihrer Eltern aus Deutschland,- sie eilte gleich nach dem Zusammenstoß aufS Deck und war so glücklich, Platz im Rettungsboote zu erhalten. Diese- Boot schlug um, doch hielt sie sich fest, bis sie von dem zweiten Rettungsboote aufgesischt wurde. Sie liegt jetzt in Lowestoft im Matrosenheim, erschöpft, aber ohne Lebens­gefahr.

Loudon, 31. Januar. Eine lebhafte Schilderung des Unglücks liefert K-rl Hofmann, der mit Frau und Kind zusammen in-einer Cabine zweiter Klaffe in unmittelbarster Nähe der durch den Zusammenstoß getroffenen Stelle schlief. Er hielt anfangs den Krach für ein Gong-Signal zum Früh­stück, als er, großes Fußgetrampel über sich hörend, aufs Deck eilte. ES gelang ihm, mit seinem Knaben das Boot zu besteigen und er wollte eben seiner Frau htnetnhelsen, al-

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Die Besatzung bestand bet vollbesetzten Kajüten auS 168 Personen, während sich der Kohlenverbrauch in 24 Stunden auf circa 115 Tonnen belief. An Bord derElbe" befand sich ein deutsch-amerikantscheS Seepostamt.

Hamburg, 31. Januar. Unter Führung derHambarg- Amerika-Lmie" hat sich an der heutigen Börse Hierselbst ein Comitö zur Sammlung von Unterstützungsgeldern für die -H nterbliebenen der beim Untergang derE l b e" ver­unglückten Personen gebildet, dem die ersten Hamburger Firmen beigetreten sind.

Lowestoft, 31. Januar. Der Lootse Greenham sagt über das Unglück derElbe" Folgendes auS: Der erste Befehl des Capitäns nach dem Zusammenstößen war, die Boote herauszuwtnden, aber nicht herabzulassen; dann cowman- dirte der Capitän: Alles an die Boote und die Mannschaft an ihre Posten. Hierauf folgte der Befehl, die Frauen und Kinder in den Steuerbordbooten zuerst zu retten- dieser Befehl wurde von dem Capitän gegeben und von dem ersten Offizier wiederholt, der Capitän befand sich auf der Brücke, ich glaube, daß er mit dem Schiffe untergegangen ist. Der nächste Befehl war, die Boote niederzulassen, es herrschte durchaus keine Verwirrung oder Panik. Jeder Befehl wurde mit größter Beschleunigung aussseführt. Die See ging hoch bet starkem Wind aus Ostsüdost und bitterlicher Kälte. Die Taue der Boote waren gefroren und wurden, um Zeit zu ersparen, gekappt. DieElbe" ging etwa zwei Minuten, nachdem wir sie verlassen hatten, unter. DaS Verhältniß der geretteten Mannschaft zur Zahl der geretteten Paffagiere wird durch den Lootseu dadurch erklärt, daß, nachdem der Befehl gegeben war, die Frauen und Kinder zuerst zu retten, dieElbe" sich nach der Steuer­bordseite senkte und das Wasser nach dem Promenadendeck hinauskam, wodurch die Steuerbordboote unbrauchbar wurden. Das Boot, das die Geretteten fortbrachte, befand sich an der Backbordseite und war das letzte, welches das Schiff verließ. Dem Befehle des Capitäns gemäß nahmen der dritte Offizier und der Zahlmeister im Boote Platz. AIS daS Wasser sich über das Deck ergoß, stürzten alle nach den Rettungsbooten.

Yarmouth, 31. Januar. Hier wurde ein Rettungs­boot ans Ufer geschwemmt; die in demselben liegenden Ruder trugen den NamenSaxonia".

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Deutschem Reichstag.

27. Sitzung. Donnerstag, den 31. Januar 1895.

Das HauS setzt zunächst die Berathung der Anträge auf Auf­hebung des Dictatur-Paragraphen in dem Gesetz vom 4. Juli 1879 für Elsaß-Lothringen fort.

Abg. Preiß (Els.-Lothr.): Das allgemeine gleiche Wahlrecht, welches der Herr Staatssecretär v. Puttkamer gestern als einen Vorzug Elsaß Lothringens bezeichnete, haben wir nur bei conmunalen Wahlen; zum Landesausschutz, der allein einige politische Bedeutung hat, haben wir indtrecte und Eensus-Wahlen. Für die Beibehal­tung deS Dictaturparagraphen fehle jede Begründung. Neben diesem haben wir für sämmiliche gesetzlichen Materien, die im Deutschen Reiche geregelt find, in Elsaß-Lothringen strengere Spec a'geictze, und das sind unsere Ausnahmegesetze. Der Dictaturparagraph terro- rifirt unser ganzes sociales Leben. Unsere Staatsanwälte sind von dem Geiste dieses Paragraphen besessen und die Beamtenwelt ist von diesem Geiste durchdrungen. Gleichwohl will man ihn aufrecht erhalten und zwar wegen der auswärtigen Agitationen. Dafür sollen wir büßen, obwohl bei uns selbst Alles in Ruhe ist?! Ist es denn da nicht Sache der Regierung, an der Grenze durch Ausweisungen, durchaus dafür zu sorgen, daß die Agitationen sich nicht auf Elsaß- Tothring n übertragen?! Helfe denn überhaupt gegen Agitationen im fremden Lande der Diktatur Paragraph? Ist es wirklich wahr, daß er nur gegen Ausländer zur Anwendung kommen soll, bann frage ich die Regierung: Ist sie damit einverstanden, wenn wir in der zweiten Lesung durch ein Amendement beantragen, das Gesetz ausdrücklich dahin zu ändern, daß $ 10 nur gegen Ausländer an- j gewendet wird? Rur mit Geduld, Milde, Klugheit kann Deutsch- land in Elsaß Lothringen folge erringen. Rur dadurch war es ja auch Frankreich gelungen, Elsaß-Lothringen zu affimiliren. Man sagt aus, mit Ausnahme kleiner Kreise von Krakehlern sei die elsaß- lothringische Bevölkerung zufrieden mit den bestehenden Zuständen. Wer sind diese Kreise von Krakehlern. Sind wir etwa gemeint? (Minister v Koller, welches neben der Rednertribüne Platz genommen hat, ruft: Sehr richtig! Heiterkeit.) So, sind wir etwa kleine Kreise? Ich behaupte, nicht nur meine Wähler, sondern die Wähler aller etsaß lothringischen Abgeordneten ohne Ausnahme verlangen die Abschaffung des Dictatur-Paragraphen. (Rufe links. Sehr richtig!) Hcrr o. Köller xurt hier nichtsehr richtig!" (Heiterkeit.) Herr v. Köller meint, die Bevölkerung sei mit der gegenwärtigen Gesetzgebung zufrieden und der Regierung dafür dankbar, (v. Köller: sehr richtig! Große Heiterkeii). Woher weiß Herr v. Köller das? Eine öffentliche Meinung besteht hier bei uns nicht, (v. Köller: Hört! Hört!) Und Herr v. Köllers System warsz nicht danach, baß die Bevölkerung geneigt gewesen wäre, ihm ihre Herzen auS- tuschutten.jst(Betfall^öl^e^ ggfire Ich Elsaß-Lothringer, ich hätte »ichi so von meiner Heirnath gesprochen, wie der Vorredner (Unruhe links.) Die Verhältnisse ftnb auch nicht so, wie sic bcr Vorredner geschildert hat. Erst nach 4-/., Jahren, daß ich dort war, nahm ich Gelegenheit, mir einmal den Dictaturparagraphen anzusehen (Heiter­keit links), als es sich darum handelte, ein so schmähliches Blatt wie dieEls. Volkszeitung" zu beseitigen. Als elsässischer Bürger hätte ich auch nie so über das elsässilche Parlament gesprochen, wie es hier von el-ässischen Bürgern bezw. Abgeordneten geschehen, die von einem Parlament von Rentnern sprachen, die keine eigene Meinung vertreten und sich von den Ministern zu Tische laden lassen; ich würde nicht so gesprochen haben, selbst bann nicht, wenn tzaS Alles wahr wäre. (Stürmische Heiterkeit). Ader es ist nicht wahr. Als fünfjähriger elsässischer Unterstaatssecretär kenne ich die verhältniffe bott. Es gibt kein Parlament, das ruhiger und sach­licher arbeitet, als ter Lanbesausschuß. Herr Preiß sprach von politischer Gleichgültigkeit und Kirchhofsruhe. Ich habe davon nichts empfunden. Das Volk ist dort nicht politisch gleichgiltig, aber einen Vorzug hat es vor manchen Anderen; Scandalmacher und Krakehler sind die Leute dort nicht. Ich bin nur ungern dort fort- Jegangen; wir haben dort mit Erfolg gearbeitet. Es herrscht dort triebe unb Eintracht. Wäre bem nicht so, so wäre ich dort nicht Grundbesitzer geworden. Ich kenne daS Lani) besser, als Herr Preiß. In den 6 Jahren, während ich dort war, haben sich Land und Heute wesentlich den Deutschen assirnilirt. Die Leute fühlen sich glücklich, ja sogar sehr glücklich, daß sie jetzt einem Lande angehören, «o es ruhiger zugeht, als in ihrem früheren Vaterlande. Auch die Wablstat'strk beweist ein Anwachsen der deutschen Gesinnung. Auch in Straßburg, selbst wenn Sie es auf den Kopf stellen, finden Sie, Herr B-bel, keine 6000 Socialdemokraten, wenn Sie auch dort ge­wählt find. Die Unzufriedenheit zu schüren, gibt es freilich auch dort Leute, ebenso wie hier im Reichstage. (Lachen links.) Ich nenne ja keinen Namen. (Heiterkeit). Durch die Uebertreibungen, die Sie hier Vorbringen, schaden Sie nur der Sache, während die Regierung mit Glück und Erfolg bemüht ist, die Leidenschaften zu dämpfen. (Beifall rechts.)

Abg. Prinz Hohenlohe: Entgegen einer gestrigenAeußerung deS Abg. Guerber halte ich den Dictaturparagraphen nicht für ent­behrlich. Dagegen halte ich es allerdings für wünschendwerth, die dortige Gesetzgebung in absrhbarer Zeit zu ändern, die mancherlei alten französischen Gesetze daselbst zu beseitigen. Es wird das aller­dings von den Verhältnissen abhängen, weniger von denen in Elfaß- Lothringen, als von denen in Frankreich. Die Verhältnisse in Elsaß- Lothringen selbst haben sich so geändert, daß der S 10, der sogen. Dictaturparagraph, nicht mehr nothwendig wäre; die Versöhnung hat dort Fortschritte gemacht. Ader so lange in Frankreich die Revanche Idee so viele rührige Anhänger hat, ist an Bescitigung des $ 10 nicht zu denken. Im Interesse des Landes selbst, um die Bevölkerung vor Verführung zu schützen. Von bem Dictaturpara­graphen fühlt überdies bk Bevölkerung sehr wenig, viel mehr bavon, wenn ihr der Rock ober bet Tabak vertheuert wirb; ihr liegt ihr materielles Wohl mehr am Herzen, unb mit Recht. Herr Bebel sagte, ich würde bet den nächsten Wahlen in Hagenau-Weißenburg nicht wikdergewählt werden. Ich weiß das nicht, aber das weiß ich: ein Gesinnungsgenosse Bebels wird in diesem schönen Ländchen nicht gewählt werden. (Beifall.)

Abg. Lenzmann (fteis. Bolksp.): Wie kann man sagen, daß bet Dictaturparagraph nicht angewandt werbe, während doch Blätter

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confHclrt wurden, ehe sie erschienen, und einer französischen Ver­sicherungsgesellschaft verboten wurde, in Elsaß-Lothringen Geschäfte zu machen, blos, weil ihre Agenten politische Agitation treiben wurden. Die Auswanderung in Elsaß - Lothringen ist darauf zurückzuführen, daß ein rechtlich denkender Mensch sich dort nicht wohl fühlt, weil er dort keinen Rechtsschutz unb keine Rechtssicherheit hat. Als gute Patrioten fordern wir im Interesse der Gerechtigkeit die Beseitigung des unseren Brüdern angetbanen Unrechts.

Abg. Pöhlmann (eis. HoSp. d. Reichsp.) wünlcht auch Auf­hebung des Dictaturparagraphen. Aber der Abg. Preiß habe mit seinen Ausführungen diesem Bestreben nicht gedient, denn er habe ein durchaus falsches Bild von den Zuständen in Elsaß-Lothringen ge­geben. Die Verhältniffe haben sich in Bezug auf Annäherung an Deutschland erheblich gebessert. Ich hoffe, daß, wenn die Regierung zu der Ueberzeugung kommt, baß bie äußeren Verhältnisse bie Auf­hebung bes Dictaturparagraphen gestatten, sie dies ohne Zögern tbun wird. Und ich hoffe, baß bie Regierung sehr halb zu dieser Ueberzeugung kommt. r r

Abg. v. Kardorff erklärt Namens der Reichspartei, dieselbe wünsche bie Arsih"bung bes Dictaturparagraphen. Aber wenn die Regierung, eine Regierung, zu welcher seine Freunde Vertrauen hätten, glaube unb versichere, bas Gesetz nicht entbehren zu können, halten wir basselbe aufrecht.

Nachdem noch Abg. Dr. Barth (srs. Vgg.) und als Referenten Abgg. Bebel und Simonis für die Anträge gesprochen, wird bie erste Lesung geschlossen.

Nächste Sitzung morgen.

Untergang des Norddeutschen Lloyd- DampfersElbe".

Depeschen bei 8ure*n .Herold".

Bremen, 31. Januar. Die Nachricht von bem Unter­gänge derElbe" würbe hier 11 Uhr Nachts durch Anschlag bekannt. DieElbe" ist seit 14 Jahren im Dienst und kostete 6 Millionen Mark. Die Paffagiere, welche bis auf einige ertrunken sinb, waren fast ausschließlich Auswanderer. Die Nachricht hat hier große Erregung und allgemeine Trauer hervorgerufen.

Bremen, 31. Januar. Nach den neuesten Nachrichten hält man von den 327 Paffagieren derElbe" 305 für ver­loren. Der Dampfer, welcher das Unglück verschuldet haben soll, gilt auch für verloren. Von den 22 Geretteten ist noch keine Nachricht eingegangen.

Berlin, 31. Januar. DasBerl. Tagbl." meldet aus London: BiS jetzt hält man 3 74 Menschenleben für verloren. In vergangener Nacht herrschte ein starker Nordost­sturm bei gleichzeitigem Frost. Trotzdem wurde von der Küstenwache und den Zollbeamten eifrig nach einem zweiten Boot ausgespäht, das einigen Berichten zufolge von der Elbe" losgekommen sein soll. Einige dieser Beamten sind 48 Stunden auf Wache. Bisher ist nichts gesehen oder ge­meldet worden und man ist geneigt, die letzte Hoffnung auf- zugcben. Nichts ist bisher angeschwemmt, nichts von der Elbe" geborgen worden, nur einige Heringsboote, die während der Unglückszeit in der Nachbarschaft fischten, sind bisher nicht hcimgekehrt. Nur an ihre Rückkehr knüpft man noch Hoffnungen. Einer der geretteten Offiziere erklärte, am Backbord deS unbekannten Dampfers grünes Licht bemerkt zu haben. Der Dampfer beabsichtigte vor dem Bug der Elbe" zu passiren, als das Unglück sich ereignete.

London, 31. Januar. Die Blätter kritisiren sehr scharf die Thatsache, daß trotz des Befehls des ertrunkenen Com- mandanten derElbe", zuerst die Frauen und Kinder zu retten, der größte Thril der Geretteten aus den Mannschaften deS Schiffes bestehe. Von den Geretteten könne Niemand über die Ursache des Unglücks eine Erklärung abgeben, jedoch scheine festzustehen, daß der britische KohlendampferMathie" allein die Schuld an dem Zusammenstoß trage. Derselbe habe sich, obgleich noch seetüchtig, nicht um daS Schicksal der Elbe" gekümmert, sondern sei eiligst davongefahren.

London, 31. Januar. Die 20 Personen, welche von dem Unglück derElbe" gerettet wurden, wurden von dem Fischer­bootWild Flower" ausgenommen und nach Lowestoft ge­bracht. In Southampton herrscht große Erregung. Die Nachricht von dem Untergang derElbe" wurde dort bis heute früh geheim gehalten. Die dort wartenden Paffagiere, welche mit derElbe" nach Newhork fahren wollten, hat ein nachträglicher Schrecken ersaßt.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Burean.

Bremen, 31. Januar. DieElbe" war der erste

Schnelldampfer desNorddeutschen Lloyd" und wurde im Jahre 1881 auf der Werft von John Elder & Co. in Glasgow erbaut. Die Läng- des Schiffes betrug 128 Meter, die Breite 133/4 Meter und die Tiefe lOVz Meter. Die ! Geschwindigkeit der Dampfers belief sich auf 16 Knoten in See bet einer Maximalleistung von 5000 indizirten Pstrde- i kräften. Das Schiff, welches 1130 Paffagiere fassen konnte, war ausgerüstet mit einer dreicylindrigen Compoundmaschine.

( 18 goldene Medaillen,

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